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Von 1850 bis etwa 1875

Weltweite Telegraphienetze über Kontinente und Meere entstehen. Aus ihren Problemstellungen entwickelt sich eine breitgefächerte Elektrotechnik mit wachsenden Anwendungsgebieten, u. a. auch im Signal- und Sicherungswesen.
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15.1.1850 - Bayerns erste elektrische Telegraphenlinie

Zwischen München und der österreichischen Grenzstadt Salzburg wird Bayerns erste elektrische Telegraphenlinie in öffentlichen Betrieb gestellt. Der notwendige Staatsvertrag mit dem Nachbarland wird am 21. Januar in Kraft gesetzt.

15.4.1850 - die ersten elektrischen Fern-Telegraphenlinien Europas

Vor der Pariser Academie des Sciences in Paris hält Werner Siemens aus Berlin einen beachteten Vortrag über die elektrische Telegraphie. Er kann auf die jüngsten Ergebnisse der Linien Berlin-Frankfurt und Berlin-Köln-Verviers (1848/49) hinweisen, die als die ersten elektrischen Fern-Telegraphenlinien Europas von Siemens & Halske projektiert, gebaut und auch weitestgehend mit Geräten ausgestattet wurden.

18.5.1850 - Oliver Heaviside

In London wird Oliver Heaviside geboren. Er bildete sich zum Physiker und Mathematiker und wirkte zunächst in der industriellen Entwicklung der Telegraphie mit. Seit 1873 beschäftigte er sich als Privatgelehrter mit der Anwendung der Maxwell'schen Theorie auf die Ausbreitung elektrischer Ströme in Kabeln und Leitungen. Etwa gleichzeitig mit A. E. Kennelly, um 1902, sprach er die Vermutung vom Vorhandensein einer leitenden Schicht in der Atmosphäre aus, die für die Ausbreitung elektrischer Wellen um die Erde herum bedeutsam sein könnte, die später sogenannte Heavisideschicht.

6.6.1850 - Ferdinand Braun

In Fulda wird Ferdinand Braun geboren, der nach physikalischem Studium in Marburg und Berlin bei Helmholtz 1872 zum Dr. phil. promovierte. 1874 entdeckte er den Gleichrichtereffekt bei Halbleitern, 1880 wurde er Professor in Straßburg, danach in Karlsruhe und Tübingen und ab 1895 wieder in Straßburg.

1897 machte er die nach ihm benannte Kathodenstrahlröhre (die ehemals in jedem Fernsehgerät vorhandene „Braun'sche Röhre") bekannt und nahm intensive experimentelle Arbeiten zur Entwicklung der drahtlosen Telegraphie auf. Im Zusammenwirken mit Siemens & Halske brachte er 1903 seine Arbeiten in die gemeinsam mit der AEG gegründete Gesellschaft für drahtlose Telegraphie Telefunken, Berlin, ein. 1909 erhielt Braun gemeinsam mit Marconi den Nobelpreis für Physik zuerkannt. 1918 verstarb er in Brooklyn, New York.

25.7.1850 - der Deutsch-Österreichische Telegraphen

In Dresden wird der Deutsch-Österreichische Telegraphen - Verein (D Ö TV) gegründet. Dies ist die erste größere internationale Kooperation auf dem Gebiet des Nachrichtenwesens, der sich in der Folge auch andere europäische Staaten anschließen.

27.8.1850 - Augusto Righi

In Bologna kommt Augusto Righi zur Welt. Als Physiklehrer des jungen Guglielmo Marconi vermittelte er diesem das Rüstzeug zur praktischen Entwicklung der drahtlosen Telegraphie, die 1895/97 in Italien und England begann.

18.8.1850 - Werner Genest

In Jerichow/Reg.-Bez. Magdeburg wird Werner Genest geboren. 1878 gründete er mit einem Compagnon die Firma Mix & Genest in Berlin, die sich besonders mit Entwicklung und Bau von elektrischen Signaleinrichtungen beschäftigte und schnell eine geachtete Stellung in dieser Branche erlangte. Genest erreichte im Jahre 1900 bei der Reichspost die Freigabe verkehrserleichternder Nebenstellen - Fernsprechanlagen seitens der Privatindustrie.

28.8.1850 - erste Telegraphen-Leitung von Dover nach Sangatte

Die kleine Dampf-Barkasse „Goliath" verlegt vom Endpunkt der englischen Südostbahn bei Dover die erste submarine Telegraphen-Leitung durch den Kanal nach dem Cap Gris Nez bei Sangatte am französischen Ufer. Nach kurzzeitigem Betrieb wurde die Verbindung unterbrochen, zweifellos aus Gründen der schlechten Isolierung und fehlenden Armierung dieses Kupferdrahtes. Die Unternehmer, Gebrüder Brett, wurden um eine Erfahrung reicher und schritten 1851 erneut zur Tat, dieses Mal mit Erfolg.

4.12.1850 - William Sturgeon stirbt

In Prestwich/England stirbt 67jährig der Elektrophysiker William Sturgeon. Anfänglich Schuhmacher, dann Soldat bis 1820, hatte er sich durch Selbststudium umfassende Kenntnisse in den Naturwissenschaften erworben, die ihn befähigten, Physiklehrer zu werden. 1838 wurde er Leiter der Gallery of Practical Science in Manchester. 1825 erfand und publizierte er, nach experimentellen Studien, den Elektromagneten. Dieser bildete wenige Jahre später die Grundlage für die neue, die elektromagnetische Telegraphie, die noch vor der Jahrhundertmitte die optischen Telegraphen abzulösen begann.

25.12.1850 - Franz August von Etzel

In Berlin stirbt im 68. Lebensjahr Franz August von Etzel. Als preußischer Offizier im Generalstab war er verantwortlich für den Bau der optischen Telegraphenlinie Berlin-Köln-Koblenz, für die er selbst auch das Code-Buch erarbeitet hatte. Schon wenige Jahre nach Fertigstellung dieser Linie mit 61 Stationen erkannte man die Mängel, die grundsätzlich diesem System anhaften und seit 1837 setzte sich von Etzel (bis 1846 führte er noch seinen angestammten irischen Namen O'Etzel) für die Einrichtung elektrischer Telegraphen in Preußen ein, wie sie ab 1848 geschaffen wurden.

9.3.1851 - Hans Christian Oersted stirbt

In Kopenhagen stirbt der Physiker Hans Christian Oersted. 1820 war es ihm gelungen, die Ablenkung der Magnetnadel durch elektrischen Strom nachzuweisen, womit erstmals die Beziehungen zwischen Elektrizität und Magnetismus experimentell bewiesen wurden. Ab 1829 war Oersted bis zu seinem Tode Leiter des Polytechnikums in Kopenhagen.

1.4.1851 - elektrische Telegraphie in Stuttgart

Das Bundesland Württemberg tritt dem Deutsch-Österreichischen Telegraphen-Verein bei; am 16. 4. erhält die elektrische Telegraphie in Stuttgart als staatliche Institution ihre auch der Öffentlichkeit freigegebenen Dienstleistungen auf.

1.5.1851 - die Erste Welt-Industrieausstellung

Im Hyde Park in London öffnet die Erste Welt-Industrieausstellung ihre Tore. An ihr sind auch 1500 deutsche Aussteller beteiligt. Auf dem Gebiet der Nachrichtentechnik erhält der Siemens'sche Zeigertelegraph die Council Medal von der Jury zuerkannt.

20.5.1851 - Emil Berliner

In Hannover wird Emil Berliner geboren. 1870 nach den USA ausgewandert, machte er sich in der neuen Heimat bald einen Namen durch telephontechnische Verbesserungen. Aus Edisons Phonographen, der ersten wirklichen Sprechmaschine, entwickelte er 1888 das Schallplatten- Grammophon. 1898 gründete er mit seinem Bruder Joseph die „Deutsche Grammophon-Gesellschaft".

20.6.1851 - erste komplette telegraphische Feuermelde-Anlage

Die Firma Siemens & Halske schließt mit der Stadt Berlin einen Vertrag ab, eine komplette telegraphische Feuermelde-Anlage unter Verwendung von bleiisolierten Untergrundkabeln und unter Einschaltung von zunächst 37 Feuerwachen zu erstellen. Die Anlage wird als erste ihrer Art in der Welt nach wenigen Monaten erfolgreich in Betrieb genommen.

6.7.1851 - Thomas Davenport stirbt

In Salisbury (Vermont, USA) stirbt kurz vor seinem 49. Geburtstag Thomas Davenport, ein Pionier der Elektrotechnik. Von Hause aus Schmied, hatte er sich um 1835 elektromagnetischer Maschinen und Geräte bedient, die er bereits in größerer Stückzahl fabrizierte und als Unternehmer vertrieb. Dauernder Erfolg war seinem Unternehmen jedoch nicht beschieden.

25.9.1851 - erstes dauerhafte Seekabel zwischen Frankreich und England

Zwischen Dover und Calais wird - nach einer im Vorjahr nur kurzfristig funktionstüchtigen Telegraphendraht- Verbindung - das erste dauerhafte Seekabel für die Nachrichtenverbindung zwischen Frankreich und England gelegt. Am 13. November 1851 wurde es, nach gehöriger Erprobung und Ausstattung der Küstenstationen, der öffentlichen Benutzung übergeben.

6.4.1852 - das Wort „Telegramm" wird geboren

Im „Albany Evening Journal" schlägt E. P. Smith für telegraphisch übertragene Mitteilungen das Wort „Telegramm" vor.

1.7.1852 - Gerke's „Morse-Schrift-Alphabet" wird eingeführt

Das von dem deutschen Telegraphen-Beamten Friedrich Clemens Gerke entwickelte „Morse-Schrift-Alphabet" wird vom Deutsch-Österreichischen Telegraphenverein allgemein eingeführt. Im Prinzip ist es bis heute erhalten geblieben.

26.8.1853 - optische Telegraphen-Linien werden eingestellt

Die letzte optische Telegraphen-Linie Frankreichs wird eingestellt. Im gleichen Jahre wird auch - nach Einführung der elektrischen Telegraphie - die letzte optische Linie Deutschlands, zwischen Köln und Koblenz, aufgelassen.

2.10.1853 - Jean Dominique Francois Arago stirbt

In Paris stirbt im 68. Lebensjahr der französische Physiker Jean Dominique Francois Arago. 1804 nahm er an der Ecole Polytechnique technische Studien auf, um schon 1806 im Regierungsauftrag an Gradmessungsarbeiten teilzunehmen. Ab 1809 Professor, hat er unter anderem auf dem Gebiet der Elektrophysik beobachtet, daß Eisen und Stahl unter Einwirkung elektrischen Stromes magnetische Eigenschaften bekommen. 1838 präsentierte er Samuel Morses elektromagnetischen Telegraphen vor der Pariser Akademie der Wissenschaften.

10.3.1854 - Cyrus West Field gründet die „Atlantic Telegraph Co. of New York

In New York entsteht, unter maßgeblicher Mitwirkung von Cyrus West Field, die „Atlantic Telegraph Co. of New York, New Foundland and London". Es sollten noch 4 1/2 Jahre vergehen, ehe das erste, dabei aber nur 4 Wochen arbeitende Transatlantikkabel vollendet wurde. Aber auch die ersten dauerhaften Transatlantikkabel, 1865/ 1866 gelegt, sind das Werk von C. W. Field.

6.7.1854 - Georg Simon Ohm stirbt

In München stirbt 65jährig der Physiker Georg Simon Ohm. Er entdeckte und publizierte 1826/27 das später nach ihm benannte Gesetz, das den Zusammenhang zwischen Spannung, Widerstand und Stromstärke aufzeigt (U= R ¦ I).

26.8.1854 - Artikel über elektrische Telephonie

Die Pariser Zeitschrift „L'lllustration" veröffentlicht auf Grund eines Schreibens des Telegraphen-Beamten Charles Bourseul einen Artikel über elektrische Telephonie. Die Funktion war theoretisch richtig erkannt, aber von Bourseul praktisch noch nicht realisiert worden.

4.10.1854 - Michael Pupin

In Idvor bei Pancevo/Serbien (heute Jugoslawien) wird Michael Pupin geboren. Als Physikstudent war er Schüler von Helmholtz; 1889 führte er an der Columbia Universität in New York das Lehrfach Elektrotechnik ein. Zur Erhöhung der Selbstinduktion in Fernsprechleitungen berechnete er die nach ihm benannte „Pupinspule", die in Zusammenarbeit mit Siemens in Berlin zur Praxisreife entwickelt und kurz nach 1900 auf Überlandleitungen und Unterseestrecken eingeführt wurde. Pupin, dessen Weg vom serbischen Hirtenbuben zum amerikanischen Professor führte, hat sich auch um die Einführung wissenschaftlicher Methoden in die amerikanische Industrie hohe Verdienste erworben.

14.11.1854 - Orkan im Schwarzen Meer

Ein Orkan im Schwarzen Meer fügt der dort im Kampf gegen die Russen stehenden anglo-französischen Flotte schweren Schaden zu. Der französische Ingenieur und Astronom Urbain J. J. Leverrier (1811 -1877) wies nach, daß dieses Ereignis meteorologisch vorauszusehen und durch vorbeugende Maßnahmen beträchtlich zu vermindern gewesen wäre. Die Katastrophe führte wenig später zur Gründung eines Internationalen telegraphischen Wetterdienstes.

25.1.1855 - Gaetano Bonelli

Gaetano Bonelli erhält ein britisches Patent für eine telegraphische Schaltung zur Verbindung fahrender Eisenbahnzüge untereinander und mit der Station. Die Einrichtung wird erprobt zwischen Genua und Turin sowie zwischen Paris und Versailles.

19.2.1855 - Urbain J. J. Leverrier

Der französische Ingenieur und Astronom Urbain J. J. Leverrier unterbreitet der Pariser Academie des Sciences die erste telegraphisch erstellte Wetterkarte. Damit übernimmt Frankreich die Führung in dem Bemühen um einen internationalen Wetterdienst.

23.2.1855 - Carl Friedrich Gauß stirbt

In Göttingen stirbt im 78. Lebensjahr der Mathematiker und Physiker Carl Friedrich Gauß (siehe 30. 4. 1777).

30.7.1855 - Wilhelm von Siemens

In Berlin wird der zweite Sohn von Werner Siemens, der spätere Geheimrat Wilhelm von Siemens, geboren. Mit seinem Bruder Arnold trat er 1890 in die Leitung der väterlichen Telegraphen-Bauanstalt ein. Sie entwickelte sich, ganz besonders durch Wilhelms unternehmerisches Geschick, zur Großfirma. 1912 kam, nach langjähriger Entwicklung, der Wilhelm-von-Siemens'sche Schnelltelegraph zum Einsatz, der bereits vor dem 1. Weltkrieg für ein gesamteuropäisches Nachrichtennetz erfolgreich verwendet wurde. Auch die automatische Telephonie und die Verstärkertechnik erlebten unter Wilhelm von Siemens maßgebliche Fortschritte.

15.9.1855 - Patent auf Einrichtung an Morse'schen Schreibtelegraphen

Die Telegraphen-Bauanstalt Siemens & Halske und der Ingenieur Carl Frischen erhalten ein preußisches Patent auf „Einrichtung an Morse'schen Schreibtelegraphen, um durch einen und denselben Draht gleichzeitig in entgegengesetzter Richtung zu sprechen". Erster wesentlicher Schritt zur Entwicklung der Mehrfach-Telegraphie.

16.10.1855 - Patent auf den Typendruck-Telegraphen

David Edward Hughes erhält ein grundlegendes französisches Patent auf den Typendruck-Telegraphen, der in stets weiterentwickelter Form und verbesserten Antriebsmechanismen (z. B. Raps-Regler ab 1896) viele Jahrzehnte die praktische Fernmeldetechnik maßgeblich beeinflußte.

7.11.1855 - Edwin Herbert Hall

In Gorham/Maine, USA, wird Edward Hall (Edwin Herbert Hall) geboren († 20. November 1938 in Cambridge (Massachusetts)). Er bildete sich zum Physiker und wurde Professor am Harvard College in Cambridge/Massachusetts. 1879 entdeckte er den nach ihm benannten Hall-Effekt, der in elektrischen Leitern innerhalb eines homogenen Magnetfeldes auftritt und sich in einer Spannungsdifferenz ausdrückt. Diese Entdeckung geschah im Zusammenhang mit seiner Doktorarbeit unter Henry Augustus Rowland (1848–1901).

10.11.1855 - Patent auf Pan-Telegraphen

Giovanni Caselli aus Florenz erhält ein Patent auf seinen „Pan-Telegraphen", also einen Bild-Telegraphen mit gleichschwingenden Pendeln. Dabei wird eine gewölbte, langsam seitwärts verschobene Bildplatte von einem Metallstift abgetastet. Nach mehrjährigen Versuchen, die erstmals 1861 zwischen Paris und Amiens erfolgreich waren, wird das System auf mehreren französischen, sodann auch auf russischen Telegraphenlinien eingeführt, jedoch wegen zu geringer Benutzung ab 1868 wieder abgeschafft.

29.12.1855 - Gründung des Westeuropäischen Telegraphenvereins

Frankreich, Belgien, Sardinien, die Schweiz und Spanien schließen sich in Paris zur Gründung des Westeuropäischen Telegraphenvereins zusammen; ihm treten 1856 auch Holland und Portugal bei. Dies ist nächst dem 1850 gegründeten Deutsch- Österreichischen Telegraphenverein die zweite große Zusammenfassung telegraphenamtlicher technischer und organisatorischer Regionalinteressen (siehe 25.7.1850).

2.3.1856 - Wilhelm Ernst Diederichs

In Genf wird Wilhelm Ernst Diederichs geboren. Zunächst Pionieroffizier, schied er 1888 aus dem aktiven Heeresdienst aus, vervollständigte seine technische Bildung und trat 1895 in den Vorstand der Kölner Land- und Seekabelwerke in Köln-Nippes ein. 1900 wurde er zum Vorstand der in Köln gegründeten Norddeutschen Seekabelwerke AG ernannt, die wenig später ihr Werk in Nordenham errichteten. Bis 1926 leitete Diederichs dieses Unternehmen, das sich durch fachliche Pionierleistungen Ansehen erwarb.

26.3.1856 - Adolf Koepsel

In Berlin wird Adolf Koepsel geboren. Als Physikstudent und Assistent von Helmholtz und Laborant von Werner von Siemens erwarb er sich umfassende technische Kenntnisse. Seit 1899 beschäftigte er sich mit Problemen der drahtlosen Telegraphie: 1901/1902 konstruierte er den Drehplatten- Kondensator zur Wellenabstimmung und den Mikrophon-Detektor.

12.5.1856 - „Verein Deutscher Ingenieure" gegründet

In Alexisbad im Harz gründen junge Absolventen des Berliner Gewerbe-Instituts anläßlich der 10jährigen Stiftungsfeier des Akademischen Vereins Hütte den „Verein Deutscher Ingenieure", den heute größten Ingenieurverband Europas.

29.5.1856 - Erfolgreiche Konstruktion des Doppel-T-Ankers

Werner Siemens berichtet in einem Brief an seinen Bruder William über die erfolgreiche Konstruktion des Doppel-T-Ankers. Dies war die erste praktisch brauchbare Einrichtung, um auf der Grundlage des Faraday'schen Induktionsgesetzes kontinuierlich elektrischen Strom zu erzeugen.

10. 7. 1856 - Nicola Tesla wird geboren

In Smiljan (heute: Jugoslawien) wird Nicola Tesla geboren. Seit 1882 in den USA lebend, wurde er zunächst Mitarbeiter Thomas Alva Edisons, später selbständiger Elektrotechniker. Mit der Erzeugung hochfrequenter Wechselströme schuf er die Grundlage für die erste Methode drahtloser Energieübertragung sowie auch für Hochfrequenz-Therapie.

22. 2. 1857 - Heinrich Rudolph Hertz wird geboren

In Hamburg wird als Sohn eines Senators Heinrich Rudolph Hertz, der spätere Entdecker der elektrischen Wellen geboren (siehe 1.1. 1894).

6.8.1857 - das erste Transatlantik-Telegraphie-Kabel scheitert

Der amerikanische Unternehmer Cyrus West Field startet den ersten, jedoch gescheiterten Versuch, ein Transatlantik-Telegraphie-Kabel zwischen Irland und Neufundland auszulegen. Am 11. August 1857 muß das Unternehmen wegen Kabelbruchs eingestellt werden.

6. 9. 1857 - Johann Salomo Christian Schweigger stirbt

In Halle/Saale stirbt im 79. Lebensjahr der Physiker und Mathematiker Johann Salomo Christian Schweigger. Als Lehrer und Dozent hatte er seit 1803 in Bayreuth, Nürnberg und Erlangen, ab 1819 in Halle unterrichtet. Unter seinen Forschungen ragen wesentliche Erkenntnisse der frühen Elektrophysik hervor. 1820 erfand er den nach ihm benannten Multiplikator, der in der Elektromeßtechnik bedeutungsvoll wurde.

7. 9. 1857 - ein Seekabel in 2000 bis 3000 m Tiefe

Nachdem die Versuche Bretts zur Auslegung eines Tiefseekabels im Mittelmeer wiederholt gescheitert waren, unternimmt die englische Firma Newall zusammen mit dem deutschen Telegraphen-Ingenieur Werner Siemens einen neuen Versuch, eine Kabelverbindung zwischen Sardinien (Cagliari) und Nordafrika (Bona) herzustellen. Dabei gelingt es Siemens empirisch, eine erste zweckentsprechende Brems-Dynamometer-Einrichtung zu schaffen, dank der das Kabel glücklich ausgelegt werden konnte. Mit diesem in 2000 bis 3000 m Tiefe gelegten vieradrigen Kabel war der Weg frei für künftige Transatlantik-Kabel.

28.7.1858 - ein Atlantik Kabel für wenige Wochen

Etwa auf der Mitte des Nordatlantik beginnt die Auslegung des ersten Transatlantik-Kabels zwischen Irland und Neufundland, indem ein englisches und ein amerikanisches Schiff je die Hälfte des an Bord befindlichen Kabels nach West und Ost verlegen. Am 5. August ist das große Werk vollendet, und Cyrus W. Field, der unermüdliche Propagandist dieser Nachrichtenverbindung, ist der Mann des Tages. Aber nur wenige Wochen bleibt dieses Kabel in Betrieb.
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3. 9. 1858 - das Kabel versagt, mit 16mm zu dünn

Nach vier Wochen Betrieb versagt das von Cyrus W. Field gelegte erste transatlantische Telegraphie-Kabel seinen Dienst. Sehr wahrscheinlich war das mit 16 mm Durchmesser relativ dünne Kabel gerissen oder undicht geworden, eine Panne, die sich bei dem 8 Jahre später 1866 gelegten dauerhafteren und mit 26 mm wesentlich stärker armierten Kabel so bald nicht wiederholte. Immerhin waren rund 400 Depeschen zwischen Amerika und Europa in beiden Richtungen gewechselt worden, darunter die hochpolitische Nachricht, daß eine sonst durchgeführte Truppenverschiffung von Canada nach Indien (wegen des inzwischen abgeflauten Sepoy-Aufstandes) unterbleiben konnte. Die Kosten der sonst fällig gewordenen Maßnahmen lagen bei 200000 Pfund Sterling - das war etwa die Hälfte der Baukosten des Kabels!
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1. 10. 1858 - „Siemens, Halske & Co." in London

In London-Westminster wird eine englische Filiale der Berliner Telegraphen- Bauanstalt unter dem Namen „Siemens, Halske & Co." gegründet. Unter Leitung von William Siemens stehend, betätigt sich diese Unternehmung maßgeblich auf dem Gebiet der Tiefsee-Kabellegung. Ab 1865 firmiert sie „Siemens Brothers" und wird 1881 Aktiengesellschaft. Der Bau der Indo-Europäischen Telegraphenlinie 1868 bis 1870 und die Auslegung von sechs Transatlantikkabeln während der Jahre 1874 bis 1884 machten Siemens Brothers früh weltbekannt.
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5. 11. 1858 - erstes deutsch-englisches Telegraphenkabel

Zwischen Emden und Cromer wird das erste deutsch-englische Telegraphenkabel ausgelegt.
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13.8.1859 - Schwingungslehre nach Feddersen

Der Physiker und Privatdozent Wilhelm Berend Feddersen (1832-1918) läßt im Anschluß an seine Doktorarbeit von 1857 durch Prof. Hankel seine Abhandlung „über elektrische Wellenbewegung" der Sächsischen Akademie der Wissenschaften vorlegen. Feddersen ist der Begründer der Lehre der elektrischen Schwingungen.
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31. 8. 1859 - August Ebeling und die Pupin Patente

In Schöpfurth bei Eberswalde wird August Ebeling geboren. Nach dem Studium der Physik hat er 1889 bei Siemens & Halske in Berlin seine berufliche Laufbahn begonnen. Hier bewog er seine Firma zur Übernahme der Pupin-Patente, die zur technischen Durchbildung weiterreichender Telefonverbindungen kurz nach 1900 Anlaß gaben. Auch das Rheinland-Kabel, Berlin-Köln, wurde 1912 durch Ebelings Initiative in Angriff genommen. Es führte nach 1920 zum Aufbau eines europäischen Fernsprechnetzes.
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10. 12. 1859 - der „Chatterton-Compound"

John Chatterton und W. Smith erhalten das britische Patent 2809 auf eine Mischung von Guttapercha, Holzteer und Colophonium, die sich unter dem Namen „Chatterton-Compound" als Isolier- und Ausgußmasse für Erd-und Seekabel gut einführt.
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29. 2. 1860 - Hermann Hollerith wird geboren

In Buffalo am Eriekanal (USA) wird Hermann Hollerith, Sohn eines deutschen Einwanderers, geboren. Als junger Ingenieur eines statistischen Amtes in New York erfand er 1880 eine rationelle Zählkarte mit 40 ankreuzbaren Informationen. Hieraus entwickelte er bald eine Lochkarte, die mittels elektrischer Kontakte Zählwerke fortschaltet. Die USA-Volkszählung von 1890 wurde mit Hilfe von Holleriths Lochkarten in einem Achtel der bis dahin nötigen Auszählzeit ausgewertet. Die Erfindung ist ein wesentlicher Markstein auf dem Weg zum modernen Computer (siehe 30. 8. 1890).
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22.8.1860 - Paul Nipkow

In Lauenburg in Pommern wird Paul Nipkow, der spätere Pionier des Fernsehens, (Nipkow-Lochscheibe 1884) geboren (siehe 24. 8. 1940).
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12.10.1860 - Eimer A. Sperry wird geboren

In Cortland, New York/USA wird Eimer A. Sperry geboren. Schon als Zwanzigjähriger trat er mit elektrotechnischen Konstruktionen, zunächst einer Dynamomaschine, vor die technische Öffentlichkeit. 1908 erhält er ein Patent auf einen Schiffskompaß, womit seine entschiedene Hinwendung zu regelungstechnischen Arbeiten begann. Aus seiner Sperry Gyroscope Company, die er 1910 in Brooklyn gründete (heute: Sperry Rand Corporation), gingen bedeutsame Geräte zur See- und Luftfahrt-Navigation hervor.
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2. 2. 1861 - Hans Bartsch von Sigsfeld und das Lenkluftschiff

In Bernburg/Anhalt wird Hans Bartsch von Sigsfeld geboren. Als Hauptmann im preußischen Luftschiffer-Bataillon beschäftigte er sich erfolgreich mit spezifisch wissenschaftlichen Aufgaben der neuen Waffengattung. So unterstützte er z. B. die Bemühungen A. v. Parsevals bei Entwicklung und Bau eines halbstarren Lenkluftschiffs. Ferner beschäftigte er sich eingehend mit der drahtlosen Telegraphie, die in der Armee zunächst im Luftschiffer-Bataillon eingesetzt wurde (erst 1905 wurden die sogenannten „Funker" der Telegraphentruppe überstellt). Bartsch fand bei einer wissenschaftlichen Ballonfahrt bei Antwerpen am 1. Februar 1902 den Tod.
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14. 4. 1861 - John Joseph Carty wird geboren

In Cambridge/Massachusetts wird John Joseph Carty geboren, ein später sehr erfolgreicher und kreativer Ingenieur auf dem Fernsprechgebiet (siehe 27. 12. 1932).
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24. 10. 1861 - USA - transkontinentale Telegraphenlinie

Die erste, den gesamten amerikanischen Kontinent ost-westlich überspannende Telegraphenlinie New York - San Francisco wird mit einer Grußbotschaft des Oberrichters von Californien, Stephen J. Field, an den USA-Präsidenten Abraham Lincoln feierlich in Betrieb genommen. Die Linie mißt nahezu 6.000km.
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26. 10. 1861 - Philipp Reis führt elektrisches Telephon vor

Der deutsche Physiklehrer Philipp Reis aus Friedrichsdorf/Taunus führt in einem Experimentalvortrag vor dem Physikalischen Verein in Frankfurt am Main sein erstes funktionsfähiges elektrisches Telephon vor. Damit begann die Elektroakustik im allgemeinen; die praktische Einführung der Fernsprechtechnik trat jedoch erst im Anschluß an die Arbeiten des Physikers Alexander Graham Bell weltweit in Erscheinung. - Der erste durch das Reis-Telephon übertragene Satz lautete: „Das Pferd frißt keinen Gurkensalat."
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11. 11.1861 - Anson Steuer und das Telegraphen-Corps

Der Telegraphen-Ingenieur Anson Steuer wird mit Aufbau und Entwicklung des Telegraphen-Corps der US Army betraut. Diese Truppe erweist sich bereits im amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1865) als äußerst erfolgreich und nützlich und wird in ihrer Arbeit von Präsident Abraham Lincoln anerkannt. Stager wird später Mitarbeiter Elisha Grays und betätigt sich im Rahmen der Western Electric mit der Weiterentwicklung des elektrischen Nachrichtenwesens.
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10. 1. 1862 - Samuel Colt stirbt

In Hartford/Connecticut, USA stirbt im 48. Lebensjahr Samuel Colt, ein Ingenieur und Erfinder auf dem Gebiet der Schußwaffen (Colt-Revolver). 1841/42 unternahm er Versuche mit unterseeischen Minen, die er mittels galvanischer Batterien und isolierter Leitungen zündete.
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27. 3. 1862 - John Harworth und Henry B. Strousberg

Der Engländer John Harworth erhält ein britisches Patent auf drahtlose Telegraphie: „an improved method of conveying electric Signals and telegrams without the intervention of any continuous artificial conductor". - Der Berliner Unternehmer Henry B. Strousberg, der auf dieses System von Harworth ein preußisches Patent beantragte, wird abgewiesen, da er keine genaue Beschreibung des Verfahrens beibringen kann.
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26. 8. 1863- David Friedrich Lewert stirbt

In Berlin stirbt der Mechaniker David Friedrich Lewert. Früh hatte er sich für die Einführung des Morse-Telegraphen in Preußen eingesetzt. Seine bereits im Jahre 1800 in Berlin gegründete Werkstatt, die sich in späteren Jahren besonders der elektrischen Nachrichtentechnik zugewendet hatte und die sein Sohn Carl Friedrich fortführte, hatte bis 1874 bereits 3000 Telegraphengeräte geliefert. 1893 ging die Firma Lewert in der C. Lorenz AG auf (siehe 21. 12. 1889).
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6. 9. 1863 - Kaiser Franz Josef und König Max II. telefonieren

Das im Herbst 1861 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellte Telephon von Philipp Reis wird in Frankfurt dem österreichischen Kaiser Franz Josef und dem bayerischen König Max II. vorgeführt. Auch bei der im gleichen Monat in Frankfurt tagenden Gesellschaft deutscher Naturforscher und Ärzte wird das Telephon durch Prof. Böttger experimentell vorgeführt.
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26.12.1863 - Leuchtturm am Kap La Heve leuchte elektrisch

Auf dem Süd-Leuchtturm am Kap La Heve bei Le Havre/Frankreich wird der ständige elektrische Scheinwerfer-Betrieb zur Sicherung der Küsten-Seefahrt aufgenommen. Man bedient sich dabei der magneto-elektrischen Maschinen der Pariser Compagnie Alliance. Am 7. 9. 1865 wird auch der Nord-Leuchtturm am Kap La Heve auf elektrischen Betrieb umgestellt.
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7.4. 1864 - Guttapercha Co. und Glass, Elliot & Co.

Die englischen Firmen Guttapercha Co. und Glass, Elliot & Co. schließen sich zur Telegraph Construction and Maintenance Co. (Telcom) zusammen. Diese Fusion ist typisch für die nun stärker und effektiver werdende nachrichtentechnische Industrie in England.
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10.2.1865 - H. F. Emil Lenz stirbt

In Rom stirbt, zwei Tage vor Vollendung seines 61. Lebensjahres der Elektrophysiker H. F. Emil Lenz (siehe 12.2. 1804)
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17. 5. 1865
In Paris findet die Gründung der Internationalen Telegraphen - Union (ITU) statt. Drei Jahre danach wird in Bern das ständige ITU-Büro eröffnet.

8. 7. 1865
In San Francisco läuft mit 24 Schiffen eine Expedition zum Bau einer trans-continentalen Telegraphenlinie New York-Paris aus. Zur bestehenden Freileitungs-Verbindung New York-Californien soll nun eine weitere Linie San Francisco - Canada - Alaska - Beringstraße - Sibirien - Mitteleuropa bis nach Frankreich gebaut werden. Nachdem im Hochsommer 1866 der fünften Auslegung eines Transatlantik-Kabels dauerhafter Erfolg beschieden ist, wird dieses phantastische Unternehmen eingestellt.

2. 8. 1865
Das vierte von Cyrus Field in Auftrag gegebene Transatlantikkabel bricht bei Auslegung. Erst ein Jahr später wird es wieder aufgefischt und vollendet.

12. 8. 1865
In Kew, nicht weit von London, wo er seit 1840 Leiter der Königlichen Gärten war, stirbt 80jährig Sir William Jackson Hooker. Nach dem Studium der Botanik war er in Glasgow 1830 Professor geworden. Dann folgte er dem Rufe nach Kew. Mit seinem ausgeprägten pragmatischen Sinn gründete er 1847 dort ein Museum für wirtschaftliche Botanik. Etwa gleichzeitig machte Hooker ein koloniales Baumharz, Guttapercha, bekannt, das vielseitige industrielle Anwendung fand; Werner Siemens entdeckte daraufhin die Guttapercha für Isolierzwecke von Nachrichtenleitungen und Kabeln, die sich schnell einführten.

18.11.1865
Zwischen der Zentral-Telegraphenstation und dem Börsengebäude in Berlin wird die erste pneumatische Depeschenbeförderung Deutschlands, erbaut von Siemens & Halske, dem Betrieb übergeben. Aber erst ein Jahrzehnt später entwickelt sich das Berliner Stadtrohrpost-Netz (siehe 1.12.1876).

20. 1. 1866
Als Sohn deutscher Eltern wird in Milwaukee/USA Eduard Otto Zwietusch geboren. Nach technischen Studien in Madison/Wisconsin kam er 1888 nach Berlin, wo er seine Telephon-Fabrik gründete. Für die Reichspost auf diesem Gebiet wertvolle Entwicklungsarbeiten leistend, leitete er bis 1921 sein Unternehmen.

27. 7. 1866
In der Hearts Content Bay auf Neufundland wird das von dem Riesenschiff „Great Eastern" (27 000 BRT) ausgelegte erste dauerhafte Transatlantik-Kabel gelandet und in Betrieb genommen. Damit wird die seit 12 Jahren von Cyrus W. Field (1819-1892) immer wieder propagierte Idee einer schnellen Nachrichtenverbindung zwischen der Alten und der Neuen Welt verwirklicht. Nie mehr ist seither die telegraphische Verbindung über den Atlantik abgerissen.

6. 10. 1866
In Milton/Canada wird Reginald Aubrey Fessenden geboren. Er zählt zu den Pionieren der Funktechnik in der Neuen Welt. Unabhängig von W. Schloemilch hatte er 1902 den Elektrolyt-Detektor erfunden. 1904 schuf er in Gemeinschaft mit E. W. F. Alexanderson eine Hochfrequenzmaschine (81 kHz, 1 kW Leistung). 1907 gelang es beiden, mit diesem Maschinensender 320 km im Sprechfunk (Massachusetts - Long Island) zu überbrücken.

10. 10. 1866
In Fulda wird Ferdinand Schneider geboren. In früher Jugend schon begeisterte er sich für elektrotechnische Probleme. 1895 demonstrierte er in Fulda drahtlose Übertragung von Morsezeichen mittels Ionisation. 35 Patente auf dem Gebiet der Funktechnik kennzeichnen seine schöpferische Ingenieurarbeit.

4.12.1866
In einem an seinen Bruder William nach London gerichteten Brief berichtet Werner Siemens aus Berlin über erste Experimente auf der Grundlage des von ihm gefundenen dynamoelektrischen Prinzips (siehe 17. 1. 1867).

18.12.1866
Peter Mitterhofer (1822-1893) aus Meran (Tirol) präsentiert in Wien am Hofe des Kaisers seine aus Holz und Blech gebaute erste brauchbare Schreibmaschine. Er erhält 200 Gulden als Anerkennung, aber keine Möglichkeit, seine Erfindung auszubilden, geschweige denn sie industriell einzuführen (siehe 11.10.1867).

25. 12. 1866
In Königsberg/Preußen wird Max Wien geboren. Nach physikalischem Studium in seiner Vaterstadt, in Freiburg und Berlin, zuletzt bei Helmholtz, wurde er Assistent bei W. C. Roentgen in Würzburg, dann 27jährig Privatdozent an der dortigen Hochschule. Es folgten Dozenturen in Aachen und Danzig und 1911 ein Ruf nach Jena, wo Wien ordentlicher Professor für Physik wurde und bis 1935 lehrte. Seine Veröffentlichungen lagen zumeist auf den Gebieten der Akustik, der Wechselströme und der elektrischen Schwingungen. Um 1905 schuf er den Löschfunken-Sender für die drahtlose Telegraphie.

17. 1. 1867
In der Berliner Akademie der Wissenschaften verliest Prof. Gustav Magnus die Arbeit von Werner Siemens „über die Umwandlung von Arbeitskraft in elektrischen Strom ohne permanente Magnete". Damit wird die Erfindung der Dynamomaschine bekanntgemacht. Es beginnt das Zeitalter der wirtschaftlichen Starkstromtechnik.

25. 8. 1867
In Hampton Court bei London stirbt im 76. Lebensjahr der englische Physiker Michael Faraday (siehe 22. 9. 1791).

11.10.1867
Christopher Latham Sholes (1819 bis 1890), ein Drucker in Wisconsin/USA, meldet mit seinen Freunden Glidden und Soule ein Patent auf die Schreibmaschine an, die sie gemeinsam aus Holz und Eisenteilen gebastelt hatten. Einige Zeit später verbessert Sholes die Konstruktion und erhält weitere Patente darauf; dann übernimmt der Waffenfabrikant Philo Remington (1816 bis 1889) die Patentrechte von Sholes und bringt die durchgebildete Schreibmaschine ab 1873 erfolgreich auf den Markt. Der erste Dichter, der sich einer Schreibmaschine bediente, soll Mark Twain (1835-1910) gewesen sein.

10. 5. 1869
In Promontory Summit, am Großen Salzsee in Utah/USA, findet die „Hochzeit der Schienen" statt: auf einer Mahagonischwelle wird mit einem Goldbolzen der letzte Schienenstoß festgenagelt, der die erste transamerikanische Bahn zwischen New York und San Francisco (Entfernung 5400 km) vollendet. Die Direktoren der zwei Baugesellschaften schlagen diesen Goldbolzen mit einem Silberhammer in die Schwelle; der Hammer ist durch einen Draht mit der nächsten Station des elektrischen Telegraphen (siehe 24. 10. 1861) verbunden. Jeder Hammerschlag wird entlang der ganzen Telegraphenlinie auf allen Stationen „empfangen", um Kunde zu geben, daß das große, epochemachende Werk vollendet sei.

1. 6. 1869
In Kopenhagen wird Det Store Nordiske Telegraf Selskab gegründet, eine Gesellschaft, die sich namentlich im nordeuropäischen Raum durch Bau und Betrieb von Nachrichtenverbindungen hervorgetan hat.

30. 8. 1869
In Groß-Gorschütz bei Ratibor kommt Georg Wilhelm Graf von Arco zur Welt. Als Assistent Prof. Slabys fand er den Weg zur Hochfrequenztechnik. Von 1903 bis 1931 war er der technische Leiter der Telefunken-Gesellschaft. Die Großfunkstation Nauen und der Aufbau des Deutschen Überseefunknetzes verdanken ihm viel.

23. 11. 1869
In Kopenhagen kommt Waldemar Poulsen zur Welt. Nach technischen Studien wandte er sich früh der elektrischen Nachrichtentechnik zu. 1900 zeigte er auf der Pariser Weltausstellung sein „Telegraphon" zur Fixierung von Ferngesprächen, also einen Vorläufer des Tonbandgerätes. 1902/03 entwickelte er einen Lichtbogensender für drahtlose Telegraphie zur Erzeugung ungedämpfter Schwingungen.

25. 11. 1869
Die erste Ausgabe des „Journal Telegraphique" erscheint in Bern.

25. 1. 1870
Durch Gesetz wird der bisher in Großbritannien freizügig sich entwickelnde Telegraphie- Verkehr verstaatlicht.

1. 2. 1870
Die von den Siemens-Firmen in London, Berlin und St. Petersburg angelegte transkontinentale Indo-Europäische Telegraphenlinie nimmt zwischen London und Teheran versuchsweise ihren Betrieb auf. Im April gelingt der Direktverkehr London—Kalkutta über nahezu 11000 Kilometer. Bis 1931 blieb diese Linie in Betrieb.

26.4. 1870
Heinrich Stephan wird auf Vorschlag Bismarcks zum Generalpostdirektor des Norddeutschen Bundes ernannt. Seiner Initiative ist im Jahre 1874 die Gründung des Weltpostvereins zuzuschreiben. Seiner Leitung, nun als Generalpostmeister des Deutschen Reiches, wurden im Januar 1876 die vereinigte Reichspost und der Staatstelegraph unterstellt.

20. 5. 1870
In Breslau wird Arthur Korn geboren. Schon kurz nach der Jahrhundertwende beschäftigte er sich mit Bildfunk-und Fernsehproblemen, die er durch eigene Konstruktionen förderte. 1904 gelang ihm die erste Bildübertragung auf Drahtleitungen zwischen München-Nürnberg-München, 1907 auf einer Versuchslinie München-Berlin-Paris-London. 1923 gelang es ihm, drahtlos Bilder von Rom nach Bar Harbour/USA zu übertragen. Seit 1926 arbeitete er mit der C. Lorenz AG zusammen. 1928 wurde sein System bei der Berliner Polizei eingeführt. Korn gilt als der Pionier der Bildtelegraphie in Deutschland.

12. 9. 1870
In München stirbt im 68. Lebensjahr Carl August von Steinheil. Nach naturwissenschaftlichen Studien war der geborene Elsässer 1832 Professor der Physik und Akademie-Mitglied in München geworden. Seine nachrichtentechnischen Arbeiten führten ihn um 1836/38 auf die schon mal bekannt gewesene, aber in Vergessenheit geratene Erkenntnis, daß man zur Herstellung eines Stromkreises nur einen Draht benötigt. Etwa zur gleichen Zeit schuf er (unabhängig, aber gleichzeitig wie Morse) einen schreibenden Telegraphen. Elektrische Uhren, Blitzschutzeinrichtungen für Telegraphen, galvanoplastische und photographische Arbeiten kennzeichnen weitere Arbeitsgebiete dieses äußerst vielseitigen und auch industriell arbeitenden Gelehrten, den der König von Bayern durch Erhebung in den Adelsstand ehrte.

19. 9. 1870
In Leipzig wird Wilhelm Schloemilch geboren. Er bildete sich an der TH Darmstadt zum Elektrotechniker und trat danach, 1894, bei der AEG als junger Ingenieur ein. 1901 trat er zur Slaby-Arco-Gruppe im AEG-Kabelwerk Oberspree über, an welchem er an der Forschung und Entwicklung der jungen Funktechnik erfolgreich mitarbeiten konnte. Die „Schlömilch-Zelle" war, als Wellenanzeiger für den Funkempfang, eine seiner ersten Erfindungen, die jedoch bald durch die Lieben-Röhre abgelöst wurde.

6. 10. 1870
In Creußen/Franken wird Christoph Wirth geboren. Er wurde von Beruf Schullehrer, beschäftigte sich aber in seiner Freizeit mit drahtlosen Fernlenkversuchen. 1908/1911 experimentierte er auf dem Nürnberger Dutzendteich und auf dem Berliner Wannsee mit Fernlenkbooten. 1914 berichtete die ETZ bereits über die elektrische Zugbremsung nach Wirths System; 1918 waren ferngelenkte Torpedoboote in der Entwicklung.

12. 11. 1870
Der Photograph und Luftschiffer Prudent Rene Patrice Dagron (1819 bis 1900) verläßt mit einem Freiballon das von den Deutschen belagerte Paris. Er versucht mit Brieftauben in das unbesetzte Frankreich zu gelangen, um durch diese Tiere einen Nachrichtenzufluß in die französische Hauptstadt sicherzustellen. Jede Taube kann in Form von Mikro-Photographien rund 70000 Worte befördern.

1. 2. 1871
Nachdem schon im Vorjahre unter Leitung Carl Frischens (1830-1890) Versuche mit elektromagnetischen Eisenbahn-Streckenblocks bei Siemens & Halske in Berlin unternommen worden waren, präsentiert die Firma nunmehr ein serienreifes Modell, das von verschiedenen Telegraphen-Inspektoren geprüft und zur Einführung bei der Bahn empfohlen wurde. Im September 1871 werden die Streckenblocks auf der Eisenbahnstrecke Berlin—Potsdam in praktischem Betrieb demonstriert. Das war der Beginn der modernen, mechanischen Eisenbahnsicherungstechnik in Deutschland.

4.4.1871
In Rio de Janeiro wird, als Sohn deutscher Eltern, Arthur Wehnelt geboren. Nach Schulbesuch in Berlin, Studium ebenda und in Erlangen, wurde er 1904 außerordentlicher Professor in Erlangen. 1906 bis 1939 war er ordentlicher Professor für Technische Physik in Berlin. Mit Hilfe seines Elektrolyt-Unterbrechers („Wehnelt-Unterbrecher") konnte er die Leistung der Röntgenapparate um ein Vielfaches steigern. Unter den weiteren Leistungen dieses schöpferischen Physikers seien zwei für die Nachrichtentechnik entscheidende Erfindungen genannt, die 1903 entwickelte „Oxydkathode", die weltweite Bedeutung für die Röhrentechnik haben sollte, sowie die 1908 von ihm entdeckte Elektronenlinse, die aus einem über dem Kathodendraht einer Röntgenröhre angebrachten und mit ihm leitend verbundenen Metallzylinder besteht. Ohne die fokussierende Wirkung des „Wehnelt-Zylinders" wäre die heutige Röntgen- und Fernseh-Technik nicht denkbar. Dies waren die ersten Beobachtungen elektronenoptischer Wirkungen an magnetischen und elektrischen Linsen.

15. 4. 1871
In Rupertshofen/Württemberg wird Jonathan Zenneck geboren. Nach naturwissenschaftlichem Studium in Tübingen, Auslandsaufenthalt und Militärdienst wurde er 1895 Assistent von Prof. Ferdinand Braun in Straßburg, wo er sich für 10 Jahre besonders mit den Problemen der drahtlosen Telegraphie beschäftigte. Danach wandte er sich dem akademischen Lehramt zu; ab 1913 war er Professor für Experimentalphysik an der TH München, ab 1934 als Nachfolger Oskar v. Millers auch Vorsitzender des Deutschen Museums in München.

6. 10. 1871
In Mill Village/New Scotland, Canada, wird Frederic George Creed geboren. Er erfand einen Schnell-Morseapparat. 1909 gründete er in Croydon/ England eine Firma zur Fertigung und Fortentwicklung seiner Lochstreifensender und - empfänger.

29. 2.1872
In Danzig wird Otto von Bronk, der spätere Hochfrequenztechniker, geboren (siehe 5. 8. 1951).

20. 10. 1871
In London stirbt 79jährig Charles Babbage. Nach mathematischen Studien in Cambridge baute er in den Jahren 1823/33 mit staatlicher Unterstützung ein großes Rechenwerk, das Differenzen bis zu 16 Stellen berechnen konnte. Die Entwicklung einer noch größeren Anlage mußte aus finanziellen Gründen 1842 eingestellt werden. Babbage hatte richtig erkannt, daß man mit manueller Zahleneingabe zu schneller automatischer Lösung von Rechenvorgängen gelangen könne. Er war der erste Wegbereiter zum modernen, programmgesteuerten Computer, wie ihn K. Zuse 1941 realisiert hat.
21. 11. 1871
Geburtstag von Carl Lehner, der 1899 zusammen mit Harry Fuld in Frankfurt am Main die Firma Telefonbau & Normalzeit (T&N) gründete (ursprünglich hieß das Unternehmen jedoch Deutsche Privat Telephon Gesellschaft). Lehner hatte in Heilbronn das Uhrmacherhandwerk erlernt, war dann einige Zeit als Uhrmacher tätig und beschäftigte sich später namentlich mit der konstruktiven Durchbildung feinmechanischer Meßinstrumente. Die Technische Hochschule in Karlsruhe ernannte ihn 1925 zum Ehrensenator.

2. 4. 1872
In Poughkeepsie (New York) stirbt im 81. Lebensjahr Samuel F. B. Morse. Von Haus aus Kunstmaler, kam er bei elektrischen Experimenten um 1837 zur Konstruktion eines schreibenden Telegraphen. 1844 gelang es ihm, zwischen Washington und Baltimore, einen solchen Telegraphen öffentlich in Betrieb zu nehmen. 1854 gehört er zu den Gründern der Gesellschaft zum Bau des Transatlantik-Telegraphen, wie er 1858 für kurze Zeit, ab 1866, für ständig Wirklichkeit wurde.

8. 6. 1872
In Gräfenheinichen bei Bitterfeld wird Wilhelm Ohnesorge geboren. Als technischer Beamter der Reichspost hatte er sich um Fernsprechweitverkehr, Bildtelegraphie, Rundfunk und Fernsehen Verdienste erworben. 1937 wurde er Reichspostminister.

30. 7. 1872
Der amerikanische Zahnarzt Mahlon Loomis erhält ein USA-Patent auf sein bereits 1866 praktiziertes Verfahren drahtloser Telegraphie.

12.10.1872
In Kopenhagen wird Karl Emil Krarup geboren. Er wurde dänischer Staats-Telegraphen-Beamter. Sein Name wurde bekannt durch das von ihm entwickelte und seit 1902 in die Praxis eingeführte Selbstinduktions-Fernsprechkabel.

7. 7. 1873
Von Cuxhaven wird ein Telegraphen-Seekabel zur Insel Helgoland gelegt. Es war ein internationales Kabel, denn erst 1897 wurde das bisher englische Helgoland von Deutschland übernommen.

26. 8. 1873
In Council Bluffs (Iowa/USA) wird Lee de Forest geboren. Mit vielfältigen technischen Ideen hatte er sich schon in der Jugend beschäftigt, bis die drahtlose Telegraphie ihn im besonderen begeisterte. Kurz nach 1900 trat er mit seinem „Detector", 1907/08 mit seiner Audion-Röhre vor die Fachwelt. 1909/10 als Leiter der Radio Telephone Company in New York übertrug er mit seinen Geräten Carusos Gesang aus der Metropolitan Opera. In konsequenter Fortführung seiner funktechnischen Arbeiten wurde er der „Vater des amerikanischen Rundfunks".

14. 1. 1874
In Friedrichsdorf/Taunus stirbt 40jährig der Physiklehrer Philipp Reis. Seit 1852 mit Versuchen beschäftigt, gelangte er 1861 zur Ur-Erfindung des elektrischen Telephons, das er wiederholt in Experimentalvorträgen der wissenschaftlichen Welt vorstellte. Erst A. G. Bell gelang es - zwei Jahre nach Reis' Tode - das Telephon weltbekannt zu machen.

17. 2. 1874
In Newcastle on Tyne (England) wird das auf der Werft von Mitchell & Co. von William Froude erbaute erste große Spezialschiff für Tiefseekabellegungen, SS „Faraday", vom Stapel gelassen. Das Schiff hatte eine Wasserverdrängung von 4917 BRT, eine Länge von 111m, Doppelschraubenantrieb und erreichte bei voller Ladung 10,5 Knoten. Bis 1923, als man es durch einen Neubau gleichen Namens ersetzte, verlegte es über 60.000 km Seekabel, namentlich im Nordatlantik. Es lief unter der Flagge der Firma Siemens Brothers, Woolwich, und war auf Veranlassung der drei Firmeninhaber entwickelt und gebaut worden.

25. 4. 1874
In Griffone bei Bologna/Italien wird Guglielmo Marconi geboren. Angeregt durch seinen Lehrer Augusto Righi begann er 1895 mit praktischen Funkversuchen im Anschluß an die von Heinrich Hertz entdeckten elektrischen Wellen. Im Mai 1897 nahm die Fachwelt und die Weltpresse von seinen sensationellen Versuchen mit drahtlosen Nachrichtenübermittlungen im englischen Kanal Kenntnis, was zur Folge hatte, daß nun auch in anderen Ländern Experimente dieser Art verstärkt einsetzten. 1901 gelang es Marconi als erstem, ein Funkzeichen über den Nordatlantik zu senden und bald wurde die von ihm eingeführte Technik zu einem bedeutenden Sicherheitsfaktor in der See-, später auch der Luftfahrt. 1909 erhielten Marconi und der deutsche Prof. Braun gemeinsam den Nobel-Preis für Physik für ihre Pionierleistungen auf dem Gebiet der drahtlosen Telegraphie.

27. 4. 1874
Zu Tiengen/Oberrhein wird Fritz Lubberger geboren; er wurde einer der Pioniere der Fernsprech-Wähltechnik (siehe 16. 2. 1952).

25. 12. 1874
Zu Grevenbroich/Niederrhein wird August Kruckowgeboren. Als Fernmelde-Ingenieur bei der Post übernahm er 1933, als Nachfolger von E. Feyerabend (1867-1943), die Leitung der gesamten Nachrichtentechnik der Reichspost. In besonderem Maße hatte sich Kruckow der Ausbildung des vollautomatischen Fernsprechverkehrs zugewandt.

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