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Kleine Geschichte des deutschen Fernsehens aus 1969

Ein Buch von Dr.-Ing. E. h. Walter Bruch aus dem Jahr 1969 aus dem Fundus des ehemaligen "Vereins zur Errichtung eines Fernsehmuseums" in Wiesbaden. Mehr über die Glorie, die Publikationen und das Vermächtnis des Ehrenmitgliedes dieses Vereins lesen Sie hier.

Eine Art makabrer „Eurovision" hatte begonnen.

Als 1945 die Russen in Berlin einmarschierten, stand eine der modernsten Fernsehanlagen ihrer Zeit, vollautomatisiert, von "meinen" Mitarbeitern für Peenemünde entwickelt, versandfertig bereit; eine andere war schon unterwegs, aber wohin? Peenemünde war längst zerstört, und die eigentlichen Auftraggeber für diese Anlagen waren vielleicht tot?! Das Fernsehen schien für uns zu Ende. Doch schon in demselben Jahr wurde ich von dem Adjutanten des Generals Bersarin, des damaligen Stadtkommandanten, erstmals zu einem Fernsehempfänger FEVI geholt, der aus der Villa von Josef Goebbels in Schwanenwerder stammte. Ich sollte ihn für den Empfang von Moskau brauchbar machen. Das war natürlich unmöglich. Mit zwei Kollegen, Karl Steimel und Horst Hewel, wanderte ich über die Trümmer von Berlin zur Tobis-Gesellschaft, die die Gunst des russischen Stadtkommandanten besitzen sollte, um mit ihrer Hilfe wieder mit dem Fernsehen zu beginnen.

Aber auch wir Optimisten mußten doch bis 1950 warten, bevor wir mit anderen Kollegen ganz neu anfangen konnten. Immerhin mit dem Ergebnis, daß schon im Herbst 1951 auf der Industrieausstellung - wieder in Berlin, und dazu noch an der alten Stelle, in den Messehallen am Funkturm -, wenn auch nur vorübergehend, das Fernsehen auf Berliner Boden zum vierten Male eröffnet werden konnte.

Das Fernsehen wird Massenmedium

Als kurz nach Beendigung des Ersten Weltkrieges, im Herbst 1919, Hans Bredow in der Berliner Urania einen Experimentalvortrag über die Möglichkeiten eines öffentlichen Rundfunks hielt, wurde sein Vorschlag - wie er später schrieb - „bei der Wehrmacht übel vermerkt": „Die freie Betätigung auf dem Funkgebiet .... wurde in Deutschland als eine politische Gefahr betrachtet". Ähnliches galt nach dem Zweiten Weltkrieg für das Fernsehen.

Die Besatzungsmächte hatten 1945 jede Beschäftigung mit dem Fernsehen verboten; die in Berlin noch vorhandenen Anlagen wurden abtransportiert. Zwar war die Fernsehentwicklung schon 1945 in Berlin-Oberschöneweide unter "meiner" Leitung wieder aufgenommen worden. Der Auftraggeber war nun die sowjetische Besatzungsmacht. Mein Partner war seinerzeit Sergej Nowakowsky. Es galt, die noch aus Pacht- und Leihlieferungen der USA erwarteten 525-Zeilen-Apparaturen - sie arbeiteten der 60 Perioden des amerikanischen Netzes wegen mit 30 Bildwechseln pro Sekunde - auf das 625-Zeilen-System mit 25 Bildwechseln, angepaßt an das 50-Perioden-Stromnetz von Berlin und Moskau, umzustellen. Dieses zuletztgenannte System hat fast genau die gleiche Zeilenfrequenz wie das amerikanische, so daß die Änderung der Anlagen ohne Umbau möglich war.

Mechaus alter Projektor wird wieder in Betrieb

Schon im September 1945 wurde der erste 625-Zeilen-Taktgeber gebaut und ein Leuchtschirmabtaster mit einem alten Mechau-Projektor in Betrieb genommen. Von Anfang 1946 an waren die maßgebenden Entwickler nicht mehr in diesem Werk tätig, so daß die von uns mit Elan begonnenen Arbeiten nur noch langsam vorankamen. Die projektierten Geräte wurden später von anderen Ingenieuren fertiggestellt und nach Moskau geliefert.

Es gibt jetzt neue Rundfunk-"anstalten".

Im Jahre 1945 hatten die Besatzungsmächte das ganze Rundfunkvermögen der Reichspost und der Reichsrundfunk- gesellschaft beschlagnahmt. Durch Verordnungen der Militärregierungen und später durch Landesgesetze wurden neue Rundfunkanstalten gegründet. Die notwendigen technischen Einrichtungen erhielten sie aus den Beständen der Post und der Reichsrundfunkgesellschaft übertragen. Sie sollten wirtschaftlich und politisch unabhängige Anstalten des öffentlichen Rechts werden, sich selbst verwalten und ihre Programme im öffentlichen Interesse gestalten. Das Fernsehen wurde nach dem vorangegangenen Verbot erstmals wieder in der Gründungsurkunde des NWDR offiziell erwähnt.

In der entsprechenden Verordnung 118 der britischen Militärregierung vom 1. Januar 1948 heißt es:

  • „Die Rundfunksendungen sollen in Sprache und Musik (später, sobald technisch möglich, auch im Bilde) Unterhaltung, Bildung, Belehrung und Nachrichten vermitteln".

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Werner Nestel - der Initiator des neuen deutschen Fernsehens

Der Einfluß des neu für den NWDR bestellten technischen Direktors, Werner Nestel, ist hier schon zu erkennen. Er wurde zum Initiator des neuen deutschen Fernsehens. Gewiß waren die reichlichen finanziellen Mittel, die dem NWDR zur Verfügung standen, wichtigste Voraussetzung für den Neuaufbau des Fernsehens. Er aber hat sie sinnvoll für die Technik zu nutzen verstanden. Schon sechs Monate nach dem Beginn des NWDR schlug Werner Nestel seiem Verwaltungsrat die Wiedereinführung des Fernsehens vor. Tatsächlich folgte mit Zustimmung der britischen Militärregierung am 13. August 1948 der Beschluß, die dazu erforderliche Weiterentwicklung des Fernsehens aufzunehmen.

Der Ettlinger Kreis

Rudolf Urtel, Rolf Möller und andere Fernsehingenieure glaubten auch voll Optimismus an eine Wiederbelebung des Fernsehens in Deutschland. Auf Anregung von Rudolf Urtel wurde der sogenannte Ettlinger Kreis gegründet. Die alten Kollegen trafen sich, um zu beraten, nach welchen technischen Prinzipien wieder ferngesehen werden könnte. Fritz Schröter arbeitete damals in Paris. Dieser Ettlinger Kreis, der die ersten Nachkriegs-Fernsehnormen diskutierte, traf sich bis zum Tode von Rudolf Urtel regelmäßig.

Im September 1950 lud Werner Nestel die Männer dieses Kreises und andere Fernsehtechniker zu einer Erörterung der Norm nach Hamburg ein. Man einigte sich auf 625 Zeilen. Nachdem über die künftige Norm Klarheit herrschte, konnten beim NWDR einige Fachleute eingestellt werden, die sofort mit der aktiven Aufbauarbeit begannen.

Sept. 1950 - Erste Nachkriegs- Fernsehübertragung

Am 25. September 1950 wurde eine Ansprache von Professor Emil Dovifat vor den Mitgliedern des NWDR-Verwaltungs-rates drahtlos übertragen. Fast täglich liefen Versuchssendungen für die Fernsehempfänger-Industrie. Die erfolgte internationale Einigung unter der Leitung des Schweizer Fernsehexperten Walter Gerber, die 625-Zeilen-Norm mit 25 Bildwechseln einheitlich in Europa einzuführen, bot der Industrie die sichere Grundlage für die Wiederaufnahme der Entwicklungsarbeiten an Bildröhren und Empfängern. Auf der Vollversammlung des C.C.I.R., des internationalen beratenden Ausschusses für den Funkdienst, im Jahre 1952, wurde dieser Standard offiziell angenommen. Nur Großbritannien und Frankreich schlossen sich dieser Norm nicht an.

England machte 405 Zeilen

In Großbritannien hatte man bereits vor dem Kriege das Fernsehen mit 405 Zeilen eingeführt und es eigentlich nur ruhen lassen. Schon am 7. Juni 1946 wurden die Sendungen von neuem begonnen. Der folgende Tag stellte die BBC bereits vor eine neue Bewährungsprobe: Erstmalig wieder wurde ein Live-Programm ausgestrahlt. Mit Kameras, die noch 1939 Chamberfains Rückkehr aus München aufgenommen hatten, übertrug die BBC die englische Siegesparade mit 405 Zeilen. Als dann erst 1950 wieder Normgespräche begannen, schien es zu spät zu sein. England konnte oder wollte seinen 405-Zeilen-Standard nicht mehr ändern. Damals war die Insel auch noch nicht so eng mit dem Kontinent verbunden, daß man auf eine einheitliche Norm allzuviel Wert legen mußte. In Erwartung des Farbfernsehens hat sich Großbritannien inzwischen im Interesse einer einheitlichen europäischen Zeilennorm entschlossen, im zweiten Programm der BBC auf 625 Zeilen überzugehen. Farbfernsehen wird nur mit 625 Zeilen gesendet werden.

Frankreich macht 441 und 819 Zeilen

In Frankreich war die Situation damals ähnlich, aber man war mutig und wollte modernisieren. Die Entscheidung verlief dramatisch. Zunächst hatte man in Paris sofort nach dem Abzug der Deutschen die sehr modernen 441-Zeilen-Studios von „Magic City" wieder in Betrieb gesetzt, über diese Studios hatte der Chefkorrespondent der CBS am 4. November 1944 nach den USA berichtet:

„Während das Fernsehen in allen kriegführenden Ländern stillgestanden hatte, war es in Frankreich stetig vorangegangen ..... In Paris gab es ein Fernsehen, dessen Bilder klarer und schärfer waren als irgendein Fernsehen in England oder Frankreich vor dem Kriege".

Schon bald nach Kriegsende plante man in Paris einen zweiten Fernsehdienst. Der erste sollte weiterlaufen und der zweite nach neuester Norm arbeiten. Dazu wollten die Fachleute in Frankreich einen größeren Schritt vorangehen. Zur Verfügung stand bei Rene Barthelemy (Cie. de Compteurs), dem Vater des französischen Fernsehens, ein 1029-Zeilen-System.

Die Compagnie Francaise Thomson-Houston arbeitete mit 729 Zeilen, und bei der Cie. Radio-Industrie, deren technischer Leiter Henri de France war, wurden Bilder mit 819 Zeilen gezeigt. In den entscheidenden Diskussionen setzte sich Henri de France durch, und am 20. November 1948 wurden die 819 Zeilen durch Regierungsdekret gesetzlich festgelegt. Frankreich hatte sich damit isoliert.

Eine Fernsehanlage für den Papst mit 819 Zeilen

Zwar hatte man beispielsweise dem Papst eine Fernsehanlage geschenkt, mit der der Vatikan eine Zeit lang versuchsweise 819-Zeilen-Bilder ausgestrahlt hatte. Der Heilige Stuhl schloß sich dann aber doch Italien an und wählte die 625-Zeilen-Norm.

Auch die Werbefahrt, die 1947 ein französisches Team mit einem fahrbaren Fernsehsender durch die Schweiz und Skandinavien unternahm, um diese Länder doch noch von den 819 Zeilen zu überzeugen, konnte deren einmal gefaßten Entschluß für 625 Zeilen nicht mehr ändern. Als ein großer Erfolg internationaler Verhandlungen auf technischer Ebene in jüngster Zeit ist zu werten, daß Frankreich sich für das Farbfernsehen auch der 625-Zeilen-Norm angeschlossen hat. Bezogen auf die Zeilenzahl wird daher das Farbfernsehen in Europa einheitlich sein. Für das Schwarzweiß-Fernsehen aber werden, nimmt man noch Belgien hinzu und berücksichtigt man die verschiedenartige Modalität der Ausstrahlung, acht unterschiedliche europäische Normen benutzt.

Die Berliner Fernsehstraße vom Oktober 1951

Die Entwicklung in Deutschland war von dieser Überlegungen nicht berührt worden. Man hatte sich schon frühzeitig der 625-Zeilen-Norm angeschlossen und arbeitete zielbewußt, bis 1951 das deutsche Fernsehen wieder der Öffentlichkeit gezeigt werden konnte. Wo und wann? Selbstverständlich in Berlin! Auf demselben Messegelände am Funkturm, auf dem 25 Jahre zuvor zum ersten Mal, zwölf Jahre vorher letztmals Fernsehen in Deutschland vorgeführt worden war, eröffnete Bundeskanzler Konrad Adenauer am 6. Oktober die „Deutsche Industrieausstellung Berlin 1951".

Die Eröffnungsfeier wurde direkt über den Sender Witzleben auf die in einer Art „Fernsehstraße" aufgestellten Empfänger übertragen. Siebzehn Firmen der deutschen Industrie demonstrierten zum Beweise ihrer Vorbereitungen auf das Fernsehen etwa 40 Empfängermodelle. Nicht jedes Unternehmen unterhielt zu dieser Zeit schon eine eigene Entwicklung. Etliche Hersteller wurden von größeren Firmen unterstützt, keine der bekannten Marken aber fehlte auf dieser Ausstellung.

Die Fernseh-GmbH und Telefunken bauten die Technik

Wieder war eine Fernsehsender-Antenne auf dem Funkturm installiert worden. Den NWDR-Sender hatte Telefunken gebaut, während die wiedererstandene Fernseh-GmbH das Ausstellungs-Fernsehstudio entwickelt und gefertigt hatte. Das Publikum drängte sich vor den Empfängern, um die Fernseh-Live-Sendungen sehen zu können, deren Aufnahme man in der benachbarten Ausstellungshalle ebenfalls miterleben konnte. Aus Ost und West, Süd und Nord der Stadt und aus dem Ausland kamen Hunderttausende von interssierten Besuchern, aber auch aus Westdeutschland.

Befürchtungen bei der Rundfunkindustrie


Die Rundfunkindustrie war besorgt, der Rundfunk werde zurückgehen, und es werde dadurch die Finanzierung der Fernsehentwicklung in Frage gestellt. Dem zu begegnen, hatte man eine Werbung organisiert, die klarmachen sollte, daß Rundfunk und Fernsehen zweierlei sind:

  • Radio, immer spielbereit,
  • Fernsehn nur von Zeit zu Zeit.


Trotz der dann raschen Verbreitung des Fernsehens aber hat der Rundfunk noch erheblich an Volkstümlichkeit gewonnen. Bis zur offiziellen Eröffnung des regelmäßigen Fernseh-Programmdienstes vergehen noch einige Monate. Die Industrie mußte zunächst die auf der Ausstellung gezeigten Empfänger in ausreichender Menge fertigen und an den Handel ausliefern. Die Sender Hamburg, Hannover und Köln waren fertig, Weihnachten 1951 sollte angefangen werden.

Fernsehen über Richtfunkstrecken

Weil aber ein Fernsehsender normalerweise nicht mehr als 50 bis 100km überbrücken kann, mußten die Sender, die das nordwestdeutsche Programm vorerst nur aus Hamburg zu übernehmen hatten, über Richtfunkstrecken verbunden werden. Betontürme mit scheinwerferähnllchen Richtantennen, den sogenannten Parabolspiegeln, mußten errichtet werden. Sie „reichen" das Programm einander zu und geben es weiter, wie in einer Stafette der Stab von Hand zu Hand wandert. Die Fernmeldetürme, von denen es heute zahlreiche in Deutschland gibt, sind in gegenseitiger Sichtweite mit durchschnittlich 50 Kilometer Abstand aufgebaut. In jedem Turme sorgen Verstärkerrelais für eine Auffrischung des ankommenden Bildsignals, das dann über die Richtfunkantenne auf einer Dezimeter-Trägerwelle bis zum nächsten Fernseh-Brückenpfeiler weitergereicht wird.

Anfang Sommer 1951 soll es losgehen.

Fieberhaft arbeiten die Monteure an den neun Dezimeterwellen-Relais für die Strecke Hamburg-Köln. Und während die Männer schwitzen, wartet im Hamburger Luftschutzbunker Werner Pleister, der erste Fernsehintendant der Bundesrepublik, ungeduldig auf die Betriebsfähigkeit der Fernsehbrücke. Es wird Dezember. Die Strecke ist noch nicht betriebsklar.

Auch die deutschen Ingenieure können den Zeitverlust, den ihnen der Krieg eingebracht hatte, nicht so schnell ausgleichen. Erschwerend kommt hinzu, daß ein besonders naßkalter Herbst die Betontürme nicht rechtzeitig trocknen läßt. Hamburg aber will noch 1951 beginnen! Schon zweimal hat man schweren Herzens den Termin für die Eröffnungssendung des ständigen Programms verschoben. Noch länger will man nicht warten! Trotz allen Drängens aber kann die Bundespost das Teilstück zwischen Hannover-Meilendorf und Wuppertal auf der Richtfunkstrecke Hannover-Köln nicht zeitgerecht freigeben.

So beginnt schließlich das offizielle Fernsehprogramm mit einem Provisorium. Hamburg und Hannover strahlen am 25. Dezember 1951 die „Festsendung", ein noch höchst ungelenkes Fernsehspiel, „Stille Nacht", und Norbert Schultzes Fernsehtanzspiel „Max und Moritz" aus. Köln sendet für seinen Umkreis ein schnell zusammengestückeltes Eigenprogramm.

Im Januar 1952 beginnt das Fernsehen richtig

Endlich, am 1. Januar 1952 ist es soweit, die Nord-Süd-, Süd-Nord-Fernsehschiene kann freigegeben werden. Andere folgen. Bald ist das Bundesgebiet mit einem Fernsehnetz überzogen.

Konnte man damals schon voraussehen, daß bis heute mehr als 13 Millionen Fernsehempfänger in den deutschen Haushalten aufgestellt sein würden, daß also 30 bis 40 Millionen Bundesbürger am Fernsehen würden teilnehmen können?

Wie sagte Fritz Schröter?

  • „Der ,Fernsehgast' nistete sich bei uns ein, und wenn in der Abendgesellschaft die Unterhaltung stockte, setzte man seine Freunde vor den ,Flimmerkasten' und brauchte bis zum Ende der Sendung nichts Gescheites mehr daherzureden."

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Was 1952 galt git heute immer noch :

Für unsere heutigen Verhältnisse gilt tatsächlich der amerikanische Witz von dem Ehepaar, das vor dem Fernseher sitzt.

Sie fragt ihn:
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  • „Ich überlege mir gerade, Darling, wohin haben wir eigentlich früher geguckt, als es noch kein Fernsehen gab?"

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In Berlin gabs Anfangs Fernseh„konserven"

Berlin war anfangs noch nicht an das westdeutsche Fernsehnetz angeschlossen. Man übernahm Fernseh„konserven" vom NWDR und produzierte eigene Programme. Der NWDR hatte sein erstes Funkausstellungsstudio an anderem Orte weiter ausgebaut und betrieb es solange, bis die technischen Einrichtungen vom neu gegründeten Sender Freies Berlin übernommen werden konnten und Berlin damit wieder seine eigene Fernsehgesellschaft hatte.

Der neue SFB sendete von Tempelhof aus

Die ersten Berliner Programme wurden von Tempelhof ausgestrahlt. Dort standen auf dem Gebäude des ehemaligen Reichspostzentralamtes in der Ringbahnstraße, also auf historischer Stätte, die beiden Antennenmasten für Bild und Ton. Die Post leistete dabei nur den Übertragungsdienst, war also für das Programm nicht zuständig. Indessen kamen doch manche interessanten „Testsendungen" aus dem Postturm. Sie halfen den Rundfunkanstalten in der Aufbauzeit ganz gut.

Und auch die alten Postler machten Fernsehen

Die alten Berliner Fernsehhasen der Post, die sich in der Außenstelle Tempelhof des Fernmeldetechnischen Zentralamtes zusammengefunden hatten, konnten es nun einmal nicht lassen. Das 35. Berliner Sechstagerennen vom 30. November bis zum 6. Dezember 1951 wurde als erste Sportveranstaltung nach dem Kriege im Fernsehen übertragen. Seinerzeit gab es in Berlin nur 400 Fernsehteilnehmer, für die aber schon allerhand Aufwand getrieben wurde. Auf 100.000 Watt mußte die Hallenbeleuchtung für die Fernsehaufnahmen verstärkt werden! Von der Sporthalle - es war eine der Ausstellungshallen an der Masurenallee, in der zwei Monate zuvor auf der Industrieausstellung die ersten Fernseh-„gehversuche" unternommen worden waren - führte ein Kabel direkt zum Sender in Tempelhof. Erstmals konnte man zu Hause bequem im Sessel die Interviews mit den Radsportgrößen erleben. Die Kamera spähte in die Kojen, jene Nissenhütten unter den Sportlergarderoben, wie sie ein Journalist bezeichnete.

Während die Urberliner Kapelle Otto Kermbach spielte, dachte man an die Fernsehübertragung eines Sportereignisses in Berlin vor zwölf Jahren: Es war der Boxkampf Adolf Heuser gegen Merlo Preciso am 11. August 1939. Damals war auch schon „Otto, Otto" mit seiner Kapelle mit von der Partie gewesen. Dieser Boxkampf war übrigens die erste Sportübertragung des Fernsehens in Berlin nach den Olympischen Spielen 1936.

Über 300km Luftlinie ans Westdeutsch Netz angeschlossen

Es dauerte nicht allzulange, bis Berlin an das westdeutsche Netz angeschlossen war. Die Ingenieure schafften es, von einem Sendemast in Nikolassee aus, mit der 2Meter-Welle 300km, bis nach Höhbeck a. d. Elbe, ohne eine Zwischenstation zu überbrücken. Das Gebiet der "Ostzone" wurde übersprungen, Bilder aus Berlin konnten in das westdeutsche Fernsehnetz eingespeist werden. In entgegengesetzter Richtung wurde es möglich, die Bilder aus Westdeutschland und die Programme der Eurovision nach Berlin zu übertragen. Heute ist Berlin praktisch ein fester Partner im Netz des Deutschen Fernsehens und des Zweiten Deutschen Fernsehens, und es ist ein reger Programmaustausch zwischen Berlin und dem übrigen Bundesgebiet im Gange.

Fernsehen in der Ostzone

Aber auch in Berlin-Adlershof war ein Fernsehen aufgebaut worden. Obwohl man zunächst ein etwas abweichendes, an die östliche OIRF-Norm angepaßtes Ausstrahlungssystem für den Ton benutzte, führte die Vernunft schließlich dazu, daß 1964 eine große Zahl verkaufter Empfänger geändert wurde, die DDR vom russischen System abging und wir heute ein einheitliches Verfahren für alle Fernsehteilnehmer des deutschen Sprachgebietes haben.

Es gibt keinen Fernseh-„Vorhang" in Deutschland und auch nicht in Berlin. Möchten doch auch abseits aller Politik bei der Einführung des Farbfernsehens allein technische Erwägungen zu einer ähnlichen, sachlichen Lösung führen! Die gleiche Zeilenzahl und die gleiche Tonmodulation sind vom Schwarzweiß-Fernsehen her gesichert!

Die Eurovision kommt

Ein engmaschiges Streckennetz verbindet die Fernsehländer unseres Kontinents miteinander. Eurovision im Westen und Intervision im Osten lassen Europa zusammenrücken. Die Krönung der englischen Königin, Elisabeth II., am 2. Juni 1953, war ein Ereignis, an dem viele Menschen in Westeuropa über das Fernsehen direkt teilnehmen konnten. Dieser Festakt wurde sozusagen die Generalprobe der Eurovision. Die BBC nahm in London die Bilder mit 405 Zeilen auf und gab sie über Dover nach Lille weiter. Hier allerdings machte sich zuerst die europäische Uneinigkeit bemerkbar.

Frankreich benötigte ein 819-Zeilen-Bild. Also benutzte man einen Empfänger für 405 Zeilen, von dessen Bildschirm eine 819-Zeilen-Kamera das Bild abnahm und nach Paris weiterleitete. Vor einem zweiten Empfänger stand eine andere Kamera, für 625 Zeilen, deren Bilder nach Holland, Dänemark und Deutschland übertragen wurden. Dies alles hatte man improvisiert, und erstaunlicherweise kam in Deutschland ein Bild an, zwar war es noch verschwommen, immerhin aber erkennbar.

An nur wenig mehr als 80.000 Empfängern, 70.000 in Frankreich, 5.000 in Holland, etwa 5.000 in der Bundesrepublik und gar nur 700 in Dänemark folgten Hunderttausende der Krönungsfeierlichkeit.

Schon ein Jahr später reicht die Eurovision über ganz Westeuropa, von Skandinavien bis Neapel, von Frankreich bis Österreich, und auch Berlin ist dabei. Als es der BBC zum ersten Mal gelang, ein Programm von Moskau zu übernehmen und an die Eurovision weiterzugeben, waren diesmal alle europäischen Fernseh-Länder beteiligt. übertragen wurde der Empfang des ersten Kosmonauten, Juri Gagarin, Mitte April 1961, auf dem „Roten Platz" in Moskau. Das Fernsehen hatte die Ost-West-Hürde übersprungen.
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1962 - Bilder aus Amerika über Telstar

Kaum ein Jahr später, am 10. Juli 1962, gelang die erste Direktübertragung aus den USA nach Europa über den Nachrichtensatelliten „Telstar". Des Menschen Wille hatte es geschafft, die Erde für unser Auge zu umspannen! Wir sahen die ersten Fernsehbilder von Astronauten, aus dem Weltraum gesendet, und betrachteten durch Objektive der Satellitenkameras den Mond, Gebiete des Erdtrabanten, die nie zuvor ein Mensch gesehen hatte. Das Fernsehen hat eine technische Stufe erreicht, die uns selbst vor zehn Jahren noch utopisch vorgekommen war. Wir stehen bewundernd vor diesen großartigen Leistungen, deren Konzeption und Präzision nur noch der Fachmann zu würdigen weiß.

Nach dem Durchbruch des Schwarzweiß-Fernsehens steht das Farbfernsehen vor der Tür. Auch diese Technik hat schon eine Geschichte, wenngleich wir noch mitten in der Evolution sind!

Farbfernsehen: ein fernes Ziel

Anfangs, als das Fernsehen noch neu war, fragte man nicht viel nach farbigen Bildern. Man war glücklich, überhaupt eine Handlung optisch erfassen und ihr folgen zu können. Aber erst durch die zusätzliche Empfindung der Farbigkeit wird aus der Formenwelt die natürliche Welt Deshalb entstand mit jeder Verbesserung der Fernsehübertragung zunehmend der Wunsch nach dem Bild in natürlichen Farben. Die Nachbildung der Umwelt und ihre Bewahrung in Form und Farbe war schon frühzeitig den Malern gelungen, später folgten farbige Fotografie und Farbdruck.

Die Bilder, die vor etwa 10.000 Jahren Eiszeitmenschen in die Wände ihrer Höhlen ritzten, waren einfache Hell-Dunkel-Zeichnungen. Erst viele tausend Jahre später folgte die primitive Kolorierung. Diese ersten farbigen Bilder der Vorzeit zeigen uns, daß die Kontur als formbestimmendes Element kräftig ausgezogen und die Farbe als zusätzliche Information darüber-gewischt wurde. Rein intuitiv wurde so die mit den damaligen Werkzeugen erreichbare beste farbige Darstellungsweise gefunden.

Aus Grautönen wird eine Kolorierung

Erst einige hundert Jahre sind vergangen, seitdem der Mensch die Technik beherrscht, Bilder mechanisch zu vervielfältigen. Wiederum war es zunächst nur möglich, die Abbildungen einfarbig wiederzugeben. Nach diesen ersten Vervielfältigungen von Strichzeichnungen in der Technik des Striches oder Holzschnittes, also von Hell-Dunkel-Zeichnungen, deren Flächen durch unterschiedliche Schraffur in Grautöne gestuft wurden, finden wir erste Beispiele der manuellen Kolorierung. Die Maler griffen auf die erwähnte uralte Erfahrung zurück, wonach die Heil-Dunkel-Umrißgestaltung, also die Form, für die Überlieferung der Hauptinformation genügt. Ein verhältnismäßig grobes überwischen mit Farben, allerdings der genau richtigen Farbart, lieferte ein vom menschlichen Auge als ausreichend scharf empfundenes, natürlich farbiges Bild.

Die Kolorierung - das war die Idee fürs Farbfernsehen

Diese Erkenntnis unserer Vorfahren hat uns geholfen, auch für die modernste Vervielfältigungsmethode, das Fernsehen, die zweckentsprechende Lönung zu finden. Das Schwarzweiß-Bild wird wie bisher übertragen, und mit einem zweiten Signal, das zusätzlich mitgesendet wird, farbig koloriert. Diese Möglichkeit zu erkennen und dafür eine gute Lösung zu finden, bedurfte es jahrelanger Vorarbeiten. Zwangsläufig verzögernd wirkte es sich aus, daß internationale Vereinbarungen zu treffen waren und noch zu treffen sind, durch die erst, auch für das Farbfernsehen, ein weltweiter Austausch ermöglicht wird.

Der Entwicklungsablauf war auf allen vergleichbaren Gebieten ähnlich, in der Lichtbildkunst, der Fotografie, der Drucktechnik, der Kinotechnik und beim Fernsehen. Während die Schwarzweiß-Wiedergabe ständig verbessert wurde, suchte man Schritt um Schritt nach seiner farbigen Ergänzung. Erst, nachdem das monochrom wiedergegebene Bild technisch fast vollendet war und sich ausreichend bewährt hatte, konnte man an den Übergang zur Farbtechnik denken.

Es gab auch andere Ideen fürs Farbfernsehen

Bis wir die heute bekannten Lösungen für das Kolorieren von Fernsehbildern gefunden hatten, war auf andere Weise versucht worden, das Farbfernsehen zu realisieren, und zwar mit Methoden, die den Anfangserfolgen des Farbfilms nachempfunden waren. Doch ehe man sich mit dem Werdegang des farbigen Films beschäftigt, dürfte es zweckmäßig sein, die Frage zu beantworten: „Was ist eigentlich Farbe?"

Was ist Farbe ?

Farbe ist immer an Licht gebunden, so wie jedes Licht immer eine Farbe hat, auch wenn wir es als Weiß empfinden. Es gibt Körper, die eigenes Licht ausstrahlen, die sogenannten Seibstleuchter, beispielsweise brennende Kerzen. Die meisten Körper strahlen aber kein Licht aus. Nur wenn wir Licht auf sie richten, werfen sie einen Teil davon zurück; dieser Teil bestimmt die Farbe des Gegenstandes. In jedem Falle ist das reflektierte Licht und damit seine Farbe auch von der Farbe der Beleuchtungsquelle selbst abhängig.

Farbe ist subjektiv

Farbe wird subjektiv empfunden, dabei spielen physiologische und psychologische Faktoren eine Rolle. Isaak Newton und Johann Woifgang Goethe konnten daher in ihren Theorien zu unterschiedlichen Auffassungen gelangen und letzten Endes doch beide recht haben. Aber Isaak Newton hat das Entstehen der Farbe (1670) physikalisch richtig erklärt, während Johann Wolfgang Goethe uns dieses Phänomen aus scharfsinnigen Beobachtungen künstlerisch nahebrachte. Weißes Licht läßt sich in ein farbiges Spektrum zerlegen, und aus mehreren farbigen Lichtern kann man ein weißes Licht mischen, behauptete und bewieß Isaak Newton.

"Bunt" besteht aus drei Primärfarben

Das 19. Jahrhundert brachte die Young-Maxwell-Helmholtzsche Theorie mit dem Fundamentalsatz der Farbenlehre, auf dem sich die Farbenfotografie ebenso aufbauen sollte wie das Farbfernsehen: aus drei Primärfarben, die nach Art und Intensität so gewählt sind, daß ihre Mischung Weiß ergibt, lassen sich fast alle in der Natur vorkommenden Farben darstellen. Rot, Grün und ein Blauviolett, kurz Blau genannt, sind die Grundfarben, welche die „additive" Farbfotografie und das Farbfernsehen gewählt haben.

Man könnte 3 Kameras nehmen

Ein Farbbild nach dem additiven Verfahren herzustellen, ist recht einfach: Drei Kameras mit je einem Rot, Grün oder Blau durchlassenden Filter liefern drei unterschiedliche Schwarzweiß-Bilder. Eines entspricht den Rotanteilen des aufgenommenen Bildes, eines den Grünanteilen und das dritte den Blauanteilen. In drei nebeneinander stehenden Projektoren mit analog rot-, grün- und blaugefärbten Lichtern werden die drei Bilder dann übereinander auf die Wand projiziert. Weil die Farbauszüge in dem Zwischenvorgang auseinandergespreizt werden, nennt man es bei der Fotografie auch das Spreizverfahren.

Wenn die drei Projektoren auch noch so dicht nebeneinander angeordnet werden, so „decken" sich die drei geometrisch gleichen Bilder doch nicht exakt, denn zwei von ihnen müssen etwas schief auf die Wand gerichtet werden, und ihre Projektion ist zwangsläufig verzerrt. Das kann man nur dadurch vermeiden, daß die beiden Aufnahmen in ihrer Geometrie komplementär „vorverzerrt" werden.

Die Idee des Strahlenteilers von Herbert Eugene Ives von 1891

Einen anderen Weg wies eine Erfindung, die Herbert Eugene Ives aus Philadelphia 1891 gemacht hat. Sie ist richtungweisend für die Farbfotografie und das Farbfernsehen geworden. In seinem Heliochromoskop wird das von einem Objektiv aufgenommene Bild durch ein Strahlenteilungssystem in drei Teilbilder aufgespalten. Sie entsprechen dem roten, grünen und blauen Farbauszug des Bildes.

Einfärben mit rotierenden Scheiben

Ein weiterer Beitrag wurde geleistet, als man erkannte, daß eine schnell rotierende, zum Beispiel in zwei Sektoren mit unterschiedlicher Farbe bemalte Scheibe benutzt werden kann, um Farbgemische herzustellen. Farben sind demnach auch durch Addition von zwei oder drei dem Auge genügend rasch nacheinander dargebotenen Primärfarben zu mischen. Mit diesen Erkenntnissen war ein erster Weg für die farbige Kinematografie bereitet. 1899 führte Hermann Isensee „lebende Bilder" in Berlin farbig vor. Kurz nacheinander wurden periodisch rot, grün und blau eingefärbte Filmbilder projiziert. Wenn man den Berichten folgt, waren diese Versuche noch nicht besonders gelungen.

Eine Verbesserung wurde später erreicht, als die Färbung der Reihenbilder mit einer synchron zum Filmbildfortschub umlaufenden Farbfilterscheibe erzielt wurde. Die farbig projizierten Teilbilder waren auf dem Film schwarzweiß. Das „sequentielle" Bildfolgeverfahren war geboren. Leider machte sich bei diesen Versuchen ein starkes Flimmern bemerkbar. Um dieses Flimmern zu beseitigen, muß man den Film dreimal so schnell laufen lassen, das heißt, in der Zeit, in der sonst ein Bild gebracht wird, drei Farbauszüge projizieren, die zusammen wieder ein Bild ergeben.

Es lange vorher viele spekulative Vorschläge

Mit beiden Verfahren, dem sequentiellen wie dem simultanen, hat man dann auch zuerst Farbfernsehversuche unternommen. Mit dem Nacheinander von drei Farbauszügen hat erstmals John Baird gearbeitet. Lange vorher sind allerdings schon andere, rein spekulative Vorschläge für das Farbfernsehen gemacht worden. Hier sei der Name eines Erfinders genannt, ohne sein Verfahren näher zu beschreiben, weil er in der Frühzeit des Fernsehens wie in der Rundfunktechnik als Pionier eine große Rolle gespielt hat: Otto v. Bronk. Schon 1902 hat er sein erstes Farbfernseh-Patent angemeldet. Gerade weil aber auch die farbige Kinematografie, die erst in den dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts verwirklicht werden konnte, noch in den Kinderschuhen steckte, war es verständlich, daß das Farbfernsehen damals noch nicht entwicklungsreif war.

Bei Bairds Versuchen im Jahre 1928 wurde eine Nipkow-Scheibe mit drei nacheinander ablaufenden Lochspiralen versehen, von denen die eine rote, die nächste grüne und die dritte blaue Farbgläser, auf die Löcher gekittet, trug. Für mehr als einen physikalischen Demonstrationsversuch darf man dieses Experiment nicht halten. Aber Baird zeigte farbige Bilder!

Die Bell Company in den USA überträgt drei Farbauszüge

Schon im selben Jahre demonstrierte die Bell Company in den USA ein simultanes Farbfernsehen. Über drei gleichwertige Leitungen wurden die drei Farbauszüge gleichzeitig übertragen. Wenn auch dieses Dreikanal-Farbfernsehen nicht als brauchbare Lösung für den Fernsehrundfunk zu nutzen war, so ist damit doch erstmals das Prinzip der simultanen Abtastung und Wiedergabe farbiger Bilder auf offensichtlich moderne Weise als aussichtsreich bestätigt worden.

Zur Wiedergabe diente eine normale Nipkow-Scheibe mit einer Spirale in Verbindung mit drei passend verschiedenfarbigen Lichtquellen, die gleichzeitig über die drei Leitungen in ihrer Intensität gesteuert wurden. Im Betrachtungsteil faßte ein dichroitisches Spiegelsystem, wie es Herbert Eugene Ives schon 1899 für die Dreifarbenfotografie eingeführt hatte, die Farbauszüge zusammen.

Erste Farbfernsehbilder in Berlin 1936

Eigene Versuche hatte ich in Berlin 1936 bei Telefunken gemeinsam mit Otto v. Bronk unternommen. Wir erprobten das Bildfolgesystem mit 180 Zeilen an einem „Nipkow"-Filmabtaster. Die Filterscheibe war leider zu klein, so daß wir nur einen Teil des Leuchtschirmes einer Hochvakuumbildröhre anfärben konnten. Die Filter hatte Otto v. Bronk beschafft, der auch die Versuche angeregt hatte. Abgesehen vom Flimmern und von einem zu hohen Rauschen - bedingt durch die zu dicken Filter -, von einer schlechten „Weißbalance" und ungenügender Helligkeit, wirkten die resultierenden Bilder, obwohl die Farben nicht ganz echt waren, ermutigend. Sie bewiesen, daß das sequentielle Verfahren mit Einschränkungen verwendbar war.

Übrigens dürften das die ersten wirklichen Farbfernsehbilder in Berlin gewesen sein. Infolge der Vorbereitungen für die Olympischen Spiele 1936 und des Vordringens der elektronischen Kamera mit langer Speicherzeit, die weitere Farbfernsehexperimente erschwerten, mußten die Versuche abgebrochen werden. Otto v. Bronk hat 1944, kurz vor seinem Tode, noch einmal ein Zweifarbenfernsehen dieser Art in Berlin privat vorgeführt. Von 1936 an hat auch die Deutsche Reichspost das Bildfolgeverfahren mit zwei Farbauszügen eingehend studiert. Auf der Funkausstellung 1937 demonstrierte Hans Preßler den bis dahin erarbeiteten Stand der Untersuchungen. Eine weiß leuchtende Projektionsbildröhre mit vorgesetzter rotierender Filterscheibe wurde für die Wiedergabe benutzt. Bei ausgewählten Diapositiven war diese Farbwiedergabe eindrucksvoll.

1939 - Farbe bei Kriegsausbruch abgewürgt

Bei Kriegsausbruch mußten alle diese Arbeiten eingestellt werden. Damit ging die erste Entwicklungsperiode des Farbfernsehens zu Ende. Sie hatte immerhin gezeigt, daß das Farbfernsehen zwar prinzipiell möglicht ist, daß aber die meisten Bausteine noch sehr verbesserungsbedürftig waren und deswegen bis zu einer Verwirklichung noch viel Zeit vergehen würde.

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