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"Das gab's nur einmal" - Der deutsche Film von 1912 bis 1945

Der Schriftsteller Curt Riess (1902-1993 †) hatte 1956 und 1958 zwei Bücher über den Deutschen Film geschrieben. Als Emigrant in den USA und dann Auslands-Korrspondent und später als Presseoffizier im besetzten Nachkriegs-Berlin kam er mit den intessantentesten Menschen zusammen, also nicht nur mit Filmleuten, auch mit Politikern. Die Biografien und Ereignisse hat er - seit 1952 in der Schweiz lebend - in mehreren Büchern - wie hier auch - in einer umschreibenden - nicht immer historisch korrekten - "Roman-Form" erzählt. Auch in diesen beiden Filmbüchern gibt es jede Menge Hintergrund- Informationen über das Entstehen der Filme, über die Regisseure und die kleinen und die großen Schauspieler, das jeweilige politische Umfeld und die politische Einflußnahme. Die einführende Seite finden Sie hier.

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MILITÄR SO ODER SO

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„Im Westen nichts Neues" von Erich Maria Remarque

Während die UFA in einem ihrer ersten Tonfilme die Geschichte jener Soldaten erzählt, die sich im Jahre 1806 opferten, um Napoleon zurückzuhalten, hat die Universal in Hollywood einen Film gedreht, der ebenfalls kämpfende deutsche Soldaten zeigt.

Es handelt sich um die Verfilmung des berühmten Romans von Erich Maria Remarque „Im Westen nichts Neues", der in Europa und Amerika Millionenauflagen erzielt hat, jenes Romans, der die Unsinnigkeit des Krieges an sich aufzeigt. Der amerikanische Film kommt jetzt nach Deutschland.

Der "Mozartsaal", ein unabhängiges Kino (das ist später und bis heute in 2020 das "Metropol", ein Veranstaltungsaal), denn es gehört weder der UFA noch einer der anderen großen Filmgesellschaften, hat nach einigem Zögern die Aufführungsrechte erworben.

Vorsichtshalber hat man sich im Reichswehrministerium erkundigt. Bestehen irgendwelche Bedenken gegen die Aufführung des Films? Die Frage wird verneint. Hohe Offiziere haben sich den Film angesehen, haben festgestellt, daß er den Weltkrieg darstellt, wie er wirklich war, daß die deutschen Soldaten in ihm gezeigt werden, wie sie wirklich waren: schlicht, ruhig, tapfer.

Ja, einige Generale sind geradezu entzückt von diesem Film, den sie das „hohe Lied des deutschen Soldatentums" nennen, ein bemerkenswertes Prädikat für ein Werk, das in Hollywood entstanden ist.

1931 - Goebbels ist bereits der Berliner Gauleiter

Aber sie haben ihre Rechnung ohne Goebbels gemacht. Goebbels ist Berliner Gauleiter der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei und mehr oder weniger verantwortlich für die Propaganda der Partei.

Aus Gründen, die niemals festgestellt werden, ist er gegen das Buch von Erich Maria Remarque. Weil es pazifistisch ist? Wohl kaum. Wahrscheinlicher schon, daß er, der gerissene Reklamefachmann, begriffen hat: wer ein Buch, das in aller Munde ist, angreift, kommt automatisch mit in aller Mund.

Dabei ist ihm übrigens - ganz unprogrammäßig - ein Mißgeschick passiert: Ein Bekannter von Remarque hat einige Seiten des Buches abgeschrieben und unter einem falschen Autorennamen dem „Angriff", der Zeitung von Goebbels, eingesandt.

Die Redaktion war begeistert und druckte die Sache ab, bis das „Acht-Uhr-Abendblatt", eine große Berliner Zeitung mit demokratischer Tendenz, die Blamage aufdeckte. Goebbels platzte fast vor Wut.

Goebbels sieht seine Stunde gekommen

Jetzt, da der Film „Im Westen nichts Neues" nach Berlin kommt, sieht er seine Stunde gekommen. Er organisiert mit großem Geschick eine „spontane Demonstration" gegen den Film, der plötzlich „unpatriotisch", „zersetzend", „jüdisch" ist.

Die Polizei wird von dieser Demonstration, die erst bei der zweiten Vorstellung einsetzt, überrascht, und als sie schließlich eingreifen will, stellt es sich heraus, daß sie viel zu schwach dazu ist.

Die Hälfte der Eintrittskarten ist von den Nationalsozialisten aufgekauft worden. Stinkbomben werden geworfen, schlimmer noch: ein Rudel weißer Mäuse wird losgelassen. Die Tiere jagen im Finstern durch das Theater, und selbst die entschlossensten Kinobesucherinnen suchen schreiend das Weite.

Hier wäre eine Gelegenheit für die Weimarer Republik, einzugreifen und gegen die Übeltäter vorzugehen, denn es ist ja klar, daß es sich um vorbereitete Aktionen handelt, und auch, wer sie vorbereitet hat.
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Goebbels hält vor dem Metropol eine flammende Rede

Goebbels versucht nicht etwa, seine Urheberschaft zu vertuschen; im Gegenteil, er hält auf dem Nollendorfplatz, direkt vor dem Kino, eine flammende Rede gegen das Buch, gegen den Film, gegen Erich Maria Remarque, gegen die Weimarer Republik, gegen das ganze „System".

Aber nichts wird gegen ihn unternommen. Die Berliner Polizei erklärt sich schon am nächsten Tag außerstande, die Sicherheit der Kinobesucher zu garantieren, falls der Film weitergespielt werden sollte.

Daraufhin wird er verboten. Gleichzeitig fallen auch die Herren im Reichswehrministerium um. Plötzlich tun sie so, als seien sie von Anfang an gegen den Film gewesen, der - unnötig, das zu sagen - auf der ganzen Welt einen Riesenerfolg hat, übrigens einen verdienten Erfolg, denn es ist wirklich ein guter Film, anständig in der Gesinnung, hervorragend durch Regie und Spiel.
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Um die gleiche Zeit läuft in Berlin ein anderer Film an.

Ein Film, der nicht die Nazis, wohl aber die Demokraten und die Liberalen in Empörung versetzt, der jedoch nicht verboten wird. Und wer gegen ihn und damit für die Republik demonstriert, wird von der Polizei dieser Republik niedergeknüppelt. Es handelt sich um den ersten Fridericus - Tonfilm „Das Flötenkonzert von Sanssouci". Natürlich wieder mit Otto Gebühr als Friedrich II.

Auch dieser Fridericus-Film ist, wie sein Vorgänger, ein Konjunkturfilm. Die ersten Fridericus-Filme gleich nach der Niederlage von 1918 sollten den über die Gegenwart verzweifelten Deutschen die herrliche Vergangenheit zeigen und sie aufrütteln.

Der neue Fridericus-Film soll den Deutschen zeigen, daß sie einen „Führer" brauchen, und daß sie mit einem starken Mann alles erreichen können. Schon der Vorspruch zu dem Film läßt daran keinen Zweifel. Es heißt da:

„Umgeben von den europäischen Großmächten hat das kleine Preußen sein Lebensrecht verteidigt. Die ganze Welt staunt über den König von Preußen, der, erst verlacht, allmählich gefürchtet, sich gegen starke Übermacht erfolgreich zur Wehr setzte ..."
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Nur Vollidioten würden diese Anspielungen nicht verstehen.

Und was vermag denn die Welt gegen ein Deutschland oder Preußen, das energisch geführt wird?

Die Welt, die in dem Film gezeigt wird, jedenfalls vermag nicht, sich zu wehren. Die in dem UFA-Film vorkommenden Österreicher und Franzosen sind Komiker.

Und wenn einmal ein vernünftiger Franzose auftritt, wie zum Beispiel Voltaire, dann schlägt er sich sofort zu Friedrich II., ja, erteilt ihm ausdrücklich das Recht, absolut zu regieren: „Gute Monarchen sind allen Gesetzen überlegen!" sagt er.

Friedrich II. ist denn auch ein vorzüglicher Monarch. Er hilft den kleinen Leuten, er läßt den Kriegsopfern Geld zukommen, er interessiert sich für kulturelle Institutionen, ja, er hindert die Frau eines seiner Majore sogar daran, ihren Mann zu betrügen.

Er führt gerissene Diplomaten an der Nase herum, gewinnt Schlachten, hat immer recht, auch wenn seine Generale an seinem Verstand zweifeln - und ist doch unglücklich, wie es sich für einen Filmhelden geziemt.

So ist Friedrich, der Große von der UFA Gnaden ...

Denn er ist natürlich einsam, er hat keine Freunde, und die Barberina, die seine Freundin spielt, ist in Wirklichkeit keine, sondern wird nur eingesetzt, um die ausländischen Diplomaten zu täuschen und glauben zu machen, der König sei in ein Liebesabenteuer verstrickt, während er in Wirklichkeit bereits die Mobilmachungsorder gegeben hat ...

Diese UFA wird von Geheimrat Hugenberg gesteuert

Immerhin, diese UFA wird von Geheimrat Hugenberg gesteuert, der um diese Zeit bereits geheime Unterhandlungen mit Adolf Hitler pflegt und in Bälde seinen ganzen Einfluß (er ist auch der Eigentümer des Scherl Verlages) dafür aufwenden wird, Hitler an die Macht zu bringen. Friedrich, der Große von der UFA Gnaden ... Nicht der historische!

Er selbst wäre der erste gewesen, gegen die Verfälschung der Historie zu protestieren. Denn die Geschichte vom „Flötenkonzert" stimmt nicht vorn und nicht hinten.

Der Manuskriptautor hat alles auf den Kopf gestellt, und wenn die Regie nicht wäre ... Die Regie führt Gustav Ucicky, ein um diese Zeit bereits bekannter österreichischer Regisseur.

Ursprünglich wollte er Schauspieler werden, dann Filmschauspieler. Verschiedene Versuche, bei Filmfirmen Engagements zu bekommen, mißlangen.
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Gustav Ucicky lernte Filme drehen - bzw. Filme machen

Schließlich wurde Gustav Ucicky Assistent bei einem Kameramann. Auf seine Frage, wieviel Gehalt er bekommen würde, antwortete sein Chef erstaunt: „Was, Geld willst du auch noch?" Er lernte fotografieren und schneiden.

Im Kriege 1914-1918 drehte er für die Sascha-Film-Gesellschaft in Wien Propagandafilme, war vorübergehend sogar persönlicher Kameramann des Kaisers Karl I.

Als er das erste Mal Regie führte, konnte ihm niemand mehr etwas vormachen. Er hatte auch einen starken Sinn für Bildwirkungen, vielleicht hing das damit zusammen, daß sein Vater ein bekannter Maler war; jedenfalls behauptete er gelegentlich, der uneheliche Sohn von Gustav Klimt zu sein.

Er hatte unter anderem schon Filme wie „Cafe Electric" gemacht, in dem Willi Forst und Marlene Dietrich mitwirkten, Filme also, die ohne besondere Bedeutung waren. Aber er hatte nicht nur Begabung zum Filmen, er hatte auch Begabung, sich durchzusetzen.

Gustav Ucicky war Österreicher

Den kleinen Schauspielern und Komparsen gegenüber benahm er sich recht grob. Sie waren ihm ja ausgeliefert. Hingegen war er von bemerkenswerter Höflichkeit den Stars gegenüber.

Später, als Hitler an die Macht kam, sollte er seine Bereitschaft, mit dem Mächtigen zusammenzuarbeiten, noch oft unter Beweis stellen. Er war etwas schwach, wenn es darum ging, Charakter zu beweisen.

Jetzt also dreht Gustav Ucicky das „Flötenkonzert von Sanssouci", dreht den Vorbeimarsch von tausend Soldaten an Friedrich dem Großen, dreht mit viel Geschick die zarten, wie hingetupften Rokokoszenen, die hinreißenden Kavallerieangriffe und mit weniger Geschick die Szenen, in denen der große König ziemlich dummes Zeug zu reden hat.

Und in denen auch dem letzten Kinobesucher klar werden muß, daß eben nicht ein genialer Herrscher, sondern ein nicht untalentierter Schauspieler vor der Kamera steht, kurz, daß nicht Friedrich der Große, sondern Otto Gebühr redet, befiehlt oder lächelt.
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Diesmal protestieren die "Anderen"

Als der Film herauskommt, protestieren die Republikaner und die Demokraten gegen die Verhimmelung der Monarchie und der Hohenzollern.

Vergebens. Die Berliner Polizei, die nicht genügend Kraft hatte, um die Republikaner gegen die Nationalsozialisten zu schützen, ist auf einmal bereit, Friedrich II. unter allen Umständen zu schützen - oder schützt sie den Film der UFA?

Genau eine Woche nach dem Verbot von „Im Westen nichts Neues" wird zum ersten Mal das „Flötenkonzert von Sanssouci" gespielt, im großen UFA-Palast, der bei dieser Gelegenheit von Hunderten von Schupos umstellt ist.

Als einmal mitten im Film Pfiffe und Schlußrufe ertönen, wird es sofort hell, und die Polizisten machen sich mit Begeisterung daran, Hunderte von Besuchern aus dem Kino zu werfen.

Dann betritt ein Polizeimajor die Bühne und erklärt zackig, es werde während der restlichen Vorstellung das halbe Licht brennen bleiben, und jeder, der zu stören versuche, werde sofort entfernt werden. Jeder, der zu stören versuche ...
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So fing es in Berln an mit Einschüchterung des Volkes

Auch diejenigen werden hinausgeworfen, die nur einige kritische Worte zu ihrem Nachbarn sagen oder auch nur flüstern.

Und zuletzt sind nur noch die im Saal, die mit Begeisterung „Deutschland erwache!" brüllen.

Nach den Uraufführungen des Remarque-Films und des Fridericus-Films müßte man eigentlich wissen, welche politische Entwicklung Deutschland nehmen wird ...
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Was eigentlich ist der tiefere Grund für den Erfolg des Fridericus-Films?

Der Wunsch der Massen nach einer Führerpersönlichkeit, nach einem Manne, der alles für sie in Ordnung bringt und sie dadurch der Verantwortung enthebt?

Oder das Bedürfnis der Massen nach Disziplin, die den einzelnen der Verantwortung enthebt? Was zieht? Friedrich der Große oder seine Grenadiere? Oder die Uniform? Die Frage ist nicht leicht zu entscheiden.

Denn wenn auch Filme mit Friedrich dem Großen seit Beendigung des Krieges sichere Geschäfte waren, so darf das gleiche von Filmen behauptet werden, die nur gewöhnliche Soldaten zeigten, und nicht einmal in besonders heroischen Situationen.
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Der Kasernenhof-Film.

Seit vielen Jahren (nach 1918) ist eine Gattung Film in Deutschland besonders erfolgreich: der Kasernenhof-Film.

Wie der Fridericus-Film fällt auch die Geburtsstunde des Kasernenhof-Films in die erste Zeit nach dem Weltkrieg. Er befriedigt die Sehnsucht vieler nach den guten alten Zeiten, den Zeiten, in denen der bunte Rock noch etwas bedeutete bei der Menge.

Diese Kasernenhof-Filme gibt es in den zwanziger Jahren wie Sand am Meer. Da sind „Des Königs Grenadiere", „Husarenliebe" und „Zapfenstreich". Da ist „Der Stolz der dritten Kompanie" und „Annemarie und ihr Ulan". „In der Heimat - da gibtfs ein Wiederseh'n" rührt die Besucherinnen zu Tränen, ebenso wie „Ein Tag der Rosen im August". „Dragonerliebchen" ist weniger düster als „Ich hattc einst ein schönes Vaterland".
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Der Tonfilm macht diesem Unfug kein Ende

Nur, daß es sich jetzt in der Hauptsache um Schwänke handelt. Der so lebensmüde Leutnant verschwindet im Hintergrund, niemand ist mehr neugierig, ob er sich erschießt, oder weswegen er sich erschießt.

Um so wichtiger wird der ach so komische Gemeine, der alles verkehrt macht und den Feldwebel bis fast zum Schlaganfall reizt. Der Grund dafür, daß diese Art Filme so populär werden, ist die Existenz eines Komikers, der meist im Mittelpunkt des Geschehens steht, und der im Grunde genommen ein ernsthafter und außerordentlich begabter Schauspieler ist. Felix Bressart ist sein Name.

Der Schauspieler Felix Bressart

Dieser Bressart ist im Leben genau das, was er im Film darstellt: ein schüchterner, verschlossener, etwas ungeschickter Mensch. Seine Tapsigkeit im Leben und vielleicht auch im Film ist von einer gewissen Tragik umwittert.

Aber das merkt das große Publikum nicht, das will es nicht merken. Es findet diesen Bressart so komisch - es lacht nicht so sehr über das, was ihm geschieht, als daß es ihn auslacht mit der Rohheit von Kindern, die Menschen, die stottern, komisch finden.

Der erste Film, in dem Felix Bressart den ungeschickten Soldaten spielt, heißt „Drei Tage Mittelarrest". Es ist ein komischer, aber auch ein böser Film. In der wichtigsten Szene erscheint ein Dienstmädchen vor der versammelten Kompanie, um den Vater ihres unehelichen Kindes zu erkennen.

Niemand will es gewesen sein, alle lachen über die arme junge Mutter, die vergeblich ihr Recht sucht. Das Publikum, das diese Szene sieht, lacht am meisten. Schließlich wird der Film verboten, weil er „das Schicksal einer unglücklichen Mutter auf schamlose Weise verhöhnt".

Wo wird er verboten? In den Vereinigten Staaten von Nordamerika, nicht in Deutschland.
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Felix Bressart aber spielt den „Schrecken der Garnison"

Felix Bressart aber spielt den „Schrecken der Garnison" und zahllose ähnliche Filme. Viele, wenn nicht die meisten, stammen von dem Regisseur Carl Boese, der sich auf diese Art von Filmen spezialisiert.

Wie hießen sie doch noch? „Kasernenzauber", „Wenn die Soldaten ...", „Dienst ist Dienst", „Mutter der Kompanie", „Schön ist die Manöverzeit", „Reserve hat Ruh", „Der Stolz der Kompanie" und „Der schönste Mann im Staate". Solche Filme kosten rund 250.000 Mark.

Sie spielen gewöhnlich zwei bis drei Millionen ein. Sie sind ja so komisch. Es ist ja wirklich zu komisch, wenn einer über seine eigenen Füße stolpert, wenn ein verführtes Dienstmädchen den Vater ihres unehelichen Kindes nicht findet, wenn ein älterer Offizier, der mit einer jüngeren Kellnerin geflirtet hat, sich vor seiner eigenen Frau verstecken muß, die ihn wütend, mit einem Regenschirm bewaffnet, sucht - um nur einige, dem täglichen Leben entnommene und höchst banale Situationen zu nennen.

  • Anmerkung : Hier hätte Curt Riess durchaus die Chaplin Filme und Dick und Doof mit in den Vergleich einbeziehen können, die sich auch auf Kosten der Schwächeren bzw. der Verlierer lustig machen - und damit viel Geld "eingespielt" hatten.

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Und da ist noch Erwin Robert Konrad Lüthge aus Oberschlesien

Wenn von Kasernenhof-Filmen geredet wird, muß ein Mann Erwähnung finden, der viele, wenn nicht die meisten von ihnen geschrieben hat. Nein, schon das ist eine Einschränkung.

Der Mann, von dem gesprochen werden soll, hat überhaupt die meisten Filme geschrieben. Es handelt sich um Erwin Robert Konrad Lüthge, kurz B. (Bobby) E. Lüthge. Lüthge kam aus Oberschlesien, studierte Nationalökonomie und Literatur in Berlin, ging dann in den Krieg, war Offizier, später Kriegsberichterstatter, wurde schließlich von der Tänzerin Valeska Gert zum Journalismus gebracht.

Er arbeitete für den „Roland von Berlin", ein Skandalblättchen; er gründete den „Filmkurier", er begann Filme zu schreiben, und keine geringere als Asta Nielsen beschäftigte ihn als Dramaturgen.
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Lüthge - der gesuchteste deutsche Filmautor

Er heiratete den Stummfilm-Star Hanni Weiße und schrieb Filme am laufenden Band. Um diese Zeit - also 1930/31 - ist er bereits und mit Recht der gesuchteste deutsche Filmautor.

Er liest Zeitung. Er schneidet alles aus, was sich einmal für einen Film verwenden lassen könnte. Er hat einen riesigen Zettelkasten, ja, man darf wohl sagen, er hat ganze Schränke mit Ausschnitten und Zetteln.

Und wenn er einen Filmauftrag bekommt, braucht er nicht lange, bis er mit sicherem Griff diejenige Situation, die Figuren und Ereignisse in seinem Archiv gefunden hat, die ein hieb- und stichfestes Drehbuch und einen guten Film ergeben.
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