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Artikel, Zitate und Infos stammen aus der Funk-Technik, der Funkschau, den RTMs, Kameramann, der FKT, den Schriften von Philips und Zeiss Ikon und Anderen. Mehr über die verfälschten historischen Informationen ab 1933 über 1945 bis weit in die 80er Jahre.

aus der FUNK-TECHNIK Nr. 16/1949 (2. Aug. Heft)
Das Editorial

Nr. 16/1949 - 4. JAHRGANG

Der Start des neuen Funkjahres - über die Radios 1949

Die neue Rundfunksaison (Anmerkung: sie begann immer im späten Herbst) wird - man verzeihe uns unseren leichtfertigen Optimismus - eine wesentliche Belebung des Umsatzes an Rundfunkempfängern mit sich bringen.
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Die Saison beginnt - endlich

Der wiedererwachte Saisoncharakter des Geschäftes ist Tatsache - und damit wächst der Verkauf von Radioapparaten wieder in jenen Rhythmus hinein, der vor dem Krieg wohlbekannt war, und auf den sich Industrie und Handel eingestellt hatten. Aber es bleibt nicht allein bei den jahreszeitlich bedingten Umsatzschwankungen, sondern es erscheinen im täglichen Verkaufsgeschäft eine ganze Reihe Dinge wieder, die jedem Rundfunkhändler vertraut sind, der die Jahre vor dem Krieg mitgemacht hat.
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Noch keinen „Neuheitentermin"

In welchem Umfang die Industrie für die anlaufende Saison neue Empfänger herausbringen wird, ist zur Stunde noch nicht im vollen Umfang zu übersehen, denn es gibt noch keinen „Neuheitentermin". Einige Firmen werden sich zurück­halten, denn die vielen „Neuheiten" in diesen Frühjahrs- ­und Sommermonaten hat die Typenzahl anschwellen lassen - dies nicht zuletzt als Folge der sehr großen Zahl der Gerätefabriken.

Andererseits geben die Entwicklungen, die zur Technischen Exportmesse Hannover und später vorgeführt wurden, einige Anhaltspunkte für eine Beurteilung des Marktes. Man kann in etwa abschätzen, welche Typen gut gehen und bei welchen Empfängerklassen der Händler einige Zurückhaltung üben muß. Nach wie vor bleibt der Einkreiser umstritten; es sprechen genau so viele Stimmen sein Todesurteil, wie sie sich für seine Beibehaltung einsetzen.

Gut und billig sind gefordert

Schließlich kann man sich auf folgender mittleren Linie treffen: wenn der Einkreiser gut klingt und befriedigend aussieht, und wenn er dabei billig ist, kann er sich auf Grund der wirtschaftlichen Lage vieler Käufer halten. Die Röhrenbestückung ist dabei wenig interessant; schafft man es mit einer UCL11, UEL11 bzw. ECL 11, nun gut, sonst tut es eine HF-Pentode mit nachgeschalteter, billiger Endröhre vom Typ UL 2 bzw. EL 8 ebenfalls. Über den Zweikreiser ist wenig zu sagen. Zur Zeit fristet er nur noch bei den Bastlern mit Hilfe des Limann-Bandfilters ein bescheidenes Dasein.

Interessant dagegen ist die Stellung des Vierkreis-Superhets ohne Zwischenfrequenzverstärkung. Einige Fa­briken haben sich große Mühe gegeben, aus dem Gerät an Trennschärfe und insbesondere an Empfindlichkeit soviel herauszuholen wie nur irgend drinsteckt. Man trieb die Emp­findlichkeit von 300... 400uV schließlich auf 60 ...80uV, baute bedienbare Gleichlaufkorrekturen für den Vorkreis ein, ordnete bedienbare Rückkopplungen an usw. Der Preis für diese Geräteklasse gab während der vergangenen Monate mehrfach nach; gegenwärtig steht er zwischen 180,- und 270,- DM je nach Ausführung und Gehäuse.
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Einkreiser, Zweikreiser, Vierkreiser . . .

Die Umsatzentwicklung der letzten Monate hat allerdings er­kennen lassen, daß die Tage des Vierkreis-Superhets gezählt sind. Seine äußerste Billigkeit - wenn wir so sagen dürfen - bedeutet einfachste Ausstattung und mäßiger Klang. Hinzu kommt das Fehlen des Schwundausgleiches, das sich in den Abendstunden so überaus störend bemerkbar macht. Kurzum, dieser Empfängertyp war ein sehr notwendiger und be­grüßenswerter Notbehelf für die Zeit, in der die anderen - größeren - Superhets noch auf dem Gipfel ihrer Preise standen.

Er hat seine Aufgabe erfüllt und besitzt nur noch Chancen, wenn er unterhalb von 200,- DM eine ganz neue Preisklasse bildet und derart das Erbe des Zweikreisers an­tritt. Allerdings ist es im Augenblick nicht zu erkennen, wie dies auf Grund der allgemeinen Kostenlage ohne entscheiden­des Absinken der Qualität möglich sein soll. -

und dann noch der Sechskreiser . . .

Es ist mit Sicherheit vorauszusagen, daß der Sechskreis-Superhet mit einzelnen Modellen auch in niedrigere Preis­klassen vordringen wird. Krefft zeigte es bereits anläßlich der Messe in Hannover, daß man einen Sechskreiser mit vier Rimlockröhren unter 250,- DM liefern kann. Für diesen Betrag bekam man vor einigen Monaten höchstens einen Vier­kreis-Super ohne ZF-Verstärkung ... und nach der Währungs­reform kostete der Einkreiser soviel!

Man muß bei einem solchen Preis ganz selbstverständlich auf Ausstattung ver­zichten und darf keine Ansprüche an besondere Schönheit des Holzgehäuses, raffinierte Skalenbeleuchtung usw. stellen, sondern muß mit dem zufrieden sein, was für diesen Preis geschafft werden kann: sechs Kreise, drei Wellenbereiche, 2 ... 3 Watt Sprechleistung, 50uV Empfindlichkeit, Schwund­ausgleich und ein Klang, den wir vorsichtig „zufriedenstellend" nennen wollen. Der Fachmann wird nicht übersehen, daß diese Typen bewußt auf den Preis entworfen sind - wer mehr will, muß mehr bezahlen und soll sich aus der großen Aus­wahl der höheren Preisklassen ein zusagendes Modell aus­wählen.

Das "Magische Auge" ? Überflüssige Spielerei ?

Wer mehr anlegt, will mehr haben - und so müssen Geräte über 350,- DM unter allen Umständen das Magische Auge besitzen. Mag der Techniker und selbst mancher Kaufmann noch so sehr diese „überflüssige Spielerei" ablehnen und den hierfür aufzuwendenden Betrag von rund 25,- DM für besseren Klang oder höhere Trennschärfe anlegen wollen - der Händler im Laden weiß es besser. Immer wieder verlangt der Kunde dieses Abstimmnilfsmittel. Wir wollen hier nicht debattieren, ob es technisch erforderlich ist oder nicht - es ist nun einmal nicht zu leugnen, daß der Käufer eines Empfängers diesen sofort in eine höhere Qualitätsstufe ein­reiht, sieht er das grün leuchtende Auge blinzeln. Die bandgespreizten Kurzwellenbänder sind im Vormarsch. Endlich, wird mancher Händler sagen. Die notwendigen Spulensätze sind nicht mehr so teuer, nachdem gute keramische Spulenträger mit Wellenschaltern zusammengefaßt zu einem erträgliehen Preis auf dem Markt sind (u. a. von Mayr). Manche Firmen sind noch nicht konsequent genug, sie teilen das KW-Band nur zweifach auf: von 16 ... 32 und 31 ... 70 oder 90m. Aber sie gewinnen nicht sehr viel an Bandspreizung und damit an Bedienungsvereinfachung, so daß man sich überlegen muß, ob die andere Lösung, nämlich nur die Kurzwellen von 30 ... 51m vorzusehen, nicht die bessere ist.

Für einen Empfänger höherer Preisklasse und gar für einen Luxusempfänger darf es nur eine Wahl geben: die wichtig­sten Bänder (16, 19, 25, 31 und 49m) müssen jeweils über die ganze Breite der Skala auseinandergezogen werden. Ob darüber hinaus noch ein durchgehendes Kurzwellenband von 16... 51m vorzusehen ist, bleibt der Auffassung der Kon­strukteure überlassen.

Amerkung: Die weiteren technischen Einzelheiten der Radiomodelle aus 1949 ersparen wir uns hier.

KARL TETZNER

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