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aus der FUNK-TECHNIK Nr. 10/1948 (2. Mai Heft)
Das Editorial

Nr. 10/1948 - 3. JAHRGANG

Anmerkung der Redaktion: Es geht hier nur um die damals weit verbreitete Mittelwelle sowie die Kurzwelle. Die Nutzung von UKW, also die Ultrakurzwelle, enstammte ja dem Entzug der alten deutschen Sendefrequenzen, der Wellen. - Was viele ahnten, aber keiner publizieren durfte, das war die kommende Währungsreform von RM zu DM in wenigen Wochen. (Sie kam am 20. Juni 1948.) Dem Max Grundig sagte man später nach, er hätte es im Bauch gehabt (oder einen Tip bekommen) , daß die schwache nahezu wertlose Reichsmark abgelöst würde. Das nachfolgende rethorische Rumgeplänkel (also das Editorial) war darum sicher nur ein Lückenfüller vor der sehr einschneidenden aber positiven Veränderung der wirtschaftlichen Lage in den drei deutschen Westsektoren.

1948 - Über die Sendefrquenzen in Europa
Wellenchaos im Äthermeer

von GUSTAV BÜSCHER - FT Nr. 10 / 1948 - 3. JAHRGANG

Der Krieg hat zu einem Wellendurcheinander geführt, das nicht mehr tragbar ist. Qualitativ einwandfreier Fernempfang ist praktisch kaum mehr möglich. Nicht nur, daß verhältnismäßig viele neue Sender aufgetaucht sind, die sich ohne Rücksicht auf die in Luzern, Kairo und Montreux festgelegten Normen zwischen die bestehenden eingeschoben haben, auch starke Abweichungen von der Sollfrequenz, Überschreitungen der Kanalbreiten, unkontrollierte Erhöhungen der Sendestärken stören Ordnung und Empfang.

Ohne Rücksicht auf Nachbarvölker und ihre abgegrenzten Rechte entstanden im Krieg neue Stationen mit Propagandaaufgaben und andere, die als Störsender Propaganda unterbinden sollten.

Im Jahre 1942 gab es in Deutschland auf staatseigenem Boden 22 Sender, während 36 mit nicht geringer Stärke in den von den deutschen Truppen besetzten Gebieten in Betrieb waren.

In den letzten Kriegsmonaten verschoben sich die Verhältnisse; einerseits sank die Zahl der deutschen Stationen auf 7 eigengebietliche und 23 Soldatensender herab, andererseits jedoch wurden die verlorengegangenen Stationen von den Siegermächten übernommen, so daß keine Lücken in den Wellenbändern entstanden; im Gegenteil, noch mehr Sendestellen kamen hinzu.

Nach dem Waffenstillstand arbeiteten fast alle „Neuen" weiter. So strahlen in Europa heute - außerhalb des Luzerner Planes - etwa 120 zivile und 28 Besatzungssender ihre Wellen aus.

Während nach den internationalen Vereinbarungen für den Mittelwellenbereich Kanalbreiten von 9 Kilohertz (kHz) vorgesehen waren, durch die verhältnismäßig gute Empfangsverhältnisse gewährleistet blieben, betragen sie heute im Durchschnitt nur etwas über 7 kHz. Praktisch heißt das, daß nur die Ortssender qualitativ gut aufgenommen und wiedergegeben werden können, während die Empfangsgüte ferner Sender lediglich bei besonders günstigen Abstandsverhältnissen als zufriedenstellend empfunden wird.

Während die Sender früher sehr darauf achteten, daß ihre Wellen, d. h. ihre Frequenzen, eingehalten wurden, zeigen sich heute bedauerliche Abweichungen von den festgelegten Werten, für die maximale Toleranzen von ± 20Hz gerade eben noch tragbar wären.

Am schlimmsten sieht es hier bei den spanischen Sendern aus: Saragossa (859 kHz) z. B. weicht mehr als +3.500Hz von der normalen Frequenz ab; Barcelona (1095kHz) und San Sebastian (1059kHz) zeigen Differenzen von +3.000Hz und mehr; Radio Nat. Espana (1.515kHz) differiert um rund -1.100Hz!

Die stärksten Frequenzabweichungen zeigen allerdings im Gegensatz zu den übrigen deutschen Sendern Schwerin mit über +4kHz und Dresden mit rund -1,8kHz Verschiebung gegen die Sollfrequenz! Eine ausgezeichnete und lobenswerte Konstanz ist bei allen englischen Sendern zu beobachten. Auch die schweizerischen Stationen halten ihre Wellen recht gut ein, mit Ausnahme von Monte Ceneri, die eine Frequenzverschiebung von etwas über 200Hz zeigt. Die von den Amerikanern in Europa betriebenen Radiostrahler sind im allgemeinen frequenzkonstant.

Starke Abweichungen von der Sollfrequenz wurden bei Pilsen mit +800Hz, bei Laibach mit -430Hz, bei Palermo mit rund -750Hz, bei Grenoble mit rd. 600Hz, bei Turin mit etwa -300Hz, bei Linz mit -350Hz, bei Bologna mit +560Hz, bei Mährisch Ostrau mit +370Hz, bei Warschau mit +490Hz und bei Courtrai mit +450Hz gemessen, um nur einige der weiteren Verkehrssünder auf den Ätherbahnen zu nennen.

Auf dem Langwellengebiet, für deren Sender nach dem Luzerner Plan eine Kanalbreite von durchschnittlich 8 kHz festgelegt wurde, stehen jetzt nur etwa 5 kHz zur Verfügung,viel zu wenig für eine klanglich gute Wiedergabe der Darbietungen.

Im Kurzwellenbereich liegen die Verhältnisse anders; hier fehlten schon früher internationale Einzelvereinbarungen, sodann ist das Kurzwellenproblem kein europäisches Problem, sondern eine Weltfrage, womit keineswegs gesagt sein soll, daß in Bezug auf die Kurzwellenbänder darauf verzichtet werden könnte, bindende Abmachungen zwischen den Staaten aller Kontinente zu treffen.

Seit den Luzerner Besprechungen hat sich die Zahl der Kurzwellensender rund verdreifacht, die gesamte Sendestärke sogar verdreizehnfacht. Man sieht: auch hier bedarf es einer neuen Ordnung.

Allgemein gesehen ergibt sich folgendes Bild: Während der Luzerner Plan von 1934 die Zahl der Sender mit Leistungen über 100kW auf 18 beschränkte, gab es 1947 deren 93. Wurden damals 85 Sender mit über 10kW Leistung zugelassen, so gibt es deren heute 189!

In Luzern wurde bestimmt, daß 59 Wellen mehrfach belegt werden dürfen, heute werden 103 verschiedene Wellen von mehr als einem Sender benutzt. - 1934 betrug die Gesamt-,,Stärke" - immer nach den Vereinbarungen aus dem gleichen Jahre - rund 4.550kW, heute wird eine Gesamtleistung von 15.660kW in den Äther ausgestrahlt.

Immerhin sieht es so aus, als sei eine Besserung zu erwarten; eine internationale Wellenkonferenz steht bevor.

  • Anmerkung: Es ist eine (Nachkriegs-) Wellen-Konferenz in Kopenhagen geplant.


Ferner soll das „Centre de Controle" in Brüssel, die früher schon tätige „Wellenpolizei", mit erweiterten Vollmachten bestätigt werden, um ihrer Aufgabe, der Überwachung von Frequenz, Toleranz, Stärke und Aussteuerung gerecht zu werden. Eine überstaatliche Kontrolle und Lenkung kommt dem Radiohörer zugute, denn auch die gütemäßig immer besser werdenden Empfangsgeräte können nur dann befriedigen, wenn Ordnung im Äther herrscht. Was nützen die besten Ohren - um mit einem drastischen Vergleich zu schließen -, wenn in einem Konzert drei Solisten drei verschiedene Darbietungen zu gleicher Zeit hören lassen.

Das war also das Editorial von Ende Mai 1948, wenige Tage vor der Währungsreform, einem der wenigen Glanzstücke amerikanischer Planung.


ELEKTRO-UND RADIOWIRTSCHAFT
FT 10/1948 - LONDONER BRIEF

von FR. WILLY FRERK

In London eine Wohnung zu finden ist ein solches Glück, daß man gern alle möglichen Unannehmlichkeiten mit in Kauf nimmt, deretwegen man im Normalfalle gern auf die ganze Wohnung verzichten würde. Radiofreunde und Bastler werden dabei häufig vor Probleme gestellt, die alles andere als angenehm sind. Es gibt z. B. in der großen Stadt London noch eine ganze Menge von Häusern, in denen elektrisches Licht unbekannt ist und man sich mit Gas begnügt. Muß man eine solche Wohnung nehmen, dann muß der Radiofreund wohl oder übel zum Batterie-Empfänger zurückkehren. Aber auch in Häusern mit elektrischem Strom erlebt man allerlei Überraschungen. Ich lebe an einem mittelgroßen Platze im Herzen Londons. Die Häuser an der Nord- und Westseite haben Wechselstrom 240 Volt, diejenigen an der Ostseite Gleichstrom 115 Volt und auf meiner Südseite muß ich mich mit Gleichstrom 200 Volt begnügen.

Wenn nun auch ein Universal-Empfänger diesem Kummer abhilft, so weiß man doch, was dabei herauskommt, wenn man nur 115 oder 200 Volt Gleichstrom zur Verfügung hat. Glücklicherweise sind jedoch die englischen Röhrenkataloge recht reichhaltig, und wenn man sie ein wenig aufmerksam studiert, dann findet man Universalröhren, die mit 110 bis 185 Volt völlig ausgesteuert werden können.

Nur mal ein Grammofon anschaffen . . .

Als daher bei mir der Entschluß reifte, ein Grammofon anzuschaffen, wurde der Verstärkerfrage erhöhte Aufmerksamkeit zugewendet. Widerstandsverstärkung gibt bei 200 Volt Gleichstrom nicht viel her, Transformatorenverstärkung ist wegen der Verzerrungen nicht sehr
beliebt, „so what", wie der Amerikaner sagt.

Dabei fiel mir die sogenannte „Parallel fed transformer"- Kopplung ein, die in England in Universalgeräten viel benutzt wird. Den Transformator durchfließt dabei kein Gleichstrom in den Primärwindungen, so daß der Transformator an seinem für gute Tonqualität wirksamsten Punkte arbeitet.

Anstatt durch die Primärwindungen fließt der Anodenstrom durch einen Widerstand, und es wird ihm der Weg über den Transformator durch einen Blockkondensator gesperrt, der andererseits die Signale durchläßt. Das Wichtige bei dieser Schaltung ist, daß die Verstärkereigenschaft des Transformators voll ausgenutzt wird, ohne daß man die Verzerrungen mit in Kauf nehmen muß.

Da einige Hochfrequenzpentoden vorhanden waren, die ausgenutzt werden sollten, so entwickelte sich daraus allmählich der nachstehend im Schaltbild wiedergegebene Verstärker mit 10 Watt Ausgangsleistung. Die etwas ungewöhnliche Eingangsschaltung für ein sehr empfindliches Magnet-Pickup, die als Tonkontrolle wirkt, ist amerikanischen Ursprungs. Die zweite Pentode ist als Triode geschaltet. Es ist ratsam, verschiedene Werte des Kondensators C auszuprobieren, da dieser manchmal mit der Primärseite des Transformators in Resonanz ist, besonders bei tiefen Frequenzen, und dadurch die Baßtöne verbessert. Der Wert liegt zwischen 0,01uF und 0,1uF und ist durch Versuche festzustellen.

Was machen die Engländer besser als wir . . . .

Die in Nr. 23 der FUNK-TECHNIK abgebildeten englischen Radiogeräte sind sämtlich in erster Linie für den Export bestimmt und daher auf internationalen Geschmack zugeschnitten. Das gilt besonders für die Einstellskalen. In England selbst kommt man dagegen immer mehr von allen Fantasieskalen ab und ist zur großen, halbkreisförmigen Skala zurückgekehrt, die allerdings besonders ausgeführt ist.

Zunächst fällt ihre Größe auf. Ein Radius von 12... 15 cm ist durchaus keine Seltenheit. Der äußerste Halbkreis wird von einer Gradeinteilung eingenommen, die für 100 oder 180 Grad eingerichtet ist. Jeder einzelne Grad ist nochmals unterteilt und der Zeiger ist messerscharf und auf jeden Strich genau einzustellen. Auf dem nächstkleineren Halbkreis findet man die Welleneinteilung des kürzesten Wellenbandes, etwa 12... 35m, dann folgt das nächste Wellenband 30 ... 90m, darauf die Mittelwelle mit Stationsbezeichnung und endlich die Langwelle, ebenfalls mit Stationsbezeichnung. Diese Skala ermöglicht ein haargenaues Einstellen der Kurzwellen auf einen Teilstrich der Gradeinteilung, ein bequemes Einstellen auf die Stationen der ohnehin übervölkerten Mittelwelle und der Langwelle.

Kondensatorwelle und Zeiger werden durch Feineinstellung - Zahnrad- oder Schnurübertragung - bewegt. Da gerade von der übervölkerten Mittelwelle die Rede ist, mag es vielleicht für Deutschland von Interesse sein, wie der Empfang der deutschen Sender in England ist.

München und Hamburg kommen auf allen Wellen einwandfrei gut herein, obwohl Hamburg manchmal etwas von London überlagert wird. Stuttgart auf Welle 522,6m kommt den ganzen Tag über sehr gut über den Äther, aber Leipzig auf 426,1m stört den ganzen Wellenabschnitt von 415,5m ab und wird von Hilversum völlig übertönt.

Bei Dunkelheit liefern sich diese beiden Sender einen Konkurrenzkampf in Lautstärke, der alles andere als schön ist. Leipzig auf 382,2m und Berlin auf 356,7m sind beide durch einen hartnäckigen Funksender gestört, der weder Tag noch Nacht verschwindet.

Koblenz auf 291m ist neuerdings recht gut hörbar, ebenso Frankfurt auf 251,6m. Verschiedene andere deutsche Sender wie Magdeburg, Weimar, Flensburg sind nur dann und wann zu empfangen.

Einfach nur die Station ansagen . . . .

Leider haben sich die deutschen Ansager und Ansagerinnen verschiedene Untugenden immer noch nicht abgewöhnt. „Wir bringen Ihnen jetzt..."' ist die schlimmste von allen. „Wir", was heißt „wir" ? Auslands- und Inlandshörer wollen wissen: „Wer?" Also warum nicht: „Radio Hamburg bringt Ihnen ..., Radio Berlin sendet jetzt.. ." usw. bei jeder Ansage. Der Sender Berlin hat, es kürzlich fertiggebracht, einmal, ein einziges Mal in 1 1/2 Stunden, zu verraten, wer er ist. Ein amerikanisches Gesetz schreibt vor, daß Radiostationen alle Viertelstunde ihren Namen angeben müssen.

Dann ist da, was der Engländer „swoonen", der Deutsche „sentimentales Geschmuse" nennt. Hören Sie sich an, wenn die Damen des Rundfunks einen ganz normalen Walzer ansagen. Wie sagt der Berliner: „Mensch, det mußte beijewohnt haben!"

Und schließlich die Sportberichterstattung. Der Bericht des deutschen Ansagers über den Schmeling-Boxkampf in Hamburg war voreingenommen und verdeckte die tatsächlichen Vorgänge mit einem Schwall von nichtssagenden Worten. „Da geht der alte Meister wieder zum Angriff über, er wartet nur auf den Augenblick, "wo" (oh weh) er seine tödliche Rechte anbringen kann." Zu gleicher Zeit sagte der amerikanische Ansager, der den Kampf sehr genau schilderte: „Max is attacking, but he's definitely flat-footed, in his age he lacks the speed."

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