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Es ist eine Publikation aus 1998 - viele Bilder und einige Fehler

überarbeitet im Mai 2022 - Beim ersten Durchblättern dieses "Bilderbuches" sucht man den roten Faden oder den Grund, solch ein Buch (auch noch) zu erstellen. Es ist eine Aufzählung von allseits bekannten geschichtlichen Ereignissen und Tatsachen, die bereits seit Jahrzehnten bekannt sind. Alleine die anschauliche Bebilderung wäre damals ein Kaufanreiz gewesen.

Der einführende Text der Autoren lautet teilweise :
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  • "Spannend und leicht verständlich präsentiert dieses Werk die faszinierende Geschichte der audiovisuellen Errungenschaften und den aktuellen Stand der Technik. (Anmerkung : von 1990 bis 1998)
  • Edison-Phonograph und DAT-Recorder, Camera obscura und moderne Videotechnik, früheste Versuche zur Lichtbrechung und computergesteuerte Laseroptik sind nur einige Marksteine, die die rasante Entwicklung kennzeichnen.
  • Ansprechende Bilder laden ein, die bedeutendsten Entwicklungsschritte nachzuvollziehen, graphische Darstellungen erleichtern das Verständnis technischer Zusammenhänge.

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Doch nirgendwo ist ein Autor benannt oder ein Texter oder sonst jemand, der an den Artikeln und der Zusammenstellung der Artikel mitgearbeitet hatte. Dennoch sind recht viele geschichtliche Meilensteine chronologisch korrekt aufgelistet und sehr anschaulich bebildert. Mit der korrekten deutschen Sprache hatten der oder die Autoren so einige Probleme, die hier teilweise korrigiert sind. Manche Artikel sind mit dem Wissensstand von 1970 zuende - warum ?

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Die einzelnen Bereiche/Kapitel diesr historischen Zusammenstellung bzw. der Geschichten sind sinnvollerweise bei den Themen in den einzelnen Museenseiten untergebracht.

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Foto- und Filmtechnik

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Seit wann kann der Mensch fotografieren

Seit wann kann der Mensch fotografieren, seit wann filmen? Es gibt für beide Techniken Eckdaten, Jahreszahlen, die man sich merken sollte.

1839 war das große Jahr der Fotografie. Nie zuvor und nie danach steuerten so viele Entwicklungen der Vollendung und Veröffentlichung zu wie in diesem Jahr. Beim Laufbildfilm war es im Jahre 1895 ganz ähnlich. Daraus zu schließen, 1839 sei die Fotografie, 1895 der Film erfunden worden, wäre allerdings verfehlt. Beide Grundverfahren hatten nicht einen einzigen genialen Erfinder, sondern gleich eine ganze Menge. Zweifellos waren es Daguerre und Talbot bei der Fotografie, die Brüder Lumiere beim Film, die für den entscheidenden Durchbruch sorgten. Aber sie standen dabei auf den Schultern ihrer Vorgänger. Und zahllose Nachfolger machten ihre Arbeit erst allgemein verwendbar.

Eine rasante Entwicklung

Rund 160 Jahre ist es her, daß es einem Menschen - dem Franzosen Nicephore Niepce - erstmals gelang, „mit Hilfe der chemischen Wirkungen des Lichts ein bleibendes Bild eines Objekts auf einer chemisch präparierten Fläche herzustellen". - Die robuste Einfachheit der „Strahlenfallen" aus der fotografischen Frühzeit zeigt die 1841 von Peter Wilhelm Friedrich Voigtländer gebaute Metallkamera mit ihrer Doppeltrichterform. Bis zu den heutigen, sich weitgehend automatisch einstellenden Spitzen-Fotokameras war es ein weiter, vielfach verschlungener Weg.

In den letzten Jahrzehnten machten Foto- und Filmtechnik eine geradezu rasante Entwicklung durch. Die Fotografie von heute läßt Objektive besser „sehen" als das schärfste Auge, läßt sie mit Luft- und Satellitenaufnahmen eindringen in kaum erschlossene Erdteile und in die Weite des Weltalls, mit Unterwasserkameras in die Tiefen der Weltmeere.

Längst gibt es Kameras, die sich automatisch einstellen und bei denen man nur noch auf den Knopf zu drücken braucht, und andere, die blitzschnell das fertig entwickelte Farbfoto produzieren.

Längst gibt es Filme, die noch bei schwächstem Licht arbeiten oder auf unsichtbare Strahlen reagieren. Und auch die Kamera ohne Film gibt es schon. Die Chip-Technologie macht es möglich, einzelne Bildpunkte direkt in elektronische Signale umzuwandeln.

Nur ist es bisher noch nicht gelungen, die Auflösung soweit zu verbessern, daß ein unseren jetzigen Abzügen, Vergrößerungen oder Diapositiven ähnliches Bild dabei herauskommt - aber das ist nur eine Frage der Zeit.
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Trotz Fernsehen ist das Kino nicht tot.

Von allen diesen Entwicklungen profitiert auch der Laufbildfilm. Trotz Fernsehen ist das Kino nicht tot. Dazu haben auch die Bemühungen beigetragen, die Filmvorführung optisch und akustisch attraktiver zu machen - mit Stereofonie-Ton und eindrucksvollem Breitwandbild nach einem der vielen, zum Teil technisch sehr aufwendigen Verfahren.

Zwar hat in den klassischen Kino-Ländern, auch in der Bundesrepublik Deutschland, die Zahl der Lichtspieltheater während der 19fünfziger und 19sechziger Jahre stark abgenommen: um mehr als die Hälfte. Dafür wurden andere Länder neu erschlossen oder erlebten den großen Kino-Boom erst mit erheblicher Zeitverzögerung.

Die Gesamtzahl der Lichtspieltheater jedenfalls wächst weltweit und hat sich in den letzten zwanzig Jahren von rund 100.000 auf mehr als 250.000 erhöht.
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Gibt es noch wesentliche Änderungen oder Verbesserungen

Die rein technische Entwicklung von Foto und Film hat zweifellos einen Höhepunkt erreicht. Wir können uns kaum vorstellen, daß noch irgendwelche wesentlichen Änderungen oder Verbesserungen der gegenwärtigen Verfahren möglich sind.

Aber so ähnlich dachten unsere Großväter sicherlich auch, als sie ihren ersten 6 x 9-Zentimeter-Film in die schlichte Box von Agfa oder Kodak einlegten oder erste Versuche mit einer noch unhandlichen Schmalfilmkamera machten, um ihre Lieben auf den stehenden oder bewegten Film zu bannen.

Wer heute fotografiert oder schmalfilmt, kann die Technik vergessen und sich ganz dem Bild oder der Bildreihe widmen. Zahllose Erfinder und Forschungslaboratorien haben das möglich gemacht. Von ihnen haben wir auch in Zukunft noch allerhand zu erwarten.

Fototechnik

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Die Erfindung der Fotografie

Das optische Prinzip der Fotokamera wurde schon bei der Camera obscura angewandt, die bereits in der Antike bekannt war.
Auch Leonardo da Vinci (1452-1519) experimentierte damit. Er zeichnete und beschrieb das Gerät im Vergleich zum Auge in seinen Tagebüchern, dem „Codex Atlanticus", so daß man ihn lange für den Erfinder der Camera obscura hielt.
Bis ins 19. Jahrhundert wurde die Camera obscura als Zeichenhilfe benutzt. Hier ein Tischmodell von etwa 1820.

Fotografie - was ist das überhaupt? Der Brockhaus von 1898 nennt die Lichtbildkunst kurz und bündig „die Kunst, mit Hilfe der chemischen Wirkungen des Lichts ein bleibendes Bild eines Objekts auf einer chemisch präparierten Fläche herzustellen".

1933 heißt es im Großen Brockhaus über Fotografie: „Zusammenfassende Bezeichnung für die Technik, mit Hilfe der chemischen Wirkungen strahlender Energie, insbesondere des sichtbaren Lichts, ein unvergängliches Bild der Umwelt auf lichtempfindlichen Stoffen zu erzeugen."

Mit der Unvergänglichkeit hatte es die Brockhaus-Enzyklopädie von 1972 nicht mehr. Fotografie ist nun „die Erzeugung dauerhafter Abbildungen durch Strahlungen, insbesondere durch sichtbares Licht (Lichtbild), auf einem Material, dessen chemische oder physikalische Eigenschaften sich unter der Strahleneinwirkung verändern".
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Kasten mit Loch: Die Camera obscura

Bei der Fotografie wirken optische und chemische Prozesse zusammen. Die optischen Grundgeräte waren zuerst da, und zwar in Gestalt der Camera obscura, auch Dunkelkammer oder Lochkammer oder optische Kammer genannt. Dabei handelt es sich um einen lichtdichten Kasten von beliebiger Größe mit einem winzigen Loch in der Mitte der Vorderwand.

Die durch das Loch eindringenden Lichtstrahlen zeichnen auf die dem Loch gegenüberliegende Kammerwand ein naturgetreues, umgekehrtes Bild der Außenwelt. Man kann es sehen, wenn man die Rückwand des Kastens durch eine Mattscheibe ersetzt.

Das Prinzip der Camera obscura kannte schon der griechische Mathematiker und Mechaniker Archimedes (um 285-212 v. Chr.). Arabische und jüdische Gelehrte verwendeten den Kamera-Vorläufer beispielsweise, um Mond- und Sonnenfinsternisse zu beobachten.

1550 verbesserte Girolamo Cardano die Helligkeit und Schärfe durch den Einbau einer einfachen Linse, und Daniele Barbaro war 1568 der erste, der das Gerät mit einer Blende versah.

Im 17. Jahrhundert kamen tragbare Camerae obscurae auf, die man ebenso wie die mit Ablenkspiegeln versehenen Modelle, die Johann Zahn 1685 als Vorläufer der Spiegelreflexkameras von heute entwarf, dazu verwenden konnte, ein Bild der Außenwelt auf ein Blatt Papier zu werfen und nachzuzeichnen.

Namhafte Künstler machten von dieser Methode Gebrauch, um sich bei Architektur- und Landschaftsbildern die Arbeit zu erleichtern, so beispielsweise Antonio Canaletto, der mit Hilfe der Camera obscura seine ansichtskartengenau präzisen Ansichten von Venedig oder Rom schuf, oder Vermeer van Delft, dem die Lochkammer bei perspektivischen Darstellungen half.

Die Modelle für reisende Künstler waren schon ziemlich anspruchsvoll. Sie waren Bestandteil eines Holzgerüstes, das man auf einen Tisch stellen konnte. Ein schwarzer Stoffbehang deckte das Gerüst zu, damit man auch bei Sonnenschein arbeiten konnte. Für Hände und Hals waren Manschetten vorgesehen.
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Lichtzauber mit Silbersalzen

Es gibt zahlreiche Substanzen, die sich unter dem Einfluß von Licht verfärben oder schwärzen. Sie bildeten die chemische Grundlage der Erfindung der Fotografie. In erster Linie handelte es sich dabei um Salze bestimmter Halogene, beispielsweise um Silberchlorid, -bromid und -Jodid. Sie alle werden bei Lichteinwirkung dunkel, weil sie sich in kleinste Teilchen von metallischem Silber und in Halogene aufspalten.

Denn kleine Silberteile sehen unter bestimmten Voraussetzungen nicht silbern, sondern schwarz aus.
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Das mit dem Silberchlorid, -bromid und -Jodid wußte man bereits

Diese Erscheinung war schon vor der Erfindung der Fotografie bekannt. Beispielsweise mischte der deutsche Physiker Johann Heinrich Schulze (1687-1744) im Jahre 1725 gemahlene Kreide mit einer Silberlösung und mit Salpetersäure und fand heraus, daß sich das Gemisch bei Lichteinwirkung farblich veränderte. Wenn er seine Mixtur in eine Flasche füllte und ein Stück Karton herumlegte, aus dem er Buchstaben ausgeschnitten hatte, bildeten sich die Schriftzeichen auf der Kreide ab.

Der Chemiker Karl Wilhelm Scheele (1742 bis 1786) aus Stralsund (bei seiner Geburt gehörte es zu Schweden) experimentierte ebenfalls mit der Schwärzung von Silbersalzen und fand heraus, daß metallisches Silber diese Schwärzung verursachte.

Diese Tatsache wies er nach, indem er geschwärztes Silberchloridpulver in Salmiakgeist auflöste. Das Silber bildete einen unlöslichen Niederschlag. Er wußte mit seiner Entdeckung nichts anzufangen - wie er überhaupt zu den größten Pechvögeln unter den Chemikern gehörte.

Scheele war an der Entdeckung zahlreicher Elemente beteiligt, so an derjenigen von Chlor, Mangan, Barium, Molybdän, Wolfram, Stickstoff und Sauerstoff. Aber in keinem einzigen Fall gilt er offiziell als Entdecker.

Entweder bemühte er sich nicht rechtzeitig um die Anerkennung, oder er führte die Entdeckung nicht zu Ende, wie etwa beim Chlor, das er als erster synthetisierte, aber nicht für ein Element hielt.

Der erste Erfinder Thomas Wedgwood

Der erste Erfinder, der mit Hilfe von Silbersalzen systematisch Bilder herzustellen versuchte, war der Engländer Thomas Wedgwood (1771-1805), Sohn eines berühmten Porzellanherstellers und Großvater von Charles Darwin.

Um 1800 tränkte er Papier und weißes Leder mit Silbernitrat und erzeugte damit seitenverkehrte Abdrucke von Blättern oder Glasbildern. Es gelang ihm aber nicht, die erzielte Schwärzung zu fixieren (festzuhalten).

Ebenso mißlangen Versuche, die Camera obscura zum Belichten der sensibilisierten Papierbogen zu verwenden. Aber immerhin war er der erste, der überhaupt auf die Gedankenverbindung Camera obscura - lichtempfindliches Material kam. Einen Bericht über seine Versuche veröffentlichte sein Freund Humphry Davy (1778-1829), einer der berühmtesten englischen Chemiker, der u. a. als erster galvanischen Strom zur chemischen Zerlegung verwendete.

Auch Davy unternahm übrigens fotografische Experimente mit der Camera obscura, ebenfalls erfolglos. 1801 machte der aus Samitz in Schlesien stammende Chemiker Johann Wilhelm Ritter (1776-1810) die aufsehenerregende Entdeckung, daß nicht nur sichtbares Licht imstande war, Silberchlorid zu schwärzen, sondern auch unsichtbares, nämlich die im Spektrum jenseits von Violett liegende Strahlung, später ultraviolette Strahlung genannt.

Die ultraviolette Strahlung kann es auch

Daß die jenseits des roten Spektralbereichs liegende infrarote Strahlung lichtempfindliche Salze färbend beeinflußte, hatte schon Karl Wilhelm Scheele bei seinen Experimenten herausgefunden.

Damit stand nun fest, daß es lichtähnliche Strahlen gab, und die doch kein Licht waren. Schließlich ist als einer der Vorläufer der Fotochemie auch noch der amerikanische Chemiker John William Draper (1811 bis 1882) zu erwähnen, der erkannte, daß bei den vom Licht zustande gebrachten chemischen Reaktionen Lichtenergie absorbiert wird.

1842 stellte er erstmals das Sonnenspektrum von Ultraviolett bis Infrarot fotografisch dar. Später machte Draper die ersten Fotografien von Objekten unter dem Mikroskop und beschrieb seine Methode 1856 in einem Buch über Physiologie.
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Ein Mann und ein Foto: Nicephore Niepce

Das erste Abbild der Natur, das durch Lichteinwirkung auf eine chemische Schicht dauerhaft festgehalten wurde, stellte Joseph Nicephore Niepce nach langen vergeblichen Versuchen im Frühherbst 1826 mit achtstündiger Belichtungsdauer her. Diese älteste Fotografie, eine asphaltbeschichtete Zinnplatte, ist erhalten und wird heute in der Gernsheim Collection der Universität von Texas aufbewahrt.

Die Szene der Fotografie-Erfindung verlagerte sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts zunächst nach Frankreich. Dort lebte in Chalon-sur-Saone, südlich von Dijon, Joseph Nicephore Niepce (1765-1833), Sohn eines wohlhabenden Advokaten. Er hatte einige Jahre in der französischen Armee gedient, verwaltete von 1795 bis 1801 den Distrikt Nizza und kehrte dann nach Chalon zurück, wo er sich mit allen möglichen Erfindungen beschäftigte.

Zusammen mit seinem Bruder Claude konstruierte er beispielsweise eine der ersten Verbrennungsmaschinen, die er mit einem brennbaren Pulver aus Bärlappsamen betreiben wollte und Pyreolophore nannte. Die Überlieferung berichtet, es sei den Niepces gelungen, mit diesem Motor ein Boot anzutreiben, das mit „doppelter Strömungsgeschwindigkeit" auf der Saone fahren konnte.

Aber trotz dieses Leistungsbeweises wollte niemand etwas von der Maschine wissen - auch dann nicht, als der Bärlappsamen schließlich durch ein Gemisch aus Ruß und bestimmten Harzen ersetzt wurde.

Die Lithografie begann 1815

Um 1815 begann sich Nicephore Niepce mit der Lithografie zu beschäftigen. Ihm schwebte die Erfindung eines Lackes vor, mit dem er den Lithografenstein so präparieren wollte, daß man eine ölgetränkte Zeichnung unter Lichteinwirkung unmittelbar, also im Kontaktverfahren, auf den Stein kopieren konnte.

Aber mit der Lithografie scheint er sich nicht lange aufgehalten zu haben. Ab 1816 experimentierte er erstmals mit der Camera obscura und versuchte, Papierbilder herzustellen.

Die Abbildungen wurden besser, nachdem Niepce eine kreisrunde Maske vor die Linse gesetzt hatte - den Vorläufer der Irisblende, mit der man die Schärfe regulieren konnte. Was Niepce erzeugte, waren Negativbilder, und es gelang ihm nicht, sie haltbar zu machen.

Vermutlich experimentierte er mit Silberchlorid, so wie Wedgwood Silbernitrat benutzt hatte. Im Gegensatz zu seinem Vorläufer gelang es ihm immerhin, ein Kamerabild aufzuzeichnen - als erstem Menschen.

Nun suchte Niepce nach einer Substanz, mit der er Positivaufnahmen machen konnte, die also bei Lichteinwirkung nicht dunkel, sondern hell wurde. Daß er seine Silberchloridabzüge nur hätte umkopieren müssen, um Positive zu erhalten, fiel ihm nicht ein - darauf kam viel später erst Fox Talbot.

Es begann die Sisyphusarbeit der Substanzsuche. Niepce experimentierte mit Mangandioxid - vergebens. Er machte Versuche mit Guajakharz - erfolglos. Er probierte es mit Phosphor und zog sich gefährliche Brandwunden zu, deshalb gab er die Beschäftigung mit dem „gefährlichen Brennstoff" wieder auf.
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Dem Fixieren der Fotos kam er näher

Dann kam er auf eine lichtempfindliche Asphaltmasse, wie sie von Kupferstechern verwendet wurde. Mit diesem „Pech von Judäa" beschichtete er Lithografensteine, später Hartzinn- und Kupferplatten.

Wenn man eine lichtdurchlässig gemachte Zeichnung auf eine beschichtete Platte legte und belichtete, wurden die vom Licht getroffenen Stellen unlöslich. Niepce behandelte die belichtete Platte mit Lavendelöl und wusch so die (den Strichen und Linien entsprechenden) unbelichtet gebliebenen Stellen heraus.

Nun konnte man die Platte nach dem Kupferstichverfahren ätzen und Abdrucke davon machen. Damit hatte Niepce die "Foto- oder Heliogravüre" erfunden, aber auch die Grundlage zu allen Tiefdruckverfahren gelegt.

Der nächste Schritt war die Belichtung einer asphaltbeschichteten Zinnplatte mit der Camera obscura. Auch das klappte. Er schrieb an seinen Bruder, mit der weiteren Vervollkommnung seines Verfahrens sei es ihm „endlich gelungen, ein Bild nach der Natur zu schaffen, das so gut ist, wie ich es mir nur wünschen kann. Ich wage kaum, mir dieses schmeichelhafte Eingeständnis zu machen".

Der Brief stammt vom 16. September 1826, und das aufgenommene Metallbild gibt es heute noch - es blieb als einziges Niepce-Original erhalten. Auf dem Bild ist ein Teil des Niepce-Landsitzes von Le Gras bei Chalon zu sehen. Nachdem es jahrzehntelang verschollen war, fanden es die Fotoforscher Helmut und Alison Gernsheim 1952 nach detektivischer Suche wieder. Heute gehört es zur Gernsheim-Sammlung der Universität von Texas in Austin, USA.

Die Belichtung des berühmten Bildes hatte acht Stunden gedauert. Man konnte es nicht besonders gut erkennen, weil die verwendete Schicht ziemlich dünn ausgefallen war. Nur wenn man es schräg zum Licht hielt, wurde es sichtbar. Aber daß es überhaupt existierte, „grenzte an ein Wunder", wie Nicephore Niepce seinem Bruder schrieb, der ihn drängte, das Verfahren zu veröffentlichen.
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Der Sommer 1827 in London

Bruder Claude lebte mittlerweile in England, und es ging ihm gesundheitlich schlecht. Deshalb und weil Nicephore hoffte, seine Erfindung dort besser bekanntmachen zu können, fuhr er im Sommer 1827 nach London. Aber seine Hoffnungen erfüllten sich nicht. Weil sich Niepce einstweilen weigerte, das „volle Geheimnis" seiner Erfindung zu offenbaren, lehnte die renommierte Royal Society die Veröffentlichung ab.

Nach monatelangen vergeblichen Verhandlungen reiste Niepce nach Frankreich zurück. Kurz danach starb sein Bruder. Mit neuen Linsen ausgestattet, setzte Niepce seine Versuche fort.

Er verwendete nun versilberte Kupferplatten und experimentierte mit Glasplatten als Träger für die Asphaltschicht. Zugleich beschloß er, ein Buch über seine Erfindungen zu schreiben (das nie fertig wurde).

Bei alledem war er sich jedoch darüber klar, daß er dicht vor dem wirtschaftlichen Ruin stand. Die vom Vater ererbten Anwesen waren größtenteils zu Geld gemacht worden. Neue Mittel fehlten.

So folgte Nicephore Niepce 1829 dem schon jahrelang andauernden Drängen seines Landsmannes Daguerre, die Arbeit gemeinsam fortzusetzen - zum beiderseitigen Vorteil, unter dem Namen beider Erfinder, die zu gleichen Teilen am Erfolg beteiligt sein sollten.
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Louis Daguerre und die Daguerreotypie

Das auf Niepces Erfahrungen aufbauende Verfahren Daguerres zur Herstellung und Verwendung lichtempfindlicher Platten machte der Erfinder selbst 1839 in einer Broschüre bekannt. Die daraus entnommene Lithografie zeigt oben und in der Mitte den Kasten, in dem die silberplattierte und polierte Kupferplatte Joddämpfen ausgesetzt wird. Das dabei entstehende Silberjodid ist lichtempfindlich.
Nachdem die Platte in der Kamera je nach Motiv und Lichtverhältnissen zwischen drei Minuten und einer halben Stunde belichtet worden ist, wird sie in einem zweiten Kasten, um 45° geneigt, durch warme Quecksilberdämpfe entwickelt. Das latente Bild wird sichtbar, muß aber noch in einer Salz- oder Hyposulfitlösung fixiert, anschließend gewässert und getrocknet werden.

Das Jahr 1839 war das Schicksalsjahr der Fotografie. In diesem Jahr geschahen viele Dinge, die die neue Technik mit Riesenschritten weiterbrachten, und zwar in einer erstaunlichen Parallelentwicklung, die sich zum Teil in Frankreich, zum Teil in England abspielte.

Betrachten wir zunächst die Vorgänge im Frankreich Niepces und Daguerres.

Louis Jacques Mande Daguerre

Louis Jacques Mande Daguerre (1787 bis 1851), aus kleinen Verhältnissen stammend, wuchs in Orleans auf, besuchte die Volksschule und wurde zunächst zu einem Architekten in die Lehre geschickt, dann zu dem prominenten Pariser Bühnenbildner Eugene Marie Degotti, dem Ausstattungschef der Pariser Oper, bei dem sich Daguerre als Künstler vervollständigen sollte.

Zwar wurde kein berühmter Maler aus ihm - aber er spezialisierte sich auf die bühnenwirksame Illusionsmalerei, wurde Fachmann für trickreiche Beleuchtungseffekte und gründete 1822 in der Rue Sanson in Paris zusammen mit einem anderen Maler ein Diorama, eine Art Theater ohne Schauspieler mit drei riesigen Bühnen, deren bildliche Darstellungen, verstärkt durch Lichteffekte, die Zuschauer in ein Schweizer Gebirgstal versetzten oder in das Innere der Kathedrale zu Canterbury, vor Napoleons Grab auf St. Helena oder nach Neapel mit dem gerade ausbrechenden Vesuv im Hintergrund.

Daguerres plastisch wirkende Diorama-Bilder

Für die unerhört plastisch wirkenden Diorama-Bilder verwendete Daguerre, wie vor ihm andere Maler, als technisches Hilfsmittel die Camera obscura. Schon während der Dioramazeit beschäftigte er sich aber auch schon mit Methoden der Fotografie.

So machte sich Daguerre daran, mit Hilfe der Camera obscura und „durch die spontane Wirkung des Lichts" Dauerhaftes zu schaffen: den „Spiegel mit Gedächtnis", wie Oliver Wendell Holmes die Daguerreotypie später nannte.

Wie weit Daguerre mit seiner Erfindung gekommen war, als er versuchte, mit Niepce Verbindung aufzunehmen, ist nicht eindeutig geklärt. In seinem ersten Brief an Niepce schrieb Daguerre, er arbeite schon seit längerem in ähnlicher Richtung wie Niepce, aber mit geringem Erfolg.

1827 bekam Niepce von Daguerre ein „nach meinem Verfahren hergestelltes Bild", das Niepce an eine Sepiazeichnung erinnerte (Zeichnung in der Farbe eine Tintenfisch-Farbe - braun). Auf dem Weg nach England zu seinem Bruder stattete Niepce im selben Jahr Daguerre in Paris einen Besuch ab, bekam das Verfahren vorgeführt, erfuhr aber nichts über die Zusammensetzung der dabei verwendeten Substanzen.

Der erfahrene Niepce meinte, es könne sich um pulverisiertes und geglühtes Baryt (Schwerspat) gehandelt haben, was sich viel später bestätigte. Diese Substanz sei indessen völlig ungeeignet, ein Bild festzuhalten, befand Niepce. Nach seiner Auffassung hatten Daguerres Forschungen „wenig mehr als Kuriositätswert" .
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Die Geheimniskrämerei von zwei Besessenen

Trotz dieser und anderer Bedenken erklärte sich Niepce schließlich zur Zusammenarbeit bereit.

Weil Daguerre panische Angst davor hatte, es könnte vorzeitig etwas über die Arbeit der beiden Partner durchsickern, vereinbarte er mit Niepce eine Art Geheimcode, bei dem alle in Frage kommenden Substanzen durch Ziffern ersetzt wurden.

So stand die 1 für Lavendelöl, die 7 für Mastix, die 8 für Gummilack - und so fort. Entsprechend merkwürdig lesen sich die Briefe; beispielsweise: „Ich habe mehrere Versuche mit 20 angestellt, diese Substanz ist sehr empfindlich für 46."

Niepce erlebte die Fertigstellung des Verfahrens nicht mehr. Daguerre setzte die Zusammenarbeit mit Isidore Niepce, dem offenbar nicht besonders einfallsreichen Sohn Nicephore Niepces, fort. Das älteste erhaltene Beispiel einer Daguerreotypie - diesen Namen hatte Isidore schließlich widerstrebend akzeptiert - stammt aus dem Jahre 1837. Aber erst 1839 hielt Daguerre seine Methode, die aus den Erfahrungen von Niepce und eigenen Ideen entstanden war, für praxisreif.

Wie eine Daguerreotypie entsteht

Durch Vermittlung des prominenten französischen Astronomen, Physikers und Politikers Dominique Francois Jean Arago (1786-1853) wurde die Academie des Sciences, die französische Akademie der Wissenschaften, über Daguerres Erfindung informiert. Sie war nun schon einigermaßen ausgereift.

Vor allem kam Daguerre mit Belichtungszeiten aus, die nach Minuten statt nach Stunden zu veranschlagen waren. Er konnte das erzielte Bild auch fixieren. Was er hervorbrachte, war jedoch ein Positiv. Man konnte keine Kopien davon machen.

Arago setzte durch, daß Daguerre seine Erfindung dem französischen Staat übertrug. Er bekam dafür eine lebenslange Rente von jährlich 6.000 Francs, Niepce junior eine solche von 4.000 Francs.

Dafür sollten dem Staat die Herstellungsgeheimnisse in vollem Umfang offengelegt werden. Frankreich wollte die Erfindung zur internationalen Verwendung freigeben, was auch geschah. Nur in England sicherte sich Daguerre noch in letzter Minute die Patentrechte.
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September 1839 - in der Zeitschrift „L'Artiste"

Nun endlich erfuhr die staunende Öffentlichkeit, was genau hinter Daguerres Verfahren steckte. Am 1. September 1839 veröffentlichte die Zeitschrift „L'Artiste" diese Beschreibung:

  • „Daguerre ergriff eine leicht versilberte Kupferplatte. Er goß etwas Säure auf das Silber, wischte es trocken, dann rieb er es ab, und zwar mit etwas Bimsstaub, der mit Säure angefeuchtet worden war. Als das geschehen war - eine sehr einfache Angelegenheit -, brachte er eine dünne Kante desselben Metalls rings um die Platte an, mit Hilfe einiger bereitgelegter Schrauben. Nun wurde die Platte auf den Jodierungskasten gelegt. Das Jod befindet sich unten im Kasten und läßt seine Dämpfe durch Gaze hindurch zur spiegelnden Oberfläche der Platte hochsteigen ...
  • Von Zeit zu Zeit nahm Daguerre die Platte vom Kasten herunter; da er sie noch nicht hinreichend mit Jod versehen fand, legte er sie zurück, bis schließlich das Jod gleichmäßig über die ganze Platte verbreitet war, die dann die Farbe von Gold annahm. Dieser Vorgang dauerte kaum eine Viertelstunde. Darauf legte er die so gefärbte Platte in eine Art hölzernen Futterals.
  • Man wählt das Motiv, das man wiedergeben will, und dann legt man die jodierte Platte in die Kamera, ohne die schützende Hülle zu öffnen. Ist diese einmal in der Kamera, so wird sie durch eine kleine Feder geöffnet, und bald beginnt der wundersame Vorgang. Das Licht, das von überall herkommt, macht auf der Platte all seine Kraft und sein Leben geltend.
  • Die äußere Welt wird im Wunderspiegel reflektiert. In diesem Augenblick war die Sonne leicht verschleiert. ,Sechs Minuten werden wir brauchen', sagte Daguerre und zog seine Uhr heraus. Und richtig, nach sechs Minuten schloß er das Behältnis, in dem die Platte befestigt war, und mit der Platte hatte er all die schöne Szenerie eingefangen; noch war sie unsichtbar fürs Auge. Nun blieb ihm nur noch, dieser verborgenen Welt zuzurufen: ,Erscheine vor unseren Augen!'
  • Ein zweiter Kasten wurde herbeigebracht. Er enthielt Quecksilber. Mit Hilfe einer Lampe wird dieses Quecksilber erhitzt, bis es fünfzig Grad Celsius erreicht hat. Durch ein Glasfensterchen, das im Kasten genau für diesen Zweck vorgesehen ist, kann man dann beobachten, wie ganz allmählich die überaus wirksamen Dämpfe jeden Teil des Motivs im richtigen Ton langsam hervorkommen lassen. Die Szenerie erscheint, als sei sie vom unsichtbaren Stift einer Feenkönigin gezeichnet worden.
  • Wenn dieser Vorgang beendet ist, wird die Platte herausgenommen und in ein Fixierbad gegeben; danach wird sie in warmem Wasser gebadet. Der Vorgang ist beendet, die Zeichnung ist vollkommen und unveränderlich vor unseren Augen. Und all das in einer Stunde - mehr oder weniger."

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Natürlich hatte er das vorher ausprobiert und publiziert

Schon einige Tage vorher, am 19. August 1839, hatte Arago das Verfahren in einer gemeinsamen Sitzung der Akademien der Wissenschaften und der Schönen Künste offiziell bekanntgegeben (wenn auch ohne technische Einzelheiten). Dieser 19. August gilt also als Start der Daguerreotypie, des ersten in der Praxis verwendbaren fotografischen Verfahrens.

An den Daguerreotypien bewundern wir noch heute ihre Schärfe und die harmonisch verlaufenden Tonwerte. Neben Landschafts-, Architektur- und Porträtfotos reizte es die frühen Lichtbildner, auch gestellte Szenen im Bild festzuhalten, so wie Humbert de Molart 1847 einen in Ketten schmachtenden jungen Gefangenen ablichtete.

Von Daguerre zur Daguerreotypomanie

Innerhalb kurzer Zeit wurde die Daguerreotypie zu einer populären Kunst. Jedermann wollte so ein Bild von sich oder seinen Angehörigen haben. Vor allem das französische Bürgertum entdeckte die Daguerreotypie als bevorzugte Porträtkunst.

Aber über Frankreich hinaus wurde bald die ganze zivilisierte Welt von der Daguerreotypomanie ergriffen, wie sich ein zeitgenössischer Satiriker ausdrückte. Der Wirbel um die Daguerreotypie war unvorstellbar. Zehn Jahre später arbeiteten in den USA schon über 1.000 Fotografen nach Daguerres Methode, davon 75 allein in New York. In München gab es bis 1860 44 Lichtbildner, in Hamburg 170 und in Berlin mehr als 200.

Kooperation mit dem Kamerafabrikanten Alphonse Giroux

Louis Daguerre tat sich unterdessen mit dem Kamerafabrikanten Alphonse Giroux in Paris zusammen. Giroux sollte die von Daguerre entwickelten Kameras fabrizieren und verkaufen. Das geschah mit bestem Erfolg.

Allein 1847, so ist überliefert, kauften die Franzosen mehr als 2 000 Giroux-Kameras nach dem Da-guerre-System, dazu etwa eine halbe Million versilberter Kupferplatten. Daguerre selbst zog sich auf seinen Landsitz in Bry-sur-Marne zurück. Nennenswerte Verbesserungen seiner Silberbild-Technik brachte er nicht mehr zustande. Man hatte den Eindruck, er ruhe sich auf seinen Lorbeeren aus. Von seiner Staatsrente konnte er recht gut leben. Dazu kamen die Einnahmen aus Herstellungslizenzen auf Grund des in England erteilten Patentes.

Daguerre starb 1851

Daguerre starb 1851 „an dem Bersten einer Pulsadergeschwulst". Seine Kunst lebte weiter - allerdings nicht lange. Bald kamen neue Verfahren auf. Um 1860 war die Daguerreotypie schon wieder vom Markt verschwunden.
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William Henry Fox Talbot - Der Weg zur modernen Fotografie

Talbots belichtete Papiernegative wurden im Sonnenschein auf Positivbilder umkopiert, nachdem sie in Silber-Gallonitrat entwickelt, in Natrium- thiosulfat fixiert und mit Wachs durchscheinend gemacht worden waren.

Noch zu Daguerres Zeiten war es gelungen, die Lichtempfindlichkeit der Silberplatten wesentlich zu erhöhen und damit die Belichtungszeiten abzukürzen. Das war vor allem dem englischen Wissenschaftler John Goddard zu verdanken, der neben Jod auch schon Brom für die Sensibilisierung der Platten verwendete, außerdem aber auch der Entwicklung lichtstärkerer Objektive.

Trotzdem fehlte Daguerres Silberbildern ein entscheidendes Merkmal der modernen Fotografie: Es war nicht möglich, die Aufnahmen fototechnisch zu vervielfältigen. Sie blieben stets Unikate (und stehen als solche bei Sammlern von heute in hohem Kurs).

Auf die Idee, von einem Negativ positive Abzüge zu machen, kam ein anderer - und zwar nicht etwa unter dem Eindruck des Daguerreschen Verfahrens, sondern parallel dazu. Er hieß William Henry Fox Talbot, und Fotohistoriker halten ihn für den eigentlichen Erfinder der Fotografie - zweifellos zu Recht.
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Die Dunkelkammer in der Familiengruft

William Henry Fox Talbot (1800-1877) war von Beruf das, das man damals einen Privatgelehrten nannte. Als Sohn reicher Eltern, zeitlebens finanziell unabhängig, genoß er eine umfassende Ausbildung. Am Trinity College in Cambridge studierte Talbot vornehmlich Mathematik und Physik, betrieb aber auch chemische Studien und übersetzte Shakespeares „Macbeth" in griechische Verse, wofür er mit einem Preis der Universität ausgezeichnet wurde.

Schon als 32jähriger wurde er Mitglied der Royal Society, der ältesten und bedeutendsten wissenschaftlichen Körperschaft in England. Seine Interessen lagen auf vielen Gebieten. Unter anderem war er ein begeisterter Zeichner und kam als solcher auch mit der Camera obscura in Berührung.
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Beim Urlaub am Comer See

Ein Urlaub am Comer See, (wo?) an dem er italienische Landschaften mit dem Zeichenstift festhielt, brachte ihn auf den Gedanken, über ein Verfahren nachzudenken, wie man die Natur dazu bringen könnte, sich selbst abzubilden.

Talbot ging ganz systematisch vor. Aus der Literatur war ihm die Lichtempfindlichkeit bestimmter Silbersalze bekannt. Auf dem Familienlandsitz Lacock Abbey bei Chippenham in Wiltshire, dessen Familiengruft er als Dunkelkammer zweckentfremdete, begann er 1834 mit seinen Versuchen. Dabei gelangen ihm Kontaktdrucke von Gräsern, Federn und Spitzen.

Er verwendete Papier, das mit Silberchlorid getränkt war, und fixierte die Aufnahmen mit Kochsalz. Die Belichtungszeiten waren erheblich, was aber bei den gewählten Aufnahmeobjekten keine Rolle spielte. Seine Negativ-Papierbilder nannte er Photogenic drawings, fotogenische Zeichnungen.

1835 nahm er mit der Camera obscura ein Bild seines Landsitzes auf. Er hielt diese Aufnahme für die erste Architekturaufnahme überhaupt, befand sich dabei aber im Irrtum. Nicephore Niepce war ihm damit um Jahre zuvorgekommen.

Seine wissenschaftliche Neugier schien nach diesen recht erfreulich gelungenen Versuchen erst einmal befriedigt zu sein. Talbot vergaß das Verfahren. Er wurde erst wieder daran erinnert, als im Januar des berühmten Jahres 1839 die ersten, noch sehr oberflächlichen Veröffentlichungen über Daguerres Erfindung erschienen.
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Der Ehrgeiz des Erfinders

Nun hielt er es doch für klüger, seinen Prioritätsanspruch zu dokumentieren. Fox Talbot kramte zusammen, was er an Musterbildern fand, und übermittelte sie der Royal Institution, einer Vereinigung, die sich die Popularisierung der Wissenschaften zur Aufgabe gemacht hatte.

Ihr Laboratoriumsdirektor war damals Michael Faraday, Entdecker der Induktion, der Gasverflüssigung und vieler anderer epochemachender Verfahren. In der Institutssitzung vom 25. Januar 1839 gab Faraday beide Techniken bekannt: die Talbotsche und die von Daguerre.

Damit war erst einmal, wie die Literary Gazette schrieb, ein klares Datum etabliert: „Dadurch sollte es unmöglich gemacht werden, daß, falls beide Verfahren identisch wären, der Vorwurf einer Nachahmung gegen Mr. Talbot erhoben werden könnte, und zwar für den Fall, daß Monsieur Daguerres Entdeckung veröffentlicht würde, ehe Mr. Talbot vor der Royal Society seine Abhandlung, die sein Verfahren im einzelnen erläutert, verlesen hat."

Talbots ausführlicher Bericht bei der Royal Society

Sechs Tage später schon traf Talbots ausführlicher Bericht bei der Royal Society ein. Darin erkannte Talbot an, daß schon Wedgwood ähnliche Kontaktdrucke hergestellt hatte, wenn auch ohne die Möglichkeit, die Bilder zu fixieren. Im übrigen gab Talbot in dem Bericht keine Einzelheiten bekannt, die sein Verfahren offengelegt hätten. Ihm kam es nur darauf an, seinen Prioritätsanspruch zu sichern. Aber einige entscheidend wichtige Ausführungen enthielt der Bericht doch.

Talbot gab zu, daß Licht und Schatten auf seinen Photogenic drawings vertauscht seien. Das lasse sich, so führte er aus, aber ganz einfach korrigieren. Man brauche nur ein weiteres Blatt lichtempfindliches Papier auf das Bild zu legen und erneut zu belichten, schon habe man ein Positiv in Händen.

Auf diesem also erstmals von Talbot erkannten Prinzip beruhten fast alle späteren fotografischen Verfahren.

Überdies enthielt der Talbot-Bericht zahlreiche Hinweise auf mögliche Anwendungen des Verfahrens - vom Kopieren von Stichen oder Textseiten durch Kontaktdruck über die Erzeugung von Bildern mit der Kamera bis zur Mikroskopfotografie.

Mit dem 1847 in London eröffneten Porträtstudio hatte Talbot (rechts im Bild) keinen großen Erfolg. Das Publikum bevorzugte weiterhin die schärferen und ausdrucksvolleren Konterfeis nach Daguerres Verfahren, auch wenn jedes Bildnis ein Unikat blieb.

Die Calotypie: Unsichtbares wird sichtbar

Gegen den Rat von Freunden verzichtete Talbot einstweilen darauf, seine Erfindung patentieren zu lassen. Er nahm seine Versuche wieder auf und kam schon 1840 zu schönen Ergebnissen.

Bisher hatte es nur Verfahren gegeben, bei denen das Bild schon bei der Belichtung deutlich sichtbar auf dem Papier oder der Metallplatte erschien. Durch einen Zufall kam Talbot darauf, daß es ebensogut möglich war, ein nicht sichtbares, nur latent vorhandenes Bild zu entwickeln - eine Entdeckung, die wir heute für selbstverständlich halten, denn auf einem belichteten Film ist vor Beginn des Entwicklungsprozesses ja auch „nichts drauf".

Das Bild, das sich selbst entwickelt hat

Talbot hatte mit unterschiedlich präparierten Papieren experimentiert, die er nur kurze Zeit in der Kamera belichtete. Er wollte herausfinden, welches Papier am lichtempfindlichsten war. Originaltext des Erfinders: „Eins der Blätter wurde herausgenommen. Es war so gut wie nichts darauf zu sehen, und ich ließ es auf einem Tisch in der Dunkelkammer liegen. Bei der Rückkehr nach geraumer Zeit nahm ich das Papier wieder in die Hand und war sehr überrascht, daß ein deutliches Bild auf ihm sichtbar war. Ich war völlig sicher, daß sich nichts dieser Art präsentiert hatte, als ich das Blatt beim erstenmal betrachtet hatte. Wenn man also ein Wunder ausschließt, konnte infolgedessen die einzige Schlußfolgerung sein, daß das Bild sich unerwarteterweise in einem Spontanvorgang gewissermaßen selbst entwickelt hat."

Als Talbotypie bekannt

Er arbeitete weiter in dieser Richtung, wiederholte den Versuch unzählige Male. Immer trat das Bild deutlich hervor, wenn er das belichtete Papier einige Zeit dem Kerzenlicht aussetzte. Diesmal meldete Talbot seine Erfindung zum Patent an. Er nannte sie Calotypie.

Später wurde sie ihm zu Ehren in Talbotypie umbenannt. Die Patentanmeldung betrachtete Talbot als eine Reaktion darauf, daß Daguerres Erfindung mittlerweile weltweit ausgewertet werden durfte - nur nicht in England. 1841 wurde das Patent erteilt.

Kurz darauf veröffentlichte Talbot Einzelheiten seiner Technik. Das latente Bild wurde mit Hilfe von Papier erzeugt, das er mit Kaliumjodid und Silber-Gallonitrat, einem Salz der Gallussäure, lichtempfindlich gemacht hatte.

Die Entwicklersubstanz bestand aus einer Lösung von Silber-Gallonitrat. In ihr wurde das belichtete Bild gebadet. Talbot setzte es dann der Wärme aus. Erst dabei wurde das Bild sichtbar. Zum Fixieren verwendete er Kaliumbromid, das er ab 1843 durch Natriumthiosulfat ersetzte (es wird heute noch als Fixiersalz verwendet).

John Frederick Herschel

Er hielt sich dabei an einen Vorschlag von Sir John Frederick Herschel (1792-1871). Der namhafte Astronom griff auch auf anderen Gebieten in die Entwicklung der Fotografie ein. Unter anderem riet er Talbot, seine Negative mit Hilfe von Wachs durchscheinend zu machen, um den Kopiervorgang zu beschleunigen und die Papierstruktur weniger hervortreten zu lassen, ein Verfahren, das später George Eastman für seinen ersten Rollfilm anwandte.

Die Bezeichnung Photographie wurde geboren

Herschel soll auch die Bezeichnung Photographie geprägt haben. Nach dem neuen Verfahren konnte Talbot Bilder herstellen, die nur noch ein Hundertstel der bis dahin bei ihm üblichen Belichtungszeit verlangten. Überdies war die Anfertigung beliebig vieler Positivkopien möglich.

Die ersten Foto-Bildbände

Wegen der Papiergrundlage des Verfahrens waren die Talbotypien zwar nicht so brillant und scharf wie Daguerreotypien. Aber sie machten Daguerre ernsthafte Konkurrenz.

1844 brachte Talbot das erste ganz mit (eingeklebten) Talbotypien illustrierte Buch heraus. Dieser erste fotografische Bildband hatte den Titel „The Pencil of Nature" (Zeichenstift der Natur).
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„The Pencil of Nature"

Um ihn verwirklichen zu können, etablierte Talbot die erste Großkopieranstalt der Welt. Das Unternehmen lieferte für die erste Auflage des Buches innerhalb von knapp sechs Wochen über tausend Kopien von Talbot-Aufnahmen - eine reife Leistung, wenn man bedenkt, daß nur mit Sonnenlicht kopiert werden konnte, das in England nicht in beliebiger Menge zur Verfügung steht, so daß die Belichtungszeiten je Kopie zwischen einigen Minuten und einer Stunde schwankten.

1845 kam ein zweites Buch

1845 kam ein zweites Buch mit Talbotypien heraus. Schon 1843 hatte sich Talbot ein Vergrößerungsverfahren für seine Bilder patentieren lassen. 1847 eröffnete er ein eigenes Porträtstudio in London, das aber kein Erfolg
war - auf diesem Gebiet war die Daguerreotypie der Talbotypie überlegen.

Aber in der Landschaftsfotografie brillierte Talbot. Ende der vierziger Jahre schickte er Talbotypie-Teams durch Frankreich, um für die französische Regierung alle mittelalterlichen Gebäude und Plastiken aufzunehmen - und das im Lande Daguerres.

Bald reisten auch die ersten Teams nach Ägypten, in den Nahen Osten und nach Indien und brachten erstaunliches, nie gesehenes Material mit. Inzwischen kamen neue Techniken auf.

1851 - ein neues Verfahren kommt auf

So wurde 1851 ein Verfahren bekannt, die Silbersalze mit Kollodium zu mischen und eine Glasplatte damit zu überziehen, das Naßkollodiumverfahren. Talbot wehrte sich energisch gegen die neuen Erfindungen, die er für einen Abklatsch wesentlicher Punkte seiner eigenen Patente hielt. Er strengte einen Prozeß an, der weltweit Aufsehen erregte - und den er verlor.

Da er daraufhin keine weiteren Anstrengungen mehr machte, seine Patente verlängern zu lassen, dauerte es nicht mehr lange, bis der letzte juristische Schutz sowohl der Daguerre- als auch der Talbot-Verfahren erlosch. Im übrigen erging es der Calo- oder Talbotypie nicht anders als der Daguerreotypie:

Um 1860, nach Aufkommen der Glasnegative, verschwanden auch Talbots Papierbilder schnell wieder vom Markt. Aber sie hinterließen, wie die Daguerreotypie, sowohl Verfahrensgrundlagen als auch Denkanstöße, die die weitere Entwicklung befruchteten - vor allem aber einen weltweiten Bedarf an fotografischen Bildern.

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