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Historisches Wissen aus Heften, Zeitschriften, Magazinen

Artikel, Zitate und Infos stammen aus der Funk-Technik, der Funkschau, den RTMs, Kameramann, der FKT, den Schriften von Philips und Zeiss Ikon und Anderen. Mehr über die verfälschten historischen Informationen ab 1933 über 1945 bis weit in die 80er Jahre.

aus der FUNK-TECHNIK Nr. 12/1949 (2. Juni Heft)
Das Editorial

Nr. 12 /1949 - 4. JAHRGANG

Berliner Probleme (im Juni 1949)

Als nach der Blockadeaufhebung ein Fachmann gefragt wurde, was er von der neuen Lage halte, meinte er: „So eigentlich scheint mir, daß jetzt erst der Krieg zu Ende ist." Tatsächlich kann man die gegenwärtige Situation so sehen.

In vielfacher Hinsicht scheint ein neuer Zeitabschnitt in Berlin begonnen zu haben, zumal der Währungsneuordnung in Westberlin vom 30. März des Jahres eine ganz besonders tiefgehende Bedeutung bei­gemessen werden muß.
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Der Kunde steht wieder im Mittelpunkt, nicht mehr die Ware

Nach der Blockadeaufhebung stellt sich einmal wieder die alte Bedeutung des volkswirtschaftlichen Satzes von Angebot und Nachfrage auch in Berlin ein. Nicht mehr die Ware scheint im Mittelpunkt zu stehen, sondern, was man nicht mehr glau­ben wollte, der Abnehmer!

Der durch die Währungsreformen in Berlin ganz besonders stark auftretende Geldbedarf ließ den Kaufmann, der in vielen Fällen durch noch heute festgefrorene Postscheck- oder Bankguthaben sehr beengt ist, mit allen Mitteln Ausschau halten, wieder flüssig zu werden. Es ist geradezu eines der Berliner Probleme, hier einmal die Summe zu ziehen und offenbare Unbilligkeiten und Ungerechtigkeiten, die allein durch Sektorengrenzen entstanden sind, wieder auszugleichen und Maßnahmen zu ergreifen, die dem echten Kreditbedürfnis entgegenkommen.
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"Macht" doch mal eine Bank

Wenn wir hören, daß in diesem Zusammenhang zur Gründung von Berliner Privatbanken aufgerufen wird, so ist zu hoffen, daß davon auch die Berliner Elektrowirtsehaft einen Nutzen hat, denn in ihr ist das Bedürfnis nach Personalkredit zur Zeit besonders groß. Auch die Zentralbank Berlin-Charlottenburg soll sich Kreditanträgen von Handelsfirmen nicht verschließen. Z. Z. ist ein engerer Kontakt mit den wirtschaftlichen Fachvereinigungen hergestellt worden. Der Berliner Radio- und Elektrohandel hat außerdem seit geraumer Zeit die Möglichkeit überprüft, wieder zu einem wirkungsvollen Ausbau des Teilzahlungs­geschäftes zu gelangen.

Das Wünschenswerteste wäre die Wiedereinführung von Teilzahlungsgeschäften nach dem frü­heren E3-System der Bewag (was war die Bewag?). Solange aber die derzeitigen Stromtarife nicht ausreichen, die "Un"-kosten zu decken, kommt ein erhöhter Stromabsatz durch das E3-System noch nicht in Frage. Vor Inbetriebnahme des Kraftwerkes West im nächsten Jahre wird sich daher eine erhebliche Lockerung der Kon­tingente und damit eine befriedigende Stromversorgungslage Berlins nicht erzielen lassen.

Wer "darf" wieviel verdienen ?

Ein aufschlußreicher Ausdruck des Zwanges, unter dem die Ware wieder ihren Absatz sucht und die Hersteller veranlaßt, dem legitimen Handel ihr besonderes Augenmerk zu widmen, sind Neuordnung der Lieferbedingungen oder zumindest der Preise und Rabatte. Ebenso wichtig wie die Anpassung des Preises des Radio- und Elektrogerätes an die heutige Kauf­kraft der Bevölkerung und der jeweiligen Verbraucherschicht ist die Notwendigkeit für die Industrie, dem Fachhandel aus­kömmliche Rabatte zu gewähren.

Noch bis vor vier Monaten betrugen die Rabatte für Radiogeräte 20 % für den Einzel­handel und 25% für den Großhandel. Die Folge war, daß ein verantwortungsbewußter Großhändler es ablehnen mußte, für eine Art Anerkennungsprovision von 5% das schwierige Ge­schäft des Einkaufes, der Lagerhaltung, der Durchprüfung der Apparate und der Auslieferung zu übernehmen. Bei derartigen Bedingungen mußte sich der Handel allgemein desinteressiert zeigen, die mit dem Radioverkauf naturgemäß verbundenen Risiken zu übernehmen. Denn schließlich ist der Radiohandel ein technischer Handelszweig und der Verkauf des Gerätes nicht nur ein Verkauf über den Ladentisch.
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Noch sind die Preise festgeschrieben.

Hier bestand das Berliner Problem darin, ähnlich wie in Westdeutschland, die Geräterabatte den Kosten anzunähern und wieder auf ein Niveau zu bringen, das dem kalkulierenden Fachkaufmann als Basis dienen kann. Ab 1. Juni d. J. ist diese Änderung wenig­stens bei den Herstellern Blaupunkt, Philips, Telefunken und Siemens eingetreten. Es wäre zu hoffen, daß die übrigen sich zu gleichen Maßnahmen entschließen könnten.

Im Zusammenhang damit steht die Regelung der Röhrenpreise und Röhrenrabatte. Erfreulicherweise ist man auf dem Wege, sich den westlicen Röhrenpreisen anzupassen und auch die bisher völlig unzureichenden Röhrenrabatte für den Handel auf einen angemessenen Stand zu bringen, der nur noch um 2% unter dem für Radiogeräte liegt. Ab 1. Juli treten für den Berliner Röhreneinzelhandel neue Rabatte für Röhren in Kraft.

Hinsichtlich der zu befolgenden Preispolitik scheint sich nun­mehr das Berliner Preisamt zu neuen Gesichtspunkten durch­gerungen zu haben. Denn die Preise für Radioempfänger und Radiozubehör, für elektrische Heiz- und Haushaltgeräte aller Art, für elektrische Kühlschränke, aber auch für Musik­instrumente und Musikalien sowie für handwerkliche Leistun­gen, d. h. Entgelte für Dienstleistungen aller Art, werden in Kürze freigegeben werden.

Berlin und die Zonen sollen zusammearbeiten

Eines der brennendsten Berliner Probleme ist jedoch, daß nach Aufhebung der Blockade seitens der offiziellen Stellen der Ber­liner Wirtschaftsverwaltung mit den zonalen Behörden Ver­handlungen stattfinden, den Handelsverkehr West-Ost wieder in Gang zu bringen. Die Berliner Radio- und Elektrowirtscaft kann auf die Dauer auf ihre Beziehungen zu Kunden und Lieferanten in den Zonen (Ost und West) nicht verzichten.

Es sollten daher keine Schritte unversucht bleiben, ihr das verlorengegangene Betätigungs- und Absatzgebiet auch in der Ostzone wieder zuzuführen. Dazu gehört, daß die Berliner Preise im Gebiete der Ostzone anerkannt werden und der Abnehmer keine Schwierigkeiten hat, in Westberlin zu kaufen. Dazu gehört weiter, daß seitens der DWK Freigabeerklärungen an Firmen in den Westsektoren Berlins erfolgen, die in der Ostzone beziehen wollen.

Damals schon : 1 DM (West) = 5 Ostmark

Schließlich gehört dazu mit die Befreiung des Postverkehrs nach dem Ostsektor und nach der Ostzone von den noch bestehenden Erschwernissen sowie eine Aufhebung der immer noch vorhandenen Postschecksperre der Westberliner Firmen. Letzten Endes hängt allerdings eine erfolgreiche Ingangsetzung des Handelsverkehrs West-Ost von der herrschenden Währungsrelation ab.

Eine Kursrelation von 1 : 5 läßt kaum an eine Verwirklichung einer Wiederbelebung denken. Ein Währungsverhältnis, das vielleicht gerade noch Geschäftsmöglichkeiten intersektoraler oder interzonaler Art zwischen dem Osten und Westberlin zulassen würde, wäre nach unseren Informationen 1 : 2.

Wie kann es aber verwirklicht werden?


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