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aus der FUNK-TECHNIK Nr. 01/1949 (1. Jan. Heft)
Das Editorial

Nr. 01/1949 - 4. JAHRGANG

Aussichten der Elektroindustrie
für das Jahr 1949

Gerade das vergangene Jahr hat uns mit aller Deutlichkeit gezeigt, wie eng Politik und Wirtschaft miteinander verbunden sind. Eine politische Entspannung ist die erste Voraussetzung für einen wirtschaftlichen Aufstieg und eine fortschreitende Entwicklung. Auch der Elektro- und Radioindustrie in ihrer Gesamtheit kann es nur besser gehen, wenn die politische Lage Deutschlands bereinigt wird.

Das ist in erster Linie vom Standpunkt des Berliners aus gesagt, der unter der Trennung Deutschlands ganz besonders in seinem persönlichen Leben und im wirtschaftlichen Dasein seiner Stadt zu leiden hat. Davon abgesehen löste aber das vergangene Jahr so lebhafte Impulse für seine wirtschaftliche Festigung aus, daß man ohne weiteres ihre Wirksamkeit auch für das Jahr 1949 prophezeien kann. Diese Auftriebserscheinung ist sowohl in der Ostzone als auch in den Westzonen zu beachten, wenn sie auch durch ganz verschiedene Maßnahmen ausgelöst ist.

Machen wir mal einen Plan

In der Ostzone wurde der (Anmerkung: erste) Zweijahresplan verkündet, der auch unserem Industriezweig bedeutende Aufgaben zuweist. In den Westzonen hat die Währungsreform die Arbeitslust und den Unternehmungsgeist stark belebt.

Weiterhin haben die Leistungen aus dem Europa-Hilfsprogramm sehr reale Voraussetzungen für die Belebung der Wirtschaft geschaffen, und endlich hat der Export durch den Wegfall der als besonders hemmend empfundenen Schranken erhöhte Bedeutung gewonnen. Ganz besonders interessiert dabei, welche Aussichten die Berliner Elektroindustrie trotz der Aufspaltung der Stadt bei dem offenkundigen Gegensatz zwischen Ost und West hat.

Kein Gnadenbrot für Berlin

Der bisherige Ablauf der Ereignisse zeigte, daß die Berliner Unternehmen der Elektroindustrie trotz aller Schwierigkeiten voll oder doch nahezu voll beschäftigt geblieben sind. Es ist nicht anzunehmen, daß man der Berliner Elektroindustrie nur das „Gnadenbrot" hat zukommen lassen wollen, vielmehr kann als sicher gelten, daß die gute Beschäftigung einem tatsächlichen Bedürfnis entspricht. Sowohl der Westen als auch der Osten sind auf die Elektroerzeuignisse aus Berlin und das Können seiner Spezialisten angewiesen.

Nach den allwöchentlich herausgegebenen Statistiken hat der britische Sektor von Berlin als der Hauptsitz der Elektroindustrie regelmäßig eine Wochenerzeugung zwischen 5 und 6 Millionen D-Mark gehabt, von denen ein hoher Prozentsatz auf elektrotechnische Erzeugnisse entfällt.

Es ist notwendig, sich daran zu erinnern, wenn man eine Prognose für das Jahr 1949 stellen will. Wenn schon unter den größten Schwierigkeiten die Berliner Elektroindustrie ihre Stellung behaupten konnte, so wird das erst recht der Fall sein, wenn, wie zu hoffen ist, die trennenden Mauern allmählich abgetragen sein werden. Demgegenüber wird es die Elektroindustrie in den Zonen wesentlich einfacher haben.

Der Bedarf ist riesig

Daß der Bedarf an elektrischem Gerät aller Art riesengroß ist, wird wohl von keiner Seite bestritten. Die Elektrotechnik ist geradezu der Schlüssel für die Belebung aller Industriezweige. Die Überholung der elektrischen Anlage, die Auswechselung von Motoren, Transformatoren, Schaltern, Leitungen usw. ist überall die erste Voraussetzung dafür, daß die Werkstatt, die Fabrik, das Berg- und Hüttenwerk mehr und besseres leisten kann. Es ist außerordentlich erfreulich, daß die Elektroindustrie die vergangenen Jahre, die durch die verworrenen Währungsverhältnisse so unübersichtlich waren, dazu benutzt hat, ihre Anlagen wieder aufzubauen und den Ansprüchen der Kundschaft anzupassen. Durchweg sind die Werke jetzt wieder in der Lage, friedensmäßige Erzeugnisse zu liefern, wenn auch die Preise oft wesentlich höher liegen müssen.

Das Elektrohandwerk kann seinen Bedarf an all dem vielfältigen Material jetzt wieder fast ohne jede Einschränkung decken und entsprechende Aufträge übernehmen. Zahlreiche Neuerungen stehen zur Verfügung, die unsere Elektrotechnik als gleichwertig mit den Fortschritten des Auslands erkennen lassen.

Der Bergbau - eine Schlüsselindustrie

Für die Spezialzweige der Elektroindustrie wird weiterhin der Bergbau einer der bedeutendsten Abnehmer sein. Das vergangene Jahr hat gezeigt, wie sehr der wirtschaftliche Aufstieg von der Kohlenförderung abhängt. Zur Zeit, da (diese Zeilen geschrieben werden, nähert sich die tägliche Förderziffer dem Wert von 330.000 t. Ihre weitere Steigerung hängt in erster Linie von der Verbesserung der maschinellen Ausrüstung ab. Dabei hat die Elektrotechnik eine wichtige Rolle zu spielen. Sie muß Motoren, Bohrmaschinen, Kabel und elektrische Geräte aller Art liefern.

Auch die Energiewirtschaft der Zechen wird der Elektrotechnik viel zu tun geben, indem neue Stromerzeuger und Leitungsnetze notwendig sein werden. Besonders große Aufträge sind von den Unternehmen zur Stromversorgung zu erwarten, nachdem das Jahr 1948 die Stromerzeugung als bedeutendsten Engpaß für die wirtschaftrliche Gesundung hat erkennen lassen. Es kann als sicher angenommen werden, daß die im Jahre 1948 diskutierten Pläne 1949 Realisierung finden.

Endlich kein „Papierkrieg" mehr

Der Export hat durch den Wegfall des „Papierkriegs", wie man die Vereinfachung des Verfahrens kurz bezeichnen kann, den Auftrieb erhallten, den die Industrie schon lange wünschte. Insbesondere ist aber der Exporteur nicht mehr an Preisvorschriften gebunden, sondern kann wieder so kalkulieren wie er es seit jeher im Wettbewerb gewöhnt war.

Unsere Chancen im Export sind gut, wenn auch vielleicht die ganz großen Aufträge zunächst noch nicht wieder an Deutschland erteilt werden können. Aber all den vielfältijgen Bedarf, in erster Linie Ersatz- und Ausbauteile, dürfte man wieder in erhöhtem Maße aus Deutschland beziehen.

Die Radiotechnik geht mit guten Aussichten in das Jahr 1949. Nachdem der vordringlichste Bedarf an Kleidung gedeckt ist, wird nunmehr auch für ein Radiogerät etwas übrig sein.

Die Industrie zeigt großen Optimismus, legt sie doch große Serien von Apparaten in mittleren Preislagen auf. Aber auch die Entwicklung ausgesprochener Luxusapparate ist so weit gefördert worden, daß mit Sicherheit im Laufe des Jahres 1949 mit ihrem Erscheinen zu rechnen ist.

Die Auswahl an Zubehör wird sich ebenfalls vergrößern, so daß der Radio-händler mit dem Verkauf von Antennen, Störsqhutzgeräten usw. seinen Umsatz entsprechend vergrößern kann. G. H. N.


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