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Kleine Geschichte des deutschen Fernsehens aus 1969

Ein Buch von Dr.-Ing. E. h. Walter Bruch aus dem Jahr 1969 aus dem Fundus des ehemaligen "Vereins zur Errichtung eines Fernsehmuseums" in Wiesbaden. Mehr über die Glorie, die Publikationen und das Vermächtnis des Ehrenmitgliedes dieses Vereins lesen Sie hier.

Und jetzt zum SECAM

Abänderungsvorschläge an dem unvolkommenem NTSC von G. Boutry in Paris, von Haantjes und K. Teer in Eindhoven - auch Valensi dürfen wir nicht vergessen - sie konnten sich nicht durchsetzen. Erst als ein Franzose, Henri de France, später von seinen Mitarbeitern in der Compagnie Frangaise de Television, P. Cassagne und G. Melchior, unterstützt, einen ganz neuen Weg beschritt, war die einheitliche Einführung von NTSC auch in Europa in Frage gestellt.

Henri de France hatte sich gesagt, wenn wir die Farbe ohnehin grob über das Helligkeitsbild wischen, dann kann ein Farbübergang von oben nach unten gut über zwei Zeilen in Anspruch nehmen, ohne daß das Auge eine störende Unscharfe bemerkt, vorausgesetzt, daß die zugehörige Helligkeitsänderung scharf ist. Die größte Schwierigkeit bei NTSC ist darauf zurückzuführen, daß man im Farbkanal immer zwei Informationen gleichzeitig übertragen muß. Henri de France hatte nun die geniale Idee, in einer Zeile nur die eine der beiden auszusenden und in der nächsten die andere. Weil man aber für die Bildschreibröhre jederzeit beide Informationen braucht, hebt er das eine Farbsignal, das von der ersten Zeile kommt, in einem Speicher so lange auf, bis gerade das zweite, aus der nächsten Zeile herrührende Signal vom Abtaster ankommt.

Jetzt hat er beide Farbsignale gleichzeitig zur Verfügung, das eine direkt und das andere vom Speicher, und kann sie zusammen verwerten. Dieses abwechselnde, sequentielle übertragen und der Speicher, der aus der „Erinnerung" hergeben muß, was er eine Zeile zuvor registriert hat, haben dem System den Namen gegeben: Sequentiel ä Memoire - SECAM.
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Die Idee hatt bereits Giovanni Caselli um 1855

Es ist interessant, einmal nachzuspüren, ob diese Technik, von Zeile zu Zeile abwechselnd eine andere Information zu übertragen, nicht schon früher bekannt war. Dabei stoßen wir auf Giovanni Caselli. Er hat die zeilenfrequente Abtastung geschickt mit der sequentiellen Übertragung verbunden. Seine Geräte waren in Frankreich gegen 1855 in Betrieb, Paris war durch sie mit einigen Provinzstädten verbunden.

Caselli verwendete Uhrenpendel als Schreibstiftträger und zugleich als Taktgeber für die Synchronisierung. Zwei gleiche Anordnungen dieser Art mit gleicher Schwingungsfrequenz gestatteten es, während von dem einen Bild eine Zeile geschrieben wurde, bei dem anderen den pendelnden Schreibstift an den Zeilenanfang zurückzuführen; dann vertauschten sich die Vorgänge. Auf diese Weise wurden immer zwei Bilder gleichzeitig, aber im Zeilenfolgesystem, übertragen. Casellis Gerät wurde am 20. Januar 1859 auch in Preußen patentiert.

PAL-Farbfemsehsystem:
1967 - (letzter Stand der Technik)

Etwa von 1956 an beginnt man in Europa sich ernsthaft mit dem Farbfernsehen zu beschäftigen. Zunächst wird eine Bestandsaufnahme gemacht. Experten aus fünf europäischen Ländern finden sich zusammen und besuchen sich gegenseitig. Nach Paris, Den Haag und Eindhoven, London und den USA geht die Reise. Dann beginnen die Konferenzen im C. C. I. R., der weltweit legitimierten Nachrichtenkommission.

In Tagungen der Studiengruppe XI (Fernsehen) in Los Angeles, Moskau, Genf, Bad Kreuznach, unerfolgreich in Wien und zuletzt in Oslo wird um eine europäische Farbfernsehnorm gerungen. Zu dieser im Grunde wenig beweglichen internationalen Organisation kommt Ende 1962 eine neue hinzu. Zuvor hatte Walter Gerber, Experte für Fernsehfragen der Schweizer PTT, der „Vater der Gerber-Norm", sich schon redlich bemüht, eine Einigung der sogenannten „Gerberländer" zu erzielen.

Er versuchte alle Länder, die nach der Gerber-Norm, 625 Zeilen und 5 MHz Videobandbreite, arbeiten, für eine gemeinsame Farbfernsehnorm zu gewinnen. Aber vergeblich! Im November 1962 trafen sich Farbfernsehexperten als Gäste des Technischen Direktors der EBU (European Broadcasting Union), George Hansen, bei der BBC in London, um zu beraten, wie man zu einer Farbfemsehnorm für ganz Europa kommen könne.

Und wieder ein Arbeitskreis „Farbfernsehen"

Es wurde eine Arbeitsgruppe gegründet, die ad-hoc-Gruppe „Farbfernsehen" der EBU. Zum Vorsitzenden wählte man einen Deutschen, Richard Theile, Leiter des Instituts für Rundfunktechnik (IRT) in München. Namhafte Sachkenner der Rundfunkorganisationen, der Postverwaltungen und der Industrie der Länder Frankreich, Großbritannien, Holland, Italien, Schweiz und der Bundesrepublik wurden als Vertreter ihrer Körperschaften in dieses Komitee berufen. Die Bundesrepublik vertraten außer Professor Richard Theile: für die Deutsche Bundespost Oberpostdirektor Dr. Johannes Müller (Fernmeldetechnisches Zentralamt), für die ARD Dr. Hans Rindfleisch (NDR) und für die Industrie "Dr." Walter Bruch. Ferner sind Theiles Mitarbeiter Dr. Norbert Mayer, Herbert Hopf und Herbert Fix Mitglieder der ad-hoc-Gruppe. Die erste Sitzung fand am 3. und 4. Januar 1963 im Funkhaus Hannover statt.

Für Hannover hatte sich die Kommission entschieden, weil ich dort in dem von mir geleiteten Telefunken-Fernsehgrundlagenlabor auf Vorschlag des deutschen Delegationsführers, Hans Rindfleisch, Studien an Farbfernsehsystemen betrieben hatte. Ich war gebeten worden, über die Ergebnisse meiner Arbeiten zu berichten.

Es gab mehrere NTSC Varianten

Von zwei der vorgeführten Varianten des amerikanischen Farbfernsehsystems NTSC war die ad-hoc-Gruppe sehr beeindruckt, so daß ein besonderes Expertenteam zum Studium dieser Neuentwicklungen gebildet wurde. Im März kam dieser Kreis noch einmal in Hannover zusammen. Zwei Tage lang wurde mit Messungen die vorgelegte Verbesserung von NTSC kritisch untersucht.

Ein Kommentar zu den Vorführungen:

Ein bekannter englischer Fernsehfachmann, G. B. Townsend, Mitglied dieses Kreises, berichtete über den Besuch in einer englischen Fachzeitschrift u. a.:

  • „Im April dieses Jahres hielt sich ein Ausschuß von Fachleuten der Arbeitsgruppe mehrere Tage in Hannover auf und untersuchte ein weiteres System, das von Herrn Walter Bruch, einem hervorragenden Ingenieur bei Telefunken, entwickelt worden ist. Bruch, der ein höchst erfindungsreicher Mann ist, hat nämlich eine Anzahl von Farbfernsehsystemen vorgeschlagen, und diese sind oft als System Bruch I, Bruch II usw. bezeichnet worden. Bruchs Grundidee ist gewesen, die Vorzüge des NTSC- und des SECAM-Systems in einem Verfahren zu vereinigen. Das EBU-Komitee konzentrierte seine Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Variante unter Bruchs Vorschlägen, für die die Bezeichnung PAL angenommen wurde, die Anfangsbuchstaben von Phase Alternation Line.
  • Nach drei Tagen erschöpfender Untersuchung und Diskussion in den Telefunken- Laboratorien, wo der Ausschuß eine große Anzahl von Demonstrationen und Experimenten sah - einschließlich der Übertragung eines PAL-Signals über eine Strecke der Deutschen Bundespost und des Empfangs von VHF- und UHF-Sendungen von örtlichen Fernsehsendern - war man einhellig der Ansicht, daß das System offiziell neben dem NTSC- und dem SECAM-System in Erwägung gezogen werden sollte. So gibt es nun drei Meldungen zu dem europäischen Farbfernseh-Rennen."

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Der Test ergab: NTSC war nach wie vor nicht farbtonstabil

Warum hatte man eigentlich nicht NTSC gewählt und stritt sich nun um drei Systeme? Ganz eindeutig war es die unzureichende Farbtonstabilität von NTSC, die die Vertreter der EBU uneinig gemacht hatte. Noch 1965, als sich das NTSC-Verfahren in den USA einigermaßen durchgesetzt hatte, verglich die sehr bedeutende amerikanische wissenschaftliche Zeitschrift „Electronics" den Farbfernseher mit einer Abmagerungsmaschine; der Beschauer müsse sich nämlich pausenlos aus dem Sessel erheben, um die richtige Farbe einzustellen.

"Europa" hatte deutlich höhere Ansprüche

In Europa wollten wir ein Farbfernsehsystem haben, bei dessen Anwendung allein der Regisseur die Farbe im Empfangsbild bestimmt und nicht der Zuschauer. Als ich vor mehr als zehn Jahren in den USA im Heim eines maßgebenden Entwicklungsingenieurs zum erstenmal das amerikanische Farbfernsehen erlebte, sah man nach dem Einschalten des Empfängers ein ganz eigenartig blau verfärbtes Bild. Wie alle Techniker begann mein Kollege sofort mit den nur für den Service-Techniker bestimmten Knöpfen auf der Rückseite des Gerätes die Farbtönung so lange zu verändern, bis das „kalte" Bild anscheinend richtig und „wärmer" war.

Auf das Programm hatten wir Techniker verständlicherweise nicht geachtet. Als dann die Szene wechselte, war auf einmal alles „tiefrot". Von neuem wurden die Knöpfe bemüht. Was war geschehen? Nun, übertragen wurde eines der modernen amerikanischen Dramen, und die Szene, während der wir eingeschaltet hatten, sollte im Jenseits spielen.

Dieses hatte sich der Regisseur „blaukalt" vorgestellt. Wir wiederum hatten versucht, die Einstellung des Regisseurs zu kompensieren, und als dann die Handlung ins Diesseits wechselte, hatten wir Überkompensation.

NTSC Kritik von Carl Haensel

Carl Haensel sagte, nachdem er seinerzeit NTSC-Bilder in den Vereinigten Staaten gesehen hatte:

„Wenn der Baum, von dem wir wissen, daß er grün ist, blau beleuchtet und der Himmel, den wir nun einmal blau sehen, grün ist, und dann beides rot übergossen wird, so ist unsere Stimmung vorbei, denn die schweren Gefühle springen in Leichtigkeit um, Heiterkeit wird daraus, das komische Lachen überkommt uns, ganz nahe sitzt auf dem gleichen Ast die Schadenfreude. Hieraus ergibt sich die klare Forderung, daß ein neues technisches Mittel nur erträglich ist, wenn es so vollkommen ist, daß es uns gar nicht mehr auffällt. Dann erhöht es zwar nicht unsere Gefühlsqualität, aber es erleichtert uns die Aufnahme, bettet uns vielleicht noch in eine angenehme Grundstimmung des Staunens, Wunderns und Behagens."

Die Moral: Eine Farbwahl darf nur im Studio geschehen, und nach der Übertragung soll der Heimempfänger so genau wie nur irgend möglich reproduzieren, was der Regisseur im Monitorbild des Studios sieht.

Telefunken sieht einen Lichtblick mit PAL

Nach der Resonanz, die das PAL-Verfahren bei der ersten Demonstration in Hannover gefunden hatte, begannen wir, es intensiv weiterzuentwickeln. Vor allem untersuchten wir systematisch, wissenschaftlich seine Übertragungseigenschaften. Immer klarer stellte sich dabei heraus, daß das PAL, ohne daß es sich weit vom NTSC-System entfernte, doch eine entscheidende Verbesserung dieses Verfahrens mit sich brachte. Diese Erkenntnis wurde bei zahlreichen Demonstrationen und Vorträgen, wie auch in Diskussionen der ad-hoc-Gruppe der EBU gewonnen.

Die Italiener von RAI vergleichen (nur noch) 3 Farb-Syteme

Schon im ersten Jahre wurden die drei nun zur Auswahl stehenden Systeme bei der RAI - Radio Televisione Italiana - in Rom unter härtesten Bedingungen getestet und miteinander verglichen. Dabei standen abwechselnd SECAM und PAL mit NTSC und dessen technischen Eigenschaften, die durch die langjährige Praxis in den Vereinigten Staaten gut bekannt waren, zum Vergleich. Die Ingenieure und Wissenschaftler der RAI waren von PAL begeistert und hatten sich für diese Versuche in Rom schon eine eigene PAL-Anlage geschaffen. Die Demonstrationen, in die Schleifenübertragungen über das ganze italienische Richtfunknetz und die Beteiligung der Sender Monte Carlo und Monte Mario eingeschlossen waren, wurden mit großer Gewissenhaftigkeit und Objektivität durchgeführt. An allen Versuchen nahmen die Entwickler der beiden neuen Systeme mit ihren Apparaturen teil.

Die Schweizer fahren sogar auf hohe Berge

Bei vergleichenden Tests in der Schweiz wurden mit fahrbaren Stationen sogar Empfangsversuche auf dem 2.500m hohen Männlichen, gegenüber der Eigernordwand im Jungfraumassiv, gemacht. Dort, inmitten hoher Berge, konnte die neutrale Schweizer PTT bei vielen Erprobungen die Vorteile von SECAM gegenüber NTSC im gebirgigen Gelände sowie die große Überlegenheit von PAL feststellen. Es folgten Vergleichsversuche in London und Paris, in Holland und wieder in der Bundesrepublik.

Auch fast der gesamte Osten wurde "beworben"

Aber auch der Osten wurde nicht ausgelassen. Die PAL-Apparaturen reisten nach Adlershof, Sofia, Moskau, Prag und Warschau. In Vorträgen und Demonstrationen konnte ich meine Kollegen, mit denen wir ohnehin schon seit Jahren auf internationalen Konferenzen gut zusammengearbeitet hatten, über unsere Entwicklungen sachlich unterrichten. Ort des Finales, der letzten entscheidenden Demonstration vor der EBU, war Rom. Sie fand wieder bei der RAI statt, dort, bei der wir mit den Vergleichsversuchen auch begonnen hatten.

Dann nahm die Politik Einfluß

Erst später sollte die Politik bei den Diskussionen und Verhandlungen über die Einführung des Farbfernsehens in Europa eine größere Rolle spielen, nachdem die technischen Prüfungen und Beurteilungen in allen Ländern mit einer für solche wissenschaftlichen Vergleiche wünschenswerten Neutralität und Fairneß vorgenommen und gefördert worden waren. Zwar hat die BBC sich lange bemüht, NTSC zu retten. Dennoch hat die weltgrößte Rundfunk- und Fernsehgesellschaft sowohl das SECAM - als auch das PAL-System so gut und sachlich untersucht, wie es die hervorragenden Ingenieure der BBC traditionell bei allen ihren technischen Vorbereitungen zu tun pflegen.

Eigentlich wollten sogar die Fanzosen PAL

Die "Organisation Radio Television Frangaise" (ORTF) wollte eigentlich PAL
Ihr Technischer Direktor, Sir Francis McLean, ist für seine Verdienste um die Fernsehtechnik kürzlich geadelt worden. Aber auch als sich schon scharfe politische Spannungen zwischen SECAM und PAL ergeben hatten, blieb die französische Fernseh-Sendegesellschaft, die "Organisation Radio Television Frangaise" (ORTF) in Paris, ein hilfreicher Gastgeber für die deutsche PAL-Mannschaft. Die technischen Experten der ORTF, L. Goussot und M. Remy, gaben uns jede mögliche technische Unterstützung für erfolgreiche PAL-Demonstrationen.

Die CCIR Konferenz 1965 in Wien

Im März/April 1965 trafen sich endlich in Wien die Experten - maßgebende Vertreter der zuständigen Organisationen aus aller Welt -, um auf einer Tagung der Studiengruppe XI (Fernsehen) des C.C.I.R. über ein europäisches Farbfernsehsystem zu beraten und eine möglichst endgültige Vorwahl für die Verabschiedung dieses wichtigen Themas auf der kommenden C.C.I.R.-Plenarsitzung in Oslo zu treffen. Auf der Grundlage des von den Fachleuten der EBU-ad-hoc-Gruppe erarbeiteten Materials schien diese Wahl einfach. Nach objektiv-technischer Wertung hätte die Empfehlung „PAL" lauten müssen.

Völlig überraschend setzt Paris auf Erpressung

Völlig überraschend jedoch wurde am Vorabend der Konferenz der Versuch unternommen, der Entscheidung auf politischer Ebene vorzugreifen. Frankreich und die Sowjetunion hatten einen Vertrag über die gemeinsame Nutzung des französischen SECAM-Verfahrens abgeschlossen.

„Die Welt" kommentierte:

  • „ .... Ein Theatercoup - ein Sieg der französischen Technik', so jubelt die Pariser Presse. Das Abkommen richtet sich nicht so sehr gegen das amerikanische Verfahren. Es stellt aber die europäischen Partner Frankreichs und vor allem die Bundesrepublik - die mit dem PAL-Verfahren für SECAM eine große Konkurrenz ist - vor vollendete Tatsachen. Dies geschieht unmittelbar vor jener Konferenz (in Oslo 1966), die über ein gemeinsames Farbfernsehsystem für Europa beraten soll. Das Abkommen hat daher fast ultimativen Charakter."

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Nicht alle französischen Zeitungen jubeln

Die französische Zeitung „Figaro" beschrieb das Abkommen, das am 14. April 1966 in Paris von Informationsminister Alain Peyrefitte und dem sowjetischen Botschafter Sergej Winogradow unterzeichnet worden war, ebenfalls als einen Theatercoup am Vorabend der internationalen Farbfernsehkonferenz in Wien.

Die Zeitung meinte, wenn der Ostblock, und damit auch die Sowjetzone, das SECAM-Verfahren einführten, wäre die Bundesrepublik gezwungen, das gleiche Verfahren zu akzeptieren, damit Fernsehzuschauer in der Ostzone Farbsendungen aus Westdeutschland empfangen könnten.

Die rechtsgerichtete Zeitung „L'Aurore" äußerte allerdings Bedenken, ob die anderen Teilnehmer an der Wiener Konferenz das französisch-sowjetische Abkommen nicht als „indirekte Pression" betrachten und verärgert darauf reagieren könnten.

„L'Aurore" deutete an, daß möglicherweise das deutsche PAL-System der Nutznießer eines „sehr diplomatischen Kompromisses" sein könnte.
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Der Durchbruch für PAL kamm 1966 aus England

Tatsächlich führte das politische Manöver der französischen Diplomatie die PAL-Länder enger zusammen. Die technischen Versuche wurden fortgesetzt, und dann kam für PAL der Durchbruch: Auf Drängen der englischen Industrie entschied sich Anfang 1966 das Britische Unterhaus für die Einführung des PAL-Systems in Großbritannien. Holland folgte. Als im Juli 1966 die Vollversammlung des C.C.I.R. in Oslo zu Ende ging, auf der Frankreich erstmals in einer technischen Kommission Berufspolitiker einsetzte, da war Europa in zwei Farbfernsehgebiete geteilt: in den PAL-Bereich und die Länder, die SECAM bevorzugen.

Die Bundesrepublik hat mit Dänemark, Finnland, Großbritannien, Irland, Island, Italien, Norwegen, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz und Schweden PAL gewählt.

Am 16. 8. 1966 hat sich Deutschland West für PAL entschieden

Im Auftrage des Bundespostministers hat Staatssekretär Helmut Bornemann für die Bundesrepublik Deutschland den Schlußstrich gezogen. Er schrieb an den geschäftsführenden Intendanten der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland am 16. 8. 1966:

„Nach der XI. Vollversammlung des C.C.I.R. in Oslo, deren Ergebnis auf dem Gebiet des Farbfernsehens als bekannt vorausgesetzt werden kann, sehe ich keinen Anlaß, von der gemeinsam mit den Rundfunkanstalten und der Industrie getroffenen Entscheidung abzugehen, nach der im Herbst 1967 in West-Deutschland das Farbfernsehen nach dem PAL-System eingeführt werden soll."

Wieder feiert in Berlin, der Wiege des deutschen Fernsehens, eine neue Fernsehtechnik Premiere. Am 25. August 1967, dem Eröffnungstag der „Großen Deutschen Funkausstellung" beginnen das Deutsche Fernsehen und das Zweite Deutsche Fernsehen mit dem Ausstrahlen farbiger Fernsehprogramme.

Nachtrag :

Dennoch war es aus Sicht der heutigen Beobachter peinlich, daß es im August 1967 mit 4 holländichen Farb-Kameras des Wettbewerbers Philips (Breda) losgehen mußte. Die weltbekannte deutsche Muster-Firma "Robert Bosch Fernsehanlagen GmbH" hatte ihre Farb-Kameras nicht rechtzeitig fertig bekommen.

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Als Letztes (eine leicht glorifizierte) Selbstdarstellung des Autors Walter Bruch von 1969.

Walter Bruch, geboren am 2. März 1908 in Neustadt an der Weinstraße, gewann "nach dem Studium" (????) seine ersten praktischen Erfahrungen u. a. in dem Berliner Laboratorium des ungarischen Fernsehpioniers Denes v. Mihaly. Von 1935 an war er in der Abteilung „Fernsehen und Physikalische Forschung" von Telefunken unter Leitung von Prof. Fritz Schröter tätig.

Bereits in der damaligen Anfangszeit des Fernsehens konnte er als "junger Ingenieur" (Anmerkung: etwas übertrieben - Techniker), leitend (??) oder maßgeblich beteiligt, bei der Lösung inzwischen zur Fernsehhistorie zählender Aufgaben mitwirken.

  • Anmerkung: Das ist weit über das Ziel hinaus geschossen. Alle leitenden Mitarbeiter in irgendwelchen Organisaionen im dritten Reich sind in dden verbleibene Unterlagen namentlich aufgeführt. Der Name Walter Bruch kommt weder in den Peenemünde-Unterlagen noch in den Unterlagen Dr. Schröters oder Gerhart Goebels irgendwo vor.
    Walter Bruch hatte sich in der Techniker Schule in Mittweida angemledet und hatte dort vermutlich seinen Techniker abgeschlossen. Selbst von diesem Schul-Abschluss ist nichts überliefert.


Hierzu gehören die Konstruktion des elektrischen Teiles der Ikonoskop-Kamera für die Olympischen Spiele 1936.

  • Anmerkung: Das stimmt so nicht, denn dann hätte ihn Dr. Schröter mit Sicherheit in seinen Berichten über Emil Mechau und dessen Werk gewürdigt


Bruch führte diese Kamera selbst im Berliner Olympiastadion bei der ersten öffentlichen Fernseh-Reportage mit Kamera und Teleobjektiv in Deutschland.

  • Anmerung: Auch das ist nicht mehr haltbar, da alle drei im Bild sichtbaren Mitarbeiter den gleichen Gesichtsschnitt (Profil) hatten.

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Auf der Weltausstellung 1937 in Paris richtete er die Ikonoskop-Fernsehanlage im Deutschen Pavillon ein, 1938 das erste wirkliche Fernsehstudio Deutschlands für die 441-Zeilen-Norm am Reichskanzlerplatz in Berlin. Er steuerte die Übertragung des ersten Fernsehspiels „Flaschenteufelchen" von Robert Louis Stevenson. Von 1946 bis 1950 unterhielt Bruch in Berlin ein eigenes Entwicklungslaboratorium für Elektro-Physik. Der auf der „Deutschen Industrieausstellung Berlin 1951" vorgeführte erste Nachkriegs- Fernsehempfänger - FE 8 - wurde unter seiner Verantwortlichkeit entwickelt.
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1959 übertrug ihm Telefunken den Aufbau und die Leitung des Fernseh-Grundlagenlabors, eine Aufgabe, die ihm die Möglichkeit bot, seine reichen Erfahrungen und seine Erfindungsgabe voll auszuschöpfen.

Die Untersuchungen von Systemen für das künftige Farbfernsehen führten Anfang 1963 in Hannover zur ersten Demonstration des PAL-Verfahrens vor einer internationalen Expertengruppe. Im deutschen Dreierausschuß für das Farbfernsehen Rundfunk, Post, Industrie vertritt Bruch die Industrie-Interessen. Hier wie in der „ad-hoc-Gruppe" Farbfernsehen der EBU (European Broadcasting Union) und in der Studiengruppe XI (Fernsehen) der C. C. I. R. (Comite Consultatif International des Radiocommunications) genießt er den Ruf eines in der wissenschaftlichen wie in der praktischen Arbeit hervorragenden Fachmannes und stets um Objektivität bemühten Verhandlungspartners.

Am 5. Dezember 1964 wurde ihm von der Technischen Hochschule Hannover „für seine ausgezeichneten wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiet des Farbfernsehens" die Würde eines Dr.-Ing. E. h. verliehen.

Die britische „Royal Television Society" zeichnete ihn mit dem „Geoffrey-Parr-Preis 1967" aus.
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