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Historisches Wissen aus Heften, Zeitschriften, Magazinen

Artikel, Zitate und Infos stammen aus der Funk-Technik, der Funkschau, den RTMs, Kameramann, der FKT, den Schriften von Philips und Zeiss Ikon und Anderen. Mehr über die verfälschten historischen Informationen ab 1933 über 1945 bis weit in die 80er Jahre.

aus der FUNK-TECHNIK Nr. 13/1948 (1. Juli Heft)
Das Editorial

Nr. 13/1948 - 3. JAHRGANG

Das Gesicht des Rundfunkempfängers

Vorschläge für die technische Weiterentwicklung der künftigen Rundfunkgeräte wurden in dieser Zeitschrift schon des öfteren erörtert (vgl. z. B. die „neuen Gedanken zum Exportsuper" in den Heften 17 und 19/1947 und 1/1948). So wichtig solche Überlegungen schon im Hinblick auf die Exportmöglichkeiten unserer Industrie und mit Rücksicht auf eine notwendige materialsparende Vereinheitlichung sind, nicht minder wesentlich erscheinen dem Hörer und künftigen Käufer der neuen Geräte aber die äußeren Merkmale einer fortschrittlichen Konstruktion. Denn der Rundfunkempfänger ist nun einmal ein komplizierter und daher meist unverstandener „Apparat" in der Hand des Laien, als Schmuckmöbel aber ebenso geachtet wie als Hörgerät.

Der Fachman ist nicht mehr gfragt

Mag für den Fachmann die technische Formgebung, die sich in Empfindlichkeit, Bandbreite, Schwundausgleich, gehörrichtige Tonwiedergabe und andere schaltungstechnische Begriffe fassen läßt, das ausschlaggebende Moment in der Beurteilung eines Empfängers abgeben, so wird der Hörer als Laie diese technische Leistung als selbstverständlichen Fortschritt werten und das neue Gerät lediglich nach dem vermittelten Klangbild und darüber hinaus nach seinem äußeren Eindruck, dem „Gesicht" des Empfängers, beurteilen.

Der Entwicklungsingenieur im Labor sollte sich deshalb den Mitteilungen eines Kreises von gewissenhaften Händlern und Instandsetzern nicht verschließen, die ihm zuverlässig die Erfahrungen und Wünsche ihrer Kundschaft hinsichtlich der Formgebung des Gehäuses und der zweckmäßigen Anordnung aller Bedienungsorgane übermitteln, sondern solche sogar anzufordern versuchen.

Es geht um die "Kleider"

Wenn heute noch das Gehäuse, das „Kleid" des Empfängers, dem Wandel einer Mode unterworfen scheint, so zeichnet sich doch in den neuen Geräten eine stetige Entwicklung zur symmetrischen Aufteilung der Frontplatte ab. Von Außenseitern abgesehen, die noch an der althergebrachten Zweiteilung des Gehäuses in eine stoffüberkleidete Schallöffnung und eine Bedienungshälfte mit Skala und Bedienungsgriffen festhalten, zeigen sich immer mehr Geräte in klarer, großflächiger Aufteilung der Frontplatte mit der Skala im Mittelfeld, sei es am unteren oder oberen Rand des Gehäuses. Sicher werden bald auch (wieder) Klapp- oder sonstwie verdeckbare Skalen und auf die Seitenflächen verlegte Drehknöpfe dazu beitragen, das Rundfunkgerät noch mehr zu einem Musikmöbel zu machen, als es die teueren und meist monströsen Musikschränke leider selten genug verstanden.

Wenn heute Holzmangel und Devisenknappheit die Verwendung edler Hölzer für den Gehäusebau einschränken, so spricht nichts gegen die Verwendung von Preßstoffgehäusen, wenn sie nur materialgerecht und eigenschwingungsfrei entworfen sind. Allerdings muß der Bruchgefahr, mehr als bisher durch genügende Versteifungen und klare Formgebung entgegengewirkt werden.

Das Stiefkind heißt Rückwand

Als Stiefkind wird bei nahezu allen Empfängern in der ganzen Welt die Rückwand behandelt. Deshalb erregte der unseres Wissens bisher einzige Empfänger, der auf beiden Längsseiten gleich aussieht, der englische Kleinsuper „Beethoven U 2038", dessen Bild im Bericht über die „Radiolympia 1947" in Heft 23/1947 veröffentlicht wurde, berechtigtes Aufsehen.

Während die üblichen Empfänger mit ihren unschönen Hartpapierrückwänden notwendigerweise an irgendeiner Mauer „kleben" müssen, ist dieses Gerät, das sogar die Bedienungsgriffe nach „hinten" durchgeführt hat, überall frei im Räume aufzustellen. Wenn man aber alle Regelorgane nebst den wenigen notwendigen Anschlußbuchsen auf die beiden Seitenflächen verlegt, bedingt eine im Stil der Vorderwand ausgeführte Rückwand sicherlich keinen untragbaren Mehraufwand, um so mehr, als damit ein brauchbarer Schutz des Gerätinnern gegen Verstauben gegeben ist.

Die Skala beachten

Anmerkung: jetzt im Juni 1948 kommt die Bedienbarkeit ins Gespräch. Lesen Sie unseren Artikel über die Usability des ersten Philips Kassettenrecorder 1963. Der Begriff "Bedienbarkeit" mußte den Anglizismen weichen.

Was die Skala anbelangt, so ist hier klare, große Beschriftung bei heller Beleuchtung der Hauptwunsch des Hörers. Eine unmißverständliche und leicht erkennbare Anzeige des eingestellten Wellenbereichs auf der Skala sollte Selbstverständlichkeit werden, zumal der dafür nötige Aufwand recht gering ist. Bei der Beschriftung der Skala wäre zu wünschen, daß vor allem der wichtigste Bereich, nämlich die Mittelwelle, eine möglichst große Zahl von Sendernamen mit kleinen, aber genauen Eichfeldern erhält, um den verschiedenartigen Empfangsverhältnissen in dem weiten Verbreitungsgebiet jeder Empfängertype Rechnung zu tragen. Die Eichung auf den Kurzwellenbereichen der Skala könnte unter Verzicht auf Stationsnamen durch möglichst genaue und fein unterteilte Meter- und kHz-Angaben in Verbindung mit einer Art Noniuseinteilung (Anmerkung: ein spezielle Einstelltechnik auf einer Schiebelehre) des Skalenfeldes allgemein verbessert werden, um das Wiederauffinden einmal gehörter Sender zu erleichtern.

Innerhalb der Skala sollte auch ein etwaiger Abstimmanzeiger in Form eines Drehspulinstrumentes (mit oder ohne Schattenanzeige) oder eines Magischen Auges seinen Platz finden, nicht allein, um ein dauerndes Hin- und Herwandern des Auges zwischen Skala und oft entlegen angebrachtem Abstimmanzeiger zu vermeiden, sondern auch, um seine Beachtung geradezu zu erzwingen. Allerdings wird seine Anwendung hauptsächlich auf das Spitzengerät beschränkt bleiben; dort aber sollte eine optische Anzeige der richtigen Abstimmung wieder zur Regel werden, schon um dem unmusikalischen Hörer (und seinen Mitmenschen!) die volle Klanggüte eines solchen Empfängers ausschöpfen zu helfen.

Andere Maßstäbe für die Ingenieure

Anmerkung: Auch hier hatte Max Grundig seine eigenen progressiven Vorstellungen und die waren "sehr eigen" und dennoch so simpel. Das Gerät mußte "alleine ihm" gefallen, nichts weiter.

Während die eben vorgebrachten Anregungen auf die Empfängerkonstruktion selbst von untergeordnetem Einfluß sind, greifen die Vorschläge zur Bedienung des Rundfunkgeräts schon tiefer in den Bereich des Entwicklungsingenieurs ein. Als Streitfrage mag gelten, ob die Bedienungsgriffe vorteilhafter alle auf der Frontplatte oder an den Seiten oder zum Teil hier, zum Teil dort, verteilt werden sollen. Eine eindeutige Entscheidung läßt sich hier bis heute noch nicht fällen. Sicherlich spricht für die seitliche Anordnung sämtlicher Bedienungsorgane neben der natürlicheren Haltung der Hand vor allem der ruhigere Eindruck der Vorderfront. Ein allseitig aufzustellendes Gerät mit seiner der Frontseite gleich oder mindestens ähnlich ausgestalteten Rückfront verlangt diese Anordnung von selbst.

Abstimmknopf und Lautstärkeregler müssen immer die beherrschende Stellung als die meistgebrauchten Bedienungsgriffe einnehmen. Bei der Abstimmung würde man sich gern einen Schnell gang zum raschen Übergang auf einen anderen Sender wünschen. Ein großer Drehknopf, der am Rand eine oder mehrere Vertiefungen besitzt, dürfte genügen. Der Netzschalter sollte, wenn er schon mit dem Lautstärkeregler kombiniert wird, als Zugschalter ausgeführt werden. Ein Drehschalter verlangt, abgesehen von der stärkeren Abnutzung des als Lautstärkeregler meistens verwendeten Potentiometers, bei jeder Inbetriebnahme eine zweimalige Bedienung des Gerätes.

Die Bandbreitenregelung, für die beim Mittelklassensuper heute allgemein ein ein-, höchstens zweistufiger Schalter ausreicht, läßt sich als Zugschalter mit jedem Drehknopf kombinieren, der nicht schon vom Netzschalter beansprucht ist. Daß bei Spitzengeräten mit ihrem ohnehin höheren technischen Aufwand eine am Rand der Skala unterzubringende, leicht verständliche Anzeige mit Zahlen oder fortlaufend dunkler werdenden Feldern für die Einstellung der zuletzt behandelten Regelorgane (Lautstärke, Tonblende, Bandbreite) angebracht werden könnte, sei nebenher bemerkt.

Gd.

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