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überarbeitet von Gert Redlich ab Feb. 2014 - Eigentlich sprechen wir von einer Gazette - Es sind gigantische Textmengen (Buchstaben-Wüsten), die die Autoren der "FI" in den 58 Jahren zusammen getragen haben. Damit das überhaupt vernünftig zu lesen ist, haben wir die Inhalte in jährliche Themengebiete aufgeteilt, die aber nicht in jedem Jahr gleich sind.
Sehr wichtig ist, es wurden alle Informationen, die Texte und die Erkenntnisse genau in der Woche aufgeschrieben und nichts später ergänzt oder korrigiert.

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FI-1951 / 1.August-Ausgabe - DEUTSCHLAND
Amerikanischer Fernseh-Vorstoss nach Deutschland!

US-Fernsehdemonstrationen in Berlin - Anfang August 1951

Aufsehen in Fachkreisen erregen die aus Berlin vorliegenden Meldungen, dass die beiden grossen Fernsehkonkurrenten in den USA, die RCA (Radio Corporation of America) und CBS (Columbia Broadcasting System) vom 13. bis 26. August in Westberlin Fernsehvorführungen öffentlich darbieten werden. Das CBS wird sie vom Messegelände am Funkturm verbreiten, die RCA von einer Bühne in Schöneberg. Beide arbeiten zusammen mit dem RIAS, der für die Programmgestaltung verantwortlich zeichnet. Man hört bei dieser Gelegenheit, dass dem RIAS von den zuständigen amerikanischen Stellen für diese Fernsehdemonstrationen erhebliche Beträge zur Verfügung gestellt worden sind, die ohne Zweifel nicht nur für die Sendungen im August, bestimmt sind, sondern wahrscheinlich auch die Planungen während der Deutschen Industrie-Ausstellung im Oktober einbeziehen - wenn nicht sogar noch weitere Zeitspannen.

200 Empfangsgeräte in Westberliner Schaufenstern

Die Programme werden von Empfängern aufgenommen, die an verkehrsreichen Punkten Westberlins in Schaufenstern aufgestellt werden sollen. Man spricht von über 200 Empfangsgeräten, die für diese Zwecke zur Verfügung gestellt worden sind. Weiter verlautet, dass die beiden genannten Gesellschaften je einen extra aufgebauten Fernsehsender betreiben werden, für die 38 amerikanische Ingenieure in Berlin eingetroffen sind. Es sollen Schwarz-Weiss-Programme und auch Farbfernsehsendungen mittels der neuen amerikanischen Verfahren gezeigt werden.

Man hörte bereits vor mehreren Monaten, dass amerikanische Industriekreise beabsichtigen, im August Demonstrationen in Berlin zu zeigen. Es wurde in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass sich Zuschauer auch aus den Kreisen der Besucher des ostzonalen "Weltjugendtages" einfinden würden ... Weiter verlautet, dass die Amerikaner offenbar Wert darauf legten, ihr Farbfernsehen auch ausserhalb der USA vorzuführen, und dass sie sich daraus für die Zukunft Möglichkeiten für den Geräteabsatz in Deutschland versprächen. Es wird sich zeigen, ob der Schwerpunkt dieser in vielfacher Beziehung interessanten Schau auf fernsehpolitischem oder fernsehwirtschaftlichem Gebiet liegt.

Vom RIAS Berlin betreut

Die Eröffnung dieser amerikanischen Fernsehdemonstration in Berlin im August und nicht erst anlässlich der Industrie-Ausstellung, die Zurverfügungstellung grösserer Mittel seitens offizieller amerikanischer Stellen und noch einige andere Begleitumstände lassen vermuten, dass politische Beweggründe im Vordergrund stehen, und dass das Fernsehen als Einsatzmittel in den propagandistischen Auseinandersetzungen zwischen West und Ost geprüft werden soll.

Wir haben auf solche amerikanische Absichten bereits in der ersten November-Ausgabe der "Fernseh-Informationen" (fi USA-Fernsehnetz in Deutschland?, Seite 12) hingewiesen und in der 2. Februar-Ausgabe der "Fernseh-Informationen" auf die RIAS-Initiative in einem Artikel "Berlin will Fernseh-Metropole werden" aufmerksam gemacht. Wir werden über die weitere Entwicklung dieses auch für die deutsche Fernsehgestaltung in vielfacher Hinsicht recht interessanten amerikanischen Vorstosses berichten. Nachstehend veröffentlichen wir ergänzende Ausführungen unseres Berliner Mitarbeiters.

FI-1951 / 1.August-Ausgabe - AUSLAND - ENGLAND
Drei Fernseh-Programme für eine große Ausstellung.

Europas größte Radio- und Fernsehschau in London. - Anregungen für die Deutsche Industrie-Ausstellung in Berlin
Von unserem B.K.-Mitarbeiter - London. Anfang August 1951

Das bedeutendste Ereignis der britischen Rundfunk- und Fernseh-Wirtschaft im "Festival-Jahr" ist die große nationale Radio-Aussteilung, die diesmal, nachdem sie im vorigen Jahre im Hinblick auf den damals neuen Sutton-Goldfield-Fernsehsender in Birmingham abgehalten wurde, wieder nach London zurückgefunden hat.

Weitaus stärker als jede andere europäische Ausstellung dieses Wirtschaftszweiges ist jene "show" fesselnder Mittelpunkt der internationalen Fachwelt. Man weiß, Großbritanniens Radio-Industrie ist mit 18 Millionen Pfund Sterling oder 215 Millionen DM Exportwert im Jahr einer der weitaus gewichtigsten Partner auf den Märkten der Welt.
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Englische Weltfirmen stellen aus

Vor allem die großen, auf dem ganzen Erdball bekannten Unternehmen wie die Marconi's Wireless Telegraph Company Ltd., die Mullard Electronic Products Ltd., die Electrical and Musical Industries Ltd. und die Pye Ltd. haben sich in von Jahr zu Jahr wachsendem Maße der Belieferung der gesamten Welt zugewandt. Ihre jüngsten Erfolge, die Entwicklung eines neuen sparsamen und völlig luftgekühlten Großsendertyps, für den aus Norwegen, Finnland, Dänemark und Argentinien Bestellungen einliefen, die Vervollkommnung eines vollautomatisch arbeitenden Kleinsendertyps, dessen erste Ausfertigungen nach Italien und Schweden gehen, die Installierung der gesamten Fernseh-Einrichtungen für Spanien, Kanada und Australien und schließlich der gegen schärfste amerikanische Konkurrenz durchgesetzte Aufbau der umfangreichen Fernseh-Aufnahmeanlagen des neuen New Yorker UN-Hauptquartiers sind eindringliche Beweise für die Leistungsfähigkeit einer Industrie, deren erstaunliche Anpassung an die diffizilen und differenzierten Anforderungen ihres weltweiten Abnehmerkreises der eigentliche Hauptgrund für das Vordringen ihrer Erzeugnisse ist.

Das Motto : "Britisches Radio für die Welt"

So stehen denn auch die zwölf Ausstellungstage zu Beginn des September sehr im Zeichen des Mottos "Britisches Radio für die Welt". Eine seit Wochen laufende Werbung wird aller Voraussicht nach eine große Zahl ausländischer Besucher, besonders aus Übersee, nach London führen. Für sie wie auch für die breite Öffentlichkeit des eigenen Landes haben die Verbände der britischen Rundfunk- und Fernsehindustrie, die "British Radio Equipment Manufacturers' Association", die "British Radio Valve Manufacturers' Association", die "Radio and Electronic Component Manufacturers' Federation" und die "Radio Communication and Electronic Engineering Association" sowie die BBC, das General Post Office und die Royal Air Force eine Fülle technisch, wirtschaftlich und kulturell interessanter Vorbereitungen getroffen.

Einige Einzelheiten der Messe :

Mr.R.W.Addie, der Leiter des technischen Kommittees, gab uns einige Einzelheiten aus seinem Tätigkeitsfeld bekannt. Wohl die beachtenswerteste Einrichtung wird ein Fernseh-Verteilungssystem sein, über das die Aussteller auf den Ständen und in der "Fernsehstraße" täglich von 10-22 Uhr nach freier Wahl drei Programme beziehen können: die regulären Sendungen der Londoner Station, Filmsendungen yon einem auf der Ausstellung arbeitenden Abtaster und Direkt-Programme des Ausstellungs-Fernseh-Studios der BBC.

Mehrere Studio-Fernsehprogramme für alle Aussteller

Bei dieser für den komplizierten und zumeist etwas anfälligen Ausstellungsbetrieb sehr praktischen Methode versorgt ein kleiner Sender die Verteilerverstärker so, daß ein durchschnittlicher Signalpegel von 1 Millivolt +3 Dezibel und einem unsymmetrischen Widerstand von 70Ohm bei jedem Abnehmer vorhanden ist. Die Verteilung erfolgt über Koaxialkabel, wobei durch Zurückführung der Kabel (Ringleitung) zur Kontrollanlage die Betriebsüberwachung jederzeit gesichert ist. Um Interferenzerscheinungen auszuschließen, wird man hierfür nicht den Fernsehkanal 1 des Londoner Alexandra Palace, sondern den Kanal 4 des Sutton-Coldfield-Senders mit den Trägerfrequenzen 61.75 MHz für Bild und 58.25 MHz für Ton verwenden.

Fernsehen mit beinahe Hifi-Ton

Die wichtigsten technischen Daten dieses Verteilungssystems sind folgende:

Bandbreite nicht schlechter als 2 Dezibel unterhalb von 2,5 MHz und
nicht schlechter als 4 Dezibel unterhalb von 3 MHz
Linearität bis 95% des Weiß-Wertes
Ton Modulation konstant innerhalb 3 Dezibel im Frequenzbereich
von 50 bis 7.500 Hertz
Klirrfaktor bei einem 75%igen Modulationsgrad nicht über 5% und
bei einem 85%igen Modulationsgrad nicht über 10%

Kameras, Filme und Dias

Der Steuer- und Kontrollraum des Verteilungssystems beherbergt auch den Filmabtaster, der mit einem DIA-Abtaster zur Übermittlung von Ankündigungen und Mitteilungen kombiniert ist. Für diese Sendungen; bei denen die aktuelle Fernseh-Tagesschau zweifellos die beachtetste Rolle spielen wird, kann normaler, nicht-brennbarer 35mm-Kinofilm Verwendung finden.

Wie schon gesagt, wird auch die Television Avenue, die Fernsehstraße, wieder ein wichtiger Teil der Ausstellung sein. Sie hat sich bisher als das beste Verfahren erwiesen, die Empfänger der verschiedenen Firmen unter gleichen Bedingungen und räumlich zusammengefaßt in vollem Betrieb zu zeigen und damit der Öffentlichkeit eine leichte und gerechte Beurteilung zu ermöglichen. Man will in diesem Jahre noch weiter gehen und selbst die Lichtverhältnisse so gestalten, daß sie denen der häuslichen Norm gleichen. Darüber hinaus soll auch der Tonpegel so gehalten werden, daß eine gegenseitige Beeinträchtigung oder Überschneidung unterbleibt.
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Der NWDR möge davon lernen

Die deutsche Industrie und der NWDR, der eine solche Fernsehstraße für die Berliner Industrieausstellung angeregt hat, werden sich jene Erfahrungen zunutze machen müssen.

Hier der Radio Ton mit richtigem Hifi !

Für den übrigen Teil der Ausstellung sind zwei ständige Sendedienste zur Belieferung der speziellen Vorführräume vorgesehen. Dort wird ein Koaxialkabel-Netz unter normalen häuslichen Bedingungen arbeitende Rundfunkempfänger mit Magnetband-Sendungen auf der Frequenz von 1.030kHz mit einer Konstanz von ± 150 Hertz versorgen. Seine technischen Daten:

Tonpegel bei jedem Ausgang 300 Millivolt
Frequenz-Charakteristik ± 2 Dezibel von 20 Herz bis 14 kHz
Nichtlineare Verzerrung weniger als 2% innerhalb dieses Bereichs
bis auf 90% Modulation
Störpegel mehr als 50 Dezibel unter dem 9O%igen Modulationsgrad.


Ein zweites Programm bringt für diesen Zweck ein hochwertigeres Tongemisch mit und zwar ein - auf dem gleichen Kabelnetz überlagertes hochfrequentes - Mittelwellen-Signal auf den Spezialleitungen der Post mit Musikdarbietungen ausgewählter Art.

Die gesamte Frequenz-Wiedergabe vom Eingang zu jedem Niederfrequenz-Ausgang wird innerhalb ± 3 Dezibel von 20 Hertz bis 16 kHz betragen !!

Weitere Daten:
Nichtlineare Verzerrung weniger als 1% bei jeder Frequenz zwischen 20 Hercz und 3 kHz bis zu einem Ausgangspegel von 1 Volt. Geräusch und Brumm werden bei diesem Ausgangspegel bei -50 Dezibel liegen. Auf diese interessante Weise ist jedem Aussteller die Möglichkeit gegeben, auch die Eigenschaften sehr selektiver und hochwertiger Geräte vollauf zur Geltung zu bringen.

Vom Messe-Studio muss Referenzqualität kommen

Man sieht - und möchte es bei jeder kommenden deutschen Ausstellung dieser Branche in ähnlicher Handhabung beachtet wissen -, oberstes Gebot ist die konsequente Bereitstellung einwandfreiester Empfangs- und Wiedergabebedingungen von der Darbietung bis zum Empfänger.

Nur so kann es der Industrie möglich sein, dem breiten Interessentenstrom ein genaues Bild der Arbeitsweise und -leistung ihrer Erzeugnisse zu vermitteln.

Sogar Entstörungsmaßnahmen werden getroffen

Zum ersten Male wurde jetzt in London eine Firma damit beauftragt, das gesamte Ausstellungsgelände frei von störenden Geräten zu halten bzw. vollkommene Entstörungsmaßnahmen durchzuführen. Versuche haben die Notwendigkeit bewiesen, beispielsweise Kollektormotoren völlig auszuschalten und Entladungslampen zumindest mit Sperrdrosseln zu versehen.

Earls Court, der Schauplatz der diesjährigen Radio-Ausstellung, liegt in der inneren Stadt - ein Grund mehr, auf diese Dinge peinlich genau zu achten. Man wird sich, um auch ganz sicher zu gehen, nicht einmal auf die normale Empfangsantenne verlassen und die rund 12km zwischen dem Alexandra-Palace-Fernsehsender und Earls Court mit Hilfe einer Zentimeterwellen-Richtstrahlverbindung auf 6.800 MHz überbrücken.

Mittelpunkt ist das Kontrollzentrum

"Befehlsstelle" des komplizierten Apparates und technischer Mittelpunkt für Rundfunk und Fernsehen ist das Kontrollzentrum; ein rechteckiger Raumkomplex mit dem Ansager-Studio. Was und wie alles hier vor sich geht, soll das Publikum sehen können; drei der Seitenwände bestehen daher aus Glas.

Das Tonprogramm wird dabei nach der in England heimischen Art von dem "Continuity Announcer", dem für den pausen- und reibungslosen Programmablauf verantwortlichen Sprecher vom Dienst gesteuert, dem die beiden Hauptprogramme der BBC, zwei Abspielapparaturen für Eigensendungen und zwei Mikrofon, - das eine für Gäste - zur Verfügung stehen.

Über den Glaswänden angeordnete Lautsprecherreihen werden die von hier ausgehenden Sendungen unmittelbar abstrahlen und auch die Anweisungen des Betriebspersonals wiedergeben, um bei dem Zuschauer eine Verschmelzung des visuellen und akustischen Eindrucks herbeizuführen.

Selbst das Lautsprechernetz für die Hallenbespielung zeugt von einer gewissen technischen Raffinesse, da es so in Abteilungen zergliedert wird, daß jeder einzelne Ausstellungsbereich mit der seinen Anforderungen gemässen Lautstärke bedient werden kann.

Die 18. Britische Radio- und Fernsehausstellung schürt Erwartungen

Die technischen Vorbereitungen für diese 18. Britische Radio- und Fernsehausstellung haben grosse Ausmasse angenommen; über die wirtschaftlichen Ausmasse wird noch zu berichten sein. Aller Voraussicht nach wird durch sie Europas Fernsehentwicklung, aber auch die Rundfunkarbeit, neue Impulse von Bedeutung erhalten.

FI-1951 / 2.August-Ausgabe - DEUTSCHLAND
Die kommende "Deutsche Fernseh-Strasse" in Berlin

Berlin, Ende August 1951 - Die deutsche Elektroindustrie hatte nach Bekanntgabe des Termins für die Deutsche Industrie-Ausstellung Berlin 1951 (6. bis 21.Oktober) zunächst eine gewisse Zurückhaltung gezeigte Nach dem jetzigen Meldeschluss kann jedoch festgestellt werden, dass sich sämtliche führenden Firmen Westdeutschlands und Westberlins an der Ausstellung beteiligen. Einen Mittelpunkt der Ausstellung wird das Fernsehen bilden. Das Fernsehstudio des NWDR, das auch über den modernsten Übertragungswagen verfügen wird, wird über einen am Fuss des Funkturmes aufgestellten Fernsehsender ein Programm ausstrahlen, sodass die Besucher die Möglichkeit haben werden, sich nicht nur über den Entwicklungsstand des deutschen Fernsehens "ein Bild zu machen", sondern sich auch über die Qualität der ausgestellten Empfänger zu informieren.

Die Fernseh-Empfänger sollen auf einem 100 Meter langen Stand gezeigt werden, der die Bezeichnung "Die Deutsche Fernseh-Straße" tragen wird.

FI-1951 / 1.September-Ausgabe - WIR SAHEN und HÖRTEN
Die Rundfunk-Ausstellung 1952

Wie wir hören, soll die Rundfunk-Ausstellung 1952 entweder in Düsseldorf oder in Frankfurt stattfinden. Da diese Ausstellung selbstverständlich stark im Zeichen des Fernsehens stehen wird, kommt es nicht zuletzt darauf an, ob Mitte 1952 im Düsseldorfer oder Frankfurter Bereich ein Fernseh-Sender arbeitet.

FI-1951 / 2.Sept + 1.Okt.-Ausgabe - Deutschland
Am Startplatz des Fernsehens.

Vorschau auf die Deutsche Industrie-Ausstellung 1951 - Von unserem Mitarbeiter
B.H.K. Berlin, Ende September 1951

Die größte Manifestation deutscher industrieller Kraft, die nicht in Form einer Messe ihren Ausdruck findet, erlebt in diesen Tagen den Höhepunkt ihrer Vorbereitungen: Bundeskanzler Dr. Adenauer selbst wird die "Deutsche Industrie-Ausstellung Berlin 1951", deren Schirmherr er ist, am 6. Oktober eröffnen. Die repräsentative Schau soll eine Konzentration bester Wertarbeit darstellen und in 12 Hallen und einem großen Freigelände einen Überblick über das Leistungsniveau der besonders markanten Industriezweige ermöglichen.

Internationale Aussteller

Die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich, Italien, Belgien und die Schweiz werden in eigenen Pavillons für ihre Erzeugnisse werben. Zusammenkünfte, wie der "Deutsche Weltwirtschaftstag 1951", der "5.Deutsche Betriebswirtschaftstag" und die "Kältetagung 1951" werden Wirtschaftler und Wirtschaftswissenschaftler aus dem In- und Ausland vereinen.

Es gibt auch "Käufer-Tage"

Als spezielle Käufer-Tage der bis zum 21. Oktober laufenden Ausstellung sind der 8., 12., 15. und 19. Oktober, jeweils für die Zeit von 10.00 bis 14.00 Uhr begrenzt, vorgesehen.

42.000qm Ausstellungsfläche

Etwa 35% der rd. 42.000qm umfassenden überdachten Ausstellungsfläche beansprucht allein die deutsche Elektroindustrie. Die Funkindustrie als Spezialzweig wird ihre Erzeugnisse auf einem künstlerisch ansprechenden Gemeinschaftsstand von 1.600qm Grundfläche vorstellen; es wird dies der größte und wahrscheinlich attraktivste Stand der Ausstellung sein. Ein weiterer, rd. 100m langer Stand wird als "Deutsche Fernsehstrasse" den 16 an der Fernsehproduktion beteiligten Firmen Gelegenheit geben, ihre Neuschöpfungen in vollem Betrieb zu zeigen. Hier werden 40 in "angestrengtester" Entwicklungsarbeit noch rechtzeitig fertiggestellte Geräte, zu gleichen Teilen Tisch- und Truhen-Empfänger, zu sehen sein, die die Mustertypen für die anschließend auf den Markt kommenden Apparate darstellen. Zum ersten Male werden übrigens, wenn auch nicht im Rahmen der Fernsehstraße, Heim- und Grossbild-Projektionsempfänger zur Schau gestellt.

Messeprogramm täglich von 10.00 bis 19.00 Uhr

Auf den im Durchschnitt 21 x 38cm großen Bildschirmen jener Empfänger wird man täglich von 10.00 bis 19.00 Uhr das große Demonstrationsprogramm des NWDR bewundern können. Es wird im gegenüberliegenden Hallenteil auf einer Studiobühne abrollen, die dem Publikum gleichzeitig einen Einblick in den technischen Ablauf der Sendungen vermittelt. Das Hamburger und das Berliner Versuchsteam des NWDR zeichnen für die Abwicklung verantwortlich; Berliner und westdeutsche Künstler von Rang und Namen garantieren für ansprechenden Inhalt.

Vorschau auf künftigen Programmbetrieb

Wesentlich ist, daß diese Darbietungen grundsätzliche Faktoren des künftigen Programmbetriebes berücksichtigen: Aktualität, Lokalbewusstsein, Unterhaltsamkeit, Stilgefühl und Niveau. Es wird sich dabei in Berlin zeigen, ob die Neigung des NWDR zu einer gewissen Überbetonung des "Seriösen" publikumswirksam und damit fernsehanregend ist. Alle Programme gehen vom Studio über einen am Funkturm installierten 1kW-Sender zu der in 140m Höhe auf der Turmspitze angebrachten Vierfach-Schmetterlingsantenne. Die abgestrahlte Sendung kann nun im ganzen Stadtgebiet, in dem sie auch von Geräten in Fernsehfachgeschäften übernommen wird, empfangen und über die auf den Ausstellungshallen montierten Antennen der Fernsehstraße zugeleitet werden, die das Programm aber auch durch Kabel direkt vom Sender zu beziehen vermag.

Neu : Der erste Aufnahmewagen des NWDR

Gleichfalls einbezogen werden kann der neue Aufnahmewagen des NWDR, der hinter der Bühne im Freigelände Aufstellung finden wird. Die gesamte Strahlung erfolgt auf 1,5m; Aufnahmen aus der Stadt gehen per Kabel oder drahtlos zum Vorführungsgelände, sollen in der Hauptsache aber unter Zuhilfenahme von Fernsehfilmkameras durchgeführt werden.

Ein aussergewöhnlicher Vierfach-Schmetterling auf dem Funkturm

Ein Wort noch zum schon erwähnten Vierfach-Schmetterling: Diese Antennenkonstruktion ist die erste ihrer Art in Deutschland und wurde von Telefunken gebaut. Sie ermöglicht die gleichzeitige Abstrahlung des Fernsehprogramms für Bild und Ton, des UKW-Programms und des Polizei-Sprechfunks. Die 20 Zentner schwere und 10m hohe Antenne wurde unter großen Schwierigkeiten auf die Spitze des Berliner Funkturms gehievt und wurde eigens für diese Luftreise mit 35.000 DM versichert.

Die Bundespost sendet auch

Einen gewichtigen Anteil am deutschen Fernsehstart in Berlin nimmt die Bundespost ein. Sie stellt nicht nur den von Siemens & Halske gebauten und vom NWDR benutzten 1kW- Bild- und 250 Watt- Tonsender, der im Kanal 4 des Bandes 174 - 216 MHz arbeiten wird. Sie überrascht auch mit einem eigenen Programm, das über eine Richt-Verbindung im Kanal 1 dem auf dem Poststand aufgestellten Relaisempfänger zugeleitet und weiter auf die Fernsehstraße bzw. den Funkturmsender gegeben werden kann.

Als Sendestation dient der soeben auf 1kW verstärkte Post-Fernsehsender in Berlin-Tempelhof, dessen Strahler wie auch die Empfangsantenne auf dem Ausstellungsgelände aus achtfach bündelnden Dipol-Antennen bestehen. Diese Ballempfangsantenne ist daneben im Stande, etwaige Sendungen des NWDR-Übertragungswagens mit seiner 40 Watt- Station aufzunehmen und dem Hauptsender, der Fernsehstraße oder dem Relaisempfänger zuzuführen.

Der Anspruch ist hoch

Die technischen Experten der Industrie, der Post und des NWDR sind in diesen Tagen dabei, noch einmal alle Voraussetzungen für einwandfreie Sende- und Empfangsbedingungen zu überprüfen. Sie wissen: der "Start des deutschen Publikums-Fernsehens" wird vor einer erwartungsvollen, aber kritischen Öffentlichkeit erfolgen. Von seinem Gelingen hängt es weitgehend ab, ob ein wirtschaftlicher Effekt rasch und auf solider Basis erzielt werden kann.

Was geschieht nach der Industrie-Ausstellung?

Der NWDR hört es nicht gern, wenn seine Fernsehdemonstrationen anläßlich der Berliner Industrie-Ausstellung als "Start des deutschen Publikumsfernsehens" bezeichnet werden. Er möchte mit diesen Vorführungen nur eine Leistungsschau des gegenwärtigen Standes der deutschen Programmgestaltung und der Fernsehtechnik ermöglichen. Nach der Industrie-Ausstellung will der NWDR bis auf weiteres seine Versuchssendungen fortsetzen und weiter experimentieren.

Für die Industrie, die Erfahrungen mit ihren Empfangsapparaten sammeln will, werden Hamburg und Berlin regelmäßig Probesendungen bringen. Wenn auch die Industrie, schon mit Rücksicht auf ihr Rundfunkgeräte- Weihnachtsgeschäft, zumindest bis Jahresende in der Werbung für das Fernsehgeschäft sehr kurz tritt und vorerst in Berlin nur einmal die Marktmöglichkeiten abtasten möchte, so liegt doch darin, daß nach der Industrie-Ausstellung ein Vakuum von der Sendeseite her eintritt, eine gewisse Marktgefahr.

Dem Publikum Appetit machen

Dem Publikum wird durch die großen Fernsehdemonstrationen in Berlin "Appetit" gemacht, aber die "Tafel" bleibt ihm auch noch weiter versagt. Wenn erst im nächsten Jahr, und dann auch noch zu einem unbestimmten Zeitpunkt mit einem regelmäßigen Programmdienst zu rechnen ist, dann werden die Käufer der ersten kleinen FS-Empfänger-Serien an ihrem Erwerb nicht die Freude haben, die im Interesse der Fernsehentwicklung wünschenswert wäre.

Die durch das "Sendevakuum" auftretenden Käuferhemmungen können auch leicht zu einer Fehleinschätzung des wirklichen Aufnahmewillens für Fernsehgeräte seitens der Industrie und des Handels führen und auch einen, nicht unbedenklichen, psychologischen Rückschlag begünstigen. Zumindest sollte der NWDR nach der Industrie-Ausstellung seine bisherigen Versuchssendungen sehr erheblich ausgestalten und gegebenenfalls eine solche Absicht auch bekanntgeben.

Nun, vielleicht springt (der) RIAS in das drohende Sendevakuum ein. Obzwar über die RIAS-Pläne noch nichts Konkretes bekannt ist, verlautet doch, daß RIAS Fernsehbeschlüsse nach Abschluß der Industrie-Ausstellung fassen dürfte.

FI-1951 / 2.Sept + 1.Okt.-Ausgabe -
WIR SAHEN und HÖRTEN - Messe Berlin

Bundeskanzler Dr. Adenauer wird die Deutsche Industrie-Ausstellung 1952, deren Schirmherrschaft er übernommen hat, am 6. Oktober eröffnen.

Das Fernsehprogramm des NWDR während der Deutschen Industrie-Ausstellung wird mit einer Direktübertragung der Einweihungsfeierlichkeiten dieser Schau der deutschen Industrieerzeugnisse eingeleitet. In der Halle 1 West des Messegeländes am Funkturm, in der der NWDR auf einer Bühhe einen Querschnitt durch ein Fernsehstudio bringt, werden während der Dauer der Ausstellung Fernsehspiele mit dem Hamburger Fernsehensemble gezeigt.

Eine Vorschau auf das Gesamtprogramm der Fernsehsendungen des NWDR im Rahmen der Industrie-Ausstellung haben wir bereits in der 1. September-Ausgabe unter dem Titel "Jetzt wieder deutsches Fernsehen in Berlin - NWDR sendet achtstündiges Programm" veröffentlicht.

Ein Funk-Denkspiel für Schnelldenker

Ein Funk-Denkspiel des NWDR "Einer wird glücklich" wird während der Ausstellungsdauer jeden Tag gesendet werden. Für dieses Schnelldenker-Turnier werden 5 Besucher der Ausstellung nach Eintrittskarten für die Teilnahme ausgelost. Die Sieger des Turniers sollen als Prämien Rundfunkgeräte und der Sieger des Endturniers ein Fernsehgerät gewinnen können.

NWDR Sommergarten 1951

Auf der Bühne im Sommergarten am Funkturm werden vom NWDR Kabarett-Sendungen aufgenommen, für die bis jetzt u.a. folgende Künstler ihre Mitwirkung zugesagt haben: Max Hansen, Theo Lingen, der Xylophonist Kurt Engel, Bruce Low und Hans Lorenz.

Die Fernsehempfänger bauende Industrie Westberlins und Westdeutschland zeigt ihre neuen produktionsreifen Geräte in der Halle 1 Ost auf einem 100m langen Stand, der die Bezeichnung "Deutsche Fernsehstrasse" führt.

Ein am Fusse des Funkturms aufgestellter Bildsender überträgt das Fernsehprogramm des NWDR auf die Fernsehempfänger, sodass den Ausstellungsbesuchern die Möglichkeit geboten wird, sich über den Entwicklungsstand des deutschen Fernsehens und die Qualität der ausgestellten Fernsehempfänger zu informieren.

Der Berliner Funkturm wurde um 10m erhöht. Mit der Montage einer Bild-Ton-Antenne wurde er nun wieder zum wirklichen Funkturm. Mit dieser Fernseh-Antenne, der ersten ihrer Art in Deutschland, will der NWDR Berlin seine künftigen Fernsehprogramme und Kurzwellensendungen ausstrahlen. Die Antenne wird zunächst zur Ausstrahlung des Sonder-Fernsehprogramms des NWDR während der Deutschen Industrie-Ausstellung benutzt werden.

Der RIAS beteiligt sich nicht an der Messe

RIAS Berlin, der die Fernseh-Programme für die amerikanischen Fernsehdemonstrationen in Berlin gestaltet hat, teilt uns mit, dass seitens des RIAS keine Absicht besteht, sich an den deutschen Fernsehvorführungen während der Industrie-Ausstellung in Berlin in irgend einer Form zu beteiligen. Über die zukünftigen Fernsehpläne von RIAS können im Augenblick noch keine detaillierten Angaben gemacht werden, da noch nicht feststehe, wann und in welchem Umfange der RIAS seine Fernseharbeit aufnehmen wird. Sobald hierüber Beschlüsse vorliegen, werden die Fernseh-Informationen ausführliche Mitteilungen machen.

Es liegt im Bereich der Möglichkeit, dass RIAS zunächst für die Wintermonate ein regelmässiges Fernsehprogramm ausstrahlt und dadurch das Sendevakuum ausfüllt, das nach der Industrieausstellung entsteht, weil der NWDR noch bis auf weiteres bei Versuchssendungen bleiben will. Für diesen Fall würden vermutlich die RCA-Apparaturen, die in Berlin verblieben sind, eingesetzt werden.

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