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typische historische Kamera

Zum Auffrischen und Erinnern . . . .

. . . sind diese Seiten hier gedacht, denn viele wissen nicht mehr oder noch nicht, wie es damals angefangen hat und wie das wirklich funktioniert mit dem Fernsehen, den Kameras, den Videorecordern, den Tonband- und den Magnetband- geräten aus alter Zeit. Viele Bilder können Sie durch Anklicken vergrößern.

Die Paul Nipkow Story oder die Legende vom Fernsehen

Der Mann, der die entscheidende Idee formulierte und diese mit einer Maschine nachvollziehbar verknüpfte, der Mann hieß Paul Nipkow.

Und so beginnt die Legende:
Der Tag, an dem es geschah, war der Heiligabend des Jahres 1883
. Es war gewissermaßen ein Weihnachtsgeschenk, das ein mittelloser junger Mann der ganzen Menschheit machte, ein Geschenk auch dann, wenn es zunächst nicht mehr als die Grundidee des Fernsehens war. (So die heroischen Formulieren der NS-Propaganda später bei der Einrichtung des Berliner Fernsehsenders Paul Nipkow ca. 1939.)

In einem Hinterhaus in Berlin

Wir schreiben das Jahr 1883. Und wir befinden uns im Nordwesten Berlins, genauer gesagt, in der Philippstraße 13 a, im Hinterhaus und zwei Treppen hoch. Hier wohnt Paul Nipkow, der 23jährige Student der Naturwissenschaften bei Herrmann von Helmholtz und Adolf Slaby. Das Zeitalter der Technik hat eben erst begonnen. Das Telefon als Beispiel wurde im Geburtsjahr Nipkow's erfunden. Die ersten elektrischen Glühlampen waren damals eine große Sensation. Als Knabe hatte Paul Nipkow den preußisch- österreichischen Krieg von 1866 und Bismarck's Reichsgründung miterlebt. Als Untertan des Preußenkönigs Wilhelm des 1. war er am 22. August 1860 in Lauenburg in Pommern zur Welt gekommen - jetzt lebte er in Berlin, in dem der gleiche Wilhelm der 1. nun deutscher Kaiser war.

 

Noch gab es auch kein Automobil, keinen Film, keine Schallplatten und kein Flugzeug. In diesem Jahr 1883 wurde jedoch der Fernsprechverkehr zwischen Berlin und Potsdam aufgenommen.

Die grandiose Erkenntnis : Punkte, lauter Punkte

Bevor er nach Berlin gekommen war, hatte es für den neunzehnjährigen Primaner Nipkow ein Erlebnis gegeben, das ihn nicht mehr losließ. In Neustadt in Westpreußen, in dem er das Gymnasium besuchte, war das erste Telefon installiert worden. Nipkow ließ dem Postgehilfen keine Ruhe, bis dieser ihm das gute und einzige Stück für einen Abend ausborgte. Er müßte nicht angehender Techniker gewesen sein, wenn er den Apparat nicht bis aufs letzte Teilchen auseinandergenommen hätte. Das Ergebnis dieser Bastelei: Nipkow wußte nun ganz genau, wie es gemacht wurde. Nach wenigen Tagen schon hatte er selbst ein Telefon gebaut und telefonierte mit einem Freund von einer Dachstube zur anderen. Aber der Reiz des Neuen war bald verflogen.

 

In diesen Wochen kam Nipkow wohl zum erstenmal der Gedanke, daß man nicht nur die Stimme, sondern auch das Bild eines Menschen von einem Ort zum anderen übertragen können müsste. Zuerst war es bloß ein Gedanke - nicht mehr. Aber dieser Gedanke ließ ihn nicht mehr los. Über das Abitur hinweg, nach dem Abschied vom Elternhaus, begleitete er ihn bis zu jenem Heiligen Abend des Jahres 1883 in Berlin. Daß der junge Nipkow überhaupt hier in der Hauptstadt des neuen Deutschen Reiches studieren konnte, war eine große Gunst des Schicksals. Die Eltern mußten sich die Kosten hart absparen. Und so fehlte es Nipkow einfach an Geld, um Weihnachten nach Hause zu fahren.

 

Mutterseelen allein saß er beim Schein einer Petroleumlampe in seinem ärmlichen Zimmer, während im Vorderhaus die Kerzen an den Tannenbäumen leuchteten und von irgendwoher eine Strophe von «Stille Nacht, Heilige Nacht» herüberwehte. Er kam sich sehr elend und verlassen vor. Jetzt sitzen sie auch daheim unter dem Lichterbaum, dachte er wohl, vielleicht lesen sie gerade meinen Brief. Wie schön wäre es doch, wenn man sie wenigstens beobachten könnte! Da tauchte er also wieder auf, der verführerische Gedanke, in die Ferne blicken zu können - wie mit einem Fernrohr, das man damals noch Teleskop nannte. Nur viel, viel weiter wollte er sehen. Und über Berge und Wälder hinweg. Wenn das möglich wäre, fiele an einem solchen Abend die Trennung weniger schwer. Aber - war es überhaupt menschenmöglich? Nipkow trat ans Fenster. Die Weihnachtskerzen da drüben - wenn es nun die aus seiner Heimatstadt wären?

Die Vision, aus vielen Punkten entsteht ein Ganzes

Nipkow kniff die Augen ein wenig zusammen, so daß aus dem vollständigen Bild nur die Lichtstrahlen der Kerzen herausschimmerten. Strahlen nur oder eigentlich-Punkte. Ja, lauter einzelne Lichtpunkte! Paul Nipkow runzelte die Stirn. Obwohl er durch die zusammengekniffenen Lider nur so etwas wie Punkte erblickte, schloß sich das Bild doch zu einem Ganzen zusammen. Seltsam - lauter Pünktchen. Und doch...!

 

Es war das nämliche Erlebnis, das etwa um die gleiche Zeit der Maler Seurat hatte: Das Erlebnis, daß aus vielen Punkten für das Auge ein Ganzes entsteht, ein zusammengesetztes Abbild der Wirklichkeit. Die Folgerung, die der Maler für sich zog, war der neue Stil des Pointillismus. Die Folgerung, die der junge Techniker Nipkow zog, war - aber versuchen wir, seinem Gedankengang zu folgen.

 

Wenn aus einzelnen Punkten wahrhaftig ein ganzes Bild entstehen konnte, dann müßte es also auch möglich sein, statt eines Bildes im ganzen lediglich lauter einzelne Punkte in die Ferne zu übertragen. Viele Hunderte oder sogar viele Tausende von Punkten. Und setzte man dann an dem entfernten Ort all diese Punkte wieder in der richtigen Reihenfolge zusammen, dann mußte man dort das richtige Bild sehen. Wie mit einem überdimensionalen Teleskop. Wie aber konnte man es erreichen, ein Bild dermaßen in Punkte zu zerlegen?

Die Zeichnung einer kreisrunden Scheibe

Vergessen war der Weihnachtsabend, vergessen war der Gedanke an Eltern und Geschwister daheim, der den Anstoß gegeben hatte. Nipkow griff zu Papier und Bleistift. Hastig, aber überlegt, zeichnete er eine Skizze nach der anderen. Längst waren die Lichter an den Tannenbäumen im Vorderhaus erloschen. Da stand auf Nipkows Notizpapier die Zeichnung einer kreisrunden Scheibe, die in gleichmäßigen Abständen in Form einer leicht gekrümmten Spirale kleine Öffnungen hatte. Drehte man diese Scheibe vor einem Bild, dann war jeder Teil des Bildes einmal durch eine der Öffnungen zu sehen: Das Bild wurde in einzelne Punkte zerlegt, wenn die Scheibe sich drehte. Ein ganz einfacher Gedanke. Ein Pappdeckel mit Löchern - weiter nichts. Aber die ideale und zu seiner Zeit durch nichts zu überbietende Lösung für die Aufgabe, die Nipkow sich gestellt hatte.

 

Ja, so mußte es gehen! Und in der gleichen Begeisterung, mit der er gefunden hatte, was Generationen von Schulkindern später als «Nipkowsche Scheibe» kennenlernen würden, entwarf er auch die Anordnung, in der die rotierende Spirallochscheibe der Übertragung von Bildern von einem Ort zum anderen dienen konnte. Das Prinzip war entdeckt, nach dem mehr als vierzig Jahre später das Fernsehen Wirklichkeitwerden sollte.

 

Fernsehen - dieses Wort kannte Nipkow noch nicht. Das, worauf er unter dem Datum des 6. Januar 1884 die Patentschrift Nummer 30105 des Kaiserlichen Patentamts erhielt, nannte er Elektrisches Teleskop. Und was er damit beabsichtigte, liest sich in den nüchternen Worten der Patentschrift so: «Der hier zu beschreibende Apparat hat den Zweck, ein am Orte A befindliches Objekt an einem beliebigen anderen Orte B sichtbar zu machen.»

Gibt es eine simplere und einleuchtendere Definition für das Fernsehen?

30 Goldmark und Sophie, die Frau fürs Leben

Und doch hätte es um ein Haar am Fehlen von 30 Goldmark des Jahres 1884 gelegen, daß der Grundstein zur späteren Fernsehentwicklung nicht hätte gelegt werden können. Der junge Nipkow nämlich faßte das, was er am Weihnachtsabend 1883 ausgetüftelt hatte, zusammen und begab sich damit aufs Kaiserliche Patentamt. Aber hier zeigte es sich, daß ein Erfinder nicht nur Ideen, sondern auch Geld braucht. 30 Mark - so viel sollte die Anmeldung zum Patent kosten. Es war etwa der Betrag, von dem der junge Student einen ganzen Monat leben mußte. Zwischen diesen fehlenden 30 Mark und dem Fernsehen von heute standen - wie schon so oft - die Liebe und das Vertrauen einer Frau.

 

Sie hieß Sophie, war Lehrerin und wohnte im Berliner Nordwesten, in der Luisenstraße - gar nicht weit von Nipkow entfernt. Er hatte sie zuerst durch sein Fernrohr beobachtet und eines Tages, so ungewöhnlich das damals auch war, einfach angesprochen. Nicht nur in seiner technischen Phantasie war Paul Nipkow kühn. Und seitdem trafen sich die beiden gelegentlich. Kein Wunder, daß er ihr von seiner Idee erzählte und auch davon, daß er das Geld für seine Patentanmeldung nicht aufbringen könne. Und Sophie war nicht weniger kühn, obwohl man damals doch einem Mann, mit dem man bisher weder verlobt noch verheiratet war, unmöglich Geld anbieten konnte! Aber sie tat es trotzdem. Und was sonst vielleicht vergessen worden wäre und wovon niemand mehr sprechen würde, das bewirkten diese 30 Goldmark. So machte Sophie den Namen des Mannes, den sie eines Tages heiraten sollte, unsterblich.

Gäbe es ein Fernsehen heute ?

Ob Paul Nipkow geahnt hat, welchen Ideenansturm und welchen Gedankensturm sein «Elektrisches Teleskop» angeregt hatte ? Und ob es eines Tages in der Vollendung eines technisch mechanisierten Zeitalters enden würde?

 

Nipkow ließ sein Patent mangels Geld bereits 1886 erlöschen und kümmerte sich dann nicht mehr weiter darum. Seine Idee wurde aber von vielen anderen aufgegriffen.

Benutzt von der nationalsozialistischen Propaganda

Während des »Dritten Reichs« wurde der "deutsche" (arische) greise Rentner Paul Nipkow (jetzt fast achtzigjährig) für die NS-Propagandazwecke mißbraucht.

Die Nationalsozialisten erhoben den unwahren Anspruch, das Medium Fernsehen zu einer rein deutschen Erfindung zu machen. Fatal dabei ist, daß es so in hunderten von Büchern steht und das kann doch nicht falsch sein oder doch ?

Nipkow wurde damals zum "Vater des Fernsehens" gekürt. Der neue Berliner Fernsehsender Witzleben wurde nach ihm benannt. Nipkow erhielt eine lebenslange Rente (er war bereits fast 80, für damalige Zeiten ein enormes Alter, also ziemlich populistisch) von erstaunlich hohen 400,- Reichsmark. Und bei seinem Tod ein Jahr später 1940 erhielt er ein Staatsbegräbnis, das dann sogar vom Fernsehen (an aber nur ganz wenige Zuschauer) übertragen wurde.

 

Die ersten bescheidenen Anfänge, wie sie sich Ende der dreißiger Jahre abzeichneten, hat er selbst noch erlebt. Er konnte nicht voraussehen, daß am 30. August 1940 ein Übertragungswagen im Vorhof der Berliner Universität stehen und für eine kleine Schar von ersten Fernsehzuschauern sein eigenes Staatsbegräbnis übertragen würde.

 

Es war das erste Staatsbegräbnis, das einem deutschen Ingenieur zuteil wurde. Gewiß, viel Politik war in jenem Augenblick dabei, makabre Politik, mit der der Tote nichts zu tun gehabt hatte. Aber es schwang doch in dieser Tatsache und in den Worten, die an seinem Sarg gesprochen wurden, etwas von der zukünftigen Bedeutung des heranwachsenden Fernsehens mit. Was 1883 kaum mehr als eine kühne Vision war, ist heute Allgemeingut geworden.

Dieser letzte Spruch ist nun vollkommen falsch, denn von dem mechanischen Nipkow (Scheiben-) System ist ab 1934 beim voll elektronischen Fernsehen nichts mehr übrig geblieben. Die Nipkow-Scheibe hatte als reine Ideen- Lokomotive einfach ausgedient.


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