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Artikel, Zitate und Infos stammen aus der Funk-Technik, der Funkschau, den RTMs, Kameramann, der FKT, den Schriften von Philips und Zeiss Ikon und Anderen. Mehr über die verfälschten historischen Informationen ab 1933 über 1945 bis weit in die 80er Jahre.

aus der FUNK-TECHNIK Nr. 12/1948 (2. Juni Heft)
Das Editorial

Nr. 12/1948 - 3. JAHRGANG

Hannover im Zeichen der Exportschwierigkeiten

Die Eröffnung der „Unvollendeten", wie man die Exportmesse in Hannover-Laatzen zu Beginn nannte, ist längst vergessen, und die Messe selbst ist vorbei - es gilt jetzt, ihrem Ergebnis nachzuspüren.

Stimmungsvolle Eröffnung im Kuppelsaal des Rathauses zu Hannover, Fahnen auf dem Messegelände, überaus geschmackvolle Standaufbauten, besetzt mit märchenhaften Waren, mehr als mangelhafte Unterkunft für die Besucher, aber gute Verkehrs-Verbindungen, eine viel bestaunte neue Damenmode in der abendlichen Modenschau und in den Hallen der Textilindustrie, traumhaft schöne Lederwaren, Autos und Motorräder, Porzellan- und Glaswaren, begehrte Getränkekarten und ein verblüffend hoher Preis für den Ausstellungskatalog, selbst für die Presse, 650 unermüdliche Lautsprecher, denen keiner entrinnen konnte, Pressekonferenzen, Briefmarken und viele Autos . . .

Das war der wirbelnde, bunte Hintergrund einer ernsthaften geschäftlichen Veranstaltung, die 2.300 Aussteller auf mehr als 60.000qm Fläche in Berührung mit über 5.000 Ausländern und mehr als 100.000 deutschen Exportinteressenten brachte, ungerechnet die Flut der „Sehleute", die an den beiden letzten Wochenenden das Gelände überschwemmten.

Der Radiofachmann blickte in den Katalog - so ihm das Glück hold war und er ihn inmitten einer Schlange „erstehen" konnte - und fand die Elektro- und Radioindustrie in der Halle IV vertreten, verstreut auch in der erst vier Tage nach Messebeginn fertiggestellten Zelthalle VII und vereinzelt noch in Halle II. Die branchenmäßige Zusammenfassung hätte besser sein dürfen!

Nicht mal die Hälfte der Aussteller von Leipzig

Die Zahl der bizonalen Aussteller der Sparte Elektro- und Radiotechnik umfaßte mit etwas über 100 Ausstellern noch nicht die Hälfte der ausstellenden Firmen anläßlich der Leipziger Frühjahrsmesse 1948.

Wieder einmal erkennt man eindeutig, wie sehr doch Berlin und die Ostzone die eigentlichen Standorte dieser Industrie sind (Anmerkung: bislang waren), obgleich in der genannten Zahl auch zahlreiche Aussteller aus den Westsektoren Berlins enthalten sind. - Dagegen muß mit aller Deutlichkeit festgestellt werden, daß sich die Qualität der ausgestellten Geräte, Instrumente und Einzelteile gegenüber dem Leipziger Angebot wohltuend abhob !! Man siebte in Hannover sehr sorgfältig und wies alle Firmen ab, deren Erzeugnisse nicht exportreif schienen.

Der Verlauf der Exportmesse bewies einmal mehr, wie interessiert der ausländische Einkäufer an den Erzeugnissen der deutschen Radioindustrie ist, wie sehr aber auch die Geschäftsmöglichkeiten durch die vielen Hemmungen preis- und währungspolitischer Art eingeschränkt werden. Öfter als es lieb war, bewahrheitete sich das sarkastische Wort, das Wirtschaftsminister Kübel anläßlich einer Pressekonferenz aussprach: „Viele Kontakte, aber wenig Kontrakte!"

Leider sind die Bremsen des Exportgeschäftes heute noch sehr viel stärker als der Motor der fördernden Faktoren. Die Rundfunkindustrie, als nicht unbedingt lebenswichtiger Wirtschaftszweig, leidet heute ganz besonders unter den Hemmnissen des Exportgeschäftes mit seinem noch immer starr aufrechterhaltenen Zwang zur Dollarzahlung durch die einführenden Länder.

Deutschland ein „Hart-Währungs-Land"

Hannover bewies es an mehr als einem Beispiel, wie kurios die Stellung Westdeutschlands als „Hart-Währungs-Land" ist. Schließlich ist es ganz natürlich, wenn die chronisch knappen Dollars vom Einfuhrland nicht gerade für Gegenstände zugewiesen werden, auf die man vielleicht auch verzichten kann, oder deren Eigenherstellung im Gegensatz zur Vorkriegszeit möglich gemacht wurde.

Nicht weniger hemmend wirken die oftmals zu hohen innerdeutschen Preise, bedingt durch viele, uns allen bekannte Umstände, unter denen die geringe Leistungsfähigkeit der Arbeiter nicht einer der letzten ist.

Als Beispiel diene die Röhrenherstellung: Telefunken fertigte vor dem Kriege in seinem Berliner Röhrenwerk monatlich etwa eine Million Radioröhren mit einer Belegschaft von rund 10.000 Köpfen. Heute werden knapp 10% dieser Menge von 20% der früher Beschäftigten fabriziert!

Die hohen Preise, die sich aus solchen "Un"? -kostenfaktoren zwangsläufig ergeben, können bei nicht besonders günstigen Umrechnungskoeffizienten Dollar/Reichsmark niemals ausgeglichen werden.

Sind wir Deutschen zu teuer ?

Trotzdem jener Kurs von 30 Dollarcent je Reichsmark noch nicht verbindlich ist, klagten die Aussteller in Hannover allgemein über den zu ungünstigen Umrechnungsfaktor, den die JEIA festlegt. Im einzelnen sind die Unterschiede je nach Marktlage, Konkurrenzfähigkeit, Weltmarktpreis usw. ganz beträchtlich. Wenn beispielsweise eine führende Spezialfirma mit ihrer Herstellung hochwertiger, fast konkurrenzloser Meßgeräte vom ausländischen Käufer mühelos 40$cent erhält, so ist der Fabrikant eines Massenartikels, wie ihn beispielsweise heute der Lautsprecher darstellt, selbst bei 18c nicht in der Lage, Geschäfte abzuschließen, denn die Massenproduktion der USA überschwemmt die dollarkräftigen Länder zu erstaunlich niedrigen Preisen. Die Qualitätsfrage wurde bereits gestreift - wirklich, auf diesem Gebiet ist schon vieles besser geworden, aber es bleibt noch manches zu tun übrig.

Wie schwierig schließlich der Formularkrieg das Exportgeschäft gestaltet, ist oft genug erwähnt und kritisiert worden - daß dies eine allgemeine Erscheinung in allen Ländern mit weicher Währung ist, bildet für uns nur einen geringen Trost.

Vielleicht darf man hinsichtlich der Exportaussichten von Rundfunkempfängern und gängigen Einzelteilen ganz allgemein nicht mehr sehr optimistisch sein.

Mehrfach um 180 Gard gedreht

Die Welt hat sich seit 1939 mehrfach und sehr heftig gedreht - und das Rundfunkgerät, seit Jahren kaum verändert, ist genau so Konfektion geworden wie viele Dinge des täglichen Bedarfs, man kann es immer billiger und rationeller überall in der Welt am Fließband fertigen, da seine technische Entwicklung abgeschlossen zu sein scheint.

In fast allen Ländern der Erde findet man daher einheimische Radioapparate, deren Herstellung durch den ständigen Devisenmangel der ganzen Welt außerhalb der USA äußerst begünstigt wird. Zwischen Entgegennahme eines Exportauftrages und seiner endlichen Verwirklichung liegt heute ein weiter Weg. Hannover zeigte es im vergangenen Jahr, als mehr als 50% aller damals fest hereingenommenen Auslandsaufträge annulliert wurden - uns bleibt für dieses Jahr wiederum nur die Hoffnung auf bessere Erfolge.

Karl Tetzner



Nachrichten aus der Industire
Neue Radiogeräte für den Export

Die Elektro- und Radioindustrie waren, wir haben es wiederholt erwähnt, neben den optischen und fotografischen Werken anteilmäßig Deutschlands größte Exporteure. Eine Exportschau müßte also diesen wichtigen Zweig der Wirtschaft besonders herausstellen. In Hannover nahmen aber diese Industrien in den Hallen und im Gelände nicht im entferntesten den Raum ein, der ihnen kraft ihrer ehemaligen Bedeutung zukäme.

Elektrische Großmaschinen fehlten fast vollkommen, auch elektrische Ausrüstungen und sonstige Sonderfertigungen sah man nur vereinzelt. Spitzenkonstruktionen und wirkliche Neuerungen, mit denen man früher die Kauflust der ausländischen Ex- und Importeure anregte, fehlten. Nach wie vor wollen wir hoffen, daß daran hauptsächlich die ungeklärte Patentlage, die Unsicherheit der Währung sowie andere in Kürze zu überwindende Faktoren schuld sind. Es wäre sonst sehr traurig um unseren künftigen Lebensstandard bestellt, wenn die Verlagerung von der Fertigwarenausfuhr auf den Rohstoffexport Kohle und Holz sich verewigen würde.

Radioapparate, die berechtigten Anspruch auf Weltqualität erheben könnten, waren an den fünf Fingern einer Hand abzuzählen, wobei noch einschränkend der hohe Preis erwähnt werden muß. Meß- und Prüf-Instrumente, sowie die sehr rege elektromedizinische Sparte dürften heute allein im Ausland konkurrenzfähig sein. Hannover bewies neuerlich eindringlich, daß Wirtschaft, Industrie, Groß- und Einzelhandel, Techniker und nicht zuletzt die ernsthaften Amateure alles aufbieten müssen, um den Anschluß an die weit voraus geeilte Qualitätsentwicklung des Weltmarktes zu gewinnen, damit die Elektro- und Radioindustrie den Anteil zurückerobert, den sie auf dem Weltmarkt hafte.

Im einzelnen zeigte die Rundfunkindustrie

der (allein vertretenen) Westzonen (Anmerkung : also ohne die Firmen der Ostzone bzw. der SBZ) einschließlich Berlins folgende neue Konstruktionen seit der Leipziger Frühjahrsmesse:

Blaupunkt, Berlin

baut den in Leipzig gezeigten 7-Kreis-8-Röhren-Wechselstromsuper mit fünf Wellenbereichen, darunter drei gespreizten KW-Bereichen von 13,8 ... 53m, in einer repräsentativen und formschönen Musiktruhe als Type 8 W 749 T mit zwei Lautsprechern mit Trichtertonführung zusammen. - Als weitere Neuheit ist ein 4-Kreis-3-Röhren-Klemsuper 3 GW 448 für Allstrom mit den Röhren VCH 11, VEL11 und VY 2 für Kurz- und Mittelwellenempfang erschienen, der die von Blaupunkt gepflegte Induktivitätsabstimmung verwendet.

Fahnenschreiber & Söhne, Berlin

zeigte einen 6-Kreis-6-Röhren-Kraft-wagen-Super mit drei Wellenbereichen (K, M, L) und der Bestückung EF13, ECH11, EFU, EBC11, EDD11 und EZ11, der einige recht hübsch gelöste Einzelheiten aufwies: Lautsprecher, Empfangs- und Gleichrichterteil sind in ein ovales Gehäuse zusammengebaut, das an Stelle des Handschuhfaches in das Armaturenbrett des Kraftwagens eingebaut wird. Lediglich der Wechselrichterteil wird als eigenes Element in Batterienähe untergebracht. Der Zeigerantrieb nebst Skalenbeleuchtung ist durch die Lautsprechermittelachse durchgeführt, so daß der Skalenring zentrisch um die Lautsprecherabdeckung ein recht gefälliges Aussehen ergibt. Die Empfindlichkeit wird vom Hersteller mit nur 5 ... 8 ^V für 50 mW Ausgangsleistung angegeben. Leider fehlte die Möglichkeit, das Gerät im Betrieb im Kraftwagen zu erproben.

T. A. Kansi, Berlin

brachte zur Messe einen Mittelklassensuper S 48/A mit sechs Kreisen und dem üblichen U-Röhrensatz in einem Eichengehäuse mit Linearskala heraus. Tonblende und Lautstärkeregler mit Zugschalter zur Inbetriebnahme einerseits und Abstimmung und Wellenschalter andrerseits sind praktisch in zwei Doppelknöpfen zusammengefaßt. - Die gleiche U-Röhrenbestückung besitzt der S 48/C, ein Sechskreis-Super im Kleingehäuse. - Beim Einkreiser 1/48/H mit den Röhren 2x904, 164 und AZ1 bzw. 354 und dynamischem Lautsprecher ist es gelungen, die Rückkopplung nach einmaliger Anpassung an die verwendete Antenne über den ganzen Wellenbereich konstant zu halten.

W. Krefft-A. G. in Gevelsberg (Westf.)

baut seit einem halben Jahr den Standardsuper der britischen Zone mit eigenen Holzgehäusen.

Lorenz- Werke

Von den drei gezeigten Rundfunkempfängern ist vor allem der Dreiröhren-Allstrom-Universal-Superhet „Trausnitz" zu erwähnen, der 3 Wellenbereiche besitzt und mit 2XUCH21, UBL 21 und einem Trockengleichrichter bestückt ist. Der Empfänger ist für Tonabnehmeranschluß eingerichtet und mit einem 4-Watt-Permanent-Lautsprecher ausgerüstet.

Opta-Radio

hatte einen in seinem Werk Küps in Oberfranken hergestellten 5-Kreis-4Röhrensuper für Kurz- und Mittelwellenempfang und der Stahlröhrenbestückung ECHll, EBF11, ECL11 und AZU in Nußbaumgehäuse als Neuheit ausgestellt. - Der erstmals in Leipzig gezeigte Opta-Batteriesuper 3509 mit 4 RV 2 P 800 und 2 KL 1 und seinem praktischen Batterie- und Netzanschlußkasten hat besonders bei der Flußschiffahrt begeisterte Aufnahme gefunden.

Philips-Valvo-Werke, Berlin

ersetzte den Allstromsuper RA 4 U durch ein Wechselstromgerät RW4E (Sechskreis-Super) mit dem Standardröhrensatz 2XECH 4, EBL 1 und AZ1, das als Neuerung den Kurzwellenempfang auf die beiden Bänder um 25 und 49 m beschränkt, jedes dieser beiden aber durch kapazitive Spreizung über die ganze Skalenlänge ausdehnt. Die Sendereinstellung ist deshalb auf diesen beiden wichtigen Bändern so einfach wie im Mittelwellenbereich. Auf den Langwellenbereich wurde verzichtet. Die Eingangsempfindlichkeit (für 50 mW Ausgangsleistung) wird mit 25uV im 25-m-Band, mit 15uV für die beiden anderen Empfangsbereiche angegeben. Die übrige Ausführung, wie z. B. die lautstärkerichtig korrigierende Gegenkopplung, die auf 7 kHz festgelegte Bandbreite, der Schwungradantrieb usw., entspricht der von Philips gewohnten Qualität. -

Der im Zweigwerk Wetzlar hergestellte 6-Kreis-4Röhrensuper D 78 A, den wir in Heft 6 einer eingehenden Würdigung unterzogen haben, erhielt im D 78 U sein Allstrom-Gegenstück. Dieses Gerät ist mit dem neuen Röhrensatz 2 x UCH 5, UBL 3 und UY 3 ausgerüstet. Besonders erfreulich ist es, daß die Philips-Valvo-Werke in Wetzlar die Anregung der Fachpresse (s. auch Heft 6) aufgenommen und die Skala der beiden Geräte D 78 A und U um ca. 1 1/2cm verbreitert haben, um so Platz für eine ausführlichere Beschriftung zu gewinnen. -

Daß Philips-Valvo als erste die sechsmonatige Röhrengarantie für die Erstbestückung aller mit Valvo-Röhren ausgestatteten Geräte wieder einführt, ist ein Gütemerkmal für die Leistung ihrer Röhrenfabrik in Hamburg.

Schaub Apparatebau-Gesellschaft, Pforzheim

Neu aus der Asche ihrer Fabrikationsstätten erstanden, stellte sich die Firma auf der Exportmesse vor. Neben dem für den deutschen Markt seit längerem gelieferten Zweikreiser zeigte das Werk zwei Sechskreis-Super für drei Wellenbereiche mit den Röhren 2x UCH 21, UBL 21 und Selengleichrichter. Davon ist der eine, (fälschlich) als „Zwergsuper Z 49" bezeichnet, in ein Preßstoff-Kleingehäuse mit Uhrenskala nach Art der Exportsuper der Kriegsjahre, der andere, der „Mittelsuper S 49", in ein dezentes Holzgehäuse gerader Linienführung eingebaut.

Am meisten bestaunt und ob seines soliden Aufbaus und seiner friedensmäßigen Ausstattung bewundert wurde der „Großsuper 7 K 7", eine, soweit feststellbar, ziemlich unverändert übernommene Vorkriegskonstruktion (Schaub SG 42). Der 7-Kreis-7-Röhr«n-Großsuper besitzt neben dem Mittel- und Langwellenbereich fünf gespreizte Kurzwellenbereiche, die alle Wellen von 13,5 m bis 210m einschließen. Die Wellenbereichumschaltung und die Tonabnehmeranschaltung erfolgt sehr zweckmäßig mittels acht Drucktasten, die über stabile Gestänge die Schaltkontakte der einzelnen Spulengruppen betätigen, ein Verfahren, dem gerade bei einer so großen Zahl von Bereichen sicher der Vorzug gebührt.

Friedensmäßig ist auch die Röhrenbestückung mit EF 13, ECH 11, EBF 11, EF 11, EL 12, EZ 12 und EM 11. Die Bandbreitenregelung erfolgt durchgehend mittels Spulenfahrstuhls in einem Bandfilter zwischen 1,5 und 8kHz und ist mit einer veränderlichen Gegenkopplung zur Beschneidüng der hohen Tonlagen gekoppelt. Mit dem Lautstärkeregler, der in seiner Anfangsstellung gleichzeitig den Netzschalter betätigt, ist ein Zugschalter für Sprache-und Musikwiedergabe verbunden. Am Gehäuse besticht ebenso der Glanz der Nußbaummaserung wie die große übersichtliche Linearskala. Mit einem Ausmaß von 670X440X325 mm und einem Gewicht von 22kg war der 7K7 neben den Musiktruhen das gewichtigste Rundfunkgerät der Messe. - Neben diesem Riesen zeigte Schaub einen „Kolibri", das erste Muster eines nur 185x130x70 mm großen Einkreisers mit 3 RV12P2000 und permanentdynamisGhem Lautsprecher von ca. 85 mm Membrandurchmesser.

Siemens-Werner-Werke

zeigten neben den bereits in Leipzig ausgestellten Empfängen SW 260 GW und SW 460.GW die beiden Standard-Supertypen in Holz- sowie in Preßstoffgehäuse. Neu war der Siemens-Super SH 467 W, ein Sechskreis-Vierröhrengerät für Wechselstrom in Holzgehäuse mit Kurz-, Mittel- und Langwellenbereich und der Röhrenbestückung 2 x ECH 4, EBL 1 und AZ 1. Das gleiche Gerät kommt unter der Typenbezeichnung SH 478 W, jedoch mit großem permanent-dynamischem 4W-Lautsprecher mit Außenzentrierung heraus. Das formschöne große Holzgehäuse und der Lautsprecher verbürgen eine erstklassige Klangwiedergabe. Beide Empfänger werden von dem Siemens-Wernerwerk, Karlsruhe, hergestellt.

Telefunken-Werke, Berlin, Stuttgart

Der Sessel-Phono-Super, schon 1938 fand er eine gute Aufnahme, wurde in schmuckem Gewand als Type 1040 neu aufgelegt. Der durch eine Schiebeplatte verschließbare Plattenspieler ist mit dem neuen Tonabnehmer TO 1002 mit Saphirnadel ausgestattet. Der Rundfunkteil besteht aus einem Sechskreis-Super mit drei Wellenbereichen und dem Röhrensatz ECH 11, EBF 11, ECL 11 und AZ 11, besitzt Bandbreiten- und Tonregler und einen klangschönen Lautsprecher großen Durchmessers. Durch die verringerten Ausmaße (600 x 560 X 380 mm) hat das einem Teewagen ähnliche Gerät noch erheblich gegenüber seinem Vorläufer gewonnen.

Bei dem ausgestellten Muster einer Schallplattentruhe, die keinen Rundfunkempfangsteil, sondern statt dessen nur einen zweistufigen Verstärker für den Schallplattenspieler mit dem TO 1002 enthielt, störten leider zwei auffallend im Mittelfeld der Schallwand anstatt auf dem Laufwerksboden angebrachte Bedienungsknöpfe den harmonischen Eindruck. - Um so besser gelungen erscheint der neue Exportsuper T 8 H 65 WK. Sein dunkelbraunes Holzgehäuse besitzt eine große nach hinten geneigte Flutlicht-Linearskala zwischen den Bedienungsknöpfen, die mit der wieder leicht nach vorn geneigten, stoffverkleideten Schallwand eine wirkungsvoll gegliederte Vorderfront abgibt. Eingebaut ist ein Sechskreis-Fünfröhrensuper mit Magischem Auge. Die Röhrenbestückung ECH 11, EBF 11, ECL 11, AZU und EMU verleiht dem Gerät auf den drei üblichen Wellenbereichen eine Empfindlichkeit zwischen 15 und 50uV. Der dreistufige Klangregler ist mit einer einstufigen Bandbreitenregelung verbunden. Der Abstimmknopf dient beim Herausziehen zugleich als Sprache-Musikschalter. Der eingebaute permanentdynamische Lautsprecher von 175mm Membrandurchmesser verwendet eine Zentriermembrane, die zugleich den Magnetringspalt staubdicht kapselt. Das Gerät wird auch in einer Überseeausführung tropenfest mit drei aneinander anschließenden Wellenbereichen von 15.... 570m hergestellt.

Waldschmidt-Apparate, Kappeln an der Schlei

stellte ihren neuen Großmusikschrank „Titan 2" vor. Der Rundfunkempfangsteil besteht aus einem 7-Kreis-Super an den sich zur NF-Verstärkung je ein eigener Verstärkerkanal für die drei Lautsprecher, nämlich ein Wunderlich-Hochton-Kristall-System, ein 8-Watt-Lensahn-Mittelton- und ein 12-Watt- Ela-Tiefton-Chassis, anschließt. Über die interessante Schaltung dieses größten derzeit gebauten Gerätes, das die Röhren 3 X ECH 4, EBL 1, EF 6, AL 4, 2XAD1, AZ 12 und EM 11 benutzt, wird noch gesondert zu sprechen sein. Die gesamte Sprechleistung beträgt über 13 Watt. Leider konnte die Wiedergabe, deren Frequenzspektrum der Hersteller mit 20 ... 12 000 Hz rühmt, im Rahmen der Ausstellung nicht zuverlässig beurteilt werden.


Wobbe-Radio, Winsen a. d. Luhe

Den Abschluß unserer alphabetisch geordneten Besprechung bildet das kleinste Gerät der Ausstellung. Dem Konstrukteur ist es gelungen, in ein nur 116 x 79 x 65 mm messendes Gehäuse, das einer Miniaturausgabe der bekannten amerikanischen und französischen Zwergsuper gleicht, einen kompletten Einkreis-Allstromempfänger mit Kurz- und Mittelwellenbereich und permanentdynamischem Zwerg-Lautsprecher (von Hagenuk) unterzubringen.

Das Gerätchen, das nur 550 g wiegt, besitzt sogar eine schwenkbare Antennenspule und eine winzige Zeigerskala. Als Röhrenbestückung wurden zwei RV 12 P 2000 angegeben. (Die geplante Rimlock-Röhrenbestückung dürfte regulär wohl nur im Ausland möglich sein.)

Sicherlich ist das Wobbe-Kleinstgerät eine interessante Konstruktion und ein nettes, vielleicht sogar aussichtsreiches Exportspielzeug für verwöhnte Kinder oder blasierte Modedamen. Von einem ernsthaften Rundfunkgerät aber verlangen wir mehr! Man sollte nicht auf die liliputanerhafte Verkleinerung einer bekannten Gehäuseform bedacht sein, noch weniger auf die klangverschlechternde Verkleinerung der schallabstrahlenden Membrane des Lautsprechers besonderen Wert legen, sondern diese Tüftelarbeit lieber einem neuen Kleingehäusestil zuwenden, der als flache Schatulle ohne vorstehende Bedienungsgriffe und anhängende Anschlußschnur in jeder Reisetasche und Aktenmappe mitgenommen werden kann.

Sein Empfangsteil aber sollte ohne jede besondere Außenantenne brauchbaren Empfang der zwei oder drei nächstgelegenen Sender bei annehmbarer Tönwiedergabe liefern. Ein solches Gerät, das wir leider auch auf dieser Exportmesse vergeblich suchten, entspräche zumindest in Deutschland einem Bedürfnis. Ob wir allerdings ohne die im Ausland verfügbaren Zwergröhren und Spezialteile einen solchen Miniaturempfänger in konkurrenzfähiger Ausführung für Exportzwecke herstellen können, mag dahingestellt bleiben.

Gd.

Ein kleine einfache Beilage wirft große Schatten voraus :
Die Währungsreform kommt

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in der FUNK-TECHNIK Nr. 12/1948 (Juni Ausgabe)
FACHPRESSE - heute wichtiger denn je

Der fast völlige Ausfall alter und der große Mangel an neuer Fachliteratur macht sich auf dem Gebiet der Technik ganz besonders nachteilig bemerkbar. Die durch das Fehlen der technischen Literatur entstandene Lücke wird heute zum großen Teil durch eine leistungsfähige Fachpresse ausgefüllt, die es sich über ihren eigentlichen Zweck hinaus zur Aufgabe gemacht hat, auf den verschiedensten Spezialgebieten auch das Fachbuch zu ersetzen.

Die Bedeutung der technischen Fachzeitschriften für den Wiederaufbau unseres gesamten Wirtschaftslebens und für jeden Wissenschaftler und Praktiker geht u. a. aus den hohen Auflageziffern hervor, die verschiedene Fachblätter trotz der Schwierigkeiten in der Papierbeschaffung erreicht haben.

Der Wissenschaftler, der Ingenieur, der Techniker, der Meister, der Kaufmann, der Student, der Lehrling - sie alle brauchen ihre Fachzeitschrift, um die Möglichkeit zu haben, sich, über die technischen, wirtschaftlichen und alle sonstigen Probleme ihres Fachgebietes und ihrer Branche auf dem laufenden zu halten oder das Lehr- und Lernmaterial zu besitzen, das sie für ihre praktische Arbeit im Beruf oder in der Ausbildung benötigen.

Mehr denn je wird jetzt die Qualität der Leistung von entscheidender Bedeutung sein. Eine gute Fachzeitschrift hilft daher in noch stärkerem Maße als bisher den Existenz- und Konkurrenzkampf erfolgreich zu bestehen.

Die Währungsreform zwingt zwar jeden einzelnen, seinen Ausgabenetat zu überprüfen und wohl in vielen Fällen einzuschränken. Dabei wird es sich nicht vermeiden lassen, auf manches zu verzichten, was man bisher für nützlich oder sogar für notwendig gehalten hat. Mancher wird nun vielleicht bei Einschränkung seiner Ausgaben in Bausch und Bogen auch seine Fachzeitschrift abbestellen, ohne besonders zu überlegen, daß er damit eine Einsparung erzielt, die in keinem Verhältnis zu den großen Nachteilen steht, die sich daraus ergeben, daß er sich eines wertvollen Handwerkszeuges selbst entledigt.

Ob es in Zukunft möglich sein wird, die Zeitschrift im Abonnement wieder zu erhalten, ist fraglich. Die durch Abbestellung freiwerdenden Stücke würden nämlich an die große Zahl der Interessenten geliefert werden, die durch die Beschränkung der Auflagen bisher nicht in den Genuß des regelmäßigen Bezugs einer Fachzeitschrift gekommen sind.

Daher werden diejenigen, die aus überstürzten Sparmaßnahmen heraus ihr Abonnement aufgeben, später mit ihrer Neubestellung nicht immer berücksichtigt werden können. Auch die Nachlieferung von Heften wird nicht möglich sein, so daß durch Unterbrechung des Abonnements der Jahrgang unvollständig sein würde.

Es wird sich daher empfehlen, eine etwa beabsichtigte Abbestellung der Zeitschrift unter Beachtung auch der hier erwähnten Erfordernisse sorgfältig zu prüfen.

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