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Hintergründe über die Firma Robert Bosch Fernseh GmbH

Nach der Befragung recht vieler Zeitzeugen der ehemaligen Fese sowie ehemaliger Mitarbeiter der Rundfunkanstalten sammeln sich die Anzeichen, daß der Niedergang dieser ehemals erfolgreichen Weltfirma abzusehen war und man hätte aus diversen Ereignissen und Fehlentwicklungen lernen können.

Die Fernseh AG wurde bereits lange vor dem 2.Weltkrieg 1929 in Berlin gegründet. Die damals kleine Firma sollte die Idee des Fernsehens in Produkte einbringen und verkaufsfähige Entwicklungen auf die Beine stellen. Jedenfalls ist das so zwischen den Zeilen der damaligen Publikationen zu entnehmen. Diese Idee wurde von den Gründervätern, es waren damals 4 Firmen, als Aufgabe festgelegt.

Als 1939 der Weltkrieg bereits beschlossene Sache war, wurden mit dubiosen Methoden die beiden jüdischen Brüder Loewe und der Engländer Baird aus der Firma herausgedrängt, im Prinzip auf Druck der NS-Regierung rausgeschmissen. Zur damaligen Zeit konnte sich keine deutsche Firma dem Druck der Reichsregierung widersetzen oder sie verschwand einfach. Unverständlich war und ist, daß diese "nebulöse" Geschichte in den Jubiläumsausgaben der Bosch-Fese immer noch "unwahr" dargestellt wird. (Das ist eine sehr höfliche Umschreibung für verlogenes Denken.) In den Unterlagen des Firmenarchivs existieren durchaus eindeutige Schriftstücke, wie "geschickt" und trickreich das damals durchgezogen wurde.

Nach dem Krieg war Bosch immer noch die Mutter der "Fese".

Als es nach dem verlorenen Krieg wieder mühsam voran ging, hatten natürlich die 14 verbliebenen oder am Leben gebliebenen ehemaligen Mitarbeiter der alten Fese zuerst mal ihre eigenen Interessen, etwas aus dem Erbe (ihrem Wissen) zu machen. Das in Taufkirchen angelandete Material gehörte vermutlich immer noch dem letzten verbliebenen Eigentümer, der ehemaligen Bosch AG. Es war damals im Prinzip eine Bastelwerkstatt zum Überlebenstraining, jedoch mit hochkarätigen Doktoren besetzt. Doch zu dieser Zeit zählte ein Doktortitel nichts, wenn man einfach nur Hunger hatte.

Als sich 1948 die Lage leicht normalisiert hatte, zog der kleine aber feine Bastelladen aus den ehemaligen Blaupunkt Gebäuden von Taufkirchen nach Darmstadt in die Nähe zu anderen Blaupunkt / Bosch Lokalitäten. Und natürlich hing die Fese wieder am Tropf der Mutter Bosch.

Die Robert Bosch Fernseh GmbH in Damstadt

Bosch wußte zu der Zeit sicherlich nicht, daß die kleine Fernsehmannschaft aus Darmstadt mal Geschichte schreiben würde. Bei Bosch in Stuttgart dachte man bestimmt nur an die Millionen oder Milliarden an Zündkerzen, Zündspulen, Scheinwerfer, Scheibenwischer und Autoradios, die die neuen Autos alle so brauchten. An ein paar ganz teure Fernsehkameras dachte man in den obersten Etagen vielleicht beim Gläschen Wein am Abend.

Doch nach dem Krieg war das in 12 Jahren eingebläute (deutsche) Denken immer noch so stark ausgeprägt, daß die so nach und nach aus der Kontrolle der West-Aliierten herausgelösten Rundfunkanstalten wie selbstverständlich deutsche Produkte präferierten. Und als um 1952 das Fernshen so ganz langsam wieder Fuß fasste, wollten die "Anstalten" Geräte aus Deutschland haben und kaufen.

Das war natürlich genial. Denn die Sendeanstalten stellten ihre Pflichtenhefte auf, die hauptsächlich beim NWDR entwickelt wurden und die Fese bekam die Aufträge, das dann zu bauen. Es gab ja sonst niemanden in Europa mehr, der in Frage kam. Telefunken war gar arg gebeutelt und aus diesem Geschäft ausgestiegen.

Die europäischen "Siegermächte", also die Franzosen und Engländer hätten den Teufel getan, an den Kriegsverlierer, der ein grandioses Wachstum hingelegt hatte, auch noch deren damalige Fernsehtechnik zu liefern. Zumindest bei den Engländern war sicherlich schon etwas Neid im Spiel. In der DDR versuchte man es mit Eigenkonstruktionen.

Was mit Philips damals 1952 im Fernsehbereich los war, haben wir noch nirgendwo herausgefunden.

Und dann wurde entwickelt.

Die Ingenieure durften so richtig loslegen, die Bosch Fernseh bekam die Aufträge, (sicher auch, weil die große Bosch AG hinter der Sache stand) und Geld spielte offensichtlich (wie später fast immer im staatlichen Bereich) eine beinahe untergeordnete Rolle. Es war eine geniale Monopolstellung.

Und so wuchs das "Ingenieurbüro" in Darmstadt zu einer Firma heran. Die Fese hatte wieder eine eigene Glasbläserei und eine Schlosserei und eine Mechanik und Elektronik-Abteilung und und und.

Letztendlich hatten die Ingenieure das Sagen und drückten auch ihre Ideen und ihre Strategien durch. Wie man heute weiß, war die Ignoranz der kaufmännischen und organisatorischen Seite der Firma ein Mangel, der recht bald zum Vorschein kam.

Da die ganzen alten KODs und KOFs inzwischen lange ausgemustert in irgendwelchen Kellern herumgestanden hatten und so langsam in den Mueeen eingelaufen sind oder bei uns einlaufen, konnten wir feststellen, daß es fast alles Unikate waren. Es wurde kontinuiertlich daran "entwickelt". Doch zu solchen Kameras gehörte auch das Service Handbuch und der Schaltplan. Und vielen Entwicklern fiel es einfach schwer, das tägliche Tun zu dokumentieren. Oft scheint es, daß diejenigen, die dann diese Arbeit (also die Dokumentationen) machen mußten, gar nicht so recht verstanden hatten, was sie da vor sich hatten.

Typisch Ingenieurbüro oder Konstruktionsbüro.

Fese Kunden 1954

Die deutschen Rundfunkanstalten bezahlten jeden Preis, der bei der Fese wie auch immer "kalkuliert" wurde. Die Produkte waren auf jeden Fall herausragend gut. Was immer in Montreux vorgestellt wurde, ließ dem Wettbewerb die Tränen in die Augen schiessen.

Auf einmal liefen Aufträge aus allen Ecken dieser Welt ein. Oh verdammt, jetzt brauchte man einen Verkauf und eine Buchhaltung, also eine richtige Buchhaltung, die den Entwicklern auch mal auf die Finger sah und nachkalkulierte, wie lange sie für ein Produkt gebraucht hatten. Auch wurde die Fertigung mal etwas genauer durchleuchtet.

Und nochmal verdammt, da wurde auf einmal kontrolliert. Das gefiel den "Doktoren" vermutlich immer weniger. Es kam "Unruhe" bei der Belegschaft auf, denn die war inzwischen auf nahezu 1.000 Mann gewachsen.

Auch etablierten sich sogenannte "geniale" Verkäufer. Die verkauften Geräte oder Einrichtungen, die waren noch  gar nicht da, außer in den Köpfen dieser Kollegen. Das war ja alles nicht schlimm, doch die Kunden wollten auch mal einen realistischen Zeitrahmen genannt bekommen oder machten die Abnahhme (und Zahlung) von einem fixen Datum mit Rücktrittsrecht abhängig. Dieser Verzug (mit eventuellem Rücktritt vom Kauf) durfte natürlich die Provision des Verkäufers auf keinen Fall schmälern.

Und das bekamen natürlich auch die Entwickler mit, die das auszubaden hatten, ohne dafür jedes Mal eine Prämie zu erhalten.

Über die Erträge (Gewinne) schwieg man Jahre lang.

Aufgrund unserer Recherchen vermuten wir, daß Bosch Stuttgart doch irgendwann mal mehr als Lob und Ehre sehen wollte, nämlich Profit, der von der Tochterfirma an die Mutter Bosch abzuführen wäre.

Und damit sah es gar nicht gut aus. Der Start des deutschen Farbfernsehens 1967 wurde gründlich verpatzt. Es war schon sehr peinlich, daß hier in Deutschland mit holländischen Philips LDK-3 Kameras angefangen werden mußte. Offensichtlich wurde von den inzwischen alten Doktoren (Namen der Redaktion bekannt) auf das falsche Pferd gesetzt wurde, nämlich auf das Orthicon. Und die ersten 4 deutschen Farbkameras der Fese waren richtige Riesen mit weit über 100 Kilo Gewicht. Den Probelauf beim NDR hatten sie nicht überlebt. Der NDR wollte sie nicht haben.

Auch die traurigen Versuche mit RCA- und GE- OEM-Kameras und dem Fese Aufkleber drauf waren nur mäßig erfogreich. Irgendwann in 1967 gab es dann von ganz oben, es waren bereits 2 ergebnislose Jahre verflossen, ein Machtwort. Die Entwicklung einer eigenen Orthicon !! Farb-Aufnahme-Röhre / Orthicon !! Farbkamera ist einzustellen und die Fese "muß" Plumbicons von Philips / Valvo einkaufen.

Facit: nach wie vor waren die Entwickler sehr sehr gut.

Es war eine schwere Niederlage für die Röhrenentwicklung der Fese, mit den Röhren-Labors von Philips nicht mithalten zu können. Doch bereits die erste deutsche Plumbicon Farbkamera stach die Holländer wieder aus. Wir vermuten, die Holländer hatten gewußt, daß die Deutschen aus Darmstadt die "bessere" Elektronik bauen konnten und hatten deshalb nicht alle Informationen über das Plumbicon herausgerückt.

Jedenfalls räumten die Fese Verkäufer in Montreux wieder mal alles ab. Es gab aber in Deutschland bereits einige "Anstalten", die aus politischen Gründen oder aus Prinzip "fremd gingen" und RCA oder Philips Kameras kauften. Ob sie damit glücklich geworden sind, kam noch nicht so ganz raus. Auf jeden Fall hat sich unseres Wissens nach nie eine Thomson Kamera zu einem Sender nach Deutschland verirrt. Wir sprechen auch von der traurigen KCI.

Die Fese KCU war zu dieser Zeit das (finanzielle) Rennpferd der Fese. Als die FESE KCU den Siegeszug antrat, wurde auch die Kritik aus Stuttgart eine zeitlang verhalten, doch wurden nach wie vor "verdiente" Bosch Manager (Andere sprachen von ausgemustert oder abgehalftert oder abgeschoben) nach Darmstadt "delegiert".

Von einem Herrn Groll geht das Gerücht um, er sei sogar farbenblind gewesen und sollte die europaweit führende "Farb"-fernsehfirma leiten. Wie konnte soetwas vorkommen ?

es geht bald weiter

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