Sie sind hier : Startseite →  Fernseh-Historie→  Kleine Geschichte des Fernsehens→  Ein Umbruch - das Iconoscope

Kleine Geschichte des deutschen Fernsehens aus 1969

Ein Buch von Dr.-Ing. E. h. Walter Bruch aus dem Jahr 1969 aus dem Fundus des ehemaligen "Vereins zur Errichtung eines Fernsehmuseums" in Wiesbaden. Mehr über die Glorie, die Publikationen und das Vermächtnis des Ehrenmitgliedes dieses Vereins lesen Sie hier.

1935 - Telefunken bekommt ein Iconscope von RCA

1935 reisten beide nach den USA und sahen bei der RCA das Iconscope . Sie waren so begeistert, daß sie zu der Überzeugung kamen, wenn die deutsche Technik nicht hoffnungslos zurückbleiben wollte, müsse das Ikonoskop auf dem schnellsten Wege "nachgebaut" werden.

  • „General Sarnoff, damals Präsident der RCA, war so entgegenkommend, uns ein Iconscope herüberzuschicken, im Austausch gegen unsere Leuchtstoffe und deren bessere Präpariermethoden. Urtels Labor brachte die Röhre bald in Betrieb; Dr. Knoblauch lernte sie nachzubauen, und schon im Sommer 1935 konnten wir der Reichspost mit dem Iconscope übertragene Bilder vorführen. Trotzdem - wir hatten eine Niederlage hinnehmen müssen. Um sie auszuwetzen, gingen wir energisch an die Aufgabe der Verzehnfachung der Lichtempfindlichkeit des Iconscopes in Form des Super-Iconoscopes heran",


berichtet Fritz Schröter.

1935 - Eine wirklich vollelektronische Fernseh-Anlage

Rudolf Urtel hat tatsächlich als erster eine wirklich vollelektronische Anlage hingestellt, und wenn danach auch andere beachtliche Erfolge auf diesem Gebiet erzielten, so ist er doch als einer der Wegbereiter der Voll-Elektronik aus der Geschichte des deutschen Fernsehens nicht wegzudenken. Er war auch einer der eifrigsten Initiatoren des Nachkriegsfernsehens geworden.

Rudolf Urtel verunglückte 1952 auf der Rückfahrt von einer Fernsehnormtagung in Nürnberg nach Pforzheim, wo er bei der SEL ein neues Arbeitsgebiet gefunden hatte. Am Abend vorher hatten wir alten Kollegen, Richard Theile und ich, mit ihm Erinnerungen aus der Pionierzeit ausgetauscht.

Walter Bruch kommt bei Dr. Fritz Schröter im Labor unter

Ende 1935 war ich zur Forschungsabteilung von Fritz Schröter gekommen und hatte dort die Urtelschen Vorentwicklungen in die Praxis zu überführen, Anlagen zu bauen, zu demonstrieren und an die Reichspost zu liefern.

In jener Zeit arbeitete ich selbst in einem traditionsreichen Labor unter der Leitung von Otto Schriever. Er hatte die Bildtelegrafie erfolgreich praktiziert, glaubte aber nicht an die elektronische Fernsehabtastung. Ich war in dem Labor speziell Wolfgang Federmann zugeteilt, der mir in dankenswerter Weise völlig freie Hand ließ.

Der Kontakt mit Urtel war für mich wie ein Lebenselixier. Gegen seine scharfe Zunge sich behaupten zu müssen, war ein lehrreiches Vergnügen, und die wissenschaftlichen Diskussionen mit ihm waren stets ein besonderer Genuß. Er hat meinen Ehrgeiz aufgestachelt; gegen ihn wollte und konnte ich bald durch eigene Arbeiten bestehen. Die Fernsehtechnische Gesellschaft e.V. ehrt ihn noch heute durch einen „Urtelpreis" zur Förderung des Fernseh-Nachwuchses.

Anmerkung : In keinem seiner Berichte (vor 1960) wird ein W. Bruch auch nur nebenbei erwähnt. Und Fritz Schröter hatte später alle seine leitenden Mitabeiter benannt und gewürdigt. Diese Legende wurde vermutlich erst nach 1963 vom Telefunken Marketing zurecht gebogen und glorifiziert.

.

Farnsworth und seine Sondenröhre (auch „Dissektor" genannt)

Eine andere Aufnahmeröhre machte in jenen Tagen viel von sich reden. Obwohl sie auf deutschen Grundideen basierte, war sie auch in den USA entwickelt worden: das Sondenrohr („Dissektor") von Philo Farnsworth.

Die Fernseh AG hatte sich diese Erfindung "gesichert" und bei Sonnenlicht beachtliche Erfolge damit erzielt. Da aber bei ihr das (Anmerkung: Ladungs-) Speicherprinzip nicht ausgenutzt wurde, konnte sie nicht mit dem Iconoscope und erst recht nicht mit dem Super-Iconoscope konkurrieren.

Die „Mutter der Elektronik"

Mit dem Iconoscope und der Bildröhre war das Fernsehen vollelektronisch geworden. Die neue Fernsehelektronik war die „Mutter der Elektronik". Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, wurden die Fernsehelektroniker bewährte Helfer für die Impulstechnik der Radar-Entwicklung. Nach dem Kriege konnten umgekehrt die Fernsehingenieure wieder Anleihen bei der Radartechnik machen. Gegenwärtig sind beide Disziplinen, die sich gegenseitig befruchten, ebenbürtig um den weiteren technischen Fortschritt bemüht.

Heute sitzen wir vor dem Bildschirm und sehen ein Fußballspiel. Die Dämmerung sinkt herab, wir merken es nicht, für uns ist das Spielfeld strahlend hell. Wir sehen oft mehr, als der Besucher im Stadion. Er braucht die Geräuschkulisse, um zu wissen, ob der Ball ins Tor ging. Wir haben ihn genau gesehen, besser als der Schiedsrichter, und das verdanken wir der Weiterentwicklung von Zworykins Iconoscope.

über Orthicon, Vidicon sind wir heute beim Image-Orthicon gelandet. Empfindlicher als der beste Film kann es noch Bilder bei Mondlicht bringen. Wir stehen am vorläufigen Ende einer Kette. Die Zeit ist um, in der die Schauspieler mit nach tagelangen Proben verbrannten Nasen bei der Sendung in die Lichtfülle „blinzeln" mußten. Vorbei ist auch die Zeit, in der sie in einer dunklen „Telefonzelle", genannt „Schwitzkasten", zu agieren hatten.

1939 - Ein Fersehkino Saal für 120 Personen

Aber auch bei der Weiterentwicklung der Bildröhre sind damals Spitzenleistungen erreicht worden! Vor einem Kinosaal in Berlin-Moabit - er gehört der Reichspost - stehen 1939 Menschen an. Nur 120 Neugierige sind hereingelassen worden. Sie sehen auf einer Bildwand das Funkturmgelände: Menschen strömen im Sommergarten-Rondell auf die Plätze, eine Gymnastikgruppe zeigt harmonische Bewegungen, Rhönräder rollen, ein Funkwagen der Wehrmacht bricht durch die über die Treppe gelegten Planken.

Die 120 Fernsehzuschauer sind auch dabei! 3 x 3,6 Meter groß ist das Bild, das sie sehen. Ein richtiges Kinobild aus einem Vorstadttheater. Die Bildröhre, von deren Schirm aus es projiziert wird, hören wir knistern, manchmal knallt es auch, und das Bild wird einen Moment lang dunkel. Diese Röhre arbeitet nämlich mit achtzigtausend Volt, wirklich eine Wunderlampe! Erich Schwartz von der Fernseh AG, der sie gebaut hat, ist mit Recht stolz auf diese Leistung.

Es wird Licht, Pause, neues Publikum kommt herein, denn noch mehr Menschen wollen an diesem Nachmittag das technische Wunderwerk sehen. Wir treten an den Bildschirm, auch er ist eine erstaunliche Leistung: ein kugelförmiger Hohlspiegel, zusammen-„gemauert" aus zahlreichen „Briketts". Jedes für sich besteht wieder aus zahlreichen Miniaturkatzenaugen. Der Optiker weiß, warum das Bild so hell erscheint. Dennoch ist auch der Fachmann von dieser Lösung tief beeindruckt. Rolf Möller hat diesen Schirm entwickelt.

Röhren mit mehr als 50.000 Volt

Ein weiter Weg war es bis hierher von dem ersten Projektionsbild des Leuchtschirmes einer Braunschen Röhre, das wiederum Ardenne schon 1931 gewagt hatte. Aber seine Röhre arbeitete mit nur 2.000 Volt, sein Bildschirm war einfach eine Mattscheibe. Gewiß, später, bei den Olympischen Spielen 1936, hatte man schon bessere Projektionen gezeigt. Diese Bilder waren etwa 1 x 1,2 Meter groß, aber noch sehr dunkel. Mit 50.000 Volt Spannung an den Röhren hatte ich einen Fernsehabtaster mit Projektionswiedergabe im Reichspostministerium, in der Leipziger Straße, eingerichtet. Zeitlich folgte dann das Fernsehtheater in Moabit.

Noch im Kriege, 1940, durfte ich für die Reichspost-Fernsehgesellchaft einen Projektor (Amerkung: zusammen-) bauen, der in dem als Fernsehtheater für Verwundete umgebauten Bechsteinsaal in Berlin aufgestellt wurde. Als Bildschirm diente ein auf der Vorderseite mattiert geschliffener Hohlspiegel aus Glas, wie ihn auch Rolf Möller einige Jahre früher vorgeschlagen hatte.

Jene Zeit der großen Reden in riesigen Hallen verlangte nach einem, man könnte sagen, Großbild in der Art einer Lichtreklame. August Karolus schuf es. Der Sprecher wurde auf einer aus Tausenden von Glühlämpchen bestehenden Fläche fast taghell in Großformat wiedergegeben, ausdrucksvoll und lebendig in allen Phasen seiner Ansprache: War das nichts für einen Mann wie Josef Goebbels? Vom Signal eines Leuchtschirmabtasters übertragen, erschien ein solcher Redner erstmals in der Berliner Deutschlandhalle in hoher Vergrößerung auf der Tribüne über seinem Sprechpult.

Das Fernsehen nimmt Gestalt an

Die Fernsehdemonstrationen wurden anfangs meist im sogenannten Kurzschlußverfahren durchgeführt. Sender und Empfänger waren über Leitungen direkt verbunden. Da diese nur bildfrequente Ströme führten, hat man sie „Videoleitungen" und die Signale selber „Videosignale" genannt, abgeleitet vom lateinischen: videre = sehen, im Gegensatz zu den Tonsignalen, die wir mit „Audio" von audire = hören, bezeichnen. Doch ging man in Berlin und in London bald auch mit Fernsehen auf den Sender und beteiligte so einen größeren Kreis von Interessenten an den Versuchen.

So berichtet in der Zeitschrift „Fernsehen" Horst Hewel, Ingenieurstudent aus Berlin :

  • „Gegen Mittag, März 1929, hörte ich nun auf der Berlin-Witzlebener Weile jeden Mittag nach Beendigung des Nauener Zeitzeichens eigenartige Knurrtöne. Am 14. März erfuhr ich durch Zufall, daß es sich bei diesen Geräuschen um Fernsehversuche nach dem v. Mihalyschen System handelte. Am Mittag des 20. März sah ich zum ersten Male im selbstgebauten Fernseher ein Gebilde, das gewisse Ähnlichkeiten mit einem Menschenkopf hatte. Am 26. März gelang die erste einwandfreie Aufnahme der Berliner Fernkinoversuche (Filmbilder eines Zigaretten rauchenden Herrn, einer jungen Dame, die sich in einem Handspiegel betrachtet; Foto usw.)."


Mit diesen Ausstrahlungen des Senders Berlin-Witzleben, den ersten in Europa, hat der deutsche Fernsehrundfunk begonnen. Mit immer höheren Zeilenzahlen wurden in der Folgezeit nach kurzen Unterbrechungen 14 Jahre lang Fernsehsendungen in Berlin ausgestrahlt, bis 1943 der letzte Bildsender durch Bomben zerstört wurde. Der Zigaretten rauchende Herr war übrigens Denes v. Mihaly selbst auf einem kurzen Testfilm.

Ein Blick nach London:

Dort hatte der Schotte John Loggie Baird schon 1924 mit Fernsehversuchen begonnen. Auch er fing mit Nipkowscheiben an. Als Autodidakt ging er - vom Fernsehen besessen - zunächst einen schweren Weg. Seine eigenen bescheidenen Mittel steckte er in die Versuche, bis er später Finanziers fand.

Im Gegensatz zur Gemeinschaftsarbeit in Berlin wurde aber die Entwicklung des Fernsehens in Großbritannien technisch in den ersten Jahren ausschließlich von John Baird und seinen Mitarbeitern vorangetrieben. Während es den deutschen Technikern mehr darauf ankam, systematisch die Übertragungsmöglichkeiten zu erproben, wofür anfangs Filmübertragungen genügten, beschäftigte sich John Baird dagegen sofort mit dem wirklichen Fernsehen.

1924 - Große Geldnot bei Baird

Bairds Werdegang ist bitter; die ersten Besucher, die seine Bilder Anfangs 1924 sehen, sind enttäuscht. Geld kommt nicht herein. John Baird muß Darlehen aufnehmen. Im März 1925 gelingt es ihm, den Inhaber des größten europäischen Warenhauses, Selfridge, zu interessieren. Der läßt ihn für das Honorar von 200 Pfund seine Geräte im Warenhaus zeigen. Man sieht im Empfänger kaum erkennbare Schatten eines Malteserkreuzes. Dafür interessiert sich aber das Publikum nicht.

In einer Mansarde in Soho kann John Baird dann, im Oktober 1925, das Bild einer Bauchrednerpuppe oder das Zifferblatt einer Taschenuhr übertragen. Zum 27. Januar 1926 lädt er die Mitglieder der Royal Society for Science in diese Mansarde ein. Die Presse nimmt Notiz von seiner Tätigkeit, und zwei Jahre später gelingt es ihm, die Baird Television Development Company zu gründen. Er hat jetzt ein Laboratorium in der Nähe von Covent Garden und alle Mittel, die er braucht. Er wird Mitte der dreißiger Jahre bekannt.

England (die BBC) entscheidet sich für EMI/Marconi

Als sich später England für das inzwischen von EMI und Marconi geschaffene neue elektronische System entscheidet, erlischt sein Ruhm. Bald danach stirbt er, ein Fernsehpionier, der, wie andere, als das mechanische Zeitalter vorbei war, den Anschluß an die Elektronik nicht gefunden hat.

 Seine Gruppe drängte schon 1928 die BBC, über einen ihrer Sender Bairdsche Bilder auszustrahlen, aber . . .

  • " .... nach ernster Prüfung und Rücksprache mit unseren Technikern sind wir leider nicht in der Lage, den von Ihnen angeregten Programmdienst im Rahmen unserer British Broadcasting Corporation aufzunehmen. Sie werden zugeben, daß sich alles noch zu sehr im Experimentierzustand befindet"


schreibt die BBC an John Baird.

Hans Bredow besucht John Baird in London

Begeisterte Veröffentlichungen von Journalisten über die Bairdschen Versuche regten den „Vater" des deutschen Rundfunks, Staatssekretär Hans Bredow, zu einem Besuch bei John Baird in London an. Auch Hans Bredow überraschten diese Bilder, so daß er Baird anbot, sie in Berlin auszustrahlen.

Im Januar 1929 wurden die Geräte in einem Haus in der Potsdamer Straße, gegenüber dem ersten deutschen Rundfunkstudio im damaligen Vox-Haus, aufgebaut.

Die erste Sendung war am 5. Januar. Abwechselnd mit den Sendungen des Reichspostzentralamtes konnte man nachts von 1.00 bis 2.00 Uhr die Bilder von Bairds „Noctovision" sehen. Werner Nestel, damals junger Ingenieur bei der Reichsrundfunkgesellschaft, wurde John Baird als Assistent beigegeben. Bairds Berliner Versuche wurde bald abgebrochen. Er ging zurück nach England. Wenig später kam ein Brief von der BBC.

  • „ ..... Wenn auch der Postminister unverändert die Ansicht vertritt, daß sich der Stand der heutigen Technik noch nicht für einen Fernsehdienst eignet, so sind wir bereit, gemeinsam mit Ihnen weitere Experimente durchzuführen."

.

1929 - Auch London strahlt Fernsehbilder aus

Am 30. September 1929 begann, als zweiter Fernsehsender in Europa, der Londoner Mittelweliensender, zunächst viermal wöchentlich eine halbe Stunde lang regelmäßig 30-Zeilen-Bilder auszustrahlen. So hat Berlin durch die Einladung von Baird auch einen Teil zur englischen Fernsehgeschichte beigetragen.

Während Berlin noch jahrelang das Bild ohne Ton aussandte, wurde in England zuerst immer zwei Minuten lang nur das Bild und dann zwei Minuten lang nur der Ton in ständiger Wiederholung dieses Wechsels gesendet.

Eine Zeitung kommentierte das damals so:

  • „Der Ansager kündigt dem Rundfunkpublikum eine Sängerin an. Darauf ertönt im Lautsprecher das typische Fernsehgeräusch, ein Zeichen, daß man auf den Umschaltknopf für Bildempfang drücken soll. Man sieht alsdann, wie die Sängerin sich verneigt. Nach einer kurzen Pause beginnt die Künstlerin mit ihrem Vortrag, den man wieder über ,Ton' empfängt. Am Schluß dieser Darbietung schaltet man von neuem auf ,Bild' um und kann die Künstlerin jetzt im Bilde wiederholen sehen, was vorher im Ton gebracht wurde."

.

Bild und Ton wurden erst spät kombiniert

Warum hat das deutsche Fernsehen so spät erst die Bildsendungen durch den Ton ergänzt? Die Erklärung ist einfach: Anfangs wurden nur Filme gesendet, und zwar ohne Ton. Wir hatten ja noch den Stummfilm. Der Lichttonfilm war freilich längst in Berlin von Hans Vogt, Jo Engl und Joseph Massolle erfunden und schon im September 1922 zum ersten Mal in der „Alhambra" demonstriert worden; aber eingeführt war er noch nicht.

Dieselbe Funkausstellung 1928, auf der sich erstmals das Fernsehen zu Wort meldete, wurde, sozusagen als ganz besondere Attraktion, mit einem ersten Lichttonfilm der Reichsrundfunkgesellschaft eröffnet: „Tönende Welle", so hieß er. Aber nicht vor 1929 durfte in Berlin der erste abendfüllende Unterhaltungstonfilm „Singing Fool" anlaufen, nachdem eine einstweilige Verfügung, die diese Vorführung aus Patentgründen verboten hatte, aufgehoben worden war. Der Ton war noch auf Schallplatten aufgezeichnet.

Ton-Film geht nur mit UKW

Die „Berliner Morgenpost" vom 4. Juni 1929 kommentierte den Stand der Technik:

  • „Endlich ist es Wirklichkeit geworden. Spät, doch noch nicht zu spät, sind auch wir beim historischen Wendepunkt des Films angelangt . Der Ton-Film, der sprechende Film ist also da!"


Warum sollte also bei dieser Einstellung das Fernsehen schon durch Tonbegleitung erschwert werden? Da man einen Rundfunksender nach den international getroffenen Vereinbarungen nur mit maximal 9.000 Hertz modulieren durfte, begnügte sich seinerzeit der Optimist Mihaly mit Bildern von 30 Zeilen. Will man ein breiteres Frequenzband übertragen, so braucht man dazu Sender mit viel schnelleren Schwingungen, als bei den Rundfunkwellenlängen üblich, das heißt, man mußte von der Langoder Mittelwelle zur Kurzwelle, bei der heutigen Bandbreite sogar zur Ultrakurzwelle übergehen.

Es gab sogar Fernseh-Versuche mit Kurzwellen

RPZ und Telefunken hatten es mit Kurzwellen versucht. Zwischen Nauen und Geltow wurden über zwei KW-Sender Bild (mit 48 Zeilen) und Ton übertragen. Wolfgang Federmann hatte sogar Bilder vom Sender der General Electric in Schenectady empfangen. Diese Versuche bestätigten, was die Bildtelegrafie schon gezeigt hatte, nämlich daß das gleichzeitige Eintreffen der Bodenwelle und der an der Ionosphäre reflektierten Raumwelle öfters zu untragbaren Bildverwischungen führte, die ein rundfunkartiges Kurzwellen-Fernsehen, auch der den Sender umgebenden „toten Zone" wegen, als aussichtslos erscheinen lassen mußte.

Nachdrücklich begann in dieser Zeit Fritz Schröter die Ultrakurzwelle für das Fernsehen zu empfehlen. Diese Welle war aber noch nicht erforscht. Er läßt sie sofort in den Laboratorien untersuchen. In einem Patent Nr. 459 660 schlägt er schon im Januar 1926 solche Wellen gebündelt für die Verteilung von Fernsehprogrammen im Weichbild von Großstädten vor. Schröter hatte nämlich erkannt, daß sie sich hinsichtlich ihrer Fortplanzung ähnlich wie Lichtstrahlen verhalten. Ihr Ausbreitungsbereich begrenzt sich also etwa auf das Gebiet optischen Lichts. Daher hat er für diese Wellen die Bezeichnung „quasioptisch" eingeführt.

1930 - erste Versuche mit UKW Sendern

Er reichte der Welt-Ingenieurkonferenz in Tokio einen Bericht ein, der die ultrakurzen Wellen für die Versorgung des Gebietes der Großstädte mit Rundfunk, Fernsehen und Fernkinematografie empfahl; auch Hörrundfunk für Großstädte war vorgesehen.

Unser heutiges Fernsehen und der FM-Rundfunk benutzen dies Wellen. Schon 1930 wurde in Berlin der erste UKW-Fernsehsender in Europa - noch für 90-ZeiIen-Bilder - in Betrieb gesetzt. Seine Antenne war auf dem Funkturm montiert. Immer stärkere Sender entstanden. Dann, vom 18. April 1934 an, wurden Bilder nun mit 180 Zeilen über einen zweiten Sender tonbegleitet. Das deutsche Fernsehen hatte einen technischen Stand erreicht, mit dem man es schon hätte einführen können, allerdings nur für Filmsendungen.

Licht, Licht und nochmals Licht - oder ein Trick

Wie sah es nun mit der Live-Sendung aus? Noch hatte man nur die Lichtpunktabtastung. Für diese Technik brauchte man einen dunklen Raum, eine Telefonzelle, damals treffend „Schwitzkasten" genannt. „Selbstleuchter" werden dabei nicht übertragen. Eine brennende Kerze zum Beispiel erscheint nicht im Bild. Ihr Licht trifft dauernd die Fotozelle, „stopft" sie zu, und es entsteht im Bild ein störender „Grieß"; deshalb die Dunkelkammer. Außenszenen konnte man gelegentlich mit der Zwischenfilmabtastung übertragen. Georg Schubert hatte bei der Fernseh AG 1933 einen Großwandprojektor für Fernsehbilder in Kinoformat und mit Kinohelligkeit gezeigt. Das Fernsehbild wurde von einer Nipkowscheibe auf einem 35-mm-Normalfilm aufgezeichnet, sofort entwickelt und noch naß projiziert. Der ganze Prozeß dauerte 15 Sekunden. Später benutzte man ein endloses schleifenartiges Filmband, das laufend mit einer lichtempfindlichen Schicht versehen, belichtet, entwickelt, projiziert und danach durch Abwaschen der verbrauchten Emulsion wieder aufnahmefähig gemacht wurde, worauf der Prozeß von neuem begann.

Noch heute sehe ich den leider an den Folgen strapaziöser Jahre in der Kriegsgefangenschaft früh verstorbenen Georg Schubert vor mir, wie er in unmittelbarer Nähe von unserem Stand vom Morgen der Eröffnung bis zum Abend des letzten Ausstellungstages mit aufgekrempelten Hemdärmeln in seinen Emulsionen und Laufwerken nachhalf. Wer je die modernste Großprojektionseinrichtung, das Eidophor, vielleicht in seinen Anfangstagen - Jahrzehnte später - gesehen hat, wird sich an jene wahrhaft große Leistung Schuberts von 1933 erinnern.

Dieses Prinzip wurde für die Aufnahme abgewandelt. Man ging dabei vom fertigen Film aus: Kamerafilm mit Schnellentwicklung und nachfolgende Fernsehabtastung. Für die Reichsrundfunkgesellschaft hatte die Fernseh AG 1934 einen solchen Zwischenfilm-Aufnahmewagen gebaut. Er wurde auch während der Olympischen Spiele eingesetzt. 1934 und 1935 war dies die einzige Möglichkeit, für Live eine Freilichtaufnahme zu machen. Auf Ausstellungen war das Verfahren sehr publikumswirksam: Man konnte sich „abtasten" lassen, dann zum Empfänger gehen und in aller Ruhe warten, bis das Bild gesendet wurde.

- Werbung Dezent -
Zur Startseite - © 2007 / 2017 - Deutsches Fernsehmuseum Wiesbaden - Copyright by Dipl. Ing. Gert Redlich - Privatsphäre - Redaktions-Telefon - zum Flohmarkt
Bitte einfach nur lächeln: Diese Seiten sind garantiert RDE / IPW zertifiziert und für Leser von 5 bis 108 Jahren freigegeben - kostenlos natürlich.