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überarbeitet von Gert Redlich ab Feb. 2014 - Eigentlich sprechen wir von einer Gazette - Es sind gigantische Textmengen (Buchstaben-Wüsten), die die Autoren der "FI" in den 58 Jahren zusammen getragen haben. Damit das überhaupt vernünftig zu lesen ist, haben wir die Inhalte in jährliche Themengebiete aufgeteilt, die aber nicht in jedem Jahr gleich sind.
Sehr wichtig ist, es wurden alle Informationen, die Texte und die Erkenntnisse genau in der Woche aufgeschrieben und nichts später ergänzt oder korrigiert.

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(1950) Das Übertragungsnetz für Fernsehprogramme.

Die Deutsche Bundespost beschäftigt sich bereits seit geraumer Zeit mit der Vorbereitung eines Übertragungsweges für Fernseh-Programme auf der Strecke Hamburg - Köln - Frankfurt und hofft, diesen im Laufe des kommenden Jahres bereitstellen zu können. Von dieser Verbindung aus sollen dann Stichleitungen nach Hannover und Bonn, sowie Anschlussleitungen nach Baden-Baden, Stuttgart und München folgen.

Wir werden über diese Vorbereitungen der Deutschen Bundespost, die für den Aufbau der künftigen Fernsehbereiche und damit auch für die Fernsehwirtschaft von grosser Bedeutung sind, noch eingehender berichten.

FI-1950 / 2.Nov-Ausgabe
FS-Aufgaben für das RTI in Nürnberg.

Das Rundfunktechnische Institut in Nürnberg wurde von der Arbeitsgemeinschaft beauftragt, wichtige fernsehtechnische Messungen in Süddeutschland durchzuführen und die diesbezüglichen Spezialgrundlagen für ein westdeutsches Fernsehnetz zu erarbeiten.

Der Leiter des Rundfunktechnischen Instituts, Dipl. Ing. W. Schlechtweg, hat auf diese Aufgabe des Nürnberger Instituts bereits in unserer letzten Ausgabe wie folgt hingewiesen! "In USA haben die Störungen infolge der Überreichweiten von Sendern, die auf gleichen und benachbarten Frequenzkanälen arbeiten, derartige Folgen gehabt, dass die zentrale Lizenzierungsbehörde (F.C.C.) lange Zeit hindurch die Ausgabe von Genehmigungen zur Errichtung neuer Fernsehsender gesperrt hat. Hier ist ein sorgfältiges Studium der Ausbreitungsverhältnisse notwendig, das auch in den USA noch lebhaft bearbeitet wird, wobei zu beachten ist, dass die geographischen und troposhärischen Verhältnisse des jeweiligen Gebietes die Ausbreitungsbedingungen weitgehend beeinflusst. Beim Studium der Ausbreitungsverhältnisse im UKW-FM-Gebiet haben sich diese Unterschiede bei den bisher durchgeführten Messungen schon herausgestellt. Zu bemerken ist noch, dass das amplituden-modulierte Fernsehen gegen Störungen viel empfindlicher ist, als der frequenzmodulierte UKW-Rundfunk."

FI-1950 / 2.Nov-Ausgabe
Fernsehübertragungsweg in Westdeutschland

Die Intendantenkonferenz in Frankfurt hat vor allem zwei wichtige Entscheidungen gebracht. Der Nordwestdeutsche Rundfunk, der in Kürze seine öffentlichen VersuchsSendungen in Hamburg aufnehmen wird, wird trotz seiner bisher geltend gemachten Bedenken hinsichtlich seiner finanziellen Anspannung im kommenden Jahr Fernsehsender errichten.

Einmal dürfte es sich um den Ausbau des Hamburger Versuchssenders zu einem regulären, stärkeren Sender handeln, zum anderen um die Errichtung eines FS-Senders in Köln-Langenberg. Die Bundespost hat bereits die Vorarbeiten zur Schaffung eines Fernseh-Übertragungsweges zwischen Hamburg und Köln-Langenberg aufgenommen.

Für diese Fernseh-Verbindung sollen insgesamt 9 Relais-Stationen geschaffen werden, die die von Hamburg nach Köln gesandten Fernsehprogramme nach dem Richtstrahlenprinzip weiterleiten sollen. Die Dezimeter-Relaisstationen stellen vorerst noch keine eigentlichen Sender dar (die in ihrem Bereich liegenden Städte werden also noch nicht am Fernsehempfang teilnehmen können), doch ist anzunehmen, dass nach Erprobung des Verbindungsweges Hamburg - Köln auch diese Relaisstationen zu Fernsehsendern ausgebaut werden.

Der Fernseh-Übertragungsweg der Bundespost soll bis zum Spätsommer 1951 fertiggestellt sein. Es ist anzunehmen, dass bis dahin auch der Fernsehsender Köln-Langenberg errichtet ist, sodass dann mit einer Programmübertragung zwischen Hamburg und Köln gerechnet werden kann. Über die Vorbereitung weiterer Ubertragungswege seitens der Bundespost haben wir bereits in der ersten Novemberausgabe der "Fernseh-Informationen" berichtet. Inzwischen wird der Hamburger Versuchssender seine öffentlichen Fernsehsendungen aufnehmen und ausbauen.

Die Befürchtung, dass die Spanne vom Versuchsbetrieb zum regelmässigen Programmbetrieb übermässig lang sein werde, wodurch das Interesse der Öffentlichkeit am Fernsehen eine Minderung erfahren könnte, dürfte, nachdem sich nun der NWDR zum Senderbau und damit zu einer Verbreiterung der Fernsehbasis entschlossen hat, nicht mehr zutreffend sein.

FI-1950 / 2.Nov-Ausgabe
Der Bildzeilen-Wirrwarr.

Allerdings wird die Verständigung über den Programmaustausch zwischen den europäischen Fernseh-Sendegesellschaften vermutlich weniger Schwierigkeiten bereiten,als eine Verständigung über die bestehenden technischen "Differenzen", da leider die technischen Grundlagen im bisherigen europäischen Fernsehen in verschiedener Beziehung unerfreulich auseinandergegangen sind.

Hinsichtlich der Zeilenzahl, der Modulation der Bildfrequenz und der Art der Tonmodulation gibt es verschiedene Ansichten und Möglichkeiten.

So sendet der britische Fernsehdienst Bilder mit 405 Zeilen, Frankreich hat das 455-Zeilensystem und auch das 819-Zeilensystem, dessen "Bilddichte" besonders von den französischen Fernseh-Avantgardisten sehr gerühmt wird. In Deutschland wird das 625 Zeilensystem verwendet, das ausreichende Bildschärfe mit höherer "Wirtschaftlichkeit" verbindet.

In Holland hat der seit zwei Jahren arbeitende Philips-Versuchssender 567 Zeilen, aber der offizielle Versuchssender der vier Rundfunkvereinigungen, der in den ersten Monaten des nächsten Jahres seinen Betrieb aufnehmen soll, wird die Bildzeilenzahl von 625 benutzen. Ebenso haben sich die Schweiz, Italien und die skandinavischen Staaten für das 625-Zeilensystem entschlossen. Verschiedenheiten bestehen auch hinsichtlich der Polarität der Tonmodulation und der Art der Tonübertragung.

FI-1950 / 2.Nov-Ausgabe - WIR SAHEN und HÖRTEN

Ministerialdirektor Kirchner vom Bundespostministerium wandte sich anlässlich der Inbetriebnahme des modernsten Fernamtes Westdeutschlands in Bielefeld gegen den verschiedentlich erhobenen Vorwurf, dass die Post rückständig sei.

Er kündigte auch an, dass im Laufe des nächsten Jahres eine Fernseh-Funkverbindung zwischen Hamburg und Köln über Hannover für den Programmaustausch der NWDR-Fernsehstudios errichtet wird. Dieser Fernsehübertragungsweg soll dann nach den Sendern Frankfurt - Baden-Baden - Stuttgart und München fortgesetzt werden.

Bis zum September 1951 wird die Bundespost einen Fernseh-Übertragungsweg zwischen Hamburg und Köln-Langenberg herstellen, der der weiteren Entwicklung des Fernseh-Funks und einem künftigen geregelten Fernsehprogramm dienen soll. Von den neun vorgesehenen Relais-Stationen werden drei im Bereich der Oberpostdirektion Münster errichtet werden, und zwar in Beckum, auf der Hünenburg bei Bielefeld und auf der Bismarck-Säule an der Porta Westfalica. Die Relais-Stationen werden sich nur auf die Weitergabe des Fernsehprogramms beschränken, jedoch hat man daran gedacht, einen öffentlichen Fernsehraum bei einigen dieser Relaisstationen für eine grossere Zahl von Besuchern einzurichten.

Neue öffentliche Bild-Telegraphen-Dienststelle

Am 15. November 1950 wurde die öffentliche Bild-Telegraphen-Dienststelle beim Telegraphenamt München wieder in Betrieb genommen. Sie ist mit einem Empfangs- und Sendegerät ausgerüstet. Bildtelegramme können von München aus im Inland vorerst nach Frankfurt a. Main, Düsseldorf, Hamburg und Berlin, im Ausland nach Grossbritannien und Schweden übermittelt werden. Die Gebühren werden nach Bildgrösse und Entfernung berechnet. So kosten z.B. ein Bildtelegramm in der Grösse von 120qcm nach Frankfurt 7.90 DM, nach Düsseldorf 19.70 DM, nach Hamburg oder Berlin 20.70 DM.

Auf der Zugspitze

Die Bundespost plant auf Deutschlands höchstem Gipfel, der Zugspitze, mit einem Kostenaufwand von 2,5 Mill. DM einen teilweise sechsstöckigen Eisenbetonbau zu errichten. Hier soll vor allem die drahtlose Funktelephonie leistungsfähiger gemacht werden. Bereits heute läuft ein grosser Teil des Fernsprechverkehrs mit Norddeutschland über die Zugspitze. Ausserdem hat hier die Bundespost eine Ultra-Kurzwellen- und eine Dezimeter-Station. Es ist beabsichtigt, auf der Zugspitze zu gegebener Zeit auch eine Fernseh-Station zu errichten, die vor allem für die Entwicklung des Fernseh-Wesens in Süddeutschland und Österreich von Bedeutung werden dürfte.

Störungen durch Zündkerzen beim NWDR

Auch bei den bisherigen Versuchssendungen des NWDR traten Störungen vor allem durch Zündkerzen in Kraftfahrzeug-Motoren auf. Da aber in Zukunft nur noch störfreie Zündkerzen hergestellt werden sollen, dürfte diese Störungsstelle für das Fernsehen bald ausgeschaltet sein. Störungen verursachten auch die Polizei-Radio-Streifenwagen. Wenn ein solches Fahrzeug die Rothenbaumchaussee herunterfährt, schwankt die Bildgüte erheblich.

FI-1950 / Dez-Ausgabe
Ausbreitungsprobleme beim Fernsehen

von Dipl.-Ing.Werner Schlechtweg Leiter des Rundfunk-Technischen Institutes Nürnberg

Die positive Einstellung der Sendegesellschaften im süddeutschen Raum zum Fernsehproblem, die der Verfasser bereits in seinem Aufsatz "Die Fernsehprobleme in Süddeutschland" (Fernseh-Informationen, 1.November-Ausgabe) betont hat, ist inzwischen seitens der zuständigen Intendanten durch die Bildung einer Fernseh-Kommission unterstrichen worden, die die Fernsehprobleme für alle Sendegesellschaften der Bundesrepublik lenken soll.

Im Rahmen der technischen Aufgabe ist eine Arbeitsteilung zwischen der Zentraltechnik des Nordwestdeutschen Rundfunks und dem Rundfunk-Technischen Institut in Nürnberg in dem Sinne vorgeschlagen worden, dass letzteres sich mit Ausbreitungs- und Interferenzproblemen befasst und den damit in Zusammenhang stehenden Planungsaufgaben.

Die Ausbreitungsverhältnisse

Es liegt nahe, die Bedeutung dieser Fragen bei den ersten Arbeiten zur Einführung des Fernsehens zu vernachlässigen, da sie erst aktuell werden, wenn die für das Fernsehen benutzten Frequenzkanäle wiederholt werden müssen, d.h., wenn gleiche Kanäle für verschiedene Versorgungsbereiche verwendet werden müssen.

Erfahrungen mit Interferenz-Störungen in den USA

Welche Erfahrungen wurden nun in Bezug auf diese Fragen bisher gesammelt? Die Fernseh-Verhältnisse in den USA geben uns eine erschöpfende Antwort. Hier waren die Interferenz-Störungen infolge der troposphärischen Ausbreitung so schwerwiegend, dass Ende 1948 die Lizenzierung von Fernsehsendern etwa ein Jahr lang durch die zuständige Behörde (F.G.G.) gesperrt wurde. Es wurde im Dezember 1948 ein Sonderausschuß eingesetzt zum Studium der Troposhären- und Ausbreitungskurven, der wegen der Schwierigkeiten des Störungsproblems seine Arbeiten so beschleunigte, dass sie im August 1949 abgeschlossen waren.

Neuartige Berechnungen der Feldstärke notwendig

Der Ausschuß betont in seinem Abschlußbericht, dass wegen der grossen Dringlichkeit Kurven herausgegeben wurden, die noch keinen Anspruch auf Endgültigkeit haben. Wichtig ist die Erkenntnis, dass die bisherige Berechnung der Feldstärke nach den Formeln von van der Pool und Bremmer nicht mehr anwendbar ist. Allerdings konnte eine neue Theorie für die troposphärischen Ausbreitungsvorgänge nicht gefunden werden, sodass die in dem Bericht vorgelegten Kurven ausschliesslich durch statistische Auswertung des vorhandenen Messmaterials gewonnen wurden.

Der oben genannte Hinweis auf die Unvollständigkeit der Arbeiten und die Tatsache, dass die troposphärischen Verhältnisse Amerikas keineswegs mit den europäischen vergleichbar sind, machen es notwendig, dieses Problem in aller Gründlichkeit in unserem Lebensraum zu studieren. Entsprechende Arbeiten sind seitens des Rundfunk-Technischen Institutes eingeleitet. Es werden umfangreiche Feldstärkeregistrierungen durchgeführt, an denen sich nach einem gemeinsamen Plan alle Rundfunkgesellschaften der Bundesrepublik beteiligen. Hierzu werden besondere Schreibgeräte entwickelt, die das Studium des ganzen Frequenzgebietes von 100 bis 200 MHz umfassen (UKW-FM und Fernsehbereich). Es ist klar, dass sich diese Beobachtungen auf eine Zeit von mindestens einem Jahr erstrecken müssen.

40 Sender für Europa!

Wenn die Vielzahl der Fernsehsender (z.Zt. über 100) in den USA zu Schwierigkeiten geführt hat, so ist das verständlich. Aber es drängt sich die Frage auf, ob wir denn überhaupt in Europa einer vergleichbaren Gefahr ausgesetzt sind. Diese Frage beantwortet sich leider sehr positiv, wenn man sich vor Augen führt, dass in den 7,7 Millionen Quadratkilometer grossen Vereinigten Staaten 150 Fernsehsender bestehen und in dem 5 Mill. qkm grossen Europa ohne Russland heute im ersten AnfangsStadium bereits etwa 40 Sender in Betrieb, im Bau oder geplant sind. Es stehen in Europa für die Ausstrahlungen der Fernsehsendungen zwei Frequenzgebiete zur Verfügung:

1. ) 41 bis 68 MHz.
2.) 174 bis 216 MHz.

Bei der für Europa mit 7 MHz genormten Kanalbreite lassen sich im Band 1 knapp vier und im Band 2 gerade sechs Kanäle unterbringen. Da zu erwarten ist, dass das Band 1 bei neu zu planenden Netzen kaum benutzt werden wird, stehen praktisch nur sechs Kanäle für Gesamteuropa mit seinen vielen Einzelnationen zur Verfügung.

Zweifellos kann man annehmen, dass die Zahl der zu errichtenden Sender bei einem vollen Ausbau auf mindestens den doppelten Wert anwachsen wird, d.h., man muss für Europa mit 80 bis 100 Sendern rechnen. Daraus ist zu entnehmen, dass die zu erwartenden Interferenzstörungen in Europa von der gleichen Tragweite sein werden, wie in den USA, bezw. dass eine sorgfältige gesamteuropäische Fernseh-Planung notwendig ist, um aller Schwierigkeiten Herr zu werden.

Der Abstand zwischen den Sendern

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass der zweckmässige Abstand von Fernsehsendern für die Wiederholung derselben Frequenz bei Verwendung von Antennenhöhen zwischen 150 und 600m bei etwa 300km liegt. Die damit erzielbaren Füllfaktoren für je einen Frequenzkanal bei synchronisierten Sendern in einem theoretisch angenommenen Dreiecksnetz liegen je nach Senderhöhe zwischen 7 bis 12%. Diese geringen Werte für den Füllfaktor unterstreichen erneut, wie schwierig eine einigermassen ausreichende Landesversorgung mit Fernsehen sein wird.

Die vorstehend genannten Registrierungen werden gleichzeitig die Frage der günstigsten Senderaufstellung beantworten, wobei zu vermuten ist, dass sich eine Tendenz nach grossen Senderhöhen ergeben wird, da hierdurch die Versorgungsgebiete vergrössert werden, während die Störreichweiten unabhängig von der AufStellungshöhe sind. Probleme im Sinne einer Beschränkung der maximalen Senderleistung werden in diesem Zusammenhang ebenfalls zu studieren sein.

Lernen von der UKW Erfahrung

Selbstverständlich werden Planungsfragen noch durch eine Reihe anderer Möglichkeiten beeinflusst, z.B. ist die Dimensionierung der Empfänger in Bezug auf ihre Empfindlichkeit gegen Störungen durch den Nachbarkanal von Bedeutung (Nachbarkanalselektion).

Weiterhin spielen ungewollte Störungen, beispielsweise durch Zündkerzen, eine Rolle, da sie Einfluss auf die Höhe der Nutzfeldstärke haben, die zum Zwecke eines ausreichenden Verhältnisses zwischen Nutz- und Störfeldstärke, d.h., zur Erzielung eines störungsfreien Empfanges zur Verfügung gestellt werden muss.

Fast alle Probleme sind auf dem UKW-Gebiet im 100 MHz-Band ähnlicher Natur, sodass alle Arbeiten für das Fernsehen durch die Erfahrungen der UKW-Technik weitgehend befruchtet, werden. Das berechtigt zu der Hoffnung, dass ein weiteres Studium von ein bis zwei Jahren zu so gut fundierten technischen Grundlagen führen wird, dass der Ausbau eines ungestörten Fernseh-Netzes erwartet werden kann.

FI-1950 / Dez-Ausgabe
Der Bau des grossen Fernseh-Übertragungsweges in Nordwestdeutschland.

Wir berichteten bereits in unserer 2. Novemberausgabe, dass bis zum September 1951 die Bundespost einen Fernseh-Übertragungsweg zwischen Hamburg und Köln-Langenberg herstellen wird,- der der weiteren Entwicklung des Fernsehfunks und einer künftigen geregelten Fernsehprogramm-Übertragung Hamburg - Westdeutschland dienen soll.

Für diesen Ubertragungsweg, der auch für einen künftigen europäsischen Programmaustausch von grosser Bedeutung ist, ist die Errichtung von 9 Relaisstationen vorgesehen. Drei dieser Relais-Stationen werden in Niedersachsen, weitere drei im Bereich der Oberpostdirektion Münster und die anderen drei im Anschlussbereich nach Köln errichtet werden. Im Gebiet von Niedersachsen ist die Schaffung von Relais-Stationen bei Carlstorf (Lüneburg), ferner auf einem Hügel bei Wardböhmen in der Nähe von Bergen und auf einer Anhöhe bei Mellendorf bei Hannover vorgesehen.

Obwohl die hier zu errichtenden Stationen nur der Weiterleitung der Fernsehsendungen mit Hilfte von Dezimeterwellen dienen werden, sind sie doch auch für die Ausbreitung des Fernsehens in Niedersachsen von erheblicher praktischer Bedeutung. In erster Linie kommt hierfür die Relais-Station in Mellendorf in Betracht, da von hier aus das grosse Gebiet von Hannover mit Fernsehsendungen versorgt werden kann, sodass Hannover bereits im kommenden Jahr ebenfalls von Hamburg aus an das Fernsehnetz angeschlossen sein wird, und die bis dahin aufgenommenen regelmässigen Hamburger Fernsehsendungen empfangen kann.

FI-1950 / Dez-Ausgabe
Auch Hannover wird 1951 fernsehen. - Relaisstationen in Niedersachsen.

Auf einem hohen Gebäude inmitten der Stadt Hannover wird ein Fernsehsender errichtet, der die Programmsendungen via Meilendorf aus Hamburg übernimmt und nach der Stadt Hannover und deren Umgebung ausstrahlt. Nach den bisherigen technischen Erfahrungen dürfte in Hannover mit einem guten Bildempfang zu rechnen sein. Die für die Errichtung von Relaisstationen in Frage kommenden Plätze wurden dieser Tage von Fachleuten der Oberpostdirektion Hannover besichtigt und als für ihre späteren Aufgaben geeignet befunden.

Auf dem Gebiet von Niedersachsen wird im kommenden Jahr noch eine vierte Relaisstation, und zwar bei Dannenberg, errichtet werden. Sie ist für die Weiterleitung der Fernsehprogramme auf der Strecke Hamburg - Berlin bestimmt. Diese Relaisstation wird auf einer Anhöhe an der Elbe gebaut werden. Sie ist technisch besonders interessant, weil mit ihrer Hilfe eine weit grössere Strecke als bisher üblich überbrückt werden soll. Die Bundespost hat vorgesehen, dass der Bau des grossen Fernseh-Übertragungsweges Hamburg - Köln Langenberg und Hamburg - Berlin bis spätestens Herbst 1951 fertiggestellt ist.

FI-1950 / Dez-Ausgabe - WIR SAHEN und HÖRTEN
Berlin - 350 Meter hoher Sendemast

Eine UKW-Station mit 350 Meter hohen Sendemasten wird die Berliner Post in den nächsten Wochen für den drahtlosen Fernsprechverkehr zwischen Berlin und Westdeutschland am Wannsee errichten. Dort sollen auch Einrichtungen für Fernsehübertragungen geschaffen werden.

Die Anlagen werden aus ERP-Mitteln finanziert. Diese Vorbereitungen der Post stehen in Zusammenhang mit der Absicht des NWDR, den Start eines regelmässigen Fernseh-Dienstes in Berlin bereits im kommenden Jahr zu ermöglichen.

FI-1950 / Dez-Ausgabe
VORAUSSETZUNGEN FÜR DIE EUROPÄISCHE FERNSEH-VERSTANDIGUNG
Probleme der internationalen Fernsehnormung.

von Paul Bellac (Schweiz)

Im Hinblick auf die gegenwärtig verstärkt in Gang gekommenen Bemühungen um die Herbeiführung einer europäischen Fernseh-Verständigung ist der nachstehende Aufsatz des bekannten schweizerischen Fernseh-Experten, der auch an der Planung des künftigen Schweizer Fernsehdienstes beteiligt und Mitglied der schweizerischen Fernseh-Kommission ist, von besonderem Interesse.

Der Artikel geht nicht nur auf die technischen Probleme ein, die im Vordergrund der Beratungen einer europäischen Fernseh-Konferenz stehen dürften, sondern zeigt auch die Tendenzen auf, die in einer solchen Konferenz wirksam werden.

Dabei fallen auch interessante Streiflichter auf weit über das Technische hinausgehende Faktoren, die für die Gestaltung des europäischen Fernsehens von grosser Bedeutung werden können.

Hier der Bericht:

Die künftige Entwicklung des Fernsehens wird in hohem Mass davon abhängen, ob es gelingen wird, möglichst bald internationale technische Normen einzuführen. Besonders für den rationellen Betrieb in kleinen und mittleren Ländern kommt dieser Frage hohe Bedeutung zu. Allgemein verbindliche Normen erleichtern die direkte Übertragung von Fernseh-Programmen aus dem Ausland im Interesse des Programm-Austausches; sie erlauben die Benützung der gleichen Empfangsgeräte in verschiedenen Ländern und ermöglichen dadurch ihre Verbilligung durch Massenfabrikation und Export. Schliesslich wird auch die Herstellung der Sender-, Studio- und Übertragungseinrichtungen vereinfacht.

Probleme der Normung

Die Normung bezieht sich auf mehrere Probleme, unter denen folgende
in erster Linie hervorzuheben sind:

  1. Anzahl der Bildwechsel pro Sekunde -
  2. Richtung und Reihenfolge der Zeilen-Abtastung -
  3. Feinheit und Bildzerlegung in vertikaler und horizontaler Richtung (Zeilenzahl und Bildpunktzahl) -
  4. Bandbreite der Sendung -
  5. Bildmodulation -
  6. Bildformat -
  7. Tonmodulation.


Nachstehend soll versucht werden, in Kürze die hervorstechenden Probleme darzustellen, die mit diesen Punkten zusammenhängen.

Der Bildwechsel

Die Zahl der pro Sekunde übertragenen Bilder wird am besten von der Periodenzahl des Wechselstromes abhängig gemacht, der zur Speisung der Fernseh-Geräte dient. Es entstehen sonst Interferenzen, die sich durch Flackern des Bildes äussern und nur durch Massnahmen zu beseitigen sind, die die Empfangsapparate verteuern. Demgemäss haben die Vereinigten Staaten den Bildwechsel mit 30 Bildern pro Sekunde gewählt, entsprechend dem in Nordamerika vorherrschenden Wechselstrom von 60 Perioden, wogegen in Europa der Bildwechsel mit 25 Bildern pro Sekunde dem Wechselstrom von 50 Perioden angepasst wird.

Allgemein eingeführt ist dagegen das Zeilensprungverfahren, nämlich die Zerlegung des Vollbildes in zwei Halbbilder. Es werden dabei - beginnend links oben und endend rechts unten - zuerst die ungeradzahligen, dann die geradzahligen Bildzeilen in je 1/50 Sek. in Europa (oder 1/60 Sek. in Amerika) abgetastet. Man vermindert auf diese Weise das Flimmern des Bildes.

Der raschere amerikanische Bildwechsel gestattet hellere Bilder ohne Flimmern, wogegen die europäische Norm eine feinere Bildzerlegung bei gleicher Bandbreite erlaubt. Die Versuche der Amerikaner, ihre Bildwechselnorm in Europa einzuführen, sind bisher auf Ablehnung gestossen.

Bildzerlegung und Bandbreite

Die Qualität der Bildwiedergabe wird von der Feinheit der Bildzerlegung in vertikaler und horizontaler Richtung weitgehend beeinflusst, da sie die Wiedergabe kleiner Details bestimmt.

Die vertikale Bildzerlegung erfolgt in eng aneinanderliegenden Zeilen, die horizontale Bildzerlegung, d.h. die Aufteilung der Bildzeilen in Bildpunkte, hängt dagegen von der verfügbaren Bandbreite ab. Nur bei genügender Bandbreite erfolgt der Wechsel der Helligkeitswerte bei der Abtastung der horizontalen Zeilen ohne störende Verzögerung.

Die Bandbreite sollte daher womöglich so beschaffen sein, dass die Bildpunkte quadratische Form annehmen. Damit wird die gleiche Feinheit der Bildwiedergabe in vertikaler und in horizontaler Richtung erreicht.

Zeilenzahl und Bandbreite

Mit zunehmender Feinheit der Bildzerlegung wächst die erforderliche Bandbreite sehr rasch an. Es wäre daher zwecklos, die Qualität der Bildwiedergabe durch Erhöhung der Zeilenzahl verbessern zu wollen, ohne gleichzeitig die Bandbreite entsprechend zu erweitern, da sonst die Bildpunkte stark gestreckte, rechteckige Form annehmen und damit die Güte der Wiedergabe schädigen.

Zunehmende Zeilenzahl und Bandbreite verteuern jedoch die Sendeanlagen, die Übertragungslinien und - was für das Erreichen einer hohen Teilnehmerzahl hinderlich ist - auch die Empfangsgeräte. Ausserdem nimmt die Zahl der für die Fernsehsender verfügbaren Frequenzkanäle mit steigender Bandbreite ab. Die Normung der Zeilenzahl und Bandbreite kann daher nur auf Grund eines Kompromisses erfolgen, unter Berücksichtigung der Bildqualität, der Kosten der Fernsehempfangsgeräte und der erforderlichen Senderfrequenzen.

Gegenwärtig wird ein harter Kampf ausgetragen, welche Normen sich am besten eignen und international eingeführt werden sollen. Dabei sind nicht nur technische und organisatorische, sondern auch handelspolitische Interessen im Spiele, da die Industrie jenes Landes, dessen Normen angenommen werden, hoffen darf, bei der Erteilung von Aufträgen in erster Linie berücksichtigt zu werden.

4 Vorschläge in Europa

In Europa stehen vier Vorschläge zur Diskussion, die wir einzeln betrachten wollen.

  • 1. Niedrige Bildzerlegung: Britische Norm, 405Zeilen,
  • Bildkanal 2,8 MHz, Bild- und Tonkanal zus. 6 MHz.


Die britischen Fernsehsendungen wurden bereits in der Vorkriegszeit mit der Norm 405 Zeilen durchgeführt. Eine Erklärung (statement) des Postmaster General vom August 1948 kündigte für den weiteren Ausbau des britischen Fernsehnetzes die Beibehaltung der bestehenden Normen für mehrere Jahre an. Eine Änderung wird nur erwogen werden,wenn sie durch grundlegende Neuerungen geboten ist, wobei man vor allem an das Farbenfernsehen denkt.

Diese Ankündigung wurde in Grossbritannien fast allgemein begrüsst, denn sie beendete eine Periode der Unsicherheit und gestattet der Industrie, auf längere Sicht zu disponieren.

Die britische Radioindustrie unternahm mit Unterstützung der Regierung und der Fachpresse wiederholte Versuche, die in England angewendeten Normen auch in Europa und Übersee einzuführen. Sie gebrauchte dabei u.a. das Argument, man könne mit der Übernahme der britischen Normen auch das hochentwickelte Londoner Fernsehprogramm beziehen und hätte damit die Sorgen um die erheblichen Programmkosten zum Teil überwunden.

Trotz der Durchführung von Fernsehdemonstrationen in mehreren Ländern konnte jedoch die britische Norm nirgends Fuss fassen. Wohl darf die heute erreichte Qualität der Bildwiedergabe als hervorragend bezeichnet werden, auch kommt die Konstruktion und Erzeugung von Empfangsgeräten am billigsten und die Übertragung der Programme über Breitbandkabel stösst auf keine Schwierigkeiten.

Trotzdem ist man in weiten Kreisen der Fachwelt zur Überzeugung gekommen, dass die britische Normung wohl den heutigen Verhältnissen in England gut entspricht, jedoch für die Zukunft zu geringe Entwicklungsmöglichkeiten offen lässt. Die Zeilenzahl ist zu niedrig gewählt, um dem Fernsehpublikum eine Bilqualität zu bieten, die auf die Dauer befriedigen wird. Dies hat auch die Mehrzahl der britischen Industriellen eingesehen, weshalb sie sich der Empfehlung der für Europa vorgeschlagenen mittleren Normen angeschlossen haben, soweit es sich um den Export britischer Geräte handelt.

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  • 2. Hohe Bildzerlegung: Französische Norm. 819 Zeilen, Bildkanal 12 MHz, Bild- und Tonkanal zus. 14 MHz.


Ein Beschluss des französischen Ministerrates vom 20. November 1948 sieht für den Ausbau des französischen Fernsehnetzes die Bildzerlegung in 819 Zeilen mit der Gesamtbreite für Bild- und Tonkanal von 14 MHz vor. Nähere technische Bestimmungen wurden im Beschluss vom 5.April 1949 festgelegt.

Ausserdem wurde verfügt, den Betrieb des alten Pariser Fernsehsenders mit 441 Zeilen noch bis 1957 weiterzuführen.

Die Einführung der hohen französischen Bildzerlegungsnorm hat folgende Vorgeschichte:

In Frankreich haben sich mehrere Forscher und Industrielle mit der Schaffung von Fernsehsystemen mit besonders feiner Bildzerlegung erfolgreich befasst. Sie sind der Überzeugung, die besten Fernsehsysteme der Welt zu besitzen und Frankreich damit einen Vorsprung gegenüber allen anderen Ländern gesichert zu haben.

Dabei entwickelte sich ein Wettstreit zwischen R. Barthelemy (Compagnie pour la Fabrication des Compteurs, Montrouge), der 945 Zeilen empfahl, und H. De France (Societe Radio-Industrie, Paris), dessen Vorschlag von 819 Zeilen zuletzt den Sieg davontrug.

Die Vertreter der neuen französischen Norm bemühen sich, diese mit Unterstützung der französischen Behörden in West- und Mitteleuropa einzuführen. In mehreren Ländern - darunter in der Schweiz auf dem Comptoir de Lausanne 1947 - wurde eine fahrbare Anlage gezeigt.

Im Frühjahr 1949 wurden im Vatikan Studien über die Möglichkeit der Errichtung eines Fernsehsenders mit den französischen Normen begonnen.

Nach einem Bericht des Blattes "La libre Belgique", Brüssel, vom 6. März 1949, wurden den Belgiern verlockende Angebote für den Fall der Einführung des französischen Systems unterbreitet: kostenlose Lieferung der Pariser Programme über die künftige Richtstrahl-Relais Verbindung Paris-Lille, Aufstellung eines Senders in Brüssel, Beistellung von Reportagewagen und technische Unterstützung.

Der ausländischen Industrie werden Lizenzen der Society Radio-Industrie für die Benützung ihrer Patente angeboten. Die Einführung der neuen französischen Norm im Ausland wird heute in Frankreich vielfach als Prestigeangelegenheit betrachtet, was die Einigung über eine andersgeartete europäische Norm zweifellos erschweren wird.

Die Radiodiffusion Francaise, die die Vorzüge der neuen Norm in ihren Berichten unterstreicht, geht dabei von folgenden Gesichtspunkten aus.

Der Fernsehempfang soll die Grossprojektion von Fernsehprogrammen im Kino mit einer Qualität ermöglichen, die dem Normalfilm nahekommt. Die Linienzahl von 819 liegt an der unteren Grenze, um dieser Forderung zu entsprechen. - Für Heimempfänger mit ihren kleineren Bildschirmen ist dagegen die Wiedergabe der Bilddetails in der Qualität des Normalfilms überflüssig. Man ist daher nicht gezwungen die volle Bandbreite auszunützen und kann somit billigere Empfangsgeräte verwenden.

Die neue französische Normung wird jedoch in der Fachwelt vielfach kritisiert, nicht zuletzt in Frankreich selbst. Ihre Gegner betonen, dass das Fernsehen in erster Linie die Bedürfnisse des Heimempfangs berücksichtigen soll und diese nicht der Kino-Grossprojektion unterordnen darf.

Voraussichtlich wird sich das Kino-Fernsehen unabhängig und gesondert vom Heim-Fernsehen entwickeln und vielleicht die Bildzerlegung auf mehr als 1.000 Zeilen erhöhen, um eine Wiedergabe zu erreichen, die dem Normalfilm wirklich gleich kommt. Auch wird die Filmindustrie schon aus wirtschaftlichen Erwägungen ihre Spielfilme nicht für das Heimfernsehen freigeben, bevor sie in den Kinotheatern vorgeführt wurden.

Für das Heimfernsehen wird man vorwiegend andersgeartete Filme herstellen, wie die Entwicklung in den Vereinigten Staaten und England schon heute erkennen lässt.
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Im übrigen veröffentlichte "Radio 49", das Programmblatt der Radiodiffusion Frangaise, am 6. Mai 1949 ein Interview mit dem Direktor einer der beiden grössten Fernsehfirmen in Frankreich, der folgendes erklärte: Die Industrie hatte zwei Fernsehnetze vorgeschlagen, eines für das Kino mit 1029 Zeilen, ein zweites für das Heim mit 600 bis 700 Zeilen.

Die Television Fran$aise hat jedoch aus wirtschaftlichen Gründen eine mittlere Bildzerlegung von 819 Zeilen gewählt. Er ist auch heute noch von der Richtigkeit seines ursprünglichen Vorschlages überzeugt. - Dieses Interview beweist, dass auch die mit der Einrichtung des Fernsehens in Frankreich betrauten Fachleute die Trennung des Kinofernsehens vom Heimfernsehen vorgezogen hätten.

Die Massenerzeugung preiswerter Heimempfangsgeräte mit mehr als ca. 600 Zeilen Bildabtastung und entsprechender horizontaler Bildzerlegung bietet erhebliche Schwierigkeiten, wodurch sieh die Empfangsgeräte um mindestens 25$ verteuern werden. Wollte man jedoch der Empfehlung der Radiodiffusion Fran$aise folgen und 819-zeilige Bilder mit Geräten von geringerer Bandbreite empfangen, dann wird die horizontale Bilddefinition, und damit die Bildwiedergabe selbst, bedeutend schlechter sein als bei Systemen mit der gleichen verminderten Bandbreite, jedoch kleinerer Zeilenzahl.

Das wesentlichste Argument gegen die Einführung der französischen Normen ist jedoch die zu geringe Anzahl von Kanälen, die für die Fernsehsendung mit hoher Bandbreite zur Verfügung stehen. Es können nur drei Frequenzen verwendet werden, was zweifellos ungenügend ist für den Ausbau nationaler Sendernetze in den mitteleuropäischen Ländern.

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  • 3. Mittlere Bildzerlegung: Nordamerikanische Norm. 525 Zeilen,
  • Bildkanal 4,25 MHz, Bild- und Tonkanal zus. 6 MHz


Die Radio Corporation of America (RCA) empfiehlt für Europa die unveränderte Übernahme der nordamerikanischen Normen. Diese würden damit zur Weltnormung erhoben, was die Erzeugung und die Austauschfähigkeit sämtlicher Fernsehgeräte für Sendung und Empfang erleichtern würde. Die wichtigsten Gründe, die gegen diesen Vorschlag sprechen, wurden bereits bei der Behandlung des Bildwechsels angeführt. Auch ist nicht von der Hand zu weisen, dass in manchen Kreisen der europäischen Industrie die Furcht besteht, bei Übernahme dieser Normen von der übermächtigen nordamerikanischen Industrie zu sehr an die Wand gedrückt zu werden.

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  • 4. Mittlere Bildzerlegung: kontinental-europäische Norm.
  • 625 Zeilen, Bildkanal ca. 4,25 bis 6,5 MHz, Bild- und
  • Tonkanal zus. ca. 6 bis 8 MHz.


Unter dem Druck der britischen und französischen Anstrengungen, ihre Normen in Europa einzuführen, hat sich die Neigung der europäischen Fachwelt verstärkt, zu einer Einigen in der Frage der Normung zu gelangen.

Dabei steht die Zeilenzahl 625 im Vordergrund. Sie wurde bisher als kontinental-europäische Norm vorgeschlagen von:

  • Philips (Eindhoven, Holland);
  • Stichting Nederlandsche Radio Unie (Holland);
  • General Electric Company Ltd,
  • Marconi Wireless and Telegraph Company Ltd und
  • Pye Ltd;
  • Radio Corporation of America unter der Voraussetzung, dass sich Europa nicht entschliessen wird, die nordamerikanischen Normen anzunehmen;
  • und den deutschen Rundfunkgesellschaften.


Ausserdem wird sie angewendet in Russland, der Tschechoslowakei und bei den dänischen Versuchssendungen.

Über die Bandbreite herrscht jedoch noch keine Einigkeit. Die Vorschläge bewegen sich für den Video-Kanal zwischen ca. 4,25 und 6,5 MHz und für die Gesamtbreite von Bild- und Tonkanal zwischen ca. 6 und 8 MHz.
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Vielfältige Gründe

Die Gründe, die für die Wahl dieser Normen sprechen, wurden u.a. in einem Gutachten der Stichting Nederlandsche Radio Unie angeführt:

Um für das Fernsehen einen möglichst grossen Teilnehmerkreis zu gewinnen, ist es nötig:

  • 1. bei der Bildwiedergabe die Zeilenstruktur möglichst wenig sichtbar zu machen;
  • 2. eine genügende Bildschärfe zu erreichen;
  • 3. die Bilddetails so gut wiederzugeben, dass eine weitere Erhöhung der Bildzerlegung keine zusätzlichen Feinheiten erkennen lässt, wenn das Bild aus "zweckmässiger Entfernung" betrachtet wird;
  • 4. den Preis der Empfangsgeräte möglichst gering zu halten;
  • 5. die Bandbreite so zu wählen, dass genügend dichte nationale und internationale Sendernetze betrieben werden können, ohne gegenseitige Störungen hervorzurufen.


Alle diese Punkte bedürfen keiner weiteren Erläuterung, ausgenommen die Frage der "Bildbetrachtung aus zweckmässiger Entfernung".

Die beste Distanz für die Bildbetrachtung

Durch Versuche wurde festgestellt, dass die beste Distanz für die Bildbetrachtung (bei einem Verhältnis der Höhe zur Breite des Bildes von etwa 3:4) der fünffachen Bildhöhe entspricht. Aus dieser Entfernung ist das ganze Bild gerade noch mit einem Blick zu überschauen, wobei alle sichtbaren Details gut zur Geltung kommen.

Zerlegt man das Bild in etwa 560 bis 600 Zeilen, dann ist aus dieser Entfernung keine Linienstruktur mehr zu erkennen, das heisst, das menschliche Auge ist nicht im Stande, eine weitergehende Feinheit der Bildzerlegung aufzunehmen.

Zu geringe Zeilenzahl der Briten wäre kein Argument

Vorausgesetzt, dass dieser Standpunkt gebilligt wird, zeigt die britische Norm eine zu geringe Zeilenzahl, um diesen Ansprüchen zu genügen, während die französische Norm nur dann weitere Details erkennen lässt, wenn der Beschauer näher an das Bild herantritt.

Hier wenden aber die Anhänger der mittleren kontinentalen Norm ein, dass beim Empfang das Publikum, ebenso wie bei Filmvorführungen, seine Plätze nicht zu verlassen hat; es ist Sache des Fernsehregisseurs und Kameramannes, die Bilddetails im Verlauf einer Sendung herauszugreifen und als Nahaufnahme gross wiederzugeben. Die Bildzerlegung in 625 Zeilen ist demnach reichlich bemessen.

Um eine gleichmässige horizontale und vertikale Bildzerlegung zu erlangen, müssten die Bilder mit etwa 6,6 MHz Gesamtbandbreite für Bild- und Tonkanal ausgestrahlt werden. Versuchsreihen in Holland haben jedoch ergeben, dass eine Verringerung der Bandbreite auf 6 MHz keinen merkbaren Unterschied verzeichnen lässt. Die horizontale Bilddefinition entspricht dabei der amerikanischen Norm und die Wiedergabe kommt annähernd der Qualität eines 16 mm-Filmes gleich.
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Es geht nur mit einem Kompromiss

Die Anhänger dieser Norm sind daher der Meinung, dass sie den besten Kompromiss für das Heimfernsehen darstellt, aber auch die Vorführung von aktuellen Fernsehübertragungen im Kino mit verminderter, jedoch noch tragbarer Bildqualität gestattet wird.

Sie würde den Programmaustausch nicht nur über ein künftiges europäisches Richtstrahlnetz gestatten, sondern ausserdem noch - allerdings mit einer Verringerung der Bildqualität - Übertragungen über europäische Breitbandkabel der Klasse 4,028 MHz erlauben.

Schliesslich würde bei der Wahl der Gesamtbreite 6 MHz die Zahl von 11 bis 13 Frequenzen für die europäischen Fernsehsender genügen, um den ungestörten Betrieb der nationalen Netze auch in mehrsprachigen Ländern zu gewährleisten, unter Berücksichtigung der nationalen, regionalen und lokalen Ansprüche.

Nicht unwichtig ist schliesslich das Argument, dass die Kosten der Fernsehgeräte nur unwesentlich höher liegen werden, als bei der britischen Norm, auch wenn die feinere Bildzerlegung durch höhere Zeilenzahl und Bandbreite voll ausgenützt wird.
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Die Bildmodulation

Die Bildmodulation dient dazu, die Helligkeitswerte der einzelnen Bildpunkte in Bildsignale umzuwandeln, indem die Amplitude der Trägerwelle des Bildsenders - also seine ausgestrahlte Leistung - geändert (moduliert) wird.

Gegenwärtig sind zwei prinzipiell verschiedene Methoden in Gebrauch:

In den Vereinigten Staaten und in Sowjetrussland ist die negative Bildmodulation eingeführt, in England und Frankreich wird mit positiver Bildmodulation gesendet. Beide Verfahren haben ihre Vor- und Nachteile.

Auch die Anhänger der kontinental-europäischen Zeilennorm sind sich darüber nicht einig, umsomehr, als es sich nicht nur um technische Probleme handelt, sondern auch um handelspolitische, wie um die bereits angedeutete Frage, ob durch Annahme der negativen Bildmodulation die nordamerikanische Konkurrenz in Europa begünstigt wird.

FI-1951 / 1. Jan.-Ausgabe - Die Ausbaupläne des NWDR. - Der zweite deutsche Fernseh-Sender in Köln

Auch über Hamburg hinaus nimmt der Aufbau des deutschen Fernseh-Netzes seinen
planmässigen Fortgang. Die Bundespost will den Übertragungsweg zwischen Hamburg und Köln schon bis zum 1. April 1951 fertiggestellt haben und Dr. Pleister konnte die überraschende Mitteilung machen, dass auch schon die Mittel für den Aufbau des Fernseh-Senders Köln (wie man hörte rund 5 Mill. DM) bewilligt worden sind.

Es wurde noch kein Termin genannt, wann der Sender Köln, ebenfalls ein Rundstrahlungs-Sender mit einem Wirkungsbereich von 200 Kilometern in Betrieb genommen werden soll, zumal zum Zeitpunkt der Pressekonferenz die erforderlichen Sendeanlagen noch nicht bei der Industrie in Auftrag gegeben waren.

Es ist jedoch zu erwarten, dass auch dieser Sender 1951 seine Arbeit aufnehmen wird. Ein Sendesaal im Funkhaus des Kölner NWDR wird zu einem Fernseh-Studio umgebaut und einer der beiden neuen Fernseh-Reportagewagen, die der NWDR von der Fernseh-G.m.b.H. bezieht, wird nach der Inbetriebnahme des Kölner Senders diesem zur Verfügung gestellt.

FI-1951 / 1. Jan.-Ausgabe - 1951 wird grosse Fortschritte im deutschen Fernsehen bringen - Fernsehübertragungsnetz bis Frankfurt.

Für den weiteren Ausbau des deutsehen Fernseh-Netzes wurden noch keine Termine genannt. Die Bundespost wird aber ebenfalls noch in diesem Jahre vom Übertragungsweg Hamburg-Köln eine Abzweigung nach Hannover bauen und ein weiterer Übertragungsweg nach Berlin soll fertiggestellt werden. Ferner ist zu erwarten, dass die "Dezimeter-Brücken" der Bundespost in diesem Jahre noch Frankfurt erreichen. Wann allerdings in den drei letztgenannten Städten mit dem Aufbau und der endlichen Inbetriebnahme von Fernseh-Sendern gerechnet werden kann, ist gegenwärtig noch nicht zu sagen. Vielleicht kann man nach Abschluss der ersten deutschen Fernseh-Woche in Bonn auf diese Fragen Antwort geben.

FI-1951 / 1. Jan.-Ausgabe
Tatkräftige Vorarbeit der Deutschen Bundespost für das Fernsehen

Themen:
Die Schaffung der Übertragungswege in Westdeutschland. Aufträge für die Linien Hamburg-Köln und Köln-Frankfurt erteilt. Versuche zur Übertragung von Fernsehprogrammen zwischen Berlin und Westdeutschland

Das Bundesministerium für das Post- und Fernmeldewesen in Frankfurt machte uns über die bereits aufgenommenen Arbeiten zur Schaffung der Verbindungswege für die Übertragung von Fernsehprogrammen für Westdeutschland folgende Mitteilungen:

Auf dem Gebiet des Fernsehens obliegt der Deutschen Bundespost die Bereitstellung der Verbindungswege zur Übertragung der Fernsehprogramme, für deren Aufstellung und rundfunkmässige Ausstrahlung die Rundfunkgesellschaften zuständig sind.

Mit Rücksicht auf die zunächst vom NWDR mitgeteilten Fernsehpläne der deutschen Rundfunkgesellschaften und für einen künftigen internationalen Fernsehprogrammaustauseh hat die deutsche Bundespost die Planung von Fernsehübertragungslinien aufgenommen. Dieser Planung ist die 625-Zeilen-Norm zugrundegelegt, die die deutschen Rundfunkgesellschaften anzuwenden beabsichtigen.

Während die Deutsche Bundespost vor dem Kriege zur Übertragung von Fernsehprogrammen Breitbandkabel (Koaxialkabel) benutzte - als erste Fernsehkabellinie wurde die Strecke Berlin-Leipzig-Nürnberg-München im Jahre 1938 in Betrieb genommen -, sollen die neu zu erstellenden Fernsehlinien als Richtfunkverbindungen eingerichtet werden.

Über die Planung Hamburg-Köln und Köln-Frankfurt/Main

Die Planung sieht zunächst die beiden Linien Hamburg-Köln und Köln-Frankfurt/Main vor. Die Führung der Linien liegt im einzelnen noch nicht fest.

Es wird mit 11 bis 12 Relaisstellen für die Strecke Hamburg - Köln und 2 bis 3 Relaisstellen für die Strecke Köln - Frankfurt/Main gerechnet. Die Führung, die einen später einzurichtenden Abzweig nach Hannover ermöglichen soll, wird nach Möglichkeit das bestehende Dezimeternetz und dessen künftigen Ausbau berücksichtigen.

Die Linien werden zunächst nur für eine Übertragungsrichtung ausgebaut, wobei die Richtung leicht gewechselt werden kann. Die Wellenlängen für diese Richtfunklinien werden voraussichtlich zwischen 10 und 20cm liegen. Die Relaisstellen werden so eingerichtet werden, dass sie späterhin unbemannt betrieben werden können. Aufträge über gewisse Teile der technischen Einrichtungen für diese beiden Linien sind bereits an deutsche Firmen erteilt.

Ausserdem werden Versuche zur drahtlosen Übertragung von Fernsehprogrammen zwischen Berlin und einigen Orten Westdeutschlands von der Deutschen Bundespost in Kürze aufgenommen werden, von deren Ausgang es abhängt, in welcher Art später ein Fernsehübertragungsweg von oder nach Berlin eingerichtet werden kann.

Für die Einrichtung weiterer Fernsehlinien, mit denen späterhin zu rechnen ist (z.B. Frankfurt/Main - Baden-Baden, Stuttgart, München) sind Vorarbeiten bisher noch nicht aufgenommen worden.

FI-1951 / 2. Jan.-Ausgabe - Probleme der internationalen Fernsehnormung Angleichung der internationalen und der amerikanischen Normung

In unserer Dezember- Ausgabe veröffentlichten wir einen Bericht von Ing. Paul-Bellac, Schweiz, über "Probleme der internationalen Fernseh-Normung", der einen Überblick über diese vielschichtigen Fragen gegeben hat. Der Bericht wurde geschrieben vor der letzten in Genf abgehaltenen Konferenz des "Comite Consultatif International des Radiocommunications" (CCIR), an der Delegierte aus Belgien, Dänemark, Italien, den Niederlanden, Schweden und der Schweiz anwesend waren, die sich bereits in der Londoner Konferenz im Mai 1950 für ein Fernseh-System mit der Bildzerlegung in 625 Zeilen ausgesprochen hatten.

Ferner waren Delegierte aus Frankreich, Grossbritan-nien und den Vereinigten Staaten gekommen. Leider konnte aus formellen Gründen Deutschland noch nicht eingeladen werden, doch kam durch persönliche Fühlungnahme auch die deutsche Auffassung zu ihrer vollen Geltung.

Empfehlung eines wohldurchdachten Systems

Die Genfer Konferenz schloss mit der Empfehlung eines wohldurchdachten Systems für das Schwarz-Weiss-Fernsehen mit 625 Zeilen, 25 Bildwechsel /Sekunde und einer Bandbreite von 7 MHz. Es bildet mit dem amerikanischen System eine gemeinsame Weltnormung, da die pro Sekunde abgetastete Zeilenzahl bei beiden Systemen nahezu identisch ist (525 x 30 = 15.750 ; 625 x 25 = 15.625). Um die letzten Unterschiede aufzuheben, haben denn auch die amerikanischen Behörden beschlossen, die amerikanische Zeilenzahl pro Sekunde dem in Genf empfohlenen System anzupassen. Es ist vorauszusehen, dass sich die meisten Sender, ausser England und Frankreich, dieser Normung anschliessen werden.

Damit ist die Bahn freigegeben für die künftige Entwicklung des internationalen Fernsehens auf der gemeinsamen Basis der neuen internationalen und der amerikanischen Normung.

FI-1951 / 2. Jan.-Ausgabe - WIR SAHEN und HÖRTEN
Endlich Geld für Richtfunkstrecke

Nach einer Mitteilung von Ministerialdirektor 0. Kirchner vom Bundespostministerium in Frankfurt hat das Ministerium kürzlich die Geldmittel erhalten, um sofort die Fernsehübertragungslinie Hamburg-Hannover-Köln und die Linie Köln-Frankfurt auszubauen. Der Auftrag für den Bau dieser beiden Linien wurde vom Bundespostministerium bereits erteilt. (Siehe Ferneh-Informationen 1.Januar-Ausgabe 1951 Seite 10)

FI-1951 / 2. Jan.-Ausgabe - WIR SAHEN und HÖRTEN
Stuttgart - Bau eines neuen Funkhauses

Der Rundfunkrat des Süddeutschen Rundfunks hat in seiner letzten Sitzung den Verwaltungsrat bevollmächtigt, den Bau eines neuen Funkhauses im Parkgelände der Villa Berg in Stuttgart einzuleiten. Das neue Funkhaus soll nach Plänen des Karlsruher Architekten Prof. Egon Eiermann errichtet werden. Wie wir hören, sind für den ersten Bauabschnitt des Funkhauses noch keine Anlagen für das künftige Fernsehen vorgesehen. Inwieweit derartige Anlagen später eingebaut werden sollen, steht im Augenblick noch nicht fest. Der Süddeutsche Rundfunk kann zurzeit auch noch keine Angaben darüber machen, zu welchem Zeitpunkt ein Fernsehsender in Stuttgart errichtet wird.

FI-1951 / 2. Jan.-Ausgabe - WIR SAHEN und HÖRTEN
Stuttgart - Sendemast Mühlacker

Vom Technischen Leiter des Süddeutschen Rundfunks, Herrn Dr. Ing. H. Rupp, wird uns mitgeteilt, dass der Sendemast des Süddeutschen Rundfunks in Mühlacker eine Höhe von 273 Metern hat. Er ist also wesentlich höher als der große Fernsehmast, der jetzt in Lopik für die Durchführung der Fernsehversuche in den Niederlanden aufgestellt wurde, und der eine Höhe von 200 Metern besitzt. Auch der Sendemast in Mühlacker verfügt über einen Aufzug, der auch für Personenbeförderung zugelassen ist. Dieser Aufzug dient zur Beförderung von Material und vor allem zur Kontrolle der technischen Einrichtung bis zum höchsten Punkt des Mastes.

FI-1951 / 2. Feb.-Ausgabe -
STREIFLICHTER AUF DIE PRODUKTION
Der erste Industrie-Fernsehsender in Bayern.

Im nächsten Jahr beabsichtigt die Bundespost, ihre Dezimeterbrücken von Frankfurt aus über Nürnberg nach München voranzutreiben. Nürnberg wird voraussichtlich noch vor München an das Übertragunsnetz der Bundespost angeschlossen werden.

Da in Nürnberg das Rundfunktechnische Institut als wissenschaftlichtechnisches Forschungsunternehmen der fünf Rundfunkgesellschaften in der amerikanischen Zone seinen Sitz hat, liegt der Gedanke nahe, in Nürnberg einen Fernseh-Versuchssender zu errichten, der zuerst einmal den wissenschaftlichen Untersuchungsarbeiten dienen würde, die diesem Institut auf dem Gebiet der Fernseh-Entwicklung übertragen worden sind. Soweit wir unterrichtet sind, bestehen auch solche Absichten.

Unserer Meinung nach könnten die notwendigen wissenschaftlichen Untersuchungen auch mit Hilfe des neuen Industrie-Senders in Fürth durchgeführt und dadurch sogar erheblich beschleunigt werden. Voraussetzung hierfür wäre allerdings, dass die in Betracht kommenden Aufgaben der Rundfunkgesellschaften mit denen der Industrie auf eine praktische Art "koordiniert" werden könnten. Dies müsste umso leichter zu ermöglichen sein, als ja beide Partner in gleicher Weise an der Entwicklung des Fernsehens in Deutschland interessiert sein müssen.

Da das Rundfunktechnische Institut auch über geeignete Räumlichkeiten für die Errichtung eines Fernsehstudios verfügt, wären im weiteren auch in Nürnberg/Fürth zumindestens die technischen Voraussetzungen für den künftigen Aufbau des ersten umfassenden Fernseh-Versuchsbetriebes in Bayern mit dem verhältnismässig geringstmöglichen Kostenaufwand gegeben.

FI-1951 / 2. Feb.-Ausgabe - AUSLAND
Schweiz - Das "Eidophor" Fernseh-Verfahren

Ein Schweizer System für Fernseh-Grossprojektion
Von unserem Berner Mitarbeiter

Durch die Weltpresse ging vor kurzem eine Notiz, dass der grosse amerikanische Filmkonzern "20th Century Pox Corporation" das schweizerische "Eidophor" Fernseh-Verfahren für Grossproduktion erworben habe.

Das Eidophor-System geht auf die Idee von Prof. Dr. Fritz Fischer zurück, der Ende 1947 starb, gerade als sich die Früchte seiner langjährigen Arbeit zu zeigen begannen. Prof. Fischer ging vom Standpunkt aus, dass die Braunsche Röhre für die lichtstarke Projektion im Grosskino ungeeignet sei, da ihre Lichtausbeute zu gering ist. Er schuf deshalb ein System, das imstande ist, das Licht einer Bogenlampe im Rhythmus der Fernsehsignale zu steuern.

Die Toeplersche Schlierenmethode

Sein Verfahren wendet die Toeplersche Schlierenmethode nach folgenden Grundprinzipien an: Auf einer Glasplatte, dem Eidophor (griech. Bildträger) ist eine dünne, zähe, schwach leitende Ölschicht aufgebracht, durch die mit einem Hohlspiegel das Licht einer Bogenlampe geworfen wird. Das Licht wird dabei durch zwei Gitterblenden (je eine vor und hinter dem Eidophor) völlig abgeblendet. Sobald aber auf die Ölschicht der Glasscheibe ein Kathodenstrahl fällt, entsteht eine elektrische Aufladung, wodurch sich die Ölschichte kurzfristig aufwölbt. Das durchfallende Licht wird dabei in solcher Weise gebrochen, dass es an den Gitterstäben der Blende vorbei kann und mit einer Linsenoptik auf die Projektionsleinwand geworfen wird.

Wenn der Elektronenstrahl mit den Fernsehsignalen gesteuert wird, dann entstehen auf der Eidophor-Platte mehr oder weniger starke Aufwölbungen in der Anordnung der gesendeten Bildpunkte, wodurch auf der Projektionsleinwand das übertragene Bild mit den entsprechenden Helligkeitswerten hervorgerufen wird. Da die Aufwölbungen der Ölschichte so bemessen sind, dass sie im Zeitraum einer vollen Bildabtastung zurückgehen, wirken sie gleichzeitig wie ein Lichtspeichersystem, wodurch Bildhelligkeit und Flimmerfreiheit bedeutend erhöht werden. Deshalb lassen sich flimmerfreie Bilder auch bei kontinuierlicher Abtastung, also ohne Zwischenzeilenverfahren, wiedergeben, wodurch die Bildqualität bedeutend gesteigert wird. Tatsächlich zeigen die Vorführungen so gut wie keine Zeilenstruktur und reichen in Helligkeit und Bildschärfe an eine gute Filmwiedergabe heran.

Das "Eidophor" wurde bereits 1939 entwickelt

Die Ausarbeitung des Fischerschen Eidophor-Fernsehsystems wurde vor zwölf Jahren (1939) in der Abteilung für industrielle Forschung für technische Physik (AFIF) an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich begonnen. Nach dem Tode von Prof. Fischer wurde sie unter Leitung von Dr. Thiemann, seinem engsten Mitarbeiter, fortgesetzt, tatkräftig gefördert vom Leiter der AFIF, Prof. Baumann.

Es versteht sich von selbst, dass dabei grosse Schwierigkeiten zu überwinden waren, besonders auch, um eine Ölschichte von genügender Zähigkeit und Leitfähigkeit herzustellen, die im luftleeren Raum von Elektronenstrahlen abgetastet werden kann, ohne sich zu zersetzen.

Die "20th Century Fox Corporation" will es kaufen.

Mitte Dezember 1950 besuchte der Präsident der "20th Century Fox Corporation", Spyros Scouras, in Begleitung eines technischen Experten, Earl J. Sponabes, die Fernsehanlage in der Technischen Hochschule in Zürich und leitete sofort Unterhandlungen ein, um das Verfahren industriell und kommerziell in grossem Ausmass zu verwerten. Dabei sollen auch die notwendigen Ergänzungen für die Übertragung farbiger Fernsehbilder ins Auge gefasst werden.
Be.

FI-1951 / 2. Feb.-Ausgabe
WIR SAHEN und HÖRTEN
bis 400 Mill. DM für technische Investitionen

Bundespostminister Hans Schubert machte in einem Vortrag über "Technik und Nachrichtenwesen" in der Technischen Universität Berlin Mitteilungen über die im Gange befindlichen, umfassenden Arbeiten der Bundespost zur weiteren Modernisierung des Nachrichtenwesens in der Bundesrepublik. Er hob hervor, dass die Bundespost jährlich 300 bis 400 Mill. DM für technische Investitionen ausgebe. Ein Post-Schnellverkehr mit Schnelltriebwagen, die mit 125 std/km laufen, ist in Vorbereitung. Auch die Schaffung eines PostSchnellverkehrs mit Behältern für die Güterbeförderung ist geplant.

Auf dem Gebiet des Ultrakurzwellenfunks seien Projekte von internationalem Rang in Arbeit. Für die Zugspitze ist eine Sendestation geplant, die dank ihrer Höhe einen weiten Umkreis versorgen wird. Minister Schubert erklärte, die Bundespost könne versprechen, dass das Fernsehen in vielen Teilen Westdeutschlands bereits beginnen kann, sobald die ersten Fernsehgeräte im Herbst dieses Jahres auf den Markt kommen werden.

Dezimeterbrücken im Bundesgebiet und in Westberlin

Die Post treffe umfangreiche Vorbereitungen zur Schaffung von Dezimeterbrücken im Bundesgebiet und in Westberlin, auf denen Fernsehsendungen auf weite Strecken übertragen und den zu errichtenden Fernsehsendern zugeführt werden können.

Der Verlust der demontierten Funkstationen in Nauen und Königswusterhausen ist wettgemacht durch den Aufbau der Stationen in Elmshorn und Frankfurt, die den Verkehr mit der ganzen Welt aufgenommen haben. (Über die Einzelheiten zur Schaffung der Fernsehübertragungswege in Westdeutschland seitens der Deutschen Bundespost konnten wir bereits in der ersten Januar-Ausgabe der "Fernseh-Informationen" ausführlich berichten.)

Die entschlossene Art, mit der die Bundespost den Aufbau der Fernseh- übertragungswege in Angriff nimmt, verdient alle Anerkennung. Da das Fernsehen trotz verschiedener quertreibender Versuche auch in Deutschland nicht aufgehalten werden kann, sollte nun auch der NWDR die volle Entschlusskraft zum Senderbau aufbringen. Es wird nun auch höchste Zeit, dass andere Rundfunkgesellschaften, in deren Bereiche die Fernsehentwicklung vordringt, sich ernsthafter und positiver als bisher mit Vorbereitungen befassen, die es ihnen rechtzeitig ermöglichen, einen wirklich wertvollen Beitrag zur künftigen deutschen Fernsehgestaltung zu leisten.

Wenig Vorbereitungen bei den meisten Rundfunk-Gesellschaften

Ein solcher Beitrag darf nicht nur auf bestimmte wissenschaftlich-technische Erarbeitungen beschränkt bleiben, sondern muss sich auch auf die künftige Programmgestaltung des deutschen Fernsehfunks erstrecken. Dieser Beitrag erfordert lange, sorgfältige Vorbereitungen. Von solchen Vorbereitungen ist aber bei den meisten Rundfunk-Gesellschaften noch wenig zu spüren.

Es wäre verfehlt, lediglich auf einen europäischen Programmaustausch zu warten, so notwendig dieser auch für die künftige Entwicklung des Fernsehens in Europa ist. Aber auch bei einem europäischen Programmaustausch gilt der Grundsatz des "do ut des", und gerade im Fernsehen wird man erst dann auch von deutscher Seite etwas zu bieten haben, wenn der Programmbeitrag sorgfältig vorbereitet ist.

Gerade im Süden und Südwesten Deutschlands betont man den föderalistischen Gedanken. Durch allzulange Passivität kann diesem Gedanken aber auf dem Gebiet des Fernsehens sehr geschadet werden. Wir möchten in diesem Zusammenhang noch einmal unterstreichen: Das Fernsehen wird eines der stärksten Ausdrucksmittel der kommenden Zeit werden !

FI-1951 / 2. Feb.-Ausgabe
WIR SAHEN und HÖRTEN
Farbfernsehen in Paris

In einem Vortrag in Wiesbaden berichtete Curt Oertel auch über Fortschritte, die er bei seinem kürzlichen Besuch in Frankreich beobachtete. Die Eiffelturmsendung wird beispielsweise direkt auf eine Kinoleinwand übertragen. Dazu erlebte er das Wunder der einwandfreien farbigen Wiedergabe im Fernsehapparat mit einer Farbechtheit, die besser als die des Farbfilms gewesen sei.

FI-1951 / 1.März-Ausgabe
Technische TV-Neuheiten aus den USA
Gerät zur Feldstärke-Messung

Unter der Bezeichnung "Modell A-460" hat die "Approved Electronic Instrument Corporation" New York einen neuen Feldstärkemesser entwickelt. Das 6-Röhren-Gerät misst 20 x 25 x 30 cm. Es ermöglicht die Messung der wirksamen Bildzeichenstärke, der genauen Antennenrichtung, der wirksamen Kontrolle verschiedenartiger Antennenvereinigungen, die Kontrolle der aufgenommenen Strahlung des Ortsoszilators und die Aufspürung von dazwischentretenden Bildzeichenstörungen.

Lichtstrahl-Prüfer

Ein Gerät für die Lichtaussendungskontrolle hat die "Weston Manufacturing Co., Massachusetts" auf den Markt gebracht, das vornehmlich in der TV-Technik Verwendung findet. Das Gerät prüft jede Bildröhre, ohne daß diese aus dem Empfangsgerät entfernt zu werden braucht. Bei der Prüfung wird weder die Ablenkspule oder die Brennpunktspule, noch die Ionen-Fanganordnung gestört. Das vollkommen geschlossene und stabile Prüfgerät mißt nur 17,5 x 19 x 30 cm.

Neue Bildröhren

Auf rechteckige Fernsehbildröhren in drei Typen hat die "Springdale Comm. Plant" jetzt ihre Produktion konzentriert. Die Merkmale der neuen Röhren, die unter den Bezeichnungen 16 KP 4, 16 TP 4 und 16 RP 4 auf den Markt kommen, sind ein extra harter und genauer Elektronenbeschuss, ein Ionen-Fangmagnet, der die Ionenfleckenbildung verhütet, die eine Verunstaltung des Bildes herbeiführen. Weiterhin ist eine Filter-Gesichtsplatte zu erwähnen, welche zunehmende Bildergegensätze und Einzelheiten unter hellen und dunklen Lichtzuständen neutralisiert.

Automatischer "Rotator" (Anmerkung: ein Antennenrotor)

Durch dieses Gerät erübrigt sich eine Spezialinstallation von Antennenanlagen, da die Antenne durch dieses Kontrollgerät gerichtet wird. Der "Rotator" ist vollautomatisch, wobei eine einfache Zeigereinstellung auf jeden verlangten Punkt der Wählscheibe die Antenne automatisch bis zu diesem Punkt dreht und dann stoppt. Die Wählscheibe, die jede Stellung der Antenne anzeigt, kann jederzeit für neue Kanäle benutzt werden, wenn neue TV-Stationen im Empfangsbereich ihre Arbeit aufnehmen. Während des Drehens der Antenne in ihre Endstellung sorgt eine Flutlichtbeleuchtung der Wählscheibe für genaue Kontrolle. Dieses hilfreiche Gerät wurde durch "Alliance Manufacturing Company of Alliance" in Ohio hergestellt und trägt die Bezeichnung "Tenna-Rotor".

"Photicon" - empfindlich wie ein Auge

Der amerikanische Forscher Zworykin hat eine neue Fernseh-Aufnahmeröhre angekündigt, die ebenso empfindlich wie das menschliche Auge sein soll. Vorläufig wurde nur bekanntgegeben, dass diese Röhre weniger, als 25mm Durchmesser besitzt, etwa 150mm lang ist und ohne Elektronenvervielfacher arbeitet.

TV-Eichgerät

Die Röhrenabteilung der "Radio Corporation of America" RCA in New Jersey hat ein neues Fernseh-Eichgerät hergestellt, mit dessen Hilfe 6 nebeneinandergestellte normale TV-Empfänger auf einmal geeicht werden können. Das Messinstrument besitzt einen kristall-geeichten TV-Einflug-Zeichenerzeuger mit Reflexzeichen für Fernsehfrequenzen, einen Strichmuster-Erzeuger für gradlinige Zeileneinstellung, einen Miniatursender für die Überprüfung der 12 Übertragunskanäle und einen Überlagerungs-Frequenzmesser einschliesslich Verstärker und Lautsprecher. Die Eichpunkte sind auf den Abstimmknöpfen abzulesen. Das Gerät ist in ein Metallgehäuse eingebaut und gut transportabel.

Ing. M. Ma.

FI-1951 / 1.März-Ausgabe

Die kinotechnische Gesellschaft in München hat eine Abteilung "Film und Fernsehen" eingerichtet, in der von Zeit zu Zeit Probleme des Fernseh-Films und vor allem fernsehfilm-technische Fragen diskutiert werden sollen.

FI-1951 / 1.März-Ausgabe
Normung von Fernseh-Empfänger-Röhren

Zwischen zwei der grössten einschlägigen Unternehmen Westdeutschlands wurde bereits erfolgreich über eine Normung der Fernseh-Empfänger-Röhren verhandelt.

FI-1951 / 1.März-Ausgabe
Alle Bildröhren wurde bislang handgeblasen !!!

Die niedrigsten uns im Februar bekannt gewordenen Preise für Fernsehgeräte aus den in Vorbereitung befindlichen Versuchsserien liegen zwischen 1.000 und 1.500 DM. Die Kalkulation für serienproduzierte Fernseh-Empfänger ist u.a. auch davon abhängig, ob es gelingen wird, einen Engpass in der maschinellen Herstellung der Bildröhren zu vermeiden. Bisher wurden ausschliesslich handgeblasene Röhren verwendet. Für das rationellere und technisch vorteilhaftere Pressverfahren fehlt es in Deutschland auch an Produktionsmitteln. Sie setzen Investitionen voraus, die der Glasindustrie nur bei Nennung fester Termine und garantiertem Absatz vertretbar erscheinen.

FI-1951 / 1.April-Ausgabe
STREIFLICHTER AUF DIE PRODUKTION
Fernseh-Versuchssendungen Eindhoven - Krefeld.
Interessante Experimente der Philips-Werke

Obwohl strenges Stillschweigen bewahrt wurde, drang an die Öffentlichkeit, daß zwischen der holländischen Zentrale der Philips-Werke in Eindhoven und einer in Krefeld aufgebauten Empfangsanlage Fernseh-Versuchssendungen durchgeführt worden sind. An zwei Tagen wurden diese Versuchssendungen aus Eindhoven aufgenommen. In einem Krefelder Hotel war ein Empfänger holländischer Herkunft installiert worden. Eine auf dem Dach des Hauses angebrachte "eigenartig geformte" Antenne gab dem Fachmann schon einige Hinweise, was hier in aller Stille vor sich ging. Es handelte sich im Prinzip um die Feststellung, ob es möglich ist, Sendungen aus der Entfernung von rund 80km noch gut auf zunehmen, was nach den Erfahrungen der Wissenschaft zwar möglich ist, aber nur unter bestimmten günstigen Voraussetzungen. Grund dafür ist, daß sich die Ultrakurzwellen des Fernsehsenders, ähnlich wie Licht, gradlinig ausbreiten. Bei 80km Empfangsweite bedeutet das, daß sich die Erdkrümmung bereits bemerkbar macht, sodaß trotz der 20m hoch montierten Antenne nur noch schwache Sendeimpulse auf die Spezialantenne trafen.

Mit den vorhandenen Verstärkern geht es noch nicht

Es zeigte sich, daß es mit den vorhandenen Verstärkern nicht möglich war, das Testbild, eine Kreiskonstruktion, einwandfrei zu empfangen. Diese Fernseh-Versuche sollen nun, wie verlautet, in Kürze unter neuen Bedingungen fortgesetzt werden. Mit einer neuen, empfindlicheren Verstärkeranlage und einer auf dem Turm der Linner Burg erhöht montierten Antenne hofft man, die Empfangsversuche zu einem erfolgreichen Ergebnis bringen zu können. Empfänger von erhöhter Empfindlichkeit, wie sie hier erprobt werden sollen, könnten eine der Schwierigkeiten, die dem Fernsehrundfunk im Wege stehen, zu einem erheblichen Teil aus dem Weg räumen. Ein Erfolg auf diesem Gebiet würde auch in der Praxis bedeuten, daß man mit einem weitmaschigeren Sendenetz auskommen könnte, als dies bisher möglich erschien.

FI-1951 / 1.April-Ausgabe
Telefunken baut Dezimeter-Übertragungsanlage für Fernsehen Hamburg - Köln.

Seit etwa 2 Jahren befindet sich im Werk Ulm der Firma Telefunken auch eine Abteilung zur Entwicklung kommerzieller Hochfrequenzgeräte (Sender und Empfänger). Nach Abschluss der Entwicklung einer Übertragungsstrecke für drahtlose Telefonie der Deutschen Bundespost wird hier nun gegenwärtig eine Dezimeter-Übertragungsanlage für Fernsehen von Hamburg nach Köln ebenfalls im Postauftrag entwickelt. Als Antenne für solche Übertragungsstrecken werden Parabolspiegel aus Aluminium mit 3m Durchmesser verwendet. Eine solche Musterantenne ist auf dem Dach des Ulmer Werkes in der Söflingerstraße für Meßzwecke aufgestellt.

FI-1951 / 1.April-Ausgabe - AUSLAND
England :
Hochleistungssender für den Export

Einzelne Großfirmen in England sind jetzt dazu übergegangen, vollständige Fernsehsender einschliesslich der Studioeinrichtungen herzustellen, wobei drei verschiedene Typen entwickelt werden. Es handelt sich einmal um einen Hochleistungssender von 35 kW, dessen Reichweite einen Radius von 160 Kilometern haben soll, dann um einen Sender mittlerer Leistung für Ortsdienste und ferner um eine kleinere Anlage, die transportabel ist und in einem Guterwägen untergebracht werden kann. Diese Anlagen werden nach den Wünschen der jeweiligen Kunden mit jeder Art von Fernseh-Zubehör ausgestattet.

Die Sender arbeiten nicht nur auf der englischen 405-Zeilen-Norm, sondern können für jedes System hergestellt werden. Besonders die kleineren Sender haben bisher schon verhältnismässig zahlreiche Interessenten gefunden und wurden sogar schon nach den Vereinigten Staaten verkauft.

FI-1951 / 1.April-Ausgabe - AUSLAND
England :
Kameras und Aufnahmewagen

Die englische Fernseh-Industrie behauptet, die besten Pernseh-Aufnahmeröhren der Welt herzustellen. Die zur Ausstellung kommenden Kameras und Aufnahmegeräte verdienen deshalb besonderes Interesse. Die Kameras sollen bedeutend lichtempfindlicher als die gebräuchlichen Filmkameras sein; einzelne Typen sollen sogar die Lichtempfindlichkeit des menschlichen Auges erreichen, sodaß Aufnahmen aus einem nur mit einer Kerze erleuchteten Raum in befriedigender Qualität gesendet werden können und Aussenaufnahmen, die bei regnerischem Wetter oder in der Dämmerung gemacht werden, ausgezeichnet kommen.

FI-1951 / 1.April-Ausgabe - AUSLAND
England :
Neue Objektive und einen richtigen "Sucher-Monitor"

Ausser den verbesserten Aufnahmeröhren haben die neuen englischen Kameras noch eine Reihe anderer technischer Verbesserungen, wie die während der Aufnahme verstellbaren Optiken (Anmerkung: Heute werden die als vario- oder Zoom-Optiken bezeichnet), ferner eine interessante Anordnung von Vorsatz-Linsen, die auf einer Scheibe drehbar vor der Aufnahmeröhre angebracht sind; sodaß der Kameramann durch einen Handgriff an der Rückseite der Kamera rasch die Optik wechseln kann, ferner einen elektrischen Bildsucher, einen auf die Kamera montierten Miniatur-Fernsehempfänger, mit dessen Hilfe der Kameramann ein deutliches Bild von seiner Aufnahme bekommt und ständig kontrollieren kann, mit welcher Lichtintensität diese von seiner Kamera übertragen wird.

FI-1951 / 1.April-Ausgabe - AUSLAND
England :
Neue Aufnahmeröhren

Eine Reihe bisher unvermeidlicher Störungen in den Fernseh-Übertragungen sollen durch die neuen Kameras vor allem durch Konstruktionsverbesserungen der Aufnahmeröhren, ausgeschaltet sein. Das Fluktuieren der Bilder ist durch eine Verbesserung der Röhre, die als "Cathode Potential stabilization" bekannt geworden ist, behoben worden. Auch bisher unvermeidliche Nebengeräusche, ferner das "smearing", wie die Engländer den "Kometenschweif" nennen, der auf dem Fernsehbild hinter sich sehr schnell bewegenden Gegenständen sichtbar bleibt, und andere Störungen sollen künftig beim Fernsehempfang keine Rolle mehr spielen.

FI-1951 / 1.April-Ausgabe - AUSLAND
England :
Neu: Kamerawagen (vermutlich die ersten von Vinten)

Besondere Aufmerksamkeit hat die britische Industrie auch der Entwicklung von Aufnahmewagen zugewendet. Die Wagen enthalten die Einrichtung eines Fernseh-Studios in gedrängter Form. Meistens sind drei tragbare Kameras, die durch Kabel von mehreren hundert Meter Länge mit dem Wagen verbunden sind, vorhanden. Jede Kamera sendet ihre Aufnahme zunächst auf einen Kontrollschirm. Neuerdings ist es auch möglich, daß eine Kamera drahtlos mit dem Aufnahmewagen in Verbindung bleibt, wodurch eine höchstmögliche Beweglichkeit gewährleistet ist.

Die Aufnahmewagen haben ferner Vorrichtungen, die eine ständige Sprechverbindung zwischen dem Produktionsleiter und den Kameraleuten ermöglichen. Die Aufnahmewagen werden nicht nur für den britischen und europäischen, sondern auch für den amerikanischen Markt hergestellt und wurden auch schon nach Kanada geliefert. Die Einrichtung der Wagen kann auch als tragbare Ausrüstung geliefert werden. Kameras, Überwachungs- und Kontrollgeräte und der 30-Watt-Sender sind in diesem Falle in sieben Koffern untergebracht, die gut transportiert werden können.

FI-1951 / 1.April-Ausgabe - AUSLAND
USA :
Ein-Mann-Fernsehsender für die US-Army

Die RCA "Radio-Corporation of America" hat einen tragbaren Ein-Mann-Fernsehsender entwickelt, der in erster Linie für militärische Zwecke gedacht ist. Aufnahmekamera und Mikrophon wiegen zusammen 3,4 Kilogramm. Das auf dem Rücken des Operateurs zu transportierende Sendegerät, das auch einen Rundfunkempfänger enthält, hat durch die Verwendung von Miniaturröhren und besonders leichter Materialien, einschließlich der Akkumulatoren nur ein Gewicht von 11 Kilogramm. Die Reichweite dieses "Walkie Peekle" genannten Miniatursenders beträgt 1,6 Kilometer. Es soll den leitenden Stäben kämpfender Truppen ermöglichen, hinter der Front im direkt übertragenen Bild die Vorgänge in der vordersten Linie zu beobachten.

FI-1951 / 1.April-Ausgabe - WIR SAHEN UND HÖRTEN
Das FS-Antennenproblem

Aus Kreisen der deutschen Fernsehwirtschaft wird uns mitgeteilt, dass man seitens der Industrie dem FS-Antennenproblem noch nicht genügend Beachtung schenke. Nicht nur eine richtig dimensionierte Spezialantenne sei erforderlich, sie müsse auch in Bezug auf Fremdstörungen (Zündstörungen durch Autos) zweckentsprechend entwickelt sein. Vorteilhaft seien auch motorisch drehbare Antennensysteme, um bei günstigen Empfangsverhältnissen auch andere Sender empfangen zu können. In USA werden solche drehbaren Antennensysteme bereits verwendet.

Die derzeitige Richtantenne des NWDR-FS-Senders auf dem Heiligen Geist-Bunker in Hamburg wird in Kürze zu einem Rundstrahler umgebaut, wodurch einem erheblich grösseren Interessentenkreis das Fernsehen ermöglicht werden wird.

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