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typische historische Kamera

Zum Auffrischen und Erinnern . . . .

. . . sind diese Seiten hier gedacht, denn viele wissen nicht mehr oder noch nicht, wie es damals angefangen hat und wie das wirklich funktioniert mit dem Fernsehen, den Kameras, den Videorecordern, den Tonband- und den Magnetband- geräten aus alter Zeit. Viele Bilder können Sie durch Anklicken vergrößern.

2.7 Leblanc 1880

Im November 1880 beschrieb Maurice Leblanc in einer Studie über die elektrische Übertragung von Lichteindrücken [18] die virtuelle Rasterung des Bildfeldes durch einen mit Zeilen- und Bildfrequenz um zwei zueinander senkrechte Achsen schwingenden Spiegel. Als photoelektrischen Wandler auf der Geberseite wollte er neben der Selenzelle auch eine Anordnung verwenden, die den Strahlungsdruck (!) des Lichts ausnutzte; als elektrooptischen Wandler schlug er ein elektromagnetisch gesteuertes Lichtventil mit verschiebbarer Blende vor.

und die Idee vom Farbfernsehen

Leblanc dachte sogar schon an ein Farbfernsehen: Der von jedem Element des zu übertragenden Bildes ausgehende Lichtstrom sollte durch ein Prisma spektral zerlegt werden. Selenzellen in den sieben Farbzonen waren mit ebensovielen Lichtrelais auf der Empfangsseite verbunden, die von einer ebenfalls durch ein Prisma zerlegten weißen Strahlung bestimmte, der Beleuchtungsstärke der entsprechenden Selenzellen proportionale Lichtströme durchließen. Diese farbigen Lichtbündel sollten dann von einer Sammellinse wieder zu einem in Leuchtdichte und Farbe dem Element auf der Geberseite gleichen Bildpunkt vereinigt werden. Er habe sich vorgenommen, schrieb Leblanc, "das Prinzip einer vollständigen Lösung anzugeben, wie schwierig deren Realisierung auch erscheinen möge". Verwirklicht wurde später nur sein Schwingspiegel-Zerleger.

2.8 Bidwell 1881

Im Februar 1881 gelang es Shelford Bidwell, vor Mitgliedern der Physikalischen Gesellschaft in London mit einem "Phototelegraphen" Schattenbilder tatsächlich elektrisch zu übertragen: Das Original wurde auf die Vorderwand eines kleinen Kastens mit einer Bildsondenöffnung von 4 mm x 4 mm projiziert, in dessen Innerem sich die Selenzelle befand. Durch ein Nockengetriebe erhielt derKasten eine zeitproportionale Vertikalbewegung mit schnellem Rücklauf, während er gleichzeitig durch eine Schraubenspindel langsam quer dazu in waagerechter Richtung verschoben wurde.

 

Auf der Empfangsseite reproduzierte ein Platinstift das Bild elektrochemisch auf einem mit Jodkalium getränkten Papier, das auf eine rotierende längsverschobene Metalltrommel aufgespannt war. Den Gleichlauf zwischen beiden Apparaten erreichte der Erfinder bei seinen Demonstrationen einfach durch mechanische Kupplung. Neu an Bidwells "Phototelegraph" ist die heute noch gebräuchliche sägezahnförmige Abtastung des Bildfeldes.

2.9 Nipkow (Die Nipkowscheibe) 1884

Einen für jene Zeit erstaunlichen Fortschritt in der Entwicklung des Fernsehens brachte eine Erfindung des damaligen Studenten der Naturwissenschaften Paul Nipkow aus Berlin (siehe auchdie Paul Nipkow Story). In seinem Deutschen Reichspatent Nr. 30105 vom 6. Januar 1884, das George Shiers mit Recht als das "master television patent" bezeichnet, beschrieb der Erfinder unter dem Titel "Elektrisches Teleskop" ein Fernsehverfahren mit virtuellem Raster; das rund 40 Jahre später in allen technisch entwickelten Ländern die Grundlage des Fernsehens bilden sollte und in Deutschland vereinzelt noch bis zum Anfang der vierziger Jahre verwendet wurde.

 

Nipkow wollte das fernzusehende optische Bild auf eine mit mindesten 600 U/min umlaufende Scheibe projizieren, die am Rande 24 Lochblenden vom Querschnitt eines Bildpunktes enthielt. Die Löcher waren in gleichmäßigem Abstand auf einer Spirallinie angeordnet. Bei einer Umdrehung der Scheibe T ließ jede dieser Öffnungen einen den verschiedenen Helligkeitswerten jeweils einer Bildzeile entsprechenden Lichtstrom über die Kondensorlinse K auf die Selenzelle L fallen. Der "schnelle Rücklauf des Abtaststrahls nach jeder Zeile und nach jedem vollständigen Bild geschah automatisch.

Die Bildsignalströme gelangten über eine einzige Leitung zum trägheitsfreien Lichtmodulator NORS, dessen Wirkungsweise auf dem magnetooptischen Faraday-Effekt (1845) beruhte: Das in der Spule N erregte Magnetfeld drehte in der mit Schwefelkohlenstoffgefüllten Glasröhre O die Schwingungebene des von P ausgehenden, durch das Nicoische Prisma R polarisierten Lichts, so daß das Gesichtsfeld hinter dem Analysator S proportional dem Bildstrom aufgehellt wurde. Die mit der Geberscheibe T synchron und konphas umlaufende, völlig gleichartige Empfangs-Lochscheibe T bot also dem Auge des Betrachters in jedem Augenblick einen Lichteindruck, welcher der Helligkeit des im Geber abgetasteten Bildelements entsprach.

 

Da nach Nipkow "die einzelnen Lichtstöße auf der Netzhaut... photographiert" wurden, mußte "das Bewußtsein aus dieser Reihe von Photogrammen die Vorstellung eines einheitlichen Bildes gewinnen". Den synchronen Antrieb beider Zerlegerscheiben wollte Nipkow anfangs durch Uhrwerke erreichen; später empfahl er dafür zwei von Paul La Cour 1878 angegebene "phonische Räder", die von örtlichen Stimmgabel-Unterbrechern mit automatischer Gleichlaufkorrektur gesteuert wurden. Obwohl Nipkows Patent 30105 "die Generalidee des Fernsehens" enthielt, mußte zu jener Zeit seine Verwirklichung allein daran scheitern, daß der Lichtmodulator eine Steuerleistung der Größenordnung 10 Watt erfordert hätte.

 

 

40 Jahre später griff Nipkow noch einmal in die Fernseh-Entwicklung ein, indem er eine "Einrichtung zur Erzielung des Synchronismus bei Apparaturen zur elektrischen Bildübertragung" vorschlug, "dadurch gekennzeichnet, daß alle zusammenarbeitenden Empfänger und Sender an ein und dasselbe Wechselstrom- Kraftverteilungsnetz angeschlossen sind". Und das war der Schlüssel zur bis fast noch heute gültigen Synchronistaion.

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