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Historisches Wissen aus Heften, Zeitschriften, Magazinen

Artikel, Zitate und Infos stammen aus der Funk-Technik, der Funkschau, den RTMs, Kameramann, der FKT, den Schriften von Philips und Zeiss Ikon und Anderen. Mehr über die verfälschten historischen Informationen ab 1933 über 1945 bis weit in die 80er Jahre.

aus der FUNK-TECHNIK Nr. 10/1949 (2. Mai Heft)
Das Editorial

Nr. 09/1949 - 4. JAHRGANG vom Redakteur G.H.N.

Zur wirtschaftlichen Lage der Elektrotechnik 1949

Eine Beurteilung der Lage in der Elektroindustrie wird zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen müssen, je nachdem ob man die Westzonen oder Berlin betrachtet, und ob man die Verbrauchs- oder die herstellungsmäßig orientierten Zweige des Gebietes ins Auge faßt.

Bei den elektrotechnischen Erzeugnissen, die unmittelbar in den Verbrauch gehen, wie es bei Rundfunkempfängern, Beleuchtungskörpern, Haushaltsgeräten und ähnlichen Dingen der Fall ist, klagen Industrie und Handel allgemein über eine Stockung im Absatz. Das bezieht sich hauptsächlich aber auf größere Objekte im Werte von einhundert Mark und darüber, während billigere Sachen immer noch gut gekauft werden. Was den Rundfunkhandel angeht, so ist die Absatzkrise geradezu als international anzusehen. Es sieht so aus, als ob der Markt gesättigt wäre und jeder mit dem Empfänger zufrieden ist, den er hat.
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Zurückhaltung ? Es hapert an der richtigen Werbung . . .

Die Überlegenheit der neuesten Typen gegenüber den vorhandenen konnte offenbar bisher den als Abnehmer in Betracht kommenden Kreisen nicht so klar gemacht werden, daß sie sich zur Anschaffung eines neuen Apparates entschließen würden. Das Beispiel der Schweiz zeigt z. B., daß dort nicht einmal sehr billige Apparate amerikanischer Produktion zum Preise von unter 100 Franken abzusetzen sind, obschon Teilzahlung gewährt wird, die etwa durch einen Münzeinwurf in den Apparat bewirkt wird. Das Werbe-Argument, jedem Familienmitglied einen besonderen Apparat zuzugestehen, scheint auch nicht richtig durchzuschlagen.

Nicht zu bestreiten ist aber vor allem, daß der Markt durch Nachrichten und Gerüchte über umwälzende technische Fortschritte beunruhigt ist. Jeder meint, daß in nächster Zeit doch vielleicht Apparate auf den Markt kommen werden, die irgendeinen Vorteil gegenüber den vorhandenen haben. Dabei wird von breitesten Kreisen an das Fernsehen gedacht, während andere wieder etwas vom FM-Rundfunk (heißt inzwischen UKW) hörten. Der normale Käufer legt ja keine kritischen Maßstäbe an derartige Gerüchte; immerhin veranlassen sie ihn, sich zurückzuhalten.
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Verwirrung über die Einführung von UKW

In Deutschland haben ohne Zweifel die Berichte über den Kopenhagener Wellenplan und die neuen UKW-Sender verwirrend gewirkt, wozu noch Nachrichten über den niedrigen Preis der amerikanischen Geräte kommen, die vielleicht doch noch importiert werden könnten. Der deutsche Durchschnittshörer hat es sich in Anbetracht seiner auf vielen Gebieten stark zurückgeschraubten Ansprüche abgewöhnt, besonders viel zu verlangen, und weiß schon beinahe gar nicht mehr, was eine erstklassige Wiedergabe ist.

Gab er früher ohne Bedenken einen ziemlichen Teil seines Einkommens für ein gutes „Radio" aus, so überlegt er sich das jetzt drei- und viermal, zumal andere Anschaffungen wichtiger zu sein scheinen. Hinderlich ist natürlich, daß Zahlungserleichterungen nicht mit der früheren Selbstverständlichkeit verlangt und gewährt werden können, weil Handel und Industrie ihrerseits kaum Kredite bekommen.
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Geschäfte um jeden Preis ?

Die letzten Preissenkungen für Rundfunkgeräte haben zwar schon wesentliche Hemmungen bei vielen Käufern beseitigt, aber vielfach hat das etwas „geräuschvolle" Vorgehen mancher Händler, die das Geschäft um jeden Preis machen wollen, die Verwirrung noch vergrößert. Wenn der kaufwillige Interessent in einem Geschäft den gleichen Apparat noch billiger als in einem anderen sieht, so besteht die Gefahr, daß er zunächst seinen Entschluß zurückstellt und keiner der konkurrierenden Händler zum Geschäft kommt.

Gerade in Berlin ist das sehr oft zu bemerken, zumal die Händler in Anbetracht der beiden umlaufenden Währungen tatsächlich manchmal sehr billig sein können, weil sie etwa zu „Ostmark" eingekauft hatten und jetzt zum Tageskurs der „Westmark" abgeben können. Immerhin hört man doch auch gelegentlich schon Bemerkungen, daß derjenige billig kauft, der jetzt kauft. Der Bedarf ist ohne Zweifel vorhanden und wird auch gedeckt werden müssen.
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Der andere Teil der Elektroindustrie

Die Wiederaufnahme der Bautätigkeit hat vor allem in Westdeutschland viele Zweige der Elektrotechnik wesentlich belebt. In den monatlichen Berichten der Verwaltung für Wirtschaft in Frankfurt, die durchweg von einer ständigen Zunahme des Produktionsvolumens berichten, steht die Elektrotechnik zwar nicht an erster Stelle - diese muß sie dem Fahrzeugbau und der Textilindustrie einräumen - aber sie hält sich doch in der Mitte. Besonders Leitungs- und Installationsmaterial, auch Beleuchtungskörper werden leicht abgesetzt. Der Handel hat seine Läger an guten Waren dieser Art längst auflösen können und deckt sich jetzt bei der Industrie ein. Elektrische Hausgeräte gehen wohl nicht ganz so lebhaft, aber doch werden sogar kostspieligere Sachen wie Kühlschränke schon wieder gefragt.

Der weitaus günstigste Bericht läßt sich über die produktionsmäßig orientierten Zweige der Elektroindustrie geben, obschon darüber am wenigsten in der Öffentlichkeit gesprochen wird. Beim Aufbau eines Betriebes spielt die elektrotechnische Ausstattung ja immer die wichtigste Rolle, sei es als Licht-, sei es als Kraftanlage. Trotz aller Finanzierungssorgen beim Wiederaufbau des Zerstörten oder der Neueinrichtung des Vorhandenen wird für die Elektrotechnik immer Geld vorhanden sein müssen. Dabei sind auch Beschränkungen auf geringere Qualitäten kaum anzutreffen.
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Der Aufschwung und der Mangel an Facharbeitern

Gebrauchte Motoren und Apparate sind nicht in so großen Mengen vorhanden, daß sie auf den Absatz neuer Fabrikate drücken könnten. Die elektrotechnische Industrie dieser Zweige ist daher gut beschäftigt, zumal es Material- und Personalsorgen wenigstens in den Westzonen nicht mehr gibt. Lediglich Spezial-Facharbeiter sind nicht immer in ausreichender Zahl vorhanden, nicht zuletzt deswegen, weil manche in den letzten Jahren ihren Beruf wechselten und zum alten noch nicht zurückkehrten.

Die elektrotechnische Großindustrie, soweit sie schwere Maschinen, Turbogeneratoren, Großtransformatoren, Freileitungen usw. für die Energieversorgung herstellt, kann über Mangel an Arbeit erst recht nicht klagen. Die ihr verbliebene Kapazität reicht sogar nicht einmal aus, um den Bedarf zu decken. Gegenwärtig werden etwa 20 Kraftwerke von je rd. 100.000 kW Leistung vorbereitet, die eine Beschäftigung auf Jahre hinaus sichern. Allerdings ist die Frage der Finanzierung noch nicht restlos geregelt. Hier muß noch Klarheit geschaffen werden. Störend wäre es natürlich für die deutsche Elektrotechnik, wenn die Finanzierung mit ausländischen Mitteln davon abhängig gemacht würde, daß ein Teil der Aufträge ins Ausland gegeben wird.

G. H. N.

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