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Die Geschichte der Filmtechnik in Kurzform.
Wie man 1750 lernte, das Auge zu täuschen

Das Filmmuseum in Frankfurt

Von d'Arcy, Frankreich, wurde etwa 1750 die Entdeckung gemacht, daß das Bild eines leuchtenden Kreises entsteht, wenn man ein an einem dünnen Draht befestigtes Stück glühende Kohle schnell im Kreise schwingt. Die Trägheit der Sehempfindung läßt den Eindruck des bewegten glühenden Punktes nachwirken, so daß der Bildeindruck eines Kreisbogens entsteht. Bei genügend hoher Drehgeschwindigkeit (etwa 8 Umdrehungen/s) schließt sich das vom Auge wahrgenommene Bild zu einem Kreis.

Die Ausnutzung der Nachwirkung des Bildeindrucks und die gleichzeitige Anwendung des Effektes, daß schnell aufeinanderfolgende Einzelbilder als zusammengehörig empfunden werden, führten etwa 1830 zur Konstruktion der bekannten Lebensräder. Eine Ausführungsform eines solchen Lebensrades besteht aus zwei um eine horizontale Achse drehbaren Scheiben. Auf der einen Scheibe sind Bewegungsphasenbilder, z. B. einer tanzenden Figur, aufgemalt, die andere Seite besitzt radiale Schlitze.

Dreht man die beiden Scheiben in entgegengesetzter Richtung, so entsteht beim Blick durch die Betrachtungsschlitze der Eindruck, als ob sich die Figur bewege, und zwar kontinuierlich, obwohl die Einzelbilder diskontinuierliche Bewegungsphasen darstellen. Durch Fr. Uchatins (1801-1881) wurde 1845 der beschriebene Effekt für die Projektion von Bildern verwendet. - Die Darstellung längerer Bewegungs- oder Handlungsabläufe war natürlich mit diesen Vorrichtungen nicht möglich.

In der Zeit der zunehmenden Verbreitung der Lebensräder
wurden etwa gleichzeitig von L. Daguerre (1787-1851) und J. Niepce (1765-1833), jedoch unabhängig voneinander, die wichtigsten Entdeckungen auf dem Gebiet der Fotografie gemacht. Unter Anwendung der alten "camera obscura" hatte jeder für sich eine Möglichkeit gefunden, das von einer Optik im Dunkelraum entworfene Bild auf chemischem Wege zu fixieren.

Sie schlossen 1829 einen Vertrag zur gemeinsamen Weiterarbeit auf dem Gebiete der Fotografie. Knapp 50 Jahre Entwicklungsarbeit verbesserten die "Daguerreotypie" so weit, daß die Belichtungszeit für eine Fotoaufnahme von etwa 1/2 Stunde auf 1/1ooo Sekunde herabgesetzt werden konnte.

Die "lebende Photographien" in Berlin 1894

Jetzt war E. Muybridge (1830-1904) imstande, seine Reihenbilder von Tierbewegungen als Momentaufnahmen mit einer größeren Anzahl von Einzelkameras durchzuführen (1872-1878). O. Anschütz (1846-1907) vervollkommnete die Methode von Muybridge und machte zwischen 1882 und 1887 eine große Anzahl von Tierbewegungs-Studien. Er entwickelte ebenfalls ein Betrachtungsgerät auf der Basis des Lebensrades, sein "Tachyskop" (Schnellseher). Es wurde von der Firma Siemens in Berlin gebaut und 1893 auf der Weltausstellung in Chikago gezeigt. Mit dem "Elektro-Tachyskop" führte Anschütz 1894 in Berlin "lebende Photographien" auf einer Bildwand von 6 X 8 m vor.

Angeregt durch die Experimente des französischen Professors J. Maray
und die Erfolge von Muybridge sowie die Konstruktion des Schnellsehers von Anschütz, beschloß Thomas A. Edison (1847-1931), sich an der Weiterentwicklung der "lebenden Photographie" zu beteiligen (1888). Er benutzte für seine Arbeiten Rollfilm mit seitlichen Perforationslöchern, so daß der Filmstreifen von Zackenrollen gezogen werden konnte. Dabei legte er das Bildformat mit 3/4 Zoll X 1 Zoll und 4 Perforationslöchern pro Bildhöhe als Norm fest.

Mit seiner Aufnahmekamera, dem Kinetograph, begann Edison Kurzfilme zu produzieren, die er für die von ihm in großer Anzahl hergestellten und verkauften Kinetoscop-Vorführungsgeräte (ab 1892) benötigte. Diese mit Schlitzscheiben arbeitenden Geräte konnten jeweils nur von einer Person benutzt werden. Erst 1896 führte Edison mit dem von Th. Armat (1866-1948) konstruierten Edison-Vitascop-Projektor die erste Groß-Projektion in New York durch.

Nachdem Reihenbildaufnahmen durch Projektion
einem größeren Zuschauerkreis als "lebende Photographie" sichtbar gemacht werden konnten, richtete sich das Interesse reisender Schaustellerunternehmungen auf diese neue Technik. Die Gebrüder M. und E. Skladanowsky (1863-1939, 1866-1945), Berlin, entwickelten in eigener Werkstatt einen Projektor, mit dem sie 1895 im Berliner Wintergarten öffentliche Vorführungen veranstalteten, Es handelte sich um einen Doppelprojektor (Bioscop) für "Breitfilm" (65mm) und absatzweisen Filmtransport. Mit einer selbstgebauten Kamera produzierten die Skladanowskys alle für ihren Projektor benötigten Filmstreifen selbst.

Der Filmstreifen und die Projektion

Fast gleichzeitig fanden in Paris (1895) öffentliche Projektionsvorführungen durch die Gebrüder A. und L. Lumiere (1862 bis 1954 und 1864 bis1948) statt. Ihre Geräte arbeiteten mit Filmstreifen, die sich der Edisonschen Norm annäherten. Auf der Grundlage dieser vor allem in den USA, in Frankreich und Deutschland geleisteten Vorarbeiten konnte sich nun eine betriebsreife Technik des stummen Schwarz-Weiß-Films entwickeln und zu einer ersten Blütezeit der Filmindustrie führen.

O. Messter, Berlin (1866-1943) übernahm das Filmformat von Edison und baute ab 1896 eine große Anzahl brauchbarer Projektoren. Er benutzte eine verbesserte Malteserkreuzanordnung für die absatzweise Fortschaltung des Films und machte sich durch den Bau einer eigenen Aufnahme-Kamera und von Filmbearbeitungsgeräten unabhängig von der amerikanischen Film-Produktion. Schon frühzeitig - und zwar alsbald nach der Erfindung des Phonographen durch Edison - war aber der Gedanke aufgetaucht, den Bildfilm durch den zugehörigen Ton zu ergänzen.

Das Streben zur Perfektion durch den Ton

Ein Mitarbeiter Edisons, W. K. L. Dickson, führte 1889 erstmalig mit einer provisorisch zum Projektor umgebauten Kinetographen-Kamera und einem Phonographen einen kurzen sprechenden Film vor. Trotz weiterer Entwicklungsarbeiten und öffentlicher Vorführungen (z. B. O. Messter 1903 in Berlin) konnte sich diese Art von Tonfilmen mit Nadeltonschrift nicht durchsetzen, und zwar wegen der Synchronisierungsschwierigkeiten zwischen Bild und Ton und der geringen Lautstärke der mechanisch-akustischen Tonwiedergabe. Erst die Erfindung der Verstärkerröhren gab der Entwicklung des Tonfilms einen neuen Impuls.

In Deutschland schlossen sich 1918 in Berlin H. Vogt (geb. 1893),J. Engl (1893-1943) und J. Massolle (1889-1957) zur "Triergon", dem "Werk der Drei", zusammen und betrieben unter Ausnutzung aller damals bekannten physikalischen und technischen Möglichkeiten die systematische Entwicklung eines Tonfilmsystems. Sie konnten sich dabei auf Untersuchungen von E. Ruhmer stützen, der 1901 wohl als erster tatsächlich eine photographische Tonaufzeichnung auf laufendem Film zustande gebracht hatte.

Die Erfindung, Schallschwingungen zu photographieren und mit der Bildphotographie auf dem gleichen Filmstreifen zu vereinigen, gestattete die Überwindung der Synchronschwierigkeiten und führte, unterstützt durch vielseitige technische Verbesserungen einer interessierten Industrie, zu einer zweiten Blütezeit des Films.


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