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typische historische Kamera

Zum Auffrischen und Erinnern . . . .

. . . sind diese Seiten hier gedacht, denn viele wissen nicht mehr oder noch nicht, wie es damals angefangen hat und wie das wirklich funktioniert mit dem Fernsehen, den Kameras, den Videorecordern, den Tonband- und den Magnetband- geräten aus alter Zeit. Viele Bilder können Sie durch Anklicken vergrößern.

Ein Rückblick: 50 Jahre - Die FESE von 1929 bis 1979 . . . .

Eine umfassende Firmen-Historie von Dipl. Ing. Frithjof Rudert aus dem Hause Fernseh GmbH - geschrieben im November 1978 zum 50 jährigen Bestehen. Diese Seiten wurden überarbeitet und ergänzt vom Web-Autor gr. - Und was zeitlich davor kam, steht auf diesen Seiten.
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Eine Kamera mit elektronischem Sucher

Schon zu dieser Zeit gab es ein Ausführungsmodell mit einem elektronischen Sucher, doch wurde diese Version wegen gewisser Bedenken, die zusätzliche Elektronik noch in die Kamera einzubauen, zunächst nicht in das Lieferprogramm aufgenommen. 1939 konnte die dritte Kamera-Generation vorgestellt werden. Charakteristisch für sie war die Verwendung von Ikonoskopröhren mit Vorabbildung.

 

Während bei den bis dahin üblichen Speicherröhren das aufgenommene Bild optisch unmittelbar auf die Mosaikspeicherplatte projiziert wurde, wird bei der Speicherröhre mit Vorabbildung das optische Bild auf eine durchsichtige Photokathode geworfen und die dort entstehenden Photoelektronen elektronenoptisch auf der Speicherplatte abgebildet. Auf diese Weise konnte die Lichtempfindlichkeit wesentlich gesteigert werden. Das gleichmäßig helle Sucherbild konnte beidäugig über eine Lupe betrachtet werden.

 

Mitte 1939 übernahm die Reichspost-Fernseh-Gesellschaft den Studiobetrieb im Deutschlandhaus, der am 1. November 1938 als „ein regelmäßiger Bühnenbetrieb" aufgenommen worden war.

 

Die notwendigen Studiogeräte stammten zum größten Teil von der Fernseh AG: 4 Ikonoskop- Kameras, 1 mechanischer Zwillings- Filmabtaster, 1 Sondenröhren- Filmabtaster und 1 Sondenröhren- Diaabtaster. 1940 kamen noch 1 Ikonoskop- Kamera mit Vorabbildung und 2 Sondenröhren- Filmabtaster dazu. Die Ausrüstung des Regieraumes mit 5 Bildkontrollgestellen und dem Bildmischpult stammte ebenfalls aus unserem Haus.

Fernsehen hieß immer noch „Fernkino",

Das „Fernkino", wie die Sendung von Filmen noch 1935 im Wochenprogramm des Rundfunks genannt wurde, hatte große Bedeutung für die Programm- gestaltung. Dementsprechend wurde dieses Gebiet von der Fernseh AG mit besonderer Sorgfalt bearbeitet. Den 30-Zeilen-Abtastern mit einfacher Lochscheibe von 1929/30 folgten 1931 Abtaster mit 90 und 120 Zeilen bei 25 Bildern/s. Nach der Normung von 180 Zeilen wurde eine Anlage für hohe Betriebsansprüche gebaut, bei der erstmals eine 4fach-Kreislochscheibe im Vakuum lief, um die Luftreibung zu vermindern und die Verschmutzung der Löcher zu vermeiden. Die Umdrehungszahl betrug 6000 U/min, die Kantenlänge der Abtastöffnung 0,15 mm.

 

Die Synchronisierzeichen wurden durch Schlitze in der Scheibe gewonnen. Für den Filmtransport diente eine Ernemann-Kinomaschine mit Bogenlampe und wassergekühltem Bildfenster. Es konnten Filme bis 1500 m Länge vorgeführt werden. Mit einem Personenabtaster, in dem eine gleichartige Spirallochscheibe sowie als Lichtquelle eine 150-A-Hochintensitäts-Lampe mit einem Lichtstrom von 25 000 Lumen verwendet wurde, konnte ein Feld von 1 x 1,3 m abgetastet werden.

 

Übrigens: Damals 1936 wurde immer noch von dem Bildfänger und dem Bildschreiber gesprochen. Das zog sich bis nahezu 1945 durch, denn die AEG (und damit Telefunken) entwickelte und produzierte ja auch noch den Tonschreiber, das AEG Magnetophon.

 

Beide Anlagen wurden Ende 1934 im Versuchsstudio der Reichspost zur Modulation des Berliner Fernsehsenders eingesetzt. Bei 180 Zeilen blieb die Entwicklung nicht stehen. Eine höhere Zeilenzahl und damit eine bessere Auflösung ließ sich technisch verwirklichen, der Übergang auf 50 Bildwechsel/s war notwendig, um das störende Flimmern zu beseitigen, das sich im Zusammenhang mit den neuentwickelten hellen Bildröhren bemerkbar machte. 1935 stellten wir einen Filmabtaster mit 320 Zeilen vor und im Olympia-Jahr 1936, das durch die regelmäßige Aussendung von 180-Zeilenbildern in die Geschichte einging, einen Abtaster für 375 Zeilen mit 50 Bildwechseln/s nach dem Zeilensprungverfahren. Die Abtaster mit Zerlegerscheibe setzten zwar eine höchstentwickelte mechanische Präzision voraus, lieferten aber Bilder hoher Auflösung mit eindeutig definiertem Schwarzwert.

Der erste elektronische "Abtaster"

Um diese Vorteile weiter zu nutzen, wurde für 441 Zeilen nochmals ein sogenannter Universalabtaster konstruiert, dessen Gesamtkonzept eine außerordentliche Leistung darstellte. Eine einzige Zerlegerscheibe diente zur gleichzeitigen Abtastung von Personen, Filmen und Diapositiven. Die Scheibe läuft mit 10 500 U/min im Vakuum, die Abtastlöcher sind in zwei 7fach-Spiralen angeordnet.

 

882 haarfeine Löcher von 0,06 mm Durchmesser für die Erzeugung des Zwischenzeilen- Rasters und 441 Schlitze für die Synchron-Impulse  waren  mit höchster Teilungsgenauigkeit eingestanzt. Die genau ausgewuchtete Zerlegerscheibe selbst hat einen Durchmesser von 720 mm und bestand aus einer 0,3 mm starken Leichtmetallegierung mit vergüteter Oberfläche. Auf dem grob gelochten Scheibenkörper waren 0,01 mm starke Plättchen befestigt, in die die Abtastlöcher eingearbeitet waren.

 

Im eigenen Haus entwickelte Photozellen mit hoher Sekundärelektronen verstärkung gestatten, auf Bogenlampen zu verzichten und Glühlampen zu verwenden, die stets betriebsbereit und einfach zu bedienen sind. Bemerkenswert ist eine Beleuchtungseinrichtung für die Personenabtastung. Bisher mußte der Abtastraum dunkel gehalten werden. Hier wird nun die Abtastkabine mit Hilfe einer Blendenscheibe während des Bildrücklaufs kurz beleuchtet, während beim Abtastvorgang die Kabine dunkel bleibt. Die 50 Lichtimpulse je Sekunde reichen zum Lesen aus.

 

Mit diesem Abtaster, der 1938 geliefert wurde, ging die Ära des mechanischen Fernsehens zu Ende. Danach fertigte die Fernseh GmbH ausschließlich elektronische Abtaster mit der Sonden-Röhre, aber auch die Abtastung nach dem Flying-Spot-Verfahren war in der Entwicklung fertig durchgearbeitet.

1932 war das Jahr der Hochvakuum-Röhre

Die bereits erwähnte erste Hochvakuum-Röhre für die Bildwiedergabe war magnetisch fokussiert und statisch abgelenkt. Sie stand 1932 zur Verfügung und wurde 1933 auf der Funkausstellung gezeigt.

 

In einem Bericht zur Funkausstellung 1934 heißt es:

„Die Fernseh AG hat den Bau von Braunschen - Röhren mit den dazugehörigen Apparaten im letzten Jahr weitgehend gefördert. Der Hochvakuumtyp der Braunschen Röhre, der auf der vorjährigen Ausstellung zum erstenmal von der Fernseh AG gezeigt wurde, ist inzwischen erfolgreich weiter entwickelt und sehr vervollkommnet worden. Vor allen Dingen wurde Wert daraufgelegt, eine möglichst hohe Lebensdauer der Röhren zu erreichen. Die in dem Fernsehempfänger benutzte Braunsche Röhre hatte einen Schirmdurchmesser von 40 cm und war mit den zugehörigen Kippgeräten, dem Anodenspannungsgerät und den drahtlosen UKW-Empfangern für Bild und Ton in einem gemeinsamen geschmackvoll ausgestalteten Gehäuse untergebracht.

 

Die durch das elektrisch abgelenkte Elektronenstrahlbündel auf dem Schirm ausgeleuchtete Fläche ergab ein Bild von 24 x 30 cm. Es war das größte Röhrenbild, das auf der Ausstellung gezeigt wurde. Bei einer ausreichenden Punktschärfe waren auch die Halbtöne im Bild gut durchgesteuert. Ohne die Bildgüte aller übrigen Röhrenbilder zu mindern, kann gesagt werden, daß die Bilder der Fernseh AG einen vorzüglichen Eindruck machten und sehr befriedigten".

 

Die Erkenntnis, daß der Elektronenstrahl in Braunschen Röhren durch statische Felder in nur begrenztem Umfang zu beeinflussen ist (Randunschärfe, begrenzter Strahlstrom, kleine Ablenkwinkel), führte dazu, auch für die Ablenkung magnetische Felder anzuwenden. So entstanden die vollmagnetischen Röhren, die von da an als Bildwiedergaberöhren verwendet wurden. Unsere vollmagnetische Bildröhre mit 50 cm Schirmdurchmesser (Bildgröße 40 x 30 cm) wurde in 180-Zeilen-Standempfänger eingebaut, wie sie während der Olympischen Spiele 1936 in zahlreichen Fernsehstuben in Berlin aufgestellt waren.

 

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