Sie sind hier : Startseite →  Fachzeitschriften→  (2) Die Funk-Technik→  Funk-Technik 1948 *→  FT 1948/24 Editorial

Historisches Wissen aus Heften, Zeitschriften, Magazinen

Artikel, Zitate und Infos stammen aus der Funk-Technik, der Funkschau, den RTMs, Kameramann, der FKT, den Schriften von Philips und Zeiss Ikon und Anderen. Mehr über die verfälschten historischen Informationen ab 1933 über 1945 bis weit in die 80er Jahre.

aus der FUNK-TECHNIK Nr. 24/1948 (2. Dez. Heft)
Das Editorial

Nr. 24/1948 - 3. JAHRGANG

In eigener Sache

Mit dieser Ausgabe ist der dritte Jahrgang der FUNK-TECHNIK
beendet. Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, daß die an ihn gestellten Anforderungen im Laufe der Zeit größer geworden sind.

Dies liegt in der Aufgabe begründet, die wir uns u. a. im Hinblick auf zukünftige Anwendungen der Elektronik gestellt haben. Kein Leser wird von einer guten Fachzeitschrift erwarten, nur unterhalten zu werden; er darf vielmehr verlangen, daß sie ihn über alle Fortschritte seines Fachgebietes unterrichtet und Anregungen für seine beruflichen Tätigkeiten gibt.

Deutschland nach der Währungsreform - Prognosen

Die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands nach der Währungsreform zeigt noch immer ein recht uneinheitliches Bild. Die Kaufkraft ist nach wie vor gering. Radioapparate, die ja heute keinesfalls zur Luxusware zählen, sind noch verhältnismäßig leicht abzusetzen.

Trotzdem werden sich die Radiohändler daran gewöhnen müssen, Kunden zu werben, um die bisherigen Umsätze zu halten. Es wird bei ihnen in Zukunft besonders darauf ankommen, billig und gut einzukaufen und vor allem, den Kunden technisch einwandfrei zu beraten.

Neue Bereiche wird es geben

Die FUNK-TECHNIK wird bemüht sein, sich auch dieser Sorge des Radio-Fachhandels anzunehmen und ihm beratend zur Seite zu stehen. Aus diesem Grunde erweitern wir den Umfang mit Beginn des neuen Jahrgangs um vier Seiten, die wir ausschließlich für die Unterrichtung des Fachhandels verwenden wollen.

Darüber hinaus wird die FUNK-TECHNIK weiter das Verständnis für diejenigen Probleme zu erwecken suchen, welche die Technik der sehr kurzen Wellen (Mikrowellen-Technik) in Zukunft stellen wird. Alle, die praktisch in der Hochfrequenz-Technik tätig sind - ob als Techniker in der Industrie, als selbständiger Instandsetzer oder Radiohändler - müssen in absehbarer Zeit mit diesen Problemen Bekanntschaft machen. Sie werden dann erkennen, daß ein gewisses Maß an theoretischem Wissen unentbehrlich ist, um im Beruf bestehen zu können.

UKW und das Fernsehen werden kommen

Der Umgang mit sehr kurzen Wellen dürfte in naher Zukunft in Deutschland für viele Angehörige der radiotechnischen Berufe notwendig werden, und zwar dann, wenn der versuchsweise Fernsehbetrieb wieder aufgenommen wird. Die grundsätzliche Freigabe der Betätigung auf diesem Gebiet, zunächst durch die britische Besatzungsbehörde, ist erfolgt.

Wenn auch die künftigen Fernsehsendungen zunächst nicht im eigentlichen Mikrowellenbereich erfolgen, so liegen sie doch dicht an dieser Grenze, nämlich zwischen 70 und 100MHz. Mit den Kenntnissen und Erfahrungen aus dem Rundfunk und Kurzwellenbereich allein ist hier eine erfolgreiche Arbeit nicht mehr möglich. Es sei überhaupt davor gewarnt, zu glauben, daß Fernsehempfänger ebenso zu basteln, zu pflegen und instandzusetzen sind, wie Radiogeräte; sie stellen bedeutend höhere Ansprüche, und bereits das Errichten einer Fernsehanlage gehört in die Hände des Fachmannes.
-

Vorausschauende Vorbereitung des Handels wichtig

Wenn das Fernsehen später einmal in Deutschland zur allgemeinen Einführung freigegeben wird, sollte ein Stab qualifizierter Händler und Instandsetzer bereits vorhanden sein. Nach unserer Meinung muß dann der Radiohändler dem Kunden gegenüber noch viel mehr beratender Ingenieur als Verkäufer sein. Die laufende Pflege der Anlage dürfte den Instandsetzer weitaus mehr in Anspruch nehmen, als das heute bei Radioapparaten der Fall ist. Ohne gründliche Kenntnisse sind aber Anforderungen dieser Art nicht zu erfüllen, und eine Fach-Zeitschrift, die sich ihren Lesern gegenüber verantwortlich fühlt, wird daher rechtzeitig bemüht sein, Wissen und Erfahrungen auch auf diesem Gebiet zu vermitteln.

Das technische Programm, das die FUNK-TECHNIK für das kommende Jahr aufgestellt hat, sieht neben dem bisherigen vielseitigen Inhalt - wie Röhren- und Meßtechnik, Elektronenstrahl- Oszillograf, Bauanleitungen, Lehrkursen und den übrigen ständigen Rubriken - u. a. eine Reihe von Beiträgen vor, die in die Grundlagen der Fernsehtechnik einführen sollen. Es wird dabei nicht vergessen werden, daß unsere Leser in der Mehrzahl Praktiker sind und als solche mehr fordern dürfen als nur Theorie. Es soll berücksichtigt werden, daß mit der Aufnahme von Fernsehsendungen voraussichtlich auch eine Zeit neuer, ernster Basteltätigkeit beginnen wird. Die Voraussetzungen werden um so besser sein, je gründlicher die Bastler und diejenigen, die sie von Berufs wegen zu beraten haben, darauf vorbereitet sind.

Erstaunlich frühe Visionen von Funktelefonen für alle

Es ist nicht allein das Fernsehen, das eine Belebung der funktechnischen Berufstätigkeit verspricht; am Horizont stehen bereits neuartige Anwendungen der Funktelefonie auf vielen Gebieten des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft. Angefangen von der Kraftfahrzeug- Funkanlage bis zum Funktelefon für jedermann, nicht zu vergessen die Industrie-Elektronik, eröffnen sich unzählige neue Möglichkeiten. Wenn auch noch nicht abzusehen ist, wann und wie weit die Ergebnisse dieser Entwicklung auf die deutschen Verhältnisse anwendbar sein werden, so erscheint es doch angebracht, sich mit den technischen Voraussetzungen bekanntzumachen; was dazu erforderlich ist, wird die FUNK-TECHNIK ihren Lesern bieten.

Es wird mehr Neuerungen geben als jemals zuvor

Wenn nicht alles täuscht, wird die kommende Zeit auf radiotechnischem Gebiet mehr an Neuerungen und Fortschritten zu verzeichnen haben, als irgendein Abschnitt seit Einführung des Rundfunks.

Wer damit Schritt halten will, wird seine Kenntnisse erweitern und vertiefen müssen. Niemand sollte sich davon durch die Mißgunst der Verhältnisse oder die Sorgen des Alltags abhalten lassen. Die Zeit für das Studium einer Fachzeitschrift ist nie umsonst aufgewendet. Heute, da so viele alte Anschauungen ihren Wert verlieren und neue vordringen, gilt dies mehr denn je.

Bereits 50.000 Auflage

Die FUNK-TECHNIK glaubt, das alte Jahr nicht besser beschließen zu können als mit der Versicherung, daß sie sich in ihrer Arbeit auch weiterhin davon leiten lassen wird, dem Fachmann das beste und vielseitigste Rüstzeug für seinen Beruf in die Hand zu geben. Daß ihr dies bisher bereits gelungen ist, zeigt der große Stamm von Freunden, die sie sich erworben hat, so daß sie mit einer Auflage von 50.000 Exemplaren an der Spitze aller Fachzeitschriften ihrer Art liegt.

Neu: Der Briefkasten und das FT-Labor

Sie wird aber ihre unbestritten hervorragende Qualität noch steigern und ihren Dienst am Kunden insofern erweitern, als neben dem bereits sehr stark in Anspruch genommenen „Briefkasten" den Lesern
das FT-Labor für technische Auskünfte, Prüfungen und Erprobungen, eine juristische sowie eine betriebswirtschaftliche und steuerliche Beratung kostenlos zur Verfügung stehen. Damit soll unseren Abonnenten und Lesern die Möglichkeit gegeben werden, sich in allen technischen, wirtschaftlichen, juristischen und steuerlichen Fragen vertrauensvoll an uns zu wenden. Eine weitere Verbesserung in der Ausstattung wird dadurch erfolgen, daß die FUNK-TECHNIK ab 1. Januar 1949 mit einem festen Umschlag erscheint, so daß trotz starker Inanspruchnachme der Hefte nicht so leicht Beschädigungen eintreten und ihre Aufbewahrung erleichtert wird.

KARL TETZNER


ELEKTRO-und RADIOWIRTSCHAFT

Dez. 1948 - Der Radiohandel im Westen

Im Straßenbild der westlichen Zonen fallen wohlgefüllte Schaufenster auf. In den Radiofachgeschäften hat sich allerdings gegenüber der Vorkriegszeit das Bild wesentlich geändert: kaum eins hat ausschließlich Radioapparate und Einzelteile ausgestellt. Fast regelmäßig ist ein Schaufenster mit Radio- und das andere mit Elektrowaren dekoriert.

Radio- und Elektro- Fachgeschäft

Das wird verständlich, wenn man bedenkt, daß gerade in elektrischen Haushaltsartikeln ein besonders dringender Bedarf vorliegt, weil diese entweder durch Kriegseinwirkungen zerstört wurden oder sowieso verbraucht sind.

Seit 1937 wurden ja schon bedeutende Einschränkungen in der Fabrikation solcher Geräte vorgenommen. Da der Elektroherd wichtiger als der Radioapparat ist, entschließt sich der Kunde auch dann zum Kauf eines solchen Artikels, wenn er preislich drei- oder sogar viermal so hoch liegt wie im Frieden, während der Preis der Radioempfänger nur zwischen dem zwei- bis dreifachen vom Frieden schwankt.

Verkäufer statt Werkstattfachmann

Die zweite grundsätzliche Änderung ist die Tatsache, daß der Geschäftsinhaber wieder vorne hinter dem Ladentisch steht. Die letzten drei Jahre saß er hauptsächlich in der Werkstatt, weil die Reparaturarbeit die tragende Säule des Geschäftes war. Jetzt kann er wieder Empfänger verkaufen; da ist es natürlich notwendig, die technischen Erfahrungen für die Kundenberatung einzusetzen. Das ist heute besonders wichtig; denn das Gesamtangebot an Apparaten ist von so verschiedener Qualität und Preisgestaltung, daß es für den Nichtfachmann sehr schwer wird, die richtige Wahl zu treffen.

Die Crux mit der Liquidität

Außerdem ist das Geld sehr, sehr knapp, und die Fabriken geben im allgemeinen höchstens zehn Tage Ziel; da muß natürlich eine Teilzahlung sorgfältig durchkalkuliert werden. Bankkredite sind praktisch für Einzelhandelsunternehmungen kaum zu haben - und wenn, dann beträgt der monatliche Zinsfuß einschließlich der Spesen etwa ein Prozent (Anmerkung: das wäre ein Jahreszins von mehr als 12% !!).

Außerdem ist die kommende Geschäftslage so undurchsichtig, daß sich der vorsichtige Kaufmann nur im äußersten Notfalle entschließt, einen Kredit aufzunehmen, Wechsel oder Tratten auszustellen oder hereinzunehmen. Das verteuert natürlich das Gerät - und es ist schließlich fraglich, ob der Kunde bereit ist, einen solchen Aufschlag in Kauf zu nehmen. Vor dem Krieg übernahmen die Fabriken die Finanzierung im Teilzahlungsgeschäft. Das läßt sich heute natürlich nicht durchführen, denn die apparateherstellenden Firmen haben an sich mit den größten finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen, weil ja bei ihnen das ganze Risiko der Vorfinanzierung der Rohstoffe, Halbfabrikate und Einzelteile und ganz besonders der Röhren liegt.

Kredite kosten Zinsen - welche Weisheit

Erst nach Monaten läuft dieses Geld wieder in das Werk zurück und ist natürlich praktisch mit den gleichen Zinsen belastet wie ein Bankkredit. Da man aber versuchen muß, den Ladenpreis der Geräte soweit als möglich zu senken, sind derartige rein geldliche Belastungen ein besonders schwieriges Hindernis für die gesunde Preisbildung. Daher liegt jetzt das Risiko des Teilzahlungsgeschäftes allein beim Einzelhändler. Mancher Händler, der den kaufmännischen Anforderungen seines Berufes nicht gewachsen ist, wird zugrunde gehen.

Auf der anderen Seite stehen ihm allerdings - mindestens in der Zeit bis Weihnachten - noch Gewinnchancen offen, die später wegfallen werden. Viele Händler konnten vor der Währungsumstelliung (Anmerkung: im Juli 1948) mit altem Geld billig einkaufen und setzen diese Waren jetzt in neuer Währung um. Umsätze von 100.000 DM im Monat sind bei großen Geschäften im Zentrum der Städte gar nicht selten. Der Handel ist flüssig wie kaum eine andere Branche der Wirtschaft.

Wenn Unternehmer klagen . . . .

Wenn trotzdem die meisten klagen, so hauptsächlich deswegen, weil sie die Geschäftsentwicklung nach Weihnachten als sehr schwierig ansehen und das Notopfer und den Lastenausgleich fürchten.

Saisonschwankungen

Die erfahrenen Fachhändler sind der Ansicht, daß besonders zwischen Neujahr und März 1949 eine erhebliche Baisse im Radiogeschäft Platz greifen wird, weil die Leute kein Geld mehr haben werden. Auch zeigten die Erfahrungen auf dem deutschen Markt der Vorkriegszeit, daß der Radiohandel überwiegend ein Stoßgeschäft ist, das sich auf wenige Monate zusammendrängt. Früher haben die Fabriken dafür gesorgt, daß durch Zufluß neuer Modelle nach Neujahr eine Belebung möglich war. Heute ist damit nicht zu rechnen. Das ist einer der Hauptgründe, weshalb der moderne Radiohändler sein Geschäft durch gewisse Elektrowaren zu erweitern sucht. Sie dienen zum Ausgleich der Saisonschwankungen.

Das Einzelteilgeschäft

Wenn man auch im Westen noch viele Schaufenster mit Einzelteilen dekoriert findet, so hat das Geschäft in dieser Sparte doch wesentlich nachgelassen. Der Bastler hat wenig Geld. Er wird sich also
Einzelteile viel sorgfältiger aussuchen als früher. Andererseits aber sind noch erhebliche Warenbestände dieser Art aus der Produktion der letzten drei Jahre und aus ehemaligem Heeresgut vorhanden, die auf Absatz warten. Nur selten sind sie ohne weiteres für Rundfunkempfänger zu gebrauchen. Vor der Reform kaufte der Bastler kritiklos. Heute weiß er, daß ein ständiger Nachschub erfolgt, der an Güte dem Friedensstandard entspricht und wahrscheinlich billiger sein wird als das, was man ihm z. Z. anbieten kann.

Das Einzelteilgeschäft kann also die Bilanz gegenwärtig nicht herausreißen. Es gibt nicht wenige Händler, die der Ansicht sind, man sollte es überhaupt langsam abbauen und jenen Kollegen überlassen, die Spezialisten darin sind und schon immer die Bastler beliefert haben. Dieser Standpunkt ist durchaus der Überlegung wert. Denn zum Verkauf von Einzelteilen gehören ganz besondere Fachkenntnisse und eine meßtechnisch gut eingerichtete Werkstatt, um solche Teile auf ihre elektrische Eignung prüfen zu können.

Das Röhrengeschäft

Auch das Röhrengeschäft ist für den Händler noch keine erhebliche Stütze. Zunächst einmal ist es für ihn sehr schwer, überhaupt freiverkäufliche Röhren hereinzubekommen. Die Fabriken haben schon genug zu tun, die Erstbestückungsserien für die Industrie fortlaufend herauszubringen. Ersatzröhren stehen immer noch an letzter Stelle. Dazu kommt, daß ein größeres Geschäft mindestens hundert Typen vorrätig halten müßte, um die Wünsche der Laufkundschaft zu befriedigen. Das bedeutet aber eine so erhebliche Kapitalbelastung, daß sie unter den gegenwärtigen Umständen keinem Geschäft zugemutet werden kann.

Das Röhrengeschäft wird also noch auf lange Zeit hinaus für den Einzelhändler kaum Interesse haben. Es wird sich langsam so entwickeln, daß der Kunde die gewünschten Typen bestellt und der Händler versucht, sie vom Grossisten oder der Fabrik heranzuholen - also ein reines Bestellgeschäft.

Schallplatten

Ganz ähnlich ist die Lage bei den Schallplatten. Man weiß zwar, welche Nummern besonders gefragt sind, aber bei der Differenziertheit der Kundenwünsche müßte der Einzelhändler doch ein ganz erhebliches Lager bereithalten, wenn er die Laufkundschaft nur halbwegs befriedigen wollte. Wie aber soll er so ein Lager finanzieren, wenn der Bankkredit zehn Prozent "pro anno" kostet und unter Umständen ein Viertel des Lagers mehr als ein Jahr tot in den Regalen liegt?

Viele Kunden lassen sich erst ein halbes Dutzend Schallplatten vorspielen, bevor sie schließlich eine davon auswählen. Wenn man aber eine Platte hundertmal gespielt hat, ist sie nicht mehr zu verkaufen. Früher spielte das gar keine Rolle, weil die Plattenfabrik derartige "Un"-kosten übernahm. Heute muß der Händler die Kosten tragen. Das Schallplattengeschäft kann gegenwärtig nur in wenigen Sonderfällen die Bilanz verbessern. Es ist durchaus möglich, daß sich die Verhältnisse auf diesem Gebiet im nächsten Jahr sehr erheblich ändern. Wenn man hört, daß Amerika voriges Jahr 400 Mill. Schallplatten umgesetzt hat, dann hat man allen Grund zu hoffen, daß auch bei uns dieses Geschäft wieder einmal lohnend werden wird.

Plattenspieler und Musikschränke
Unterschiede zwischen West und Ost

Mir ist im Westen aufgefallen, daß der Plattenspieler in vielen Schaufenstern eine so dominierende Rolle einnimmt, daß man meinen könnte, damit müßten große Geschäfte gemacht werden. Aber das ist nicht so. Plattenspieler und Schallplatten kommen gegenwärtig bei der Kundschaft erst weit, weit hinter Radioapparaten und Kochherden.

Sie sind tatsächlich mehr Luxus- als Bedarfsartikel. Daher können sie nur als Nebenartikel geführt werden. In der Weihnachtssaison sind die Hoffnungen berechtigt, auch solche Dinge einigermaßen flott zu verkaufen.

Ein wenig besser ist die Lage in Musikschränken. Dieser Teil des Radiogeschäfts zeigt tatsächlich eine langsam ansteigende Tendenz auf der ganzen Welt. Da die Fabriken gegenwärtig kaum Musikschränke liefern können, verkaufen Spezialhändler ihre eigenen Erzeugnisse. Das kann in vielen Fällen durchaus umsatzsteigernd wirken. Allerdings gehören erhebliche Fachkenntnisse dazu, um einen anständigen Musikschrank zu bauen, auch wenn er nur als Ergänzung eines guten Radioapparates dient. Leider wird in dieser Beziehung noch weitmehr Schlechtes als Gutes hergestellt.

Erst wenn wieder einmal ein „Siemens-Kammermusikgerät" oder ein ähnlicher, wirklich ausgereifter Musikschrank auf den Markt kommt, wird man sehen, wie wenig das meiste von dem, was heute an Musikschränken in den Läden zu sehen ist, den modernen Erkenntnissen der Elektroakustik entspricht. Wer aber mit genügender Fachkenntnis und Sorgfalt an so ein Problem herangeht, kann damit durchaus zufriedene Kunden werben.

Installationsmaterial - die Auslastung verbessern

Auf der Suche nach Verbreiterung der Geschäftsbasis sind die Fachhändler des Westens auf die verschiedensten Elektrowaren verfallen. Auch Installationsmaterial, Motoren und ähnliche Erzeugnisse werden in manchen Geschäften geführt. Hier liegt eine Gefahr für die Zukunft. Ein Geschäft muß organisch aufgebaut sein und bleiben. Das heißt, es soll nur diejenigen Artikel führen, von denen sein Inhaber wirklich etwas versteht. Wenn es auch bei dem gegenwärtigen ungeheuren Auftrieb der Bauwirtschaft manchen Radiohändler reizen mag, Schalter und Beleuchtungskörper zu führen, so muß er doch bedenken, daß gerade auf diesem Gebiet Auswahl und Einkauf besonders schwierig sind.

Die Vielfältigkeit an Installationsmaterialien ist so groß, daß man sich dabei besonders leicht „verkauft" und dann schließlich auf seiner Ware sitzen bleibt oder sie mit Verlust abstoßen muß. Man sollte lieber Markengeräte für den elektrifizierten Haushalt wählen, daneben noch Spezialartikel wie: elektrische Rasierapparate, Taschenlampen und Batterien, elektrische Spezialgeräte - und vor allen Dingen Meßinstrumente -, eben Dinge, die eine gewisse Fachkenntnis voraussetzen und von der Konkurrenz nicht geführt werden.

Die Einzelfälle liegen so verschieden, daß sich kaum allgemeine Ratschläge erteilen lassen. Installationsmaterial jedenfalls gehört normalerweise nicht zu den Artikeln, die der Radiiofachhändler führen muß, es sei denn, daß er nebenbei ein Installationgeschäft betreibt. Dahingegen wird es in gewissen Fällen durchaus zweckmäßig sein, elektrisches Spielzeug, Kleinstmotoren für Experimentierzwecke, elektrische Experimentierkästen und elektrische Lehrmittel mit aufzunehmen.

O. Kappelmayer

Ein Messebericht - Über die Stimmungslage

Dez. 1948 - FRANKFURTER MESSE

Verschiedene größere deutsche Städte haben den Ehrgeiz, Messen zu veranstalten. Die Zeit vor der Währungsreform bot aber keine Möglichkeit, ein Urteil über den bleibenden Wert solcher Veranstaltungen zu fällen.

Einigkeit dürfte darüber bestehen, daß mindestens zwei Messen ihre Daseinsberechtigung haben, die Leipziger Messe mit ihrer Tradition und Erfahrung und die nach dem Kriege neu geschaffene Exportmesse Hannover. Beide haben in der Öffentlichkeit eine starke Resonanz gefunden.

Die Erwartung total übertoffen

Mit Skeptizismus ging der Berichterstatter daher nach Frankfurt/Main, dort fand vom 3. bis zum 8. Oktober eine Messe statt. Die reiche Auswahl und die große Anzahl Aussteller brachten aber das Vorurteil rasch zum wanken. 1.700 Aussteller hatten eine Hallenfläche von 35.000 qm und das Freigelände mit 25.000 qm belegt. Fast 300.000 Besucher erschienen in den 6 Messetagen. Der Umsatz betrug 600 Millionen D-Mark und auch im Exportgeschäft wurden beachtliche Erfolge erzielt.

Die meisten Aussteller kamen, entsprechend der geografischen Lage Frankfurts, aus der amerikanischen Zone (63%). 27% waren aus der britischen Zone, der Rest von 10% aus der französischen, der russischen Zone und aus Berlin.

Leider wenig Radiowirtschaft

Der Anteil der Radiowirtschaft an der Frankfurter Messe war gering. Der Beteiligung der Berliner Betriebe standen die gegenwärtigen Schwierigkeiten entgegen und die Industrie der Westzonen, insbesondere die apparatebauende, kann bisher über Absatzmangel nach der Währungsreform nicht klagen.

Die Krefft A.G.

Die Krefft A.G. aus Gevelsberg/Westf. zeigte neben dem Standardsuper der britischen Zone im Preßstoffgehäuse einen Super in Holzgehäuse und Elektrolytkondensatoren.

Seibt-München

Seibt-München war mit einem neuen hübschen Einkreiser (2x P2000) vertreten, der den Namen „Pierette" trägt und allgemein durch seine eigenwillige Form auffiel. Er war unter den Kleingeräten, die auf der Ausstellung zu sehen waren, der einzige, der Anspruch auf besondere Beachtung verdiente. Das Gehäuse besteht aus farbigem Plexiglas. Das Gerät ist ein Mittelwellenempfänger und kostet DM 180,-. Aus dem alten Produktionsprogramm zeigte Seibt die bekannte Piccolette.

Zethe, Frankfurt/Main

Einen sauber gearbeiteten Einkreiser für 3 Wellenbereiche (Allstrom und Wechselstrom) brachte die Firma Zethe, Frankfurt/Main, die neben den bereits bekannten Drahtwiderständen und Sperrkreisen als Neuheit Schichtwiderstände ausstellte.

Halö (Locher und Höhl), Frankfurt

Halö (Locher und Höhl), Frankfurt, führte einen Reiseempfänger mit 2xP2000 vor. Weiterhin stellten Firmen der Zubehörindustrie aus, aber es kostete Mühe, unter der Vielzahl der Aussteller die Firmen zu finden, die zur Radiowirtschaft zählen.

Eine Radiomesse muß her

Diese Messe erbrachte den Beweis, daß eine Radio-Ausstellung notwendiger denn je ist. Man sollte bald anfangen zu planen, denn zum Ausgang des kommenden Sommers müßte sie stattfinden, um endlich einmal den überblick über den Stand der deutschen Technik auf diesem Gebiet zu bieten.

Willkommene Holländer

Der im August abgeschlossene Handelsvertrag der Niederlande mit der Bizone sieht einen Warenaustausch vor, dessen Spitze von Holland in Devisen ausgeglichen werden muß. Eine Anzahl holländischer Firmen sah daher eine willkommene Veranlassung die Frankfurter Messe zu beschicken, um die Verbindung mit ihren langjährigen deutschen Geschäftsfreunden wieder aufzunehmen.

Die N. V. Philips' Gloelampenfabrieken

Im holländischen Pavillon belegten die N. V. Philips' Gloelampenfabrieken den weitaus größten Platz. Philips erschien damit zum ersten Male in Deutschland als Aussteller auf einer Messe und führte den Stand der Rundfunk- und Elektrotechnik in unserem Nachbarlande in sehr eindrucksvoller Weise vor Augen.

Der Philips-Stand war daher - das ist keine Übertreibung - eine der Sensationen der Frankfurter Messe.

Die „Philettina"

Das kleinste Radiogerät, das Philips zeigte, war die „Philettina", also eine kleinere „Philetta", bestückt mit Rimlock-Röhren. Der nächstgrößere Typ war die verbesserte „Philetta" in sehr ansprechendem Gehäuse (mit auf dem Gehäuse aufgesteckter Fintlichtskala). Weitere Typen bis zum Luxussuper wurden gezeigt, die außer durch ihre technische Qualität auch durch ihre schönen Gehäuse auffielen. Eine sehr hübsche Lösung des Skalenproblems zeigte der Typ BX685, bei dem die auf dem Gehäuse angebrachte Skala zunächst nur den Mittelwellenbereich sehen läßt und beim Bedienen des Wellenschalters nacheinander den Langwellenbereich und die sechs verschiedenen Kurzwellenbereiche (Bandspreizung) freigibt.

Die Musiktruhen von Philips

Ihre Vollendung fanden die Radioapparate in den Truhen, die in Kombination mit einem Zehnplattenwechsler ausgestellt waren.

Autoempfänger (mit Rimloekr Öhren), Trockenrasierer, Handdynamolampen waren weitere Ausstellungsgegenstände.

Philips macht auch Industriediamanten

Auch Industriediamanten erweckten Interesse. Man erfuhr dabei, daß Philips der größte Hersteller dieser Erzeugnisse ist. Zwei Generatoren für HF-Erhitzung, eine Infrarot- Trocknungsahlage und eine Verstärkeranlage wurden im Betrieb vorgeführt. Lampen der verschiedensten Art für Beleuchtungszwecke, eine komplette Kino-Wiedergabe- Apparatur, Röntgenanlagen, magnetische Ölfilter, Elektronenröhren für alle Zwecke, elektrische Meßgeräte wurden in einer Vielzahl gezeigt, die im Rahmen dieses Berichtes nicht behandelt werden kann, über die aber die FUNK-TECHNIK später berichten wird.

Zuletzt ein wenig Zuspruch

Die deutsche Radio- und Elektroindustrie dürfte jedoch unter den neuen Bedingungen, die durch die Währungsreform geschaffen wurden, ohne weiteres in der Lage sein, diesen Stand der Technik bald aufzuholen.

-n-

Neuigkeiten
Dez 1948 - Verkauf der Radioapparate in den Westsektoren Berlins ab sofort freigegeben

Die amerikanische, britische und französische Militärregierung haben eine Anordnung erlassen, daß ab sofort die Zwangsbewirtschaftung und Verkaufseinschränkung der für den Hausgebrauch hergestellten Radioempfänger aufzuheben ist. Die Radiohändler können also nunmehr alle Rundfunkgeräte ohne Bezugschein frei verkaufen. Damit sind die von den Verbänden bereits Anfang Juli eingeleiteten Verhandlungen auf Freigabe sämtlicher Radioapparate, die in der Zwischenzeit lediglich nur für Geräte ohne Röhren genehmigt war, von Erfolg gekrönt worden.

- Werbung Dezent -
Zur Startseite - © 2007 / 2017 - Deutsches Fernsehmuseum Wiesbaden - Copyright by Dipl. Ing. Gert Redlich - Privatsphäre - Redaktions-Telefon - zum Flohmarkt
Bitte einfach nur lächeln: Diese Seiten sind garantiert RDE / IPW zertifiziert und für Leser von 5 bis 108 Jahren freigegeben - kostenlos natürlich.