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aus der FUNK-TECHNIK Nr. 08/1948 (2. April Heft)
Das Editorial

Nr. 08/1948 - 3. JAHRGANG

Die Elektrotechnik als Schlüsselindustrie

Man kann hundert Kilogramm Eisen und Kupfer handwerklich zu Kochtöpfen und anderen Gebrauchsartikeln verarbeiten, man kann sie aber auch zur Herstellung von Elektromotoren und anderen elektrischen Apparaten verwenden und dadurch einen wesentlich größeren Nutzeffekt erzielen.

In der ersten Zeit der Not nach dem Zusammenbruch hat man vielfach den ersten Weg bevorzugt und damit einen gewiß dringenden Bedarf befriedigt, allmählich aber wird man sich darauf besinnen müssen, daß eine gute elektrotechnische Ausrüstung die wichtigste Voraussetzung für die Leistungen der Industrie, des Gewerbes und des Handwerks ist.

Die Elektrotechnik ist geradezu der Schlüssel, um mehr Gebrauchsgüter zu schaffen, angefangen von der Förderung der Urstoffe bis zu ihrer vielstufigen Verarbeitung zu allem, was der Mensch braucht, um Wohnung, Kleidung und Nahrung als die wichtigsten Grundbedürfnisse zu erhalten.

Alles geht mit Strom, ohne Strom geht nichts.

Der elektrische Strom liefert ja die für alle Fertigungsvorgänge notwendige Antriebskraft in geradezu idealer Form, er gibt das Licht zur Arbeit und Erholung, er erzeugt die vielfach unentbehrliche Wärmeenergie und stellt in elektrochemischen Vorgängen sein zwar geheimnisvolles, aber doch technisch beherrschtes Wirken zur Verfügung. Er hat die meisten anderen Energieformen weit hinter sich gelassen, was nicht zuletzt der intensiven Entwicklungsarbeit der elektrotechnischen Industrie zu verdanken ist.

Ein wesentlicher Teil der industriellen und gewerblichen Ausrüstung bedarf gegenwärtig der Instandsetzung und Erneuerung, die sich nicht zuletzt auch auf den elektrischen Teil zu erstrecken hat. Groß ist insbesondere der Bedarf an neuen elektrischen Energiequellen in Gestalt von Kraftwerken für Brennstoff- und Wasserkraftbetrieb. Bisher ist man über die Planung noch nicht hinausgekommen, jedoch wird die baldige Verwirklichung der Pläne immer dringlicher.

Material, Werkzeugmaschinen und Fachkräfte

Voraussetzung ist die Beschaffung von Material und Werkzeugmaschinen sowie das Vorhandensein von Fachkräften in den elektrotechnischen Fabriken, die bei einer notwendigen Rationierung auf einem oder mehreren dieser Gebiete unbedingt bevorzugt werden müßten. Das gilt natürlich nicht nur für die Großbetriebe, welche die Maschinen, Transformatoren, Schaltanlagen usw. erstellen, sondern auch für die vielen Zulieferanten des Gebietes, zu denen kleine und mittlere Unternehmen gehören.

Was ihnen zur Verfügung gestellt wird, wirkt sich in einer Belebung der gesamten Wirtschaft aus, wenn darüber natürlich auch eine gewisse Zeit vergehen wird. Je eher wieder der elektrische Strom in ausreichendem Umfang vorhanden ist, desto früher werden die angeschlossenen Betriebe ihre frühere Leistungsfähigkeit erreichen können. Unter den Einwirkungen des Krieges und seiner Folgen haben besonders die Ausrüstungen der Berg- und Hüttenwerke gelitten, weil sie jahrelang im Dauerbetrieb standen, ohne zweckmäßig instand gehalten zu werden. Ihre Reparatur und Erneuerung ist eine wichtige Voraussetzung dafür, daß die Kohlenförderung steigen und die Eisen- und Stahlerzeugung die zugestandene Menge erreichen kann.

Mindestens 50 Millionen Mark an die Ruhr

Der Erneuerungsbedarf des Bergbaus an der Ruhr und im Aachener Revier auf elektrotechnischem Gebiet wird auf mindestens 50 Millionen Mark geschätzt, von denen etwa ein Fünftel auf Rohmaterial entfällt. Ähnliche Verhältnisse liegen im Braunkohlentagebau vor, der zunächst noch in steigendem Maße herangezogen werden muß, um den Energiebedarf zu decken.

In der Hüttenindustrie überwiegen vorläufig die Demontagen. Da diese jedoch gewöhnlich die leistungsfähigsten Anlagenteile umfassen, müssen die verbleibenden auf einen entsprechenden Leistungsstand gebracht werden. Dabei fallen auch der Elektrotechnik zahlreiche Aufgaben zu, wie es die Lieferung von Walzenzugmotoren und Hilfsantrieben ist. Früher oder später wird man auch wieder nach der Demontage des vorhandenen zum Bau eines kontinuierlichen Breitband-Walzwerkes schreiten müssen, da man mit seiner Hilfe Bleche am wirtschaftlichsten herstellen kann. Das würde den Bau von Gleichrichtern und Steuervorrichtungen sowie entsprechenden Walzmotoren bedingen. Der verbliebene Bestand an elektrischen Schmelzöfen reicht nicht aus, um den Bedarf an hochwertigem Stahl zu decken, so daß neue Lichtbogen- und Hochfrequenzöfen beschafft werden müssen.

Für die Elektrotechnik wieder bedeutende Aufgaben

Daraus erwachsen der Elektrotechnik wieder bedeutende Aufgaben, indem sie die neueren Erkenntnisse und Erfahrungen des Gebietes zu verwirklichen Gelegenheit haben wird. Auch elektrische Vergütungsöfen zum Härten, Tempern und Anlassen müssen neu gebaut werden, um den Bedarf der Maschinenfabriken decken zu können. Daraus ergeben sich auch umfangreiche Aufgaben für die Spezialbetriebe zur Herstellung von Meßinstrumenten und Reglern. Um die Anwendung der Wärmewirkungen des elektrischen Stromes handelt es sich endlich auch beim Schweißen. Der Bedarf an Schweißumformern und Schweißtransformatoren für die Reparaturbetriebe ist bedeutend und erfordert viel Material, da es sich um schwere, vielfach überlastbare Einrichtungen handelt.

Ein großer Teil des Bedarfs an Elektromotoren für normale Antriebsaufgaben kann in verhältnismäßig einfacher Weise durch Kurzschlußläufer gedeckt werden, deren Herstellung keine großen Schwierigkeiten bereitet und deswegen bereits wieder in Gang gekommen ist. Damit die Stückzahl jedoch so weit gesteigert werden kann, daß der dringende Bedarf zu befriedigen ist, müssen Bleche, Drähte, Isoliermaterial und Gußteile in noch größerem Ausmaße verfügbar sein. Es läßt sich ohne weiteres vertreten, daß die Rohstoffe hierfür in erster Linie der Elektroindustrie zur Verfügung gestellt werden, da sie auf alle anderen Gebiete belebend wirkt. Dazu gehört insbesondere die Landwirtschaft, die Elektromotoren an zahlreichen Stellen gebraucht. Gewerbe und Handwerk haben natürlich auch bedeutenden Bedarf an Elektromotoren und können nur dann wirtschaftlich arbeiten, wenn sie diese in ausreichendem Maße haben.

Ab jetzt auf den Nutzen achten

Bisher hat sich die elektrotechnische Fertigung hauptsächlich solcher Teile angenommen, die verhältnismäßig einfach und oft rein handwerksmäßig hergestellt werden können. Auch sie sind nötig, aber damit die Elektrotechnik ihren belebenden Einfluß in der gesamten Wirtschaft geltend machen kann, wird sie mehr und mehr sich auf die Zweige stützen müssen, die der Herstellung von Hilfsmitteln für die Produktion dienen. Es ist wesentlich schwieriger, diese oft komplizierten und langwierigen Fabrikationen in Gang zu bringen, dafür ist aber ihr Nutzen auf die Dauer wesentlich größer.

G. H. N.

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