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Historisches Wissen aus Heften, Zeitschriften, Magazinen

Artikel, Zitate und Infos stammen aus der Funk-Technik, der Funkschau, den RTMs, Kameramann, der FKT, den Schriften von Philips und Zeiss Ikon und Anderen. Mehr über die verfälschten historischen Informationen ab 1933 über 1945 bis weit in die 80er Jahre.

aus der FUNK-TECHNIK Nr. 20/1949 (2. Okt. Heft)
Das Editorial

Nr. 20/1949 - 4. JAHRGANG

Von der Marktordnung, freier Wirtschaft und anderem ...

Die gegenwärtigen Verhältnisse auf dem Rundfunkmarkt finden seitens der Beteiligten nur gedämpften Beifall. Mehr als eine Stimme spricht von einer „Markt-unordnung" und immer lauter werden in Westdeutschland die Forderungen nach einer Neufassung jener Bedingungen, deren umstrittenste, wie könnte es anders sein - die Rabattreglung ist. Dabei wird nicht nur die Höhe der Handelsspannen kritisiert, ebensoviele, wenn nicht noch mehr Angriffe richten sich gegen die Durchführung des mit Mühe unter Dach gebrachten Rabattabkommens.
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Fast jeder hat den Höchstrabatt

Es ist müßig, an dieser Stelle daran erinnern zu wollen, wie unbefriedigend der Staffelrabatt ist. Er hat in der rauhen Luft der Praxis seine Wirksamkeit längst eingebüßt, und es existieren nur noch wenige Einzelhändler, die es nicht ver­standen haben, den Höchstrabatt zu erlangen. Gewährt ihn der Produzent nicht, dann gibt ihn der nächste Grossist - und arbeitet die eine oder andere Apparatefabrik nicht mit Großhändlern, dann verhandelt unser Einzelhändler, er tätigt einen Abschluß - oder verzichtet im Notfall auf das be­treffende Fabrikat bzw. führt es nur auf Verlangen.

Einzelhändler überrunden Großhändler

Kurzum, der übliche Rabatt für den Einzelhändler entspricht bis auf wenige Ausnahmefälle der höchsterreichbaren Handelsspanne. Höchsterreichbare Handelsspanne des Einzelhändlers ? Nun, auch hier sind die Grenzen fließend, um es einmal vorsichtig auszudrücken. Mehr als einer der „großen" Einzelhändler im Westen und Süden der Trizone, dessen fünf oder sieben Schaufenster an den Hauptstraßen von Düsseldorf, Stuttgart oder München ein Anziehungspunkt erster Ordnung für das Publikum sind, hat umsatzmäßig manchen Großhändler überrundet. Was liegt näher als der Wunsch dieser tüchtigen Geschäftsleute, als Ausgleich für ihre erhöhten Aufwendungen für Ladenlokale, Werbung usw. den Sprung in die nächste Rabattklasse, die des Großhändlers, zu tun?

Überbestände unter Preis rauswerfen

Die Verkaufs­leiter mancher Gerätefabriken sehen sich daher vor recht unangenehme Situationen gestellt, und die bekannten „zwei Seelen in der Brust" streiten heftig miteinander... Das ist aber nur eine Seite des vielfältigen Problems. Die jüngste Vergangenheit hat deutlich gezeigt, wie sehr alle Absprachen und Empfehlungen innerhalb von Verbänden usw. mehr oder weniger theoretischer Natur sind, sobald die harte Wirklichkeit eingreift. Drückende Lagerbestände wurden in den Monaten der Absatzkrise ohne viel zu fragen zu niedri­geren als „genehmigten" Preisen abgestoßen. Fabrik X tat es ganz offen, indem sie ihre Bruttopreise um 30 und mehr Prozent herabsetzte - und Fabrik Y überließ die Sache dem Einzelhändler, indem sie ihm Sonderrabatte einräumte. Darob gab es zuzeiten ein heftiges Wehklagen und es regnete gegen­seitige Vorwürfe; ein jeder beschuldigte den anderen, und aus ging's wie das Hornberger Schießen. -

Kommt das große Händlersterben ?

Denn, offen ge­sprochen: die Rundfunkwirtschaft saß in einer schönen Patsche und für manchen hieß es: durch... oder abtreten! Und niemand stirbt gern freiwillig, nur um treu und brav Bestimmungen, Rabattabsprachen usw. einzuhalten. Zu­gegeben, das alles klingt nicht schön. Man sollte aber soviel Ehrlichkeit aufbringen zu erkennen, daß die vielgepriesene freie Wirtschaft im Westen neben unleugbaren Vorzügen auch ihre Schattenseiten hat, die es gleichermaßen in Kauf zu nehmen gilt.
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Der Begriff „Freie Wirtschaft" . . .

Nun ist allerdings der Begriff „Freie Wirtschaft" ebenso buntschillernd wie ein Regenbogen. Ein jeder versteht etwas anderes darunter und möglichst das, was ihm nützt. Unleug­bar ist es aber nicht möglich, die amerikanische Auffassung dieser Sache in jedem Falle mit der deutschen Ansicht zur Deckung zu bringen. Den ersten Zusammenstoß gab es in der Frage der Gewerbefreiheit, und der zweite dürfte allem Anschein nach nicht lange auf sich warten lassen, sobald das akute Problem der Dekartellisierungsbestimmungen ange­schnitten wird.

Zur Zeit ist die Lage auf diesem Gebiet noch recht unübersichtlich; fest steht lediglich, daß Handels­organisationen und sonstige wirtschaftliehe Verbände gewisse bindende Bestimmungen kommerzieller Art ihren Mitgliedern (die keine Zwangsmitglieder sind) nur empfehlen können (.... selbige werden gebeten, entsprechend zu verfahren). Nie­mand aber kann gegen den Nichteinhalter mit Maßnahmen irgendwelcher Art drohen bzw. solche „diskriminierend" an­wenden.
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Doch wieder eine Reichs-Rundfunk-Ordnung ??

Wenn also eine Ordnung des Rundfunkmarktes geschaffen werden soll - und fast alle Beteiligten wünschen das - so ist gegenwärtig nicht zu erkennen, auf welcher Basis das geschehen soll. Wenn wir alle Engel wären, dann gäbe es natürlich keine Schwierigkeiten, genau so wenig wie solche in größerem Umfange zu erwarten sind, solange die Geschäfte florieren. Sobald aber wieder einmal flaue Zeiten eintreten und die Marktordnung sich zu bewähren hat, schei­tert sie todsicher an den fehlenden Möglichkeiten, dem Sünder aufs Dach zu steigen.
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Hoffen auf die neue Bundesregierung

Optimisten erwarten von der inzwischen gegründeten west­deutschen Bundesregierung sehr viel und munkeln, daß gewisse Rahmenverordnungen in der Schublade des zuständi­gen Ministers bereitlägen, nach denen Marktordnungen ge­schaffen werden können, die Aussicht auf Bestand und Bewährung haben und die nicht nur auf Empfehlungen hinauslaufen. So sehr eine wirklich dauerhafte und wirtschaftlich vernünftige Ordnung der Rundfunkwirtschaft zu begrüßen ist - es scheint doch, daß hier der Wunsch ein wenig zu sehr der Vater des Gedankens ist.
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Hilf Dir selbst . . . .

Wir wollen abwarten und sehen, was das nächste Frühjahr bringt. Rabattverhandlungen und ähnliche Absprachen pflegen in dieser Jahreszeit stattzufinden; bis dahin wird die Rund­funkwirtschaft genügend mit dem erfreulich angelaufenen Verkaufsgeschäft bzw. mit der nicht minder optimistisch beurteilten Produktion beschäftigt sein.

Inzwischen aber gilt noch immer „Hie freie Wirtschaft, hie bewähr' dich!", also handele und verhandele ein jeder so gut er vermag. Die D-Mark wird in nunmehr schon gewohnter Weise als Schiedsrichter das ihre dazu tun.

KarlTetzner


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