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aus der FUNK-TECHNIK Nr. 20/1948 (2. Okt. Heft)
Das Editorial

Nr. 20/1948 - 3. JAHRGANG

ZUM JUBILÄUM DES DEUTSCHEN RUNDFUNKS

Von Staatssekretär a.D. Dr.-Ing. e. h. Hans BREDOW

Ein Vortrag am 17. November 1919 in der Urania in Berlin

Am 17. November 1919 berichtete Hans Dominik im Berliner Lokalanzeiger über einen Vortrag in der Berliner Urania und schrieb, daß der Vortragende zwar auf dem Boden der Sachlichkeit geblieben wäre, aber zuweilen doch Gedanken von Jules Vernes'scher Kühnheit entwickelt habe.

So habe er beispielsweise von dem zukünftigen politischen Redner gesprochen, der gleichzeitig zu Millionen von Menschen sprechen würde, die in verschiedenen Sälen versammelt sind.

Das ist ja reine Utopie . . . .

Was war geschehen?
Ich hatte vor einem großen ausgewählten Zuhörerkreis über neue Anwendungsmöglichkeiten des Funkwesens gesprochen und dabei auf kommende, für den Fachmann in der Luft liegende Dinge hingewiesen. Insbesondere hatte ich die Einrichtung eines „Rundfunks für Alle" vorgeschlagen und seine unübersehbaren Auswirkungen ausgemalt. Nach Kriegsende (Anmerkung: gemeint ist der 1. Weltkrieg) war nämlich die Zeit gekommen, an die Verwirklichung eines derartigen Planes heranzutreten, aber die Verhältnisse lagen im Nachkriegsdeutschland deshalb besonders ungünstig, weil die verworrenen Zustände die Freigabe des Funkempfanges an die Allgemeinheit aus politischen Gründen noch nicht gestatteten. Jedenfalls sahen die Militärs und die Politiker in einer derartigen Freigabe erhebliche Gefahren.

Am Anfang ein Empfangsverbot

Man war also zunächst genötigt, sich auf Rundfunksendungen für bestimmte Bezieher (Presse und Wirtschaft) zu beschränken und mußte sogar die an der Freigabe des Empfanges besonders interessierten Amateure vorübergehend beiseiteschieben. Aber in dieser Übergangszeit arbeiteten die Wegbereiter des Rundfunks in aller Stille an der Durchführung ihres Planes; die Sende- und Empfangstechnik wurde weiterentwickelt und eine Organisation über ganz Deutschland vorbereitet.

Als dann im Jahre 1923 das Empfangsverbot fiel, stand auch der deutsche Rundfunk und konnte mit seinem ersten öffentlichen Programm am 29. Oktober 1923 im Berliner Voxhaus seinen Siegeslauf über Deutschland beginnen.

Seitdem sind 25 Jahre vergangen!

Dem Leserpublikum der FUNK-TECHNIK wird es vielleicht erwünscht sein, aus Anlaß des 25. Rundsfunkjubiläums von einem Zeitgenossen der großen Funkpioniere etwas über die technische Vorgeschichte zu lesen und zu erfahren, daß das weltumspannende Werk des Rundfunks nur durch die Erfindung und Anwendung der Katodenröhre für Sender und Empfänger möglich geworden ist.

Das Prinzip der hochfrequenten Telefonie durch Modulation einer ungedämpften Schwingung ist an sich alt. In der Literatur kann man schon um das Jahr 1900 verschiedene durch Mikrofon modulierte Generatoren von R. A. Fessenden und anderen finden.

Bemerkenswerte Versuche mit drahtloser Telefonie sind von 1906 ab in Deutschland mit Lichtbogensendern (Poulsen-Lorenz) und später mit Hochrequenzmaschinen (R. Goldschmidt und Graf Arco - Telefunken) gemacht worden. So interessant diese Versuche waren, konnten sie doch nicht zu Ergebnissen führen, die mit denen des heutigen Rundfunks vergleichbar gewesen wären.

Eine Rückschau

Wir können heute rückschauend erkennen, daß die technischen Mittel für einen Rundfunk im heutigen Sinne einer ganz anderen Entwicklung bedurften. Tatsächlich hat erst die Hochvakuumröhre die heutige technische Höhe des Rundfunks ermöglicht, indem sie sowohl die Empfangstechnik wie die Sendetechnik von Grund auf veränderte.

Die elektrische Emission glühender Metalle war schon Jahrzehnte bekannt, ehe sie praktisch verwendet wurde. Die Nachrichtentechnik begann damit im Jahre 1902, und zwar in Gestalt der Flemingröhre, eines Vakuum-Entladungsgefäßes mit Glühkatode, das zum Gleichrichten der drahtlosen Empfangsschwingungen diente, ähnlich wie Elektrolyt-Kontakt- oder Kristalldetektoren.

Es kam dann die Zeit, in der die Fachleute des Fernsprechwesens sich mit dem Gedanken der Schaffung eines Telefonverstärkers beschäftigten und in der an mehreren Stellen an der Lösung dieses für den Fernverkehr besonders wichtigen Problems gearbeitet wurde.

Die Lieben-Gruppe

Die eine war die Lieben-Gruppe, bestehend aus Robert von Lieben, Eugen Reiß und Siegmund Strauß. Von ihnen stammt eine Patentanmeldung aus dem Jahre 1906, in welcher eine Verstärkerröhre mit Glühkatode, Elektronen-Emission und elektrischer und magnetischer Steuerung beschrieben wird.

Eine zweite Erfindung (von R. Lieben) aus dem Jahre 1910 zeigt die heute wichtige Anordnung einer Röhre, nämlich Glühkatode, Anode und dazwischen liegendes Steuergitter für Verstärkerzwecke.

Der Amerikaner Lee de Forest

In der Zeit zwischen diesen beiden Lieben-Erfindungen schuf der Amerikaner Lee de Forest 1907 den Audiondetektor, eine evakuierte Röhre, welche Glühkatode, Anode und ein dazwischen liegendes Gitter aufwies. Der Unterschied gegenüber der Lieben-Erfindung war der, daß de Forest seine Röhre lediglich für Detektorzwecke bestimmte, aber nichts von einer Verstärkerwirkung für Hochfrequenz oder Niederfrequenz verlauten ließ. Da diese Röhre jedoch die später wichtige Eigenschaft der Gittersteuerung aufwies, gilt de Forest in den Vereinigten Staaten als Erfinder der Verstärkerröhre.

Nach den oben erwähnten grundsätzlichen Patentanmeldungen, die von den Erfindern für Telefonieverstärkung, also für Niederfrequenz, gedacht waren, kam 1911 als nächster Fortschritt die unmittelbare Hochfrequenzverstärkung von Otto von Bronk - Telefunken. Sie hat sich später als ein außerordentlich bedeutungsvolles Hilfsmittel erwiesen, um die Empfängerempfindlichkeit zu steigern.

W. Schloemilch und Otto von Bronk

Im Jahre 1913 wurde von W. Schloemilch und Otto von Bronk die Reflexschaltung erfunden, welche eine doppelte Ausnutzung einer Röhre sowohl für Hochfrequenzverstärkung wie für Niederfrequenzverstärkung gestattet, eine Schaltung, die besonders in Amateurkreisen Anwendung fand.

Im gleichen Jahre erfolgte die Pioniererfindung der Schwingungserzeugung mittels Rückkopplung von Röhren durch Alexander Meißner - Telefunken. Dieses Verfahren griff auch auf die Empfangstechnik über, einmal dadurch, daß das bekannte Überlagerungsverfahren zum Empfang ungedämpfter Schwingungen nunmehr mit kleinen Röhrensendern ausgeübt wurde (A. Meißner 1913).

C. S. Franklin - Marconi und H. I. Round

Aber es entstanden auch neue Empfangsschaltungen, so die Rückkopplung bei der Hochfrequenzverstärkung im Empfänger von C. S. Franklin - Marconi 1913 und wenige Monate später die Entdeckung der Dämpfungsreduktion durch Hochfrequenz-Rückkopplung. Schließlich fand am Ende des fruchtbaren Jahres 1913 H. I. Round - Marconi die Audion-Rückkopplung mit Selbstüberlagerung.

Von ebenso großer Bedeutung war der Einfluß der Glühkatodenröhre auf die Senderentwicklung. Die Vorbedingung dafür bildete die oben erwähnte Meißner-Erfindung zur Erzeugung ungedämpfter Schwingungen durch eine rückgekoppelte gittergesteuerte Glühkatodenröhre. Diese Erfindung hat die Priorität in zahlreichen Ländern erhalten und der Biograph Marconis, Solari, erwähnt, daß Marconi Alexander Meißner und Dee de Forest als diejenigen Erfinder bezeichnet habe, die für die moderne Funktechnik einen besonders wertvollen Beitrag geleistet haben.

Von der ersten ungedämpften Schwingung bis zum Telefoniesender

Von der ersten Erzeugung ungedämpfter Schwingungen durch die Hochvakuumröhre bis zum Bau von großen Telefoniesendern war noch ein erheblicher technischer Weg zu durchlaufen, der einerseits in der Schaffung zweckentsprechender Schaltungen für Sender und Modulatoren, andererseits in der wissenschaftlichen und fabrikatorischen Entwicklung der Röhre selbst bestand.

Die Verstärkung und die Schwingungserzeugung durch Glühkatodenröhren mit Gittersteuerung lassen sich sowohl mit Gasentladungen oder Dampfentladungen wie auch mit Hochvakuum erreichen. Die praktisch allein herrschende Methode ist die Hochvakuumentladung geblieben. Ihre Einführung in die Funktechnik ist hauptsächlich den Amerikanern I. Langmuir und S. Dushman zuzuschreiben, welche in den Jahren 1913 und den folgenden die Möglichkeit starker Wolframkatoden, das Raumladungsgesetz und zahlreiche technische Einzelheiten für Arbeiten im Hochvakuum schufen.

Die gittergesteuerte Hochvakuumröhre mit Glühkatode hat sich im Laufe der Jahrzehnte als der zweckmäßigste Generator für den Senderbau erwiesen. Funkensender, Lichtbogensender, Hochfrequenzmaschinen sind zum alten Eisen gekommen und gerade für den Fachmann, der diese Zeit miterlebt hat, wird es ein unvergeßliches Erlebnis bleiben, wie es der Röhre schon in ihren ersten Anfängen mit wenigen Watt Leistung gelang, schließlich die riesigen Lichtbogen- und Maschinensender aus der Funktechnik zu verdrängen.

In Deutschland 1914 - Dr. H. Rukop und A. Meißner

In Deutschland begann die Röhrentechnik im Anfang des Jahres 1914. Ein Röhrenlaboratorium wurde bei Telefunken von Dr. Hans Rukop geschaffen, und es gelang bereits kurz vor Beginn des ersten Weltkrieges, mit einem zweistufigen Niederfrequenzverstärker herauszukommen.

Anschließend wurden die ersten Hochvakuum-Senderöhren gebaut, so daß Alexander Meißner schon im Jahre 1916 mit seiner Rückkopplungsmethode Telegrafie- und Telefonieversuche auf größere Entfernungen unternehmen konnte.

Die Röhrenherstellung ging dann sehr bald zu größeren Leistungen über. Von besonderem Nutzen hierfür erwies sich die Einführung des Tantals für die Anoden. Obgleich die General Electric Co., Schenectady, durch die Arbeiten von Langmuir und Dushman in der Hochvakuumtechnik Deutschland weit voraus war, konnte dieser Vorsprung vermöge einer guten theoretischen Durchdringung der Hochfrequenz-Grundlagen bald wieder eingeholt werden. Bereits im Jahre 1918 waren Röhrensender von 3 kW entwickelt, welche, mit 2 parallelgeschalteten Röhren ausgestattet, für größere Sender in Frage kamen.

Auch damals durch einen Krieg ausgebremst

Der Ausgang des ersten Weltkrieges hat die deutsche Entwicklung eine Zeitlang unterbrochen. Bei der Wiederaufnahme der Arbeiten ließ sich an Erfahrungen anknüpfen, die im Kriege mit den ersten Röhrensendern und Rückkopplungsempfängern gemacht worden waren. So hatte der Verfasser als Leiter einer militärischen Versuchsstelle in Rethei mit Unterstützung von A. Meißner und anderen Spezialisten umfangreiche praktische Erfahrungen gesammelt.

Endlich : „Der Deutsche Rundfunk"

Bei dieser Gelegenheit wurden auch die ersten Rundfunkprogramme mit Röhrensendern verschiedener Ausführungen verbreitet, die von vielen mit Empfängern ausgerüsteten Stellen an der Front gehört wurden. Die erste Verwendung von Rückkopplungsempfängern und Verstärkern hierbei ergab überraschende Erfolge. Seit dieser Zeit ist der Gedanke weiter verfolgt worden, der Allgemeinheit eines Tages das Abhören drahtloser Darbietungen in Gestalt von Nachrichten, Musik oder textlichen Darbietungen zugänglich zu machen. Schließlich entstand „Der Deutsche Rundfunk".

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Sie waren dabei - Laudatien direkt im Anschluß an das Editorial der Funk-Technik Nr.20 aus 1948

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Obering. Otto von Bronk

Die Erfindung der Hochfrequenz Verstärkung verdanken wir u. a. Otto von Bronk. Am 3. September 1911 erhielt er hierauf ein deutsches Patent, das später durch einige Zusätze, sowie durch zwei Rückkopplungspatente erweitert wurde. Diesem Patent, durch das erst die drahtlose Telefonie verwirklicht und die Benutzung sehr kleiner Antennen, besonders der Rahmenantennen, zum Peilempfang möglich wurde, sind viele andere Patente dieses bedeutenden Physikers vorausgegangen und gefolgt.

Schon im Jahre 1906 ersetzte er den Fritter in den Empfangsgeräten durch den von ihm gefundenen Bleiglanz-Tellur-Detektor, mit dem wir später alle einmal Radio gehört haben. Viele Verfahren, die sich in der Praxis durchsetzten, wurden von dem „Vater des Rundfunkempfanges" vorgeschlagen oder zuerst angewendet, wie z. B. auch beim Fernsehen die Aufspeicherung der Bildelemente auf einem Stahldraht und die Auflösung des Bildes mittels einer Platte von Fotozellen.

Bereits im Jahre 1902 wurde ihm dieses Patent erteilt, das heute noch eine der wesentlichsten Grundlagen des Fernsehens bildet. Am 1. Januar 1911 wurde Otto von Bronk Oberingenieur bei Telefunken und übernahm die Patentabteilung. In dieser Stellung hat er 27 Jahre, lang gewirkt. Daneben arbeitete er als Forscher und hat im ganzen etwa 100 Erfindungen gemacht, die sich als patentfähig erwiesen. 1944 führte Otto von Bronk vor der Technisch-Literarischen Gesellschaft in Berlin sein Verfahren für das farbige Fernsehen vor, bei dem auf der Senderseite nur zwei Farbfilter (rot, grün) und auf der Empfangsseite nur ein Rotfilter erforderlich ist. Auch nach seiner Pensionierung arbeitet von Bronk in einer eigenen kleinen Werkstatt in Schmöckwitz weiter auf dem Gebiete der Hochfrequenztechnik.

Dr. Ing. Ludwig Kühn

An der Radiostation Eberswalde (C. Lorenz AG.) führte Dr. Kühn 1911 die ersten Versuche mit drahtloser Telefonie und einer von ihm erfundenen kapazitiv stabilisierten Parallelschaltung mehrerer Mikrofone durch. 1912, in den Dienst von Telefunken getreten, wurde er mit der Aufgabe betraut, das an sich bekannte Prinzip der statischen Frequenzverdopplung mit Hochfrequenzmaschinen für die drahtlose Telegrafie zu verwirklichen.

Diese Arbeit führte zur ersten „Telefunken-Hochfrequenzmaschine" mit einer Antennenleistung von 1 kW und einer Frequenz von 120 kHz. Stärkere Anlagen folgten noch im selben Jahre. Im Frühjahr 1913 gelang Dr. Kühn die magnetische Modulation von Verdoppleranlagen zum Zwecke der Hochleistungstelefonie mit Maschinensendern.

1916 bis 1923. Aus der erfolgreichen Tätigkeit von Dr. Kühn als Oberingenieur und später als Chefingenieur der Firma Dr. E. F. Huth in Berlin sollen hier nur zwei seiner wichtigsten Erfindungen Erwähnung finden. Zunächst die nach dem Erfinder benannte Schwingungserzeugerschaltung, die sog. Huth-Kühn-Schaltung. Dr. Kühn fand im Verlaufe zahlreicher Untersuchungen, daß ein kapazitiver Rückführungskanal vom Arbeitskreis zu einem im Gitter der Röhre liegenden abgestimmten Kreise umso enger, die Kopplungskapazität also um so kleiner sein konnte, damit Schwingen angefacht wurde, je dämpfungsfreier der Gitterkreis war. Schließlich kam er auf Kopplungskapazitäten von nur einigen pF.

Nun lag für den Erfinder natürlich der Gedanke nahe, als Kopplungskapazität die Eigenkapazität der Röhre zwischen Gitter und Anode zu verwenden. Sofort angestellte Versuche bestätigten die Richtigkeit dieses Gedankens in vollem Umfange. Schon etwa Anfang 1917 baute Dr. Kühn den ersten 250 Watt Sender, der auf diesem Schaltungsprinzip beruhte. Es folgten bald darauf weitere Sender für 250 W, 1 kW. Die letzteren waren jedoch schon Telegrafie- und Telefoniesender.

Anfang 1917 beschäftigte sich Dr. Kühn wieder eingehend mit dem Problem der drahtlosen Telefonie. Im Verlaufe dieser Arbeiten entstand die Methode der Anodenstrommodulation, die zur Standard-Schaltung geworden ist. Nicht uninteressant ist es vielleicht, daran zu erinnern, daß etwa im Jahre 1922, also zu einer Zeit, in der es den Deutschen Rundfunk noch nicht gab, Dr. Kühn bereits vom Senderlaboratorium der Firma Huth aus jeden Tag zur Mittagspause eine halbstündige drahtlose Telefoniesendung veranstalten ließ.

Es wurde Text und Musik gegeben. Zahlreiche Anerkennungsschreiben bestätigten das Gelingen dieser Sendungen und es ist anzunehmen, daß noch diesem oder jenem der Anruf: „Hier der Telefoniesender der Firma Dr. E. F. Huth" in Erinnerung ist.

Den Berlinern speziell dürfte schließlich noch der Rundfunksender auf dem Magdeburger Platz erinnerlich sein, der seine Tätigkeit erst einstellte, als die Berliner Sender an die Peripherie der Stadt verlegt wurden. Dieser Sender der Firma Dr. E. F. Huth arbeitete mit der Kühnsehen Sender- und Modulationsschaltung. Seine Leistung in der Antenne betrug 1 kW.

Prof. Dr. Gustav Leithäuser

Etwa zwei Jahre vor der Einführung des Rundfunks in Deutschland beschäftigte man sich in den Entwicklungslaboratorien eingehend mit den Schaltungen, die das „Audion" als hauptsächliches Empfangsorgan möglichst empfindlich machen sollten.

Man wußte, daß die Rückkopplung dazu geeignet ist, den Eingangskreis des Empfängers zu „entdämpfen", und daß man durch die Benutzung einer geeigneten Rückkopplung besonders bei kleinen Empfangsströmen in der Antenne eine Empfindlichkeitssteigerung erhalten kann. Beim Arbeiten mit fernen Telegrafiestationen benutzte ich damals ein Audion mit Rückkopplung, um den Eingangskreis möglichst weit zu entdämpfen und daneben einen kleinen örtlichen Sender, den Überlagerer, der dazu diente, in geringer Verstimmung gegenüber der einfallenden Welle einen hörbaren Interferenzton für die Morsezeichen zu erhalten.

Die Verstärkung der schwachen Antennenempfangsströme durch die Rückkopplung gelang in den bisherigen Schaltungen zwar, verlangte aber äußerst feine Einstellarbeit, die den Experimentator sehr ermüdete. Nun hatte ich durch eingehende Untersuchungen eines 2-Röhren-Verstärkersystems zur Schwingungserzeugung herausgefunden, daß die Rückführung der Spannung von der Anode der zweiten Röhre auf das Gitter der ersten Röhre mit Hilfe eines kleinen Drehkondensators eine Spannungsteilung darstellte, die das Anschwiigen des 2-Röhren-Systems in sehr fein einstellbarer Weise ermöglichte.

Ich versuchte daher, den Anodenkreis eines einfachen Audions dadurch zur Rückkopplung heranzuziehen, daß ich über einen kleinen Drehkondensator und eine Spule, die in fester Lage und leidlich fester Kopplung mit dem Eingangskreis stand, einen Parallelweg zum Niederfrequenzweg des Audions schaffte. Damit dieser Parallelweg den Hochfrequenzstrom des Audions einwandfrei führte, erhielt der Niederfrequenzweg vor dem NF-Transformator noch einen ohmschen Widerstand.

Damit war die bekannte Schaltung, welche den Drehkondensator als regelnden Wechselstromwiderstand und nicht als Abstimmkondensator benutzt, für die Praxis anwendungsbereit.

Als im Jahre 1923 der Rundfunk eingeführt wurde, war es somit ganz selbstverständlich, daß man meine Schaltung mit dem Kondensator als Regelwiderstand für die Rückkopplung in der Empfangspraxis des Rundfunks benutzte.

Die Erfahrungen in der Empfangspraxis waren damit durchaus gut. Daher sah ich mich auch im Jahre 1933 veranlaßt, diese Schaltung im Volksempfänger vorzusehen, in welchem sie auch heute noch in ihrer ursprünglichen Form benutzt wird. Wenn man die Abmessungen des Audionkondensators und des Gitterableitwiderstandes richtig wählt, so erhält man bei dieser Schaltung zusätzlich den sogenannten „Fleweling-Effekt", der in einer rhythmischen Unterbrechung der erzeugten Audionschwingung mit einem Rhythmus über der Hörbarkeitsgrenze besteht und eine weitere bedeutende Empfindlichkeitssteigerung dieses Empfangsorgans zur Folge hat.

In dieser Form zeigen auch die heutigen Volksempfänger Empfindlkhkeitsgrade, die bei geschickter Bedienung sogar an die Empfindlichkeit eines Supers mit wenigen Röhren heranreichen. So ist es begreiflich, daß diese Schaltung auch in den Amateurkreisen viel Eingang gefunden hat und auch heute noch gerne benutzt wird. Sie hat im Empfängerbau des Rundfunks bis heute noch ihren Platz behauptet.

Prof. Dr. Dr. e. h. Alexander Meißner

Jede neue Technik braucht Propaganda, besonders, wenn sie erst ganz im Aufbau ist. Ein feines Gefühl hierfür hatte Emil Rathenau, der Begründer der AEG. Für die drahtlose Technik, sein Lieblingskind, machte er den Vorschlag, in Berlin einen 600... 800m hohen Propagandaturm hinzusetzen bzw. ein Turmhaus als Antennenträger. Der Turm sollte der Verkünder der neuen Technik sein, über allen Nebeln eine Plattform als Erholungsstätte für die Berliner. Damals wurde aus dem kühnen Projekt nichts. Aber als der Rundfunk aufkam, wurde doch ein Propagandaturm Wirklichkeit.
Für die erste Funkausstellung errichtete man damals nicht nur wunderbare Holzhallen - sie wurden leider das Opfer einer Brandkatastrophe -, sondern es sollte auch ein großer Rundfunksender aufgestellt werden. Seine Antennen sollten das Bestmöglichste sein. Von berufener Seite kam das Projekt, zwei hohe Maste aufzustellen, zwischen denen eine T-Antenne hing, eine Antenne, wie sie nach allen Seiten die beste Reichweite gibt.

Da kam ich mit dem Vorschlag: es käme hier nicht auf beste technische Wirkung an, sondern die Antennenanlage müßte vor allem großen Propagandawert haben. Der Antennenträger müßte der höchste Turm Berlins sein; er muß oben eine Aussichtsplattform haben, ein Fahrstuhl muß hinaufführen, ein Restaurant muß vorgesehen werden, und möglichst sind noch andere Annehmlichkeiten damit zu verbinden. Kurz, der Rundfunkturm muß etwas sein, von dem alle Welt spricht.

Da gab es zuerst Entrüstung und Bedenken bei den meisten Fachleuten: wie soll der Turm unbehindert Hochfrequenz aussenden, wenn an ihm gleichzeitig Starkstrom für Aufzug und Restaurant und Wasser hochgeführt wird.

Aber Staatssekretär Dr. Bredow entschied damals: Der Propagandaturm wird gebaut und die Schwierigkeiten sind zu überwinden. Er gab ihm auch den Namen „Funkturm".

Für die modernen Verhältnisse hätten ja all die damaligen Antennenvorschläge nicht ausgereicht; denn der Vorschlag, statt der üblichen X/4-Antenne eine X/2-Antenne zu verwenden, wurde von mir 1926 gemacht, und in dem nächsten Jahr zeigte dann Eckerslay durch die von mir angeregten Vergleichsversuche mit an Ballons aufgehängten X/4- und X/2-Antennen, daß die wirksame Reichweite, die fadingfreie Zone, durch die X/2-Anteime um 20 ...40% vergrößert wird.

Dipl.-Ing. Dr. Eugen Nesper

Der Abend des 29. Oktober 1923 bedeutete mit seinem endlich verwirklichten Start des Berliner Rundfunks nur einen kleinen Meilenstein in der Entwicklung der drahtlosen Telefonie.

Mir erscheint es Ehrenpflicht, der Männer zu gedenken, die den „Rundfunk", oder besser das „Broadcasting" ermöglicht haben: Wertheim-Salomonson in den Niederlanden, Nußbaumer in Graz, V. Poulsen und P. O. Perdersen in Kopenhagen und E. Ruhmer in Berlin hatten die Grundlagen der Erzeugung kontinuierlicher ungedämpfter Schwingungen geschaffen, die dann Telefunken und vor allem die C. Lorenz AG seit 1906 auswertete.

1912 übertrug L. de Forest bereits die Metropolitan Oper, New York, für genau ein Dutzend Empfänger. Ende 1918 baute ich zusammen mit P. Floch und W. de Colle in Wien die ersten 7-Röhren-Rahmenempfänger, mit denen nicht nur vom Stubenring, sondern bereits vom 550km entfernten Königs Wusterhausen, von wo Scharzhaupt Schallplatten, Klaviermusik und Sprache durchgab, im Lautsprecher empfangen werden konnten. Von da an setzte ich mich für den „Organisierten Rundfunk" mit aller Energie ein.

Dann folgte die Harding-Wahlnacht des 2. November 1920, in welcher der hierdurch berühmt gewordene Pittsburger KDKA- Sender der Westinghouse Co. (Dr. Conrad) die Wahlresultate, abwechselnd mit Schallplattenmusik, die ganze Nacht hindurch sendete. In den ganzen Staaten wurden diese Nachrichten von tausenden Amateuren abgehört und verbreitet.

Am 14. November 1922 wurde der gleichfalls in die Radio-Annalen eingegangene Londoner 2 LO Sender von der British Broadcasting Co. in Betrieb genommen.

Im Frühjahr 1923 begann das "Telegraphentechnische Versuchsamt Berlin" (Banneitz) mit seinen fast täglichen Versuchssendungen, die in den meisten Berliner Stadtgebieten gut empfangen wurden, so daß nicht nur Dr. Bredow selbst von der praktischen Verwertungsmöglichkeit überzeugt war, sondern daß er - was in diesem Fall weit schwieriger war - auch seine skeptischen Mitarbeiter zu gewinnen vermochte.

Selbst die z. T. ausgezeichneten Darbietungen von A. Lieban, A.Wilde, 0.Urack, R.Deman u. a. in der denkwürdigen Abendstunde der ersten Berliner Sendung des 29. Oktober 1923 konnten manche Zweifler noch immer nicht überzeugen, da sie im Rundfunk nur eine „wertlose Spielerei" erblickten und Dr. Bredow bei seiner ausgezeichneten Organisation Steine in den Weg zu legen versuchten. Aber der Bann war gebrochen.

Prof. Dr. Hans Rukop

Telefunken hatte bereits am Ende des ersten Weltkrieges (1918) einen 3kW-Röhrensender entwickelt, bestimmt der damalige Röhrensenderweltrekord. Aber nach dem Kriege (Anmerkung: gemeint ist der 1. Weltkrieg) war Deutschland leider nicht das erste Land, welches einen Rundfunk eröffnete, sondern dies waren durch die Initiative von D. Sarnoff (Anmerkung: er wurde später oberster Chef der RCA) die USA.

Telefunken besaß damals einige Versuchssender, darunter für Rundfunksendungen besonders geeignet den Röhrensender im obersten Stockwerk des Laboratoriumsgebäudes Berlin, Tempelhofer Ufer 9, den das Publikum als ersten deutschen Rundfunksender nach dem Kriege vernahm. Er gehörte organisatorisch zu dem Arbeitsbereich meines Kollegen Walter Schaeffer, des späteren Senderspezialisten der Reichsrundfunkgesellschaft (Anmerkung: wurde mit RRG abgekürzt), der leider im Jahre 1933 freiwillig aus dem Leben schied.

Einer seiner Ingenieure war Herr Zeletzki. Beide nahmen sich mit großer Begeisterung der Probesendungen an. Der Rundfunk fand vorwiegend abends statt, denn den Tag über sollte der normale Berliner natürlich arbeiten und nicht Rundfunk hören.

Als besonders geeignet und attraktiv hatte nach längeren Versuchen jemand, ich weiß nicht mehr wer, die Übertragung einer Operette angesehen. Man wählte „Boccaccio", und Telefunken nahm die Operette aus dem betreffenden Theater übers Mikrofon auf. Mein Kollege Schaeffer, Herr Zeletzki, meine Frau und ich und ein Maschinist, wir bildeten das technische Personal. Wir wußten damals natürlich, von welchen Schauspielern die Rollen gesungen und gespielt wurden, aber es sind so viele Ereignisse darüber hinweggerauscht, daß wir es heute nicht mehr sagen können.

Wenn der Anfang einer solchen Darbietung durch den Sender glücklich überwunden ist, dann kann das technische Personal nunmehr bis zum ersten Aktschluß mit den Händen in den Taschen im Senderaum herumstehen. Dies taten wir auch (abgesehen von meiner Frau). Aber einige geistige Anstrengung mußten wir auf die Aktschlüsse verwenden, bei denen der Beifall des Publikums den Rundfunkhörern, der künstlerischen Illusion wegen, möglichst eindringlich zum Bewußtsein kommen sollte.

Der Beifall wurde deshalb von uns wesentlich verschönert. Man kann ihn am Sender mit Hilfe eines Schiebewiderstandes wunderbar zum Anschwellen bringen und wieder abklingen lassen, wenn er an sich vorhanden ist. „Herr Zeletzki, den Beifall", rief Walter Schaeffer nach jedem Aktschluß, „anschwellen, jetzt wieder nachlassen, nochmal anschwellen, zweimal anschwellen wird für den zweiten Akt genügen!" Beim letzten Akt machte Herr Zeletzki schon ganz großartigen Beifall, abgesehen von seinen sonstigen Leistungen im Senden.

Es war erstaunlich, wie die Übertragung von Musik und Text damals auf die Hörer wirkte. Deren Gefühle müssen durch die Kombination von künstlerischem Genuß und dem Bewußtsein eines technischen Wunderwerkes in merkwürdiger Weise beeinflußt worden sein. Ich glaube, es hat nie bei irgendeiner Veranstaltung, mögen es Caruso-Gastspiele, Filmpremieren oder Olympiaden gewesen sein, solche Mengen von begeisterten Zuschriften gegeben wie im ersten Rundfunk.

Unsere Ingenieure und Techniker waren natürlich der Ansicht, daß alle Bewunderung uns gebührte und nicht etwa den Angestellten der betreffenden Rundfunkgesellschaft, die die Anlage lediglich bei uns gekauft hatte. Solche Meinungen verstärkten sich besonders, als man in der Zeitung lesen konnte, daß Alfred Braun von dem begeisterten Publikum täglich große Mengen von Zigarren, Zigaretten, Wein, Kognak, Schokolade, Konfekt, Gänseleberpastete zugewendet erhielt, von intimeren Offerten ganz zu schweigen.

Viele unserer nächsten Kollegen waren zunächst dem Rundfunk gegenüber recht skeptisch. Am allerwenigsten wurde er von dem Hochfrequenzmaschinen-Fachmann Dornig geschätzt. Dieser äußerte einmal zu mir, als er sich endlich einen Empfänger geliehen hatte und ich ihn nach seinem Eindruck fragte: „Im ganzen ist die Sache ja nichts wert, höchstens, daß man zu Hause seine Gäste mal eine Stunde vom Essen und Trinken abhalten kann." Aber wir haben ihm das weiter nicht verargt, denn er war, wie ich schon sagte, Spezialist in Hochfrequenzmaschinen und deswegen von Natur ein Verächter des Röhrensenders.

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