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Historisches Wissen aus Heften, Zeitschriften, Magazinen

Artikel, Zitate und Infos stammen aus der Funk-Technik, der Funkschau, den RTMs, Kameramann, der FKT, den Schriften von Philips und Zeiss Ikon und Anderen. Mehr über die verfälschten historischen Informationen ab 1933 über 1945 bis weit in die 80er Jahre.

aus der FUNK-TECHNIK Nr. 23/1949 (1. Dez. Heft)
Das Editorial

Nr. 23/1949 - 4. JAHRGANG

Die Elektroindustrie 1949/1950

Im Jahre 1948 waren in der deutschen Elektroindustrie 210.000 Menschen beschäftigt, die für etwa 1,8 Milliarden DM Waren herstellten. Davon gingen für 58 Millionen DM in den Export, das sind 3,2% der gesamten Erzeugung. Erzeugung und Beschäftigtenzahl sind ungefähr die Hälfte der entsprechenden Werte von 1939, aber der Export war natur­gemäß wesentlich geringer, denn 1939 wurden noch für 318 Millionen DM (Anmerkung: 1939 in DM ?? wirklich DM ?) elektrotechnische Waren aller Art ausgeführt. Für das Jahr 1949 liegen bei der Niederschrift dieses Auf­satzes naturgemäß noch keine genauen Zahlen vor, jedoch kann man aus inzwischen bekanntgewordenen Angaben für einzelne Zweige der Elektroindustrie schließen, daß Umsatz und Beschäftigtenzahl um rd. 20% gestiegen sind.

So konnte z. B. die elektromedizinische Industrie auf ihrer Tagung Ende Oktober mitteilen, daß im zweiten Vierteljahr 1949 für rd. 15 Millionen DM umgesetzt wurden gegenüber 44 Millionen DM für das ganze Jahr 1948. Auch hier ging erst ein kleiner Teil ins Ausland - rd. 5 Millionen DM - aber in­zwischen hat sich die Lage wesentlich geändert. Das Aus­land, insbesondere Südamerika, verlangt dringend nach deut­schen elektromedizinischen Erzeugnissen und kann nur des­wegen seine Wünsche nicht realisieren, weil die Länder Süd­amerikas zur Zeit in wirtschaftlichen Schwierigkeiten sind.

Über die Messen des Jahres 1949

Die größeren Ausstellungs- und Verkaufsveranstaltungen des Jahres 1949, insbesondere die Leipziger Frühjahrsmesse, die Exportmesse in Hannover und die Münchener Elektromesse haben der Elektroindustrie ohne Zweifel einen bedeutenden Auftrieb gegeben. Zum erstenmal nach dem Kriege konnte man sehen, welche Entwicklungsarbeiten seit der Beendigung des Krieges geleistet worden waren, und zum erstenmal konnte die Industrie so produzieren, wie es der Bedarf erfordert. Da­bei ist insbesondere zu bedenken, daß die Berliner Industrie nach Beendigung der Blockade im Mai 1949 den Anschluß an Westdeutschland wiederaufnehmen konnte.

Über die Einbußen der Berliner Blockade

Erst jetzt wurde bekannt, unter welchen Opfern die Berliner Elektroindustrie während der Blockade aufrechterhalten wurde. Allein die Siemens-Werke investierten seit der Währungsreform in ihren Berliner Werken rd. 36 Millionen DM und erhielten da­durch etwa 24.000 Beschäftigten ihren Arbeitsplatz. Der Rückhalt bei den in Westdeutschland gelegenen Werken er­möglichte es dabei, die an sich höheren Gestehungspreise in Berlin auszugleichen. Schon jetzt läßt sich erkennen, daß die Berliner Elektroindustrie wieder in alter Leistungsfähig­keit auf dem Plan erscheinen wird. Dafür spricht vor allem, daß die Handelsverträge zwischen der Ostzone und den West­zonen die Lieferung von Elektroerzeugnissen hauptsächlich der Berliner Elektroindustrie zuweisen. Sie wird dadurch wieder in die Vollbeschäftigung hineinwachsen, so daß die noch geltenden Arbeitszeitkürzungen aufgehoben werden und die arbeitslosen Spezialarbeiter wieder eingestellt werden können.

Die Münchener Elektromesse

Überraschend wirkungsvoll für die gesamte Elektroindustrie war die Münchener Elektromesse. Als Verkaufsmesse für Konsumartikel geplant gewesen, wuchs sie zu einer wahren Leistungsschau des Industriezweigs an. Man erkannte förmlich, wie die Industrie geradezu auf eine Gelegenheit gewartet hatte, das zu zeigen, was sie kann. Man sah also außer dem über den Ladentisch verkäuflichen Apparaten auch Produktionsgüter aller Art, angefangen von schweren Motoren bis zu Hochspannungsschaltern und Kabeln. Außerdem ergab sich ein bedeutender Ausfuhrerfolg, denn München erwies auch seine Anziehungskraft als Metropole der seit jeher vom Ausland bevorzugten Reisegebiete. Exportaufträge für mehrere Millionen Dollar wurden unmittelbar erteilt, die Zahl der Anfragen ging in die Tausende. Ohne Zweifel wird die Münchener Elektromesse noch auf längere Zeit die Beschäfti­gung in der Elektroindustrie beeinflussen.

Krise in der Radio­industrie beendet

Nach allgemeinem Urteil kann die Krise in der Radio­industrie als beendet angesehen werden. Rundfragen beim Radiohandel ergaben, daß das Radiogerät auf der Stufen­leiter der Wünsche jetzt nach Deckung des dringendsten Bedarfs an Nahrung und Kleidung so ziemlich an die erste Stelle gerückt ist. Schon manche Herstellerfirma mußte jetzt zu ihrem Bedauern feststellen, daß sie die Verkaufsmöglich­keiten zu ungünstig beurteilt hatte. Nach dem Anlaufen des Teilzahlungsgeschäftes konnten auch die Apparate der höheren Preisklasse gut abgesetzt werden. Die Belebung des Geschäftes hat es der Elektroindustrie er­möglicht, ihre Fabrikationsanlagen auszubauen und ihre Verkaufsorganisation den praktischen Bedürfnissen anzu­passen. Der Elektrohandel ist ganz auf der Höhe und hat seine Verkaufsräume usw. so gestaltet, daß seine Leistungsfähigkeit hervortritt. Gerade in diesen winterlichen Tagen mit ihrer frühen Dunkelheit leuchten die Schaufenster der Elektrogeschäfte aus der Fülle der anderen Branchen heraus und locken zum Kauf. Was geboten wird, erfüllt alle An­sprüche an Qualität und Geschmack. Zwar läßt sich nicht genau absehen, wieviel Geld die mutmaßlichen Käufer in der Tasche haben und für Elektroartikel auszugeben bereit sind, aber bei dem allgemeinen Aufschwung der Wirtschaft wird die elektrotechnische Branche bestimmt nicht schlecht aus­gehen. G. H. N.

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