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überarbeitet von Gert Redlich ab Feb. 2014 - Eigentlich sprechen wir von einer Gazette - Es sind gigantische Textmengen (Buchstaben-Wüsten), die die Autoren der "FI" in den 58 Jahren zusammen getragen haben. Damit das überhaupt vernünftig zu lesen ist, haben wir die Inhalte in jährliche Themengebiete aufgeteilt, die aber nicht in jedem Jahr gleich sind.
Sehr wichtig ist, es wurden alle Informationen, die Texte und die Erkenntnisse genau in der Woche aufgeschrieben und nichts später ergänzt oder korrigiert.

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FI-1951 / 1.März-Ausgabe
Premiere des deutsehen Fernseh-Spiels.

Goethe erstmals in der Fernsehsendung. - Ein hoffnungsvoller Beginn.
(Von unserem Hamburger Mitarbeiter)

Bei der ersten öffentlichen Fernsehvorführung des NWDR - Hamburg im September vergangenen Jahres gab Dir. Werner Pleister bekannt, dass als Eröffnungsspiel das "Vorspiel auf dem Theater" aus dem "Faust" vorgesehen sei. Hanns Farenburg übernahm dies Versprechen als erste Aufgabe, als er Ende 1950 zum Oberspielleiter verpflichtet wurde. Nach der längeren Winterpause begann er vor einem Monat mit den Proben, und zwar unter denkbar unzureichenden Bedingungen. Er brachte zwar aus seiner Tätigkeit am früheren Berliner Fernsehsender grosse Erfahrungen mit, aber vor über 10 Jahren war ein technisch geschulter Stab vorhanden, eine grosse Gruppe eingearbeiteter Kameramänner, Beleuchter, Bühnenbildner und Darsteller.

Rückblick auf 1940

Das alles musste bei dem Wiederbeginn neu geschaffen werden; jeder, der Fernseh-Erfahrung hat, weiss, welche Schwierigkeiten dabei zu überwinden sind. Standen früher vier Kameras zur Verfügung (diese Zahl gilt als untere Grenze für ein Fernsehspiel), so hatte Farenburg diesmal nur zwei, waren vor einem Jahrzehnt alle Arten der Überblendungen möglich, so konnte diesmal nur mit "Schnitt" gearbeitet werden; war der Regisseur gewohnt, in mindestens vier Dekorationen und in weitem Raum zu arbeiten, so musste er sich heute auf eine einzige "Bühne" von etwa zwei mal vier Meter begrenzen. Ausserdem hatte der Fernsehrundfunk seit Beginn im Jahre 1935 noch niemals ein klassisches Stück aufgeführt (stimmt aber nicht) - wie würde eine Vers-Dichtung aufgenommen werden ? Das "Vorspiel auf dem Theater" ist ferner kein "echtes" Fernsehspiel, also kein Stück, das für die Besonderheiten des Fernsehens geschrieben ist.

Ein erfolgreicher Abend - der 2.März

Hanns Farenburg hat den Abend des 2.März zu einem überzeugenden Erfolg für sich und seine Bemühungen gestaltet. Er wurde durch die ausgezeichnete technische Bildgüte unterstützt, durch geschmackvolle Bühnenbilder von K.H. Joksch (ein Mitarbeiter aus der Berliner Zeit), und durch aufmerksame Kameramänner und Techniker. Eine hübsche Miniaturbühne war gebaut worden und vor diesem Modell begann das Spiel mit der Ansage eines Bajazzo; ein wenig zu bewegt und laut, aber einfallsreich aufgenommen. Die drei Personen des kurzen Vorspiels (es dauert kaum eine Viertelstunde) wurden von Farenburg geschickt bewegt, sodass die Kameras schöne Ausschnitte und Gruppen einfangen konnten. Erstaunlich gut die Überblendungen, bis auf einige Ausnahmen auch die Beleuchtung, sehr klug auf Schwarz-Weiss-Wirkung die Kostüme und Dekorationen gewählt, während die klangliche Wiedergabe unsere vom Rundfunkhören verwöhnten Ohren nicht befriedigen konnte. (Eine Erscheinung, die nur schwer zu beseitigen sein wird, da immer der ganze Senderaum von den Mikrophonen eingefangen wird).

Die interessanteste Lösung brachte Farenburg am Schluss. Zu den Worten des Direktors, der den Zuschauern "das Spiel der Maschinen, das grosse und das kleine Licht, den Himmel und die Höllen" verspricht, wurden Filmaufnahmen und Musik von Beethoven eingeblendet, die die Worte illustrierten. Skeptische Stimmen, die vorher laut geworden waren, mussten feststellen, dass der Regisseur diesen fernsehgemässen Einfall ausgezeichnet gestaltete. Von den Darstellern war weitaus am besten Udo Langhoff als Dichter; seine Leistung übertraf den Schauspieldirektor F.W. Schäffers und die lustige Person von Olaf Torsten bei weitem.

Überall bemerkenswerte Ansätze

Die kleine, sehr ausgefeilte Sendung bewies, was der NWDR-Fernsehrundfunk bereits heute mit fast primitiv zu nennenden Mitteln darbieten kann. Überall sind bemerkenswerte Ansätze zu erkennen, die alle Möglichkeiten andeuten: gebt dem Fernsehrundfunk Zeit, gebt ihm Mittel und lasst ihn einige Monate in Ruhe Versuche machen - dann werden wir von Woche zu Woche Fortschritte feststellen können. Der Abend war die beste Visitenkarte, die Farenburg abgeben konnte.
Wgf.

Als nächstes Fernsehspiel bereitet Hanns Farenburg ein Stück vor, das speziell für den Fernsehdienst der BBC geschrieben wurde.

FI-1951 / 1.März-Ausgabe
Weitere Televisionspläne in Frankreich (Teil 2)
Ein interessanter französischer Besuch in Hamburg

Zur Frage der Programmgestaltung erklärte Direktor Mallein, dass in Frankreich, wie auch in anderen europäischen Ländern alles noch in der Entwicklung sei. Frankreich sei z.B. nicht in der glücklichen Lage wie England, das vor über einem Jahrzehnt einen Programmdienst mit damals schon rund 400 Mann Personal und einem Etat von 1 Million Pfund aufbauen konnte, während Frankreich zur gleichen Zeit nur 15 Mann und 2 Millionen franc zur Verfügung standen.

Auch hinsichtlich der Programmstoffe bestehen grosse Schwierigkeiten. Filme darf der Fernsehrundfunk nur verbreiten, wenn sie fünf Jahre alt sind, das Übertragen von Theaterstücken wird durch eine Reihe von ungelösten urheberrechtlichen Fragen gehemmt und Sportereignisse dürfen überhaupt nicht gesendet werden. (Die diesjährige "Tour de France" bildete nur eine Ausnahme).

Man denkt an einen internationalen Programmaustausch

Das alles aber kann nicht hindern, dass den Fragen eines internationalen Programmaustauschs eine sehr grosse Aufmerksamkeit gewidmet wird. Solange keine einheitliehe Norm besteht - die Bemühungen darum müssen unablässig und weitblickend gefördert werden - kann ein Austausch von auf Bildstreifen aufgenommenen Fernsehsendungen vorgenommen werden.

Der französische Fernsehdienst hat hier zwei Verfahren entwickelt (Aufnahmen während oder nach der Sendung im Studio oder Aufnahme von einem Fernsehempfänger mit verkleinertem Bild auf 16mm-Film), die von allen anderen Fernsehsendern verwendet werden können.

Hier sind die Ansätze für eine europäische Zusammenarbeit, die systematisch von den selbständigen Fernsehorganisationen in den einzelnen Ländern ausgebaut werden muss. Sie wird sich auf die aktuellen und kulturellen Sendungen beziehen. Das Wort ist in den vergangenen Jahren so oft missbraueht worden, dass es seine Überzeugungskraft fast verloren hat. Jetzt solle man das Bild "spreehen" lassen. Das Einzelbild könne zwar verfälscht werden, nicht aber die Folge bewegter Bilder. Ihre Dokumentar- und Überzeugungskraft müsse zu einer Brücke zwischen den Völkern werden, die der Verständigung und dem Verstehen diene.

FI-1951 / 1.März-Ausgabe
Das Fernseh-Spiel muss seinen eigenen Stil entwickeln.

Fernseh-Theater zählt zu den beliebtesten Programm-Gattungen.
Von Paul Bellac (Schweiz)

Wo der Fernseh-Apparat seinen Einzug hält, wird das Radio-Hörspiel durch das Fernsehspiel verdrängt. Diese Entwicklung ist unausweichlich, und es gibt Radiofachleute, wie Val Gielgud, Direktor der dramatischen Abteilung der BBC, die der Überzeugung sind, dass das literarische Rundfunkprogramm durch das Vordringen des Fernsehspiels eines Tages gezwungen sein wird, auf das Radiodrama zu verzichten und sich mehr der Erzählung und Lyrik, als seiner ureigensten Domäne, zuzuwenden.

Doch dürfte die dramatische Form für manche Radioprogramme, wie Forum, Diskussionen u.a., beibehalten bleiben. In einer Rundfrage stellte die Advertest Research Inc. fest, dass das Fernseh-Theater von 92,5% der befragten Fernsehteilnehmer dem Radiohörspiel und von 76% dem Kino vorgezogen wird. Nur die lebende Bühne fand mit 54% einen grösseren Kreis von Anhängern.

Das Fernseh-Theater

Das Fernseh-Theater zählt demnach zu den beliebtesten Programmgattungen. Es gewinnt heute schon einen deutlichen Einfluss auf das öffentliche Leben, da viele Familien den für Fernsehspiele bestimmten Abend daheim verbringen. Durch Umfragen hat man auch Aufschluss über den Geschmack des Publikums erhalten.

Eine Untersuchung des Advertest Research in New York und New Jersey ergab unter den 10 beliebtesten Programmen 6 Komödien und heitere Situationsstücke, sowie eine ernste dramatische Sendung. Dagegen lehnen die amerikanischen Fernsehteilnehmer die am Radio sonst viel gehörten "soap operas" (Abenteuer- und Schauerstücke in Fortsetzungen) ab.

In Grossbritannien haben Untersuchungen der BBC ein erfreulicheres Ergebnis gezeigt, das wohl als wertvoller Erfolg einer zielbewußten Erziehungsarbeit der Programmleitung zu betrachten ist. Die Fernsehteilnehmer lieben vorwiegend moderne Diskussionsstücke mit wenigen Personen, wobei die Behandlung von Zeitproblemen besonders bevorzugt wird.

Klassische Bühnenwerke

Aber auch Fernsehbearbeitungen von klassischen Bühnenwerken finden Anklang. Auf leichte Unterhaltung allein berechnete Bühnenwerke, wie Schwänke, Burlesken, ferner Schauerstücke, sind wenig beliebt. Das englische Fernsehpublikum sucht im Heim vorwiegend nach ernsthafter Anregung. Wer nur unterhalten sein will, geht lieber in Theater, in denen die grosse Gemeinschaft anregend wirkt, getreu dem alten Wort "Lachen ist ansteckend".

In Frankreich hat das Fernsehtheater auch durch Mitwirkung einer Gruppe von Schauspielern der "Comedie Francaise" einen kräftigen Impuls erhalten.

(In letzter Zeit wurden hier Inszenierungen von klassischen Werken herausgebracht, die im gegenwärtigen Stadium des Fernsehens als mustergültig zu bezeichnen sind. Wir verweisen in diesem Zusammenhang auch auf die Inszenierung von Moliere's "Le Bourgois Gentilhomme", über die unser Pariser Mitarbeiter in der vorliegenden Ausgabe der "Fernseh-Informationen" berichtet.)

Arteigene Fernsehspiele

Arteigene Fernsehspiele sind bis heute noch selten, obwohl man versucht, Autoren dafür zu gewinnen. Es wäre deshalb verfrüht, ein Urteil über dieses neue Gebiet dramatischen Schaffens zu fällen.

Das Fernseh-Theater unterscheidet sich in mehreren Punkten von anderen Medien der dramatischen Kunst. Das Fernsehspiel ist nicht Film, denn es verleiht dem Beschauer vor seinem Empfangsgerät das Gefühl des unmittelbaren Miterlebens, des spontanen Dabeiseins.

Es ist aber auch nicht Bühne, denn das Bild ist einfarbig, zweidimensional und an ein kleines Format gebunden. Das Fernsehtheater muss daher seinen eigenen Stil entwickeln, der die Lebendigkeit des Theaters mit den technischen und künstlerischen Möglichkeiten des Films vereint.

Dies geht so weit, dass der Film als vollwertiges Hilfsmittel herangezogen wird, wenn man Aussenaufnahmen von einzelnen Szenen einfügen will, oder wenn der Verlauf der Handlung Zwischenszenen vorschreibt, die den mitwirkenden Schauspielern nicht genügend Zeit lassen, ihre Kostüme zu wechseln.

Alle Szenerien in einem Fernsehstudio

Da ausserdem die verschiedenen, im Laufe eines Stückes erforderlichen Szenerien im Fernsehstudio nebeneinander aufgebaut werden und schliesslich Überblendung lebender Szenen mit Filmstreifen möglich sind, lassen sich die kompliziertesten Handlungen in ununterbrochener und abwechslungsreicher Folge auf beliebig vielen Schauplätzen darstellen.

Bei der Auswahl und Inszenierung der für das Fernsehtheater geeigneten Stücke muss auf das kleine Bildformat des Empfängers und die Intimität des Heimes Rücksicht genommen werden. Leidenschaftliche Handlungen, die das Theaterpublikum aufwühlen, verlieren im kleinen, intimen Familienkreis an Wirkung. Man will die Schauspieler aus unmittelbarer Nähe betrachten. Gesichtsausdruck und Mimik sollen die Reaktion auf die seelischen Spannungen des Dramas widerspiegeln. Deshalb herrscht auch beim Fernsehspiel die Nah- und Grossaufnahme vor.

Dies ist auch der Grund, weshalb sich Übertragungen aus dem Theater bedeutend weniger eignen. Sie geben kein unmittelbares Miterleben. Die Figuren erscheinen oft zwerghaft klein, umsomehr, als es schwer fällt, im bewegten Spiel auf der Bühne Einzelgruppen im richtigen Augenblick mit den Fernobjektiven zu erfassen und dem Beschauer vor dem Fernsehgerät näher zu bringen.

FI-1951 / 1.März-Ausgabe - AUSLAND - Frankreich
Höhepunkte des gegenwärtigen Pariser Television-Programms.

(von unserem Pariser Mitarbeiter)

Im Aufbaustadium, in welchem sich die Television in Frankreich zurzeit noch befindet, übt die stärkste Werbewirkung eine gute interessante Programmgestaltung. Wirkliche Höhepunkte hatte das Pariser Televisionsprogramm in letzter Zeit in erfreulicher Zahl aufzuweisen.

An Direktsendungen war es das eine Mal das Auftreten Serge Lifars, des berühmten und vergötterten Solotänzers der hiesigen grossen Oper. Das andere Mal war es das Erscheinen Edith Piaffs, der ausdruckestärksten und ausdrucksreichsten Chanson-Sängerin, über die Frankreich zurzeit verfügt. Das Spiel ihrer Hände, ihre Gesten, der Ausdruck ihrer Augen wirkte faszinierend.

Ein besonderes Televisions-Meisterstück war eine äusserst gelungene "Pariser Ballade" ("Ballade de Paris" televisee). Eine Führung durch Paris mit seinen historischen Ecken und Winkeln, seinen Ausblicken, seinen Exterieurs und Interieurs mit Chansons von Villon, Verlaine, Apollinaire, Bruant, Carco, Prevert. Vom Mittelalter bis heute. Voll Geschmack, Delikatesse und Esprit gesungen von den ersten Chansoniers. Die eine Stunde Sendezeit verflog im Nu.

Moliere's "Le Bourgois Gentilhomme"

Die letzte Woche brachte eine hervorragend geglückte Inszenierung von Moliere's "Le Bourgois Gentilhomme". Die Programmleitung hatte zu dieser Verlebendigung Moliere's, die einer Erneuerung gleichkam, keines der bestehenden Ensembles verpflichtet, die das klassische Werk im Repertoire haben, sondern sich eine Reihe bester Chansoniers zusammengeholt, sie mit einigen intensiven Proben zu einem Ensemble zusammengeschweisst und alles in entzückende Dekorationen gesetzt.

Ganz besonders zu bemerken war der stets sehr kluge und logisch bedingte Übergang zur Großaufnahme, sowie der beschwingte Rhythmus der Kameraführung, der nie etwas Gezwungenes hatte.

Diese Direktsendung wurde gleichzeitig gefilmt und es besteht daher die Aussicht, diese ausgezeichnete Aufführung, mit ihren zahlreichen glückliehen Improvisationen des Regiepultes in der Bildwahl, nicht bloss bald einmal wiederzusehen, sondern auf dem Wege des Austausches auch im Ausland zeigen zu können. Ebenso dürfte nach diesem geglückten Experiment diese Truppe bald wieder zu weiteren neuen Versuchen herangezogen werden.

Die Eisenbahner als Laienspieler

Das Wochenende brachte eine Wiederholung der seinerzeit ebenfalls gefilmten Direktsendung eines dramatischen Werkes des französischen klassischen Rokokos, "L'lle de la Raison" (Die Insel der Vernunft). Keine Berufsbühne hatte sich an eine Wiederaufführung des über hundertjährigen, reizenden Lustspieles gewagt wegen der unlösbaren technischen Schwierigkeiten. Auf der "Insel der Vernunft" wachsen nämlich die Menschen gleichzeitig mit der Vertiefung ihrer Einsicht und der Erweiterung ihrer gedanklichen Fähigkeiten.

Die Eisenbahner, die über eine ausgezeichnet geführte, literarisch interessierte Experimentiergruppe verfügen, als Laienspieler, versuchten das Wagnis und gewannen mit einer Vorstellung auf ihrer Bühne in der Nähe vom Gare d'Austerlitz einen vollen Erfolg. Die Television verpflichtete diese Laiengruppe zu einer Direktsendung und nach einigen Proben und regielichen Umstellungen wurde diese Televisionssendung der Idee und den technischen Anforderungen durch das wechselnde Spiel der beiden Kameras in originellster Weise gerecht,wie es die normale Berufsbühne niemals erreichen dürfte.
P.E.

FI-1951 / 1.März-Ausgabe - WIR SAHEN und HÖRTEN
Vortrag vor Filmleuten in München-Geiselgasteig

Curt Oertel erklärte in einem Vortrag vor Filmleuten in München-Geiselgasteig, dass die Filmwirtschaft das Fernsehen nicht zu fürchten habe, wenn sie gegenüber dem Fernsehen als festgefügter Block auftrete und gewissermassen einen "Fernseh-Pool der Filmwirtschaft" bilde. Dem einzelnen Filmproduzenten gegenüber würde das Fernsehen eine grosse Macht darstellen, ein Fernseh-Film-Pool dagegen könne seine Ansprüche gegenüber dem Fernsehen ganz anders durchsetzen, was schliesslich auch der Qualität der Fernseh-Filme zugutekommen werde. (Hierzu äusserte der bei dem Vortrag anwesende bekannte Film-Entflechtungs-Experte Erich Pommer im Hinblick auf die Dekartellisierungsbestimmungen: Da bemühen wir uns seit Jahr und Tag um eine Film-Konzern-Entflechtung in Westdeutschland und nun erklärt uns Oertel, dass wieder "geflochten" werden solle.")

Peitsche für allzu bequem gewordene Filmproduzenten

Curt Oertel erklärte in diesem Vortrag weiter, dass er nicht daran glaube, dass das Fernsehen dem Film, der den Vorzug der Gross-Projektion habe, erheblichen Abbruch tun werde. Das Fernsehen werde als Peitsche für allzu bequem gewordene Filmproduzenten wirken und sie zur Herstellung wesentlicherer Filme veranlassen. In USA weiche die Filmindustrie gegenwärtig der Gefahr einer Massenabwanderung vom Film zum Fernsehen durch die Herstellung von Monumentalfilmen aus, die niemals auf dem Bildschirm der Heimempfänger des Fernsehens gezeigt werden können. Für gute Spielfilme werde immer ein grosses Stammpublikum in den Kinos vorhanden sein.

Im übrigen bestehe ein internationales Abkommen, nach dem neue Spielfilme erst nach einer Karenzzeit von 2 Jahren im Fernsehen gezeigt werden dürfen. Das Fernsehen könne dadurch, dass es Ausschnitt-Sendungen aus neuen Spielfilmen bringe, zu einem bedeutenden Werbefaktor für die Spielfilmproduktion werden. Im weiteren biete das Fernsehen dem deutschen Filmproduzenten, der grosse Projekte unter den gegenwärtigen finanziellen Verhältnissen nur schwer verwirklichen könne, die unschätzbare Möglichkeit, im Fernsehen in kleinem Rahmen gute Ideen zu realisieren und ohne grosses Risiko auch Experimente zu machen.

Demnächst eine Reise nach den USA

Curt Oertel wird demnächst eine Reise nach den USA antreten, um erstmals die dortige Entwicklung der Television unter besonderer Berücksichtigung der Fernseh-Film-Probleme zu studieren. "Wenn Millionen von Menschen sich so entschieden dem Fernsehen in USA zugewandt haben", erklärte Curt Oertel, "dann müsse doch weit mehr Positives in der amerikanischen Television stecken, als es die landläufigen, negativen Bemerkungen über die dortige Programmgestaltung vermuten lassen."

FI-1951 / 1.März-Ausgabe
AUSLANDSÜBERBLICK und ANREGUNGEN
England

Unter dem Titel "Niemand muss fett sein!" hat der BBC-Fernsehfunk eine originelle Sendereihe begonnen. Die Sendungen führen die Zuschauer in die "Fernseh-Küche", von der aus eine Diät-Expertin sie darüber belehrt, wie der Schlankheits-Küchenzettel aussehen muss. Sie kocht auch die Gerichte vor. Um die Wirkungen der "Fernseh-Schlankheitskur" zu demonstrieren, wurde ein "Aufruf an alle Dicken in England" erlassen, sich für das Experiment zur Verfügung zu stellen. Zahlreiche Frauen meldeten sich. Von ihnen wurden eine 169 Pfund schwere 49jährige Hausfrau und eine 178 Pfund wiegende Schauspielerin ausgesucht. Sie haben sich verpflichtet, die vorgeschriebene Diät - je Tag 1.00 Kalorien - streng einzuhalten. Nachdem sie sich bereits am 27. Februar (1951) in ihrem korpulenten Format den Fernsehern "vorgestellt" haben, werden sie nun alle 14 Tage vor den Augen hunderttausender von Zuschauern, die sich von der Wirkung der Kur überzeugen wollen, gewogen werden. BBC hat ihnen garantiert, dass sie innerhalb von 3 Monaten auf 143 bzw. 152 Pfund "abnehmen" werden. Diese Fernsehprogramm-Idee von BBC ist so populär, dass bereits über 30.000 Personen bei BBC Rezeptvorschläge für Monate im Voraus bestellt haben.

FI-1951 / 2.März-Ausgabe - AUSLAND - SCHWEIZ
Schweiz eröffnet Fernsehen

Die "erzieherischen und psychologischen Gefahrenem Fernsehen"
Eine bemerkenswerte Diskussion in der Schweiz - Zürich, Mitte März

Der Vorstand der Radio-Genossenschaft Bern hatte sich kürzlich zum schweizerischen Fernsehproblem öffentlich vernehmen lassen und war dabei zu dem Schluss gekommen, daß diese "neue, noch vollständig in der Entwicklung befindliche Erfindung" geeignet wäre, die Schweiz auf direktestem Wege ins nationale Unglück zu stürzen.

Die genannte Rundfunkhörer-Gemeinschaft behauptete, sie wolle kein Werturteil darüber abgeben, ob es sich rechtfertige, das Fernsehen "in der topographisch ungünstigen Schweiz" zu propagieren und einzuführen, "aber sie müsse die Aufmerksamkeit der Behörden und der Öffentlichkeit auf die Tatsache lenken, daß das Fernsehen große erzieherische und psychologische Gefahren in sich berge, die für Staat und Familie zum Teil unabsehbare, zersetzende Auswirkungen im Gefolge haben können". Ferner war in der Resolution die Rede von "fremden Ideologien und dem schweizerischen Volk nicht entsprechenden Lebensauffassungen", die die Television in der Schweiz verbreiten würde.

Die Zeitschrift "Die Tat" schreibt

Zu diesen Ausführungen nimmt nun die bekannte schweizerische Zeitschrift "Die Tat" - Zürich wie folgt in erfrischender Deutlichkeit Stellung:
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  • "Es ist beinahe rührend, wie gouvernantenhaft die Radio-Genossenschaft Bern um unser Seelenheil besorgt ist. Es ist aber auch gleichzeitig provozierend, wie wenig Charakter und Bodenständigkeit man unserm Volk zubilligt, mit der lächerlichen Behauptung, daß ausländische Television-Sendungen unabsehbare zersetzende Auswirkungen auf Staat und Familie hätten! Wer sind wir eigentlich? Sind wir alle Häfeli-Schüler, die man einzeln unter eine Käseglocke stellen muß, damit ihnen ja kein fremdes Windchen um die Ohren streiche? Oder sind unsere Väter und Mütter alle Waschlappen, die ihren Kindern nicht mehr vorschreiben können, was sie lesen, hören oder ansehen dürfen? Hat die teuflische Erfindung des Radios vielleicht unser Eigenleben untergraben? Unter einigen hundert Filmen, die täglich in unseren Kinotheatern laufen, finden wir nicht einmal 1% schweizer Filme, und wir könnten deswegen nicht behaupten, daß der Film Staat und Familie zersetzt hätte."

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  • "Die einstweiligen technischen Voraussetzungen der Television lassen es überdies nicht als wahrscheinlich erscheinen, daß wir vor allem ausländische Fernsehprogramme sehen werden. Wollte man dem Aufruf der Radio-Genossenschaft Bern Gehör schenken, dann hätten wir wieder einmal die Chance, den Zug zu verpassen, um später - wenn es doch nicht mehr anders geht - mühselig nachzuhumpeln. Wenn die genannte Körperschaft wörtlich zugibt: 'Wahrscheinlich wird zwar das Fernsehen eines Tages auch in der Schweiz Eingang finden', dann mutet eine so schlecht motivierte Verzögerungstaktik erst recht seltsam an. Wo würde denn die Radio-Genossenschaft Bern heute stehen, wenn man sich laut ihrem Rezept gegen die Einrichtung des Rundfunks gesträubt hätte, als dieser noch eine 'vollständig in Entwicklung befindliche Erfindung' war ? Mit dem alten Witz von der Berner Langsamkeit ist - so schreibt das Zürcher Blatt mit einer Anzüglichkeit auf den Kantönli-Geist - 'die Sache nicht ab zutun."

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Viel interessanter wäre eine Antwort auf die Frage, wie sich der Vorstand der Radio-Genossenschaft Bern geäußert hätte, wenn der erste deutschschweizerische Fernsender nicht auf dem Ütli-Berg (Zürich) sondern auf dem Gurten(Bern) projektiert wäre ? Hätte man dann wohl auch in Sachen Fernsehen die Weitsicht gescheut ? Die erwähnte Resolution der Radio-Genossenschaft Bern wurde auch in einem Teil der deutschen Presse kommentarlos als Warnung vor der Kultur- und familienzerstörenden Wirkung des Fernsehens - vielfach auch unter dem völlig irreführenden Titel 'Die Schweiz gegen das Fernsehen, abgedruckt'. Da diese Resolution auch in West- und Süddeutschland in Diskussionen von Fernsehgegnern zitiert wird, haben wir auch die Antwort der Zürcher "Tat" auf diese Resolution wiedergegeben.
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FI-1951 / 2.März-Ausgabe - AUSLAND - Österreich

Der Filmproduzent Dr. Guido Bagier, der in Zusammenarbeit mit Sir Alexander Korda einen historischen Film über das Haus Habsburg und ferner einen großen Mozart-Film vorbereitet, beabsichtigt, "im Rahmen des Hollywooder Green-Bagier-Planes" in Salzburg auch eine größere Fernseh-Filmproduktion zu entwickeln. Angeblich soll es sich um eine Jahresproduktion von 150 Fernseh-Kurzfilmen handeln.

FI-1951 / 2.März-Ausgabe - AUSLAND - USA

Im Jahre 1950 haben die nordamerikanischen Rundfunk- und Fernsehsender zusammen 551,4 Mi11.$ aus "Zeitverkauf" eingenommen. Das bedeutet eine Steigerung um 18,6% gegenüber dem Vorjahr. Auf den Rundfunk entfielen 453,6 Mill. $ (1949: 425,3 Mill. $) und auf den Fernseh-Rundfunk 85,3 Mill.$ (1949: 27,5 Mill. $)

Das bedeutet für den Fernseh-Rundfunk eine Steigerung um rund 200% (!). Aus der Übersicht geht hervor, daß das Fernsehen keinen tiefen Einbruch in die Rundfunk-Werbung getan hat, sondern neues Geld für Werbung aktivierte. Bei den 107 Fernseh-Sendern, die gegenwärtig in USA in Betrieb sind, sind zusammen rund 8.500 Personen beschäftigt. Rechnet man die Durchschnittsbesetzung eines Senders mit 57 Personen, dann verteilen sich diese wie folgt: 19 Personen im technischen Dienst, 20 im Programmdienst, 12 in der Verwaltung, 5 in der Film-Abteilung. Die Fernsehprogramme in den USA zeigen im Durchschnitt folgende Aufteilung: Variete 33,6%, Fernsehspiele 27,6%, Sportsendungen 20,3%, Quiz und ähnl. 9,6%, Kinderstunden 6,1%, Musikprogramme 2,8%.

FI-1951 / 1.April-Ausgabe - DEUTSCHLAND
Grosse Programmstoffe warten im Fernsehen auf Erschließung.

Die interessanteste Sendung ist der Zeitdienst.
(Von unserem Hamburger Mitarbeiter) - Wgf. Anfang April 1951

Der Fernsehstar Nr. 1 der letzten Wochen hieß Daphnia. Er war zwar etwas nervös, aber rollte seine dunklen, großen Augen ganz wunderbar, nur bisweilen bedeckte er sie mit einem Bein. Eine Tänzerin? Nein, ein Wasserfloh .....

FI-1951 / 1.April-Ausgabe
Möglichkeiten des Fernseh-Schulfunks

In Hamburg hielt der Deutsche Verein zur Förderung des mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterrichtes e.V. eine große Tagung ab, in deren Rahmen der technische Leiter des NWDR-Fernsehdienstes, Dr. Fritz Below, sprach. An seinen kurzen Vortrag, in dem er u.a. darauf hinwies, welche Möglichkeiten sich einmal in einigen Jahren für einen Fernsehschulfunk abzeichnen könnten (zumal wenn dann die Schulen sich Grossprojektionsempfänger anschaffen würden), schloss sich eine kurze Demonstration an.

Der Wasserfloh

Im Senderaum hatte Dr. F. Fehse, ein Ingenieur und Biologe, der sich seit 30 Jahren mit Fragen der Mikroskopie beschäftigt, seine Apparaturen aufgebaut. Unter einem Mikroskop lag der Wasserfloh, das Bild wurde unmittelbar auf die Braunsche Röhre in der Kamera übertragen. Die Vergrößerung betrug das 600- bis 800-fache. In voller Deutlichkeit war der winzige Krebs zu erkennen, sein Auge zuckte hin und her, und sogar die Muskel- und Nervenstränge, die es bewegten, konnten gesehen werden. Selbst die Parasiten, die sich auf Daphnia angesiedelt hatten, waren sichtbar. Noch überraschender war eine zweite Demonstration. In einem schmalen Algenfaden wurden die Plasmaströme gezeigt, das Pulsieren der Chlorophyllkörnchen, die etwa einhundertstel Millimeter klein sind, und auf dem Bild in rund einem halben Zentimeter Größe erschienen.
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Es war eine richtige Primiere

Es ist unseres Wissens das erste Mal,- und nicht nur in Deutschland oder Europa -, dass eine solche Sendung stattfand. Wir messen ihr eine große Bedeutung zu, nicht nur als ein wohlgelungenes technisches Experiment, sondern auch unter anderem Gesichtspunkt. In den letzten Monaten sind immer wieder Artikel über die Auswirkungen des Fernsehprogramms erschienen, die - vornehmlich auf amerikanischem Material fussend - höchst kulturpessimistische Prognosen stellten. Wir kennen die Gefahren reißerischer Sendungsinhalte viel zu genau und denken nicht daran, sie zu unterschätzen.

Grosse Programmstoffe warten auf Erschliessung

Wir halten aber für das beste Gegengewicht eben gute Programme und nehmen für uns das Recht in Anspruch, auf alle Versuche in dieser Richtung mit ebenso grossem Nachdruck hinzuweisen. Hier sehen wir die eigentlichen Aufgaben des Fernsehdienstes; je besser, intensiver und verantwortungsbewusster sie entwickelt werden, je früher man solche Versuche vorbereitet und erprobt, desto sicherer wird, das Fernsehen seinen richtigen Platz finden.

Hier warten grosse Programmstoffe auf Erschliessung und Formung; wir können nur mit allem Ernst fordern, daß solche Demonstrationen recht bald Eingang in die Abendsendungen finden mögen, und dass die notwendigen Mittel dafür zur Verfügung gestellt werden.

Erfahrungen für die Programmgestaltung.

Im Kleinen macht der Fernsehdienst des NWDR täglich Experimente und Erfahrungen. Wir stellen fest, dass sich im allgemeinen die Sendungen reibungsloser folgen, die Kameraführung ist lebendiger und sicherer geworden; die größten Schwierigkeiten scheint die Ausleuchtung zu machen, aber auch auf diesem Gebiet wird unentwegt gearbeitet. Alle diese Versuche sind auf die unmittelbaren Sendungen des Zeitdienstes angewiesen, der sorgsam auf- und ausgebaut werden muß. Dabei ist durchaus der Gedanke vertretbar, daß z.B. während der kommenden Sommermonate - sobald die technischen Geräte vorhanden sind - Kameramänner und Fernsehberichter Erfahrungen bei der Übertragung von Ereignissen aller Art sammeln müssen - auch wenn sie nicht gesendet werden.

Die Mannschaft muß stimmen

Eine "Mannschaft", und das sind die Kameraleute, Berichter und Techniker in jedem Falle, kann nur langsam zusammenwachsen und sie kann gar nicht genug Übung für den Augenblick haben, da z.B. eine Sportveranstaltung einmal unmittelbar gesendet wird. Jede Unterlassung bedeutet Gefahr für den kommenden Programmdienst, auch dann, wenn auf längere Zeit hin noch nicht mit einem täglichen Dienst gerechnet werden kann.

Dokumentarkraft des Fernsehbildes

Auch auf eine andere Gefahr soll hingewiesen werden, und zwar frühzeitig genug.
Wir haben in zwei Fällen beobachtet, dass die Berichter bei Interviews erklärten: wir sind hier im Atelier des Malers X, oder wir befinden uns im Büro des Forschungsreisenden T. Tatsächlich - und das war deutlich erkennbar - fanden die Gespräche im Senderaum des Fernsehbunkers statt. Es ist bekannt, daß die Wirksamkeit jedes publizistischen Mittels allein darauf beruht, welches Vertrauen in seine Glaubwürdigkeit gesetzt wird. Das Filmatelier wird nicht ohne Grund Traumfabrik genannt; wir begegnen dem echten Leben im Spielfilm kaum noch, es ist dem Kulturfilm und der Wochenschau vorbehalten, wobei im Blick auf Auswahl, Kamerastandort, Schnitt usw. noch manche einschränkende Vorbehalte gemacht werden müssen.

Fernsehen darf nicht zum "geduldigen Papier" werden

Wir kennen das Wort vom "geduldigen Papier", das zitiert wird, wenn man von der Presse spricht, und wissen um die Abwertung, die das Wort im Rundfunk durch Missbrauch politischer Kräfte, die ihn beherrschten, erfahren hat. Der Fernsehdienst muss den Glauben an die Dokumentarkraft des Bildes unter allen Umständen mit jeder Sendung unter Beweis stellen, in deren Mittelpunkt der Mensch und das echte Leben steht.

FI-1951 / 1.April-Ausgabe
Schönheitsfehler im Bild des Tages

Wir sahen in den letzten Wochen einen schönen Tanzabend, vor allem einen mitreissenden Bolero von Dore Hoyer, der auf der sehr kleinen Bühne am besten wirkte. Der Maler Ivo Hauptmann zeigte seine Gemälde (sie kamen ausgezeichnet) und plauderte dazu auf Stichworte des Kunstkritikers Flemming, der allerdings keinen echten Kontakt fand.

In zwei Vorträgen mit über 60 Diapositiven sprach Erwin Bittner über Schlesien, ohne dabei viel über den Baedecker hinauszukommen. Wirksamer war der Bildervortrag von Dr. Hermann Malente über das Grab Tutenchamons, beide müssen aber die Texte noch persönlicher gestalten und sich noch vom Manuskript lösen.

Recht ansprechend war ein Gespräch zwischen Jürgen Roland, der allerdings noch die richtigen Formen vor der Kamera finden muß, mit dem Bundestrainer Sepp Herberger, der seine Ausführungen mit instruktiven Demonstrationen auf dem Modell eines Fussballplatzes belebte.

Der Zeitdienst

Der Zeitdienst ist und bleibt die interessanteste Sendung. Unzureichend jedoch war die Auswahl beim "Bild des Tages", hier muß noch viel gearbeitet werden. Es ist z.B. unmöglich, daß am Abend, da Ernst Schnabel von einem Weltflug in Hamburg eintrifft, ein Bild von seinem Abflug gezeigt wird. Es war 9 Tage alt!

Wir freuen uns auf die ersten Kinderstunden, die in Kürze unter Leitung von Ilse Obrig einmal wöechentlich gesendet werden sollen. Die weit bekannte und sehr erfahrene Leiterin von Kinderstunden im Rundfunk bringt die besten Voraussetzungen mit.

FI-1951 / 1.April-Ausgabe - AUSLAND
England :
Über das BBC Fernsehprogramm

Die "Documentaries" des BBC-Fernsehens, eine Reihe von aktuellen Berichtfolgen,die in der Beliebtheit nach den "Newsreel" an zweiter Stelle stehen, wurden im März 1951 aus der Wortabteilung herausgenommen und als besonderes Ressort Mr. Laurence Gilliam unterstellt.

Bisher wurden diese Sendungen vom Fernsehdirektor Cecil Mc Givern selbst geleitet, wodurch sich öfter Überschneidungen und Kompetenzschwierigkeiten mit der Wortabteilung ergaben. Der neue Ressortchef war bisher Leiter der "Feature"-Abteilung des Hörrundfunks. Er arbeitete sich zunächst sechs Monate im Fernsehdienst ein, ehe er jetzt seinen Posten übernahm, für den er ein Jahresgehalt von 1.750 Pfund Sterling erhält. Ihm werden drei Manuskriptautoren unterstehen (bisher gab es 2), 2 Producer und für Spezialaufgaben eine kleine Film-Mannschaft. Die bisherige Wortabteilung löst sich damit praktisch auf. Ein Teil der Mitarbeiter wird bei den "Documentaries" unter Mr. Gilliam weiterarbeiten, der Rest wird zu einer Spezialmannschaft zusammengefasst, die als "news Feature Department" direkte und gefilmte Nachrichtenprogramme koordinieren soll.

Der BBC-Fernsehdienst für Kinder

Der BBC-Fernsehdienst hat die Sendungen für Kinder in den Sommermonaten Juni, Juli und August 1951 gekürzt. Dabei war die Überlegung maßgebend, daß man den Kindern in der warmen Jahreszeit, zumal während der Ferien, Gelegenheit geben soll, im Freien zu spielen, statt sie am hellen Nachmittag in ein verdunkeltes Zimmer zu locken. Die dadurch frei gewordene Sendezeit wurde an die Abteilung für Aussenreportagen gegeben, vor allem für Sportübertragungen wie Cricket und Tennis und Berichten vom "Festival of Britain".

Die BBC und der Sport

Allerdings kann es dabei noch einige Schwierigkeiten geben, denn der kalte Krieg zwischen dem englischen Fernsehen und den Sportvereinigungen ist auch durch die Gründung eines Prüfungsausschusses noch nicht beendet. Für eine kurze Zeit schwiegen die kritischen Stimmen, um sich dann umso lauter zu erheben und vom "Television Sport's Advisory Committee" eine baldige Lösung des Problems zu verlangen. Es geht um die Frage, ob das Fernsehen die Besucher von den Sportplätzen abzieht, ob die Sportvereinigungen überhaupt keine Fernsehübertragungen von ihren Veranstaltungen gestatten sollen, oder wenn ja, wieviele und von welchen Spielen. Zum Studium dieser Komplexe sei der Beratungsausschuss gebildet worden, nicht dazu, um Entscheidungen zu fällen, war seine erste Antwort Antwort auf die drängenden Stimmen aus dem Sport- und Fernsehpublikum.

In der zweiten Sitzung aber arbeitete das Kommittee einen Vorschlag aus, der von der Fachpresse "kühn, vernünftig und demokratisch" genannt wird. Es regte an, alle Fernsehteilnehmer, die an Sportfragen interessiert sind, durch eine aussenstehende Stelle, wie etwa den General Post Master, durch eine Abstimmung nach ihrer Meinung zu fragen. Auf diese Weise könnten die Kritiker mitbestimmen und andererseits würden vermutlich auch Fernsehzuschauer, die den Sportfragen ferner stünden und die den notwendigen Experimenten sonst mit Ablehnung begegnet wären, für Sportprobleme im Zusammenhang mit dem Fernsehen interessiert werden. Man darf gespannt sein, ob diese Abstimmung stattfinden und welches Ergebnis sie haben wird.

FI-1951 / 1.April-Ausgabe - AUSLAND
USA
Die erste "Fernseh-Volkshochschule" der Welt

Fernsehen - ein wirkungsvolles Instrument der allgemeinen Volksbildung - (Von unserem -hr- Korrespondenten) - Philadelphia, Anfang April 1951

Der Radio-Schulfunk, der als ein lebendiges Erziehungs- und Bildungsmittel in fast allen Ländern der Erde eingeführt wurde, wird in seinen Möglichkeiten vom Fernseh-Schulfunk weit übertroffen. Die Erfolge, die die Fernsehsender in Amerika, England und Frankreich mit versuchsweisen Schulfunksendungen erzielen konnten, sind außerordentlich* Es erwies sich auch hier, daß ein über das höchstentwickeltste menschliche Organ, das Auge, empfangener Eindruck wesentlich nachhaltiger und wirkungsvoller ist als ein nur über das Ohr geleiteter: Daß ein Bild mehr wert als tauöend Worte ist.
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Am weitesten fortgeschritten auf dem Gebiet des Fernseh-Schulfunks ist man heute in Amerika. Eine Anzahl von Fernsehsendern strahlen dort bereits regelmässige Schulprogramme aus und zahlreiche Schulen wurden mit Fernseh-Empfangsgeräten ausgerüstet. Einen besonders interessanten Versuch, die ausserordentlichen Möglichkeiten des Fernsehens für die Erziehung und allgemeine Volksbildung auszunutzen, unternimmt gegenwärtig der Sender "WFIL" in Philadelphia.

20 namhafte Universitäten machen mit

Mit Unterstützung von 20 namhaften amerikanischen Universitäten hat diese Station eine "Fernseh-Volkshochschule" eingerichtet, in der Professoren dieser Universitäten vor der Fernseh-Kamera in populärer Form wissenschaftliche Vorlesungen halten. Sie haben dabei das größte Auditorium, das jemals eine Universität aufzuweisen hatte: die 120.000 "Fernseher" in Pennsylvania, New Jersey und Delaware, die nach statistischen Feststellungen ihre Geräte während der Hochschul-Stunden eingeschaltet haben.

Das gegenwärtig laufende erste Semester dieser "Fernseh-Volkshochschule" bringt an fünf Tagen der Woche je zwei Kurzvorlesungen von 20 bzw. 30 Minuten Dauer. Obgleich die das Programm gestaltenden Professoren keinerlei Fernseherfahrung und auch kaum Zeit zu vorherigen Proben hatten, verliefen alle bisherigen Vorlesungen ausgezeichnet und reibungslos.

Semester für organische Chemie

Der Chemieprofessor der Militärhochschule in Pennsylvania, Dr. Rüssel C.Erb, eröffnete das Semester mit einer Grundeinführung in die organische Chemie. "Dies ist mein erster Versuch, eine unsichtbare Klasse zu unterrichten", erklärte er einleitend, "und ich weiß um die Nachteile dieser Unterrichtsmethode, aber auch um ihre Vorteile. Wenn Sie mich auch nicht mit Fragen unterbrechen können, so teilen Sie mir doch bitte Ihre Fragestellungen schriftlich mit und ich werde versuchen, sie zu beantworten.

Dr. Erb machte während seiner Vorlesung eine Anzahl interessanter Experimente, die von der den Händen des Professors folgenden Fernsehkamera ausgezeichnet eingefangen wurden. Die Sichtbarmachung chemischer und physikalischer Verwandlungsprozesse, das Bild der drohend aus der Säure aufsteigenden Dämpfe, begleitet von den Erklärungen des ab und zu in Nahaufnahmen auf dem Bildschirm erscheinenden Professors übten eine faszinierende Wirkung auf die Zuschauer und -hörer aus.

Semester für Architektur

Auch A. W. Hajjar, Professor für Architektur an der Staatlichen Hochschule in Pennsylvania, verstand es, die Vorlesung über sein Wissensgebiet überaus interessant zu machen. Unter Assistenz zweier Studenten brachte er das lebendige Beispiel eines jungen Paares, das sich ein Haus bauen möchte. Unter Zuhilfenahme einer Tafel erläuterte er, wie man ein Haus architektonisch in seine Umgebung einpassen kann. Fernsehtechnisch war dieser Vortrag besonders aufschlussreich, weil er mit ganz geringen Hilfsmitteln ein Wissensgebiet eindrucksvoll verdeutlichte.

Das Interesse der Fernseher wurde durch das Thema selbst gefesselt, während die Bildfolge im Wechsel der Aufnahmen des Vortragenden, der beiden Studenten und einer Schultafel eigentlich wenig Abwechslung bot. Prof. Hajjar wird seinen Kurs über Architektur weiterhin fortsetzen und vor der Fernseh-Kamera über die Themen "Die Heime, in denen wir leben", "Probleme der Hauseinrichtung", "Anlage einer Küche" und ähnliches sprechen. .....

Eine Vielzahl von Kursen

Andere Kurse des ersten Semesters sind: "Regierungsformen in allen Ländern der Welt", ferner eine populäre Reihe über Kernphysik, dann ein Kursus "Laßt uns spanisch sprechen", der vom Erziehungsministerium veranstaltet wird, Vorlesungen über Psychologie "Das Kind und die Familie" und "Verständnis für unsere Kinder in den Pupertätsjahren", außerdem eine philosophische Vorlesungsreihe über "Denkmethoden", eine Gruppe von Vorlesungen "Zum Erfolg durch Selbstbildung" und vieles andere mehr.

Die Zusammenstellung des Programms obliegt einem Kommittee von sechs Erziehern unter Vorsitz von Dr. Armand L. Hunter, dem Erziehungsdirektor des Senders WFIL und Vorsitzenden der Radioabteilung Theater und Vortrag der Temple-Universität. Beteiligt an den Sendungen sind die Institute Albright, Beaver, Penn State, Pennsylvania Military, Rider, St. Joseph1s Ursinus. Bryn Mawr, Haverford, LaSalle, Muhlenberg, Swarthmore und Villanova, die Universitäten Lehigh, Rutgers, Temple und Delaware, das Moravian College für Frauen und das Drexel-In-stitut.

Die anfänglichen Hindernisse überwunden

Die Programmleitung der Station WFIL erklärte, daß das schwierigste Hindernis zur Einführung einer Fernseh-Volkshochschule damit überwunden würde, daß die Universitäten überzeugt werden konnten, daß das neue Unternehmen in keiner Weise das akademische Niveau herabziehe und sie es für wert hielten, für die erforderliche Zeit ihre Lehrkräfte freizugeben. Bisher hätten sich die Hochschulprofessoren darauf beschränkt, die Programme der Radio- und Television-Stationen zu kritisieren. Jetzt sei ihnen aber die Chance geboten, das neue Wunder der Technik für ihre Zwecke zu benützen. Die Sendeleitung ist davon überzeugt, daß durch die Zusammenarbeit von 20 großen Bildungsinstituten die "Fernseh-Volkshochschule" von Philadelphia zu einem Vorbild für ähnliche Unternehmungen in anderen Teilen Amerikas werden wird und daß sie dazu beitragen wird, die Television zum wirkungsvollstent Instrument der allgemeinen Volksbildung zu machen.

FI-1951 / 2.April-Ausgabe - Rundfunkhörer und Fernseh-Finanzierung ..... Und das Programm ?

Während mehr oder minder sachkundige Erörterungen über seine Gefahren und seinen Nutzen stattfinden, gewinnen die Sendungen aus der praktischen Arbeit von Woche zu Woche Gesicht und Gewicht. Das ist dringend nötig, denn das Programm muss voll angelaufen sein, wenn die Empfänger - wie gemeldet zum Spätherbst - auf den Markt kommen.

Der Fernsehdienst wird sich allerdings entschliessen müssen, seine Mannschaft systematischer aufzubauen und den Oberspielleiter Hanns Parenburg nicht zu stark mit Aufgaben zu belasten, die ihn von seinem eigentlichen Arbeitsbereich abdrängen. Er wird vor Mai kaum dazu kommen, sein zweites Fernsehspiel zu inszenieren; das ist eine lange Pause seit dem "Vorspiel", das er Anfang März so erfolgreich gestaltete. Es kommen jetzt ganz entscheidende Monate, die nicht ungenützt verstreichen dürfen (wie bereits einmal im vergangenen Jahr).

FI-1951 / 2.April-Ausgabe
Nicht leicht, geeignete Kräfte zu finden.

Es wird nicht leicht sein, ausreichend Kräfte zu finden und zu schulen. Versuche müssen und sollen gemacht werden, um die richtigen Wege sicher zu erkennen und neuen Mitarbeitern Möglichkeiten zu geben, sich zu beweisen. Immer wird das trotz guten Willens und vieler Verdienste nicht gelingen. Curt Oertel gehört heute dem Fernsehdienst des NWDR nicht mehr an; seine Begabung liegt auf anderen Gebieten.

Anmerkung : Curt Oertel wurde 1951 nach Wiesbaden abgeworben. Mehr steht in der Historie der Wiesbadener Filmgeschichte. Oertel war ein Film-Mann, der notgedrungen nach dem Krieg irgendwo unterkommen mußte. Er ist wieder zum Film zurückgekehrt, nachdem er gesehen hatte, daß das Fernsehen dem Film auf absehbare Zeit nicht das Wasser reichen konnte.


Wichtig in dieser Vorbereitungsetappe wird auch sein, dass die täglich neuen Versuche von der Presse kritisch gewertet werden. Dabei hat auch die Presse die einmalige Möglichkeit, vom ersten Tag ab Fernsehkritiker heranzuziehen und sie mit dem neuen Instrument aufwachsen zu lassen. Wenn wir allerdings gerade in einer der grössten Zeitungen lesen, dass Kinderstunden vor der Kamera ohne Manuskript stattfinden, und dass dies "neu und einzigartig" sei, dann kann man nur den Kopf schütteln. Es ist weder neu noch einzigartig, sondern einfach selbstverständlich, dass diese Sendungen natürlich und aus dem Augenblick heraus entwickelt werden. Auf zahlreiche neue Sendungen werden wir in der nächsten Ausgabe zurückkommen.

FI-1951 / 2.April-Ausgabe
Die erste Kinderstunde im Hamburger Fernsehdienst.

von UVW (das ist die Frau von Herrn Wagenführ) - Hamburg, Mitte April 1951

Am 11. April 1951 sendete der Fernsehdienst des NWDR seine erste Kinderstunde unter Leitung von Frau Dr. Ilse Obrig, die seit über 20 Jahren in der Kinderfunk-Arbeit (Berlin und Leipzig) steht. Fünf Minuten vor 4 Uhr nachmittags erschien auf dem Bildschirm eine geschnitzte Kuckucksuhr - ein reizender "Pausenzeichen"-Einfall, der die kleinen Zuschauer an den Empfängern in höchste Spannung versetzte: Würde wirklich mit dem vollen Stundenschlag der Kuckuck erscheinen?

Dann öffnete sieh der Blick ins Studio, in dem über 30 Kinder versammelt waren, ein kleines Mädchen begrüsste die Zuschauer, das "Lied vom Fernseh-Kinderfunk" wurde zum ersten Mal gesungen und schliesslich stellte Frau Dr. Obrig den "Spielmann" am Flügel und die Mitwirkenden vor. Gemeinsam packten sie ein Paket aus, das ein von einer Rundfunkzeitschrift gestiftetes Stofftier enthielt, das sofort seinen Ehrenplatz auf dem Flügel bekam.

Eine volle Stunde im Fluge vergangen . . . .

Und dann entwickelte sich aus ungezwungenem Gespräch das Programm dieses Nachmittags: wir wollen zaubern! Die Kinder waren eifrig dabei, ihre Kunststücke vorzubereiten, durchstöberten eine Bastelkiste nach dem notwendigen Material, und während die Kamera immer wieder die kleinen, völlig mit sich selbst beschäftigten Gruppen aufsuchte, sangen die anderen Kinder ein Lied, spielte der "Spielmann" fröhliche Melodien, fanden sich kleine Künstler, die mit Akkordeon und Klavier umzugehen wussten. Mit wenigen Worten lenkte Ilse Obrig ihre Schar; ermuntern brauchte sie niemanden, die Jungen und Mädchen bewegten sich völlig natürlich und reagierten auf die kleinste Anregung.

Als die Vorbereitungen abgeschlossen waren, führten die Fernsehkinder ihre Zauberkunststücke vor, und als sie dann zum Abschied noch einmal ihr Lied sangen und den kleinen Zuschauern am Empfänger einen Abschiedsgruss zuwinkten, war eine volle Stunde im Fluge vergangen.

Die Kindersendung soll in Zukunft jeden Mittwoch von 16 bis 17 Uhr stattfinden; sie wird sich dann vielleicht, auf etwas weniger Mitwirkende beschränken müssen, damit durch mehr Grossaufnahmen eine noch grössere Wirkung erzeugt werden kann. Kinder leben nur im Augenblick, ihre Konzentration darf nicht erlahmen durch Vorgänge auf dem Bildschirm, die sie nicht deutlich erkennen können; sie müssen immer das Gefühl haben, mitzuspielen. Im Ganzen aber war diese Sendung ein gelungener Start und man darf hoffen, dass sie sich einen festen Platz im Fernsehprogramm erobert hat.

FI-1951 / 2.April-Ausgabe
Verantwortungsbewusste Programmarbeit im britischen Fernsehen.

Dr. Pleister über seine Eindrücke in London.

Der Programmdirektor des NWDR, Dr. Werner Pleister, ist vor kurzem von einer achttägigen Studienreise aus England zurückgekehrt, wobei er sich ausschliesslich über die Organisation, den Programmdienst und die Zukunftspläne des BBC Fernsehrundfunks informierte. Dr.Pleister erklärte, er sei stark beeindruckt von den Leistungen, die seit 1946 nach der Wiedereröffnung des Fernsehens erreicht worden seien. Das gilt sowohl hinsichtlich des systematischen Aufbaus des Sendernetzes, durch das bis 1954 rund 85% der Gesamtbevölkerung erfaßt werden sollen, als auch im Blick auf die verantwortungsbewusste Programmarbeit.

Überzeugende Beweise für die kulturelle Mission des Fernsehens vermittelten die ausgefeilten Zeitdienst-Sendungen und fesselnden Diskussionen über aktuelle Themen, die ausserordentlich ansprechende und pädagogisch wirksame Art der Gestaltung von Kinder- und Jugendstunden und das Niveau der künstlerischen Sendungen, das über England hinaus richtungweisend sein kann.

Die Bewährungsprobe kommt noch in diesem Jahr

Der BBC-Fernsehdienst wird in diesem Jahr eine grosse Bewährungsprobe bei der Übertragung der Festivals zu bestehen haben, die heute schon intensiv vorbereitet wird. Während seines Besuches hatte Dr. Pleister z.B. Gelegenheit, an einer Grossreportage vom Guss der Festival-Glocke teilzunehmen, die ausgezeichnet gelang und einem Kulturfilm absolut gleichwertig war.

Bei der Wertung aller dieser Arbeiten darf nicht übersehen werden, dass die Fernseh-Studios im Alexandra-Palace heute lange nicht mehr den Anforderungen genügen, die der Fernsehdienst täglich neu stellt; eine Erleichterung der Arbeiten wird erst eintreten, wenn die neuen Senderäume, die zurzeit ausgebaut werden, fertiggestellt sein werden.

Dr. Pleister hatte Gelegenheit, mit allen führenden Fernsehmännern zu sprechen und an zahlreichen Proben und Sendungen teilzunehmen; es war besonders eindrucksvoll, wie gut eingespielt der Gesamtorganismus ist - eine schwer zu schaffende, aber notwendige Voraussetzung für die vielfältigen und immer wechselnden Aufgaben, die an einen Fernsehdienst gestellt werden.

Es war übrigens zu beobachten, dass die Einfügung des Fernsehrundfunks in das tägliche Leben des Engländers und in das Heim durchaus nicht mit den "Schwierigkeiten" verbunden ist, die heute im Blick auf andere Länder oft diskutiert werden.

von Dr. Kurt Wagenführ

FI-1951 / 2.April-Ausgabe - AUSLAND England
Fortschritte im britischen Fernsehen.

In grossen Umrissen ist das Fernsehsende-Programm dieses Jahres unverändert geblieben. Es sind jedoch eine Reihe neuer Sendungen dazugekommen, so ein interessantes allwöchentliches Programm "In the News" (Neues vom Tage), in dem bekannte Politiker und Wirtschaftssachverständige ohne Vorbereitung wichtige Ereignisse der Woche diskutieren. Diese Sendung bewies besonders deutlich, dass Diskussionen ein gutes Fernsehmaterial abgeben, vor allem, wenn verschiedene Meinungen gegeneinanderstehen.

Auch Dokumentar-Sendungen sind sehr beliebt; eine hervorragende Fernseh-Sendereihe mit dem Titel "The Course of Justice" (Die Gerechtigkeit nimmt ihren Lauf) vermittelte z.B. eine realistische Vorstellung von der Tätigkeit der Jugendgerichtshöfe, der Polizeigerichte und der Schwurgerichte.

30-stündiges Wochen-Programm in 1951

Auf der Programmseite gab es zwei bemerkenswerte Ereignisse: seit Beginn des
Jahres wird die Fernseh-Kinderstunde täglich gesendet und das Programm der Wochenschau (Television News-reel) dreimal in der Woche gewechselt. Damit beträgt die Dauer der wöchentlichen Fernsehsendungen etwa 30 Stunden, neben den 10 Stunden pro Woche, an denen für die Radioindustrie Probesendungen mit Filmen und Muster gezeigt werden.

Was die Beliebtheit der Sendungen angeht, so besteht ein Wettbewerb zwischen dramatischen Aufführungen, Sendungen von Sportereignissen und Feierlichkeiten ausserhalb der Funkräume und dokumentarischen Sendungen. Sehr beliebt sind die bereits erwähnte Wochenschau, sowie die aktuelle Sendung "In the Nws", ferner Magazin-Sendungen, wie z.B. "Kaleidoskop" und "London Town".

Die Kosten der Fernsehsendungen können nur schwer veranschlagt werden und wurden bisher nicht veröffentlicht. Der jüngste Gesamtbetrag, der für die britischen Fernsehsendungen ausgesetzt wurde, beläuft sich auf 1,5 Millionen Pfund im Jahr.

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