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überarbeitet von Gert Redlich ab Feb. 2014 - Eigentlich sprechen wir von einer Gazette - Es sind gigantische Textmengen (Buchstaben-Wüsten), die die Autoren der "FI" in den 58 Jahren zusammen getragen haben. Damit das überhaupt vernünftig zu lesen ist, haben wir die Inhalte in jährliche Themengebiete aufgeteilt, die aber nicht in jedem Jahr gleich sind. - Sehr wichtig ist, es wurden alle Informationen, die Texte und die Erkenntnisse genau in der jeweils benannten Woche aufgeschrieben und nicht später ergänzt oder korrigiert.

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FI-1951 / 2.August-Ausgabe - Deutschland
Grössere Mittel für das Fernsehen in Bayern.

München, Ende August 1951 - Der Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks wird sich, wie wir hören, voraussichtlich erst in seiner Oktobersitzung mit den weiteren Plänen für die Einführung des Fernsehens in Bayern beschäftigen. Nachdem im Juni im Etat 1951/52 300.000 DM für die Fernsehentwicklung eingesetzt wurden, wird jetzt der Rundfunkrat über eine Nachtragsforderung, die diesen Betrag auf 900.000 DM erhöhen soll, zu beschliessen haben. Der Bayerische Rundfunk hat bisher noch keine Aufträge für Studioeinrichtungen an die Fernseh G.m.b.H. Darmstadt erteilt. Solche Aufträge dürften erst nach der Bewilligung der neu beantragten Mittel erfolgen. Die technische Leitung des Bayerischen Rundfunks rechnet damit, dass der Münchener Fernsehsender in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres in die Luft kommen werde.

Ein Fernseh-Frequenzplan für Deutschland.

Vorbereitungen für den Fernseh-Start in Berlin. Berlin, Ende August 1951 - Um einen störungsfreien Fernsehempfang sicherzustellen, ist es notwendig, dass die zurzeit für das Fernsehen in Deutschland zur Verfügung stehenden 6 Kanäle in geeigneter Form verteilt werden, wobei die Wiederholung der Kanäle an zwei oder mehreren Punkten nicht vermeidbar ist. In dem Zusammenhang muss jedoch auch auf die Belange der Nachbarländer Rücksicht genommen werden, die in diesem Band ebenfalls später Dienste eröffnen könnten.

Um einerseits eine Regelung für die nächste Zukunft, andererseits einen Vorschlag für in der kommenden Zeit vorgesehene internationale Besprechungen aufstellen zu können, ist ein Gremium damit beschäftigt, einen Fernsehfrequenzplan für Deutschland aufzustellen. Die in Berlin kürzlich stattgefundenen Besprechungen befassten sich mit der Tatsache der Realisierung der im Bereich von Berlin aufgetauchten Forderungen nach Fernsehkanälen.

Das Ergebnis, das durch eine Reihe von Gremien noch bestätigt werden muss, ist zunächst die Festlegung, dass von der Berliner Industrie-Ausstellung ab ein Sender auf dem Kanal 4 in Berlin arbeiten wird. Die Fernseh-Richtverbindung Berlin-Bundesgebiet, die - aus technischen Gründen zurzeit ebenfalls einen der Fernsehkanäle belegen muss, wird den Kanal 1 benutzen. Es ist für einen dritten Fernsehsender, der in irgendeiner Form im Raum von Berlin strahlt, ein weiterer Kanal (Kanal 6) frei gelassen. Diese Regelung gilt solange, wie sich das Fernsehnetz im Aufbau befindet und wird später durch eine endgültige Regelung abzulösen sein. Die weiteren Diskussionen über diese Fragen finden im Bundesgebiet statt, wobei das Rundfunktechnische Institut Nürnberg und die Funkbetriebskommission, für die das BPM federführend ist, die hauptsächlichen Besprechungspartner sind.

Das Ergebnis der kürzlichen Berliner Besprechung war somit eine erste Klärung über die für eine gewisse Zeit für den Fernsehstart in Berlin zu benutzenden Frequenzen.

STREIFLICHTER AUF DIE PRODUKTION
Der Hessische Rundfunk und das Fernsehen.

Vorläufiger Fernseh-Etat: 350.000 DM. - Frankfurt, im August 1951 - Der Intendant des Hessischen Rundfunks, Eberhard Beckmann, erklärte in einem Presse-Interview, dass der Hessische Rundfunk in seinem Etat rund 35o.ooo DM für den Aufbau des regionalen Fernsehens bereitgestellt habe.

Durch den notwendig gewordenen UKW-Programmausbau, durch die kostspielige Richtanordnung der Mittelwellenstrahler und durch den Erwerb und die Einrichtung der beiden Gebäude an der Bertrams-Wiese seien die finanziellen Mittel des Hessischen Rundfunks stark angespannt, sodass die Finanzierung des Fernsehstarts im Gebiet des Hessischen Rundfunks in der genannten Höhe "sogar beachtlich erscheinen müsse".

"Wer von unseren Hörern kann sich einen Fernsehempfänger leisten ?"

"Bedenken Sie", fügte Intendant Beckmann hinzu, "wer von unseren Hörern sich in den ersten Jahren einen Fernsehempfänger leisten kann! - Die Abzweigung einer Drittel Million aus Hörergeldern muss auch in sozialer Hinsicht gerechtfertigt sein..."

Zu dem in der Frankfurter Öffentlichkeit häufig beanstandeten Zögern des Hessischen Rundfunks, die bereits ausgeworfenen Beträge in Studio-Anlagen und einer Sendestation anzulegen, äusserte Herr Beckmann, man müsse mit der Investierung der Mittel so lange warten, bis alle notwendigen Informationen über eine derart junge technische Einrichtung wie das Fernsehen, "vor allem aus dem führenden Ausland", vorliegen und verarbeitet sind. "Als Vorsitzender der Fernseh-Kommission der Westdeutschen Rundfunkanstalten konnte ich in den letzten Monaten reiche Erfahrungen sammeln und Einrichtungen studieren, die zum grossen Teil in Deutschland noch unbekannt sind. Aus diesem Grunde will ich die Auswertung der Ergebnisse meiner Reisen nach Frankreich, England und den USA abwarten".

Der HR kann mit dem NWDR nicht konkurrieren ...

Mit dem umfassenderen Start des NWDR könne und wolle der Hessische Rundfunk nicht konkurrieren, da jener rein finanziell besser in der Lage sei, früher und mit mehr Sendern aufzuwarten. Andererseits gedenke man in Hessen nicht, "auf die häufig hinausgeschobene Fertigstellung der grossen von Hamburg über Köln nach Frankfurt führenden 'Fernsehstrasse' der Bundespost zu warten. Wir werden in Hessen ein Fernsehen mit eigenem Sender und Studios haben, das ist sicher." Das Gelände der Pädagogischen Akademie am Dornbusch sei vor allem im Hinblick auf das zukünftige Fernsehen erworben worden. Die in Aussicht genommenen Frankfurter Studios würden den letzten Stand der in- und ausländischen Technik aufweisen.

Frankfurt die Mitte der "Sammel-Schiene"

Nach der Auffassung des Frankfurter Intendanten ist die quer durch das Bundesgebiet führende Fernseh-Sammelschiene mit einer engen Programm-Koordinierung aller auf die "Sammel-Schiene" arbeitenden Sender die ideale Lösung, die einer zentralen programmtechnischen Steuerung mit allen ihren Gefahren vorzuziehen ist. Bei der "Sammel-Schiene" mit den Hauptspeisepunkten Hamburg , Frankfurt und München würde dem Hessischen Rundfunk vor allem die Aufgabe zufallen, die mit Schwerpunkt Studio arbeitenden beiden anderen Sender durch aktuelle Direktreportagen aus dem vielfältigen Leben im Rhein-Main-Gebiet zu entlasten. Eine Aufgabe, "zu der auch die ideale Lage des Feldberg-Sendeturmes - von allen Seiten mit den mobilen Ü-Wagen anstrahlbar - die Voraussetzung biete."

"Der erste Schritt zum hessischen Fernsehen", erklärte Intendant Beckmann abschliessend, "werden gemeinsame Sendungen mit der Industrie sein, für die wir eine eigene Welle auf dem MHz-Gebiet zugeteilt bekommen sollten.

FI-1951 / 2.August-Ausgabe - WIE SAHEN und HÖRTEN
Berlin - der Welt erste Stadt mit Farbfernsehen

Berlin ist nicht nur die erste Stadt Deutschland, in der zwei verschiedene Währungen eingeführt wurden, sondern es wurde auch zuerst vom Fernsehfieber gepackt. Mit den amerikanischen Farbfernsehsundungen sind die Berliner sogar den Amerikanern um eine Nasenlänge voraus, denn in den USA wurde bisher öffentlich noch nicht in diesem Ausmasse "bunt" gesendet. Auch die Übertragung des Fernsehprogramms auf Grossfläche, die in Berlin an zwei Stellen mit Erfolg erprobt wurde, hat man in Amerika in solchem Umfange praktisch noch nicht durchgeführt.

Die Berliner Jugend im Fernsehfieber

Dass das Fernsehen auch die deutsche Jugend begeistert, das war deutlich bei den grosszügigen amerikanischen Fernseh-Demonstrationen in Berlin festzustellen. Vom "Fernsehfieber" gepackt waren nicht nur die Jugendlichen in Westberlin, sondern auch die FDJ-Angehörigen, die in Scharen aus der Ostzone gekommen waren, um die Vorführungen zu sehen. Im Schöneberger Stadtpark waren schon lange vor dem offiziellen Beginn der Fernsehdemonstrationen von der Jugend selbst die "Rang-Plätze" in den Baumkronen besetzt. Das einmütige Urteil der Jugend über das Fernsehen drückte sich in den fiebernden Rufen aus: "So'n Apparat zu Hause haben! ... Det is Klasse !".

In dieser Jugend ist noch das grosse "Wundern" über den technischen Fortschritt, das so oft bei den vom Kulturpessimismus angekränkelten Intellektuellen des Westens vermisst wird. Dieses aufgeschlossene "Wundern" der Jugend bietet auch die Möglichkeit, eine Generation anzusprechen, die sich fast allen anderen "Ansprachen" mehr oder minder entzieht. Eine wirkungsvolle Fernsehgestaltung findet hier grosse Aufgaben«.

Werden die Fernsehempfänger zu teuer ?

Aus einem Pressebericht über die amerikanischen Fernseh-Vorführungen in Berlin: Hunderttausende Berliner haben jetzt "ferngesehen". Ihr einziger Kummer ist, dass die neuen deutschen Fernsehempfänger wahrscheinlich für normale Geldbeutel unerschwinglich sein werden. Müssen sie unerschwinglich sein? Diese Frage sollte alle an der deutschen Fernsehgestaltung beteiligten Kreise, die Rundfunkanstalten, die für die Programmgestaltung und für den Senderbau verantwortlich zeichnen, die Fernseh-Industrie, die die FS-Empfänger herstellt, und den Handel, der sie vertreibt, sehr nachdrücklich interessieren. Fernsehen für alle, welche publizistischen Möglichkeiten, welch neues Gebiet der technischen und kommerziellen Betätigung! Wenn man die zögernden Ansichten der fernsehpolitischen "Geheimräte" mit ihrem "Wenn und Aber" hört, dann spürt man, wie weit diese Stellen oftmals von der vox populi "abgeschaltet" sind.

Der 18jährige Jürgen Knorr als Kameramann

Der 18jährige Jürgen Knorr aus Berlin-Wilmersdorf, der ein begeisterter Rundfunkamateur ist, wurde von den RCA-Männern herangezogen, um eine der Fernsehkameras auf der Bühne im Schöneberger Stadtpark zu bedienen. Er hat sich so schnell in seine neue Tätigkeit eingearbeitet, dass er täglich Sendungen fahren durfte. Sein bester Lehrmeister war übrigens der gleichfalls 18jährige Amerikaner Denny Brown aus Louisiana.

Rundfunkhändler bewirbt Fernsehempfänger

Während der amerikanischen Fernsehvorführungen in Berlin sind für Rundfunkhändler, Vertreter von Rundfunkfirmen usw. kleine Lehrgänge eingerichtet worden, in denen, u.a. Fragen des Kundendienstes besprochen wurden.
Einer der bekanntesten Rundfunkhändler Berlins, Ernst Kauffmann, hat in seinem Geschäft auf dem Kurfürstendamm ein Schild unter dem Fernsehempfänger angebracht. Es trägt die Aufschrift "-ff- hat auch schon ferngesehn ! Wann wird das wieder mal geschehn ?" und darunter den Hinweis: "Das war meine Reklame schon im Jahr 1948". Am 22. August verbuchte Kauffmann die erste Bestellung auf einen Fernsehempfänger der kommenden deutschen Produktion.

Noch kein Fernsehen im Berliner Ostsektor

Der Aufbau der Ostberliner Fernsehanlage in Adlershof ist nun so weit vorangetrieben, dass damit gerechnet werden kann, dass dieser Sender, der in Kanal 2 arbeiten wird, noch im Laufe dieses Jahres in die Luft kommt. Von ostzonaler Seite war angekündigt worden, dass Fernsehveranstaltungen aus Anlass der "Welt-Jugendfestspiele" im Berliner Ostsektor stattfinden würden. Sie sind jedoch ausgeblieben. Diese Ankündigungen waren mit ein Anlass für die Amerikaner, ihre Fernsehdemonstrationen in Berlin zu beschleunigen. Grosse Scharen von Jugendlichen der Ostzone haben denn auch dieses neue "Wunderkind der Technik" in Westberlin bestaunt. Einer der amerikanischen leitenden Fernsehtechniker in Berlin meinte lächelnd: "Nun können die Russen nicht mehr behaupten, auch den Fernsehfunk erfunden zu haben  ...".

Bald erstes Filmaufzeichnungsgerät fertig

Der NWDF rechnet damit, dass zum Herbst das erste Filmaufzeichnungsgerät fertig gestellt sein wird. Mit ihm ist es möglich, Fernsehprogramme von der Bildflache des Empfängers aufzunehmen und auf Filmstreifen festzuhalten. Damit ergeben sich Verbilligungen für die Wiederholungen von Programmen; ausserdem könnten Sendungen, die der NWDF-Hamburg verbreitet, und die nicht über die Dezi-Brücke nach Berlin geschickt werden, auf Filme fixiert mit Flugzeugen nach Berlin gebracht werden. Der NWDF-Berlin wäre dann in der Lage, diese Programme am anderen Tage über seinen Sender zu verbreiten.

FI-1951 / 2.August-Ausgabe - WIE SAHEN und HÖRTEN
Auftragserteilung für Aufnahmekameras beim HR verzögert

Der Hessische Rundfunk hat bereits, wie Intendant Eberhard Beckmann mitteilte, seit einiger Zeit wegen einer ersten Bestellung von zwei Aufnahmekameras und einem Ü-Wagen mit der Fernseh-Gmbh. in Darmstadt Fühlung genommen. Eine Auftragserteilung ist bisher unseres Wissens noch nicht erfolgt, da der Hessische Rundfunk in seinem Etat vorerst nur 350.000 DM für den Aufbau des regionalen Fernsehens bereitgestellt hat. - Die Finanzierung des geplanten Fernsehsenderbaues auf dem Feldberg, die Beschaffung moderner Studioeinrichtungen und eines Übertragungswagens sowie die Einarbeitung eines wirklich aktionsfähigen Fernseh-Teams erfordern jedoch erheblich grössere Mittel, die gegebenenfalls durch eine Nachtragsforderung zum laufenden Haushalt oder entsprechende Bereitstellungen im nächsten Haushalt des Hessischen Rundfunks beschafft werden müssten. In jedem Fall dürfte es zweckmässig sein, schon jetzt einen klaren und zureichenden Finanzierungs-Plan für die kommenden Aufgaben auszuarbeiten.

FI-1951 / 1.September-Ausgabe - USA - Detschland
Konzertübertragungen durch Rundfunk und Fernsehen.

Doppelauswertung musikalischer Programme. - Hamburg, Mitte September 1951

Auf seiner Fernseh-Studienreise nach den USA sah der technische Direktor des NWDR, Prof. Dr. Werner Nestel, u.a. eine in Europa bisher unbekannte, interessante Möglichkeit der doppelten Auswertung musikalischer Programme. Man produziert in USA Programme, die gleichzeitig für den Mittelwellen-Rundfunk und für das Fernsehen gesendet werden. Ein Symphonie-Konzert, das im Mittelwellen-Rundfunk zur Sendung kommt, wird im Fernsehen damit interessant gemacht, daß in sehr geschickter Kameraarbeit - Wechsel des Blickwinkels des Standortes der Objektive - ein sehr lebhaftes Bild des Orchesters übertragen wird. Zwischen zwei Symphonien wird eine Opern-Arie ausgeführt, in Kostüm und mit Szenerie. Die doppelte Auswertung des Programms ist nicht ohne Kompromisse lösbar. Immerhin liegen in dieser Richtung Programm-Möglichkeiten, die das Fernsehen in Europa bisher kaum ausgenutzt hat.

FI-1951 / 1.September-Ausgabe - WIR SAHEN und HÖRTEN
Nachtrag zu den Fernseh-Demonstration in Berlin

Während der amerikanischen Fernseh-Demonstration in Berlin wurde die Schauspielerin Ann Höling regelmässig als Ansagerin herangezogen. Sie ist jetzt nach den USA verpflichtet worden, um dort bei Farbfernsehsendungen mitzuwirken.

Während der amerikanischen Fernseh-Demonstration in Berlin haben die beteiligten amerikanischen Gesellschaften RCA und CBS rd. 300 fernsehtechnische Fachleute der Post, der Rundfunkanstalten und größerer Rundfunkfirmen mit ihren Fernsehsystemen hinsichtlich des Sende- und Übertragungs- Vorganges vertraut gemacht. Es wurden in großzügigster Weise die Einzelheiten erläutert und die gewünschten Informationen erteilt.

Der "Fernseh-Fachverband Berlin" (FFV) hat die Gelegenheit der amerikanischen Vorführungen in Berlin dazu benutzt, seine Mitglieder auch mit den Verhältnissen beim ausländischen Fernsehen vertraut zu machen. Während der Demonstrationen hatte er dafür gesorgt, dass in erster Linie wirkliche Fachhändler ein Vorführgerät erhielten und in Diskussionsabenden mit den Technikern der RCA ihr Wissen vertiefen konnten. Wie uns mitgeteilt wird, liegen bei einem Berliner Rundfunkhändler bereits 30 Bestellungen auf FS-Empfänger vor.

Entgegen den ersten Vorschlägen ist geplant, während der Berliner Industrie-Ausstellung in etwa 30 Berliner Rundfunkgeschäften Fernsehempfänger in Betrieb zu zeigen. Das sind "zusätzliche" Demonstrationen, denn die Interessenten werden naturgemäss die Ausstellung aufsuchen, um sich über alle neuen Modelle einen Gesamtüberblick zu verschaffen.

Der Experte für Autorenrecht Prof. Dr. Ernst Hubert Kraemer hielt auf der Jahresversammlung des Münchener Tonkünstlerverbandes einen stark beachteten Vortrag "Tonkünstler und Technik", in dem auch neue GeSichtspunkte für die Anwendung des Urheberrechts auf dem Fernsehgebiet entwickelt wurden.
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FI-1951 / 2.Sept + 1.Okt.-Ausgabe - DEUTSCHLAND
Bayerns Vorbereitungen zum Fernsehen

von Dr. Dieter Sattler Vorsitzender des Bayerischen Rundfunkrates. - München, Ende September 1951
Als ich vor drei Jahren in Los Angeles war, gab es dort noch kein Fernsehen. Heute sind in Kaliforniens Hauptstadt (bei ca. drei Mill. Einwohnern) 1 Million Fernsehgeräte in Gebrauch. Keine andere Erfindung der letzten 100 Jahre hat sich in solchem Siegeszug einen Kontinent erobert. Ihre Auswirkung auf das künstlerische, das kulturelle, ja das menschliche Leben überhaupt scheint von einschneidender Bedeutung.

Durch das Hinzutreten des optischen Eindruckes zum akustischen wird dem Rundfunk in geheimnisvoller Weise die Möglichkeit gegeben, nicht nur aktuell zu sein, sondern auch intim zu wirken. Das könnte für das Massendasein unserer Zeit eine entscheidende Wendung bringen. Freilich bietet sich diese Möglichkeit sowohl nach der positiven wie nach der negativen Seite.

Es kommt also alles darauf an, was aus diesen technischen Möglichkeiten des "Fernsehens", des Bildfunks gemacht wird, welchen Inhalt, welche Form seine Sendungen erhalten. Wir wissen nicht, wie die Entwicklung in Europa gehen wird; wir nehmen an, dass sie um vieles langsamer sein wird. Dem steht entgegen, dass in England nach zwei Jahren Bildfunk heute schon nahezu eine Million angemeldete Empfangsgeräte laufen.

Jedenfalls ist man sich in Europa klar geworden, dass diese Entwicklung in den nächsten Jahren unaufhaltsam kommen wird, freilich mit anderen menschlichen, künstlerischen und finanziellen Voraussetzungen als in den USA. Was nun die letzteren betrifft, so wird dort das Fernsehen, wie auch der Rundfunk, nur durch Reklame finanziert. In Europa wird es anders sein. Lizenzgebühren geben die Möglichkeit für ein kulturell und pädagogisch anspruchsvolleres Niveau der Sendungen, wie wir dies heute schon beim englischen Programm sehen können.

Rückblick

Das deutsehe Fernsehen hat von 1934-44 schon einen bedeutungsvollen Anfang genommen. Seit 1950 hat der NWDR diese Arbeiten dankenswerterweise wieder aufgenommen und wertvolle Pionierarbeit für diese zweite Epoche des deutschen Fernsehens geleistet. Die deutsche Industrie-Ausstellung in Berlin wird im Oktober 1951 diese Arbeit zeigen. Die anderen deutschen Rundfunkanstalten konnten zunächst wegen ihrer wesentlich geringeren Mittel an dieser Entwicklung nicht mitwirken.

Immerhin hat sich der Bayerische Rundfunkrat im Sommer 1951 entschlossen, auf Vorschlag seines Intendanten Rudolf v. Scholtz, zunächst 300.000 DM für Zwecke des Fernsehens im Haushaltsjahr 1950/51 bereit zu stellen. Im Nachtragshaushalt soll im Oktober 1951 eine weitere Summe hinzukommen.

Wenn diese erste Summe auch gegenüber den 5 Millionen des NWDR gering erscheint, so ist damit doch ein wichtiger Schritt getan: Es ist anerkannt, dass die Entwicklung des Bildfunks bei uns nur durch die Rundfunkstationen getragen werden kann, und dass aus diesem Grunde die Verwendung von Hörergeldern für diesen Zweck berechtigt ist. Auch die anderen deutschen Stationen werden sich dieser Erkenntnis nicht entziehen können.

Dabei wäre es natürlich auch denkbar, bei größeren Summen den Weg von Darlehen zu beschreiten, mit denen das Anlaufen des Bildfunks finanziert werden müsste. Es wird einige Jahre dauern, bis so viele Empfangsgeräte verkauft sind und so viele Gebühren bezahlt werden, dass sich der Bildfunk selbst tragen kann.

Die Arbeitsgemeinschaft der deutschen Rundfunkanstalten hat am 10.11.1950 eine Fernsehkommission ins Leben gerufen, die wichtige Vorarbeiten geleistet hat. Es wird bald Zeit sein, sich des näheren über die Zusammenarbeit aller deutschen Stationen auf dem Gebiet des Fernsehens zu unterhalten, um Fehlinvestitionen zu vermeiden. An Bayern soll es dabei nicht fehlen!

FI-1951 / 2.Sept + 1.Okt.-Ausgabe - DEUTSCHLAND
Über die ARD - Die Fernseh-Sammelschiene

Von Eberhard Beckmann - Intendant des Hessischen Rundfunks - Frankfurt/M., Ende September 1951

In der Ausgabe der "Fernseh-Informationen" vom 1. September schreibt Herr Wagenführ, den ich übrigens nicht nur seines umfassenden Wissens wegen sehr schätze, etwas wegwerfend: Bezeichnungen wie "Fernseh-Sammelschiene usw." können nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie mehr "Plakat" als "Inhalt" bedeuteten.

Von diesem Satz und dem drei Zeilen zuvor gegebenen guten Rat, es müsse noch enges Denken in Belangen und Sendekreisen überwunden werden, fühle ich mich persönlich angesprochen. Ich bin es nämlich gewesen, der den Begriff der Sammelschiene aus der Starkstromtechnik übernahm, um mit ihm ein möglichst einprägsames Bild für eine von vielen Experten gewünschte zukünftige Organisation des deutschen Fernsehfunks zu gewinnen.

Und mir ist es schon zur lieben Gewohnheit geworden, als einer der Intendanten, die durch Landesgesetze geschaffene Rundfunkanstalten leiten, engen regionalen Denkens bezichtigt zu werden.

Die ARD - ein Zweckverband

Nun soll dieser Beitrag zur Diskussion nicht die Perspektive, wie sie sich offenbar von Hamburg her einigen Beobachtern darbietet, korrigieren. Sonst müsste ich hier einiges sagen über das Entstehen der Arbeitsgemeinschaft, an dem alle Rundfunkanstalten gleicherweise freudig und intensiv mitwirkten, und über die vielen Probleme, die innerhalb des freiwillig geschaffenen Zweckverbandes trotz mancher Schwierigkeiten stets im Hinblick auf das Gesamtinteresse der westdeutschen Hörer gemeistert wurden.

Die väterlichen Ermahnungen ???

Auch der Beginn des Fernsehens war ja kein "Ausser-der-Reihe-Tanzen" des NWDR, sondern wir anderen, weniger reich mit finanziellen Möglichkeiten gesegnet, hatten unsere nordwestdeutschen Freunde dazu ermuntert. Sie sollten beginnen, um für sich, aber auch für uns erste Erfahrungen zu sammeln.

Herr Dr. Wgf. kommt ein bißchen spät mit seinen väterlichen Ermahnungen, wenn er schreibt, die westdeutschen Rundfunkgesellschaften konnten dem NWDR garnicht genug dafür danken, dass er die Last des Versuchsbetriebes auf sich nähme, und man müsse gespannt sein, ob die anderen Rundfunkanstalten wenigstens den Vorteil für sich sehen würden, beim NWDR Erfahrungen zu sammeln.
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  • Anmerkung : Dr. Wagenführ ist 1903 geboren und zu der Zeit kurz vor den 50 und einer der ganz wenigen, die sich mit dem Fernsehen schon vor 1940 intensiv beschäftigt hatten. Er hielt 1938 die ersten Vorträge über  Fernsehen.

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NWDR hätte ohne Druck der Bildung einer gemeinsamen Fernsehkommission zugestimmt

Er kann dessen gewiss sein. Die leitenden Männer vom NWDR wiederum haben von Anfang an jede nur wünschenswerte Einsicht in unsere Situation gezeigt, und obschon sie als die einzig Vermögenden mit der praktischen Tätigkeit anfingen, gleichzeitig der Bildung jener Fernsehkommission zugestimmt, in der von drei Vertretern zwei durch Rundfunkanstalten entsendet wurden, die noch kein Fernsehen betrieben oder betreiben. Nicht einmal den Vorsitz der Kommission nahm der NWDR auf Grund eines etwaigen Rechtes der Erstgeburt für sich in Anspruch.

Gewiss ist über die Organisation des Fernsehens noch nicht das letzte Wort gesprochen worden, aber das scheint mir auch kein unbedingt brennendes Problem zu sein, solange nur eine Anstalt ein Programm ausstrahlt und die Dezimeterstrecke der Bundespost erst aufgebaut wird. Es gibt verschiedene Pläne, selbstverständlich, bekannte und unbekannte, und dabei sicher welche, die ein bisschen eigennützige sind. Aber niemand von den Leitern der 6 Rundfunkanstalten in der Bundesrepublik, ob er nun als Intendant oder als Generaldirektor betitelt ist, glaubt, ein vollgültiges Fernsehprogramm ohne die gemeinsame Anstrengung mit den anderen Sendern machen zu können.

Das muss nämlich einmal deutlich festgestellt werden. Die grosse Mehrheit der Mitglieder aller Aufsichtsorgane dürfte die gleiche Meinung haben.

Zum Zweiten:

Die Gespräche, die zwischen den verantwortlichen Männern bisher geführt wurden, bieten keine Anzeichen dafür, dass jemand eine Vorherrschaft seiner Anstalt auf dem Gebiete des Fernsehens anstrebt. Man erörtert lediglich die Frage, ob eine mehr zentrale oder mehr föderative Konstruktion nützlicher und besser wäre. Man erörtert diese Frage nur deshalb, weil (manchmal sicher übertriebene) Vorstellungen von der Kostspieligkeit des Fernsehens den Eindruck erweckt haben, als könnten kleinere Anstalten aus eigenen Kräften überhaupt nichts zu den gemeinsamen Programmen beitragen.

Leider sind ja in der Tat die nach dem Kriege in Westdeutschland entstandenen Sendebezirke ausserordentlich unausgewogen in ihren Größenrelationen zueinander. Sie entsprechen nicht mehr der ursprünglichen Bredowschen Konzeption ungefähr gleich großer Kulturlandschaften. Wichtiger ist allerdings die Tatsache, dass es eben mehrere Anstalten sind; unabhängig voneinander und unabhängig von irgendwelchen Interessenten, und dass sie meinungsspiegelnd und meinungsfordernd mit ihren verschiedenen Stimmen ein für das Wachsen der echten Demokratie besonders gedeihliches Klima schaffen helfen.

Sollen wir nur einer finanziellen Schwierigkeit wegen beim Fernsehen diese entscheidende Errungenschaft der Nachkriegszeit wieder über Bord werfen und die ungewöhnlich ernsten Gefahren eines zentralistisoh geleiteten Programms auf uns nehmen? Ein Finanzausgleich wäre sicher vorzuziehen.

Ein merkwürdiger "wissenschaftlicher" Plan

Dieser Tage bekam ich die Fotokopie einer wissenschaftlichen Arbeit auf den Tisch. Das Manuskript befasst sich vornehmlich mit wirtschaftlichen Berechnungen des westdeutschen Fernsehens. Aufgezäumt wird das ganze auf dem Plan eines Netzes, das in Hamburg (vielleicht weil Norden auf unserer Landkarte immer oben ist) seinen gewaltigen Kopf besitzt (wobei wohlverstanden vom NWDR nicht die Rede ist, auch nicht vom "NWDF") und einen kleinen zweiten Kopf im Ruhrgebiet. Die jetzigen bestehenden Rundfunkanstalten, oder vielmehr ihre Orte, tragen die zurechtweisende Bezeichnung "Nebenstelle".

Man darf neugierig sein, wer sich einmal zu diesem Plan bekennen wird.

Die Idee der Sammelschiene

Die Idee der Sammelschiene will etwas ganz anderes erreichen, und zwar ein System, das den bestehenden Verhältnissen und unseren Aufgaben sehr viel angemessener erscheint. So wie die Ruhrkohle im Norden und die Staubecken im Süden miteinander verbunden wurden, damit sommers und winters den Fabriken und Haushalten allerorts ein stetiger Strom von elektrischer Kraft zufliesse, "so würde im Fernsehen die Dezimeterstrecke der Post von Hamburg bis München die Programmschöpfer verbinden. Sie erlaubte uns die fruchtbare Ergänzung untereinander, der wir bedürfen. Ihr könnten wir die überörtlichen Sendungen zuleiten, um sie gemeinsam auszustrahlen.

Eine Voraussetzung für Qualität im Fernsehen

Eine Kommission, an der wir alle teilhaben (denn die Teilhaberschaft eines jeden würde für jeden auch einen fortwährenden Ansporn bedeuten), eine solche überregionale Instanz könnte sehr viel besser als ein zentraler Kopf die mannigfachen Kräfte wecken, deren wir bedürfen, um ein einigermaßen befriedigendes lebendiges Programm von den Antennen in der Bundesrepublik auszusenden. Besinnen wir uns heute, ehe es zu spät ist, darauf, dass mit der Fernsehkamera eine neue Sicht auf die Welt ausser uns und in uns gewonnen wurde, kein Abklatsch des Theaters, keine Wiederholung des Films, kein um die optische Übertragung bereicherter Funk, nichts von alledem!

Wieviele Verlegenheiten werden dort, wo die Fernsehsender bereits über etliche Tagesstunden hinwegarbeiten, in die Programme gefüllt, nur um sie zu füllen! Gar nicht genug Köpfe können mitdenken, gar nicht genug wache Augen mitspähen. Wer wollte leugnen, dass man sie besser findet, wenn an 6 Plätzen statt an einem verantwortlich für das Fernsehen gearbeitet wird. Wir brauchen ausserdem die Mitarbeit der Filmstudios - sie sind auch nicht an einem Ort zusammengeballt.

Die Last der Kritik braucht mehrere Schultern

Ich meine, wir sollten überdies die Last der Kritik, die uns ohne Zweifel erwartet, auf mehrere Schultern nehmen. Einer würde von ihr erdrückt, denn was wir dem Fernseher in seinem Empfänger zu Hause geben können, das wird zunächst und für lange Zeit, wenn nicht für immer, nur ein Programm sein, ob wir es gemeinsam machen oder getrennt voneinander.

Der unzufriedene Hörer des Heimatsenders wird, ins Gigantische gesteigert, vor uns aufstehen und das Unmögliche verlangen. Wenn er dann wenigstens zu spüren vermag, welche Vielfalt von Kräften auf das Programm einwirkt, das ihm nur selten seine Spezialwünsche erfüllt, dürfen wir erwarten, ihn allmählich besänftigen, überzeugen und gewinnen zu können.

Richtig ist : Alle stehen dem Fernsehen aufgeschlossen gegenüber

Übrigens ist, um auch das noch zu sagen, der oft gehörte Einwand falsch, die anderen Rundfunkanstalten stünden dem Fernsehen weniger aufgeschlossen gegenüber als der NWDR.

Der Hessische Rundfunk baut jetzt schon für die Zukunft

Die Bildung der Fernsehkommission bezeugt das Gegenteil. Noch andere Beweise lassen sich anführen. So hat z.B. der Hessische Rundfunk sein neues Haus in Frankfurt nur deshalb erworben, um auf dem anschließenden Gelände Raum für die nötigen Fernseh-Studiobauten zu erhalten. Die Gebäude der neuen Ultrakurzwellensender auf den Bergen Hessens wurden so groß bemessen, dass sie auch die Fernsehsender aufnehmen können.

Und schließlich zeigen die 350.000 Mark, die unsere Rundfunkanstalt mit 850.000 Hörern in den Etat dieses Jahres als erste Finanzierung zukünftiger Fernsehprojekte einstellte, wie ernst es uns mit dem Willen ist, nach unseren durch den stürmischen Ausbau des UKW-Funks augenblicklich besonders stark in Anspruch genommenen Kräften bald und tätig am Fernsehen mitzuwirken.

Der gleiche Wille ist, wie ich weiß, allgemein im westdeutschen Rundfunk. Eine Organisationsform, die diese Tatsache berücksichtigt, und die zugleich die politischen und kulturellen Notwendigkeiten erfüllt, kann nur aus einer echten Partnerschaft der bestehenden Rundfunkanstalten erwachsen.

FI-1951 / 2.Sept + 1.Okt.-Ausgabe - Deutschland
Das amerikanische Fernsehen in Berlin.

RCA setzte nach kurzer Unterbrechung Fernsehvorführungen fort.
Von unserem Berliner Mitarbeiter - B.H.K. Berlin, Mitte September 1951

Die Amerikaner haben für eine neue Überraschung auf dem Berliner Fernsehgebiet gesorgt. Nach kurzfristigen Spezial-Vorführungen in Kopenhagen ist das RCA-Team, das den überwiegenden Teil seines Gerätes in Berlin gelassen hatte, wieder in die deutsche "Vier-Zonen-Stadt" zurückgekehrt. Wieder stehen die ausgereiften RCA-Empfänger mit der 40cm-Bildröhre in den Fachgeschäften und die Großprojektionsflächen auf ausgewählten Plätzen - wieder stehen auch die Menschen dicht gedrängt vor dem lebhaften Geschehen. Der Rahmen der jetzigen Vorführungen, die bis gegen Ende September andauern sollen, ist allerdings wesentlich enger gefaßt und beschränkt sich zumeist auf allabendliche Übertragungen bedeutsamer Veranstaltungen aus dem Programm der "Berliner Festwochen".

Der amerikanische Manager ist froh, angesichts der beschränkten finanziellen Mittel, die für diese unvorhergesehene Weiterführung bereitstehen, den Sendebetrieb überhaupt voll aufrecht erhalten zu können.

Sehr erfolgreich - das Musical "Oklahoma"

Für den Fachmann, wie für den von Fachwissen unbelasteten Beschauer hat dies sein Gutes. Nach dem aufgelockerten, kurzzeitigen Unterhaltungsprogramm des August läßt sich nun die Sendung geschlossener, längerer und nicht eigens für die Fernsehkamera gestellter Aufführungen beobachten. Gleich am ersten Abend sah man, in Premierenbesetzung dargestellt, von der New Yorker Theatergilde und per Zentimeterwellen-Richtverbindung vom Titania-Palast zum Sender übertragen "Oklahoma", eine am Broadway erfolgreich gespielte Wildwest-Operette, das 56-köpfige Ensemble wird diese Aufführung für das RCA-Fernsehen mehrfach wiederholen.

Man kann nun über die Wirkung derartiger Lang-Programme verschiedener Meinung sein. Zweifellos ist für die breiten Schichten der Bevölkerung das lockere, unterhaltsame und thematisch auf 10 bis 30 Minuten beschränkte Programm weitaus geeigneter - die Amerikaner selbst haben dies mit der Art ihrer August-Vorführungen bewiesen.

Sendungen mit bis zu 120 Minuten denkbar

Dennoch läßt sich sehr wohl - und das kann man nun mit einigem Erstaunen feststellen, ein Werk von 60, 90 oder gar 120 Minuten Spieldauer ohne Unbehagen verfolgen, sofern es eine flüssige und fesselnde Handlung aufweist. Dies bezieht sich sinngemäß auch auf Filme, hat aber keine Berechtigung bei Konzertabenden, bei denen die Kamera entweder unentwegt im Saal herumwandert, sich aber auch nicht ständig auf Orchester und Dirigenten konzentrieren kann.
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Man hatte dank der beiden so völlig verschieden gearteten Vorführungsabschnitte der Amerikaner Gelegenheit, jene lehrreichen Divergenzen intensiv zu studieren und weiß nun ziemlich genau, warum das akustische Moment des Rundfunks sich auch weiterhin neben dem optischen des Fernsehens zu behaupten vermag. Die Berliner Radiohändler übrigens machten diese Erkenntnis zum Leitmotiv einer Aufklärungsaktion. Selbst unter den Fernsehgeräten der RCA hängen nun Plakate, die dem Publikum in grellen Lettern entgegenrufens "Ein Irrtum! Ein Fernsehempfänger ersetzt das Rundfunkgerät nicht! Warum nicht? Fragen Sie hier"

FI-1951 / 2.Sept + 1.Okt. - Ausgabe -
WIR SAHEN und HÖRTEN - neue Aufwandsteuer

Der Verband des pfälzischen Elektro-und Rundfunk-Grosshandels protestierte auf einer Tagung in Bad Dürkheim mit Vertretern der Elektro- und Rundfunkindustrie gegen die beabsichtigte Einführung der Aufwandsteuer für Rundfunkgeräte, die sich katastrophal auf den Absatz auswirken müsse. Radioapparate seien als lebensnotwendig anerkannt und vor Gericht nicht einmal pfändbar. Nach einem Referat des Geschäftsführers des Rundfunk- und Elektro -Großhandelsverbandes Dr. Oberaiait, Dortmund, wurde erklärt, dass die Einführung des Fernsehens in der Pfalz noch mindestens ein Jahr auf sich warten lassen werde, zumal die Pfalz bis heute noch keinen UKW-Sender besitzt.

FI-1951 / 2.Sept + 1.Okt. - Ausgabe -
WIR SAHEN und HÖRTEN - BR Programmdirektor entlassen

Auf den NWDR Seiten steht der erste Teil des Artikels:

"Wird Grimme den Schnabel halten können?" fragten besorgte, witzige Kommentatoren, als die Frage der Berufung des neuen Intendanten erörtert wurde. Man sieht, Dr.Grimme konnte ihn halten .....

Nicht ganz so witzig geht es im Bayerischen Rundfunk zu. Der Programmdirektor des Bayerischen Rundfunks und stellvertretende Intendant, Rudolf Schneider-Scheide, wurde am 22.September fristlos entlassen. "Unüberbrückbare Gegensätze in grundsätzlichen Fragen der Disziplin und Organisation zwischen Schneider-Scheide einerseits und dem Intendanten Rudolf von Scholtz andererseits" haben, wie vom Bayerischen Rundfunk mitgeteilt wurde, "die Trennung notwendig gemacht". Schneider-Scheide hat gegen die fristlose Entlassung ein Verfahren beim Arbeitsgericht beantragt, "um die Vorgänge und Hintergründe, die zu seinem Sturz führten, klären zu lassen."

Wir möchten zunächst auf die unerfreulichen Rivalitätskämpfe, internen Spannungen und Kompetenzstreitigkeiten, die beim Bayerischen Rundfunk zutage getreten sind, nicht weiter eingehen und den Ausgang des Prozesses abwarten. Wie wir hören, ist ein Nachfolger für den ausgeschiedenen Programmdirektor noch nicht vorgesehen. Die Stelle zur "Koordinierung von Sendungen der einzelnen Abteilungen" soll jedoch beibehalten und in absehbarer Zeit - allerdings nur noch durch einen Programm-Referenten - neu besetzt werden.

Über Rudolf Schneider-Scheide

Rudolf Schneider-Scheide ist aktiv (und in der ihm eigenen Art, die ihm manchmal nicht gerade Freunde erwarb) für die Einführung des Fernsehens in Bayern öffentlich eingetreten. Wir wollen hoffen, dass durch sein Ausscheiden aus dem Bayerischen Rundfunk, das unter so unerfreulichen Umständen stattgefunden hat, die Fernsehinitiative, die sich in der Aera des neuen Rundfunkrates zeigte, keine Lähmung erfährt. Auch der evtl. Nachfolger von Schneider-Scheide sollte eine Persönlichkeit sein, die mit den Fernsehproblemen, die auch beim Bayerischen Rundfunk eine immer grössere Rolle spielen werden, einigermassen vertraut ist.

Es gibt da noch viel zu tun

Dadurch sollte auch jene "Zweigleisigkeit" beendet werden, die bei der Behandlung von Fernsehproblemen im Programm des Rundfunks derart offenbar wurde, dass man den Eindruck gewinnen musste, "dass die Linke nicht wisse, was die Rechte tue".

Während nach Aussen mit Nachdruck erklärt wurde, dass der Bayerische Rundfunk sich sehr ernsthaft mit den Vorbereitungen zur Einführung des Fernsehens in Bayern befasse, wurden gleichzeitig Sendungen verbreitet, in denen die Hörer im wesentlichen nur mit den negativen Seiten des Fernsehens bekannt gemacht wurden.

Die Autoren dieser Sendungen hatten sich recht einseitig ihre "Erfahrungen" kompilatorisch erarbeitet, und der Wert ihrer "Erkenntnisse" entsprach etwa der Qualität jenes Story-Niveaus, das man bei der Behandlung der Fernsehprobleme leider vielfach auch in einem Teil der Tagespresse findet. Wenn der Bayerische Rundfunk auch psychologisch die Einführung des Fernsehens in Bayern vorbereiten will, so sollte er künftig für seine diesbezüglichen Programmfolgen wirkliche Fachleute heranziehen, die Wesentliches über das vielgestaltige Phänomen Fernsehen auch in interessanter, allgemeinverständlicher Form auszusagen haben.

Gerade diese Fachleute werden die Schattenseiten, die die Fernsehentwicklung haben kann, nicht unterschätzen. Sie werden aber auch mit guten Argumenten die positiven Seiten dieses neuen, grandiosen Ausdrucksmittels zu beleuchten wissen, und damit dürfte der Fernsehentwicklung in Bayern ein besserer Dienst geleistet werden, als durch Vortragssendungen von schnellfertigen Konjunkturautoren, die durch eine Aneinanderreihung "erlesener" Fernsehschmonzetten ein Pseudowissen vermitteln, das nur falsche Vorstellungen über die Bedeutung des Fernsehens hervorruft.

Prof. Dr. A. Karolus zum 75jährigen Bestehen des VDI

Aus Anlass des 75jährigen Bestehens des Bezirksvereins München des VDI, fand eine Festsitzung der TH München statt. Höhe des Festaktes war ein Experimental-Vortrag von Prof. Dr. A. Karolus (Zollikon, Zürich) zum Thema "Fernsehen einst und jetzt". Dabei wurden eine Fernsehabtastapparatur für Diapositive und mehrere Fernsehempfänger in Betrieb gezeigt. Dies war die erste Vorführung in München nach dem Kriege.

Ein neues Verkaufshaus in Köln bei Rhein-Radio

Eine Reihe ständiger Leser der "Fernseh- Informationen" gehört zu den aktivsten Verbreitern des Fernsehgedankens. Sie leisten vielfach auf ihren Spezialgebieten eine Pionierarbeit, die dem gesamten Fernsehwesen zugutekommen wird. Auf einige solcher Wegbereitungsarbeiten im Fernsehhandel weisen wir im Nachfolgenden hin:

Die Firma Rhein-Radio F.A. Hüber in Köln errichtet am Habsburger Ring gegenüber dem Opernhaus einen Neubau, dessen erster Abschnitt bereits in Betrieb genommen wurde. Die auf 250qm geschaffenen Verkaufs- und Ausstellungsräume mit Vorführkabinen, sind in ihrer Spezialausführung zurzeit wohl das Modernste im Bereich des Rundfunkeinzelhandels. In sieben Schaufenstern ist das Neueste auf dem Gebiet der Rundfunktechnik und des Gerätebaues ausgestellt. Im Oktober wird die Firma im 1.Stock ihre Pionierarbeit für die Einführung der Fernsehapparate aufnehmen. Es wurde ein Fernseh-Vorführraum für 100 Personen geschaffen. Gezeigt werden nicht nur die von der Industrie neu entwickelten Fernsehempfangsgeräte, sondern auch mittels besonderer Vorrichtungen auf eine Wandfläche projizierte Fernsehsendungen.

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