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Historisches Wissen aus Heften, Zeitschriften, Magazinen

Artikel, Zitate und Infos stammen aus der Funk-Technik, der Funkschau, den RTMs, Kameramann, der FKT, den Schriften von Philips und Zeiss Ikon und Anderen. Mehr über die verfälschten historischen Informationen ab 1933 über 1945 bis weit in die 80er Jahre.

aus der FUNK-TECHNIK Nr. 21/1949 (1. Nov. Heft)
Das Editorial

Nr. 21/1949 - 4. JAHRGANG

RADIOLYMPIA 1949 London

von FR.WILLY FRERK-LONDON

Die Ausstellung

Viermal bin ich in diesem Jahre in der riesigen Ausstellung gewesen, die stolz „das Radio-Schaufenster Englands" ge­nannt wird, aber ich habe vergeblich nach etwas grundsätz­lich Neuem gesucht. Damit ist nicht gesagt, daß es nicht viele „Neuheiten" gab, im Gegenteil, man fand viel zu viele, jedoch nichts, was imstande wäre, die Radioindustrien der Welt zu revolutionieren.

Es fing damit an, daß schon am Mittag des zweiten Tages der offizielle Katalog ausverkauft und daß am fünften Tage noch kein Neudruck erschienen war. Der Ausverkauf ist an sich nicht verwunderlich, denn die Ausstellung wurde von 395.465 Interessenten besucht, von denen 1.100 von Übersee aus 80 verschiedenen Ländern kamen.

Die Aussteller sind mit dem Erfolg mehr als zufrieden, da für ungefähr 12 Mil­lionen £ Radiogeräte verkauft worden sind. Trotz der be­sonderen Betonung, die dieses Mal auf das Fernsehen gelegt wurde, war der Umsatz in Radiogeräten und Grammofonen weit höher als in Fernsehgeräten.

Englisches Farbfernsehen

Die farbige Fernsehvorführung der Firma PYE konnte ich leider nicht besuchen, da sie ständig überfüllt und ausver­kauft war. Belgien, Irland, Frankreich, Italien und Schweden haben jedoch Preiskalkulationen über das Gerät für die Auf­stellung in großen Warenhäusern und Hospitälern angefordert. Zwei Londoner Hospitäler und fünf in den Midlands wollen das Pye-Gerät in ihren Operationssälen einbauen. Die Radio­verkäufe lagen etwa 75% über denen der "Radiolympia 1947".

Trockenbatterien mit langer Lebensdauer haben einen Sonder­schnitt gemacht: es wurden für weit über eine Million £ verkauft, Argentinien kaufte für 15.000 £ Radio-Empfänger von einer Firma und Südamerika kaufte 10.000 Stück von einem Kleinstempfänger.

Man kann also nicht sagen, daß die Ausstellung kein Erfolg war, aber abgesehen von einigen neuen Radar-Einrichtungen und elektronischen Geräten zeigten weder die Radio- noch die Fernseh- Empfänger neue Schaltungen. Alle bekannten Firmen waren mit Fernsehgeräten vertreten, die sämtlich in einer langen, verdunkelten Halle aufgestellt waren, so daß man ihre Qualität gut beurteilen konnte.

Schwarzweiß Fernsehen

Das Ausstellungsprogramm für die Television-Abteilung war klug gewählt, es war eine Sondervorführung der Eisläuferschau vom Stoll-Theater. Die wundervoll gleitenden Bewegungen der Eisläufer in ungarischen, schottischen und ähnlichen Trachten hielten das Auge gefangen, so daß tatsächlich nur die Fachleute die vorhandenen Mängel erkannten. Einzel­heiten, wie die Gesichtszüge der Menschen, gehen schon bei geringer Entfernung von der Kamera in dem grellen Schein­werferlicht verloren. Nur wenn die Kamera auf ein bis zwei Meter an das Objekt herangeht, kann man Gesichtszüge er­kennen. Ein weißgekleidetes Eisläuferpaar wurde während der ganzen Vorführung von einem „Heiligenschein" starker Überstrahlung begleitet, was das Publikum entzückte, die Kenner aber den Kopf schütteln ließ.

Die Bilder wurden, je nach der verwendeten Katodenstrahlröhre, in Schwarz-Weiß, Grünlich-Weiß und Blau-Weiß vorgeführt, von denen die rein schwarzweißen die besten waren. Es waren aber nicht alle schwarzweißen Bilder wirklich schwarz, sondern grauweiß, so daß Filmleute den Eindruck gewannen, einem stark über­belichteten Film zuzuschauen. Die kleineren Geräte waren durchweg besser als die großen, die Bildqualität im allge­meinen die gleiche. Die beste Wiedergabe zeigten das kleine Bushgerät, der kleine Sobell, der kleine Cossol, das McMichael-Gerät und das kleine Albagerät, deren Bilder wirklich klar waren, dazu kommt auch das Baird-Gerät (siehe Abbil­dung), das das billigste auf dem Markt, aber mit eines der besten ist. Der große Ferguson-Apparat mit grünlichem Bild war ausgesprochen schlecht.

Alles in allem hat man das Gefühl, daß das Fernsehen zwar ausgezeichnete Fortschritte gemacht hat, daß es aber noch „nicht fertig" ist. Wie ein Franzose mir auf der Ausstellung sagte, sieht es mit dem französischen Fernsehen nicht anders aus. „Es ist wie der Empfang mit Kopfhörer, Monsieur, gegen­über dem heutigen Empfang mit Lautsprecher."

Mängel beim Lautsprecher

Und da wir gerade beim Lautsprecher sind, möchte ich darauf hinweisen, daß verschiedene Firmen ausgezeichnete Laut­sprecher ausgestellt hatten, daß aber die offiziellen Hallen­lautsprecher und die Lautsprecher in vielen Geräten alles andere als gut waren. Ich unterschreibe voll und ganz, was eine Lautsprecherfirma in ihrer Reklame sagt: „Es scheint die Angewohnheit mancher Gerätefabrikanten zu sein, einen unverhältnismäßig kleinen Teil der Unkosten eines Gerätes auf den Lautsprecher zu verwenden, aber schließlich ist es doch der Lautsprecher, der das Geräusch macht."


Es ist unmöglich, alle jene zahllosen Radio-Empfänger aufzu­zählen und zu beurteilen, die auf der Ausstellung zu sehen waren. Die Preise für die Geräte sind um 15,5% gefallen, aber meiner Ansieht nach auch ihre Qualität. Der Zug der Zeit verlangt kleine, tragbare Geräte und erleichterte Ab­stimmung. Die sogenannten „persönlichen Empfänger" waren ein großer Schlager für das Publikum, das sie am Strand und im Garten benutzt. Sie sind elektrisch ziemlich einwandfrei; ihre Tongebung ist jedoch einfach grauenhaft, was man von einem kleinen Lautsprecher mit 8 und 10cm Durchmesser auch kaum anders erwarten kann.

einzelne Hersteller

Die Firma Sobell, die bisher aus­gezeichnete Geräte auf den Markt gebracht hat, schoß mit ihrer „Sobellette" für £ 8,19 den Vogel an Häßlichkeit ab. Das Bakelitgehäuse ist entweder blaßgrün oder zinnoberrot, die waagerechte Einsteilung mit winzigen Einstellziffern ist vorsintflutlich, der Ton schlecht und - doch erwies sich die „Sobellette" als „best-seller" und wurde stark gekauft.

Die größeren Geräte sind dagegen technisch und tonlich ausge­zeichnet. Auch in diesem Jahre fielen die Superhets der „Dynatron"- Gesellschaft auf. Sie hatten wieder die riesengroße, halbrunde Skala, mit der auch Kurzwellen bequem eingestellt werden können und waren besonders im NF-Teil reichlich bemessen. Die Dynatron-Geräte sind von der englischen Regierung in größeren Mengen angekauft worden. Ausgezeichnete Geräte sind die „Communications Receiver" Eddystone der Firma Stratton & Co Ltd., Birmingham, deren Modeil 640 von Radioamateuren viel gekauft worden ist. Dieses Modell wird jetzt nicht mehr fabriziert und hat dem neuen Modell 680 Platz gemacht, das gerade jetzt auf den Markt gekommen ist (s. Abb.). Die Firma macht aber bereits auf ihr neuestes Modell 750 aufmerksam, ein Elf-Röhren-Gerät für 32 MHz bis 1,7MHz und von 1465 kHz bis 480 kHz, das sowohl mit Wechselstrom als auch mit Batterien betrieben werden kann.

Daß aber selbst diese unbestritten führende Firma in England so gut wie gar nicht von dem üblichen Schaltschema abweicht, geht aus dem Schaltplan für das Gerät 556 hervor. Auch dies ist ein ganz neues Gerät für Fernempfang.

KW ja, UKW nein

Verschiedene Firmen haben ihre Empfänger für Kurzwellen­empfang mit Vorrichtungen zur Spreizung des Wellenbandes versehen, die im großen und ganzen nicht von den bekannten Methoden abweichen.

Empfänger mit Frequenzmodulation (Anmerkung: FM = UKW) waren an den Fingern einer Hand zu zählen. Ein 21-Röhren-Fernsehempfänger mit 25cm Katodenstrahlröhre, der für den amerikanischen Markt berechnet war, wurde von der Romac-Radio Corporation gezeigt. Er arbeitet auf den zwölf amerikanischen Fernseh­kanälen, die durch einen Schalter gewählt werden können. Der Tonempfänger war für Frequenzmodulation geschaltet. Die Decca Record Co Ltd. zeigte einen Projektions- Fernsehempfänger mit einem 50cm Bildischirm. Der Tonempfänger ist für Frequenzmodulation bestimmt, und der Ton wird auf drei 30cm Lautsprecher übertragen.

erste Magnet­tongeräte

Einen sehr breiten Raum nahmen in diesem Jahre Magnet­tongeräte ein, die von mehreren Firmen ausgestellt wurden, darunter auch Geräte zum Selbstbau. Auch Fernsehgeräte zum Selbstbau waren ausgestellt, die sich in der Preislage zwischen 15£ und 30£ bewegten. Grammofone in allen Preis­lagen und Ausführungen, fast sämtlich mit selbsttätigen Plattenwechslern, waren auf fast allen Ständen zu sehen. Goldring bringt Tonarme mit federleichten Kristall-Tonabneh­mern, die auswechselbar sind, so daß man den Tonabnehmer dem Charakter der Platte anpassen kann. Ferner war da ein Garrard-Radiogramm für den Gebrauch auf stürmischer See, das selbst dann noch Platten fehlerfrei spielt, wenn es in einem rechten Winkel zum Roden steht.

Die elektronische Ausstellung der Regierung war entschieden am interessantesten, wenn auch die neuesten Entwicklungen noch auf der Geheimliste stehen und nicht gezeigt wurden. Die RAF, die Armee und auch die Flotte hatten ihre Radar- und Verbindungsgeräte einschließlich Beförderungsautos und Soldaten zur Ausstellung gebracht. Das Versorgungsministe­rium zeigte ein Gerät, das Stürme und ihre Entfernung vom Ablesepunkt anzeigt, auf einem Modell dles Londoner Flug­hafens konnte man ein Miniaturflugzeug mit Hilfe von Radar landen sehen.

und weitere Geheimnisse

Geräte für sehr hohe Frequenzen, die für Flug­zeuge, Schiffe, Taxameter verwendet werden, ließen sich zwar von außen ansehen, hatten jedoch ihr Inneres geheimnisvoll versiegelt. Die Eddystone-Leute zeigten dafür Einzelteile für hohe Frequenzen in bester Ausführung. Marconi stellte einen Presse-Transreceiver (Sender-Empfänger) aus, mit dem Presse­vertreter an Ort und Stelle des Geschehnisses in direkte Ver­bindung mit ihrer Redaktion treten können, und führte gleich­zeitig einen „Walkie-Talkie" für sehr hohe Frequenzen vor, der für FM und AM eingerichtet ist.

Nicht zu erwähnen brauche ich wohl, daß alle Röhrenfabriken mit ihren neuesten Röhren, hauptsächlich Miniatur-Glasröhren, vertreten waren.


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