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"Das gab's nur einmal" - Der deutsche Film von 1912 bis 1945

Der Schriftsteller Curt Riess (1902-1993 †) hatte 1956 und 1958 zwei Bücher über den Deutschen Film geschrieben. Als Emigrant in den USA und dann Auslands-Korrspondent und später als Presseoffizier im besetzten Nachkriegs-Berlin kam er mit den intessantentesten Menschen zusammen, also nicht nur mit Filmleuten, auch mit Politikern. Die Biografien und Ereignisse hat er - seit 1952 in der Schweiz lebend - in mehreren Büchern - wie hier auch - in einer umschreibenden - nicht immer historisch korrekten - "Roman-Form" erzählt. Auch in diesen beiden Filmbüchern gibt es jede Menge Hintergrund- Informationen über das Entstehen der Filme, über die Regisseure und die kleinen und die großen Schauspieler, das jeweilige politische Umfeld und die politische Einflußnahme. Die einführende Seite finden Sie hier.

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ENTSCHEIDENDE VERHANDLUNGEN

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Der "vergeigte" Parufamet Vertrag

Als Klitzsch abriet, die UFA zu kaufen, war der Hauptgrund für seinen Pessimismus das Bestehen der Parufamet und jenes Ende 1925 abgeschlossenen Vertrages, der die UFA verpflichtete, jährlich vierzig amerikanische Filme nach Deutschland einzuführen, und es den amerikanischen Firmen ermöglichte, astronomische Beträge aus Deutschland herauszuholen.

Das gefiel dem Chef der Reichsbank - Hjalmar Schacht - wenig und bedrückte das nationale Gewissen Hugenbergs. Warum sollten die Amerikaner diese Millionenbeträge aus dem Land holen? Warum nicht er, Hugenberg? Das war nicht nur vom nationalen Standpunkt aus wünschenswert, das war auch ein glänzendes Geschäft. Voraussetzung für dieses Geschäft war natürlich, daß man es den Amerikanern abjagte.
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Wie könnte man aus dem Vertrag aussteigen ?

Und es war nur logisch, daß Klitzsch es als seine erste Aufgabe betrachtete, die Parufamet zu torpedieren und den Vertrag zu lösen, der es den Amerikanern erlaubte, so viel Geld aus Deutschland zu ziehen. Besprechungen innerhalb der UFA-Direktion, Besprechungen mit den Anwälten der UFA jagen einander.

„Die Mühe hätten Sie sich sparen können", sagt Corell, der ja schließlich ein alter Jurist ist. „Es wird nichts dabei herauskommen. Wir müssen uns klar darüber sein: Der Vertrag, der die UFA an die Amerikaner bindet, ist auf Jahre hinaus nicht zu kündigen!"

Schlimmer noch: „Der Vertrag ist auch nicht zu umgehen", äußert Klitzsch. „Aus einem Vertrag kommt immer nur der Stärkere heraus und nicht der Schwächere!"

Klitzsch und Corell studieren die Statistiken, und es ergibt sich, daß die UFA, verglichen mit dem Goliath der amerikanischen Filmindustrie, nur ein David und dabei noch ein sehr kranker David ist.
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In 1927 - Über 22.500 Kinos in Nordamerika

Nicht nur, daß die Vereinigten Staaten von Nordamerika rund doppelt so viel Einwohner haben wie Deutschland (das stimmte damals schon nicht - es waren mindestens 1:3) : es gibt in Nordamerika über 22.500 Kinos, während es in Deutschland nur 3.600 gibt. Das Verhältnis Deutschland-Amerika ist also nicht 1:2, sondern 1:6.

Das Verhältnis ist noch schlechter, weil amerikanische (Stumm-)Filme auf der ganzen Welt gespielt werden; der deutsche Film hat bisher nur mit einigen großen Filmen, die Lubitsch, Lang, Berger, Murnau, aber auch Joe May und Oswald gemacht haben, den Weltmarkt erobert.

Die Grundlagen und die Gefahren

Die Quintessenz faßt Klitzsch in folgenden Worten zusammen, die er dem Aufsichtsrat der UFA - mit starkem sächsischem Akzent vorträgt:

„Die Amerikaner können uns aushungern! Die Amerikaner können zusehen, daß die Parufamet pleite geht. Die paar Millionen Dollar, die sie dabei verlieren, spüren sie gar nicht. Die UFA kann es sich gar nicht erlauben, zu warten. Sie kann es sich nicht erlauben, Prozesse zu führen, die wir übrigens höchstwahrscheinlich verlieren würden. Das wenigstens meint Corell. Die Situation ist bedenklich, um nicht zu sagen aussichtslos!"

UFA Generaldirketor Klitzsch schifft sich nach USA ein

„Was wollen Sie tun?" fragt Hugenberg. „Ich werde nach Amerika fahren und mit den Leuten reden!" antwortet Klitzsch.

Ende April 1927 hat er sein Amt angetreten. Drei Monate später - am 15. Juli - schifft er sich nach New York ein. In New York mißt man 36° Celsius im Schatten. Manhattan kocht. Die Amerikaner laufen in Hemdsärmeln herum. In allen Büros, in allen Geschäften, Restaurants, Theatern, Kinos, Hotels gehen die Ventilatoren auf Hochtouren. Wer es irgendwie scharfen kann, hat die Stadt verlassen.

Die reichen Leute sind nach Europa gefahren oder leben auf ihren Landsitzen auf Long Island, woher von der See eine frische Brise weht. Die Wallstreet ist wie stets um diese Jahreszeit verödet. Ludwig Klitzsch hat mit diesem Stand der Dinge nicht gerechnet.

Er und seine Begleiter - er hat einen juristischen Sachverständigen mitgenommen und zwei Herren aus der Buchhaltung - sitzen im Hotel Plaza an der Fifth Avenue gegenüber dem Central Park und schwitzen.

Bei 36° - Sie sind aber UFA-Geschäftsleute der alten Schule

Die UFA-Leute sind Geschäftsleute der alten Schule. Sie legen auf korrektes Äußeres wert. Sie tragen dunkle Anzüge und hohe steife Kragen zu Konferenzen. Sie würden nicht daran denken, sich ihrer Jacketts zu entledigen oder auch nur einen Kragenknopf zu öffnen.

So was gehört sich nicht - und schon gar nicht, wenn man ein Unternehmen wie die UFA im Ausland vertritt. Die Partie scheint, schon bevor sie begonnen hat, für die Deutschen verloren.

Das furchtbare Wetter, die Abwesenheit der Filmgewaltigen, ihre Unlust, im August Geschäfte zu tätigen - das alles fällt gegen Klitzsch ins Gewicht.
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Und was hat Klitzsch denn anzubieten?

Überhaupt nichts! Aber er ist viel zu gescheit, um zu bitten. Er ist viel zu gescheit, um sich in die Karten sehen zu lassen. Genaugenommen hat er gar keine Karten, zumindest keine Trümpfe.

Genaugenommen gibt es auch gar kein Geheimnis, das er den Amerikanern vorenthalten könnte. Aber gerade diese einmalig ungünstige Situation verwandelt sich für die UFA ins Gegenteil.

Der Zar des amerikanischen Films, William H. Hays, der als Chef einer Art Selbstkontrolle über allen Filmgesellschaften schwebt und von ihren Direktoren gefürchtet wird - er kann durch sein Veto jedes Filmvorhaben zunichte machen - gibt ein großes Essen für Klitzsch auf dem Dachgarten des Astor Hotels am Times Square.

Es ist eine Riesen"affäre" (alos eine Party) mit dreihundert Personen, darunter vielen Journalisten.

Die Anwesenheit der Journalisten hat einen tieferen Grund.

Natürlich stürzen sie sich auf Klitzsch, um ihn zu fragen, warum er nach Amerika gekommen ist. Aber interessiert es wirklich ihre Zeitungen, warum der Generaldirektor einer deutschen Filmgesellschaft, die das große amerikanische Publikum nicht einmal dem Namen nach kennt, nach New York gekommen ist, und was er hier zu tun beabsichtigt? Es interessiert sie nicht im geringsten.
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Warum Klitzsch in die USA gekommen ist interessiert ganz wenige

Aber die Filmgewaltigen, von denen nur wenige auf dem Dachgarten des Hotel Astor sitzen, sind um so begieriger, Klitzschs Absichten kennenzulernen. Sie halten es für ausgeschlossen, daß der Generaldirektor der UFA ohne eine geheime Waffe nach New York gekommen ist, ohne ein Druckmittel, das seine Partner zur Lösung des Vertrages nötigen würde.

So langsam kommen die Informationen zusammen

Sie zerbrechen sich den Kopf, welche Waffe der UFA-Chef Klitzsch in seinem Smoking verborgen hält. Der Draht spielt zwischen Berlin und New York. Man will alles über Klitzsch erfahren. Der Name Hugenberg taucht auf. Über den weiß man zumindest in der Wallstreet Bescheid - und nun glauben die Filmgewaltigen, die Situation zu erkennen.

Hugenberg ist, das haben sie erfahren, einer der mächtigsten Männer in Deutschland. Hugenberg war der Direktor der Kruppwerke, ist der Chef eines riesigen Zeitungskonzerns.

Die Gerüchteküche brodelt - wie immer, wenn es Geheimnisse gibt

Hugenberg hat also sicher die besten Beziehungen zur deutschen Regierung. Und Hugenberg wird, so vermutet man, in Berlin auf eine Änderung der Gesetze über Filmeinfuhr drängen.

Klitzsch ahnt nichts von allen diesen Vermutungen, die über ihn und seine Mission umherschwirren. Er gibt sich ganz natürlich. Er sagt, daß der bestehende Parufamet-Vertrag die UFA ruiniert und daß, wenn die UFA ihre Tore schließe, auch die Parufamet automatisch erledigt sei.

Also halte er es auch im Interesse der Metro-Goldwyn-Mayer und der Paramount für das Richtigste, wenn nun der Vertrag gelöst werde.

Noch lächeln Amerikaner überlegen.

Sie bewundern Klitzsch, den gescheiten Verhandler. Er hat sicher eine tödliche Waffe in der Tasche. Er braucht nur an Hugenberg zu telegrafieren, und die deutsche Regierung wird durch irgendein nagelneues Gesetz die Einfuhr amerikanischer Filme stoppen!

Denken sie. Aber Klitzsch wäre viel zu gescheit, denken sie, um dies auch nur zu erwähnen. Er wisse, daß ein Schwert a la Damokles, das über Hollywood hängt, wirkungsvoller ist als eines, mit dem man zustößt. Zustoßen kann man nur einmal.

So denken die Filmgewaltigen auf dem Astor-Dachgarten und diejenigen, die sich haben entschuldigen lassen und auf Long Island oder in Hollywood der kommenden Ereignisse harren.

Das waren bislang bur unausgesprochene Gedanken

Bei dem großen Essen wird von alledem nicht gesprochen. Es werden nur einige bombastische und nichtssagende Reden gehalten. Hays läßt den deutschen Film hochleben, Klitzsch den amerikanischen Film. Hays äußert einiges über „deutsche Kunst", Klitzsch etwas über „internationale Zusammenarbeit".

Schließlich läßt er sogar das Wort „reciprocity" fallen. Zu deutsch heißt das: „Gegenseitigkeit". Klitzschs Englisch ist weit davon entfernt, perfekt zu sein, um so mehr als er es mit starkem sächsischem Akzent spricht. Das Wort „reciprocity" versteht keiner der Anwesenden, als er es in seiner Rede zum ersten Male ausspricht.

„Was hat er gesagt?" fragen sich die Gäste und Reporter. „Was hat er gesagt?" Als erster versteht Hays. Ist der Mann aus Deutschland verrückt geworden? Glaubt er wirklich, daß man in Amerika für jeden amerikanischen Film, der in Deutschland läuft, einen deutschen Film aufführen wird?

Ist es das, was die deutsche Regierung durch diesen Mann erzwingen will? Mehr Tischreden. Mehr Toaste. Mehr Eiswasser wird hinuntergestürzt, damit in der unerträglich heißen Sommernacht auf dem Dachgarten mehr geschwitzt werden kann.
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Die Zeit verstreicht

In den nächsten Tagen Beratungen der Filmgewaltigen. Dann wird Klitzsch in das Haus von Marcus Loew eingeladen, des eigentlichen Chefs der Metro-Goldwyn-Mayer, des Gewaltigsten aller amerikanischen Filmgewaltigen.

In sein Haus? Marcus Loew bewohnt kein Haus. Er besitzt einen Palast inmitten eines riesigen Parkes mit Schwimmbassin, Tennisplätzen und einer eigenen Hafenanlage, von wo ihn sein privates Motorboot in kürzester Frist über den Sund von Long Island und den East River in sein Büro in der Wallstreet bringen kann. Klitzsch ist von allem dem beeindruckt.

Jeder ist von dem anderen beeindruckt

Marcus Loew ist wiederum von Klitzsch beeindruckt. Er findet, daß der deutsche Generaldirektor eigentlich ein sehr vernünftiger Mann ist. Klitzsch ist also gekommen, um einer unhaltbaren Situation ein Ende zu machen?

Er tat gut daran! Er droht nicht, er setzt nur auseinander, daß es so nicht weitergehen kann. Das ist das Beste, was er tun kann. Denn mit Drohungen wäre ein wie Marcus Loew nicht einzuschüchtern.

Das deutsche Geschäft spielt für ihn, der die Aktienmajorität der größten Filmgesellschaft der Welt besitzt und etwa fünfundzwanzig Prozent sämtlicher amerikanischer Kinopaläste kontrolliert, überhaupt keine Rolle.

Übrigens ist er ein alter und ein kranker Mann und wird nicht mehr lange leben. Aber er begreift, daß es für die Filmindustrie im ganzen nicht gut sein kann, wenn die größte Filmfirma eines großen Landes wie Deutschland ausfällt.

Im Namen der Metro-Goldwyn-Mayer verspricht Marcus Loew dem Generaldirektor Klitzsch, den Parufamet-Vertrag zu lösen.
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Ein Mann - ein Wort. Wäre alles erledigt, wenn ..

Ein Mann - ein Wort. In drei Tagen ist alles erledigt. Wäre alles erledigt, wenn ... Aber da ist noch die Paramount, der zweite Vertragspartner. Die Verhandlungen mit der Paramount gestalten sich ungleich schwieriger. Denn hier hat es Klitzsch nicht mit einem Partner zu tun, sondern mit sechs oder sieben Direktoren.

Und diese sechs oder sieben Direktoren haben alle den gleichen Verdacht: der alte Loew ist sicherlich nicht von dem Parufamet-Vertrag zurückgetreten, ohne etwas dafür zu erhalten, und wenn Klitzsch das versichert, dann schwindelt er eben.
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Paramount ist extrem mißtrauisch gegenüber Klitzsch

Ohne Zweifel existiert ein Geheimvertrag zwischen Klitzsch und Loew mit dem einen Ziel: die Paramount soll aus dem deutschen Geschäft gestoßen werden. Vergebens versichert Klitzsch: „Es besteht kein Geheimvertrag! Es besteht überhaupt kein Vertrag, meine Herren. Mr. Loew hat mich freigegeben. Wir haben uns die Hände geschüttelt - und das ist alles!"

Die Verhandlungen ziehen und ziehen sich hin.

Die Paramount sagt, die erste Vorbedingung zur Lösung eines Kontraktes sei - selbstverständlich - die Rückzahlung des Geldes, das sie in die UFA gesteckt habe, der Hälfte von vier Millionen Dollar, also von rund neun Millionen Mark.

„Wir werden das Geld zurückzahlen", erklärt Klitzsch, „aber nicht sofort." „Sie glauben doch nicht ernstlich, daß wir Sie aus dem Vertrag lassen, bevor das Geld auf dem Tisch liegt!" „Wir haben das Geld nicht ..." „Mr. Loew wird es Ihnen vorstrecken." „Wie käme er dazu?" „Dann wird es Ihnen die deutsche Regierung leihen."

„Die UFA ist ein Privatunternehmen." „Herr Hugenberg besitzt, wie man uns informiert hat, die besten Beziehungen zur deutschen Regierung!"
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Und jetzt pokert Klitzsch

Jetzt hat Klitzsch genug. Er steht auf: „Die ,Columbus' hat heute im New Yorker Hafen festgemacht. Sie fährt morgen nach Bremen zurück. Ich habe Kabinen belegt. Adieu, meine Herren!"

Generaldirektor Ludwig Klitzsch ist entschlossen, nach Deutschland zurückzukehren. Er sieht die amerikanische Situation als völlig verfahren und aussichtslos an. Er wird Hugenberg raten, die UFA zu liquidieren.

Und ohne UFA gibt es keine Parufamet mehr. Man kann ja dann aus den Trümmern der UFA vielleicht eine neue Filmgesellschaft aufbauen.

Die von Paramount glauben es immer noch nicht

Die Amerikaner von Paramount glauben nicht einen Augenblick daran, daß Klitzsch wirklich abfahren will. Sie erwarten, daß er telefonieren wird, morgen oder spätestens übermorgen. Dann wird man weiter verhandeln. Aber sicher ist sicher.

Eine Sekretärin wird abkommandiert, um sich beim Empfangschef des Hotels Plaza zu erkundigen. Ihrem erschütterten Chef teilt sie mit: „Es stimmt! Die deutschen Herren reisen ab!"

Panik bei der Paramount. „Klitzsch hat also nicht geblufft! Und was kann man jetzt noch tun?" Das Ei des Kolumbus wird ausgebrütet:

Einer der Paramount - Direktoren wird ebenfalls mit der „Columbus" nach Europa fahren. So ganz zufällig. So ganz zufällig wird er ins Gespräch mit Klitzsch kommen. Die „Columbus" braucht sechs Tage bis Bremen. In sechs Tagen wird man sich bei einigem guten Willen geeinigt haben.

Der Paramount-Direktor eilt nach Hause, um das Nötigste zu packen. Eine Stunde später Anruf der bewußten Sekretärin: „Haben Sie schon die Abendzeitung gelesen, Sir?" „Nein. Was gibt es? Reden Sie schon!"

Die ,Columbus' ist defekt und fährt morgen nicht

Wieder einmal hat das Leben einen Einfall gehabt, der verrückter ist als der verrückteste Einfall eines Filmautors. Die Sekretärin: „Sie reisen morgen nicht auf der ,Columbus'. Die ,Columbus' fährt nämlich gar nicht. Es hat sich herausgestellt, daß sie eine Schiffsschraube verloren hat. Die Reparatur wird voraussichtlich drei oder vier Tage dauern."

Auch Klitzsch liest das und ist verärgert

Zur gleichen Zeit liest Klitzsch die Abendzeitungen und erfährt von der Sache mit der Schiffsschraube. Er ist ärgerlich. Er hat schon so viel Zeit verloren! Gibt es denn kein anderes Schiff in den nächsten Tagen? Nein, es gibt kein anderes schnelles Schiff in den nächsten Tagen!

Dann muß er also warten. Aber wenn er auch vier Wochen warten müßte, zur Paramount wird Klitzsch nicht mehr gehen. Er betrachtet die Verhandlungen als abgeschlossen. Er geht nicht mehr zur Paramount.
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Die Paramount kommt in Zugzwang

Aber die Paramount kommt zu ihm. Da die Amerikaner wissen, daß es ihm ernst mit der Abreise war, dringen sie nun ihrerseits auf Erledigung des ganzen Komplexes.

Was in Wochen nicht gelungen ist, wird in wenigen Tagen zustande gebracht. Zwar erreicht es Klitzsch nicht, ganz aus dem Parufamet-Vertrag herauszukommen. Aber immerhin braucht die UFA nicht fünfundsiebzig Prozent ihrer Spielzeiten den Parufamet-Filmen zur Verfügung zu stellen, sondern nur noch fünfzig Prozent, und auch diese fünfzig Prozent werden darauf auf 33,3 Prozent heruntergedrückt.

Entscheidend: Die UFA muß ihre Filme nicht mehr durch Parufamet verleihen lassen, sondern darf es durch ihren eigenen UFA - Verleih tun. Dafür erklärt sich Klitzsch bereit, die vier Millionen Dollar in Raten zurückzuzahlen.

Der Parufamet-Vertrag soll nach zwölf Jahren, also Ende August 1939, auslaufen. Aber die Parufamet lebt nicht mehr so lange. Sie geht an Schwindsucht zugrunde, daran, daß Klitzsch immer wieder neue Konferenzen anberaumen, immer wieder neue „Milderungen" fordern und auf seine ruhige, joviale, fast bescheidene Art durchsetzen wird.

Er bleibt ohne viel Pathos, ohne ein einziges Mal seine Stimme zu erheben, Sieger auf der ganzen Linie. Und die UFA ist durch ihn schließlich gerettet.
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