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aus der FUNK-TECHNIK Nr. 03/1948 (1. Feb. Heft)
Das Editorial

Nr. 03/1948 - 3. JAHRGANG

Querschnitt durch die deutsche Energiewirtschaft
(mit Zusammenfassung der damals bekannten Daten)

Erst 1942 tauchten die ersten Anzeichen dafür auf, daß die so gut fundierte deutsche Energiewirtschaft den Anforderungen nicht mehr voll entsprechen konnte. Bis dahin war sie ohne größere Neubauten in der Lage gewesen, den durch die Kriegsvorbereitungen und durch die ständige Erweiterung der Stromverwendung in der Industrie bedeutend gestiegenen Stromverbrauch zu decken. Das war einmal darin begründet, daß die Werke mit vernünftigen Reserven betrieben, also nicht voll belastet gefahren wurden. Zum anderen sorgte dafür eine weitgetriebene Verbundwirtschaft, die einen Ausgleich zwischen den verschiedenen Energiezentren bewirkte.

Auch mit dem Ausland bestand ein gewisser Stromaustausch, indem die Schweiz im Sommer Wasserstrom lieferte und dafür im Winter Kohlenstrom entnahm. Die Großstädte hatten dazu noch eigene Wärmekraftwerke, die ihren Brennstoff per Schiene oder Flußkahn erhielten.

Berlin konnte sich auf seine beiden Großkraftwerke Klingenberg und West stützen und bekam dazu noch den erst jetzt viel besprochenen Fernstrom auf mehreren Wegen aus den Braunkohlenfeldern Mitteldeutschlands sowie aus dem mit oberschlesischer Steinkohle betriebenen Kraftwerk Finkenheerd bei Frankfurt/Oder.

Damals auf einem hohen Stand

Bei dem hohen Stand der deutschen Elektro-Industrie war es selbstverständlich, daß die Anlagen jederzeit auf der Höhe waren. Es gab praktisch keine unvorhergesehenen Ausfälle von Maschinen oder Leitungen, das Nachrichtenwesen in den Netzen war so gut ausgebaut, daß bei Störungen rechtzeitig umgeschaltet werden konnte.

Auch noch in anderer Hinsicht genügte die deutsche Energiewirtschaft ganz neuzeitlichen Forderungen: sie war insofern sozialisiert, als der überwiegende Teil der Kraftwerke der öffentlichen Hand, also den Städten, den Ländern oder dem Reich jeweils allein oder „gemischtwirtschaftlich" gehörten.

Der von den öffentlichen Kraftwerken Deutschlands gelieferte Strom wurde zu rund 48% aus Braunkohle, zu 32% aus Steinkohle und zu 20% aus Wasserkraft erzeugt. Im Jahre 1937 waren das zusammen 27,4 Milliarden Kilowattstunden (kWh). In den Eigenanlagen der Industrie wurden 21,6 Milliarden kWh gewonnen, die in ähnlicher Zusammensetzung entstanden, nur daß der Anteil der Wasserkraft geringer war.

Die Gegenwart und die Zukunfti

Für die gegenwärtige und zukünftige Gestaltung der Energiewirtschaft ist nun wichtig, daß sich an dieser Aufteilung im großen und ganzen nichts ändern läßt. Insbesondere wird es nicht möglich sein, den Anteil der Wasserkraft wesentlich zu steigern. Eine Steigerung der Stromerzeugung, auf die alle warten, hängt also unmittelbar von der Steigerung der Kohlenförderung ab.

Überhaupt muß man sich vor einer Überschätzung der Wasserkraft hüten. Der vergangene Sommer hat erschreckend deutlich gezeigt, daß sie recht unbeständig sein kann und beim Fehlen von Niederschlägen zusammenbricht. Zur Wasserkraft gehören immer Dampfkraftwerke als Ergänzung, wobei es in Zeiten mit normalem Handelsverkehr natürlich gleichgültig ist, ob sie diesseits oder jenseits der Grenzen liegen. Während des Krieges wurde die Energieerzeugung in Deutschland bis nahe an 70 Milliarden kWh gesteigert, und zwar, wie schon bemerkt, ohne wesentliche Erweiterungen oder Neubauten von Kraftwerken. Die Steigerung wurde ausschließlich durch eine Erhöhung der Betriebsstundenzahl erreicht, die nämlich von 3.000 Stunden jährlich auf fast 5.000 stieg.

Am Rande des Zusammenbruchs

Das ist einer der Gründe, warum viele Kraftwerke jetzt sozusagen am Rande des Zusammenbruchs stehen. Die Anlagen haben einen derart anstrengenden Dauerbetrieb hinter sich, daß sie der Überholung bedürfen. Man erinnert sich daran, daß ganz Berlin ängstlich auf die „Krankenbefunde" der Turbinen im Kraftwerk Klingenberg wartete und befreit aufatmete, als eine dritte Turbine die Leistung einer reparaturbedürftig gewordenen übernehmen konnte.

Früher war es allgemein die Regel, daß in einem Kraftwerk wenigstens eine Turbine mit den zugehörigen Kesseln in Reserve stand. Die angeführte Stromlieferung stammte aus Kraftwerken mit einer installierten Leistung von rund 16 Millionen Kilowatt (kW), von denen rund neun Millionen in öffentlichen Werken verfügbar waren. Von der ersten Zahl entfielen mehr als die Hälfte auf die jetzigen Westzonen, von der zweiten etwa zwei Drittel auf diese Landesteile. In den Westzonen steht noch fast die gesamte Kraftwerkleistung zur Verfüguhg, während in dem jetzt als Ostzone bezeichneten Landesteil, und vor allem Berlin, die Demontagen schärfere Abstriche bewirkten.


Über den Verbrauch ab 1946

In den vereinigten Westzonen wurden 1946 den Verbrauchern rund 15,5 Milliarden kWh zur Verfügung gestellt, die Planung für 1947 sah eine Menge von 19,5 Milliarden kWh vor. Dazu wären rund 7,5 Millionen t Kohle erforderlich gewesen, die jedoch nicht verfügbar waren. In den ersten Monaten des Jahres 1947 fehlten etwa 25% der notwendigen Kohle, später sanken die Lieferungen noch weiter ab. Hinzu kam, daß vielfach nicht die geeigneten Kohlensorten geliefert wurden, die eine Anlage unbedingt haben muß, wenn sie voll ausgenutzt werden soll. Ende September waren von einer installierten Leistung von insgesamt 6,2 Millionen kW nur 2,5 Millionen kW tatsächlich verfügbar, so daß 3,7 Millionen kW ausgefallen waren. Von dem Fehlbetrag kamen 700.000kW auf Wasserkraft, 740.000kW auf Braunkohle uid rund 2,2 Millionen kW auf Steinkohle. Von dem Ausfall an Steinkohlenstrom sind etwa 200.000 kW auf das Fehlen der richtigen Kohlensorte, der größte Teil aber auf die schlechte Reparaturlage zurückzuführen.

Mehr als die Hälfte der Kraftwerkanlagen ist also in Reparatur bzw. müßte repariert werden! Von den Wasserkraftwerken waren etwa 100.000 kW wegen Reparaturbedürftigkeit nicht verfügbar. Wenn die Westzonen trotz des katastrophalen Wassermangels die Energieerzeugung von 1,25 Milliarden kWh im September 1946 auf 1,37 Milliarden kWh im September 1947 steigern konnten, so liegt das daran, daß die Erzeugung aus Steinkohle von 490 Millionen kWh auf 723 Millionen kWh gesteigert werden konnte. Die Zunahme von Braunkohlenstrom in der gleichen Zeit war nur gering. Man sieht also, daß seit 1946 Erhebliches hinsichtlich des Wiederaufbaus der Werke geleistet wurde. Die Stromversorgungsanlage der Ostzone ist ebenfalls durch das Fehlen von Brennstoff und durch den schlechten Zustand der Anlagen gekennzeichnet. Genauere Zahlen darüber sind nicht zu erhalten.

Und zum Schluß über Berlin

In Berlin erzeugten die eigenen Kraftwerke im Jahre 1938 1,5 Milliarden kWh, wozu noch 650 Millionen kWh Fremdstrom kamen. Die Eigenerzeugung sank durch die Demontagen auf die Hälfte ab, während der Bezug von Fremdstrom etwas anstieg. Im ganzen hat Berlin 1946 noch zwei Drittel der Strommenge von 1938 verbrauchen können, steht also noch verhältnismäßig günstig da. G. H. N.

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