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typische historische Kamera

Zum Auffrischen und Erinnern . . . .

. . . sind diese Seiten hier gedacht, denn viele wissen nicht mehr oder noch nicht, wie es damals angefangen hat und wie das wirklich funktioniert mit dem Fernsehen, den Kameras, den Videorecordern, den Tonband- und den Magnetband- geräten aus alter Zeit. Viele Bilder können Sie durch Anklicken vergrößern.

Das Fernsehen kommt mit Macht, . . .

. . . doch das Geld ist nicht da. Hier zwei 1933er historische Kommentare aus dieser sehr turbulenten Zeit zum Thema Fernsehen:

1933 - Vom Stand des Fernsehens I

Ende Juli beginnen die regelmäßigen Fernseh- sendungen der Britischen Rundfunkgesellschaft nach dem System Baird. Es wird viermal in der Woche abends nach 10 Uhr je eine halbe Stunde lang ein Programm gesendet, das auf der einen Londoner Welle zu „sehen", auf der zweiten Londoner Welle zu „hören" sein wird. Die B.B.C hat bekanntlich mit der Baird-Gesellschaft auf zwei Jahre einen Vertrag zwecks Durchführung dieser Sendungen abgeschlossen. Es sollen außerdem Fernseh- versuchssendungen nach dem Baird- Verfahren mittels der soeben fertiggestellten Ultra-Kurz-Wellen-Sendeapparatur der B.B.C. durchgeführt werden.

 

Die englische Baird-Gesellschaft bringt nun zum Empfang der Sendungen einen wesentlich verbesserten Fernseh- Empfangsapparat heraus. Er soll zwischen 25 und 30 Pfund kosten und wird im großen auf der Londoner Funkausstellung zu kaufen sein.

 

Der Empfänger arbeitet mit einer Zeilenzahl von 30 bei einem 12 1/2 fachen Bildwechsel je Sekunde, wie dies für die Mittelwelle nötig ist, denn höhere Frequenzen gehen nicht durch. Statt der Nipkow- Scheibe wird ein Spiegelrad verwandt und statt der bisherigen Neon-Lampe eine Kerroptik, die ein blendend weißes Licht steuert, so daß auf der Mattscheibe helle, schwarz-weiße Bilder zu sehen sein werden. Die Scheibe ist ca. 10 cm breit und ca. 23 cm hoch, der ganze Apparat mißt 45 cm in der Länge, 20 cm in der Breite und 33 cm in der Höhe. Als höchste Spannung werden nur 300 Volt benötigt; der Fernseher wird einfach an die Lautsprecher-Buchsen eines guten Empfängers angeschaltet. - gd. -

1933 - Vom Stand des Fernsehens II

Es ist nicht zu leugnen, daß die absolute Ziffer des sommerlichen Rückganges an der Rundfunkteilnahme in diesem Jahre erheblich größer als in den Vorjahren war. Gewiß gibt es dafür die sehr glaubhafte Erklärung des allgemeinen Wirtschaftselends, aber es gibt auch eine Gegenmeinung, die diesen Rückgang mit einer Verärgerung großer Hörermassen zu begründen versucht. Jedenfalls hat der Rundfunk und damit auch gleichzeitig die Reichspost alle Veranlassung, durch eine glückliche Werbeaktion die verlorengegangenen Bataillone wieder zurückzugewinnen.

 

Die Reichspost scheint sich intensiv mit diesem Problem zu beschäftigen; ja, sie will offenbar zu einem großen Schlage ausholen und uns in kurzer Zeit mit einer Neueinführung überraschen, die allerdings unter bestimmten Umständen durchaus geeignet wäre, dem Rundfunk weit mehr neue Scharen zuzuführen, als er in diesem Sommer verlor. Kurz gesagt: Es ist beabsichtigt, das Fernsehen nun endlich unter Aufbietung aller Mittel publikumsreif zu machen, es ist beabsichtigt, das Fernsehen schon bald in das ständige Programm einzufügen. Zu diesem Zwecke besetzte die Reichspost im Labyrinth des Berliner Funkhauses eine kleine Flucht von Zimmern und ist im Begriff, diese neuentstandenen Laboratorien ganz der Vollendung des Fernsehens zu widmen. Es sollen weder Kosten noch Mittel gescheut werden, es sollen Prospekte nicht und nicht Maschinen geschont sein, um in wenigen Wochen die bewegte Bildübertragung anbieten zu können.

1933 - Vom Stand des Fernsehens Teil III

Das hört sich alles recht brauchbar an und es gibt Optimisten, die dem Rundfunk daraufhin eine neue Steilheit der Teilnehmerkurvc voraussagen. Jedoch ohne Voreingenommenheit sehen die Dinge doch wohl leider etwas ungünstiger aus. In Wahrheit liegt es doch so, daß es sich beim Fernsehen schon längst nicht mehr darum handelt, mit den vorhandenen Aufnahmegeräten ein brauchbares Bild herzubekommen, sondern daß vielmehr allein die zur Verfügung stehenden Bildpunkte eine ausschlaggebende Rolle spielen. Diese Bildpunkte aber sind abhängig von der Breite des Frequenzbandes, das heißt davon, ob genügend Wellenlängen zur Verfügung stehen oder nicht. Aber auch der unentwegte Optimist wird nicht zu behaupten wagen, daß wir Überfluß an Wellenlängen hätten.

 

Somit muß das Fernsehen ganz aus dem Bereich der Rundfunkwellen verschwinden und wird in der Zukunft allein durch Verwendung der Ultrakurzwellen möglich sein. Gesetzt den Fall, daß hier alle Voraussetzungen für ein einwandfreies Arbeiten erfüllt wären, müßte man doch fragen, ob unter der augenblicklichen wirtschaftlichen Depression einem nennenswerten Teil der Hörerschaft zugemutet werden kann, die zur Aufnahme des neuen Fernsehens notwendigen Empfänger und Zusatzgeräte anzuschaffen. Auch hier wird der schon mehrfach zitierte Optimist bedenklich den Kopf schütteln und wohl kaum eine zustimmende Antwort geben können.

 

Aber vielleicht läßt sich ein anderer Vorschlag durchführen! Wie wäre es, wenn anläßlich der großen deutschen Funkaustellung die verschiedenen Arten der Fernsehmethoden dem großen Publikum vorgeführt würden, und zwar genau so, wie sie sich auch bei der drahtlosen Übertragung ausnehmen müßten? Das Publikum sollte dann selbst darüber entscheiden, welche der vorgeführten System gut genug sind, um ein Weiterarbeiten auf diesem Gebiet in Anbetracht der schwierigen Geld Verhältnisse zu rechtfertigen. Aus welchem Grund läßt man die Allgemeinheit nicht selbst darüber Richter sein, was man ihr später vorzusetzen gedenkt. Entscheidet sich ein großer Teil des Publikums für ein ganz bestimmtes System des Fernsehens, dann ist die Zeit, die Versuche mit der Legitimation des allgemeinen Wunsches durchzuführen.

 

Das schreibt ein Herr H. Engel im August 1932 (es müsste eigentlich 1933 gewesen sein).

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