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überarbeitet von Gert Redlich ab Feb. 2014 - Eigentlich sprechen wir von einer Gazette - Es sind gigantische Textmengen (Buchstaben-Wüsten), die die Autoren der "FI" in den 58 Jahren zusammen getragen haben. Damit das überhaupt vernünftig zu lesen ist, haben wir die Inhalte in jährliche Themengebiete aufgeteilt, die aber nicht in jedem Jahr gleich sind.
Sehr wichtig ist, es wurden alle Informationen, die Texte und die Erkenntnisse genau in der Woche aufgeschrieben und nichts später ergänzt oder korrigiert.

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FI-1951 / 1.März-Ausgabe
Berlin schaltet sich in die deutsche Fernsehentwicklung ein.
Gründung einer Berliner Fernseh-Gesellschaft.

Wie wir erfahren, ist in diesen Tagen mit Beteiligung bekannter Berliner Wissenschaftler die Berliner Fernseh-Gesellschaft in West-Berlin gegründet worden. Wie uns mitgeteilt wird, sind die in dieser Gesellschaft zusammengefassten Kreise entschlossen, Berlin wieder aktiv und unabhängig in die deutsche Fernseh-Entwicklung einzuschalten. Zu den Gründern dieser Gesellschaft gehören u.a. auch der bekannte Fernseh-Pionier Denes von Mihäly, Prof Leithäuser und Hans S. von Heister.

Wir verweisen in diesem Zusammenhang auch auf den Aufsatz "Berlin will Fernseh-Metropole werden" in der 2. Februar-Ausgabe der "Fernseh-Informationen",

FI-1951 / 1.März-Ausgabe
Generalvertretung der Firma AEROVOX-Corporation

Die Firma Erich Költzow, Radio-Phono-Elektro, Hamburg 36, hat die Generalvertretung der Firma AEROVOX-Corporation, New Bedford, USA, für Deutschland übernommen. Die AEROVOX ist eines der grössten Unternehmen in den USA, das den grössten Teil der amerikanischen Fernsehgeräte-Fabriken mit Einzelteilen beliefert.

FI-1951 / 2.März-Ausgabe
Philips Valvo Werke - Meßgeräte für die Fernseh-Industrie

Auf der Technischen Messe 1951, die vom 29. April bis 8. Mai in Hannover stattfindet, werden die Philips Valvo Werke GmbH. Hamburg ausser ihren Rundfunk- und Beleuchtungsgeräten vor allem Meß- und Hilfsgeräte für die Rundfunk- und Fernsehgeräte-Herstellung und -Reparatur zeigen. Daneben werden Dehnungs-, Schwingungs- und Erschütterungsmeßgeräte zu sehen sein. Von den zur Ausstellung kommenden Einzelteilen sind die für die Verwendung in UKW- und Fernsehgeräten besonders geeigneten keramischen Rohrtrimmer aus der Philips-Produktion für den Fernsehtechniker besonders interessant, ferner führt Philips auf seinem Stand ein Lichtblitz-Stroboskop vor, mit dessen Hilfe schnelle periodische Bewegungen, denen das Auge nicht folgen kann, scheinbar bis zur Sichtbarkeitsgrenze verlangsamt oder zum Stillstand gebracht werden können. Als Beispiel wird der hundertmal in der Sekunde wechselnde Bewegungsablauf eines Zerhackerkontaktes sichtbar gemacht.

FI-1951 / 2.März-Ausgabe
Graetz KG: Fernsehempfänger-Produktion in Vorbereitung

Wie die Graetz KG in Altena in Westfalen mitteilt, beschäftigt sie sich ebenfalls mit Versuchen auf dem Gebiet des Fernsehens, insbesondere mit der Vorbereitung der Herstellung von Fernsehgeräten. Die Graetz-Werke wollen auch zum Herbst mit den von ihnen entwickelten Fernsehgerätetypen an den Markt kommen.

FI-1951 / 2.März-Ausgabe
Erster amerikanischer FS-Empfänger im Schaufenster

Das Hamburger Radiogeschäft Weiß & Co., Neuer Wall, hat in seinem Schaufenster einen amerikanischen FS-Empfänger ausgestellt. Das mit einem Bildwechsel von 30p/Sec. auf der 525 Zeilennorm arbeitende Truhengerät empfängt, ohne daß wesentliche technische Veränderungen vorgenommen werden mußten, die sekundlich 25 Mal wechselnden und auf 625 Zeilen gesendeten Bilder des NWDR. Die Bildwiedergabe soll zufriedenstellend sein.

FI-1951 / 2.März-Ausgabe
STREIFLICHTER AUF DIE PRODUKTION
Bayern

Die Produktionsziffern der bayerischen Radiogeräte-Industrie zeigen eine fallende Tendenz. Nachdem im Oktober 1950 mit 79.284 Empfangsgeräten ein Höchststand erreicht wurde, ging die Produktionsziffer im November 1950 auf 74.173, im Dezember auf 70.067 und im Januar 1951 auf 65.078 und im Februar auf 61.575 Stück zurück.

FI-1951 / 2.März-Ausgabe
STREIFLICHTER AUF DIE PRODUKTION
Loewe-Opta AG

Loewe-Opta AG: 26 Jahre Arbeit auf dem Fernsehgebiet
Die Loewe-Opta AG. , deren Stammwerk in Berlin-Steglitz rund 1.000 Arbeiter beschäftigt, hat nach dem letzten Kriege in Kronach in Oberfranken ein Zweigwerk errichtet, das gegenwärtig 600 Arbeiter beschäftigt. Ein weiteres Zweigwerk (Belegschaft 400) befindet sich in Düsseldorf. Das Produktionsprogramm der Loewe-Opta AG umfasst u.a. die bekannten "Globus"-Empfänger mit organisch eingebautem UKW-Teil sowie den "Atlanta"-Apparat. Ferner werden noch die Spitzensuper "Sonate" und "Sonatine" mit UKW und der Großempfänger "Rheingold" hergestellt.

Das Unternehmen brachte u.a. auch die ersten Mehrfachröhren und Allstromröhren heraus. Die Gesamtproduktion 1950 betrug rund 200.000 Radiogeräte. Die erst seit kurzer Zeit bestehende Exportabteilung des Kronacher Werkes konnte bereits grosse Erfolge in europäischen und aussereuropäischen Ländern erzielen. Seit 1925 beschäftigt sich die Loewe-Opta AG auch intensiv auf den Fernseh-Gebiet. Das Unternehmen wird, wie wir hören, auch mit zu den ersten deutschen Firmen gehören, die noch in diesem Jahre ausgereifte Konstruktionen von Fernsehempfängern auf den Markt bringen werden.

FI-1951 / 1.April-Ausgabe
WIR SAHEN UND HÖRTEN
Ein kleiner Fernseh-Empfänger aus Kiel

Die Rundfunk-Fernseh-Gesellschaft in Hamburg, Feldstrasse-Hochhaus 1, über deren Gründung wir in der 1.Januar-Ausgabe 1950, berichteten, hat jetzt nach Konstruktionen von Prof. Kroebel - Kiel einen kleinen Fernseh-Empfänger herausgebracht, der sich bisher gut bewährt haben soll. Das Unternehmen beabsichtigt, nach diesem Modell eine Kleinserie aufzulegen.

FI-1951 / 1.April-Ausgabe
WIR SAHEN UND HÖRTEN
Ein neues Sportstadion - die Westfalenhalle

In einer grösseren westdeutschen Stadt wird ein neues Stadion gebaut. Die Unternehmer haben sich mit Fernsehingenieuren in Verbindung gesetzt, um mit ihnen zu besprechen, welche Vorkehrungen für die Aufstellung von Fernsehkameras usw. schon beim Bau des Stadions berücksichtigt werden müssen. Wir begrüssen diese weitsichtige Haltung und hoffen, dass sie in anderen Fällen zur Nachahmung anregt.

FI-1951 / 2.April-Ausgabe - WIR SAHEN und HÖRTEN
Fernseh-Übertragungswagen aus Kiel

Im Elektro-Institut Bredeneek bei Preetz, der Geburtsstätte der ersten deutschen Nachkriegs-Fernseh-Empfangsgeräte, wird jetzt unter Leitung von Prof. Kroebel (Kiel) an der Herstellung der technischen Einrichtungen für einen Fernseh-Übertragungswagen (Reporterwagen für Aussenaufnahmen) gearbeitet. Dieser Fernseh-Übertragungswagen wurde vom NWDR beim Elektro-Institut Bredeneek in Auftrag gegeben.

FI-1951 / 2.April-Ausgabe - WIR SAHEN und HÖRTEN
Gesellschaft zur Förderung des Jugendfilms

In München wurde von der Bayerischen Staatsbank, der Bayerischen Creditbank und der Film-Finanzierungs G.m.b.H. eine gemeinnützige Gesellschaft zur Förderung des Jugendfilms gegründet. Dem Beirat der Gesellschaft gehören Staatssekretär a.D. Wolfgang Jaenicke, Dr.Hermann Baum, Syndikus des Produzentenverbandes, Prof. Dr.Hans Gebhart, Dr. August Most (Fifi) und Kommerzienrat Wilhelm Kraus an, Geschäftsführer ist Franz Baldewein. Die Gesellschaft will die Produktion und den Vertrieb moralisch sauberer Jugendfilme fördern und sich in dieser Richtung auch bei der Entwicklung des Fernsehens einschalten. -

Sie soll eine gemeinnützige Gesellschaft werden

Wenn diese gemeinnützige Gesellschaft zur Förderung des Jugendfilms - wie es ihre Absicht zu sein scheint - auch Kredite aus öffentlichen Mitteln an Fernsehfilm-Produzenten vermitteln will, dann ist das grundsätzlich nur zu begrüssen. Der Kredit-Filter muss aber engmaschig sein.

Kampf den Scharlatanen innerhalb der Förderung

Neben Firmen, die ihre Leistung und Zuverlässigkeit unter Beweis gestellt haben, tummeln sich auf dem "Neuland Fernseh-Film-Produktion" robuste Spekulanten, die sowohl den Nachweis ihrer filmischen Leistungsfähigkeit, wie den ihrer Kreditwürdigkeit schuldig geblieben sind. Diese "Briefköpf-Produzenten" und üblen Geschäftemacher, deren Methoden und Praktiken auf einer kürzlichen Versammlung von Filmschaffenden als "Gangster-Methoden" bezeichnet wurden, versuchen nun durch irreführende Konjunkturgründungen auf dem Fernsehfilm-Gebiet im Trüben zu fischen, um an öffentliche Kreditquellen heranzukommen, wobei nicht nur die Gefahr des völligen "Versickerns" und "Vergluckerns" der ihnen gewährten Kredite, sondern auch die der schweren Schädigung des Ansehens der jungen Fernsehfilm-Produktion besteht. Der deutsche Fernsehfilm kann nur von echten Produzenten mit sauberen Methoden und künstlerischer Verantwortung, aber nicht von hemmungslosen Kreditjägern und Ramsch-Organisatoren geschaffen werden.

FI-1951 / 2.April-Ausgabe - WIR SAHEN und HÖRTEN
Trennung von Telefunken

Die Pressestelle der Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Rundfunkwirtschaft Hannover, Göttinger Chaussee 76, die bisher durch Personal-Union mit der Firma Telefunken verbunden war, wird nach Lösung dieser Verbindung Anfang Mai als selbständiges Organ unter der Leitung von Dr. Werner Hensel wieder nach Stuttgart übersiedeln.

FI-1951 / 2.April-Ausgabe - LETZTE MELDUNGEN
Valvo wird zu Philips

Die Philips Valvo-Werke G.m.b.H. Hamburg werden am l.Mai in "Deutsehe Philips G.m.b.H." umbenannt. Damit nimmt die Firma wieder den Namen an, unter dem sie vor fast 25 Jahren gegründet wurde. Als Zweigniederlassungen werden 7 Fabriken geführt, und zwar die Radio-Röhrenfabrik und die Keramischen Werke in Hamburg, das Glühlampenwerk und die Glasfabrik in Aachen sowie die Apparatefabriken in Berlin, Wetzlar und Krefeld.

Der steigende Umsatz hat es erforderlich gemacht, eine neue Verkaufsgesellschaft ins Leben zu rufen; die "Elektro-Spezial G.m.b.H." wurde daher dieser Tage in Hamburg mit einem Kapital von 500.000 DM gegründet. Der Geschäftsführer des Unternehmens, Graf v. Westarp, erklärte, dass die Deutsche Philips-Gesellschaft jetzt vor der Aufgabe stehe, in Krefeld in der dort errichteten neuen Fabrik Fernseh-Apparate zu bauen.

Zur Zeit sei der Rundfunk-Apparate-Umsatz saisonbedingt zurückgegangen. Einen Ausgleich biete das Auto-Empfänger-Geschäft. Der Export der Philips Valvo Werke werde in diesem Monat erstmalig den Wert von 1 Mill. DM überschreiten. Auf Ausführungen von Graf Westarp über die Aussichten des Fernseh-Geschäfts werden wir, sobald uns der Wortlaut dieser Ausführungen vorliegt, in der nächsten Ausgabe der "Fernseh-Informationen" zurückkommen.

FI-1951 / 1.+2. Mai-Ausgabe - Nicht der "billige", sondern der gute Fernsehempfänger erobert den Markt

Nürnberg,17. Mai 1951
Auf Anregung der "Fernseh-Informationen" führten die Grundig-Radio-Werke in Fürth am 17. Mai in ihrem Betrieb eine Vortrags- und Diskussionsveranstaltung über die Entwicklung, den Stand und die Aufgaben des Fernsehrundfunks durch, an der nicht nur Betriebsangehöroge teilnahmen, sondern zu der auch der Nürnberg-Fürther Radiohandel und Vertreter der Tages- und Fachpresse geladen waren.

Dr. Kurt Wagenführ, der Lehrbeauftragte für Rundfunk und Fernsehen an den Universitäten Hamburg und Münster, der auch unseren Lesern als ständiger Hamburger Mitarbeiter der "Fernseh-Informationen" bekannt ist, gab in seinem Referat einen Überblick über den Stand des Fernsehens in der Welt und speziell über die Pionier- und Versuchsarbeiten des NWD-F in Hamburg seit dem Herbst 1950. Seine Darstellung der Hamburger Bemühungen um die Gestaltung eines guten Fernsehprogramms und sein Versuch, eine Linie aufzuzeigen, auf der sich nach seiner Meinung das Fernsehprogramm entwickeln müsse, fanden in dem sehr interessierten Zuhörerkreis ein lebhaftes Echo.

"Wann kommt das Fernsehen nach Franken?"

Direktor Otto Sieweck von den Grundig-Werken erklärte zusammenfassend, daß die Entwicklung des Fernseh-Rundfunks, wenn das Programm nach solchen Gesichtspunkten gestaltet werde, kein Anlass zu Besorgnis sei, sondern zu einer kulturellen Bereicherung unseres Lebens werden müsse.

Die Diskussion war im wesentlichen bestimmt durch das wirtschaftliche Interesse des Radiohandels an der Fernsehentwicklung. "Wann kommt das Fernsehen nach Franken?", war die erste Frage, die jedoch noch nicht schlüssig beantwortet werden konnte, da es noch nicht feststeht, ob die Bundespost ihre Dezimeterbrücken im kommenden Jahr von Frankfurt über Nürnberg nach München, oder aber über Mannheim - Stuttgart nach München weiterbauen wird. Hier spielt zweifellos auch die Frage eine Rolle, mit welcher Entschlusskraft und Energie der Bayerische Rundfunk die Vorbereitungen für die Gestaltung des Fernsehens in Bayern nunmehr in Angriff nimmt.

Die Frage nach der Fernsehempfänger-Produktion der Grundig-Werke beantwortete Direktor Sieweck mit der Mitteilung, daß Grundig, ebenso wie eine Reihe anderer Firmen, in diesem Jahr (1951 ist gemeint) einige hundert Geräte auf den Markt bringen wird, deren Preis vermutlich zwischen 1.300 und 1.400 DM liegen dürfte.

Das Teilzahlungssystem für Fernsehempfänger

Zu welchen Teilzahlungsbedingungen diese Geräte in den Handel gebracht werden können, lasse sich gegenwärtig schwer beurteilen. Bekanntlich haben die Kreditrestriktionen und die wirtschaftlich unsicherer gewordene Situation der breiten Käuferschichten dazu geführt, daß die Radioindustrie ihre Teilzahlungssysteme für Rundfunkgeräte vor 10 und 12 Monaten auf 6 Monate verkürzen musste. Auch für Fernsegeräte könnten unter den gegenwärtigen Umständen nicht mehr als sechs Monatsraten veranschlagt werden. Die vielfach gestellte Forderun des Handels, ein Teilzahlungssystem für Fernsehapparate zu schaffen, bei dem ein Drittel der Kaufsumme angezahlt und der Rest in Monatsraten von 60 bis 70 DM abgetragen wird, könnte von der Industrie nur dann erfüllt werden, wenn die Kreditrestriktionen fallen, und eine Besserung der allgemeinen wirtschaftliehen Verhältnisse eintritt.

Mit Nachdruck brachten die Rundfunkhändler ihr Interesse daran zum Ausdruck, daß die Industrie auch in ihren ersten "Kleinstserien" nur gute, technisch einwandfreie Geräte auf den Markt bringt. Mangelhaft arbeitende Geräte könnten das Geschäft für lange Zeit verderben. Nicht der in der Preisstellung billige, sondern nur der gute Fernsehempfänger werde sich den Markt erobern.

FI-1951 / 1.+2. Mai-Ausgabe
Rundfunkwirtsehaft und Fernsehen.

Der Sonderumsatzsteuer-Schock in der Rundfunk- und Fernsehindustrie.

"Die allgemein günstige ümsatzentwicklung in der elektrotechnischen Industrie hat", wie das bayerische Wirtsehaftsministerium in seinem letzten Wirtschaftsbericht feststellt, "auf dem stark überbesetzten Rundfunkgeräte- Sektor einem Absatzrückgang Platz gemacht. Er wurde neben saisonalen Einflüssen durch die Erschwerung des Abzahlungsgeschäftes im Zuge der Kreditrestriktionen hervorgerufen. Im Gegensatz hierzu dürfte" nach Ansicht des bayerischen Wirtschaftsministeriums, "der Bau von Fernsehgeräten durch die Konzentrierung führender Firmen in Bayern Zusehens an Bedeutung gewinnen, doch sind mit der Erzeugung vorläufig noch verschiedene Risiken verbunden. Auch ist das Fernsehnetz in Westdeutschland noch nicht entsprechend ausgebaut."

Soweit das bayerische Wirtschaftsministerium über Produktions- und Absatzlage in der bayerischen Rundfunkindustrie.

Verkürzungen der Arbeitszeit und Massenkündigungen

Drastischer sind schon die Formulierungen des bayerischen Arbeitsministeriums über die einschlägige Konjunkturentwicklung. (Arbeit und Wirtschaft in Bayern im April 1951). Hier heisst es "Weniger günstig liegen die Verhältnisse in der Radioindustrie und ihren Zubringerbetrieben. Dort haben die Krediteinschränkungen dem stark forcierten Teilzahlungsgeschäft einen empfindlichen Schlag versetzt, der zu teilweise grösseren Verkürzungen der Arbeitszeit und zu Massenkündigungen führte. Wohl brachten in dieser Industrie die ersten Monate jeden Jahres stets einen Produktionsrückgang, der auch zu Kurzarbeit und zeitweiligen Entlassungen führte, doch erreichte diese Flaute nie die gegenwärtigen Ausmasse."

Der gegenwärtige starke Rückschlag in der Rundfunkgeräte-Wirtschaft geht in der Tat weit über die saisonüblichen Ausmasse hinaus. Die Korea-Krise hatte stark "laxierend" auf die Geldbörsen der breitesten Käuferschiehten gewirkt und zeitweilig eine Art Sachwert-Psychose begünstigt, die besonders auch den Absatz hochwertigerer Rundfunkapparate stark förderte.

Das 12-Monats-Teilzahlungssystem schien unter den düsteren politischen und wirtschaftlichen Aspekten der Korea-Krise den Erwerb eines Sachwertes, wie ihn ein hochwertiger Rundfunkapparat darstellt, in jeder Weise risikolos und lohnend für den Käufer zu gestalten. Die Korea-Psychose ist abgeflaut, aber bedeutende Teilzahlungsverpflichtungen der Käuferschichten sind geblieben. Die Rundfunkgeräte-lndustrie, der auch noch die UKW-Entwicklung zugute kam, hatte im vergangenen Jahr eine ausgezeichnete "Vorgriffs-Konjunktur", die auch die tatsächlich vorhandenen Überbesetzungsprobleme in der westdeutschen Radioindustrie überdeckte.

Kaufwelle des Jahres 1950 abgeebbt

Die große Kaufwelle der letzten Hälfte des Jahres 1950 ist vorüber. Die Kaufkraft der breiteren Bevölkerungsschichten ist durch Eindeckungs-käufe auf weiteren Verbrauchsgüter-Gebieten teilweise geschwächt oder wird durch den allgemein erheblich angestiegenen Preisspiegel absorbiert. In diese Situation der sich anbahnenden allgemeinen Käuferzurückhaltung kamen die Kreditrestriktionen, die auch der bisherigen Absatzfinanzierung grosse Mittel entzogen und das Teilzahlungsgeschäft auch von dieser Seite drosselten.

Der von Bundesfinanzminister Dr. Schäffer entwickelte Plan zur Einführung einer Sonderumsatzsteuer, durch die bekanntlich auch "Luxus"-Rundfunkgeräte über 250.—DM mit 33 1/3% ihres Verkaufspreises besteuert werden sollten, hätte vielleicht noch einmal einen kurzlebigen "Run" auf die teueren Geräte verursacht, dann aber wahrscheinlich zu einer völligen Absatzstockung für diese Geräte, die den heutigen Hauptbestandteil der Produktion der großen Radiofirmen bilden, geführt.

Absatzentwicklung von politischen "Imponderabilien" beeinflusst

Die weitere Absatzentwicklung in der Radiogeräte-Industrie ist schwer zu übersehen, da sie nicht nur von rein wirtschaftlichen Faktoren bestimmt, sondern auch von gewissen politischen "Imponderabilien" beeinflusst wird. Wenn man die letzteren ausseracht lässt, so sprechen viele Anzeichen dafür, daß die Produktions- und Absatzziffern der Rundfunkgeräteindustrie des Jahres 1950 in diesem Jahr bei weitem nicht erreicht werden. Wie weit mengen- und wertmässig gewisse Ausgleiche durch Export zu erzielen sind, wird bei den einzelnen Unternehmen der Rundfunkgeräteindustrie sehr verschieden sein.

Im Ganzen gesehen, wird das schrumpfende Produktions- und Absatzvolumen für Radiogeräte das Überbesetzungsproblem in diesem Wirtschaftszweig in diesem Jahr recht akut machen; und, falls die Kreditrestriktionen nicht bald erheblich gelockert werden können, auch für zahlreiche Unternehmen prekäre Situationen bringen.

Das Fernsehen muß kommen . . . .

Der Wunsch, eine Konjunkturreserve, wie es das Fernsehen, das ja keine Verdrängung, sondern eine Ergänzung des Rundfunks darstellt, sein könnte, zu schaffen, wird dringlicher werden. Die Vorwürfe an alle jene Stellen, von denen man zu Recht oder Unrecht annimmt, daß sie die Entwicklung des Fernsehens allzusehr verzögert hätten und auch nicht verstanden hätten, eine wirkungsvolle Propaganda - Rundfunk plus Fernsehen - in die Wege zu leiten, werden schärfer werden. Dabei ist allerdings zu bemerken, dass Rundfunkindustrie und Handel, die in der Beurteilung der Fernsehentwicklung selbst noch bemerkenswert unsicher sind, nicht allzuviel getan haben, um den für Senderbau und Fernsehgestaltungsprogramme zuständigen Stellen deutlieh zu machen, dass das Fernsehen in Deutsehland auch eine erhebliche Wirtschaft liehe Seite haben dürfte!

Fernsehfeind Nr. 1 wäre die geplante Sonderumsatzsteuer

Wenn von den hemmenden Faktoren in der deutschen Fernsehentwicklung gesprochen wird, dann muss allerdings gegenwärtig als Fernsehfeind Nr. 1 der Plan des Bundesfinanzministers Dr. Schäffer zur Einführung einer Sonderumsatzsteuer bezeichnet werden. Eine solche volkswirtschaftlich wenig durchdachte Spezial-Steuer würde nicht nur auf Sicht einen schweren Schlag für die deutsche Rundfunkwirtschaft und deren Arbeiter und Angestellten bedeuten, sondern vermutlich auch die junge, in der Entwicklung befindliche, auch exportaussichtsreiche Fernsehindustrie bedrohen. Es war zu vermuten, daß, wenn eine Sonderumsatzsteuer eingeführt würde, diese aueh Geltung für Fernsehgeräte hätte, wodurch der Preis der Geräte an die 2.200 DM-Grenze herangerückt wäre. Mit einem solchen Gerätepreis wären alle Bemühungen, das Fernsehen auch breiteren Schichten der Bevölkerung zugänglich zu machen, hoffnungslos geworden.

Der Sonderumsatzsteuer-Schock des Bundesfinanzministers hat auf der Industrieseite sehr unliebsame Störungen und Investierungsstagnationen hervorgerufen. Dass unter den Aspekten einer "mörderischen Steuerpolitik" die Industrie größere Investierungen zur Vorbereitung einer Serienfabrikation scheute und erst die weiteren Entwicklungen in dieser Richtung abwarten wollte, ist verständlich. So kam es, daß Grossbetriebe der Rundfunkindustrie nicht nur eine vorsorgliche Kündigung von 30 bis 50% der Belegschaftsmitglieder in Aussicht nahmen, sondern, daß auch deren Abteilung "Fernsehgerätebau" auf der Stelle treten musste.

Gerüchte machen es noch schlimmer

Verschiedentlich wurde sogar der Verdacht laut, dass man in Bonn durch eine so rigorose Drosselung der zivilen Produktion, wie sie die Sonderumsatzsteuer begünstigt hätte, die Rundfunkindustrie in den Sektor der westlichen Rüstungsaufträge treiben wolle. Nach unserer Kenntnis der Tendenzen im Bundesfinanzministerium scheint uns dieser Verdacht jedoch unbegründet. Nun scheint der Plan einer Sonderumsatzsteuer wieder in der Versenkung zu verschwinden. Damit würde auch ein grosses Hindernis für die Industrie, die Fernsehentwicklung auch von ihrer Seite weiter voranzutreiben, beseitigt. Es sollte nicht - was wir bereits erwähnt haben - übersehen werden, daß ein gesunder Aufbau des Fernsehens eine wichtige Konjunkturausgleichs-Reserve für die gesamte Rundfunkwirtschaft darstellen kann.

FI-1951 / 1.+2. Mai-Ausgabe - WIR SAHEN UND HÖRTEN
Informationen aus dem Einzelhandel

Seitens des Hamburger Rundfunk-Einzelhandels Verbandes e.V. werden gegenwärtig in Hamburg alle, am Fernsehen interessierten Handelsfirmen zu einer Fernseh-Arbeitsgemeinschaft zusammengefasst, um durch Schulungskurse und evtl. Selbstbau des Service-Instrumentariums die Voraussetzung für eine ordnungsgemässe Abwicklung von Gerätelieferungen zu schaffen.

Veranlasst wurde dieser Schritt durch die dem einschlägigen Handel "unverständliche Geheimnistuerei der Fabriken in Bezug auf Vertriebsform und sogenannte Service-Verträge, die es jedem Aquisiteur ermöglichen, Fernsehgeräte zu verkaufen, wobei der Fachhandel wahrscheinlich wieder die Rolle der die Auswahl stellende Kulisse übernehmen soll."

Nach einer Mitteilung des Rundfunkfachhandels in Oldenburg liegen bisher von 10 der grössten westdeutschen Rundfunkgeräte-Fabriken vertrauliche Mitteilungen vor, dass sie im Herbst dieses Jahres kleine Serien Fernsehgeräte auf den Markt bringen werden. Als Preise für die neuen deutschen Fernsehempfänger werden Beträge zwischen 950 DM und 1400 DM genannt.

FI-1951 / 1.+2. Mai-Ausgabe
AUSLANDSÜBERBLICK und ANREGUNGEN - England

Die Zahl der in England erzeugten Fernsehgeräte beläuft sich zurzeit auf etwa 2.00 pro Woche. Der Hauptanteil der Produktion umfasst Geräte mit 15" Bildröhren.

Eine neue Aufnahmekamera für Fernsehsendungen, die mit 6 verschiedenen Linsen arbeitet und im Rahmen des britischen Festivals erstmals gezeigt wurde, wurde von einer britischen Firma konstruiert.

FI-1951 / 1.Juni-Ausgabe - DEUTSCHLAND
STREIFLICHTER AUF DIE PRODUKTION
Der erste deutsche Fernsehempfänger auf dem Markt

Während die grossen Firmen der deutschen Rundfunkindustrie in ihrer Arbeitsgemeinschaft eine Absprache getroffen haben, erst im Herbst 1951 mit Kleinserien von Fernsehempfängern an den Markt zu kommen, hat das Elektroinstitut Bredeneek GmbH bereits jetzt einen Empfänger herausgebracht. Es handelt sich um einen von Prof. Kröbl - Kiel konstruierten Tischempfänger, eine Verbesserung jenes Modells, dass das Elektroinstitut als erstes deutsches Fernseh-Gerät der Nachkriegszeit in Einzelanfertigungen baute. Der neue Kröbl-Empfänger ist in seinen Maßen etwas kleiner gehalten und sieht mit seinem hochglanzpolierten Nußbaumgehäuse äusserlich sehr ansprechend aus. Mit nur 5 Bedienungsknöpfen (1. Ein- und Ausschalter mit Klangstärkeregler, 2. Klangregler, 3. Helligkeitsregler und 5, Kontrastregler ist das Gerät verhältnismässig "narrensicher". Die seitliche Anbringung des Lautsprechers ist beibehalten worden; ein kleiner Nachteil, den man dadurch ausgleichen kann, dass man das Gerät möglichst in einer Zimmerecke aufstellt.

Technische Daten.

Netzspannung: 220V, 50 Hz
Leistungsaufnahme: ca 180 VA
Röhrenbestückung: 23 Stück, Tonumfang 0-15 kHz

Der neue Kröbl-Empfänger wird vorerst nur in Kleinstserie angefertigt und kostet 1980.- DM. Er ist nur gegen Barzahlung erhältlich. Der Preis kann, wie uns versichert wurde, erheblich gesenkt werden, sobald das Auflegen einer größeren Serie möglich ist. Die finanziellen Voraussetzungen für die Aufnahme einer Serienfabrikation sollen, nachdem Prof. Kröbl eine Kapitalkräftige Stelle für seine Pläne interessieren konnte, nunmehr geschaffen sein.

Fernseh-Empfänger-Fertigung bei C.Lorenz A. G. Stuttgart

Die C.Lorenz A.G., Stuttgart beschäftigt gegenwärtig wieder rund 4.000 Arbeiter und Angestellte. Schwerpunkt des Produktionsprogramms bildet die Rundfunk- und künftige Fernsehempfänger-Fertigung, zum Teil in Gemeinschaftsarbeit mit der Tochtergesellschaft Schaub. (Anmerkung: später Schaub Lorenz). Im Röhrenwerk Oberesslingen ist das Fertigungsprogramm fast vollständig auf die Herstellung von Röhren für Rundfunkempfänger und Fernsehapparate umgestellt. (2,5 Mill. Röhren pro Jahr).

Im Laufe dieses Jahres wird das Fertigungsprogramm durch Kurzwellentherapiegeräte grösserer Leistung ergänzt werden. Ein weiteres Gebiet ist auch der Bau von kommerziellen Sendeanlagen und Rundfunksendern. - Die C.Lorenz A.G. hat, wie wir hören, auch bereits ein erstes Modell eines Fernsehempfangsgerätes sichtbar gemacht. Es handelt sich um einen Tischempfänger mit der üblichen Bildröhre, der 1.00 DM ohne Bildröhre kostet. Da der Röhrenpreis bei 180 bis 200 DM liegt, dürfte der Gesamtpreis dieses Gerätes 1.00 DM betragen. Ob dieses Modell in die Serienproduktion gehen wird, ist ebenso fraglich, wie bei den Modellen, die man gegenwärtig gelegentlich bei anderen Unternehmen der Fernsehindustrie zu sehen bekommt. Das der Serienerzeugung endgültig zugrundeliegende Modell wird bei den in Betracht kommenden Firmen noch als strenges Betriebsgeheimnis gehütet.

FI-1951 / 1.Juni-Ausgabe - DEUTSCHLAND
STREIFLICHTER AUF DIE PRODUKTION
Der Aufbau des Fernsehgeräte-Marktes

"Fernseh-Arbeitsgemeinschaft" der Industrie, des Handels und des
Handwerks. - Die Forderungen des Radiohandels. - Fernseh-Lehrgänge
für Radiotechniker - ps. Hamburg, Anfang Juni

Im Rahmen einer neugebildeten "Arbeitsgemeinschaft Fernsehen", der Firmen der Rundfunkindustrie, des Radio- Groß- und Einzelhandels und des Radiohandwerks angehören, fand am 21. Mai im Sitzungssaal der "Deutschen Philips GmbH." in Hamburg erstmals eine Aussprache zwischen Vertretern der genannten Wirtschaftszweige über Fragen des Vertriebs und der Betreuung (Service) von Fernsehgeräten statt.

Seitens der Industrie waren bei dieser Zusammenkunft die Firmen Philips, Telefunken und Siemens vertreten, während der Standpunkt des Handels im Wesentlichen von Ing. Hans Röglin - Hamburg, dem vom Deutschen Radiofachverband gewählten Generalbevollmächtigten für Fernseh-Fragen, dargelegt wurde. Ing. Röglin erhob die Forderung, dass der Radiofachhandel nicht von der Industrie aus dem Fernseh-geschäft ausgeschaltet werden dürfe. Gut fundierte Einzelhandelsfirmen seien sehr wohl in der Lage, sowohl den Vertrieb als auch den Kunden- und Reparaturdienst für Fernsehgeräte zu übernehmen. Es sei sogar erwünscht, dass der Handel mit entsprechender Rückendeckung bei der Industrie die Garantie für neue Fernsehgeräte den Kunden gegenüber übernehme. Allerdings dürften nur finanziell gut fundierte und seriöse Unternehmen in den Fernseh-Handel und -Reparaturdienst eingeschaltet werden.

Erste protektionistische Gedanken

Ing.Röglin kündigte die Bildung von regionalen Ferns-eh-Arbeitsgemeinschaften innerhalb der Landesverbände des Radioeinzelhandels an, deren Mitglieder dann ausschließlich von der Industrie mit Fernsehgeräten zu beliefern seien. (Diese vom bevollmächtigten Vertreter des Einzelhandels gemachten Vorschläge haben für die Industrie vorläufig jedoch nur rein informatorische Bedeutung.

Zu welchen Entschlüssen die Industrie bezüglich des Absatzes und des Reparaturdienstes für Fernsehgeräte kommt, dürfte sich erst auf der Beiratssitzung der Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkindustrie entscheiden, die am 9. und 10. Juni in Frankfurt stattfindet. Auf der Hamburger Tagung brachten auch die Vertreter der drei teilnehmenden Firmen zum Ausdruck, dass es ebenfalls im Interesse der Industrie liege, wenn nur wirklich zuverlässige Einzelhandelsunternehmen am Fernsehgeschäft beteiligt würden, da bei einer unsachgemässen Behandlung, Installation und Pflege der empfindlichen Geräte durch "Pfuscher" allzuleicht beim Publikum Fehlurteile über die Qualität der Markenapparate entstehen könnten.

Die drei genannten Firmen erklärten sich bereit, Fernsehtechniker zur Durchführung von Fernseh-Schulungs-kursen für Radiohandwerker zur Verfügung zu stellen. An diesen Kursen sollen nur versierte und vollkommen mit ihrer Materie vertraute Radiomechaniker teilnehmen, da nur solchen in einem etwa 100stündigen Lehrgang ein ausreichendes Wissen über die komplizierte Fernsehempfangstechnik vermittelt werden kann.

Nur vorsichtige Andeutungen über die Preise

Über die Preise der noch in diesem Jahre auf den Markt kommenden Fernsehempfänger-Kleinstserien wurden auf der Hamburger Tagung nur vorsichtige Andeutungen gemacht, die zwischen 1.200 und 2.000 DM differierten. (!) Kopfzerbrechen bereitet noch die Frage der Teil-Zahlungsbedingungen für Fernsehgeräte. Der Handel würde das bisher auch im Rundfunkgeschäft übliche System der 20 prozentigen Anzahlung und der Abzahlung in 10 Monatsraten für tragbar halten, obwohl dabei die Monatsraten zwischen 120.- und 150.- DM liegen würden. Man ist sich aber darüber im Klaren, dass zunächst gewisse Abänderungen des Abzahlungsgesetzes von "1890" bewirkt werden müssen, ehe an die Einführung des TZ-Geschäfts im Fernsehhandel gedacht werden kann. Das in diesem Gesetz verankerte "Wandlungsrecht" des Kunden, der einen auf Teilzahlungsvertrag erworbenen Gegenstand umtauschen kann, wobei ihm die bereits gezahlten Beträge angerechnet werden müssen, könne für das Fernsehgeschäft unmöglich beibehalten werden.

FI-1951 / 1.Juni-Ausgabe - DEUTSCHLAND
STREIFLICHTER AUF DIE PRODUKTION
Fernsehhandel als Spezialfach

In Berlin wurde ein Fernsehfachverband gegründet - (Von unserem B.H.K.-Mitarbeiter) - Berlin, Anfang Juni 1951

Führende Firmen des Westberliner Radio-Gross- und Einzelhandels schlossen sich zu einem "Fernsehfachverband Berlin (FFV)" zusammen. Sein Ziel ist die Herausstellung und Einschaltung des Fachhandels als massgebendes Glied zwischen Industrie und Käufer, die Förderung der Einführung des Fernsehens sowie eine umfassende, kostenlose und behördlich anerkannte Schulung aller Mitglieder und ihrer Mitarbeiter. Er geht interessanterweise von der Auffassung aus, das Fernsehen als gesondertes ausserhalb der Radiofachverbände liegendes Gebiet und den Fernsehhandel daher als einen Spezialzweig anzusehen. Der Aufbau eines gemeinschaftlichen "Fernseh-Service" ist für die Zukunft vorgesehen.

Der Vorstand, der durch einen Beirat ergänzt wird, besteht aus vier Mitgliedern, von denen je zwei dem Einzelhandel und dem Großhandel angehören. Für die Aufnahme als Mitglied, die jedem Groß- und Einzelhändler offensteht, wurden besondere Richtlinien aufgestellt. Das unerwartete Echo, das diese Neugründung auch in der Bundesrepublik fand, hat den Verband bewogen, eine westdeutsche Hauptgeschäftsstelle vorzubereiten. Alle an der Fernsehentwicklung und am Fernsehgeschäft interessierten Groß- und Einzelhändler können beim "Fernsehfachverband Berlin", Berlin W 30, Augsburger-Str. 66, nähere Auskunft erhalten.

Ein neuer Verband - nüchtern und sachlich betrachtet

Eine Fülle sehr gewichtiger Fragen eröffnet sich, wenn man das Auftauchen einer derart grundsätzlich neuen Organisation innerhalb der deutschen Rundfunk-Wirtschaft nüchtern und sachlich betrachtet. Fragen, die über die reine Informierung und Schulung der Beteiligten hinaus Rabatte, Teilzahlung, Mietkauf, Garantie, Reparatur und vielerlei mehr betreffen und daher die Existenzgrundlagen eines künftigen Fernsehhandels auf das engste berühren. Was heisst hier "Fernsehhandel*1, werden die Einwände lauten - ist denn das Fernsehen nicht selbstverständlich eine Sache des Rundfunks? Nun, ganz so ist es eben nicht. Die Gemeinsamkeit gewisser technischer Vorgänge zaubert noch keine Identität herbei.

Das Fernsehen steht zweifellos unter eigenen Gesetzen
, von denen nicht wenige den Bereichen des Films, des Varietes und auch der grossen klassischen Bühne entstammen. Es kann daher auch kein Monopol der Rundfunkgesellschaften oder gar des Staates sein, obwohl man diese Fiktion zumeist als legale Realität darzustellen bemüht ist. Seien wir einmal ehrlich; der Gedanke an private oder kommunale Sendestationen ist der deutschen Öffentlichkeit doch nur deshalb fremd, weil er geflissentlich nie zur Diskussion gestellt wurde. Der selten fehlende Hinweis auf die Gefährdung des kulturellen Niveaus ist dabei unwesentlich - was beim Film, der ja negative Möglichkeiten gleichen Ausmasses birgt, in der Form der Selbstkontrolle wenn auch nur unvollkommen gelang, könnte beim Fernsehen erheblich leichter und wirkungsvoller zu realisieren sein.

Eine kritische Betrachtung des Geräteverkaufs

Was schon auf der Sendeseite problematisch erscheint, bedarf auf dem Vertriebsgebiet, dem eigentlichen Geräteverkauf, ebenfalls kritischer Betrachtung. Sie zu negieren, ist nach der Gründung jenes Fernsehfachverbandes, den sehr bedeutende Unternehmen und auch das Heinrich-Hertz-Institut für Schwingungsforschung unterstützen, nicht mehr möglich.

Fernsehen, sagen die einen, sei ein technisch so kompliziertes Instrument, dass das Gros des Radiohandels seine Beherrschung auf geraume Zeit hinaus kaum erlernen dürfte und dass eben der bisherige Radiohändler erst zu einem echten Funk-Fachhändler zu entwickeln sei.

Fernsehen, entgegnen die anderen, gehöre in die Hand des Radio-Fachhandels, weil es aus dem Rundfunk heraus gewachsen sei und nur der Fachhandel Gewähr für eine zufriedenstellende Betreuung des Kunden zu bieten vermag. Beide Ansichten treffen den Kern der Dinge nicht. Er sieht sich anders und wesentlich ernster an.

Das Fernsehgeschäft - und das ist der springende Punkt - wird erst dann ein wirkliches Geschäft sein, wenn Serienempfänger zu Preisen von unter 1.000 DM und zu entsprechend niedrigen Teilzahlungsraten zur Verfügung stehen, immer ein entsprechend verzweigtes Sendernetz vorausgesetzt. Das aber wird vorerst keineswegs der Fall sein.

Beschönigt man diese Lage nicht, verbleiben zwei Möglichkeiten, um in der Zwischenzeit die teuren Empfänger mit ihrem sehr kostspieligen Service in den wenigen senderseitig versorgten Gebieten abzusetzen: Vertrieb durch die Industrie bzw. bestimmte von ihr autorisierte Unternehmen oder regionaler Zusammenschluss aller interessierten und leistungsfähigen Firmen des Fachhandels mit der Aufgabe gemeinschaftlicher Regelung des gebietlich bedingten Verhältnisses Sender-Industrie-Handel sowie gemeinschaftlicher Installierung, Wartung und Instandsetzung.

Will man die Funktionen des Handels nicht aufs Spiel setzen, bleibt nur der zweite Weg. Mit ihm werden auch Sendegesellschaften und Fernsehindustrie zufrieden sein - garantiert er ihnen doch einen kraftvollen Partner, der die gesamte Entwicklung beschleunigt und damit auch wirtschaftlichen Nutzeffekt sichert.

Verfrühte Spekulation über die zukünftigen Preise

Solange nicht genaue Kalkulationen für Verkauf und Wartung der künftigen deutschen Fernsehgeräte vorliegen können, lässt sich auch wenig über den für die Zeit des wirklichen Start zu erwartenden Geschäftsumfangs sagen. Es leuchtet aber ein, dass vermutlich auf Jahre hinaus längst nicht jedes Radiogeschäft auch mit dem Fernsehen zu tun haben wird, ein Vorgang, der übrigens auf der Produktionsseite Parallelen besitzt« Andererseits ist damit zu rechnen, dass kapitalkräftigen Neugründungen vielleicht auch radiofremder Interessenten der Zugang zum Fernsehen kaum verwehrt werden kann.

Man sieht: Rundfunk und Fernsehen sind zwei Pferde vor einem Wagen und nicht jeder Fuhrherr muss willens und in der Lage sein, sein Gefährt mit einem Gespann über die holperige Strasse zu ziehen. Während sich also zunächst nur ein relativ kleiner Kreis zweifellos unter erhöhter wirtschaftlicher Belastung dem durch Raum und Kaufkraft recht begrenzten Fernsehen zuwenden kann, wird die Mehrzahl des Fachhandels sich vorerst auch weiterhin dem Rundfunk widmen, der - es sei immer wieder gesagt - nicht an Bedeutung verliert und daher das Hauptgeschäft bleiben wird.

Die wirtschaftlichen Gegebenheiten Berlins sind nicht mit denen Westdeutschlands vergleichbar

Bei solcher Betrachtungsweise erscheint eine organisatorische Vereinigung, wie sie in dem jetzt in Westberlin gegründeten Fernsehfachverband zutage tritt, von Vorteil zu sein. Ob man freilich dabei die Zusammengehörigkeit mit dem Radiofach nicht stärker hervortreten lassen sollte und ob die Liierung zwischen Gross- und Einzelhandel auf längere Sicht gesehen vertretbar ist, bedarf, da die wirtschaftlichen Gegebenheiten Berlins nicht mit denen Westdeutschlands zu vergleichen sind, eingehender Erörterung. Auch müsste es verpflichtende Aufgabe einer solchen Gruppe sein, wirtschaftlich schwachen Betrieben das Hineinwachsen in die Fernseharbeit auf kollegiale Art zu ermöglichen und zu erleichtern. Bei allem Für und Wider sollte man sich jedoch in den Kreisen aller Beteiligten und besonders im Hinblick auf das westdeutsche Interesse an dieser organisatorischen Entwicklung stets vor Augen halten, dass das Fernsehen ein sehr spezielles und vor allem junges Pflänzchen ist, dessen Pflege einen verständnisvollen, harmonischen Ausgleich zur Voraussetzung hat und die Auswertung neuer Erkenntnisse keineswegs zu scheuen braucht.

Zuerst mal 5000 bis 6000 Empfänger

Im Herbst dieses Jahres wird eine Anzahl Unternehmen der Rundfunkbzw. Fernsehindustrie die ersten Kleinserien von Fernsehempfängern auf den Markt bringen. Es wird sich aller Voraussicht nach um etwa 5000 bis 6000 Empfänger handeln. Diese Geräte werden bis zum Frühjahr des kommenden Jahres noch um den verhältnismässig kleinen Hamburger und auch den Berliner "Markt" zu kämpfen haben. Auf diesen "Versuchsmärkten" werden wichtige Erfahrungen für die Produktion, für den Handel, für die Verkaufstechnik, für die Verkaufspolitik, für die Gestaltung des Fernseh-Service und für die Werbung gesammelt werden können.

Die Fernsehwirtschaft wird hier für ihre weitere Entwicklung unschätzbare "Tests" durchführen können. Die Zeit vom Herbst 1951 bis zum Frühjahr 1952 ist die gegebene Zeit für eine praktische "Vorschau" auf das, was Fernsehsendung und Fernsehindustrie und -Handel an Leistungen zu bieten haben, um das Fernsehen für ein breiteres Publikum attraktiv zu machen. Von dieser Vorschau müssen echte Werbewirkungen ausgehen! Der NWDF muss bis dahin eine überzeugende Programmlinie, die auch breitere Publikumschichten für das Fernsehen zu interessieren vermag, gefunden haben. Industrie und Handel müssen ihre Empfangsgeräte in diesem Zeitpunkt sichtbar machen und sie mit Hilfe des NWDF-Programms weiteren Bevölkerungsschichten "in Betrieb" vorführen. Diese Erkenntnis hat sich auch in der beteiligten Industrie durchgesetzt.

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