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aus der FUNK-TECHNIK Nr. 16/1948 (2. Aug. Heft)
Das Editorial

Nr. 16/1948 - 3. JAHRGANG

Die Elektroindustrie nach der Währungsreform

Wenn man einen Überblick über die gegenwärtige Lage der Elektroindustrie und ihre zukünftige Entwicklung gewinnen will, muß man daran denken, daß dieser Industriezweig zum Teil Konsumgüter, zum Teil aber auch Produktionsmittel herstellt. Auf beiden Gebieten ist die Lage grundverschieden. Aber ebenso unterschiedlich muß man die Entwicklung in den (Anmerkung: drei) Westzonen, in der Ostzone und endlich auch in Berlin beurteilen, das ja in der Elektrotechnik von ausschlaggebender Bedeutung ist. (Anmerkung: Das ist die die Meinung eines Berliners.)

In den Westzonen sind umfangreiche Hortungslager über die Geldreform hinweg gerettet worden, die jetzt mehr und mehr aufgelöst werden. Hatte man vorher Zweifel gehegt, ob es besser sei, diese Läger vorher zu verkaufen oder erst nach der Reform zu öffnen, so hat schon die Erfahrung der ersten Tage des neuen Geldes gezeigt, daß ihre Erhaltung sehr wichtig war, weil sie jetzt dazu beitrugen, das neue Geld in Bewegung zu setzen.

Über die früher unerfüllbaren Wünsche

In den Westzonen standen elektrotechnische Artikel zwar nicht an der Spitze der früher unerfüllbaren Wünsche - dazu war der Mangel an Kleidung und Schuhwerk zu groß -, aber dennoch sind viele Lampen, Rundfunkapparate und Hausgeräte an den Verbraucher gelangt. Teure Geräte wurden auch schon wieder auf Abzahlung verkauft. Auf jeden Fall sind in den Verkaufsregalen Lücken entstanden, die zu schließen der ordentliche Kaufmann bemüht sein wird.

Die Folge sind Bestellungen bei den Fabriken, die nun wieder eine positive Grundlage für ihre Arbeit haben. Grundsätzlich läßt sich sagen, daß der Produktionsanteil der Konsumgüter auch in den Westzonen viel zu groß war, so daß hier eine Umstellung erforderlich sein wird. Verursacht war diese Gewichtsverschiebung bekanntlich dadurch, daß zum Herstellen von Bügeleisen, Kochplatten, elektrischen Anzündern usw. nur einfache Fabrikationseinrichtungen gehörten, die ebenso wie das Material leicht zu beschaffen waren. Die VDE-Vor-schriften wurden vielfach ebensowenig beachtet wie nach Haltbarkeit gestrebt.

Sich im Konkurrenzkampf beweisen

In vielen kleinen Orten entstanden Elektro-Werkstätten, die jetzt erst richtig beweisen müssen, daß sie dem Konkurrenzkampf gewachsen sind. Wesentlich besser werden ihre Aussichten sein, wenn sie sich auf das vielfach sehr vernachlässigte Installationsmaterial werfen. Voraussetzung ist dabei allerdings, daß sie zweckmäßige Konstruktionen herausbringen und ihre "Un"-kosten denjenigen der älteren und leistungsfähigen Firmen anpassen. Diese selbst werden es wesentlich einfacher haben, mit ihren alten Kunden wieder ins Geschäft zu kommen.

Etwas anders ist die Lage bei den Verbrauchsgütern, die nur im Großbetrieb hergestellt werden können, wie es insbesondere Glühlampen und Radioapparate sind. Bei Glühlampen ist das Verhältnis zwischen Bedarf und Erzeugung immer noch so schlecht, daß die Fabriken in den Westzonen den Bedarf auf absehbare Zeit nicht zu decken vermögen. Die bereits begonnenen Fabriken werden zu Ende gebaut werden müssen, um die Nachfrage befriedigen zu können. Über die Zukunft der deutschen Radiowirtschaft sind an dieser Stelle1) bereits gründliche Untersuchungen angestellt worden, auf die hier nur verwiesen zu werden braucht.

Man sollte auf die Kaufkraft achten

Es sei lediglich wiederholt, daß die Leistungsfähigkeit der Industrie mit 900.000 Geräten jährlich - die Zahlen sollen für 1951 gelten - die Kaufkraft selbst bei herabgesetzten Preisen für etwa 450.000 Stück bedeutend übersteigt. Vielleicht kann eine weitere Preissenkung die Spanne verringern, jedoch werden die Fabriken dann sicherlich hart an die untere Grenze ihrer Wirtschaftlichkeit kommen.

Strom von Ost nach West ??

Die Elektroindustrie, soweit sie Produktionsanlagen wie Kraftwerksausrüstungen und Fabrikeinrichtungen herstellt, wird auf absehbare Zeit keine Absatzsorgen kennen, denn in den Plänen aller Zonen und Berlins steht die Steigerung der Stromerzeugung an erster Stelle. In Nordrhein-Westfalen sind nicht weniger als 13 Kraftwerke mit zusammen 2 Millionen kW Leistung geplant. In Süddeutschland liegen große Wasserkraftprojekte vor, unter ihnen drei Main-Kraftwerke mit zusammen 42 Millionen kWh Jahresleistung, das Stauwerk Homberg im Westerwald, die Stufe Waldshut des Schluchseewerks, das Kraftwerk Rheinau für 32.000 kW, das Rhein-Kraftwerk Ottmarsheim für 120.000 kW usw.

Weiterhin sind große Kupplungsleitungen geplant, wie eine 220-kV-Leitung von Merzig nach Dillingen und eine andere Leitung von Ludersheim in das westdeutsche Verbundnetz.

Anmerkung: Es war wirklich mal geplant, Oszonen Strom in die Westzonen zu liefern.

Das Vorhandene reparieren

Überall sind ferner große Reparaturarbeiten mehr als dringlich geworden, die unbedingt durchgeführt werden müssen, damit die Wirtschaft mit genügend viel Strom versorgt werden kann. Die Schwierigkeiten liegen hier auf zwei Gebieten, nämlich erstens der Materialbeschaffung und zweitens der Finanzierung der Bau- und Reparaturarbeiten. Für die in Nordrhein-Westfalen geplanten 13 Kraftwerke sind allein 308.000t Stahl erforderlich, die schon einen hohen Prozentsatz der Gesamterzeugung ausmachen. Eine Verteilung der Aufträge auf mehrere Jahre wird nicht zu umgehen sein.

Die Finanzierung wird zunächst auf ziemliche Schwierigkeiten stoßen, da der Kapitalmarkt vorerst noch unergiebig ist und die Kraftwerke bei erhöhten Betriebskosten verringerte Einnahmen haben.

Bei der Beschaffung elektrischer Industrieausrüstung spielt die Frage der Finanzierung ebenfalls eine große Rolle. Der Bedarf ist ohne Zweifel sehr groß, jedoch werden die Betriebe erst dann größere Aufträge vergeben können, wenn die Fragen des Kredits geklärt sind. Vorläufig nimmt sich die Kreditpolitik hauptsächlich der Konsumgüterindustrien an, so daß die Elektroindustrie selbst auf eine Finanzierung durch ihre Kunden angewiesen ist. Erfahrungsgemäß können jedoch Anzahlungen und Teilzahlungen der Kunden den Finanzierungsbedarf nicht voll decken, so daß hier eine Lücke klafft, die zu schließen eine Aufgabe der für die Kreditpolitik verantwortlichen Stellen ist.

Währungsreform nur eine Geldreform ?

Endlich muß in diesem Zusammenhang noch die Frage des Exports angeschnitten werden. An sich war ja die sogenannte Währungsreform nur eine Geldreform, die auf den äußeren Wert des neuen Geldes keinen Einfluß hatte.

Immerhin hat sich die Wettbewerbsfähigkeit auch der deutschen Elektroindustrie schon dadurch verbessert, daß sich die Produktivität der Arbeit nach Berichten aus den Westzonen um etwa 30 % gehoben hat. Das bedeutet aber, daß die Industrie allgemein mit günstigeren Angeboten aufwarten kann und somit größere Aussichten hat, im internationalen Wettbewerb Aufträge hereinzuholen, zumal sie technisch nach wie vor auf der Höhe ist.
G. H. N.

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