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Thomson kommt aus Frankreich.

Die Firma Thomson hier mal aus einer anderen Sicht beleuchtet.

 

Thomson ist ein französischer Staatskonzern (ähnlich wie ehemals der Computerladen Bull) und somit etwas außerhalb des normalen Wettbewerbs. Zeitzeugen erzählen lustige Stories aus den 50er Jahren, als ein ganzes Thomson schwarz weiß Fernsehstudio zu Marshall Tito nach Belgrad und/oder eines nach Zagreb verschifft wurde. Doch irgendwie lief das nicht richtig oder Tito wollte den Sowjets zeigen, er könne auch anders. Also bestellte Tito klassenfeindliche amerikanische RCA Technik und bat Thomson, sie mögen die französischen "Geschenke" wieder abholen. Die wurden aber Jahre lang nicht mehr geholt, obwohl sie funkel nagel neu waren und wurden letztendlich ausgeschlachtet und irgendwie "sozialistisch" vermarktet. Wer hat das wohl alles bezahlt ?, die Jugoslaven jedenfalls nicht.

 

Zur Zeit der Entscheidung für ein Farbfernsehsystem in Europa zwischen NTSC, SECAM und PAL wäre Thomson beinahe in politischen Raufereien erstickt worden.

 

Charles de Gaulle hatte in einem politischen Handstreich versucht, "sein" französisches SECAM entgegen allen Absprachen zu Gunsten einer technischen Entscheidung gegen das konkurrierende PAL aus Deutschland durch zu boxen. Eigentlich war es eine politsche Sauerei, was DeGaulle da veranstaltet hatte und es gab deshalb lange Jahre eine leichte politsche Eiszeit mit den Franzosen.

 

In Frankreich gab es damals im Bereich Fernsehen nur Thomson. Es hatte aber nicht geklappt mit dem SECAM, wurde also kein Husarenstück, eher ein politischer Bumerang oder Rohrkrepierer. Der gesamte Rest von West-Europa entschied sich (ganz offensichtlich jetzt aus Prinzip) für das deutsche (wirklich nur leicht bessere) PAL. Und das hinkte den stolzen Franzosen mehr als 20 Jahre hinterher.

 

Etwa 25 Jahre später nach dem Niedergang der weltweiten Hightech Blase so um 2001 konnte dann Thomson zum großen Schlag ausholen, also den finalen Sieg in diesem unausgesprochenen Fernsehnormen- Krieg einfahren und alle verbliebenen europäischen Hersteller (einschließlich der darbenden Philips Broadcast) in die Grand de Nation heim holen. Hatten wir das nicht auch schon mal mit "Heim ins Reich" ?

 

Dazu kam sogar noch der führende amerikanische Video-Mischer Hersteller Grass Valley. Jetzt hatte Frankreich, also eigentlich Thomson, letztendlich alles, von Secam über NTSC bis PAL und überall die Besten! Viele Beteiligte fragen sich rückblickend, hätte man damals mit der Secam/PAL Story das Porzellan nicht woanders zerdeppern können als hier bei uns in Europa ?

 

Und wieder verschenkte Thomson (also Frankreich) SECAM Farbtechnik in den Osten (sagen die allgemein gut informierten Kreise). Doch die Ostblockkunden kauften nach anfänglicher Begeisterung (über die Geschenke) dann doch über alle nur möglichen (meist österreichischen) Lücken des eisernenen Vorhangs die westdeutsche Fese PAL Technik. Und mit einem kleinen PAL-Secam Normenwandler kurz vor der Antenne machten sie überall PAL und sendeten aber SECAM, so auch in Adlershof in Berlin. Und die Thomson Geräte darbten in den Kellern vor sich hin.

 

Facit: Thomson mußte damals und muß auch heute keinen Gewinn einfahren.

 

Das ist natürlich alles nur Legende oder Story, stimmt also alles gar nicht ? Doch alle diese "Gerüchte" und "Legenden" kommen aus den Mündern der durchaus kompetenten "Buschtrommel" und das aus unterschiedlichsten Gegenden vom hohen Norden (NDR) bis zum tiefsten Süden (ORF) und auch aus dem ehemaligen Ossiland. (Der Autor gr hatte im Herbst 2007 eine Zeitzeugenbefragung durchgeführt.)

 

Und jetzt wurde der gesamte Thomson Broadcast Verbund (also nicht die Firma Thomson in Frankreich an sich) nochmal in Grass Valley umbenannt. Wer das da wieder verbockt hat ?

 

Die Marketing "Experten" hatten also doch mitbekommen, daß der Name Thomson in den wichtigsten englisch sprachigen Ländern verbrannt war als "die Gestrigen mit ihrem Secam", eine Erblast aus dem PAL-Krieg von 1964/65. Auch im "wichtigen" Deutschland war mit dem Namen Thomson nach den vielen Übernahmepleiten in Audio, Hifi und Consumernamen nichts mehr zu gewinnen. Und wenn eine Name erst mal im "Volksmund" und bei der Presse eines Landes verbrannt ist, hat es ein auch noch so guter Vertriebler im professionellen Broadcast- Umfeld und im Industriebereich schwer.

 

Zum Beispiel der Koreaner Benq wird an der ungeschickt unglücklichen Übernahme der Siemens Handy Fabrikation und deren Pleite noch Jahre zu knabbern haben.

 

 

Und was können wir daraus lernen ?

Engstirnige nationale Interessen oder Vorstellungen können im Ausland ganz leicht ins Auge gehen, insbesondere für Amerikaner in Frankreich.

 

Da gab es bei den PC Datenbanken in den späten 80ern zu Borlands DBase5 und unserer Dataflex Zeit eine amerikanische Neuentwicklung, die durchaus Qualitäten hatte. Und die AMIs nannten sie nach ihrem Sprachgebrauch "Sensible Solution". Man konnte damit alle nur möglich Daten sehr feinfühlig speichern und manipulieren/verarbeiten, wirklich toll gemacht.

 

Doch in allen französisch sprachigen Ländern einschließlich Kanada (etwa 30% französisch - 50% deutsch) bedeutet das (auch heute noch) sehr zweideutig die sensible Lösung für die intime Freude, also das Präservativ oder auch das Gummi. Die Franzosen müssen über die wenigen Zeitungsanzeigen wochenlang gelacht haben. Damit war das Produkt ausserhalb der USA tot und versank relativ schnell im Nirwana.

Oder kennen Sie diesen Namen noch ?

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