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Der Blaupunkt Fernseh-Studio-Monitor CQCM37 ist ein ganz besonderes Teil, nämlich ein Rätsel.

Solch einen echten deutschen Studio Farb-Monitor (Baujahr 1990) mit so vielen Widersprüchen und diamentralen Qualitäten hatte ich bislang noch nicht in die Finger bekommen. Denn - er ist selten. Und er ist wirklich echt "Made in Germany" aus Hildesheim.
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Fangen wir mal ganz vorne an:
Er geht nicht mehr - verschlissen - Ende

Alle Bemühungen, ihn zum Laufen - also zum Anzeigen eines Prüf- oder Test- Farbbalkens zu bewegen, schlugen fehl, zumal auch (bei uns) kein Handbuch mehr existiert. 

Ganz schnell fiel auf, daß die gesamten Tasten des rechten und linken Bedienteiles nicht mehr funktionierten, sie waren irreparabel hineingedrückt und kamen nicht mehr raus, auch nicht mit Tricks.

Damit ließen sich sich auch die Eingänge nicht mehr umschalten und alle sonstigen Einstellungen waren nicht mehr machbar. Es muß zwar mal eine Fernbedienung gegeben haben, doch die ist bestimmt schon vor Jahren "entfleucht" bzw in irgend einer Schublade versauert und dann entsorgt worden.

Diese Tasten haben nicht standgehalten, sie waren entweder zu billig oder nicht robust genug für einen professionellen Einsatz.
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Es ist ein richtiges Blaupunkt Chassis

Das eigentliche Hauptchassis des "Fernsehers" ist aus der Generation 1990 und schon recht kompakt aufgebaut. Wie in jedem normalen Fernseher ist der Empfang aller damals möglichen analogen Sender sowie der Stereoempfang über die Antenne möglich und natürlich auch der typische Studio-Eingang für Bild und Ton.

Man sieht es an der Anschlußplatte im oberenBild : Für diese im Studio unabdingbare Technik ist doch einiges nachgerüstet worden.

Im Inneren des Gehäuses - hier nicht sichtbar - befinden sich noch 2 weitere größere Platinen, unter ihnen auch der Steuerungsprozessor für die Eingangsumschaltung und die sonstigen Einstellungen.
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Auf der Hauptplatine sitzt ganz rechts ein kleiner Hilfstrafo

(im Bild oben ganz rechts im Bild), der die Standby-Funktion bereit hält. Den Rest der Spannungsversorgung besorgt ein Schaltnetzteil. Das spart ganz gewaltig an Gewicht, wobei ein Teil der Ersparnis wieder durch einen 100Watt Trenntrafo kompensiert wird.

Dafür ist das ganze Gehäuse aus leichtem ALU-Blech und dennoch ziemlich robust konstruiert. Die Toshiba Bildröhre ist eigentlich das schwerste Teil des ganzen Monitors. Die versenkbaren Griffe sind sehr handlich und so hinterläßt das Gehäuse einen durchaus voll professionellen Eindruck. Auch die Rückwand enthält alle im Studio verlangten Anschlüsse in der richtigen Bestückung und !! Beschriftung sowie einen versenkten Schalter für die 75 Ohm Terminierung der Videoeingänge.

Die SCART Buchse ist zwar im Studio absolut unüblich, aber für Testzwecke und einen eventuellen Protokoll-VHS-Recorder, der die HF Ausstrahlung aufnimmt, hilfreich. Der Antenneneingang prädestiniert den Monitor als sogenannten HF Kontroll-Monitor im Studio. Soetwas haben die wenigsten Konkurrenten in dieser Größenklasse.
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Es gibt einen Trenntrafo

... aber nicht irgend einen Trafo, sondern einen ganz edlen 100 Watt Schnittband- kerntrafo mit professioneller Abschirmung. - Alle Achtung, das hatte ich nicht erwartet.

Keine Probleme mit dem Netzbrumm

An der Kalterätebuchse fehlt der dritte Stift, der nomalerweise voreilend die Schutzerde verbindet. Damit werden jegliche Netzt-Brummschleifen ausgeschlossen.

Auch der Stereo-Ton kann nicht brummen

Die Entwickler haben auf der Ton-Anschlußplatte 4 hochwertige 600 Ohm Übertrager plaziert, die die Ausgänge und Eingänge des Monitors studiomäßig abkoppeln. Mehr darüber steht auf unseren Hifi-Seiten bei den Audio-Übertragern.

Und jetzt die Diskrepanzen

Die Hauptplatine stammt sicher aus Kostengründen aus einem Serien-Fernseher. Die Prozessorplatine für die gesamte Bild- und Ton-Steuerung ist dagegen zwar mit modernen Digital-Bauelementen der aktuellen Generation (1990) bestückt, jedoch die restliche Bestückungstechnik ist nicht mehr zeitgemäß gewesen. Bei der Bosch Fernseh GmbH (BTS) ist so um 1986 schon die SMD Technik eingezogen.

Und die Platine mit dem Videoverstärker
ist dann wirklich uralt. Irgendwie paßt das nicht so ganz zusammen. Es riecht etwas sehr nach Bastelei.

Am besten kann man das beurteilen,
wenn man einen SONY und einen IKEGAMY und einen PANASONIC der 1990er Generation daneben stellt und aufschraubt. Nicht daneben stellen darf man einen FESE/BTS oder Tektronix Monitor der gleichen Baugröße - aber deutlich älteren Datums. Diese Monitoren haben wir in den "Brücken" über den verschiedenen BCN 51 Videorecordern vorgefunden.

Die Anschlußplatte ist vom Feinsten

Betrachtet man dagegen die Anschlußplatte der BNC und XLR Buchsen auf der Rückseite des Monitors, das ist solide Ingenieursarbeit und für rauhen Studiobetrieb ausgelegt - quasi für die Ewigkeit gebaut. Also waren da entweder mehrere Entwickler gleichzeitig an dieser Entwicklung beteiligt oder es gab Zwänge, aus dem Blaupunkt Baukasten die bereits vorhandenen Module zu verwenden.

Es ist schade - aber der Aufwand einer Reparatur . . .

steht in keinem Verhältnis zur Wirkung bei einer Präsentation historischer deutscher Technik. Nach der Seriennummer zu urteilen gab es da keine großen Stückzahlen.
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