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Über den Artikel "Fachkorrespondenzen"

Dieser Artikel von 1984 ist in dem uns übergebenen Erbe von Frau Andrea Brunnen-Wagenführ enthalten, die im Nov. 2013 im hohen Alter von 90 !! Jahren verstorben war. Sie hatte über Jahre die Chefredaktion der Fachkorrespondenz "Fernseh-Informationen" inne. Ich muß leider eingestehen, den Begriff der "Fachkorrespondenzen" kannte ich bislang nicht. Ich möchte diese Informationen eher als Insider- Fachblätter bezeichnen.

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1984 - DIE ROLLE DER "FACHKORRESPONDENZEN"

Fast nicht lesbare Buchstaben-Wüsten

von Andrea Brunnen-Wagenführ im Januar 1984 - übertragen und überarbeitet von Gert Redlich im Januar 2014 (Ich mag keine Buchstabenwüsten, die dann doch niemand liest).

Eine Besonderheit der Bundesrepublik Deutschland

Fachkorrespondenzen für Hörfunk und Fernsehen, also Rundfunk-Fachkorrespondenzen, sind eine Besonderheit, die es in dieser Form nur in der Bundesrepublik Deutschland gibt. Möglicherweise hat ihre Existenz und die Tatsache, daß sie auch die Rundfunkentwicklung im Ausland mit berücksichtigen, zumindest in den deutschsprachigen Nachbarländern eigene Publikationen dieser Art verhindert. Vielleicht hatte aber auch kein anderes Land auf der Welt solche Vermittler wie die Fachkorrespondenzen nötig.

(Anmerkung: Der Laie sollte anstelle von "Fachkorrespondenzen" den Begriff "Branchen Informationsdienst" oder "Insider Informationsdienst" im Kopf behalten.

Die Fachdienste waren nichts Neues

Daß gerade in der Bundesrepublik Deutschland diese Fachdienste nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet wurden (wieder gegründet, müßte es genauer heißen, es gab sie schon früher) *1) und daß sie eine - in verschiedenen Jahren sogar außerordentliche - Bedeutung für die Rundfunkentwicklung erlangten, ist in der spezifisch deutschen Rundfunkgeschichte begründet.

*1) Zwischen 1923 und 1945 gab es bereits Fachkorrespondenzen für den Rundfunk, von denen die bedeutendste und vielseitigste der "Funk-Express" von Werner Menzel war. Menzel, aus der bekannten Fachzeitschrift "Funk" (Weidmann'sehe Verlagsbuchhandlung, Berlin) kommend, behandelte fachkundig, zuverlässig, sachlich und stets gut informiert alle Gebiete des Rundfunks (bis 1945).

Ausserdem erschienen zwei Korrespondenzen unter Leitung von Herbert Rosen und Priwin, die beide aufgrund der NS-Rassengesetzgebung ihren Dienst ins Ausland verlagern mußten (alle genannten erschienen in Berlin).

In deutscher Sprache erschienen (in Genf) auch die "Mitteilungen der UIR". Während der NS-Herrschaft erschien die "Nationalsozialistische Rundfunkkorrespondenz (Eher-Verlag, Berlin), Chefredakteur Heinz Franke.

Die "RRG-Mitteilungen", zusammengestellt vom Pressechef der RRG, die Programmvorschauen und internationale Rundfunkfragen berücksichtigten und Sprachrohr der einzelnen Sender waren, faßten die wichtigsten Meldungen aus den Pressediensten der einzelnen Rundfunkgesellschaften zusammen und hatten offiziellen Charakter. (Quelle: Dr. K. Wagenführ) Weitere Angaben sind zu finden in: Sperling, Zeitschriften- und Zeitungsadressbuch.

Rückblick ins Jahr 1945

Ein kurzer Rekurs auf die Situation nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg:

Der Mißbrauch des Instrumentes Rundfunk als Propaganda- und Durchhaltemaschine eines diktatorischen Regimes war noch unvergessen, ein Hunger nach unzensierter Information vorhanden. Die neuen, von den alliierten Besatzungsmächten in den Westzonen Deutschlands eingerichteten öffentlich- rechtlichen Rundfunkanstalten, dezentralisiert und nach Übergabe in deutsche Hände gesellschaftlich kontrolliert - das war etwas Neues, etwas bisher Unerhörtes, da wuchs ein Medium heran, das nicht Instrument der Mächtigen und des Staates war, sondern das auch kritisch fragte, kritisch urteilte.

1945 - Es gab fast kein Papier

Papier war noch knapp, Zeitungen dünn, und über Rundfunk stand nur selten etwas darin. Aber die Menschen wollten nachholen, was ihnen lange Jahre hindurch vorenthalten worden war: aktuelle Information von innerhalb und außerhalb der Landesgrenzen, Literatur, Theater, Dichtung und Musik der zwölf Jahre lang verbotenen Künstler. Der Rundfunk spielte dabei eine zentrale Rolle, er hatte eine Punktion zur Orientierung, zur Wissenserweiterung und zur Einübung in demokratische Formen des Miteinander-Umgehens, wie er sie kaum jemals wieder erreicht hat.

Der Rundfunk in den vier Besatzungszonen

Jede der vier Siegermächte installierte in ihrer Besatzungszone jene Art von Rundfunkorganisation, die ihr am ehesten Gewähr dafür zu bieten schien, daß der Rundfunk nie wieder ein Instrument nationalsozialistischer Propaganda werden würde. All diese Rundfunkanstalten hatten einen Neuaufbau zu verwirklichen, aber kaum eine wußte etwas von der anderen.

Ab 1950 die ARD

Zwar war 195o die ARD, die Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten in der Bundesrepublik Deutschland, gegründet worden. Aber es waren zunächst nur die Intendanten, die sich dort trafen. Und - ich möchte es einmal überspitzt sagen: Sie trafen sich in erster Linie wohl, um Gemeinsames zu planen, aber sehr oft wurde dabei auch Gemeinsames verhindert.

Die Befürchtung, größere Zentralisierung könne den Rundfunk wieder in die unheilvolle Rolle führen, die er im "Dritten Reich" spielte, mag dabei Pate gestanden haben. In den entscheidenden Fragen, wie sich die einzelnen Sender gegenüber Forderungen aus Gesellschaft und Politik verhalten sollten, nahmen die Intendanten sehr oft unterschiedliche Positionen ein.

Vorläufig : keine Presse bitte

Und: Sie verschanzten und verbarrikadierten sich auch nur zu oft gegenüber der Öffentlichkeit, auch gegenüber der Presse.

Die Rundfunk-Fachkorrespondenzen kamen auf

In diesen leeren Raum stießen die Rundfunk-Fachkorrespondenzen. Sie trafen auf eine Erwartungshaltung. Und auch geschäftlich konnten sie sich ein Interesse ausrechnen. Manfred Jenke, Hörfunkdirektor beim WDR, hat es in der "Funk-Korrespondenz" (14/1974) so formuliert: "Weil die Rundfunkanstalten schon in den ersten Nachkriegsjahren die Chance verpaßt haben, ein wirklich unabhängiges Diskussionsforum zu schaffen, mußten Andere, Aussenstehende diese Lücke füllen."

Es galt eine Aufgabe zu erfüllen

Ich möchte das so ergänzen: Die Rundfunk-Fachkorrespondenzen haben, besonders in den ersten Jahren der deutschen Nachkriegs-Rundfunkentwicklung und bis heute, eine Aufgabe allein erfüllt, die die Rundfunkanstalten einzeln oder gemeinsam gar nicht übernehmen wollten.

Sie informieren über den gesamten deutschen Rundfunk. Sie beobachten die ausländische Rundfunkentwicklung und berichten darüber, so weit sie für uns hier beispielhaft oder wesentlich ist. Die Fachkorrespondenzen haben das Wissen und die aktuelle Kenntnis über Rundfunk (und mit Rundfunk ist hier immer Hörfunk und Fernsehen gemeint) überhaupt erst vermittelt.

Vielleicht wären die Fachkorrespondenzen nicht entstanden, hätte es nicht den öffentlichrechtlichen Rundfunk gegeben. Aber andererseits: Ohne die Fachkorrespondenzen wäre der öffentlich-rechtliche Rundfunk schon früh sehr gefährdet gewesen. Denn politische und kommerzielle Begehrlichkeit hat es immer gegeben.

Viele unteschiedliche Rollen

Die Rolle der Fachkorrespondenzen war in vier Phasen der Entwicklung ganz unterschiedlich.

1. Phase:

Zwischen Januar 1949 und Dezember 1953. Die Korrespondenzen als fast ausschließliche Träger der Information aus dem Rundfunk und über den Rundfunk in erster Linie für die im Rundfunk Verantwortung Tragenden, also Intendanten, Direktoren, Aufsichtsgremien.

2. Phase:

Von 1953 bis zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts 1961, das dem kommerziellen Bandesfernsehen Konrad Adenauers den Todesstoß versetzte.

In diesen Jahren mischten die Fachkorrespondenzen sehr heftig in der Rundfunkpolitik mit. Die politischen Parteien, die evangelische und die katholische Kirche, die Wirtschaft und die Zeitungsverleger, die Ministerpräsidenten der Bundesländer, der Bund (Bundesinnenministerium, Bundespost, Bundeskanzleramt und der Bundeskanzler) und die Parlamente waren mit Rundfunkproblemen unter dem Stichwort "Rundfunkneuordnung" befaßt.

Oder besser gesagt: Sie waren damals schon heillos zerstritten über die Frage, wie der Rundfunk und das kommende Fernsehen letztlich organisiert sein sollten, öffentlich-rechtlich oder kommerziell, dem Bund oder den Ländern Untertan. Eine große Zeit für die Fachkorrespondenzen!

3. Phase:

Fachkorrespondenzen als Forum der Diskussion (nach Jenke). Diese Phase bereitete sich in den fünfziger und sechziger Jahren zwar schon vor. Aber in dieser Zeit fand das Gespräch fast nur ganz oben in der Hierarchie statt, unter Intendanten, Ministern, Staatssekretären, Bischöfen, Verbandspräsidenten, Industriebossen.

Das breite Forum der Diskussion, von dem Manfred Jenke spricht, öffnete sich jedoch erst nach 1968/69 im Gefolge der Studentenunruhen. Schon Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre kann man erkennen, wie zwischen Redakteuren in den Rundfunkanstalten und Redakteuren in den Fachkorrespondenzen "korrespondiert" wird.

Im Zuge der "neuen Aufklärung", wie man heute sagt, waren solche junge Leute in die Rundfunkanstalten gekommen, die auch dort den "jahrhundertealten Muff unter den Talaren" (wie an den Universitäten) vermuteten und ihn auslüften wollten. Sie versuchten, die Mitbestimmung der Redakteure in der Rundfunkhierarchie einzuführen oder zu verbessern.

Sie erfanden den Begriff der "inneren Rundfunkfreiheit". Sie brachten neue Ideen in die Programme, um bestimmte Gruppen der Gesellschaft draußen stärker anzusprechen, als dies bisher geschehen war. Ein Dialog entstand, bei dem manche Korrespondenzen gelegentlich die Rolle des Verstärkers einnahmen, ein Dialog, der zeitweise zu schrillem Stimmengewirr wurde.

Man wird diesem Jahrzehnt keineswegs dadurch gerecht, daß man einfach sagt: Es war die Zeit, in der die Rundfunkanstalten links unterwandert wurden. Sehr engagiert und vor allem um Klärung und Analyse bemüht, haben sich die Journalisten, auch in den Fachkorrespondenzen, in jener Zeit in die beginnende und ihrem Höhepunkt zusteuernde Diskussion um "Ausgewogenheit" eingeschaltet und sich immer wieder angestrengt, überzogene Forderungen aus dem politischen Raum an den Rundfunk auch als solche zu kennzeichnen.

Da blieb es natürlich nicht aus, daß sie, indem sie Stellung nahmen für bestimmte Programme, für gewisse Autoren oder Redaktionen, gelegentlich in Konflikt mit den oberen Hierarchien des Rundfunks gerieten.

Fachkorrespondenzen öffneten sich den "Betroffenen", das Forum des Gesprächs wurde viel weiter und breiter, als es bisher gewesen war. Dabei entstand ein Einverständnis darüber, wie der Rundfunk als freie Stimme in eine freie Gesellschaft auszusehen und sich zu verhalten habe.

Und es war nicht selbstverständlich, daß Intendanten sich in diesen Chor einreihten, wie es beispielhaft Klaus von Bismarck vom Westdeutschen Rundfunk tat (von dem man das erwarten konnte), vor allem aber auch Christian Wallenreiter, Intendant des Bayerischen Rundfunks.

Das war deshalb nicht selbstverständlich, weil damals bestimmte Medienpolitiker der Parteien als Gegner erkannt wurden, Gegner jenes öffentlich-rechtlich verfaßten Rundfunks, der Stimme nicht nur der Mächtigen in der Gesellschaft, sondern auch jener Schwachen sein wollte, die keine eigene Lobby haben.

Die Rolle der Fachkorrespondenzen in diesen Jahren, in denen ja durch die Sendung von "Holocaust" durch den WDR auch noch eine Periode der öffentlichen Aufarbeitung nationalsozialistischer Verbrechen eingeleitet wurde, sollte unbedingt einmal gründlich, wissenschaftlich und damit also fair und sachlich untersucht werden *2).

*2) Viele Hinweise dazu in der Leser-Umfrage der "Funk-Korrespondenz" 1973/74, die Antworten der Bezieher wurden in der FK bis 1975 laufend veröffentlicht.

4. Phase:

Es folgt in der Bedeutung der Rundfunkfachkorrespondenzen die Periode, in der wir uns bis heute befinden und die etwa die Jahre von 1979 an umfaßt.

Sie wird markiert von dem wieder auflebenden Bestreben wirtschaftlicher und politischer Kreise, einen kommerziellen Rundfunk in der Bundesrepublik Deutschland zu installieren. Dieses Bestreben wurde und wird bis heute von starkem publizistischem Getöse begleitet, das jetzt allerdings nicht mehr in den alten Rundfunkfachkorrespondenzen stattfindet und auch nicht mehr im Dialog mit dem Rundfunk, sondern es spielt sich vor allem in den Tages- und Wochenzeitungen und -Zeitschriften ab.

Die Fachkorrespondenzen, über die ich hier spreche, haben sich in den aufgeregten siebziger Jahren, wie auch schon davor, für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk eingesetzt.

Daß sie seine Schwächen und Mängel kritisierten und Fehlleistungen ungerührt offen legten, gehört zu ihrer Auffassung von Kritik. Dieser Kritik geht es nicht darum, den Gegenstand sturmreif zu schießen, um ihn zu vernichten, sondern darum, Kräfte der Regeneration zu wecken. Das allein macht sie, so scheint es mir, für jene Kreise, die den öffentlich-rechtlichen Rundfunk am liebsten abschaffen wollen, schon links- oder sonstwie verdächtig.

Neugründungen nach 1975

Die Gründung einiger neuer Korrespondenzen nach 1975, die ganz offensichtlich ins Leben gerufen wurden, um diesen Kreisen eine Stimme zu leihen und die heute in dieser Richtung eine manchmal unheimliche Verstärkerfunktion ausüben, läßt darauf schließen. Klar, daß diese neuen Dienste auch in den Rundfunkanstalten aufmerksam gelesen werden; sie bringen Meinungen, die so dezidiert in den traditionellen Korrespondenzen nicht zu finden sind, aber Strömungen in der Gesellschaft repräsentieren.
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Für und gegen den kommerziellen Rundfunk

Wie in den fünfziger Jahren haben sich heute zwei Gruppen gebildet: für und gegen kommerziellen Rundfunk. Wieder aufgebrochen mit neuer Kraft sind die Differenzen und Machtkämpfe zwischen Bund und Ländern, zwischen Post und Rundfunk, zwischen Zeitungen und Fernsehen.

Es geht nicht mehr nur um den "alten" öffentlichrechtlichen Rundfunk; um den geht es natürlich auch, weil er bundesweit bisher noch am breitesten wirken kann. Jetzt geht es vor allem um Einfluß auf die neuen Medien.

Und wieder um die alte Frage: Freie Meinungen und freie Berichterstattung oder nicht? Und: Ist der Rundfunk ein Instrument der ganzen Gesellschaft, oder soll er Gruppen überlassen werden?

Der Standpunkt der alten Rundfunkfachkorrespondenzen ist sicher auf der Seite der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Aber natürlich müssen sie ihre Leser darüber unterrichten, was auf dem Gebiet der sogenannten neuen Medien vor sich geht. Das tun sie. Und sie gewinnen aus diesen Bereichen auch neue Abonnenten und Interessenten hinzu.

Fragen wir doch mal die Kollegen

Zu Beginn dieser Arbeit hatte ich mir überlegt, daß es interessant sein könnte, die Kollegen von den anderen Korrespondenzen ein wenig auszufragen. Nicht nach Erscheinungsweise, Auflage oder Bezugspreisen; das kann man nachlesen, kürzlich hat sie das "Medien-Bulletin" veröffentlicht (6/83).

Ich wollte von den Herausgebern, Chefredakteuren oder Redakteuren der Fachkorrespondenzen folgendes wissen:
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  • Wie beurteilen Sie die Wirkung der Rundfunkfachkorrespondenzen?
  • Wie ist Wirkung von Ihnen erlebt worden? Haben Sie Beispiele dafür, daß etwas bewirkt wurde?
  • Auf welche Art ist von Ihnen Wirkung erzeugt worden? Was wollten Sie erreichen und was haben Sie erreicht?
  • Kurz, ich wollte etwas über die Rolle und Bedeutung der Fachkorrespondenzen von denen erfahren, die sie machen oder machten.

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Über hundert Fachkorrespondenzen

Es gibt über hundert Fachkorrespondenzen oder Publikationen, die sich mit Medien im weitesten Sinne befassen - wenn man den Rahmen von der Elektrotechnik bis zur Filmästethik zieht. Ich habe 37 angeschrieben, die im engeren Sinne mit Hörfunk und Fernsehen zu tun haben, und bis auf wenige haben alle geantwortet.

Von den wichtigsten Diensten habe ich mehrere Redakteure angesprochen, die im Laufe der Jahre dort gearbeitet haben. Trotzdem bitte ich Sie, keine wissenschaftliche Aufarbeitung dieses Materials von mir zu erwarten. Ich werde es in seinen Ergebnissen leider auch nicht vollständig referieren können.

Das ergab sich einerseits daraus, daß ich unter den Korrespondenzen eine Auswahl treffen mußte. In meinem Netz blieben schließlich nur die alten, frühgegründeten Fachdienste hängen. Andererseits ergab daraus, daß wesentliche Antworten von wichtigen Leuten oft nicht gegeben wurden. Außerdem geriet ich in ein Dilemma, das mir der Titel dieses Vortrags beschert hat: Kann die Rolle der Fachkorrespondenzen überhaupt von denen beschrieben werden, die sie machten oder verantworteten?

Besser den Rundfunk fragen ?

Eigentlich hätte man im Rundfunk danach fragen müssen. Ich kann deshalb nur aus subjektiver Erfahrung und - nach meinem Vermögen - aus objektiver Beobachtung darüber urteilen. Ich bin Partei, und zwar auf der Seite der Korrespondenzen, auf der Seite der Kritik, aber (wenn man das schon so bezeichnen will) an der Seite des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und nicht gegen ihn.
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Die Ergebnisse der Umfrage

Meine Umfrage unter den Kollegen der Fachdienste ergab im wesentlichen ganz kurz zusammengefaßt: Sie wollten mit ihrer Arbeit etwas "bewirken; es ist ihnen immer wieder gelungen, das Gespräch mit dem Rundfunk und über den Rundfunk zum Nutzen des Rundfunks in Gang zu "bringen und gelegentlich zu beeinflussen.

Nur wenige konnten direkt ablesbare Erfolge nennen. Ich könnte es für die "Fernseh-Informationen" (z.B. Transparenz der Finanzen und der Gremienarbeit betreffend), aber es würde hier den Rahmen sprengen.

Erstmal nicht wissenschaftlich

Wer an die Frage der Wirkung und Bedeutung der Fachkorrespondenzen wissenschaftlich herangeht, sollte nicht versäumen, die Zuschriften zu einzelnen Beiträgen genau zu lesen, die die Korrespondenzen bekommen und abgedruckt haben.

Hier eine Definition, die ich einfach wörtlich vom Kollegen Friedrich Wilhelm Hymmen übernehme, der sie so schön kurz in seinem "medium"-Lexikon (7/77) gefaßt hat:

  • "Rundfunkfachkorrespondenzen sind Periodika, die in geringer Auflage erscheinen, meist vervielfältigt und schlicht geheftet, und sie wenden sich primär an jene, die für Hörfunk und Fernsehen verantwortlich sind, ob als Redakteur, ob als Gremienmitglieder, als Wissenschaftler oder Politiker. Sie informieren, kritisieren, polemisieren, sie bieten kenntnisreich durchdachte Analysen an, sei es zu einzelnen Programmen oder Programmsparten, sei es zu rundfunkpolitischen Vorgängen, einige enthalten auch fundierte Kritiken, meist umfangreicher als es sich eine Tageszeitung leisten kann, sie beobachten das Geschehen in den Funkhäusern und bemühen sich, Neues zu berichten."

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Ein kurzer Blick auf die Gründungsgeschichte.

Ich darf an den Beginn meines Vortrages erinnern: die dezentralisierte deutsche Rundfunklandschaft begünstigte die Gründung von Informationsdiensten. Im einzelnen aber waren es sehr verschiedene Überlegungen, die zur Gründung von Fachkorrespondenzen führten, und sie entwickelten auch unterschiedliche Schwerpunkte.

1949 - "Kirche und Rundfunk"

Im Januar 1949 erschien als erste "Kirche und Rundfunk", Herausgeber und Gründer: Dr. Focko Lüpsen, der vor dem Krieg in Berlin den "Evangelischen Pressedienst" geleitet hatte. Er gründete 1945 in Bethel, wohin es ihn verschlagen hatte, den "epd" neu. 1948 war er Geschäftsführer des Evangelischen Presseverbandes für Westfalen und Lippe. Erster Chefredakteur von "Kirche und Rundfunk" wurde Dr. Heinz Schwitzke, seit 1930 Rundfunkkritiker und bald auch erfahrener Rundfunkmann in Berlin.

Adolf Grimme holte ihn schon drei Jahre später als Leiter der Hörspielabteilung zum NWDR nach Hamburg. Schwitzkes Grundüberzeugungen aber drückten sich noch lange in "Kirche und Rundfunk" aus, das fast ganz auf Nachrichten aus dem Programmsektor und Kritiken über Programme aufgebaut war.

Die Frage nach Zielsetzung

Heinz Schwitzke antwortete auf meine Frage nach Zielsetzung und Zielgruppe von "Kirche und Rundfunk" in seiner Zeit:

  • "Ich bin und war nie Journalist, sondern immer Rundfunkmann, kompetent allein für die besonderen Formen und Möglichkeiten des Instruments. Als Mann der Kirche und Zeitgenosse der Rundfunkgründung wollte ich den Kollegen zum Nachdenken über ihre Probleme verhelfen und solidarisch mitreden."


Schon seit 1949 arbeitete Friedrich Wilhelm Hymmen mit, als Kritiker vor allem. Nachrichten und Berichte aus dem Inland und Ausland wurden gedruckt. Aber der Schwerpunkt lag in den ersten Jahren eindeutig bei den Kritiken, und Heinz Schwitzke sagte dazu (ich zitiere aus meiner Umfrage):

  • "Ich war in ständigem Gespräch mit allen Programmachern. Weniger mit Programmdirektoren und Intendanten, aber wohl gerade deshalb auch von den Gremien stark beachtet."


Schwitzke "bezeichnet als Zielgruppe der Korrespondenz denn auch "gemeinsames Nachdenken über Ziel und Aufgabe eines Kulturrundfunks".

Ein Kommen und Gehen

Nach Schwitzke übernahm Kurt Lothar Tank, Journalist, für knappe zwei Jahre "Kirche und Rundfunk" als Chefredakteur; er führte diese Linie fort, "bis er zum "Sonntagsblatt" nach Hamburg ging. Nach ihm kam im Sommer 1953 Gerhard Prager. Er blieb fünf Jahre Chefredakteur, ohne daß sich Arbeitsweise, Inhalt und Erscheinungsbild von "Kirche und Rundfunk" wesentlich veränderten, und ging dann zum Süddeutschen Rundfunk.

Wohl erweiterten sich Umfang und Verbreitung des Dienstes. Aber die Leitartikel, soweit sie Rundfunkpolitik betrafen, in der die Evangelische Kirche damals schon ein kräftiges Wort mitreden wollte, schrieb oder beeinflußte damals meist ein Mann, der Zeit seines Lebens gern im Hintergrund blieb und doch lange Jahre hindurch einen ganz entscheidenden Einfluß auf die Rundfunk-Fachkorrespondenzen hatte: Hans-Werner von Meyenn, Pfarrer und nach Entlassung aus russischer Kriegsgefangenschaft sehr bald Inhaber wesentlicher Ämter in der Evangelischen Kirche und Verbindungsmann zum Rundfunk.

Über die Rundfunkpolitik der Evangelischen Kirche

Von Meyenn für den Hörfunk und, ohne daß es ebenfalls nach außen deutlich wurde, als Kontaktmann zu Film und Fernsehen der ehemalige Pfarrer und spätere Intendant des Hessischen Rundfunks, Werner Hess, bestimmten bis in die sechziger Jahre hinein die Rundfunkpolitik der Evangelischen Kirche wesentlich mit.

Noch Schwitzke konnte sagen (in meiner Umfrage): "Begriffe wie Rundfunkpolitik und Kulturpolitik galten damals als anrüchig; ich wollte der programmschöpferischen Arbeit Nutzen bringen", und selbst Hymmen, der 1958 "Kirche und Rundfunk" als Chefredakteur übernahm, war damals noch nicht der kämpferische Rundfunkpolitiker, der er später wurde.

Der Dienst, so erinnerte er sich, hatte damals nicht einmal einen eigenen Briefkopf, sondern oben stand "Kirchliche Rundfunkzentrale Bethel". Und die Kirchliche Rundfunkzentrale, die auch mit internationalen Aufgaben betraut war, leitete Hans-Werner von Meyenn. Von Meyenn war es nach Auskunft von Hymmen auch, der dafür sorgte, daß Leitartikel nicht gezeichnet wurden.

Hymmen sagt auch aus, daß es ihm erst nach der Verlegung der Redaktionen von Bethel nach Frankfurt am Mai 1968, als von Meyenn dann in Bethel zurückblieb, gelungen sei, sich endgültig von dem Einfluß dieses Mannes frei zu machen.

Eine wenig erforschte Rolle

Die Rolle der Fachkorrespondenzen in jener Zeit, in der die beiden Kirchen ihr Mitsprache- und Mitgestaltungsrecht im Kampf der Meinungen und Argumente um den Rundfunk kräftig zur Geltung zu bringen wußten, ist überhaupt noch nicht erforscht, zumindest nicht für die Evangelische Kirche. Es ist eine hochinteressante Periode, und eine wissenschaftliche Aufarbeitung würde die Ergänzung sein zu der großartigen Arbeit von Theodor Glässgen über die Rundfunkarbeit der Katholischen Kirche bis 1962. *3).

*3) Heinz Glässgen: Katholische Kirche und Rundfunk in der Bundesrepublik Deutschland 1945 - 1962. Rundfunkforschung Band 8, herausgegeben vom Studienkreis Rundfunk und Geschichte e.V. durch Professor Winfried B. Lerg (Münster), Volker Spiess-Verlag, Berlin, 1983.

Bei Glässgen wird an bestimmten Stellen auch die Rundfunkpolitik der Evangelischen Kirche in den fünfziger und sechziger Jahren deutlich, nämlich immer an den Stellen, an denen diese mit der Katholischen Kirche gemeinsame Stellungnahmen herausgab.

Sehr klar wird es dabei, wie es zu der bis heute nachwirkenden Überzeugung in den Rundfunkkorrespondenzen der beiden christlichen Kirchen kam, daß allein der öffentlich-rechtlich verfaßte Rundfunk und keinesfalls ein kommerzielles System jenes Instrument sein kann, das mit Programmen von Niveau und Qualität kulturelle, ästhetische, moralische und bildnerische Aufgaben in der Gesellschaft übernehmen kann.

1953 - Die "Funk-Korrespondenz"

Hier wird es Zeit, auf die Gründung des zweiten kirchlichen Rundfunkpressedienstes zu kommen, der "Funk-Korrespondenz".

Sehr genau kann man bei Glässgen nachlesen, warum die "Funk-Korrespondenz" im Dezember 1953 gegründet wurde: Weil es die Korrespondenz "Kirche und Rundfunk" gab. Und weil die Evangelische Kirche dadurch in der Öffentlichkeitsarbeit und in der Möglichkeit, auf die Rundfunkentwicklung Einfluß zu nehmen, inzwischen einen erheblichen Vorsprung hatte.

Es passierte sehr viel - damals

Es waren ja ausgesprochen aufgeregte und entscheidende Jahre für den deutschen Rundfunk:

Die Teilung des NWDR und neue Rundfunkgesetze für den Norddeutschen und den Westdeutschen Rundfunk, bei denen es den Kirchen nicht gelungen war, ihren Einfluß so geltend zu machen, daß sie ihre eigenen Vertreter in die Aufsichtsgremien entsenden konnten.

Pater Dr. Schmücker war ebenso wie Prälat Bernhard Marschall, Schmückers großer Gegenspieler und Vorgänger im Amt des Rundfunkbeauftragten beim NWDR, ein wichtiger Mann schon im Rundfunk der Weimarer Republik, war da auch schon beteiligt.

1953 - Die ARD begann mit dem Fernsehen

Außerdem begann 1953 die ARD mit ihrem 1, Fernsehprogramm, einem Gemeinschaftsprogramm. Das zweite Fernsehprogramm sollte kommerziell organisiert sein, die Zeitungsverleger forderten es, Adenauer forcierte es, und im Vorfeld hatten sich die beiden christlichen Kirchen dagegen zusammengefunden. Das machte der Regierungskoalition aus CDU und CSU in Bonn nicht wenig Kopfschmerzen.

Das war 1960/61, und da taucht als Wortführer und als Mann, der die Stellungnahmen ausarbeitet und die katholischen Bischöfe auf die Linie "öffentlich-rechtlicher Rundfunk" festlegte, immer wieder der Name des Paters Dr. Rainulf Schmücker auf. Auch übrigens der Name Hans Bausch, neben anderen.

1953 - Das Katholische Rundfunk-Institut

wurde am 7. Juli 1953 in Köln gegründet. Am 2. Dezember 1953 kam mit ihrer ersten Nummer die "Funk-Korrespondenz" heraus; Chefredakteur Dr. Rainulf Schmücker, der auch Leiter des Instituts wurde. Zwar war die "Funk-Korrespondenz" inhaltlich aufgebaut wie "Kirche und Rundfunk": Leitartikel, Meldungen aus dem In- und Ausland, Programmkritiken. Doch kam mit ihr eine ganz neue Art des Schreibens in die Fachkorrespondenzen.

1950 - die "Fernseh-Informationen"

Ich erwähne hier nur, daß es inzwischen auch schon andere gab: seit 195o die "Fernseh-Informationen" von Hans Schaefer in München und die "FFA-Korrespondenz" von Dr. Heinz Pridat-Guzatis in Berlin, seit Herbst 1952 "fff-press" von Karl-Heinz Ressing in Hamburg (das 1961 von Uwe Kuckei übernommen wurde).

Ebenfalls 1952 erschien die erste Ausgabe des "Rundfunkspiegels" (seit 1977 "Medienspiegel") des Deutschen Industrie-Instituts in Köln. Der "Funk-Korrespondenz" folgte 1954 Günther Zeutzschels "agz", Agentur für Film, Funk, Fernsehen, Phono, die das erste Hörspiel- und Biografien-Archiv und von 1967 an auch ein Archiv für Fernsehspiele einrichtete und "bis 196o auch Kritiken veröffentlichte.

Qualitärsmerkmal: Gründliche Recherche und Ggenauigkeit

Die "Funk-Korrespondenz" und "Kirche und Rundfunk" waren also auf dem Markt der Fachkorrespondenzen für Rundfunk nicht mehr allein. Doch mit Pater Dr. Schmücker kam etwas Neues: die Analyse, die die "Funk-Korrespondenz" bis heute pflegt, und die schnelle, topaktuelle Information, dazu eine Genauigkeit, die auf gründlichste Recherche und weitgespannte, sorgsam gepflegte Kontakte bis in die höchsten Stellen deutete.

Schmücker war von 1953 an Beauftragter der Katholischen Kirche für den NWDR und von 1954 an auch für Fragen der kommenden Kurzwelle zuständig. Er war immer glänzend informiert. Er verstand es nicht nur, Menschen in seinen Bann zu ziehen und zu überzeugen, sondern er baute auch einen Kreis von Informanten auf, der ihm mit seiner "Funk-Korrespondenz" bald einen großen Vorsprung vor allen anderen Korrespondenzen sicherte.

Rundfunkpolitik von draußen

Schmücker reagierte mit seiner Korrespondenz nicht nur auf Rundfunkpolitik, sondern er agierte, er machte Rundfunkpolitik.

Adenauer in Bedrängnis

Er setzte sich so vehement und unangreifbar argumentierend für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ein - hinter sich die Macht der Katholischen Bischofskonferenz -, daß Adenauer und seine Berater bei der sogenannten "Neuordnung" des Rundfunks in der Bundesrepublik, bei der er dem Bund und der privaten Wirtschaft mehr Einfluß auf den Rundfunk verschaffen wollte, und bei der Vorbereitung der Deutschland Fernsehen GmbH in echte Bedrängnis gerieten.

Glässgen überliefert einen Stoßseufzer von Dr. Bruno Six aus dem Jahre 1958: Die Situation sei ein Unglück, an dem nur Becker, Siegel und Schmücker schuld seien.

1957 - Die ARD will 2. Programm

Hier kurz einige Daten zum Verständnis der Situation. Am 18. Mai 1957 beschließt die ARD, ein 2. Fernsehprogramm vorzubereiten, und beantragt dafür Lizenzen. Der Bundespostminister antwortet sibyllinisch: Das Ministerium habe über die Verwendung dieser Lizenzen bestimmte Vorstellungen. Am 11. Juli bittet die Studiengesellschaft für Funk- und Fernsehwerbung die ihr angeschlossenen Verbände, zu erkunden, in welchem Umfang Wirtschaft und Presse ein privatwirtschaftliches Fernsehen finanzieren würden.

Adenauers Pläne werden publik

Im November wird bekannt, daß ein zweites, "Privatwirtschaftliches Fernsehprogramm" beim Bund vorbereitet wird. Sofort erscheint ein Protest der Katholischen Kirche dagegen, mitformuliert von Pater Dr. Schmücker, abgestimmt mit der Evangelischen Kirche. Argumente: In der Konkurrenz gegen ein kommerzielles Programm, das sich am unteren Niveau des sogenannten Publikumsgeschmacks orientiere, müsse das öffentlich-rechtliche Fernsehen die Flucht nach unten antreten, könne sein Niveau nicht halten. Ein Strukturwandel des gesamten Rundfunksystems mit verhängnisvollen Folgen sei zu befürchten, der den bisher geltenden Grundsatz gefährde, nach dem der Rundfunk ein der ganzen Gesellschaft verpflichteter, freier Mittler der Kultur zu sein habe.

Fast die gleiche Situation wie heute (in 1984)

Dies ist hier etwas ausführlicher erzählt - nicht nur, weil die rundfunkpolitische Situation von damals so fatale Ähnlichkeit mit der von heute hat, sondern auch, um klar zu machen, welche Rolle und welchen Einfluß Rundfunk-Fachkorrespondenzen haben können und damals hatten. Als das Fernsehen am 27." Januar 1960 die Bundestagsdebatte über Rundfunkfragen übertrug, sah man
Bundesinnenminister Gerhard Schröder, wie er die "Funk-Korrespondenz" aufgeschlagen vor sich liegen hatte.

Die Macht der Rundfunkfachkorrespondenzen

In den ersten Jahren bis zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts 1961, das dem ganzen Privatfunkspuk zunächst und für über 2o Jahre ein Ende machte, verstärkte sich die Wirkung der Rundfunkfachkorrespondenzen noch durch zwei weitere Initiativen.

Rückblick ins Jahr 1950

Ich muß aber noch einmal zurückhaken, um festzuhalten, welche Persönlichkeiten damals tätig waren. Im November 195o, also bevor überhaupt das Nachkriegsfernsehen in Hamburg beim NWDR aus der Taufe gehoben wurde, kam Hans Schaefer, ein WirtschaftsJournalist, ausgerechnet in München mit einer neuen Fachkorrespondenz heraus, der ersten, die sich ganz auf Fernsehen spezialisierte, den "Fernseh-Informationen".

Er hatte den richtigen Riecher

Schaefer war damals durchaus auf dem richtigen Wege. Die "Fernseh-Informationen" lagen mit ihrer Propagierung des Fernsehens mit der Nase im Trend, damals auch noch vor der "Funk-Korrespondenz", die sich mit Gesetzestexten und Rundfunkpolitik herumschlug, und auch vor "Kirche und Rundfunk", das ohnehin mehr auf Programmfragen spezialisiert war - und Fernsehprogramme gab's ja damals zunächst noch kaum.

("Kirche und Rundfunk" hat später mit der Herausgabe eines Extradienstes "Kirche und Fernsehen" reagiert, viele Jahre lang erschien er abwechselnd mit "Kirche und Rundfunk", bis beide wieder zusammengelegt wurden und als "Kirche und Rundfunk", den Erscheinungsrhythmus beibehaltend, zweimal wöchentlich herauskamen - bis heute.)

Kontake waren schon immer immens wichtig

Schon vor der ersten Ausgabe der "Fernsehinformationen" hatte Hans Schaefer einen Abgesandten nach Hamburg geschickt zu Dr. Kurt Wagenführ, der von 1935 bis 1944 Fernsehbeobachter in Berlin gewesen war und ihm wohl aufgefallen war, weil er in Vorträgen und Artikeln immer wieder den Neubeginn eines deutschen Fernsehdienstes und rechtzeitige Vorbereitungen dafür gefordert hatte.

Wagenführ hat von 1950 an bei den "Fernseh-Informationen" mitgearbeitet und jene Bereiche berichtend, analysierend und kritisch abgedeckt, die nicht Wirtschaft, Handel und Technik waren, also: die gesamte Rundfunkpolitik, zunächst (das wurde später aufgegeben) auch Fernsehprogrammkritik.

Respekt auch bei unterscheidlichen Meinungen

Schaefer und Wagenführ trafen sich in ihrer Begeisterung für das Fernsehen. Sie ergänzten sich, sie respektierten sich. Der Konflikt zwischen beiden war zwar vorprogrammiert, weil Wagenführ für das reine öffentlich-rechtliche Rundfunksystem ohne Werbung eintrat, während Schaefer dafür war. Doch dieser Konflikt wurde nicht in den "Fernseh-Informationen" ausgetragen, sondern auf einem anderen Felde, der Zeitschrift "Fernsehen".

Doch das führt hier zu weit. Hätte ich Schaefer gefragt, ob er seine "Fernseh-Informationen" mit ideeller oder geschäftlicher Zielsetzung gegründet hat (wie ich es die anderen Kollegen fragte), so hätte er sicher wie die meisten anderen geantwortet: mit beidem.

Geld verdienen - auch mit eigenen Idealen

Denn natürlich wollte er mit seinen "Fernseh-Informationen" seinen Lebensunterhalt bestreiten und Geld verdienen. Aber andererseits wollte er auch, daß Deutschland auf dem Fernsehgebiet nicht gegenüber dem Ausland ins Hintertreffen geriete, er wollte das Fernsehen fördern.

Seit Schaefer Anfang der siebziger Jahre kränkelte und nachdem er 1972 gestorben war, übernahmen zunächst seine langjährige
Mitarbeiterin Liselott Dossmann zusammen mit Dr. Wagenführ die Redaktion bis 1976. Danach, von 1977 an, zeichnete ich unter meinem Pseudonym Andrea Brunnen (unter dem ich schon seit 1950 mitgearbeitet hatte) als verantwortliche Redakteurin, zusammen mit Dr. Kurt Wagenführ - bis heute.

Das Schwergewicht der "Fernseh- Informationen" verlagerte sich parallel zu den personellen Veränderungen in der Redaktion mehr auf Fragen, die die Wagenführs für wichtig hielten:

Medienpolitik, Recht, Finanzen, Rundfunkgeschichte, Medienentwicklung im Ausland mit leichter Betonung der Staaten des Ostblocks, seit einiger Zeit auch Biografien und regelmäßige Buchbesprechungen.

Nach wie vor auch technische Themen

Als einzige der "alten" Rundfunkkorrespondenzen pflegen die "Fernseh-Informationen" noch immer technische Themen, erweitert auf Fragen der Fernsehproduktion, und sie hatten in diesem Bereich mit den langjährigen Mitarbeitern Reinhard Schneider, Gerhart Goebel und in den letzten Jahren Karl Tetzner immer besonders sachkundige freie Mitarbeiter - wie überhaupt die FI von Beginn an mit vielen freien Mitarbeitern und Korrespondenten im In- und Ausland gearbeitet haben.

Das taten und tun nicht alle Rundfunkfachkorrespondenzen. Wohl "Funk-Korrespondenz" und "Kirche und Rundfunk", diese besonders bei den Programmkritiken. Diese Kritiken - darauf möchte ich ausdrücklich aufmerksam machen - dürften eine ganz wichtige Quelle sein, wenn einmal die Programmgeschichte des deutschen Rundfunks geschrieben wird.

1952 - Karl-Heinz Ressing, Journalist

Jetzt kommt ein neuer Name hinzu: Karl-Heinz Ressing, Journalist und nach Kriegsende in Hamburg Chefredakteur der Jugendzeitschrift "Benjamin", dann Chefredakteur der Programmzeitschrift "Hören und Sehen" im Bauer-Verlag in Hamburg. Ressing gründete "fff-press" und gab im Herbst 1952 die erste Nummer in Hamburg heraus, "fff" stand für Funk, Film, Fernsehen. Ressing wollte seine Korrespondenz verstanden wissen als "unabhängigen Informationsdienst in Zusammenarbeit mit den Rundfunkanstalten".

Immer wieder : Kontakte

NWDR-Generaldirektor Dr. Grimme, so berichtete mir Ressing, ermutigte ihn, und der Kölner Intendant Hanns Hartmann gab ihm (wörtlich) "starken wirtschaftlichen Auftrieb". Unterstützung fand der neue Dienst auch vom Bundespresseamt, zu dem übrigens auch Schaefer recht gute Beziehungen hatte.

Ausgewogenheit wurde gefördert

Im Bundespresseamt war man daran interessiert, daß außer den beiden kirchlichen auch andere Fachpressedienste aen. Ressings "fff-press" lief bald sowohl "Kirche und Rundfunk" als auch "Funk-Korrespondenz" und "Fernseh-Informationen" mit Nachrichten den Rang ab; es gab keinen Chefredakteur, der es wie Ressing verstand, jeden noch so kleinen oder großen Vorgang in Meldungen zu formulieren.

Ressing begann auch sofort mit einem Archivdienst, ein Schwerpunkt, den sich die beiden kirchlichen Korrespondenzen mit der Herausgabe von Dokumentationen auch bald zu eigen machten, der auch nach der Übernahme von "fff-press" durch Uwe Kuckei, der den Ressing-Dienst mit seinem "TV-Courir" 1961 vereinigte, erhalten blieb, ausgebaut und besonders gepflegt wird.

Ressing beschäftigte als Redakteure zunächst Fritz Seil, später Gerhard Nowack, dann Dr. Heinz Pohle und Dr. Hans Koeltzsch für verschiedene Fachgebiete, und schließlich Uwe Kuckei. Er hatte regelmäßige freie Mitarbeiter für Film, Technik, Werbung, Politik und Skandinavien.

Die Bedeutung der Fachkorrespondenzen wuchs

Ich sagte vorhin, daß die Fachkorrespondenzen auf einer zweiten
Ebene zu Bedeutung gelangten. Ihre Chefredakteure gehörten von 1952 bis 1955 dem "Arbeitskreis für Rundfunkfragen" an. Dieser Arbeitskreis, ein Zusammenschluß (wie er in jeder Verlautbarung betonte) von "senderunabhängigen Rundfunkfachleuten" - war auf Anregung von Dr. Gerhard Eckert, Journalist nach dem Kriege in Hamburg, früherer Assistent von Prof. Dovifat (Zeitungswissenschaft, Rundfunkkunde) in Berlin, gegründet worden.

In diesem Arbeitskreis versammelten sich in den rundfunkpolitisch so brisanten fünfziger Jahren Chefredakteure und Redakteure von Rundfunkkorrespondenzen, von Programmzeitschriften, Nachrichtenagenturen sowie Vertreter der Wirtschaft, der Zeitungsverleger, der Rundfunkwissenschaft, der Arbeitgeber und der Gewerkschaften, Rundfunkbeauftragte der politischen Parteien wie der Kirchen zu einer Art "brain storming", wie man es heute nennen würde.

Erst mal immer "einstimmig"

Der "Arbeitkreis für Rundfunkfragen" versuchte, in allen aktuellen Medienfragen zu einer gemeinsamen, einstimmig gefaßten Entschließung mit empfehlendem Charakter zu kommen. Der Grundgedanke war: Es muß sich für jedes Problem eine mögliche und zweckmäßige Lösung finden lassen, wenn man eigene oder Gruppeninteressen hintenan stellt. Jedes Mitglied stimmte als Person ab. Ob es die Empfehlung des Arbeitskreises später seinem Verband oder seiner Partei gegenüber würde durchsetzen können, blieb offen.

Aber die Veröffentlichung der Empfehlungen, die eine Summe der Vernunft und ohne irgendein Eigeninteresse waren, die nur im Interesse des deutschen Rundfunks gefaßt wurden, diese Veröffentlichungen in den Fachkorrespondenzen und über dpa - auch in Tageszeitungen - waren außerordentlich wirkungsvoll. Sie erreichten Kreise, die durch die Korrespondenzen noch nicht erreicht waren.

Es gab Empfehlungen zur Langwelle, zum Aufbau einer Fernsehanstalt, zum Werbefernsehen; der Arbeitskreis forderte 1953, unverzüglich mit der Niederschrift der Rundfunkgeschichte zu beginnen.

Der Arbeitskreis machte die Intendanten der ARD ärgerlich und oft unruhig. Denn er verteidigte durchaus nicht immer das Monopol der ARD. Er veröffentlichte z.B. eine Entschließung, "Kleine Lizenzen" (auch) an interessierte Organisationen und Gruppen zu geben, die UKW-Sender also nicht nur der ARD zuzuschlagen.

Für Werbung und gegen Werbung

Bezeichnenderweise für die starke Polarisierung, die damals (genau wie heute) quer durch alle Gruppen der Gesellschaft ging: Für Werbung, gegen Werbung.

An dieser Frage der Einführung kommerziellen Rundfunks bzw. Fernsehens zerbrach der Arbeitskreis für Rundfunkfragen. Es waren nach 1955 keine einstimmigen Entschließungen mehr möglich.

Die Monatszeitschrift "Fernsehen"

Eine weitere große Wirkungsmöglichkeit bot sich den Fachkorrespondenzen ebenfalls in den fünfziger Jahren. Sie wirkten in der Jury von Dr. Wagenführs Monatszeitschrift "Fernsehen" mit, die jeweils im Januar die besten Fernsehsendungen des vergangenen Jahres in einer "Jahreswertung" veröffentlichte. Es gab keinen Preis und keine Urkunde für die Programm-Macher, aber da es sonst noch keinerlei Fernsehpreise in der Bundesrepublik Deutschland gab, hatte diese Jahreswertung, die dann auch von den Fachkorrespondenzen abgedruckt wurde, doch eine beachtliche Wirkung in die Rundfunkanstalten hinein.

1962 - Die zweite Phase

Die zweite Phase der Entwicklung nicht nur des deutschen Rundfunks, sondern auch der Rundfunk-Fachkorrespondenzen schloß mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts und der Gründung des ZDF ab.

In dieser Phase, das muß noch nachgeholt werden, hatte 1955, auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzungen, Fritz Niehus seinen "Aktuellen Fernsehdienst" afd, auch in Hamburg, gegründet.

Niehus, später Pressechef des Südwestfunks Baden-Baden, leider 1982 gestorben, brachte in seinem Dienst (in dem auch Theo Jäschke - heute in der ZDF-Pressestelle - als Redakteur arbeitete), Meldungen, Berichte und Artikel zu allen Fragen und Problemen des Rundfunks.

Aber Niehus war von Beginn an ein Kämpfer, der selten ein Blatt vor den Mund nahm. Seine Frau, die von 1965 bis 1971 als Redakteurin beim "afd" mitarbeitete, nennt als Ziele von "adf" "Kampf gegen zu starken Linksdrall" in den Sendern; gegen versuchte Einmischung von Intendanten in redaktionelle Freiheit; gegen Selbstherrlichkeit der Programm-Macher; gegen Verschleierungstaktiken im Finanzbereich der Sender; gegen Kungelei und Korruption bei Besetzung führender Positionen. Niehus hielt dabei guten Kontakt zu Kreisen der Wirtschaft und Werbung.

Noch war die ARD ein Monopolist

Um die publizistische Situation in den fünfziger Jahren zu verstehen, muß man allerdings rekapitulieren, daß es damals eben nur die allmächtige ARD und nur ein einziges, das 1. Fernsehprogramm gab, und keinerlei Konkurrenz, die der ARD damals nicht nur Niehus, sondern eigentlich alle Fachjournalisten und Fachkorrespondenzen herzlich wünschten.

Alle waren sich wenigstens darin einig, daß ein zweites Fernsehprogramm her müßte, das nicht von den ARD-"Anstalten" gemacht würde. Nur, wer es schließlich machen sollte, war ungemein strittig. Insofern lag Niehus mit seiner kämpferischen Art, mit der er personelle, organisatorische und Programmschwächen bei der ARD schonungslos aufdeckte und geißelte, genau auf der Linie auch der anderen Korrespondenzen.

1971 änderte sich bei "afd" viel

Fritz und Roma Krieger-Niehus gaben "afd" im April 1971 ab. Dieser Pressedienst hat die dritte Phase, sie siebziger Jahre, in neuer personeller Besetzung mitgemacht. Er ging an den trimedia-Verlag von Erik Blumenfeld, CDU-Mitglied der Hamburger Bürgerschaft, über. Zunächst war August Weber Chefredakteur, dann die langjährige Rundfunkkritikerin des "Kölner Stadt-Anzeiger", Lisel Potthoff.

Frau Potthoff gelang es einige Jahre lang, obwohl sie ganz allein war und auch keine freien Mitarbeiter hatte, mit erheblicher Energie einen neuen Stamm hochkarätiger Informanten heranzuziehen. "afd" war in ihrer Zeit ein vorzüglich über Rundfunkpolitik informierter Dienst. Doch zog Frau Potthoff sich zurück, als der trimedia-Verlag den Pressedienst fast völlig auf "Neue Medien" umstellte, Werbeseiten aufnahm und den Hauptteil in Berlin von einer neuen Redaktion unter anderem Chefredakteur gestalten ließ. Der alte "Aktuelle Fernsehdienst", afd, blieb nur noch als Appendix im Namen erhalten.

Die dritte Phase

Die dritte Phase der Entwicklung der Rundfunkkorrespondenzen, das breite Forum, das Gespräch mit Redaktionen und Redakteuren, habe ich zu Beginn schon kurz umrissen. In der katholischen "Funk-Korrespondenz" ist sie durch Namen junger Redakteure gekennzeichnet, die schon begonnen haben, ausführliche Programmund Redaktionsanalysen zu schreiben. Schmücker hatte zu Beginn in der Redaktion nur mit Frau Vilma Sturm, später auch mit Dr. Klaus Simon gearbeitet. Er hatte natürlich immer freie Mitarbeiter für die Programmkritik, einen ständig wachsenden Stamm, der, wie die "Festen", von 196o an wöchentlich außer der "Funk-Korrespondenz" noch den bis heute bestehenden "Fernseh-Dienst" zu beliefern hatte.

Viele in der Branche bekannte Namen

Der "Fernseh-Dienst" bringt Kritiken, eine ausgewählte Programmvorschau für kirchliche und andere Zeitungen, er empfiehlt auch Sendungen. Redakteure, die sich zuerst einen Namen in der "Funk-Korrespondenz" erschrieben, sind zu nennen: Dr. Klaus Simon, später SWF; Werner Filmer und Cordula Zytur, beide heute beim WDR; Otto Heuft, SWF; Dr. Reinald Merkert, Hochschullehrer, der die erste wissenschaftliche Aufarbeitung von Kinder- und Jugendprogrammen leistete, im Rahmen des Katholischen Rundfunk-Instituts, teils in der "Funk-Korrespondenz", teils in sehr begehrten Beilagen und Dokumentationen; Margret Trapmann, 1969 von der "Funk-Korrespondenz" als Pressechefin in die ARD-Fernsehprogrammdirektion (München) gegangen. Sie holte Wolfgang Darschin dorthin nach, der sich inzwischen für die ARD auf Meinungsforschung spezialisierte.

Trude Pfeiffer, die seit langem in Frankfurt/M. das ARD-Jahrbuch mitverantwortet; Egon Netenjacob, freier Autor, und schließlich Dr. Rupert Neudeck, dessen Name inzwischen weithin bekannt ist als Mitinitiator des Komitees Notärzte und des Schiffes Cap Anamur; Neudeck ist jetzt beim Deutschlandfunk. Mit dem Namen Neudeck verbindet sich die Erinnerung an die vielleicht kritischste und hektischste Zeit in der katholischen "Funk-Korrespondenz", soweit man das von aussen beurteilen und an den Artikeln von damals ablesen kann.

Als Pater Dr. Schmücker 1967 - fast überstürzt - die Redaktion verließ, ohne einen Nachfolger zu haben (er hat später auf Wunsch von SDR-Intendant Dr. Hans Bausch in Frankfurt/M. die ARD-Registratur aufgebaut), erschien die "Funk-Korrespondenz" ein Vierteljahr überhaupt nicht.

In aller Bescheidenheit muß ich jetzt auf zwei Protestanten, Dr. Kurt Wagenführ und seine Frau, hinweisen, die in andauernden Gesprächen und nächtlichen Diskussionen zwei der verlassenen Redakteure, Pater Poppe und Margret Trapmann, zu ständigen Interventionen bei den Bischöfen und anderen katholischen Instanzen ermunterten, die "Funk-Korrespondenz" wieder aufleben zu lassen.

Beide kirchliche Korrespondenz werden gebraucht

Unsere Motivation war ganz ähnlich der, aus der heraus die "Funk-Korrespondenz" seinerzeit gegründet wurde: wenn das katholische Pendant wegfällt, ist auch der evangelische Fachpressedienst "Kirche und Rundfunk" gefährdet, und das wäre nicht gut. Die Rettungsaktion gelang, Herbert Janssen wurde als Chefredakteur gewonnen; er kam aus der "Funk-Korrespondenz", war dann beim WDR und bei der Bavaria Atelier GmbH gewesen; er bot mit seiner munteren,aber (vermutlich) aufmüpfigen Redakteursmannschaft der sogenannten "neuen Aufklärung" in der "Funk-Korrespondenz" ein Forum.

Hier möchte ich noch einmal auf die Leserumfrage der "Funk-Korrespondenz" 1973/74 hinweisen, die Janssen wohl gerade im richtigen Augenblick startete, um Redaktion und Leser zum Nachdenken über die Situation des Fachdienstes zu veranlassen.

In den siebziger Jahren war Meinung gefordert, auch von den Redakteuren solcher Fachkorrespondenzen, die eigentlich nur mit Information über den Rundfunk dienen wollten. Das war - beispielsweise für "TV-Courir" und "Fernseh-Informationen" - eine schwierige Zeit.

Völlig neu - das Tonbandprotokoll

Uwe Kuckei, das läßt sich unschwer an den zahlreichen Veränderungen seiner Titelblätter und Rubriken im Laufe der Jahre ersehen, war um Ideen nie verlegen.

Er erfand das Tonbandprotokoll von Pressekonferenzen. Was ARD- oder ZDF-Intendanten genau zu bestimmten Problemen gesagt haben, interessiert natürlich die daheimgebliebenen Direktoren, Abteilungsleiter und Redakteure. Auch wenn Kuckei aus einsehbaren Gründen gelegentlich Passagen oder Fragen wegläßt, hat er doch damit auch für spätere wissenschaftliche Untersuchungen wichtige Vorarbeit geleistet in seinem "TV-Courir".

Damals drei ganz wichtige Forderungen

In den "Fernseh-Informationen" postulierte damals Kurt Wagenführ drei Forderungen:

  • 1. mehr Transparenz in finanziellen Fragen;
  • 2. Öffentlichkeit der Gremiensitzungen;
  • 3. der Rundfunk muß seine Fehlentwicklungen selbst korrigieren, Reorganisation der ARD ist nötig.


Auf diese Weise blieb auch das Gespräch mit dem Rundfunk im Gang, und nicht nur auf der politisch-weltanschaulichen Ebene. Was die Zukunft betrifft, kann ich wieder allgemeiner werden und die anderen Fachkorrespondenzen in den Blick rücken.

1976 - Weitere Fachkorrespondenzen

Nachzutragen ist, daß zwischenzeitlich neue Fachkorrespondenzen für Medienfragen gegründet wurden, fast alle aus einer bestimmten Interessenlage heraus und an einen bestimmten Leserkreis gerichtet.

Von der SPD kam der "Funkreport"

1976 kam die erste Nummer des "Funkreport" in Bonn heraus, getragen von der SPD (auch die Gewerkschaften hatten ein Mitteilungsblatt- das später zur Zeitschrift der RFFU "Hörfunk und Fernsehen" wurde).

1972 gründete Peter Engelmeier in München seinen "Deutschen Fernseh-Dienst", der mit Programmartikeln und -kritiken begann, aber inzwischen auch andere Rundfunkfragen behandelt; er ist vornehmlich Lieferant von Texten für Tageszeitungen.

1974 der "Medienreport"

Im November 1974 wurde "Medienreport" gegründet und Mitte 1978 "Medien-Kritik" von Dr. Peter Sweerts-Sporck, die beide offensichtlich rechts von der politischen Mitte aus (wo auch immer man die ansiedeln mag) die Medienlandschaft, ihre handelnden Personen und vor allem die Programme der öffentlich-rechtlichen Anstalten auf politische Einseitigkeit hin genau und argwöhnisch beobachten - ebenso wie das schon ein paar Jahre vorher gegründete "tele-control", das ja in seinem Titel schon die Absicht kundtut.

Zu diesen interessengebundenen Korrespondenzen gehört natürlich auch der "Medienspiegel" des Deutschen Industrie-Instituts, Köln, der übrigens als erster mehrmals wöchentlich erschien. Aber er hebt sich doch von den eben genannten Fachdiensten dadurch ab, daß er in seinen Leitartikeln, Kurzmeldungen, Programmkritiken und -Vorschauen nicht so ideologisch fixiert ist und daß zu Sendungen, die Wirtschaftsfragen behandeln, Wirtschaftsfachexperten Stellung nehmen.

1978 die "Rundfunk-Berichte"

Seit Oktober 1978 gibt es die "Rundfunk-Berichte" von Friedrich Weber in Köln, Fachjournalist für Wirtschafts-, Finanz- und Steuerfragen, der sich in seinem monatlich erscheinenden Dienst fast ganz auf wirtschaftliche und Finanzfragen der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten spezialisiert hat und außerordentlich sorgsam rechnet, vergleicht und oft Schlußfolgerungen zieht, die den Rundfunkanstalten höchst unangenehm sind.

Damit führt er in anderer Form ein Bemühen weiter, das die "Fernseh-Informationen" - damals mit ihrem vorzüglichen Mitarbeiter Dr. Egon Diemel, den der SDR sich holte - lange Jahre beschäftigt hat: die Etats der Rundfunkanstalten überhaupt zu bekommen und dann kritisch zu besprechen.

Konkurrenz und Zukunftsaspekte

Erlauben Sie mir zum Schluß noch, ganz kurz auf zwei Stichworte einzugehen: Konkurrenz und Zukunftsaspekte.

Zur Konkurrenz:

Grundsätzlich sind alle Fachkorrespondenzen Konkurrenten untereinander, was schnelle und möglichst exklusive Informationen betrifft. Natürlich sind jene, hinter denen eine Gruppe oder Organisation steht, im Vorteil. Sie müssen nicht bei jedem Informationsgespräch die Höhe der Telefonrechnung bedenken; sie können alle wichtigen Termine wahrnehmen, weil sie den Reise-Etat stärker belasten können als andere, weil sie oft auch den technischen Produktionsapparat ihrer Organisationen mitbenutzen können. Es gibt auch Dienste, die sich aus Anzeigen oder Abdrucken finanzieren.

Ich kann hier noch von denen reden, die ich selbst beurteilen kann, also beispielsweise "TV-Courir" und "Fernseh-Informationen". An ihnen beiden ist zu beobachten, daß sie auf die Konkurrenz reagieren mußten: z.B. indem sie Gebiete stärker ausbauten, die von der Konkurrenz nicht so konsequent und fortlaufend berücksichtigt wurden. Daß alle Korrespondenzen, auch die offensichtlich besser ausgestatteten, immer und bis heute über zu knappe finanzielle und personelle Ausstattung klagen, hat allerdings auch etwas mit dem hohen Anspruch derer zu tun, die sie verantworten, mit dem oft verrückt anmutenden Idealismus und journalistischem Ehrgeiz: Man möchte immer noch mehr und besseres machen und erreichen.

Die Tageszeitungen waren neidisch

Es hat lange Zeit gebraucht, bis Tageszeitungen überhaupt vom Fernsehen Notiz nahmen. Aber seit sie es tun, ist den Fachpressediensten mit den Fernsehseiten der Tageszeitungen eine große Konkurrenz erwachsen. Dort sitzen auch ehrgeizige Journalisten, die selbst recherchieren und in der Lage sind, schneller zu veröffentlichen als die Pressedienste. Abdrucke sind deshalb relativ selten.

Die "dpa"

Konkurrenz ist auch der Mediendienst von dpa (Deutsche Presse-Agentur, Hamburg), weil er auf Berichte der über die ganze Bundesrepublik und die Welt gestreuten dpa-Korrespondenten zurückgreifen kann.

Konkurrenz machen auch andere Dienste, von "rundy" bis "defd", vom Spöttel-Dienst bis "kress-report" - unmöglich, sie alle zu nennen. Aber andererseits ist ja auch das Interesse an den Medien in der Öffentlichkeit erheblich gewachsen. Immer noch werden neue Korrespondenzen gegründet.

Das führt zu der Schlußfrage:

Wie soll man in der Zukunft die Rolle der Rundfunk-Fachkorrespondenzen beurteilen? Nach meiner Einschätzung positiv, und in meiner Umfrage waren alle Kollegen ebenfalls dieser Meinung.

Der Rundfunk wird auch in Zukunft in der öffentlichen Diskussion bleiben, auch und gerade, wenn die Rundfunklandschaft vielfältiger wird. Er ist nach wie vor ein faszinierendes Medium. Und er ist nicht nur für Politiker, sondern auch für andere Gruppierungen der Gesellschaft als Kommunikationsinstrument immens wichtig. Da wird auch Platz sein für unabhängige Fachkorrespondenzen, die diese Kommunikation durch Informationen untermauern und weitertreiben. Schließlich hat jede Branche ihre Fachdienste oder Fachzeitschriften, man denke nur allein an den Film!

"Kleinbetriebe" oder "Kleinstbetriebe"

Allerdings wird Ihnen auch deutlich geworden sein, wie stark gerade Fachkorrespondenzen von den Persönlichkeiten geprägt werden, die sie jeweils machen und verantworten. Es sind ja "Kleinbetriebe", oft "Kleinstbetriebe".

Und trotzdem waren gerade die "alten" Fachkorrespondenzen immer auch Nachwuchsschule für medienkundige Redakteure; viele wurden in die Rundfunkanstalten geholt, die meisten wohl von der "Funk-Korrespondenz". Ich habe darauf hingewiesen, aber ich konnte natürlich nicht alle Namen nennen. Für die Fachkorrespondenzen war die personelle Fluktuation, die dadurch entstand, oft schwer zu verkraften.

Für mich ist ganz deutlich - und es wäre schön, wenn das durch genauere Untersuchungen auch einmal bewiesen würde -, daß die Fachkorrespondenzen in der deutschen Rundfunkgeschichte eine große Rolle spielten.

Änderungen brauchen ihre Zeit

Man darf da nicht nach schnellen Erfolgen suchen. Wirkungen sind fast immer nur langfristig zu erzielen. Im Augenblick wird die Diskussion über Rundfunk und Fernsehen zwar nicht mehr ausschließlich in den Rundfunkfachkorrespondenzen geführt, wie das einmal der Fall war. Aber ich halte es für ausgeschlossen, daß der Sach- und Fachverstand der dort tätigen Redakteure sich nicht auch in Zukunft als wirksames Ferment in der Rundfunkdiskussion erweisen wird.

Die Redakteure der Fachkorrespondenzen waren über das hinaus, was sie schrieben, auch immer direkte, und zwar uneigennützige, fachkundige und kritische Gesprächspartner derjenigen, die Programme machen und verantworten. Sollte jemals ein Wissenschaftler die Bedeutung der Fachkorrespondenzen für den Rundfunk erforschen wollen, so wird es deshalb nicht ausreichen, allein das Schwarz auf Weiß Gedruckte zu studieren. Auch die Personen, die Persönlichkeiten sind zu berücksichtigen.

Von Andrea Brunnen-Wagenführ im Januar 1984

- übertragen und überarbeitet von Gert Redlich im Januar 2014 (Ich mag keine Buchstabenwüsten, die dann doch niemand liest).

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