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Die Geschichte von der Vorbeifahrt der Technik

vorbeifahren, ohne zu überholen

von Gert Redlich im Dez. 2012 - Das hier soll eine etwas andere Erzählung der Geschichte der Robert Bosch Fernsehanlagen GmbH werden. (Die offizielle Geschichte steht hier.) Zugrunde liegt ein dummer Spruch des ehemaligen Staatsratsvorsitzenden des Ossilandes, der mal im Überschwang der Gefühle ausgerufen hatte: "Die DDR werde an der BRD vorbeifahren, ohne zu überholen."

Doch die hier stehende Geschichte der Robert Bosch Fernseh GmbH war anders. Mehrfach wurde die "Fese" von der Technik überholt.

Es war einmal . . . ein kleines Ingenieur-Labor.

Der Zwischenbild-Ü-Wagen
Das Fernseh AG Logo 1936

Als die Bilder elektronisch laufen lernten und die ersten mechanischen "Bildfänger" (mit der Nipkow-Scheibe) die ersten Bilder lieferten, rauften sich 4 Firmen zusammen und stellten in Berlin ein Laboratorium auf die Beine. Sie nannten es Fernseh AG.

Dort sollte das Wissen um die neue Vakuumröhre, die Bildwiedergabe und deren Vermarktung als "Bildschreiber" entwickelt werden. Dazu brauchte man eine handvoll fähiger junger Ingenieure mit Visionen und Zukunftsblick. Die hatte man auch gefunden und die entwickelten zuerst mit der Nipkow-Scheibe als Bild-Quelle und dann ab 1932 mit der Farnsworth Röhre (in die falsche Richtung) und dann ab 1937 mit dem Zworkinschen Iconoscope (in die richtige Richtung) einige vielverspechende Geräte.

Dabei wurde außer der Fernseh-Kamera (bzw. mehreren Kameras) auch ein Großbildprojektor und eine Art von Heim- Fernseher konstruiert. Das aber liegt weit zurück, nämlich in 1929 bis 1936. Die Bildübertragung von der Quelle zum Bildschreiber (Fernseher) lag damals noch in den Kinderschuhen.
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Die 1000 Jahre des 3. Reiches warfen alles durcheinander.

Eine Art allererster "Mixer", ein 3 Kamera Umschaltpult der Fese 1938

In den Jahren bis 1945 wurden in dem oder den Labors der "Fernseh" regelrechte Glanzleistungen bzw. Weltbestleistungen unter schwierigsten Bedingungen vollbracht. Es gelang sogar, kriegswichtige Komponenten in Stückzahlen zu produzieren. Doch wie bei der AEG und bei Telefunken gab es die Parole: Alles für den Endsieg, koste es, was es wolle.

Das war natürtlich fatal,
denn nach dem Krieg, als sich die zerstreuten Häuflein der geistigen Köpfe dieser Labors wieder trafen und zusammenrauften, war diese "Denke" eingebrannt.

Übrigens war das die gleiche Krankheit, an der auch die AEG und Telefunken und Siemens krankten. Da in Deutschland so gut wie alles, aber auch wirklich alles kaputt war, spielte in ganz bestimmten Bereichen (bei Behörden oder pseudostaatlichen Betrieben wie den Rundfunkanstalten - und natürlich beim Militär, unserer Bundeswehr) der Preis eine völlig untergeordnete oder gar keine Rolle. Das galt sowohl für die Energieversorgung (AEG + Siemens) wie auch für die Funkhäuser und sogar für die privaten Schallplattenstudios und Firmen.
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Die 1950er Jahre - Die Fese, der Haus- und Hof-Lieferant . . .

Das neue Fese Logo um 1952
Die 1952er Iconoscope Kamera
ein Super-Iconoscope
drei Super-Orticons

Als die ersten Rundfunkanstalten (was für eine komische Bezeichnung - kam auch aus dieser 1000 jährigen Zeit) ihren Betrieb 1946/1947 aufnahmen, brauchten sie oder wollten sie diese neumodischen Magnetbandgeräte haben. Und dort fing es mit der "Denke" an, man konnte ja sowieso nur "anschaffen" oder kaufen, was es auf dem Markt überhaupt gab und die Lieferanten nannten einfach ihre Preise und die wurden auch bezahlt.

Als es 1951 mit dem Fernsehen beim NWDR losging
, gab es überhaupt nur einen Lieferanten in Deutschland, der sich um die Fernsehtechnik gekümmert hatte und leidlich funktionierende Technik anbieten konnte. Das war die "Robert Bosch Fernsehanlagen GmbH", inzwischen in Darmstadt angesiedelt.

Dort hatte man um 1948/49 wieder ein Hochvakuum-Labor für die Aufnahmeröhren in Betrieb und bastelte (Entschuldigung - forschte) an neuen Super-Iconoscopen herum und versuchte, diese weiter zu verbessern, als das neue Super-Orticon von RCA aus Amerika herüber kam. Die Darmstädter "Fernseh" war auch wieder ein Labor, das mit damaligen Mitteln versuchte, eine Palette von Komponenten zu entwickeln, mit denen man nach den Vorgaben des NWDR "Fernsehen" machen konnte.

Der NWDR formulierte, wie es funktionieren sollte und die Fese baute das und wenn es fertig war (und funktionierte), wurde der Preis berechnet. Heutzutage (2011) wurde von der Kanzlerin (in 2011 war es Frau Merkel) der Begriff "alternativlos" kreiert. Es gab überhaupt keinen Anreiz, in irgend einer Weise "Produktiviät" einzufordern. Zumindest die Qualität der Technik wurde von den Ingenieuren der Fese auf ein beachtliches Niveau gehoben. Man konnte damit so ab 1952 professionelles Fernsehen "machen".

Jedes westdeutsche Bundes"ländlein" wollte (s)einen "Sender"

Fese Kunden 1954

Wie immer, wenn endlich Wohlstand (durch harte Arbeit) aufkommt, fangen die gesellschaftlichen und politschen Querelen an - und um des Proporzes der Parteienlandschaft willen wollte auf einmal jedes noch so kleine Bundesland seinen (Fernseh-) Sender haben (mit Ausnahme von Rheinlandpfalz). Und vor allem, koste es, was es wolle. Es tat sich ein Markt auf, bei dem am Anfang das rare Gut "Fernseh-Equipment" planwirtschaftlich verteilt werden mußte.

Im Klartext hieß das, die Aufträge wurden in der Reihenfolge des Einganges abgearbeitet, außer wenn ein Politiker Einfluß nahm. (Ist natürlich alles gar nicht wahr und kam natürlich nie vor - wird man später behaupten.) Die erforderliche neue erhöhte Produktionskapazität wurde bei der Fese nie professionell angegangen. Das stellte sich viel später als ein sehr großes Manko heraus, keiner wollte vom "Karman Ghia" (einem Auto von VWs Gnaden) lernen.

Handgetippte Fese Dokumentation

Dazu kam auch noch, daß die Geräte kontinuiertlich verbessert wurden. Das war natürlich sehr lobenswert, doch irgendwie war (bzw. wurde) jede KOA oder KOB oder KOC oder KOD bis hin zur KOF Kamera ein (super tolles verbessertes) "Einzelstück" - vor allem mit einem völlig irren Aufwand an technischer Dokumentation. Die wurde nämlich von den Anstalten zurecht erzwungen.

Wichtig: Damals gab es weder einen (Schreib-) Computer oder gar einen PC noch ein Textprogramm wie Word oder gar eine Art Visicalc oder Excel Tabellen Programm. Alles wurde auf Schreibmaschinen getippt und dann "hektographiert" (vervielfältigt). Wir haben diese roten Fese Ordner mit den uralten verblassenden Blaupausen massenweise bei uns im Archiv. Und wir haben durch Zufall eine KOC, eine KOD und eine KOE bekommen. Anfänglich waren wir ja von der Type KOD für alle drei Kameras ausgegangen, stimmte aber nicht.
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Im Endstadium des Schwarz-Weiß Fernsehens . . . .

... kamen viele Aufträge aus dem Ausland und mußten natürlich warten, bis die heimischen Sender erst einmal zufrieden gestellt worden waren. Lieferengpässe konnte man sich einfach leisten, weil die Konkurrenz ziemlich bescheiden war. Auch im Ausland war man auf "Made in Germany" erpicht, die Erfahrung mit Thomson und Pye und EMI und RCA war gelinde gesagt - bescheiden. Die Fese schwamm auf einem hohen Wellenberg mit Vollauslastung und "Verteiler-" Mentalität.

Wir erinnern uns, als die erste Autokrise (sprich Ölkrise) kam, wurden damals hunderte von ganz erschrockenen, teils auch verwunderten und ratlosen Mercedes Benz "Verteilern" zu "Verkäufern" umgeschult. Sie hatten nie richtiges Verkaufen gelernt, sie hatten immer nur Kaufverträge "verteilt" und verschoben.
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Und "endlich" kam die Farbe - doch leider zu früh

Und dann kam 1966/67 die Farbe, . . . . . und es ging nicht, also die ersten Fese Farbkameras mit den 3 oder 4 Orticons funktionierten nicht (richtig) - und die Anstalten nahmen sie nicht ab bzw. schickten sie zurück - für das Image der FESE war es fatal. Es soll im Haus richtig Ärger gegeben haben.
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1967 - Start des Farbfernsehens mit Philips Kameras.

1967 - Deutscher Farb-Start mit holländischer Kamera

Der erste wirkliche Tiefschlag kam im Frühjahr 1967, als der WDR die ersten vier ganz neuen Fese Super-Orticon Farbkameras einfach wieder einpackte und zurückschickte. Zwei der ganz alten Fese Entwickler von vor dem Krieg, Dr. Strübig und Dr. Frank, verteidigten ihre 3-Röhren Super-Orticon Konzeption mit Vehemenz, es "soll" (bzw. muß doch) mit Fese eigenen Aufnahme-Röhren funktionieren, also "muß" es damit funktionieren.

Es tat es aber nicht,
weil es (wie man später erforschte) aus Prinzip mit dieser Röhrenart so nicht gehen konnte. Und im Augst 1967 waren diese allerersten Fese-Farbkameras deshalb nicht einsatzfähig. Es machte eigentlich überhaupt nichts, da nicht mal 2000 Personen oder Bürger überhaupt einen Farbfernseher hatten und solche schwammigen Bildunschärfen hätten bemerken können. Auch ist den wenigen Menschen damals überhaupt nicht aufgefallen, daß da ganz klein Philips drauf stand.
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Superorticons-3-zoll
Superorticon-4einhalbzoll

Der federführende (damals größte) Sender, der WDR zusammen mit dem ZDF entschied, wir nehmen dann eben Philips Farb-Kameras. Heute wissen wir, die Philips LDK3 mit 3 Plumbicon Röhren aus den Philips Laboratorien in Breda war eine ziemlich wärmempfindliche Kamera, doch sie ging offensichtlich immer noch erheblich besser als die zittrigen schwammigen Bilder (es waren die für die sogenannte Mikrofonie empfindlichen Super-Orticon Röhren) aus der Fese eigenen Produktion.

Wie wir erst vor wenigen Jahren erfahren haben, wurde damals im Fese Hochvakuum Labor nach dem gängigen 3" Super-Orticon dann auch noch ein 4,5" Riesen-Super-Orticon entwickelt. Die Empfindlichkeit im Rot Bereich war nämlich sehr sehr mäßig und macht schnell alle Hoffnungen zunichte. Es wurde viel Geld verbrannt, damals schon.
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Die technische Lernphase dauerte fast 2 Jahre.

Gegen den Willen des Orticon-Verteidigers Dr. Strübig wurde den Kamera-Entwicklern der Einsatz des neuen Plumbicons des Konkurrenten Philips "verordnet". Und diese bauten erstaunlich schnell nach einigen anderen Flops (mit den GE Kamera-Innenleben) die berühmte Fese KCU, (endlich) wieder ein Welterfolg.

Doch weder das Markting noch die Geschäftsleitung haben daraus gelernt und die dringend notwendigen Entscheidungen und Reformen zu einem Umbau des stetig wachsenden Konzerns - also einer Trennung von der Laborproduktion hin zu einem Produktionsunternehmen - forciert oder auch nur in die Wege geleitet. Später stellte sich das nämlich als ein tödlicher Erb-Fehler heraus.
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Die Fese baute Kameras mit den gleichen Plumbicon- Röhren wie Philips und Philips bekam in Europa und Südost- Asien fast kein Bein mehr auf den Boden. (Ich vermute, die Macher bei Philips waren darüber richtig sauer.) Dafür war die Fese in den USA absolut unbekannt geblieben, trotz der NAB Präsentationen und des Kongresses in Montreux.

Philips (in den USA als "Norelco" vermarktet) verkaufte dort in recht kurzer Zeit etwa 1.500 LDK3/5/6 ähnliche Farb-Kameras.
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Ein Erfolg jagte (bei uns in Europa) den nächsten.

1969 - Die Fese KCU
Philips Erfolge in USA

Nach der KCU kam die KCP, dann die KCK und die KCP60, bis die Erfolgsschine abbrach. Zwischenzeitlich hatte die Fese 1974 mit der revolutionären Videobandmaschine BCN 40/50 einen absoluten Renner mit irrem Ertrag - sprich Profit im Programm, sodaß wieder alle Schwächen der Laborproduktion übertüncht wurden.

Ein beinahe erfolgreiches Fese-Kamera- Verkaufsteam gewann in den USA auf deren innländischen (NAB) Messen und Ausstellungen absolut jeden Vergleich mit RCA und Philips / Norelco und deren NTSC Farbkameras. Doch Darmstadt ließ die Jungs dort drüben im Regen stehen und konnte/wollte nicht liefern - erst kommen nämlich die Deutschen Kunden, dann kommen die Ausländer dran.

In den USA ist das ein völlig falsches und fatales Siganal. Amerikaner akzeptieren keine Lieferzeiten von 6 Monaten, und schon gar nicht aus dem Ausland, wenn die dann auch noch Woche für Woche verschoben werden. Dann kaufen die eben das schlechtere Gerät - aber sofort. VHS läßt grüßen.

Nach anfänglich grandiosem Erfolg verliert das deutsche B-Format gegen das weltweite Ampex/Sony C-Format

Der weltweite Vorsprung der schlanken deutschen 1" BCN Studio-Recorder brachte den (bis dahin) absoluten Weltmarktführer Ampex (aus Californien) mit seinen riesigen 2" MAZ-Geräten in schwere finanzielle Turbolenzen und dazu in ganz extremen Zugzwang.

Der Umsatz bei den Ampex Monster-Videorecordern brach von 1974 bis 1976 gewaltig - auf nahezu 0 - ein. Ampex war in einer solch großen Bredoullie - weil auch deren neuer 1" Schrägspur- Scanner technisch nicht funktionierte, daß sie sich (um fast jeden Preis) mit Sony zusammenraufen (mußten).

Und Sony wollte unbedingt auf den professionellen Weltmarkt,
vor allem auf den amerikanischen Markt und hatte den KnowHow Vorsprung mit dem sogenannten "Schwabbel-Kopf" (mit einem ganz speziellen Piezo-Kristall) und Ampex brauchte dringend ein modernes Produkt. - 1977 war es endlich soweit, Ampex/Sony stellten das eigene und andere 1" (C) Format vor (auch damals in Ulm auf der FKTG Tagung) und sie setzen es als drittes Weltformat durch. Mit dieser Technik konnten die neuen Ampex/Sony C-Format Recorder jetzt unter anderem Slow-Motion, bei uns Zeitlupe genannt. Das konnten die BCN Maschinen anfänglich nicht. Und jetzt gab es richtigen Druck auf die Fese mit ihren BCN Maschinen. Die Umsätze brachen nämlich diesmal bei der Fese ein. Die Verteilmentalität der Fese Vertriebler hatte ein genauso jähes Ende wie damals vor dei Jahren bei Ampex, als die BNC 50 vorgestellt wurde.
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Und wieder wurde der Wandel bei der Fese nicht erkannt.

Die Fese hatte es versäumt, kaufwillige Kunden außerhalb Deutschlands in erträglicher Zeit zu beliefern. Das Magnetband-Labor bekam auch dort die Produktion (auch) nicht in den Griff. An ein Erobern der USA war mit diesen Lieferschwierigkeiten überhaupt nicht zu denken. Selbst in europäischen Landen war der Wunsch nach Belieferung fast wie ein Gnadengesuch beim Papst.
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3M Band funkel nagel neu

Wir vom Fernsehmuseum haben von einem Ex-Mitarbeiter des Schweizer Fernsehens in Zürich diverse historische Geschenke erhalten, zum Beispiel ein mechanisch elektronisches 2" Videoband- Schnittsystem.

Und unter anderem dieses 2" Magentband mit Datum-Stempel: NEU von 11.1981.

Ich konnte es einfach nicht glauben, daß das "SF", das Schweizer Fernsehen noch 1981 mit 2" Maschinen gearbeitet habe. "Doch" - erhielt ich zur Antwort. "Die Fese konnte selbst 1980 immer noch nicht die bestellten BCNs liefern." Die Schweiz hatte damals und hat sogar heute noch eine mit Sicherheit "absolute" Bonität. Also am Geld kann es nicht gelegen haben.
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"Wir" kaufen eine Maske und machen uns den CCD Chip selbst.

einer der ganz frühen RCA Chips

Um 1980 rum ließ sich die Geschäftsleitung der Fese bei RCA die neuen CCD Kameras vorführen und war der Meinung, wenn man für 100.000 Dollar oder ein Vielfaches davon die Chip-Masken kaufe, dann gehöre auch diese Welt wieder ihnen. Es war natürlich vermessen, ohne jegliche Erfahrung in jeglicher Chipherstellung nur mit einem ganz kleinen Bosch Halbleiter- Labor in Berlin im Rücken solch eine Entscheidung zu treffen.

Und vor allem, welche Firma verkauft seine brandaktuellen Masken an einen Fremdling oder vielleicht sogar einen zukünftigen Konkurrenten, selbst wenn er bislang ein "Partner" war. RCA hatte mit Sicherheit (nur) die vorletzte Version geliefert, die in den RCA-Labors bestimmt schon wieder verbessert worden war. Und die RCA-Chips hatten immense Probleme mit der Farbe blau.
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Das Fese Management hat aus diesen Flops nichts gelernt.

lustige Thomson Werbung
1985 - Die neue Fese KCM-125
1985 - Die Ikegami HK-381

Das BCN Geschäft brach ein, das Kamerageschäft brach auch ein, denn aus (firmen-) politischen Gründen mußte/sollte die Fese ab 1981/82 die aktuelle Thomson Studio-Kamera unter eigenem Label verkaufen, und zwar exklusiv und nur noch diese eine Kamera.

Dafür sollten die Franzosen die in die Jahre gekommene BCN 51/52 in Frankreich verkaufen bzw. vermarkten. Doch den Teufel haben die Franzosen getan. Sie haben die Fese-Kollegen belogen wie verrückt. Nicht eine BCN ist in den zwei Jahren über Thomson verkauft worden. Die Franzosen entschieden sich für das Ampex/Sony C-Format - und - (besser gesagt : aber) die Fese hat auch keine einzige von den "hypermodernen" KCI Kameras verkauft. Die deutschsprachigen Kunden hatten nur milde gelächelt, obwohl diese (französische) Kamera durchaus einige wirklich herausragende Eigenschaften hatte.

Die Fese-Kamera-Entwickler saßen teilweise nur noch rum (fast 2 Jahre) und durften an ihrer KCM125, wie sie dann später hieß, nur hinter veschlossenen Türen und abends in ihrer Freizeit weiter entwickeln. Das hinterließ natürlich Spuren beim Umsatz. Selbst die gutwilligen Kunden kauften andere Kameras.

Als das damalige Fese-Management "den Braten" endlich gerochen hatte, war es fast zu spät. Die Entwickler wurden nämlich relativ plötzlich gefragt, wie lange sie für eine neue marktgerechte Studio-Kamera brauchen würden und die kamen in ganz kurzer Zeit mit ihrem nächtlichen Protoypen an.

Doch da war der Markt für große Studiokameras bereits gewaltig am Abflauen, die Japaner standen mit ganz neuen tollen und preiswerten Chip-Kameras (zum Beispiel von Ikegami und Sony) vor der Tür.
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Fehlentscheidungen über Fehlentscheidungen

Ein "verderbender" Fisch stinkt immer vom Kopf an - ist ein bekanntes Sprichwort. Langsam häuften sich die Flops bei der Produktpalette. Da wurde eine kleine EB-Kamera entwickelt, die einen (Andock-) Recorder hinten tragen sollte.

Dazu wurde ein 1/4" Laufwerk mit 4 Motoren von Funai
(aus Japan) eingekauft und mit sehr aufwendiger deutscher analoger Elektronik ergänzt. Ein (ein einziger) Proptotyp machte im Labor wirklich die geforderte 5 MHz Studioqualität, nur - die 24 anderen Muster-Recorder waren einfach nicht dazu zu bringen, die geforderten 5MHz Bandbreite zu verarbeiten.

Und weiterhin war der Kamera-Body der KBF1 mechanisch viel zu labil, sprich - zu gebrechlich - für den realen EB- (Außen-) Einsatz. Und von SONY gab es inzwischen (1985) zu etwa der Hälfte des BTS-Preises ein Konkurrenzprodukt mit nur ganz leicht unterlegener Qualität. Alle Predigten (und Vorschläge) aus der Produktentwicklung (Professor Hausdörfer), diesen Recorder von Anfang an digital zu steuern, verhallten ungehört. Auch hier schickten die verbliebenen wohlwollenden und "mutigen" Probekunden die Kombination Quartercam (also Kamera und Recorder) im Viererpack wieder zurück nach Darmstadt. "Bitte machen Sie vor dem nächsten Versuch erstmal Ihre Schularbeiten."

Es zahlte sich also nicht aus, wenn Bosch irgendwelche im Moment gerade nicht gebrauchten Manger nach Darmstadt sandte oder parkte oder endlagerte. (Unsere deutschen in der EU geparkten Politker in oder aus Brüssel - vor allem Herr Schulz - lassen grüßen.)

Die von diesen Leuten getroffenen Entscheidungen waren jedesmal fatal und Bosch wollte 1985 mit dem Verkauf der Hälfte der Fese an Philips ein Zeichen setzen. Die roten Zahlen summierten sich deutlich und vor alem unakzeptabel. Und natürlich waren die Fehlbesetzungen der ex Bosch- Geschäftsführer sowieso nie Schuld an diesem Dissaster.
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Mit dem Einstieg von Philips wird die Fese in BTS umbenannt

Neue Besen kehren gut und ein neuer Name könnte ein Ansporn sein, (hatte man gedacht). Doch das teure finanzielle Dissaster mit der Quartercam hat angeblich fast 90 Millionen verbrannt. Der dann von BTS angestrengte Antidumping Prozess vor dem europäischen Gerichtshof gegen Sony wurde zwar nach 6 oder 7 Jahren gewonnen, doch inzwischen waren weltweit über 80-tausend Sony EB Einheiten (Sie lesen das wirklich korrekt , 80.000 Stück) verkauft worden und die Quartercam war vom Vertrieb schon lange zu den Akten gelegt bzw. beerdigt worden.

Die mit Valvo Plumbicons bestückte KCM 125
war zwar deutlich besser als alles Andere auf dem Markt, aber die zwei verlorenen Jahre (1983 bis 1985) waren nicht mehr aufzuholen. Zumal Philips bereits eine neue sehr gute Kamera nur noch mit modernsten Halbleitern und einem sehr guten Frametransfer- Chip (die LDK9) fertig hatte. Bosch bot daher Philips die restlichen Anteile an und Philips griff zu, und hatte den gesamten deutschen Studio-Markt im Blick (- damals noch ohne Ostdeutschland).
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Und mit diesem Einstieg kam das "Aus" für die Fese Kameras.

Es war ganz offensichtlich, die führenden Fese Mannen (jedenfalls die ganz oben) hatten den Einstieg in die Halbleiter-Sensortechnik verschlafen oder verbummelt oder vertan. Daß Philips in Holland dem Wettbewerber aus Deutschland nach dem Erfolg der KCM 125 (sogar im jetzt eigenen Konzern) den Chip nicht "in den Hintern" schieben würde, war doch klar, ist sogar heute noch klar. Die KCM 125 hatte nämlich alle alten Philips Röhrenkameras endgültig ad adsurdum geführt, sie war mit Sicherheit besser. Doch auch die einzeln "ausgesuchteste" Plumbicon Röhre konnte einem Silizium Chip dieser Qualität nicht das Wasser reichen, selbst den allerersten noch bescheidenen RCA-Chips nicht mehr.

Damit ging in Darmstadt eine Ära zuende,
von der damaligen Geschäftsleitung unvorhergesehen und natürlich bekämpft und verzögert bis zum letzten Atemzug. Die Kameraentwicklung in Deutschland wurde eingestellt. Für die Mitarbeiter dort war es die erste traurige Erfahrung: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.

Jetzt rächte sich die kategorische Ablehnung einer (von Professor Hausdörfer aus der Produktvorentwicklung mehrfach angeregten) Kooperation - zum Beispiel mit Sony oder Ikegami, die auch schon solche Bildwandler- und andere Chips (Datenkompression) in Vorbereitung hatten. Philips war ja nicht der einzige Hersteller auf der Welt, der an diesen RCA / Kodak Patenten weiter geforscht hatte.
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1990 - Von jetzt an sind wir "Philips" - das war ein fataler Fehler - jetzt aber direkt von Philips.

Und natürlich war es intern bei Philips Gesetz, der "neue" Laden heißt jetzt Philips. Das war der erste ganz große Fehler im Philips-Marketing. Wie dämlich mussten die Köpfe bei Philips gewesen sein, so etwas zu entscheiden. Sie hatten doch mit Sony das Compact Disc Projekt von 1981 absolut erfolgreich über die Weltbühne gebracht und jetzt das.
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Sony-Werbung seit 1977

Von Sony hätten sie so einfach lernen können, wie über Jahre der Slogan "A Sony is a Sony" ein Goldesel wurde. Im Nachhinen wurde mir bei meinen Zeitzeugenbefragungen immer wieder mitgeteilt, die Vertriebs- als auch die Service- Mitarbeiter aus Darmstadt mussten sich das von den Kunden viel zu oft anhören - Wir kaufen nichts von den Holländern. Das ist zwar verrückt (und das wird auch nie jemand aus den Sendern offiziell bestätigen), kamen die Produkte doch - bis auf die Kameras - aus Darmstadt, doch man kann Kunden (auch deutsche Sender oder Anstalten) eben nicht zwingen.
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Ich vermute, die Japaner haben sich insgeheim gefreut.

Eine frühe Ikegami Studiokamera beim ZDF

Ein Weltmarktführer (Philips) demontiert sich selbst, wie eine bekannte deutsche Partei (mit S..) in 2012 zum Beispiel ihren Spitzenkandidaten, durch absolute Dusseligkeit.

Die Sender, also auch die eigentlich "befangenen" loyalen deutschen öffentlich rechtlichen Sender fingen an, jetzt einfach mal im gesamten Markt "rund herum" zu schaun und Montreux war natütlich der ideale Ort dafür. Und siehe da, da gab es (inzwischen) sehr handliche genormte internationale Schnittstellen. Und eine japanische Kamera paßte an ein deutsches Mischpult und an einen amerikanischen Recorder mit einem französischen Taktgeber und einem englischen Normenwandler von PAL auf NTSC und umgekehrt. Und alles gab es zu enorm günstigen Preisen (im Vergleich zu vorher). Man könnte . . . . . ja mal einen Test machen (wagen) und 4 Ikegami Kameras ins ZDF Sport-Studio stellen, Fujinon Objekive oder die von Canon hatte man ja sowieso schon.

Banges Warten auf die ersten Ausfälle und den Knüppel des Intendanten wichen der Begeisterung über die Qualität und Stabilität der Japaner und der Bann war gebrochen. Philips Broadcast blies der eisige Wind des freien (amerikanischen) Marktes ins Gesicht. Die Loyalität der deutschen Kunden (= Sender) des mit dem von BTS erkauften bombensicheren Deutschland-Geschäfts war damit zuende.
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Weitere hammerharte Markting Fehler von Philips

feines und höchstwertiges Teil
phantastische Mechanik

Und dann wurde junges Blut ins Philips-Team geholt und endlich gab es (nach deren Meinung) richtig "coole" bunte Prospekte mit "voll krassen" Bildern und "progressiv dynamischen" super-kivomentalen Produktnamen.

Welcher Idiot bei Philips hat sich solch einen Unsinn ausgedacht ? In allen Sendeanstalten im vereinten Deutschland und selbst bei den Privaten saßen gestandene Männer oder Frauen unter den Entscheidern und keine 18jährigen i-Phone- Buben oder Handy-Mädels, die mal schnell für deutlich über 120.000 Euro einen "Voodoo" Recorder kaufen "dürfen" oder "sollen".

Wer hat diesen technologisch weltbesten digitalen HDTV- Überrecorder "Voodoo" genannt ?

Wir haben übrigens solch einen edlen "Voodoo" Hightech-Recorder
übergeben (geschenkt) gekommen, einen nahezu neuen DCH 6024, einer von nur knapp 70 Stück. Es ist ein wirklich besonders feines und höchstwertiges Teil aus deutschen (hessischen) Labors mit Hitachi Elektronik, vor dem selbst patriotische japanische Recorder-Experten den Hut ziehen (gezogen hatten).

Es war eine Weltspitzenleistung, einen digitalen 1080-50p HDTV Recorder mit allen Finessen und sogar ohne Kompression !!! zu entwickeln und zu produzieren.

Doch solch ein Teil hätte doch nie "Voodoo" - also Gaukler, Spinner oder Scharlatan  - heißen dürfen.
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1990 - Philips steckte in der Rezession und bekam kalte Füße.

Philips verkauft an Thomson

Im angeblich reichen Japan drohte 1990 (mit einer recht kurzen Vorwarnzeit) ein richtiger ernsthafter Staatsbankrott und der gesamten Weltwirtschaft stockte daher der Atem. Auch die ganze Philips Broadcast-Divison schrieb ab Anfang der 1990er Jahre keine schwarzen Zahlen mehr und wurde (damit auch) auf den Prüfstand gestellt.

Wer könnte soetwas kaufen ? Die Franzosen vielleicht ?

Natürlich ein Staatsbetrieb, der sowieso nicht auf Profit achten muß. Und jetzt vermute ich, daß da ein paar bi-nationale alte Rivalitäten (unter anderem mit der damaligen Entscheidung für das deutsche PAL) beglichen werden sollten oder konnten.

"Jetzt kaufen wir diese Deutsch-Holländische Broadcast Klitsche einfach auf." - könnten die Gedanken der Franzosen bei Thomson gewesen sein. Währendessen hatte Thomson oder Philips schon ein Stück von Grass-Valley übernommen, den Bild-Mischerbau, ganz oder nur teilweise, oder Grass Valley ein Stück von Philips Broadcast, wie herum - es war nur noch verwirrend. Wie auch immer: Ende 2000 war es soweit.
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Am 4. 12. 2000 ging es als Eil-Ticker per E-Mail um die Welt:

Philips Professional Broadcast (also die frühere BTS mit Breda und Weiterstadt) ist an die Franzosen von "Thomson Multimedia" verkauft (oder sollte man sagen verscherbelt) worden.

Norbert Bolewski schreibt:
Daß Philips Broadcast zum Verkauf anstand, wußte man in der Branche. Daß mit Thomson Multimedia ein starker Partner diesen Unternehmensteil übernommen hat, erfüllt mich mit Zuversicht. - So schrieb es jedenfalls Norbert Bolewski am 4.12.2000.

Aber es war nix mit der Zuversicht. Thomson bekam es nicht gebacken, vor allem das mit der englischen Weltsprache. Denn "Französisch" ? "Soetwas" spricht kein Amerikaner, weder im Norden Amerikas (außer Kanada natürlich) und auch nicht in Südamerika, auch kein Norweger, Schwede, Däne oder Finne oder gar die Holländer, da sprechen die eher noch Deutsch als Französisch. Und so nahm das Schicksal seinen Lauf. Alte kleine Rivalitäten brachen wieder auf.
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BTS / Philips - Es war keine Liebe, nicht mal ein Tolerieren.

Ein Name ohne Zukunft

Thomsen wurde recht schnell bewußt, mit dem Namen "Thomson" im Logo provoziert man außerhalb Frankreichs und seiner Kolonien und vielleicht noch außerhalb des Ostblocks nur vertuschte Vorurteile gegenüber den "selbstlosen" eigenen französischen Interessen der "Grande Nation".

Darum wurde "der Broadcast"-Laden schon bald wieder umbenannt - jetzt in "Thomson Grass Valley".

2003 - Jetzt also "Thomson Grass Valley".

Ich habe es schon auf anderen BTS-Seiten geschrieben, ein amerikanischer Name für ein französisches Unternehmen - das konnte nicht lange gut gehen.

Tat es auch nicht, wir bekamen davon nur nicht so viel mit. Ich kann mir aber die erregten Diskussionen französischer Patrioten in den Gremien bis hoch zur Politik lebhaft vorstellen. "Also so geht das nicht - schon gar nicht mit Steuergeldern."

Die fünfte oder sechste Umbenennung stand an. Die Mitarbeiter in Weiterstadt und mit Sicherheit auch die in Breda "schwammen" in einer zeitweisen Unkenntnis über die eigene Strategie und Zukunft der weit entfernten Franzosen und waren entsprechend miserabel (andere sagten wörtlich "beschissen") motiviert. Und soetwas bleibt selbst den treuen wohlwollenden Freunden bei den "Kundenkontakten" in den kleinen und großen Sendern nicht lange verborgen.
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Oder hieß es "Grass Valley Thomson" ?

Der oder die Namen oder Namens-Modifikationen wechselten so schnell, daß weder ich noch die Mitarbeiter jeweils wußten, wie "ihr" Unternehmen aktuell nun wirklich hieß (bei dem sie im Moment angestellt waren). Die Prospekte der teuren und wirklich guten Kameras aus den (ehemaligen Philips-) Laboratorien in Breda waren ein Verwirrspiel ohnegleichen. (Übrigens, wir haben sie alle bekommen, die Prospekte - 4 große Kisten voll - und die werden auch noch publiziert.)

Mit solch dilletantischem "Marketing Murks" kann man den Japanern auf deren Erfolgsweg wirklich kein Paroli bieten
und damit beginnt ein schleichender Niedergang der Umsätze und vor allem - der Motivation der Mitarbeiter.

Als dann auch noch die Kunden unschlüssig wurden, ob solch ein "komischer" Laden überhaupt eine Überlebenschance hätte (originaler Wortlaut aus einem großen Frankfurter Sender - na, wer könnte das wohl sein ?), hätte nur noch ein brachialer Umschwung irgend etwas retten können.
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2010 - Jetzt war es amtlich, die Franzosen haben es "vergeigt".

Ob sie es wissentlich oder nur dusselig getan haben, sie haben den europäischen und amerikanischen Markt und die Menschen und die Entscheider dort fehl-eingeschätzt. War die BTS Geschichte für Philips (ebenso wie damals der Kauf von Grundig) ein teures bzw. sogar ein (1,5) Milliardengrab (Grundig), so hatte Thomson jetzt in 2010 ein dickes Problem. Nach der neuen EU Bilanz-Richtline war der gesamte Thomson Konzern nämlich Pleite - also juristisch und buchmässig Pleite und mußte einen fiktiven Konkurs anmelden !!!!!

Vertuschen, Schummeln und Lügen half nicht mehr.
Es ging durch alle Medien, die Franzosen haben dicke Probleme mit dem Gesetz. Es folgte - wie damals in der Bosch Zentrale in Stuttgart und bei Philips in Eindhoven - wieder die Devise: Ganz schnell alle Verlustbringer abstoßen. Klappt das nicht, dann die einzelnen Abteilungen oder Divisions zerschlagen, aufteilen und abtrennen, eventuell privatisieren und separat verhökern oder in die "Selbständigkeit" (ver-) leiten. Auf jeden Fall so schnell wie möglich weg damit.

Auch soetwas bleibt natürlich draußen am Markt nicht lange verborgen
und die Kunden wurden noch skeptischer, was sich da im Hintergrund bei Thomson Grass Valley tut. Leider hat sich in Deutschland die Denke eingebürgert: Die Hoffnung stirbt zuletzt.
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Internationale Investoren sind nicht blöd - die wollen "irgendwann" mal Profit sehen, außer ihrem Investment.

Und Investoren bewerten darum die Produkte und den aktuellen und zukünftigen Markt eines im Fokus befindlichen Unternehmens (des Übernahme-Kandidatens) nach ihren eigenen Regeln und zwar gnadenlos ohne Rücksicht auf Verluste. Sie betrachten sowohl das Unternehmen als solches wie auch die Produkte und die Mitarbeiter emotionslos und subjektiv neutral von außen. Und sie betrachten die Zukunftsfähigkeit der ganzen Aktion, ob sie je ihr Investment wiedersehen.

Die Filmabtaster Sparte zum Beispiel hat auf längere Sicht gesehen keine Zukunft. Die Technologie des Zelluloid Films stirbt aus, todsicher. Wie lange noch, wäre hier die Frage. Jedenfalls war das die Sicht oder Erkenntnis im Jahr 2012 - die sich in 2014 geändert haben könnte.

Die Magnetbandtechnologie war in 1998 bereits am Ende der Fahnenstange angekommen. Die CD, DVD und Blue Ray Scheiben fraßen Marktanteil nach Marktanteil. Als dann die Flash-Speicher Chips mit nahzu 1 Terabyte (pro USB-Stick) immer größer wurden, war auch die Technik der CDs und DVDs besiegelt, der sogenannten "rotating memories", der drehenden Speicher-Scheiben. Und damit war die Magnetbandtechnik voraussehbar endgültig out, also hoffnungslos ohne jede Zukunft.

Laut Pressemeldungen sind im Jahr 2012
im Rhein-Main Gebiet über 98% aller Kinos mit digitalen Projektoren ausgestattet und die ganzen alten Filmkopien werden zur Zeit gerade vernichtet.

Daher nix wie auslagern oder ausgliedern
und zwar still und heimlich und vor allen Dingen unter fremden Namen sterben lassen. So wurde zum Beispiel die DFT-Film GmbH und die Precision-Mechatronik GmbH ausgegliedert und mit dem ganzen (uralten und ehemals sehr sehr teuren) Inventar in eine ungewisse Zukunft entlassen.
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Die Zukunft der Precision-Mechatronik GmbH ist am 31.12.2012 zuende . . . .

Wie in den Dez 2012 Neuigkeiten schon kurz gemeldet, wird bzw. wurde die ehemalige Magnetbandentwicklung der BTS, die ja nur noch Reparaturen für die eigenen Recorder und die anderen Produktgruppen von Grass Valley gemacht hatte, nach dem Sterben des Hauptkunden aus den USA, Kodak, Mitte 2012 auch insolvent. Trotz der Mitgift von zig Millionen Euro an Ware (Halbleitern und Chips) und (alten) Messgeräten und sonstigem (Büro-) Inventar war es abzusehen, daß das lukrative Service-Aufkommen immer weniger würde.
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. . . und die DFT-Film GmbH ?

Auch die ehemalige Filmabtaster Abteilung der BTS mit den berühmten FDL 60 und FDL 90 - Telecine Maschinen genannt -, wird über lang oder kurz aufgeben werden oder müssen. Die moderne innovative Technik rollt da einfach gnadenlos drüber. In den gefledderten Lagern und halbleeren Regalen standen ganz viele ehemals sündhaft teure Silicon Graphics "Workstations" und auch noch große ehemals sehr teure Tektronix Oszillographen rum, die von den Heuschrecken beim traurigen Kehraus teilweise nicht mal mehr angesehen wurden.
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Wer von den BTS Abteilungen kann oder wird überleben ?

Wenn dann noch in den wenigen Fachpublikationen ein Vergleich der DFT-Film Filmabtaster-Produkte zum Beispiel mit denen der Berliner New MWA gezogen wird und der dann zu "ungunsten" der DFT-Film ausgeht, erkennt selbst der Laie die Tendenz.

Aus meiner Sicht werden es die erfolgreichen Kamera-Entwickler und Produzenten in Breda und deren deutscher Service in Weiterstadt überleben "können" und die Mitarbeiter des abgespaltenen und unter dem ganz alten Namen wiederauferstandenen Ü-Wagen- und Studio- Sytemhauses BTS sowie die Bildmischer-Spezialisten unter dem Grass Valley Label, die aber ihre Europa-Zentrale in England aufgeschlagen haben.
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Es fehlt ein Resume eines externen Betrachters:

Zu vermieten - zu verkaufen

Bei der Fese / BTS / Philips / Thomson / Grass Valley usw. usw. arbeiteten und arbeiten auch Heute noch überwiegend intelligente hochspezialisierte Experten, jeder auf seinem Gebiet. Mir als Aussenstehendem ist es darum nicht zu vermitteln, daß die Mitarbeiter nicht gemerkt haben wollen, daß die Arbeit schleichend weniger wurde, sei es bei den Kundenkontakten, in der Produktion oder im Service oder im Lager.

Mir ist weiterhin schleierhaft, daß die Mitarbeiter vor den deutlich sichtbaren Veränderungen die Augen geschlossen haben. Sie haben doch alle (die meisten waren über 50) live mitbekommen, wie zum Beispiel die Kinos und auch die Diskotheken und Tanzschulen gestorben waren - wie die Fliegen. Was hatten wir in Deutschland West für eine flächendeckenden Fülle an Lichtspielhäusern. Auch Diskotheken gab es an fast jeder Ecke. Dann kam des Grubensterben im Ruhrgebiet und im Saarland, dann das Sterben des Einzelhandels und sogar der Kaufhäuser zugunsten der (Super-) Märkte auf der grünen Wiese.

Fast alle Mitarbeiter haben einen neuen japanischen Flachbild-Fernseher und einen japanischen oder taiwanesischen oder China VHS Videorecorder zuhause und keinen VCR oder Video 2000 von Grundig oder Philips.

Deshalb kommen mir so manche Tränen leicht unverständlich vor. Es ist nur mit der Angst vor absolut notwendigen Veränderungen so zu sehen und zu verstehen, so hart und mühsam das für die Einzelnen auch ist.
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Da kommen noch viel mehr dicke schwarze Wolken.

Wir schreiben jetzt Dez. 2012 und ich höre, daß es hinter den Kulissen in Deutschland West wie Ost und sogar in ganz Europa ganz fürchterlich kracht. Dazu kenne alleine ich in meinem Umfeld bereits mindestens eine handvoll junger hochintelligenter Akademiker, die schon kein Auto mehr haben, also kein eigenes Auto und sich das irgendwie mit Eltern, Bekannten, Carsharing Unternehmen und Freunden teilen.

Ein gerade frisch gebackener junger Doktor vermutet, daß "wir" in 2030 nur noch sehr wenige Autos der aktuellen Bauart haben werden. Diese jungen Autoverweigerer kaufen einfach keine mehr. Und dann klappt oder kracht unser ganzes europäisches Wirtschaftwunder mit dieser gefährlichen Monokultur einfach zusammen.

Der Wandel ist unaufhaltsam wie jetzt mit den PCs und Netztwerk-Servern. Was stöhnen die etablierten Hersteller wie HP (ehemals Compaq) und Dell und andere, wenn jeder nur noch ein i-Pad haben will und sie auf dem ganzen fabrikneuen Müll sitzen bleiben.
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Von den 140 Milliarden, die wir unseren pleite gegangenen Freunden in Griechenland und nebendran "leihen", wollen wir dabei noch gar nicht reden. Da kommt das dicke Ende auch noch.

So weit im Dezember 2012 - ganz kurz vor Weihnachten, dem Fest der "Freude".
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Nachtrag in 2015 - Griechenland wird 3 oder 4 mal so teuer.

Und das letzte verbliebene BTS Systemhaus in Weiterstadt mußte im April 2015 auch aufgeben. Die große und sehr komfortable Ü-Wagenhalle ist quasi über Nacht ausgeräumt worden. Das ist sehr schade. Die Kameraspezialisten für die letzten LDK Kameras sind im kanadischen BELDEN Konzern untergekommen.

Und somit ist von den alten FESE/BTS Leuten keiner mehr da. Alleine die Darmstädter Fese-Treffs erinnern an den alten Glanz und die ehemals 3.300 Mitarbeiter der "Robert Bosch Fernsehanlagen GmbH".
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Übrigens - wenn etwas nicht stimmt, bitten wir um Ihren Kommentar bzw. Ihre Kritik.

Hier im Fernsehmuseum gibt es mehrere themenbestimmte Kommentar-Formulare, in denen man ganz einfach seine Meinung sagen bzw. schreiben kann, natürlich auch anonym. Das ist bei uns kein Problem.

Zum Beispiel hier: Formular für Ihre-Kritik

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