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Historisches Wissen aus Heften, Zeitschriften, Magazinen

Artikel, Zitate und Infos stammen aus der Funk-Technik, der Funkschau, den RTMs, Kameramann, der FKT, den Schriften von Philips und Zeiss Ikon und Anderen. Mehr über die verfälschten historischen Informationen ab 1933 über 1945 bis weit in die 1980er Jahre.

ELEKTRO- und RADIOWIRTSCHAFT

von der 19. Schweizer Radioausstellung in Zürich
(Züricher Radioschau)

Die Weltoffenheit und die Aufgeschlossenheit dieses Landes allen technischen Entwicklungen gegenüber zeigte die in Zürich zum 19. Male abgehaltene Rundfunkausstellung. Man weiß, auf welchem hohen Stand die technische Entwicklung der Rundfunkgeräte und des Zubehörs gerade in der Schweiz angelangt ist - und doch hat die Radiotechnik aller Länder ungehinderten Zutritt zum Schweizer Markt. Daher findet sich kaum irgendwo in Europa eine solche Vergleichsmöglichkeit des technischen Fortschrittes wie hier, stark begünstigt durch die vorzüglichen Währungsverhältnisse, die einen fast unbeschränkten Einkauf in jedem Land der Welt gestattet.

Die Züricher Radioschau stand daher ebensosehr im Zeichen bester Schweizer Qualitätsarbeit wie ausländischer, vornehmlich holländischer und amerikanischer Höchstleistungen. Aber auch Erzeugnisse aus Frankreich (vor allem Röhrenprüfgeräte und Meßsender) und Italien, aus den AGA-Werken in Stockholm, aus Wien (Minerva-Titan) und Budapest (Orion) waren zu sehen.

Rundfunkempfänger auf dem Höchststand

Es ist ein beliebtes Wort, das da behauptet, die Rundfunktechnik hätte ihren Höhepunkt erreicht und wesentliche Neuentwicklungen seien nicht zu erwarten. Wer die Entwicklung der letzten Jahre in einem neutralen Land aufmerksam beobachtet hat, wird nicht umhin können, einige Körnchen Wahrheit darin zu entdecken. Die Schau der wunderbar ausgewogenen Empfänger in Zürich, deren Leistung genau dem gediegenen Äußeren entsprach, läßt unzweifelhaft die Frage nach der Möglichkeit einer Höherentwicklung aufkommen.

Hinzu kommt, daß bei einem Vergleich der Geräte aus den Jahren 1943/45 mit denen der 1947er-Ausstellung entscheidende Verbesserungen nicht festgestellt werden können. Damit sei nun auf keinen Fall gesagt, daß die neuen Geräte nicht gut seien, ganz im Gegenteil - es sei nur erklärt, wie schwer es unter anderem den Firmen wird, die Notwendigkeit neuer Modelle zu beweisen.

Die 17 Schweizer Firmen . . . .

Die 17 Schweizer Firmen und die ausländischen Radiofabriken zeigten durchweg ansprechend aufgebaute Serien vom kleinen Reisesuper bis zum Großsuperhet und Schrankgerät mit Plattenspieler - Geradeausempfänger fehlten vollständig. Dies einmal aus Verbotsgründen (Rückkopplungsstörungen!) und dann ganz einfach deshalb, weil man überall in Europa weiß, wie überholt diese Art Rundfunkempfänger ist.

Bemerkenswert war auch in Zürich, daß, genau wie in Mailand und auf der Radiolympia London, der Kurzwellenempfang äußerst gepflegt wurde. Man verzichtete in Sonderfällen eher auf das Langwellenband als auf einen leistungsfähigen Kurzwellenbereich. Jeder Empfänger weist einen sauber konstruierten Kurzwellenteil auf, und schon Mittelklassensuper haben zwei Kurzwellenbereiche oder gar Bandspreizung. Empfänger mit 4 ...6 bandgespreizten KW - Bereichen zeigte Philips, wobei ein Modell durch die Möglichkeit hervorstach, jede beliebige Stelle des Kurzwellenbandes zu spreizen.

Der schon länger bekannte Kurzwellenpilot war zu sehen: eine uhrenförmige Hilfsskala, die unterhalb der Skala synchron mit dem Zeiger mitläuft und eine ganz genaue Einstellung der KW-Sender ermöglicht - so genau, daß man den Sender jederzeit wiederfinden kann. Aber nicht nur durch Verbesserung der Abstimmittel erreichte man eine Verbesserung des KW-Empfanges, vielmehr hielt der Aufbau des schaltungstechnischen Teiles und insbesondere des mechanischen Teiles voll Schritt. Man legt sehr viel Wert auf sauber durchgebildete, schwebend in Gummi gelagerte Drehkondensatoren, damit das lästige Heulen auf den Kurzwellenbändern, hervorgerufen durch akustische Rückkopplung, beseitigt wird und man die volle Verstärkung der modernen Röhren ausnutzen kann.

Bemerkenswerte Konstruktionen

Immer weiter nach vorn dringen gut und kompakt gebaute Plattenspieler-Kombinationen in Tischgeräteform: Philips, Seyfer & Co. und andere brachten bemerkenswerte Konstruktionen heraus, die allen Ansprüchen genügen. Die herrliehen, architektonisch durchweg gelungenen Schrankkombinationen weisen meist Thorens-Plattenwechsler auf, wobei die „Pausenschaltung" immer wieder hervorgehoben wird.

Man sah u. a. Luxuskombinationen, bestehend aus einem hochwertigen Superhet, Plattenwechsler und Hausbar, allerdings waren die Preise entsprechend: 1800,- bis 2200,- sFr. sind auch für die Schweiz außerordentlich viel.

Wieder einmal hatte Philips eine kleine Sensation zu verzeichnen, indem diese rührige Firma den „Piccolo" herausbrachte, einen sehr kleinen Allstromsuper mit einem Wellenbereich, dessen neuartiger, hochwirkender Lautsprecher einen verblüffend guten Ton erzeugte. Bestückt war dieses Preßstoff-Gerät mit der bereits in der FUNK-TECHNIK beschriebenen Rimlock-Serie (UCH 41, UAF 41, UF 41, UL 41, UY 41). Der Empfänger überraschte nicht nur durch den Ton und die hervorragende Trennschärfe - ein Erfolg modernster Bauteile -, sondern noch mehr durch seinen für Schweizer Verhältnisse überraschend niedrigen Preis von 235,- sFr.

Röhren neu und besser - erstmalig Rimlock-Röhren

Unbestreitbar die Sensation der Ausstellung war das erstmalige Erscheinen der Rimlock-Röhren, von denen sich Philips eine gewisse Umwälzung der Röhrentechnik verspricht. Inzwischen ist die Allstrom-Serie durch weitere Röhren erweitert worden, neuerdings gibt Philips die Konstruktion von Batterie-Röhren (DK40, DL41), Wechselstromröhren (ECH41, ECH40, EAF41, EF41, EL 41, EL42 und AZ41) und einer Spezial-Doppel-Triode ECC40 in Rimlock-Ausführung bekannt, darüber hinaus noch weitere Neukonstruktionen, wie zwei neue Pentoden EL20 (11 Watt), EL60 (27 Watt, in B-Schaltung 110 Watt Sprechleistung) und eine neue Miniatur-Hochspannungsröhre EY51 für Fernsehzwecke. Tungsram zeigte ebenfalls neue Kleinströhren, nähere Daten sind jedoch noch nicht zu haben. Bestückt waren die meisten der Schweizer Geräte mit der E21-Serie und den U21-Allstromröhren, daneben setzen sich die amerikanischen Röhren immer mehr durch.

Verstärker und Zubehör

Auf dem Gebiet der Verstärker hat die Schweizer Entwicklung einen schwerlich zu überbietenden Hochstand erreicht. Es gibt nicht nur allgemeine Verstärker von 5 ... 65Watt, sondern darüber hinaus eine ganze Reihe Sonderverstärker: transportable Anlagen bis 20Watt, Schulfunkverstärker und ausgezeichnete Spezialverstärker für das in der Schweiz so wichtige Hotelgewerbe. Auffällig ist bei fast allen Modellen die Möglichkeit, durch getrennte Regler die Tiefen und die Höhen beliebig anzuheben oder abzuschwächen, so daß Frequenzkurven beliebiger Art erzeugt werden können.

Voraussetzung hierfür ist natürlich eine erhebliche Verstärkungsreserve schon in den Vorstufen, die durch ausreichende Bestückung erzielt wird, z. B. beim Televox-Verstärker für 20Watt: 2x EF22, 1x ECH21, 2x EL6, 1x AZ4. Die Eingänge sind vielfältig: mindestens zweimal Grammo und einmal Mikro, oftmals zusätzlich Telefonrundspruch-Eingang, sämtlich gegenseitig überblendbar. Bei den Hotelverstärkern finden wir auch einen Rundfunkeingang. Die Ausgangsimpedanzen sind durchweg 2,5 - 5 - 10 - 500Ohm und der bekannte „100-Volt-Ausgang".

Auch Mikrofone

An Mikrofonen war eine Vielzahl einfacher und hochwertiger Modelle zu sehen, fast alle wegen ihres gefälligen Äußeren hervorzuheben. Dynamische und Kondensatormikrofone standen im Wettbewerb mit hochgezüchteten Kristallmikrofonen. Man zeigte auch spezielle Kristallkapseln für Kleinstmikrofone (Armband- und Ansteckmikrofone) sowie Kontrollmikrofone für die Uhrenindustrie.

Fast verwirrend erschien die Fülle der Meß- und Prüfgeräte, wo die Schweizer Industrie im scharfen Wettbewerb mit den Erzeugnissen der amerikanischen und französischen sowie holländischen Firmen steht, über dieses für den Radiotechniker so wichtige Gebiet berichteten wir bereits ausführlich in Heft 1/1948 der FUNK-TECHNIK.

Noch ein Wort zur Preisfrage: so schön die vorgeführten Empfänger, Verstärker und Zubehörteile in Zürich auch waren, so teuer sind sie. Leider steht auch der Schweizer Markt durchaus im Zeichen eines recht erheblichen Preisanstieges, wie er überall in der Welt festgestellt werden muß. Seine Ursache ist in der beträchtlichen Steigerung der fixen Kosten sowie der Rohstoffe zu suchen und dieser Preisanstieg dämpft ganz erheblich die Bereitschaft, die verlockenden Neuheiten der 19. Züricher Ausstellung zu kaufen.

Karl Tetzner

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