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"Das gab's nur einmal" - Der deutsche Film von 1912 bis 1945

Der Schriftsteller Curt Riess (1902-1993 †) hatte 1956 und 1958 zwei Bücher über den Deutschen Film geschrieben. Als Emigrant in den USA und dann Auslands-Korrspondent und später als Presseoffizier im besetzten Nachkriegs-Berlin kam er mit den intessantentesten Menschen zusammen, also nicht nur mit Filmleuten, auch mit Politikern. Die Biografien und Ereignisse hat er - seit 1952 in der Schweiz lebend - in mehreren Büchern - wie hier auch - in einer umschreibenden - nicht immer historisch korrekten - "Roman-Form" erzählt. Auch in diesen beiden Filmbüchern gibt es jede Menge Hintergrund- Informationen über das Entstehen der Filme, über die Regisseure und die kleinen und die großen Schauspieler, das jeweilige politische Umfeld und die politische Einflußnahme. Die einführende Seite finden Sie hier.

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ACHTZEHNTER TEIL • DIE FÄLLE

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IM LEBEN ZUM TODE VERURTEILT

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Der Schauspieler Joachim Gottschalk

Noch bevor das Jahr 1941 zu Ende geht, wird die moralische Forderung, die Wolfgang Liebeneiner in seinem Film „Ich klage an!" zur Diskussion stellte, zumindest von einer Familie in die Realität umgesetzt.

Der Schauspieler Joachim Gottschalk scheidet mit Frau und Kind aus dem Leben. Freiwillig, wenn man von Freiwilligkeit bei einem Mann sprechen will, den man zu Tode gehetzt hat.

Zu Tode gehetzt, nicht, weil er oder seine Frau unheilbar krank waren - sondern weil Deutschland unheilbar erkrankt ist.

Dieser Joachim Gottschalk ist einer von jenen Schauspielern, wie sie es in Deutschland bisher überhaupt nicht gegeben hatte, wie es sie auch nachher nicht wieder geben wird. Ein Typ Schauspieler, wie er eigentlich nur in England und Amerika vorkommt; einer, der überhaupt nicht mehr spielt, einer, der kaum noch eine Bewegung macht, geschweige denn eine Geste, einer, der nicht lauter spricht, als er in einem Zimmer sprechen würde.

In Fachkreisen nennt man das „unterspielen". Aber selbst dieses Wort scheint für Gottschalk noch zu theatralisch, denn er spielt eben überhaupt nicht. Er ist da und das genügt.

Seine Mittel? Er ist ein gutaussehender, keineswegs besonders hübscher Mensch; er ist schlank, hat aber durchaus nicht die Gestalt eines Athleten; er spricht angenehm, aber seine Stimmittel sind keineswegs ungewöhnlich. Das Beste wäre, zu sagen, daß er sympathisch wirkt.

Joachim Gottschalk kommt aus dem Bürgertum ......

....., aus einer "Ecke", in der es am bürgerlichsten ist. Der Vater war Landarzt in der Umgegend von Kottbus. Er starb, als Joachim gerade sein Abitur machte. Schon damals wollte der junge Gottschalk Schauspieler werden. Aber dazu war Geld nötig.

Also ging Joachim als Leichtmatrose zur See, fast wie der junge Emil Jannings, nur daß sich Janningsdas große Abenteuer erhoffte. Joachim Gottschalk ergriff den Beruf eines Seemannes, weil er sich davon die schnellsten Verdienstmöglichkeiten versprach.

Auch liebte er die See. Das Abenteuer liebte er nicht. Er war ja in seinem Wesen ein Bürger. Die Familie schaffte es dann doch, ein wenig Geld zusammenzuscharren. Und nach drei Jahren zur See darf Joachim Gottschalk ein Jahr auf die Schauspielschule gehen.

Ein Jahr. Das ist nicht viel. Das ist viel zu wenig! Eigentlich braucht es drei Jahre Ausbildung, bis ein junger Mensch wirklich Schauspieler geworden ist, oder sich zumindest so weit entwickelt hat, daß er einmal Schauspieler werden kann.

Aber bei Gottschalk muß ein Jahr Schauspielschule genügen.

Und es genügt. In diesem einen Jahr fällt er den Lehrern so sehr auf, spricht es sich so gründlich herum, daß da eine ungewöhnliche Begabung heranreift, daß Gottschalk sogleich einen Vertrag nach Stuttgart bekommt.

Von Stuttgart geht es über Zwickau nach Leipzig, von Leipzig nach Frankfurt und von Frankfurt holt ihn Eugen Klopfer an die Volksbühne nach Berlin. Dort spielt er - wie übrigens schon vorher in der Provinz - die jugendlichen Helden in klassischen Dramen - und schlägt sofort ein.

Die Berliner sind entzückt von diesem Mangel an Pathos, von dieser Einfachheit und Klarheit. Joachim Gottschalk singt keine Arien, wenn er allein auf der Bühne steht. Seine Monologe spricht er wirklich zu sich selbst und nicht zum Publikum.

Er zeigt, daß man auch in Ritterrüstung oder in anderen historischen Gewändern ein Menschen sein kann. Es ist sicher kein Zufall, daß gerade Wolfgang Liebeneiner Gottschalk zum Film holt.
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Liebeneiner ist der Regisseur der leichten Hand.

Liebeneiner kann kein Pathos ertragen. Der junge Gottschalk ist gerade das, was er gesucht hat. Gottschalk darf also mit Brigitte Horney einen Film „Du und ich" spielen. Es handelt sich um die Geschichte eines Strumpfwirkers, der sich zum Fabrikbesitzer hocharbeitet.

Der Film zeigt die beiden Hauptdarsteller am Anfang jung, am Ende alt. Ein Leben - zwei Leben, innerhalb von weniger als zwei Stunden erzählt. Die Filmindustrie glaubt nicht recht an die Chancen Gottschalks. Er hat so gar keinen Glanz, er ist so gar nichts Außergewöhnliches!

Um einen Mann wie Gottschalk zu sehen, gehen doch die Leute nicht ins Kino! Die Neunmalklugen irren, wie so oft schon. Die Leute gehen gerade ins Kino, um einen Mann wie Gottschalk zu sehen, der ihnen so verwandt ist, in dem sie sich selbst wiedererkennen.

Es ist lange her, daß sie sich mit jemandem auf der Leinwand so vollständig identifizieren konnten wie mit Gottschalk. Es war acht Jahre her, daß Renate Müller als Privatsekretärin ihre Herzen eroberte. Jetzt tritt Gottschalk an ihre Stelle.

Es folgt Film auf Film. Schon ist Gottschalk ein richtiggehender Star, wenn er auch äußerlich der einfache und stille Mensch bleibt, der er immer war. Er macht einen Film „Aufruhr in Damaskus", in dem er einen deutschen Leutnant spielt, ganz ohne Pathetik, ganz ohne mit dem Säbel zu rasseln.

Er spielt „Flucht ins Dunkel", wiederum mit Brigitte Horney, mit der er sich übrigens gut angefreundet hat, und „Ein Leben lang!" mit Paula Wessely, einen Film, der, wie schon sein Titel besagt, ihm die Möglichkeit gibt, sich jung, alternd und alt zu zeigen.
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Der Film „Ein Leben lang!" mit Paula Wessely wird ein Triumph.

Dieser Film wird ein Triumph werden. Die Presse überschlägt sich. Das Publikum läßt keinen Zweifel daran, daß Joachim Gottschalk sein ausgesprochener Liebling ist.

Goebbels wiederum läßt keinen Zweifel daran, daß er Gottschalk nicht mag: „Ich kann dieses süffisante Gesicht nicht leiden!"

Dieses süffisante Gesicht? Gottschalks Gesicht ist bieder, ehrlich, es hat eine gewisse Ähnlichkeit mit einem treuen Hund . .. Aber die wenigen Worte von Goebbels genügen. Alle Welt wird stutzig. Niemand will sich mit seinem Lob für Gottschalk zu weit vorwagen.

Das Wort des Propagandaministers macht schnell die Runde. Schon flüstert man in der Filmindustrie: „Gottschalk ist unerwünscht... Es ist besser, mit Gottschalk nicht mehr abzuschließen... Wissen Sie, Gottschalks Frau ist nämlich ..."

Ja, Gottschalk hat eine Frau. Sie heißt Meta.

Sie ist klein, schlank, schmal und sehr zart. Sie ähnelt im Typus sehr der Schauspielerin Elisabeth Bergner. Ursprünglich hieß sie Meta Wolff. Sie war Gottschalks Kollegin in Stuttgart. Liebe auf den ersten Blick. Als Gottschalk nach Zwickau ging, waren die beiden vorübergehend getrennt.

In Leipzig trafen sie sich dann wieder - und heirateten. Das war im Jahre 1931. 1933 kam das Kind Michael zur Welt - am 19. Februar 1933, drei Wochen nach der Machtergreifung Hitlers. Drei Wochen, nachdem gewissermaßen sein Todesurteil gesprochen war.

Denn Meta Gottschalk ist Jüdin. Und muß infolgedessen sofort zu spielen aufhören. Das wäre nicht das Schlimmste, denn sie hat ja ihr Kind, dem sie sich widmen will. Schlimmer schon: wird es ihrem Mann nicht schaden, daß er mit ihr verheiratet ist, daß er von ihr einen Sohn hat?

Wird er in die Reichstheaterkammer aufgenommen werden? Wenn er nicht aufgenommen wird, kann er nicht mehr arbeiten. Er muß einen Fragebogen ausfüllen. Und dann heißt es, warten. Tagelang, wochenlang. Die Spannung ist unerträglich. Manchmal wünscht Meta, daß man ihren Mann zurückweist. Dann würden sie beide auswandern ...

Aber nein, sie kann das nicht wünschen. Er könnte ohne das deutsche Theater nicht leben! Dann endlich die Nachricht. Er ist aufgenommen. Er darf also weiterspielen. Er darf ... Ja, jetzt beginnen für ihn erst die Jahre des Aufstiegs, des steilen Aufstiegs, der Karriere, wie sie so schnell kaum einer vor ihm gemacht hat.

Und gleichzeitig mit dieser Karriere läuft eine Entwicklung viel düsterer Art: die ständige Verschlimmerung des Loses der Juden in Deutschland. Ein grausiger, unwahrscheinlicher Kontrapunkt. Gottschalk eilt von Erfolg zu Erfolg, und wenn er nach Hause kommt, trifft er eine weinende Frau, die ihm davon berichtet, daß ihre Verwandten ihre Stellungen verloren haben, daß man sie von Haus und Hof vertrieben hat, daß sie aus dem Lande fliehen mußten, in dem sie seit unzähligen Generationen ansässig sind.
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Warum flieht nicht auch sie? Noch wäre es Zeit.

Noch sind die Grenzen offen! Aber wie könnte sie den Mann verlassen, den sie liebt? Wie könnte sie ihm den kleinen Jungen fortnehmen, an dem er mit allen Fasern hängt ...?

Sie kann nur leiden und schweigen. Sie tut alles, um diese Tragödien, die sich um sie herum abspielen, vor ihrem Mann zu verbergen. Sie zeigt ihm nicht mehr die Briefe, die an sie kommen, sie läßt nichts verlauten von den Hilferufen der nächsten Verwandten, die in ihren Ohren gellen. Er soll nicht abgelenkt werden von seinen großen künstlerischen Aufgaben. Er soll nicht wach liegen, nächtelang, wie sie es tut.

Aber eine so gute Schauspielerin ist sie nicht, daß sie es fertig brächte, ihn über Monate und Jahre hinweg zu täuschen. Und dann beginnt er, es selbst zu spüren. Er wird als prominenter Schauspieler in Frankfurt irgendwo eingeladen. Bei reichen Leuten oder bei Spitzen der Behörden; natürlich mit Frau.

Dann, in letzter Minute, kommt ein Brief: „Wegen Erkrankung muß das Abendessen leider abgesagt werden ..." Dann, ein paar Tage später, ein Anruf: „Sie verstehen, Herr Gottschalk, daß ich Ihre Frau ..."

Gottschalk beginnt zu verstehen. Und sich zu schämen. Nicht seiner jüdischen Frau wegen. Er schämt sich für die anderen. Als Eugen Klopfer ihn nach Berlin bringt, scheint alles besser zu werden.

In Berlin kümmert sich der eine nicht um den anderen.

Berlin ist ja so groß! In Berlin gibt es überhaupt keinen Antisemitismus, außer dem offiziell befohlenen. Auch scheint Klopfer sich nicht daran zu kehren, daß Gottschalk mit dem entsetzlichen Makel einer jüdischen Frau behaftet ist. Auch den Filmleuten scheint das nichts auszumachen.

Man braucht Gottschalk. Ja, man ist froh, daß man ihn hat. Er wird also ein Star des Dritten Reiches. Und in den gleichen Zeitungen, in denen Lobeshymnen über ihn erscheinen, liest seine Frau Artikel, in denen sie und die Ihren beschimpft werden, Nachrichten darüber, daß man ihren Verwandten und Freunden ihre Geschäfte und Bankkonten weggenommen hat, daß sie kein Telefon und kein Radio mehr haben dürfen, daß sie ihren Schmuck abgeben müssen und schließlich - daß man sie nach Polen abtransportiert, „umsiedelt".

Nein, das steht nicht in den Zeitungen, das soll die Öffentlichkeit ja nicht erfahren. Meta Gottschalk erfährt es trotzdem ...

Auf den Parkbänken von Berlin werden Schilder angebracht „Für Juden verboten!" Vor den Cafes werden Schilder angeklebt „Juden unerwünscht!" Gewiß, Meta Gottschalk lebt in einer sogenannten „privilegierten Mischehe". Sie braucht keinen Judenstern zu tragen, sie bekommt die gleichen Lebensmittelkarten wie ihr Mann - während ihre Verwandten kein Fleisch, kein Obst, kein weißes Mehl mehr erhalten.
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Die Kollegen ihres Mannes verwenden sich an höherer Stelle.

Ist es nicht möglich, Meta Gottschalk zu „arisieren"? Es wird zugesagt, daß alles geschehen soll. Die Freunde Gottschalks sind guten Mutes. Er selbst ist es nicht. Er ist ein Schauspieler. Er kann sich in einen anderen Menschen versetzen. Er hat genug Phantasie dazu.

Er weiß, selbst wenn seiner Frau nichts geschehen wird: wie muß sie leiden, da sie doch täglich erfährt, was mit ihrer Familie geschieht, was man ihren Freunden von früher antut ...

Es kommt der Tag, an dem Josef Goebbels dekretiert, daß Juden nicht mehr ins Theater und nicht mehr ins Kino dürfen. Man bedenke: hier ist eine Schauspielerin, die ihren Beruf aufgeben mußte. Sie ertrug es, weil sie ganz in dem Beruf ihres Mannes aufging.

Schon seit Jahren hat sie seinen Filmpremieren oder Theaterpremieren zwar nicht mehr beigewohnt; das wäre zu riskant gewesen. Was wäre geschehen, wenn ein prominenter Nazi sie plötzlich erkannt hätte? Die Folgen wären nicht auszudenken gewesen.

Nein, Meta Gottschalk ist allein ins Theater gegangen - auf den dritten Rang oder ins hintere Parkett. Sie hat still auf ihrem Platz gesessen, um nur ja nicht aufzufallen. Sie hat sich ihre Freude nicht anmerken lassen, wenn das Publikum wie rasend klatschte und ihr Mann sich immer wieder verbeugen mußte.

Sie wollte ihn nicht gefährden, indem sie zeigte, daß sie zu ihm gehörte. - Und jetzt soll sie ihn nicht mehr auf der Bühne, ja, nicht einmal mehr im Film sehen dürfen? Das ist zu viel für sie. Und so schleicht sie sich in die Vorstellungen, mit einem Schal über den Kopf.

Sie betritt das Kino oder den Theatersaal erst, wenn es schon dunkel ist, damit nur ja niemand sie erkennen soll. Jede Exkursion ins Theater oder ins Kino ist ein Spiel mit dem Leben.
Denn: wenn man sie erkennen würde, wären Verhaftung und Deportation die selbstverständliche Konsequenz.
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Das 3.Reich ist sehr konsequent, wenn es darum geht, unmenschlich zu sein - jedenfalls zu "anderen".

Meta Gottschalk wird nicht „arisiert". Die betreffenden Vorstellungen einiger Kollegen waren umsonst. Da bestellt eines Tages Hans Hinkel den Schauspieler Gottschalk zu sich. Hans Hinkel ist, wir wissen es ja, Staatskommissar und Kultursenator, Sonderbeauftragter von Goebbels.

Er empfängt Gottschalk mit den Worten: „Sie sind ja immer noch mit dieser Jüdin verheiratet!" Gottschalk nickt.
„Also, lassen Sie sich gefälligst von ihr scheiden!"
Gottschalk bleibt ganz ruhig. „Ich bin sehr glücklich mit meiner Frau verheiratet." „Aber Ihre Frau ist doch Jüdin!" Gottschalk schweigt.

„Dann lassen Sie sich von ihr scheiden! Und das bald, verstehen Sie!" „Und wenn ich mich scheiden lasse? Was würde dann mit meiner Frau geschehen?" Hinkel zuckt die Achseln. „Wen interessiert es schon, was aus einer Jüdin wird!"

Gottschalk steht auf. Er weiß, was mit seiner Frau geschehen würde, wenn er in die Scheidung einwilligte. Man würde sie abholen. Man würde sie in ein Lager bringen, irgendwo im Osten, sie und den kleinen Michael. Und er würde nie wieder von ihnen hören.
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Brigitte Horney ermöglicht einen Ausweg nach Zürich

Gottschalk geht zu Brigitte Horney. „Was soll ich tun?" fragt er sie.
„Deine Frau muß sofort weg!" erklärt sie. Auch ein anderer Freund, der Schauspieler Gustav Knuth, ist dieser Ansicht.

„Es ist keine Zeit mehr zu verlieren!" „Ich kann mich von meiner Frau nicht trennen!" erklärt Gottschalk. Dieser junge Mann, der auf der Bühne und im Film die Helden so unheldisch, so sachlich darstellt, ist eben wirklich ein Held.

Brigitte Horney nimmt ein Flugzeug nach Zürich. Sie eilt zum Direktor des Schauspielhauses, Oskar Wälterlin. Das Zürcher Schauspielhaus ist seit Hitlers Machtergreifung die Zuflucht der in Deutschland nicht mehr erwünschten Schauspieler.

Infolgedessen sind viele der Großen von den Berliner, Münchner und Dresdner Bühnen nun in Zürich. Unter anderen Therese Giehse, Leonhard Steckel, Ernst Ginsberg, Kurt Horwitz, Heinz Paryla, Wolfgang Heinz, Leopold Lindtberg ...

Und sie dürfen die Stücke spielen, die in Deutschland nicht mehr gespielt werden dürfen: die Stücke von Arthur Schnitzler und Frank Wedekind, von Thornton Wilder und Jean-Paul Sartre, von Ferdinand Brückner und Bert Brecht. Kurz, das Zürcher Schauspielhaus ist in diesem Augenblick vermutlich das beste deutsche Theater der Welt.

Die Horney sagt zu Dr. Wälterlin: „Es geht auf Leben und Tod. Sie müssen Gottschalk engagieren. Die Gage ist Nebensache. Die Hauptsache ist, daß er existieren kann. Übrigens bekommen Sie einen der besten deutschen Schauspieler!"

Wälterlin ist nicht nur ein vorzüglicher Regisseur, sondern auch ein Mensch. Er erklärt sich sofort bereit, Gottschalk zu engagieren. Er kann schon nächste Woche mit den Proben anfangen.

KEIN AUSWEG

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Gottschalk schüttelt er den Kopf: - Hitler wird siegen.

Als Gottschalk hört, daß er nach Zürich gehen kann - mit Frau und Kind natürlich - schüttelt er den Kopf: „Es hat doch alles keinen Sinn mehr!" Später wird immer wieder die Frage gestellt werden: warum hat Gottschalk nicht Deutschland verlassen, als es noch Zeit war?

Warum ist er nicht mit Frau und Kind nach Zürich gegangen? Die Antwort: Gottschalk ist zwar ein Gegner des Naziregimes, muß es sein. Wie könnte er diejenigen, die seine Frau und sein Kind morden wollen, lieben? Aber im Gegensatz zu allen anderen Gegnern des Dritten Reiches ist er überzeugt davon: Hitler wird siegen.

Hitler wird den Krieg gewinnen. Hitler wird früher oder später in die Schweiz einrücken, wie er nach Holland, Belgien, Dänemark und Norwegen eingerückt ist. Und wie die in diese Länder Geflüchteten ihm zum Opfer gefallen sind, so werden er und seine Frau den Gestapisten in der Schweiz in die Hände fallen.

Nein, es hat wohl keinen Sinn, nach Zürich zu flüchten, um dort nur um so sicherer ins Netz zu gehen ...
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Gottschalk ist bezüglich Hitlers Ende extrem pessimistisch

Dies ist vielleicht das Furchtbarste am Geschick Joachim Gottschalks: er wagt nicht einmal zu hoffen, daß der Hitlerspuk zu Ende geht, während die anderen es nicht nur hoffen, es sogar wissen.

Der Freund Gustav Knuth geht zu seinem Intendanten Gründgens: „Können Sie Gottschalk nicht ans Staatstheater engagieren?" Die Sache ist nämlich die: seit ein paar Monaten ist es ziemlich klar, daß Eugen Klopfer, der Direktor der Volksbühne, nicht gewillt ist, Gottschalk zu halten. Vielleicht sollte man besser sagen, nicht stark, nicht mutig genug ist, ihn zu halten. Er wagt es einfach nicht, sich den Zorn von Goebbels zuzuziehen.
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Gottschalk wird immer weniger bei ihm beschäftigt.

Gottschalk bekommt nur noch kleine Rollen. Klopfer hofft sicher, daß er damit Goebbels besänftigt. Ein Beweis, wie wenig auch er das Dritte Reich versteht. Wie wenig er Goebbels versteht, der ja nur dort zurückweicht, wo man ihm entschlossen gegenübertritt, der nichts gegen diejenigen unternommen hat, die es ablehnten, im „Jud Süß" zu spielen, der nichts gegen Gustaf Gründgens unternommen hat, aber dort zupackt, wo er die Angst spürt, wie bei Klopfer oder Harlan.

Als Gründgens von Knuth gebeten wird, Gottschalk zu engagieren, begreift er sofort die Situation. Telefonat mit Eugen Klopfer: „Würden Sie Gottschalk freigeben?" fragt Gründgens.

Unbegreiflicherweise sagt Klopfer: „Nein. Gottschalk ist bei mir unter Vertrag, und ich gebe ihn nicht frei."

Klopfer redet sich später raus, er habe keine Schuld

Weiß er denn nicht, daß er damit Gottschalks Todesurteil unterschreibt? Später, nach dem Krieg, in den Jahren, in denen Klopfer vereinsamt, von fast allen gemieden, dahinvegetiert, wird er jeden, der sich mit ihm an einen Tisch setzt, sofort in ein Gespräch über Gottschalk verwickeln.

Er wird immer wieder sagen: „Ich habe keine Schuld ... Gewiß nicht. Ich wollte nur das Beste!"

Gründgens weiß: er könnte, wenn er große Mühe darauf verwendete, Gottschalk von Klopfer freibekommen. Aber dies würde Wochen, möglicherweise Monate dauern. Und dies könnte nicht geschehen, ohne daß zahlreiche Leute davon erführen - und das würde wiederum bedeuten, daß Goebbels davon erführe.

Und Goebbels ließe sich das nicht gefallen. Goebbels würde bei Hitler protestieren. Göring würde zur Rede gestellt werden. Und Göring ist nicht mehr der alte. Göring würde zurückweichen.

Kurz: Gründgens würde durch dieses neue Engagement alle diejenigen in Gefahr bringen, die sich zu ihm auf die Insel der Staatstheater gerettet haben. Schweren Herzens sagt Gründgens zu Gustav Knuth: „Es ist zu spät. Noch vor einem Jahr hätte ich Gottschalk herüberholen können. Jetzt geht es nicht mehr!"
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Der Film interessiert sich nicht mehr für Gottschalk.

Gottschalk wird zwar nicht verboten - Goebbels greift ja selten und ungern zu dem Mittel des Verbotes. Er läßt lieber unter der Hand verkünden, daß Gottschalk nicht mehr erwünscht sei. Und das genügt. Niemand kann wagen, einen solchen Wink zu ignorieren.

Bei Klopfer spielt Gottschalk nur noch selten und wenn, dann kleine Rollen. Es wird ruhig um ihn. Irgendeine Gesellschaft ruft bei ihm an, ob er einen Kulturfilm machen will. Es handelt sich darum, im Film zu zeigen, wie ein neues Gewehr funktioniert. Natürlich will Gottschalk. Er macht zwei dieser Kurzfilme, und dann reißt auch das ab.

„Wir werden Ihnen telefonieren, wenn wir Sie wieder brauchen, Herr Gottschalk!" Er weiß, niemand wird mehr telefonieren. Er weiß, es kann nur noch ein paar Wochen dauern. Dann wird man ihn einziehen. Und an dem Tag, an dem er fort ist, wird ein Möbelwagen vorfahren, werden seine Frau und sein Kind abgeholt werden ...

Nein, so soll es nicht sein. Wenn dies das Ende sein muß, dann wollen sie es wenigstens gemeinsam erwarten. Wenn Meta und Michael unerwünscht sind, dann wollen sie lieber freiwillig gehen - alle drei miteinander.
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Joachim Gottschalk und seine Frau wissen genau, was passieren würde.

Joachim Gottschalk und seine Frau planen alles bis in das kleinste Detail. Sie schreiben viele Abschiedsbriefe. Sie verteilen ihre Habseligkeiten. Gustav Knuth, der beste Freund, soll die Uhr erhalten. „Du magst sie, gell?" schreibt Gottschalk auf den Zettel, den er neben die Uhr legt. Die Frau Knuths erhält eines der wenigen Schmuckstücke, die Meta Gottschalk besitzt.

Die nächsten Tage vergehen mit Abschiedsbesuchen. Keiner der Freunde ahnt, daß er die Gottschalks zum letzten Mal sieht. Sie sind so ruhig, so gelassen, sie scheinen ganz zufrieden zu sein.

Der letzte Besuch gilt Gustav Knuth. Als er den Freund spät abends zur Haustür bringt, ergreift Gottschalk ungestüm seine Hand: „Auf Wiedersehen ... Auf Wiedersehen ...!" Und dann, sich umwendend, noch einmal: „Auf Wiedersehen ..." Sonst nichts. Kein Wort.

Nur der Arzt, Dr. Schäfer, ahnt, was sich vorbereitet. Ihn hat Gottschalk gefragt: „Wie kriegt man es fertig, von hier abzumarschieren, ohne daß es allzu weh tut?" Der Arzt hat zu protestieren versucht: „Aber, Herr Gottschalk, Sie werden doch nicht ..."

Gottschalk hat gesagt: „Es handelt sich ja gar nicht um mich ..." Der Arzt weiß, das ist eine Lüge. Aber was kann er tun? Er ist an seine Schweigepflicht gebunden.

Am Abend des 5. November 1941 ist es so weit.

Die Abschiedsbriefe sind geschrieben, die Hinterlassenschaft geordnet. Ein Kollege soll einen Frack bekommen, ein armer Schauspieler den besten Anzug ...

Gottschalk hat die Matratzen in die Küche geschleppt. Das Kind, die Frau und er nehmen die bereitgestellten Schlaftabletten. Dann dreht er den Gashahn auf. Noch einen letzten Abschiedsgruß an seine Mutter: „Meta und Michael schlafen schon ... ."

Wie unpathetisch diese Worte sind! Wie sachlich, ja fast trocken er sie hinschreibt. „Meta und Michael schlafen schon ..." Auf der Bühne hat er es nie verstanden, große Worte zu machen. Die großen Worte wurden in seinem Munde menschliche Worte.

Und jetzt geht er, ganz ruhig, ganz einfach, ganz selbstverständlich. Nein, er macht sich keinen Abgang, ebensowenig im Leben, wie er sich je auf der Bühne einen gemacht hat. Schon erfüllt das ausströmende Gas überall die Küche.

„Meta und Michael schlafen schon ..." Könnte Gottschalk nicht mit der Faust auf den Tisch schlagen? Könnte er nicht aufschreien? Wer hätte mehr Recht dazu als er? Wem ist schlimmeres, grausameres Unrecht geschehen als ihm? Nichts. Kein Aufschrei. Keine Klage. Kein Pathos.

„Meta und Michael schlafen schon ..." Dann legt auch er sich hin. Das Gas strömt aus ... Und dann schläft auch er.
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Am nächsten Morgen um zehn Uhr Probe im Theater

Am nächsten Morgen um zehn Uhr Probe im Theater in der Saarlandstraße, das Klopfer neben der Volksbühne untersteht. Gottschalk hat in dem nächsten Stück eine kleine Rolle zu spielen. Er ist nicht da. Man telefoniert bei ihm zu Hause an. Keine Antwort.

Allgemeine Verwunderung. Das sieht doch gar nicht nach Gottschalk aus! Er ist doch immer so pünktlich. Man ruft schließlich Rene Deltgen an, der im Nebenhaus wohnt. Der eilt hinüber und klingelt bei Gottschalk. Keine Antwort. Deltgen will schon gehen.

Da stutzt er. Irgendetwas ist doch nicht in Ordnung. Was ist es bloß? Ja, jetzt weiß er es. Hat er nicht den Geruch von Gas wahrgenommen? Hastig zieht er die Luft durch die Nase ein. Er hat sich wohl geirrt. Nein, er hat sich nicht geirrt. Er riecht Gas!

Er klingelt nochmals. Er klingelt, klingelt.. . Jetzt weiß Deltgen, daß etwas nicht in Ordnung ist. Er trommelt mit den Fäusten gegen die Tür. Er tritt mit den Füßen gegen die Tür.

Die Wohnungstür auf der anderen Seite der Treppe öffnet sich. Vom nächsten Stockwerk schaut einer herunter. Vom unteren Stockwerk kommen zwei Frauen in ihren Morgenröcken.

„Warum machen Sie denn solchen Krach?" „Was ist denn los?" „Geben Sie doch nicht so an!" Als sie sehen, daß Deltgen versucht, in die Wohnung der Gottschalks einzudringen, schweigen sie wie auf Kommando.

„Ich glaube, es riecht nach Gas!" sagt Deltgen zu den Herumstehenden. Eine Frau schreit auf. Der Mann von oben: „Man muß den Hausmeister holen!"
Die Frau, die eben geschrien hat, wimmert leise vor sich hin. Der Mann von oben, der jetzt herunterstürzt: „Ich wußte, da wird etwas passieren ..."

Endlich erscheint der Hausmeister. „Brechen Sie doch die Tür auf!" schreit Deltgen. Und als der Hausmeister zögert, wirft er sich selbst gegen die Tür. Dann steht er in der Diele. Jetzt ist der Gasgeruch ganz deutlich.

Einer rennt in ein Zimmer, reißt die Fenster auf; ein anderer läuft zum Haupthahn hinten im Gang, dreht das Gas ab. Dann finden sie die drei Menschen in der Küche, die auf den Matratzen liegen, bis zum Halse zugedeckt. Sie sind schon kalt, sie sind schon seit Stunden tot. Deltgen telefoniert an Gustav Knuth, an den Arzt, an die Polizei ...
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„Die drei müssen in ein Grab!" beharrt Knuth.

Gustav Knuth fährt zum Friedhof nach Stahnsdorf hinaus. Er beginnt: „Mein Freund Gottschalk ..." Der Friedhofsverwalter sagt: „Ich habe bereits gehört ..."
„Es handelt sich um drei Menschen ..." „Um drei?"
„Ja ...um ihn, um die Frau und um das Kind."
„Aber die Frau war doch Jüdin!" „Ja, die Frau war Jüdin!" „Das bedeutet, daß das Kind ein Mischling ist ..." „Nennt man das so?" Pause.
„Also, das können Sie von mir nicht verlangen!"
„Die drei müssen in ein Grab!" beharrt Knuth.
„Aber ich werde Schwierigkeiten haben." „Die drei dürfen nicht getrennt werden!"
„Aber die Gesetze . .." Der Mann zögert. „Die drei bleiben zusammen!" Es dauert lange, bis der Friedhofsverwalter einwilligt. Es sind viele Worte nötig und viel Alkohol. Aber Knuth ist entschlossen.
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Er hört immer noch die Stimme des Freundes: „Auf Wiedersehen ...

Er hört immer noch die Stimme des Freundes: „Auf Wiedersehen ... auf Wiedersehen ..." Wird man sich wiedersehen?

Und könnte er dem Freund noch ins Auge sehen, wenn er nicht wenigstens das fertigbrächte, daß er zusammen mit der Frau und dem Kind begraben wird? Er bekommt es fertig.

Als Goebbels - um die gleiche Zeit - erfährt, daß Gottschalk Selbstmord begangen hat, wird er nervös. „Es darf zu keiner Demonstration kommen! Man soll in allen Theatern und Filmateliers ansagen, es ist unerwünscht, daß jemand zur Beerdigung kommt ... Haben Sie verstanden? Unerwünscht ...!"

Noch im Verlaufe des gleichen Tages erfahren die Berliner Schauspieler, es sei unerwünscht, daß sie ihren Kollegen Gottschalk zu Grabe tragen helfen ...

Nicht alle lassen sich abhalten. Gustav Knuth kommt mit seiner Frau; Rene Deltgen kommt; Wolfgang Liebeneiner kommt; Brigitte Horney kommt. Am Grabe steht die fassungslose Mutter, tief verschleiert, neben ihr ein SS-Mann.

Ein SS-Mann? Was tut denn der hier? Wie kann denn ein SS-Mann es wagen, zu dieser Beerdigung zu kommen? Brigitte Horney weiß Bescheid: „Es ist der Bruder von Joachim ..."

Ja, der Bruder Gottschalks, ein altes Mitglied der Partei, ein überzeugter Anhänger Hitlers, ist gekommen, um den Opfern Hitlers die letzte Ehre zu erweisen. Es handelt sich schließlich um den Bruder. Es handelt sich schließlich um die Frau, die der Bruder liebte, und die er, der SS-Mann, eigentlich sehr nett fand.

Und der junge Michael war ja wirklich ein bezaubernder kleiner Kerl! Und er konnte ja schließlich nichts dafür, daß seine Mutter . ..
So denkt der SS-Mann. Am nächsten Tag wird er aus der Partei ausgeschlossen werden, weil er seinem leiblichen Bruder die letzte Ehre erwies.

Die GESTAPO ist immer dabei

Nicht fünf Meter von dem Grabe, kaum durch ein Gebüsch verborgen, hat sich ein Fotograf aufgestellt und macht Aufnahmen für das Propagandaministerium. Goebbels will wissen, wer ihm getrotzt hat, wer so kühn war, sich wie ein Mensch zu benehmen.

Ein anderer Gestapobeamter notiert die Nummern der Autos, die vor dem Friedhof Stahnsdorf warten. Das Begräbnis dauert nur wenige Minuten. Ein Pfarrer hat gesprochen - „von der Liebe, die nimmer aufhört!". Ein paar Handvoll Erde fallen auf die Särge hinunter.

Dann wenden sich die Freunde zum Gehen. Wer weiß, vielleicht werden sie verhaftet werden, wenn sie den Friedhof verlassen; wer weiß, vielleicht stehen sie schon auf der schwarzen Liste und werden nun selbst brotlos sein. Wer weiß, was Goebbels alles plant ...

Goebbels spürt den Sturm der Entrüstung und hält still

Aber nichts von dem, was er plant, wird er ausführen. Denn - zur Ehre der deutschen Schauspieler sei es gesagt: in den nächsten Stunden, in den nächsten Tagen und Wochen erhebt sich ein ungeheurer Sturm der Entrüstung, der so stark anschwillt, daß er Goebbels fast hinwegfegt.

Ja, dies ist das Seltsame und das Besondere des Falles Gottschalk: er ist nicht umsonst gestorben. Diejenigen, die ihn beweinen, vergehen fast vor Scham, daß so etwas möglich war in einem Land, das sich zivilisiert nennt, im zwanzigsten Jahrhundert, ohne daß sie, die darum wußten, etwas dagegen unternehmen konnten, sich nicht mit ihren nackten Leibern dazwischen werfen konnten!

Sie haben zwar keine Macht. Sie können dem Dritten Reich kein Mißtrauensvotum ausstellen. Sie vermögen nichts gegen die Hitler, Goebbels und Hinkeis. Sie können es nicht einmal riskieren, endlich frei und offen gegen diese Unmenschen aufzutreten.

Sie können es nicht riskieren - und tun es doch. Plötzlich wird in den Filmateliers von nichts anderem mehr gesprochen als vom Fall Gottschalk. Plötzlich hört man Frauen weinen und Männer mit der Faust auf den Tisch schlagen. Plötzlich hört man sie ganz offen sagen, was sie von den Großen des Dritten Reiches halten.

Es ist wie das Vorspiel zu einer Revolte. Es ist wie ein eiskalter Wind, der während eines Sommernachmittags plötzlich über die Landschaft fegt.

Goebbels erhält plötzlich nur Absagen - Hinkel wird geschnitten

Goebbels, wohlbewacht in seinem Propagandaministerium, spürt es. Goebbels, der am nächsten Abend einen Empfang gibt, erhält plötzlich nur Absagen. Kein Schauspieler wünscht, sich mit ihm an einen Tisch zu setzen. Sie alle wissen: er ist ein Mörder. Hinkel ist ein Mörder ...

Hinkel wird, wo immer er erscheint, geschnitten. Goebbels und Hinkel spüren, wie sehr man sie haßt und verachtet, auch wenn niemand es wagen kann, das Wort Mörder auszusprechen. Hinkel verkriecht sich. Goebbels hat einen außergewöhnlichen Instinkt für solche Dinge: er ist zu weit gegangen.
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Goebbels weiß jetzt -er ist zu weit gegangen

In den nächsten Wochen wird er jede Gelegenheit wahrnehmen, um zu betonen: „Ich habe das nicht gewollt. Gottschalk hat die Nerven verloren ... Geradezu unverständlich, wie er das hat tun können ..."

Es ist zum erstenmal, daß Goebbels so etwas wie eine Entschuldigung vorbringt. Er wird nie wieder versuchen, die unmenschlichen Bestimmungen über die jüdisch versippten Künstler in Anwendung zu bringen.

Aber knapp drei Jahre, nachdem er Gottschalk in den Tod getrieben hat, wird er auf eine seltsam ähnliche Weise zugrundegehen. Er wird sich, seine Frau und seine Kinder auslöschen.
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