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überarbeitet von Gert Redlich ab Feb. 2014 - Eigentlich sprechen wir von einer Gazette - Es sind gigantische Textmengen (Buchstaben-Wüsten), die die Autoren der "FI" in den 58 Jahren zusammen getragen haben. Damit das überhaupt vernünftig zu lesen ist, haben wir die Inhalte in jährliche Themengebiete aufgeteilt, die aber nicht in jedem Jahr gleich sind.
Sehr wichtig ist, es wurden alle Informationen, die Texte und die Erkenntnisse genau in der Woche aufgeschrieben und nichts später ergänzt oder korrigiert.

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FI-1950 / 1.Nov-Ausgabe
Fernseh-Film-Produktion in München.

In München wurde die Fernseh-Film-Gesellschaft Video G.m.b.H. gegründet, die sich mit Produktion und Vertrieb von Fernseh-Filmen befasst. Die Video G.m.b.H. hat bereits einen Fernseh-Film in München für amerikanische Fernseh-Stationen hergestellt, die diesen deutschen Fernseh-Film im Rahmen ihres Programms senden. Es handelt sich um einen Kultur-Fernseh-Film von München, für den die Stadt München einen Herstellungs-Zuschuss von 6.000 DM geleistet hat. Weitere Fernseh-Filme für die USA sind in Vorbereitung.

FI-1950 / 1.Nov-Ausgabe
Gründung einer Amerikanisch-Deutschen Film- und Television-G.m.b.H.

Die amerikanischen Television-Sender haben einen ausserordentlich grossen Bedarf an Fernsehfilmen. Sie sind auch daran interessiert, solche Spezialfilme aus Europa, insbesondere auch aus Westdeutschland laufend zu beziehen. Nachdem, wie wir an anderer Stelle berichten, bereits in München eine Fernseh-Film- Produktion besteht, wurde nun auch in Stuttgart ein diesbezügliches Unternehmen gegründet. Es handelt sich um die "ADEFIT" Amerikanisch-Deutsche Film- und Television G.m.b.H. Die Gesellschaft, die Geschäfte jeder Art in der Filmbranche und Television von der Vorfinanzierung von Filmen bis zur Fertigstellung betreiben wird, wurde mit einem Stammkapital von 20.000 DM ins Stuttgarter Handelsregister eingetragen. Geschäftsführer ist John A. Feher - Stuttgart.

Wir werden in einer unserer nächsten Ausgaben über den beginnenden Aufbau einer Fernseh-Film-Produktion in Europa und über die günstigen Aussichten des Exports von Fernseh-Filmen nach USA eingehender berichten.

FI-1950 / Dez-Ausgabe - WIR SAHEN und HÖRTEN
Die hohen Kosten eines guten Programms.

Wenn jetzt der NWDR öffentliche VersuchsSendungen startet, so tue er das nur, um damit Pionier eines deutschen Fernsehrundfunks zu sein. Das habe auch seine wirtschaftlichen Gründe. Fernsehen erfordere erhebliche finanzielle Mittel, vor allem dann, wenn man gute Unterhaltung und wertvolle Sendungen "zu Gesicht bringt".

Die hohen Kosten eines guten Programms bedingen über den deutschen Fernsehfunk hinaus einen europäischen Austausch der Sendungen. Der notwendige und gesunde Austausch der Fernsehsendungen werde das "Bild Europas" prägen. Die deutsche Entwicklung gehe von andern Voraussetzungen aus als die amerikanische.

Der kommende deutsche Fernsehfunk werde nicht auf wirtschaftlicher, sondern auf gemeinnütziger Grundlage erarbeitet. Er werde nicht von ReklameSendungen leben. Die Auswahl der Sendungen sei nach geistigen und kulturellen Zielen möglich. Zu Anfang werde, wie in den Anlaufszeiten des Rundfunks, viel von der Begeisterung und der Anteilnahme der Hörer abhängen. Von der Industrie müsse erwartet werden, dass es ihr bald gelinge, Geräte zu volkstümlichen Preisen zu schaffen.

FI-1951 / 1. Jan.-Ausgabe - 1951 wird grosse Fortschritte im deutschen Fernsehen bringen - Programm auf hohem Niveau

Im weiteren Verlauf der Pressekonferenz erläuterten Programmdirektor Dr. Pleister und Curt Oertel ihre Pläne über die Gestaltung der Fernseh-Programme. Offenbar schwebt den Programm-Gestaltern das amerikanische Beispiel warnend dafür vor Augen, wie man es nicht machen soll.

Als vorbildlich dagegen werden die Programme der BBC London angesehen, während man beim französischen Fernsehen, das die massgebenden Hamburger Fachleute erst kürzlieh aus eigenem Augenschein kennengelernt haben, bemängelt, "dass es keine Beziehungen zu der grossen Literatur Frankreichs entwickelt habe".

Auf keinen Fall Wirtschaftsreklame im Fernsehen

Auf gar keinen Fall soll das deutsche Fernseh-Programm durch Wirtschaftsreklame finanziert werden. Es sei festgestellt worden, so argumentierte Dr. Pleister, dass selbst die Reklame-Sendungen der Rundfunkgesellschaften in Deutschland auf die Ablehnung der Bevölkerung stossen und ausserdem wolle man mit den Fernseh-Programmen nicht in irgendwie geartete finanzielle Abhängigkeiten geraten, die das Niveau der Sendungen negativ beeinflussen könnten.

Besondere Aufmerksamkeit will man dem Fernseh-Spiel, der Entwicklung einer Fernseh-Oper und der Sendung belehrender und bildender Sujets zuwenden. Zu letzteren vertritt Dr. Pleister den Standpunkt, dass man bei der Programmgestaltung des Fernsehens getrost den "Mut zu Lücken" haben müsste, die in dem Fernseher den Wunsch erwecken, sein Wissen auf diesem oder jenem Gebiet zu vervollständigen und ihn zur Literatur greifen lassen. Grosse Sorgfalt wird auch bei der Programmgestaltung der Kinderstunde notwendig sein. Beim NWDR will man zunächst mit der Sendung von Kinder-Bastelstunden beginnen.

Junge Kräfte für eine neue Sache

Für die Gestaltung des Fernsehens wolle man weniger auf bewährte Kräfte von Bühne und Film zurückgreifen, erklärte Curt Oertel, als vielmehr, junge, für die speziellen Fernseh-Aufgaben noch formbare Schauspieler heranziehen. Es sei erfreulich, welch grosses Interesse gerade der Nachwuchs dem Fernsehen entgegenbringe, andererseits aber erschütternd festzustellen, wie wenig echte Gesichter der Fernseh-Kamera tatsächlich standhielten.

Die Kamera entlarve erbarmungslos das Gesicht. Aber gerade darin, die kleinsten Regungen des Gesichts, die "Landschaft des Gesichts11 deutlich zu machen, lägen besondere künstlerische Möglichkeiten des Fernsehens. Die Fernseh-Spiele müssten den Charakter des Kammerspiels tragen. Man könne hierbei nicht nur, man müsse auf grosse Aufmachung und Kulissen zugunsten der schauspielerischen Leistung verzichten. Als erstes Fernseh-Spiel bereitet das Studio des Hamburger Senders gegenwärtig das Vorspiel zu Goethes "Faust" vor, das voraussichtlich zur Fernseh-Woche in Bonn gesendet werden soll. Als Autor für weitere Fernseh-Spiele konnte der Dichter Carl Zuckmayer gewonnen werden, der, wie Curt Oertel erklärte, mit grosser Begeisterung zur Sache ans Werk gegangen ist.

Zusammenarbeit mit der Filmindustrie

Einem etwaigen Konkurrenzkampf zwischen dem Fernsehen und der Filmindustrie, der bekanntlich in Amerika und England zu ernsten Schwierigkeiten und Differenzen geführt hat, ist in Deutschland bereits jetzt die Spitze abgebogen. In dem Bestreben, den Schaden für die Filmindustrie, der bei einer weiteren Entwicklung des deutschen Fernsehens unvermeidbar sein wird, möglichst gering zu halten, hat der NWDR mit der Spio (Spitzenorganisation der Filmindustrie) ein Abkommen getroffen, das auch für andere Länder zur Lösung des Problems "Film und Fernsehen" vorbildlich sein dürfte.

Der Hamburger Fernseh-Sender wird "künftighin" nur Ausschnitte aus neuen Filmen bringen, die zwar etwas ausführlicher sind als die üblichen Programm-Vorschauen in den Kinos, die aber trotzdem in dem Fernseher den Wunsch anregen, sich den ganzen Film anzuschauen. Diesen vom NWDR ausgehenden Vorschlag hat die Spio bereitwillig angenommen. Der NWDR hat fernerhin mit der "Neuen Deutschen Wochenschau" ein Abkommen getroffen, die den Fernseh-Sender mit aktuellem Bildmaterial versorgen wird.

Gründung einer deutschen Fernseh-Gesellschaft?

Auf die Frage eines Journalisten, wer den Aufbau der deutschen Fernseh-Sender
und die Programmgestaltung finanziere, musste Dr. Pleister mit resigniertem Achselzucken erklären, dass diese Last immer noch ausschliesslich auf den Schultern des Nordwestdeutschen Rundfunks ruhe. Er verwies jedoch auf die Arbeit der erst kürzlich in der Versammlung der Deutschen Rundfunkintendanten gebildeten Fernseh-Kommission unter Vorsitz des Frankfurter Intendanten Dr. Beckmann, deren vornehmliche Aufgabe die Untersuchung der Frage sei, in wie weit man die Kosten für den Aufbau des deutschen Fernsehens auch auf die anderen Sender verteilen könne. Dr.Pleister deutete die Möglichkeit an, eine Fernseh-Gesellschaft zu gründen, die dann gemeinsam finanziert werden müsse.

Über die Frage, ob man in absehbarer Zeit die Programme aus den Fernseh-Teilnehmergebühren bestreiten könne und wie hoch diese Gebühren anzusetzen sind, habe man sich noch nicht den Kopf zerbrochen.

W.P.S.

FI-1951 / 1. Jan.-Ausgabe
Prof. Leithäuser will mit 50 DM pro Sendeminute auskommen.

Das Institut für Schwingungsforschung der TU Berlin hatte sich zum 69. Geburtstag seines Chefs, des Fernsehpioniers Prof. Dr. Gustav Leithäuser, am 20. Dezember eine Sonderüberraschung ausgedacht. Mit den vom NWDR zur Verfügung gestellten Apparaten wurde erstmals nach dem Kriege in Berlin wieder eine Fernseh-Sendung durchgeführt. In Ermangelung eines Senders mussten die in einem provisorischen Studio gemachten Aufnahmen mittels Kabel zu einem im Nebenraum aufgestellten Empfänger geleitet werden.
Prof. Leithäuser, dessen sehnlichster Wunsch es ist, einen 5-l0 kW-Sender und etwa 50 Empfänger zu erhalten, ist der Ansicht, daß ein von ihm eingerichteter Versuchssendebetrieb mit einem Kostenaufwand von 40 - 50DM je Sendeminute (!) auskommen würde.

FI-1951 / 1. Jan.-Ausgabe
Aufgaben des Films im Fernsehen

von Paul Bellac, Bern

Der bekannte schweizerische Fernsehexperte nimmt in den nachstehenden interessanten Ausführungen Stellung zu dem vielerörterten Problem Film und Fernsehen.

Die Verwendung des Films im Fernsehen entspricht etwa jener des magnetischen Tonträgers und der Schallplatte im Radio. Er gewinnt ständig an Bedeutung, da er den Programmbetrieb verbilligt. Auch ist die Wiedergabe oft besser als bei lebenden Sendungen. Der Film hat mehrere Hauptaufgaben zu lösen, von denen hier folgende genannt werden sollen:

1. Die Aufnahme von Fernsehaufführungen im Studio. Sie wird nicht mit der Filmkamera im Studio selbst vorgenommen, sondern man photographiert das Bild der Studiodarbietung von einem lichtstarken Spezialempfänger ab. Solche Filme sind verhältnismässig billig. Sie sind geeignet für die gelegentliehe Wiederholung von Programmen oder zur Weitergabe an andere Fernsehsender, sofern man keine direkten Übertragungen über Breitbandkabel oder Radio-Richtstrahl-Verbindungen durchführt. Ein beträchtlicher Teil der den grossen amerikanischen Fernsehgesellschaften angeschlossenen Lokale und regionalen Fernsehunternehmen wird auf diese Weise mit Programmen aus den Studios in New York, Hollywood und gelegentlich auch anderen Sendezentren versorgt.

2. Aussenaufnahmen und andere Einfügungen in lebende Programme. Dies geht so weit, dass der Film als vollwertiges Hilfsmittel für Fernsehspiele herangezogen wird, wenn man Aussenaufnahmen von einzelnen Szenen in diese Fernsehspiele einfügen will, oder wenn der Verlauf der Handlung Zwischenszenen vorschreibt, die den mitwirkenden Schauspielern nicht genügend Zeit lassen, ihre Kostüme zu wechseln. Da ausserdem die verschiedenen, im Verlauf eines Stückes erforderliehen Szenerien im Fernsehstudio nebeneinander aufgebaut werden und schliesslich Überblendungen lebender Szenen mit Filmstreifen möglich sind, lassen sieh die kompliziertesten Handlungen in ununterbrochener und abwechslungsreicher Folge auf beliebig vielen Schauplätzen darstellen.

3. Die Herstellung von speziellen Spiel- und Dokumentarfilmen zur Wiedergabe durch das Fernsehen. Dieser Zweig der Filmindustrie nimmt einen raschen Aufschwung. In den Vereinigten Staaten ist die Meterlänge des für Fernsehwiedergabe bestimmten Spielfilms bereits dem für das Kino gedrehten Film weit überlegen.

Der Spielfilm für das Fernsehen muss kurz und billig sein, da die Fernseh-Gesellschaften nicht in der Lage sind, auch nur annähernd so hohe Gestehungskosten zu bezahlen, wie der Filmverleih für das Kino.

Monumentalfilme und andere kostspielige Aufnahmen fallen daher ausser Betracht. Man muss sich mit wenigen Personen und einer billigen Ausstattung behelfen. Es ist bezeichnend, dass sich in den Vereinigten Staaten vorwiegend neue, kleinere und mittlere Unternehmen diesem besonderen Zweig der Filmindustrie widmen, da die grossen Filmgesellschaften zu hohe Kosten haben, um konkurrenzfähig zu sein.

(Anmerkung: Grössere Filmgesellschaften könnten nur durch Bildung besonderer Fernsehfilm-Abteilungen mit eigenen kalkulatorischen Grundlagen aussichtsreich die Fernsehfilm-Produktion durchführen. Die Red. der "Fernseh-Informationen")

Fernsehfilme sind anders

Wenn irgend möglioh, werden Fernsehfilme nicht in kurzen Abschnitten gedreht, wie dies sonst bei Filmaufnahmen üblich ist, sondern man spielt die Handlung, ähnlich wie im Fernsehstudio, ohne Unterbrechung.ab, wodurch Zeit und Filmmaterial gespart werden.

Für den Kultur- bzw. Dokumentarfilm ist das Fernsehen ein grosses Absatzgebiet geworden. Diese Filmkategorie wird im Kino fast nur als gelegentliches Vorprogramm oder in Matineen geboten, trotz des unzweifelhaft vorhandenen Interesses in weiten Kreisen des Publikums. Das Fernsehen eröffnet dieser Filmkategorie eine grosse Zukunft! Sie ist heute schon ein regelmässiger Bestandteil der Fernsehprogramme. Die BBC und die grossen Fernsehgesellschaften in den Vereinigten Staaten lassen spezielle Kulturfilme für das Fernsehen herstellen oder beziehen sie von der Filmindustrie.

Der Amateurfilm

Ein ergiebiges Feld ist schliesslich der Amateurfilm. Es gibt von Amateuren hergestellte Dokumentarfilme und kurze Spielfilme, die die Industrieprodukte oft an innerem Wert übertreffen, doch blieben sie bisher der Öffentlichkeit unzugänglich. Die Fernsehgesellschaften sind daher bestrebt, Filmamateure heranzuziehen, um die Programme mit ihren Werken zu bereichern.

Industrielle Spielfilme

Dagegen ist das Problem der Verwendung von industriellen Spielfilmen heute noch ungelöst. Im Gegensatz zu oft gehörten und von interessierter Seite verbreiteten Meinungen steht es fest, dass gute Spielfilme im Fernsehen durchaus interessant wirken. Zwar versagt die Wiedergabe von Massenszenen wegen der kleinen Bildfläche des Empfängers, doch ist die unbeschränkte Bewegung der Filmkamera, die in Fernsehvorführungen heute noch nicht erreichbar ist, ein unbestreitbarer Vorzug des Spielfilms.

Moderne Spielfilme

Obwohl das Fernsehpublikum immer wieder den Wunsch äussert, moderne Spielfilme des laufenden Repertoires auch im Heim empfangen zu können, stehen ihrer Einfügung in das Programm grosse Schwierigkeiten entgegen. In Frankreich ist die Filmindustrie wohl bereit, vorerst ihre neuen Filme der Television Francaise zur einmaligen Wiedergabe zu überlassen, wobei sogar gelegentlich Uraufführungen zuerst im Fernsehen und dann anschliessend im Kino erfolgen, doch bleibt abzuwarten, wie weit dieses Entgegenkommen reichen wird, sobald sich die Zahl der französischen Fernsehteilnehmer erheblich vergrössern sollte.

Ein Blick nach England und USA

In den Vereinigten Staaten und in Grossbritannien verweigert die Industrie die Benutzung ihrer neuen Kinofilme und verkauft nur solche, die schon aus dem Repertoire verschwunden sind. Immerhin wird dieses Prinzip durch den Import ausländischer Filme durchbrochen, die im Einfuhrland aus sprachlichen oder sonstigen Gründen nicht in den Filmverleih gelangen.

So hat die Rank-Organisation im letzten Jahr 75 britische Filme nach den Vereinigten Staaten verkauft, während die BBC gelegentlich französische, schwedische und andere Spielfilme in ihrem Programm vorführt. (Über den Auf- und Ausbau der europäischen Fernsehfilm-Industrie werden wir fortlaufend berichten).

FI-1951 / 1. Jan.-Ausgabe - England bereitet eigene Fernseh-Spielfilm- Produktion vor.

Eine für das Fernsehen und auch für die Filmindustrie höchst beachtenswerte Entwicklung beginnt sich abzuzeichnen :

Die British Broadcasting Corp. (BBC) bereitet den Aufbau einer eigenen Spielfilm-Produktion für das Fernsehen vor. Hierfür sind die Lime Grove-Studios vorgesehen, die die BBC vor einiger Zeit vom Rank-Konzern erwarb. Gegenwärtig werden dort bereits Fernseh-Kurzfilme gedreht, unter anderem eine Serie von 6 Filmen, die für das grosse "Festival of Britain" in diesem Frühjahr bestimmt ist. Doch ist auch mit Sicherheit mit der Produktion grosser Spielfilme zu rechnen, wobei das Jahr 1956 für derartige Sendungen ins Auge gefasst ist. Bis dahin werden nämlich die Länder des britischen Commonwealth mit eigenen nationalen Fernsehnetzen ausgerüstet sein und auch die meisten europäischen Länder werden sich bis dahin auf regelmässige Fernsehsendungen eingestellt haben. Damit bekommt die Spielfilm-Herstellung für das Fernsehen eine tragfähige wirtschaftliche Grundlage, da die Produktionen ausgetauscht werden können.

FI-1951 / 1. Jan.-Ausgabe - WIR SAHEH und HÖRTEN
Ein Film aus München über München

Die Münchener Video G.m.b.H., die sich auf die Herstellung von Fernseh-Werbefilmen spezialisiert hat, hat ihren ersten derartigen Filmstreifen fertiggestellt und in den Münchener Kammer-Lichtspielen zur Uraufführung gebracht. Dieser 12 1/2 Minuten-Film enthält eine schlichte Spielhandlung, die eine Reihe Münchener Sehenswürdigkeiten ins Blickfeld rückt. Die Kamera-Technik lässt noch zu wünschen übrig. Die Stadt München gewährte für diesen Werbefilm einen Gesamtzuschuss von 8.500 DM, wovon 2.500 DM auf die Synchronisation entfallen. Der Film, der für den Besuch Münchens werben soll, soll an amerikanische Fernsehstationen verliehen werden.

Die Video-Film hat bereits die Arbeiten für einen neuen Werbefilm "Fasching in München" aufgenommen, der in norddeutschen Kinos gezeigt und ebenfalls von amerikanischen Fernsehstationen übernommen werden soll. Auch dieser Kurzfilm wird mit Unterstützung des Fremdenverkehrsreferats der Stadt München gedreht. Da die europäischen Fernsehgesellschaften Werbefilme nicht in ihre Programme aufnehmen, bleibt ihre Wiedergabe auf amerikanische Stationen beschränkt, die sich meist für solche Filme noch einen "Sponsor" suchen, der ihnen die Zeit für die Sendung der Filme bezahlt.

FI-1951 / 2. Jan.-Ausgabe
Die Durchführung von Fernsehprogrammen in der Praxis

von Paul Bellac, Bern

Erst wenn man an die Durchführung von Fernsehprogrammen geht, zeigt es sich, um wieviel komplizierter sie sind als Radiosendungen. So bedarf allein ein Vortrag, der anscheinend das einfachste aller Programme ist, zahlreicher Vorbereitungen, die einen beträchtlichen Aufwand an Zeit, Personal und auch an Kosten bedingen. Die unnatürliche Konzentration des Auges auf den kleinen Empfänger fordert einen häufigen Bildwechsel. Selbst der Anblick des besten und lebhaftesten Sprechers ermüdet und langweilt nach wenigen Minuten. Deshalb müssen Vorträge, Diskussionen, das Forum im Fernsehen illustriert sein.

Als Mittel dazu dienen Bilder, Photographien, Filme, Landkarten, graphische Darstellungen, bei grösserem Aufwand auch dramatische Szenen und die vom Radio her bekannten akustischen Kulissen durch Schallplatten und Geräusche. Ihre Aufeinanderfolge muss mit den Worten des Sprechers übereinstimmen, weshalb eine sorgfältige Regie erforderlich ist. Dabei muss der Spreeher den Text beherrschen und soll ihn nicht vom Manuskript ablesen.

Die regietechnischen Vorbereitungen

Vor der Ausführung eines solchen Programms sind, wie G.W. Goldie (BBC) schreibt, u.a. folgende Fragen zu lösen:
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  • Kostenvoranschlag.
  • Sind Dekorationen vorhanden oder neu zu entwerfen?
  • Welche Masse haben sie?
  • Wieviel Tische, Stühle, Pulte, Vasen, Aschenbecher oder andere Gegenstände werden benötigt?
  • Sind die Requisiten vorhanden oder müssen sie entlehnt werden?
  • Sind Demonstrationsgegenstände aufzustellen und sind Mittel für ihren Betrieb, z. B. Starkstrom, erforderlich?
  • Sind dramatische Szenen eingefügt?
  • Müssen Mitwirkende geschminkt werden?
  • Benötigt man Perücken und Kostüme?
  • Wenn ja, welche Kostüme und welches sind ihre Masse?
  • Wann sind die Mitwirkenden zur Anprobe bereit?
  • Wieviele Garderoberäume müssen zur Verfügung gestellt werden?
  • Wieviele Mikrophone benötigt man und wo sind sie aufzustellen?
  • Werden Filme vorgeführt?
  • Wenn ja, sind die Filme vorhanden oder müssen sie angefertigt werden?
  • Welches Bildformat, 16 mm oder 35 mm ?
  • Welches ist die Gesamtlänge der Filme?
  • Braucht man Überschriften?
  • Welche Schriftart und welche Grösse?
  • Was ist der genaue Text?
  • Werden Bilder, Photographien und Graphiken verwendet? Wenn ja, welches Format haben sie?
  • Wieviele Kameras sind erforderlich?
  • Was für Beleuchtung ist erwünscht?
  • Tageslicht, Mondschein, Sonnenschein oder Innenbeleuchtung?
  • Wie steht es mit den Urheberrechten auf die Bilder, Texte und den Film, ev. auch auf Ton- und Musikbeispiele? - etc.

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Noch komplizierter sind dramatische Sendungen, wie Theater und Oper. Im Gegensatz zum Film werden sie nicht in einzelnen Abschnitten aufgeführt, sondern als kontinuierliche Handlung, wie im Theater. Dementsprechend sind auch alle Vorbereitungen zu treffen, wie nachfolgend am Beispiel eines Fernsehspiels gezeigt werden soll.

Fernsehtheater schwieriger als Bühne und Film

Für den Regisseur, die Schauspieler, das technische Personal und die sonstigen Hilfskräfte ist das Fernsehtheater bedeutend schwieriger zu beherrschen als Bühne und Film. Nach Jaques Armand (Television Francaise) verlangen dramatische Fernsehsendungen von etwa einer Stunde Dauer bis zu 400 verschiedene Kameraeinstellungen, was an die gesamten Mitwirkenden hohe Anforderungen stellt. Die Schauspieler müssen nicht nur ihren Text genau kennen, sondern auch die einzelnen Stellungen und Bewegungen auf der Bühne einigermassen im Gedächtnis behalten. Sie müssen ihr "Kameragefühl" entwickeln, das heisst instinktiv empfinden lernen, ob sie im richtigen Bildwinkel stehen und nicht durch unvermutete Bewegungen aus dem Blickfeld geraten.

Die Kameraleute müssen ihrerseits vermeiden, bei den Schwenkungen ihrer Aufnahmegeräte andere Kameras, Mikrophone, Beleuchtungskörper und sonstige nicht zum Spiel gehörende Gegenstände ins Blickfeld zu bekommen.

Bild- und Tonmischer, die Mitarbeiter für das Einblenden von Schallplatten und Filmeinlagen müssen rechtzeitig in den festgelegten Gang der Handlung eingreifen.

Dieses ganze komplizierte Zusammenspiel wird vom Fernsehregisseur aus seinem Kontrollraum fortlaufend geregelt, indem er an Hand des vorbereiteten Regiebuches über das Mikrophon seine Befehle an den ganzen Stab von Mitarbeitern weitergibt. Im Gegensatz zum Spielleiter beim Theater und Film ist daher der schwierigste und anstrengendste Teil seiner Aufgabe die Überwachung der Aufführung selbst, für deren Ablauf er die Verantwortung trägt.

Ausführung eines Fernsehspieles

Schon mehrere Wochen, oft auch bis zu drei Monaten vor der Aufführung, beginnt der Spielleiter seine Besprechungen mit den Schauspielern und den Abteilungsleitern, die für die Beschaffung der Dekorationen und Kostüme, die Beleuchtung und den technischen Dienst verantwortlich sind. Das Regiebuch wird in gemeinsamer Arbeit zusammengestellt, da sämtliche Schauplätze, die Bewegungen der Schauspieler und der Kameras, die Beleuchtung usw., eingetragen werden müssen.

Dekorationen und Kulissen

Nach den ersten Leseproben lernen die Schauspieler ihre Rollen auswendig, bevor sie an die weiteren gemeinsamen Proben in Sälen gehen dürfen, die den Studioräumen möglichst ähnlich sind. Gleichzeitig wird die Inszenierung selbst vorbereitet. Man hat zu prüfen, ob die erforderlichen Kostüme und Dekorationen im Fundus vorhanden sind oder umgearbeitet, bzw. neu angeschafft werden müssen. Dann beginnen die Zeichner mit den Skizzen von den Schauplätzen, die manchmal noch in kleinen Modellen nachgebaut werden. Für manche Szenen werden übrigens auch bei der Aufführung Modelle benötigt, wie Ortschaften, Eisenbahnen und ähnliches mehr, die in der Wiedergabe wie natürliche Szenerien wirken sollen.

Die Zeichnungen für neu anzufertigende Dekorationen werden dann in Originalgrösse angefertigt und den Handwerkern übergeben. In eigenen Schneiderwerkstätten werden die Kostüme genäht, in anderen Räumen arbeiten Tischler an Möbeln, Stiegen, Türen und sonstigen Versatzstücken, denn beim Fernsehen darf man nicht bemalte Kulissen wie beim Theater benützen. Die Kamera fährt im Raum herum und muss daher stets die richtige Perspektive und Schattenwirkung vermitteln. Nur die Wände und Hintergründe bestehen aus Leinwand, die auf leichte Holzrahmen gespannt ist. Sie werden in grossen Ateliers naturgetreu bemalt.

In anderen Werkstätten werden kunstgewerbliche Gegenstände nachgeahmt und grosse plastische Gegenstände, wie Säulen, Bailustraden, Statuen usw., aus Papiermache in möglichst leichter Ausführung hergestellt. - Alle diese Ausstattungsstücke nehmen viel Platz ein. Sie werden daher in grossen Magazinen methodisch geordnet aufbewahrt, damit sie jederzeit wieder benützt oder wenn nötig umgearbeitet werden können. Schliesslich werden Möbel und ungezählte Gebrauchs- und Einrichtungsstücke aller Stilarten und Zeitalter in besonderen Magazinen untergebracht, um stets greifbar zu sein.

Das Studio (von 1951)

Am Tage der Aufführung wird die Bühneneinrichtung in das Studio gebracht, in dem die einzelnen Szenen nebeneinander aufgebaut werden. Das Studio selbst ähnelt einem Filmatelier. An der Decke sind Laufbrücken mit verschiebbaren Beleuchtungsbänken angebracht. Kleinere Scheinwerfer stehen auf tragbaren und fahrbaren Gestellen, um das Bühnenbild in helles und räumlich wirkendes Licht zu hüllen. Wohl ist die Fernsehkamera bedeutend lichtempfindlicher als die Filmkamera, doch sind besondere Massnahmen erforderlich, um das zweidimensionale Fernsehbild mit plastischer Wirkung darzustellen. Eine gute Allgemeinbeleuchtung sorgt dafür, dass auch in den Schattenpartien die Details hervortreten, während Scheinwerfer und "Spotlights" durch geeignete Anstrahlung die handelnden Personen und Einzelgegenstände vom Hintergrund abheben.

Während so die letzten Vorbereitungen für die Generalprobe getroffen werden, sind die Schauspieler mit den Kostümen und dem Schminken beschäftigt. Der Spielleiter begibt sich in den Regieraum, der gewöhnlich über dem Studio liegt, in das man durch ein schalldichtes Glasfenster Einblick hat.

Zwei bis vier Kameras gleichzeitig

Da fast immer zwei bis vier Kameras gleichzeitig gebraucht werden, um die Szenen von verschiedenen Standpunkten aus aufzunehmen, sind im Regieraum Kontrollempfänger für jede Kamera angebracht. Der Spielleiter beobachtet mit ihrer Hilfe das Bild der gerade an den Sender geschalteten Kamera und kontrolliert gleichzeitig das hochfrequent empfangene Bild. Ausserdem hat er noch die "Previews" vor sich, das heisst, die Bilder der wohl in Betrieb stehenden, jedoch im Augenblick nicht für die Sendung benützten Kameras.

Er kann daher jederzeit eines der anderen Kamerabilder ausstrahlen oder auch Filmaufnahmen einschalten, wozu er nur dem an seiner Seite sitzenden Bildmischer einen Wink zu geben hat. Gleichzeitig bedient der Tonmeister die einzelnen Mikrophone und lässt Schallplatten von einem Assistenten einblenden.

Kommandos per Kopfhörer

Der Spielleiter ist mit den Kameraleuten und dem Hilfspersonal im Studio durch Telefonleitungen verbunden, sodass seine Befehle mit Kopfhörern aufgenommen werden. Ein leises Wort, dass er in das Mikrophon spricht, genügt, damit die Kameras auf ihren Fahrgestellen vorwärts rollen oder zurückgezogen werden, die Beleuchtung wechselt, die Schauspieler auf den Wink der im Studio befindlichen Hilfsregisseure ihre Rolle zu sprechen beginnen oder eine andere der aufgebauten Szenerien aufsuchen, wo sie schon eine oder zwei bereitstehende Aufnahmekameras erwarten.

Besondere Sorgfalt erfordert die Anbringung der Mikrophone. Die akustischen Verhältnisse des Studios sind ungünstig, weshalb man die Mikrophone aus geringer Entfernung besprechen muss, um den Nachhall des Raumes zu vermeiden. Man baut sie deshalb zum Teil versteckt ein, wie etwa in einem Tisch, an dem die Schauspieler Platz nehmen.

Ausserdem benützt man fahrbare, an einem Galgen befestigte Mikrophone, die von einem geschulten Mikrophonmann geführt werden, um der Bewegung der einzelnen Schauspieler zu folgen, wobei man aber vermeiden muss, dass das Bild des Mikrophons in das Gesichtsfeld der Kamera fällt.

Aussenübertragungen

Auch bei Aussenübertragungen sind umfangreiche Vorbereitungen nötig. Man bedient sich dabei meistens eigener Fernseh-Aufnahmewagen, in denen Verstärkereinrichtungen und ein kompletter Kontrollraum für den Produktionsleiter mit seinen Hilfskräften eingebaut sind. Angeschlossen sind 2 - 4 Kameras, die durch Breitbandkabel mit dem Wagen verbunden bleiben. In den letzten Jahren wurden auch kleine, transportable Verstärker- und Kontrolleinrichtungen geschaffen, die in mehreren handlichen Koffern eingebaut sind und daher rasch an den übertragungsort gebracht werden können.

Die Weiterleitung des Bildes zur Sendestation geschieht fast immer mit kleinen transportablen Radio-Richtstrahlsendern. In London sind ausserdem zwischen der Fernsehstation Alexandra Palace und den wichtigsten Aussenstationen Breitbandkabel gelegt. Die Tonsendung wird in den meisten Fällen, so wie beim Radio, über das Telephonnetz an den Sender vermittelt.

FI-1951 / 2. Jan.-Ausgabe - WIR SAHEN und HÖRTEN
Paul Gordon in Berlin eingetroffen

Der amerikanische Filmregisseur Paul Gordon, der aus Hollywood in Berlin eingetroffen ist, um hier als künstlerischer Beirat bei der Herstellung von 13 für die Television in USA bestimmten Fernseh-Kurzfilmen mitzuwirken, erklärte, dass er in der Television die "volkstümliche Unterhaltung der Zukunft" sehe. In USA sei sie das heute schon. Mehr als 10 Millionen Familien in Amerika besitzen ein Fernseh-Gerät. Das bedeute etwa 40 Millionen Zuschauer.

Für Deutschland prophezeit er "die gleiche Entwicklung des Fernsehens, wie man sie in Amerika erlebe". Die Fernsehindustrie, meint Gordon, würde neue, grosse Arbeitsgebiete" erschliessen. Vorläufig seien nicht einmal in den Vereinigten Staaten genügend Kräfte - weder Techniker noch Fachleute - für einen "richtigen Pro-grammausbau" vorhanden. In 5 "bis 10 Jahren werde aber auch die Programmgestaltung in den USA so weit ausgebaut und vervollkommnet sein, dass das Fernsehen in den USA in dieser Beziehung "ein ganz anderes Gesicht" erhalten werde.

FI-1951 / 2. Jan.-Ausgabe - WIR SAHEN und HÖRTEN
Neue junge Schauspieler und Schauspielschüler

Der Oberspielleiter des Fernsehstudios des NWDR, Hanns Farenburg, hat bereits mit den notwendigen Tests begonnen, um aus einer großen Zahl von jungen Schauspielern und Schauspielschülern diejenigen herauszufinden, die für das erste deutsche Fernseh-Ensemble in Betracht kommen. Mitzubringen sind ein photogenes Gesicht, Begabung und - eine gehörige Portion Idealismus, denn wer statt harter Arbeit etwa "Klubsessel-Gagen" des Films erwartet, befindet sich auf dem Holzweg. Immerhin ist es möglich, dass in einem weiteren Entwicklungsstadium besonders einprägsame und ansprechende Fernseh-Schauspieler und -Schauspielerinnen auch im Fernsehen "auf ihre Kosten kommen werden".

Trotz der gegenwärtig noch sehr schmalen finanziellen Aussichten ist der Andrang der Fernsehaspiranten sehr stark. Auf dem Schreibtisch des Programmdirektors stapeln sich die Bewerbungen, während davor oft genug Besucher sitzen, die sich unter den entlegensten Vorwänden melden liessen, um schliesslich zu gestehen, dass sie gern beim Fernsehen mitmachen möchten.

FI-1951 / 1. Feb.-Ausgabe - DEUTSCHLAND
Die Kosten für den Programmdienst

Vielleicht können aber einige Vergleiche mit den Fernsehdiensten im Ausland von Nutzen sein. Zahlen aus den USA können durch die kommerzielle Organisation des dortigen Fernseh-Rundfunks nicht uneingeschränkt übernommen werden. Man kann jedoch feststellen, dass in Amerika danach gestrebt wird, die Kosten je Minute von (umgerechnet) 1000.- DM auf 170.- DM zu senken. Näher liegen für uns die französischen Zahlen von 75.- DM bis 100.- DM und die englischen von 200.- DM bis 250.-DM je Minute.

Wahrscheinlich wird man bei uns, vornehmlich während des Versuchsbetriebes, mit 150.- DM pro Minute auskommen, eins Schätzung, die nicht leichtsinnig vorgenommen, sondern eher zu hoch gegriffen ist. Sie liegt aber schon erheblich niedriger als die einmal (teils vorsorglich, teils warnend) genannten 500.- DM, die einer allgemeinen Kritik unterzogen wurden. Vergessen wir sie langsam.

FI-1951 / 1. Feb.-Ausgabe - DEUTSCHLAND
Finanzierungsquellen für Fernsehinvestitionen und Programme

Die nächste Frage würde auf die Mittel abzielen, die dafür zur Verfügung stehen müssten. Nimmt man an, dass an jedem Wochentag ein zweistündiges Programm gesendet werden soll, so sind das 600 Stunden im Jahr (oder 56.000 Minuten), also bei 150.- DM je Minute = 5,4 Millionen DM im Jahr. Das ist eine Summe, die der NWDR aus seinem Jahreshaushalt von 90 Millionen DM aufbringen könnte; es sind 6% der Gesamtsumme. Näherliegend - ausser für die Empfänger dieser Zuwendungen - ist natürlich die Verwendung der Mittel für die Kulturfonds der Länder, die mit über 3 Mill. DM angesetzt sind. Und zwar aus Überschüssen, die jedoch nach den UKW-und Fernseh-Investierungen kaum erklärbar und vertretbar sein dürften.

Hier aber ist eine andere Quelle: In seinen Werbewochen hat der NWDR bisher rund 500.000 neue Teilnehmer erhalten. Das bedeutet für den kommenden Haushalt eine Steigerung der Einnahmen um 9 Mill. DM (nach Abzug des Postanteils). Die Fernsehleute würden sich freuen, wenn sie einen Teil davon bekämen. Die 5,4 Mill. DM wären so gedeckt, ohne dass der geplante Etat belastet würde.

FI-1951 / 1. Feb.-Ausgabe
Kirche und Fernsehen

Näher liegen uns einige innerdeutsche Fragen. Es kann festgestellt werden, dass manche kirchlichen Kreise sich zunehmend über einen kommenden Fernsehdienst äussern, dessen Programminhalte ihnen zu Besorgnissen Anlass geben könnten. Hierbei wird immer auf die Fernsehprogramme in den USA verwiesen, während die uns weit näher liegenden in England weniger beachtet werden. Jede Stimme, die für ein sauberes, substantielles, hochwertiges Fernsehprogramm eintritt, ist zu begrüßen! Aber es hiesse, das Kind mit dem Bade ausschütten, wenn nur negativen Betrachtungen Raum gegeben würde. Vielleicht weist man als Beispiel lieber auf die Fernsehsendungen hin, die der Vatikan seit einiger Zeit verbreitet; ihnen wird man grosse Möglichkeiten, die das Fernsehen birgt, nicht absprechen können.

FI-1951 / 1. Feb.-Ausgabe
Kritiker, die "nicht im Bilde sind" ...

Ob die Lösung mancher Fragen nicht dadurch möglich sein wird, dass der NWDR in seinem Versuchsdienst zeigt, wie man gute Programme macht? Viele, die über die Gefahren des Fernsehens sprechen, haben noch keine Sendungen gesehen; sie könnten durch den NWDR im wahrsten Wortsinn "ins Bild" gesetzt werden. Dieser Versuchsbetrieb braucht, da schon viel Zeit verlorengegangen ist, noch Monate, um eine Linie zu finden und Experimente zu machen, die seinen Weg deutlich werden lassen. Wir kennen die Schwierigkeiten der Arbeiten genau, es sind jetzt ausreichend Planungen dargelegt worden, wie sie z.B. Herr Oertel als Programm verkündete. Die nächsten Wochen müssen Ansätze erkennen lassen, vor allem im aktuellen Bereich (nach Massgabe der technischen Möglichkeiten) und in der allgemeinen Arbeitslinie. Ein altes Sprichwort sagt: ein Bild ist 1000 Worte wert!

FI-1951 / 1. Feb.-Ausgabe
Religiöse Fernsehsendungen

So wie beim Radio die Einführung religiöser Sendungen ursprünglich zu lebhaften Debatten Anlass gab, melden sich auch Gegner der religiösen Fernsehprogramme. Die massgebenden katholischen Kreise haben jedoch die Bedeutung des Fernsehens auf diesem Gebiet erkannt. Der Papst hat die Einrichtung einer von französischen Katholiken gespendeten Station im Vatikan erlaubt, die jetzt Fernsehsendungen ausstrahlt. - In Paris wird jeden Sonntag die Heilige Messe übertragen und die BBC (London) strahlte zu Ostern 1950 erstmals eine Radiopredigt aus. Bisher haben sich keine Missbräuche gezeigt. Es ist anzunehmen, dass sich die religiösen Fernsehübertragungen ebenso einleben werden wie die Radio-Gottesdienste.

FI-1951 / 1. Feb.-Ausgabe
Musik in Fernsehprogrammen

von Paul Bellae (Schweiz) in 1951

Ernste Musik (1951)

Der Versuch, die ernste Musik auch dem Fernsehen zugänglich zu machen, wird immer wieder unternommen, wenn aueh mit unterschiedlichem Erfolg. So hat die NBC (New York) wiederholt Sendungen sinfonischer Konzerte unter Toscanini und anderen Dirigenten durchgeführt.

Getreu der Partitur folgend wechselte das Gesamtbild des Orchesters mit Nahaufnahmen von einzelnen Instrumentengruppen und Grossaufnahmen des Dirigenten, dessen seelische Regungen man in Mimik und Gesichtsausdruck verfolgen konnte.

Wesentlich besser gefallen kurze Solistenkonzerte - wobei man in Grossaufnahmen etwa die Fingerfertigkeit eines bedeutenden Pianisten oder die Spieltechnik eines Geigers aus unmittelbarer Nähe geniesst. Man kennt ähnliche Versuche vom Film; sie sind interessant für das Studium der Beherrschung des Instrumentes und der Interpretation durch den Künstler, lenken jedoch vom eigentlichen Sinn solcher Konzerte, nämlich vom musikalischen Miterleben, eher ab.

In Paris veranstaltet Jacques Bourgeois musikalische Sendungen, zu denen man gleichsam als Hintergrund wechselnde Bilder vorführt, die eigens für die betreffende Musik gezeichnet werden. Die Zahl dieser Bilder darf jedoch nicht gross sein, da der Hörer durch zu häufigen Wechsel abgelenkt wird. Man glaubt, auf diese Weise eine Vertiefung des musikalischen Eindrucks zu erreichen.

Ähnliche Versuche, wenn auch mit bewegten farbigen Bildern, hat übrigens Walt Disney in seinen Fantasia-Filmen unternommen, die in der musikalischen Welt vielfach abgelehnt wurden.

Dagegen erweist sich das Fernsehen als ein ausgezeichnetes Lehrmittel für den Musikunterricht , wie u.a. ein Klavierkurs in London bewiesen hat.

Leichte Musik (1951)

Grössere Bedeutung hat die Unterhaltungsmusik gewonnen. Nahezu alle bunten Sendungen werden mit musikalischen Nummern ausgestattet. Tanz- und Unterhaltungsorchester, Jazz- und Instrumentalsolisten, Tanzgruppen, Chansonsänger und -Sängerinnen wechseln dabei in rascher Folge und vielen Kameraeinstellungen ab. Die Musikverleger in den Vereinigten Staaten haben festgestellt, dass die mittlere Lebensdauer populärer Chansons seit der Einführung des Fernsehens sich von 3 bis 4 auf 4 bis 5 Monate verlängert hat. Die Wirkung von Liedervorträgen auf das Publikum wird durch das bewegte Bild beliebter Sänger erhöht. Auf dem Gebiet der Unterhaltungsmusik ergibt sich demnach auch die einzige Möglichkeit, bekannte Stücke öfters zu wiederholen.

Volksmusik (1951)

Grosse Zukunft wird voraussichtlich die Pflege der Volksmusik im Fernsehen haben. Besonders in Verbindung mit Trachten, Volkstänzen und Volksbräuehen. Hier bietet sich den Programmleitern ein wertvolles Mittel für die Wiederbelebung" und Erhaltung alten Volkstums.

Oper (1951)

Während mit der Wiedergabe von Opern im Radio immer beträchtliche Schwierigkeiten verbunden sind, die weder durch die Übertragung von der Bühne noch durch die Studio-Oper befriedigend zu lösen sind, hat die Oper im Fernsehprogramm heute schon eine unbestrittene Bedeutung erlangt. Übertragungen aus dem Theater befriedigen im allgemeinen nur wenig. Sie wenden sich zu sehr an ein grosses Publikum. Die Beleuchtung ist in vielen Fällen ungünstig. Die Künstler singen in den Zuschauerraum hinaus. Das Bildformat im Empfänger ist zu klein, um die häufigen Massenszenen brauchbar wiederzugeben, und einzelne Gruppen, die man mit "Fernobjektiven" herauszugreifen sucht, wirken ziemlich zusammenhanglos. Mitunter ergeben sich auch unerwartete technische Schwierigkeiten, die nur schwer zu beherrschen sind.

Daher wird die Aufführung von Opern im Fernsehstudio vorgezogen, wobei eine Spezialbearbeitung und -Inszenierung nicht zu umgehen ist. Die Vorgänge werden dabei mit rasch wechselnden Kameraeinstellungen in Nah- und Grossaufnahmen verfolgt, ähnlich wie im Film. Die Zuschauer werden dadurch gleichsam mitten in die Handlung gestellt.

Die Kunstform der Fernsehoper ist, trotz mancher Erfolge, erst im Entstehen begriffen. Die CBS (New York) hat Ende 1949 ein Opernstudio unter der künstlerischen Leitung des Baritons Lawrence Tibbet geschaffen, während die musikalische Leitung dem Luzerner Dirigenten Walter Ducloux übertragen wurde. - Auch die BBC in London hat die Pflege der Studio-Oper aufgenommen. Nach einer wohlgelungenen Aufführung von Humperdinck's "Hansel und Gretel" folgten Leoncavallo's "Bajazzo", Britten's "Let's Make an Opera", und - weitere Aufführungen sind geplant. - Schliesslich beabsichtigt der Pariser Fernsehdienst die regelmässige Sendung von Studioopern und auch die BBC (New York) hat die Opernproduktion aufgenommen.

Ballett (1951)

Das Ballett hat durch das Fernsehen geradezu eine Renaissance erlebt und ein grosses Publikum erobert. Seine Aufführung im Fernsehstudio zählt jedoch zu den schwierigsten Aufgaben, die der Regie und der Kameratechnik gestellt werden. Sie erfordert die engste Zusammenarbeit zwischen Fernsehregisseur, Kameraleuten und Choreographen, um die pantomimische und tänzerische Handlung in einer Reihe von Gesamtansichten und Nahaufnahmen spannend und lebendig wiederzugeben.

Die Bewegungen müssen so abgestimmt sein, dass die Kameras den Tänzern folgen können, ohne sie aus dem Blickfeld zu verlieren. Vereinfacht wird diese schwierige Arbeit durch die Erfahrung, dass grosser Personenaufwand und prächtige Ausstattung unzweckmässig sind, weil dann die Inszenierung überladen wirkt.

Das allgemeine Interesse für das Ballett hat sich so gehoben, dass die BBC eine Sendereihe "Ballett für Anfänger" einführen konnte, in der die Geschichte und die Kunstformen des Balletts durch bekannte Choreographen an Hand von Tanzbeispielen bedeutender Tänzer erläutert werden.

FI-1951 / 1. Feb.-Ausgabe - AUSLAND
AUSLANDSÜBERBLICK UND ANREGUNGEN
Österreich

Die bekannte Schauspielerin Leopoldine Konstantin, die einst sehr beliebte Salondame des Wiener Theaters, die sich seit Jahren in USA aufhält und sich auch dort im Theater und Film künstlerisch durchgesetzt hat, hat sich in den amerikanischen Televisionsendungen zu einem Fernsehstar entwickelt. Bei ihrem Besuch in Wien betonte sie die neuen grossen und reizvollen Aufgaben, die die Television dem Schauspieler stelle.

"Man spielt richtig Theater", sagte sie, "wird aber dabei von den Augen von sechs bis zehn Kameras ununterbrochen verfolgt und kann nicht, wie im Filmatelier 'Abblenden, noch einma' rufen, wenn man das Gefühl hat, eine Szene sei nicht so ganz gelungen, denn 5 bis 7 Millionen Menschen sehen und hören mit, was die Kameras und Mikrophone ihnen direkt von der Aufnahme übermitteln. Das kostet natürlich Konzentration und Anstrengung, bringt aber auch das erregende Gefühl, vor dem größten Publikum aufzutreten, das ein Schauspieler bisher je hatte".

FI-1951 / 2. Feb.-Ausgabe -
"Bunte Sendungen" im Fernseh-Programm

von Paul Bellac (Schweiz) 1951

Das Fernsehen dem Radio weit überlegen

Auf dem Gebiet der bunten Sendungen ist das Fernsehen dem Radio weit überlegen, gleichgültig, ob es sich um ernste oder um Unterhaltungsprogramme handelt. Alle Einzelnummern aus Solistenkonzerten, Tanz, Variete, Music Hall, Zirkus, Kabarett lassen sich für das Fernsehen gut verwenden. Erforderlich ist jedoch stets eine gute, dramatisch bewegte Darstellung. Viele Künstler, die im Radio oder Konzert Erfolg haben, sind für das Fernsehen ohne entsprechende schauspielerische Umschulung wenig geeignet. Die Wirkung der bunten Fernsehprogramme wird erhöht durch geschickte Regie und originelle, verbindende Conference. Noch so kostspielige Sendungen mit zusammenhanglosen Nummern erstklassiger Kräfte haben wenig Erfolg.

Demonstrationen, Reportagen und Vorträge

Hier eröffnen sich dem Fernsehen unerschöpfbare Möglichkeiten, denn es gibt kein besseres Mittel, Vorführungen jeder Art bequem, wirtschaftlich und mit einem Maximum an Klarheit und Intimität im Heim selbst zu bieten. Diese Eigenschaften sind es auch, die das Fernsehen in den Vereinigten Staaten so rasch gefördert haben, in denen es als unübertreffliches Mittel für die kommerzielle Werbung ausgenützt wird.

Um nur einige Möglichkeiten anzudeuten, seien folgende, heute schon mit Erfolg gepflegte Fernsehrubriken oder Einzelsendungen herausgegriffen:
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Kunst, Kunsthandwerk und guter Geschmack

In London und New York werden Museen und Gemäldegalerien regelmässig besucht, oder wie auch in Paris, berühmte Bilder und Skulpturen ins Studio gebracht. Ein weiteres Beispiel für die Einführung in das künstlerische Schaffen ist die Sendung der BBC "Wie ein Porträt entsteht". Vom ersten Pinselstrich bis zur Fertigstellung wurden alle technischen und künstlerischen Einzelheiten an einem Porträt erläutert, das der bekannte Maler Henry Carr im Studio selbst schuf. Ferner wird das Restaurieren von Bildern vorgeführt und auch gezeigt, wie Fälschungen entstehen und entlarvt werden.

Andere illustrierte Vorträge dienen der Heranbildung des guten Geschmacks durch Kampf gegen den Kitsch und geben Aufklärung über zweckmässige und schön geformte Gebrauchsgegenstände.

Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse

Vorträge, Demonstrationen und Diskussionen werden aus allen Gebieten der Naturwissenschaften, Geographie, Astronomie und anderen Disziplinen gehalten. Besonders beliebt sind Reisebeschreibungen, wobei Film, Photographie, Gegenstände aller Art und akustische Illustrationen mit Schallplatten herangezogen werden. Zur Erweiterung der Demonstrationsmöglichkeiten wurden Fernsehgeräte zum Anschluss an Fernrohre für die Beobachtung der Sonne, des Mondes, der Planeten und Kometen geschaffen. Auch das Fernsehmikroskop für medizinische und biologische Vorführungen wird viel verwendet.

Medizin und Hygiene

Geschickt zusammengestellte Demonstrationssendungen über medizinische Themen und Hygiene haben einen ungemein starken Widerhall. Sie sind deshalb im Fernsehprogramm häufig zu finden. Mitunter dienen sie auch zum Unterricht von Samaritern und Sanitätspersonal. Mehrere Sendungen aus der Reihe "Matters of Life and Death" der BBC wurden von Lehrschwestern abgehört und anschliessend für Prüfungsaufgaben benützt.

Landwirtschaft und Gartenbau

Der Jahreszeit angepasste Demonstrationen und Vorträge werden häufig aus eigenen, für diesen Zweck angelegten Gärten oder aus landwirtschaftlichen Betrieben übertragen. Auch Filme werden vorgeführt.

Soziale Sendungen

Ein Hinweis auf die Möglichkeit sozialer Sendungen sind die monatlichen Besuche der Fernsehkamera der BBC im sozialen Klub von Peckham. Der von einem Arzt gegründete Klub ermöglicht gegen 2 Schilling pro Woche seinen Mitgliedern gesunde Betätigung und Erholung in der Freizeit, sowie kostenlose ärztliche Untersuchung. Er ist verbunden mit einem Laboratorium zum Studium des Einflusses hygienischer Methoden auf Geist und Körper.

Förderung von Erfindern

Das ständige Programm der BBC "Klub der Erfinder" hat grossen Erfolg. Schon für die ersten 10 Programme wurden 1.000 Erfindungen eingereicht, von denen 85 vorgeführt wurden. Eine beträchtliche Zahl wurde von Industriellen angekauft und verwertet.

Industrie und Handwerk

Durch Besuch industrieller Unternehmen und handwerklicher Betriebe werden die Fernseher über die Erzeugung von Produkten aller Art orientiert.

Frauen-Sendungen

Sie enthalten Anleitungen zur Herstellung von Kleidern und Handarbeiten, Modeschauen, KochVorführungen, Ratschläge für die Hauswirtschaft, Schönheitspflege, Hygiene, Krankenpflege, Säuglings- und Kinderpflege, erste Hilfe bei Unfällen usw. In den Vereinigten Staaten haben die kommerziellen Frauensendungen in den Nachmittagsstunden ein grosses Publikum. Sie werden vielfach dazu benützt, um Produkte der Nahrungsmittelindustrie, Modewaren, hauswirtschaftliche Geräte mit steigendem Verkaufserfolg vorzuführen.

Kinder-Sendungen

Die Kinder-Sendungen erfreuen sich im Fernsehen grösster Beliebtheit. In den Vereinigten Staaten werden sie vorwiegend kommerziell ausgewertet in dem Bewusstsein, dass die Wünsche der Kinder grossen Einfluss auf die Eltern haben. Ausser Aufführungen mit Marionetten, die sich für das Fernsehen besonders geeignet erweisen, werden viele Filme gebracht.

Nach einer Rundfrage des Advertest Research ist die Reihenfolge der Beliebtheit der Filmsujets, die vorwiegend zwischen 16.00 und 18.00 Uhr geboten werden, folgendermassen:
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  • Wildwest-Filme,
  • Trick-Zeichenfilme,
  • kurze Komödien,
  • Reiseabenteuer und
  • erzieherische Dokumentarfilme.

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Die kommerziell eingestellten amerikanischen Fernsehprogramme weisen daher ein bedauerliches Überwiegen der Wildwest-Filme auf. In London und Paris werden dagegen bei den Kinderprogrammen pädagogische Gesichtspunkte sorgfältig berücksichtigt, ohne dass deshalb die Beliebtheit solcher Sendungen leidet. Die BBC hat sich sogar entschlossen, nach Vermehrung ihrer noch unzulänglichen Senderäume, das Fernsehprogramm für die Kinder und Jugend zu erweitern.
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Schulfunk

Voraussichtlich wird der Schulfunk durch das Fernsehen einen grossen Aufschwung erleben. In den Vereinigten Staaten und in Paris wurden vielversprechende Versuche unternommen. Die allgemeine Einführung kann jedoch erst ins Auge gefasst werden, wenn genügend Empfangsgeräte in den Schulen vorhanden sein werden.

In New York sind bereits zahlreiche Schulen mit Fernsehempfangsgeräten versehen, und auch in anderen Städten wird der Fernsehschulfunk geplant. - In Baltimore wurden 36 Schulen mit Apparaten ausgerüstet, mit denen verschiedene Sendereihen über Musikinstrumente, Tiere der Heimat usw. empfangen werden. - In Cincinnati wurden in 14 höheren Schulen Empfangsgeräte aufgestellt. Dort wird der Einfluss des Fernsehempfangs auf den Schulunterricht durch eine Studiengruppe der Universität von Cincinnati fortlaufend untersucht.

Sendungen zum Zeitvertreib

Alle Gebiete des Zeitvertreibs werden im Fernsehen behandelt: Schachspielen und andere Spiele; Bastelarbeiten und verschiedene Handfertigkeiten; Sammeln von Briefmarken und andere Sammlungen; Behandlung von Tieren und Pflanzen im Zimmer; Zauberkunststücke usw.

FI-1951 / 2. Feb.-Ausgabe
WIR SAHEN und HÖRTEN
1 Mill. DM für "Neue Deutsche Wochenschau"

Die "Neue Deutsche Wochenschau", die im Dezember 1949 in Hamburg gegründet wurde, und die vorerst auch für die Fernseh-Versuchssendungen des NWDR die aktuellen Bildberichte liefert, soll nach einem Beschluss der Bundesregierung einen Bundeszuschuss von 1 Mill. DM zur Überwindung der Anlaufschwierigkeiten erhalten.

FI-1951 / 2. Feb.-Ausgabe - AUSLAND
England
Kommentare über die Television in Amerika

Der kürzlich von einer Amerikareise zurückgekehrte bekannte Dramatiker T.S. Elliot äusserte sich in der "Times" über die wenig erfreulichen Auswirkungen der Television in Amerika, "Nach offiziellen Feststellungen", so berichtet er, "beeinflusst die Television in gefährlicher Weise die geistige, körperliche und moralische Gesundheit des Kindes. Die oft ausgezeichneten Programme trifft dabei keine Schuld, wohl aber die allgemeine Gewöhnung, die den Geist erschlafft und träge macht".

Unwillkürlich wird man an Jean Jaques Rousseau erinnert, der vor genau 200 Jahren dem Einfluss der Buchdruckerkunst dieselben verheerenden Folgen zuschrieb, ohne sie aufhalten zu können,..

Vorschauen auf die neuesten englischen Filme sollen in das britische Fernsehprogramm aufgenommen werden, wenn Besprechungen zwischen BBC London und der britischen Filmindustrie erfolgreich verlaufen. Man hofft, bald alle 14 Tage eine halbstündige Filmschau senden zu können. Neben den eigentlichen Vorankündigungen der neuen Filme sollen Schauspieler, Regisseure und Techniker in ihren Studios interviewt werden.

Ein ähnliches Abkommen ist bekanntlich bereits vor einiger Zeit zwischen der Fernsehabteilung des NWDR und der SPIO in Wiesbaden getroffen worden, als ein provisorischer Versuch die Interessen des Films und des Fernsehens zu "koordinieren".

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