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1954 - Wöchentlich rund 25 Stunden Fernsehprogramm im BR

Wie entsteht eigentlich ein Fernsehprogramm? Ist es sehr schwer, die einzelnen Teile zu bestimmen und aneinander zu fügen? Welche Kräfte müssen tätig werden, um eine solche Arbeit zu verrichten?

Nachmittags und Abends von 20 bis 22 Uhr

Grundsätzlich ist zunächst einmal die Zeit gegeben, die ausgefüllt werden muß. Das heißt: die Stunden, an denen Programme gesendet werden sollen. Allabendlich sind dafür zwei Stunden vorgesehen, die zwischen 20 und 22 Uhr liegen, und außerdem eine Nachmittagsstunde zwischen 16 Uhr 30 und 17 Uhr 30.

Dazu treten mehrfach in der Woche nachmittags und abends, bisweilen auch in der Mittagszeit weitere Stunden oder Halbstunden, und natürlich die Zeiten, die jeder einzelne Sender für seine besondere Zuschauerschaft ausfüllen will (Regionalprogramm). Man kann sagen, daß zur Zeit wöchentlich rund 25 Stunden Programm ausgestrahlt werden.

6 "Anstalten" tun sich zusammen

Dieses Programm teilen (Anmerkung: jedenfalls 1954 war es so) sich sechs Rundfunkanstalten, und zwar nach folgendem Grundschlüssel:
Bayerischer Rundfunk 20%, NWDR 40%, Hessischer Rundfunk, Sender Freies Berlin, Süddeutscher Rundfunk und Südwestfunk je 10%.

Das Programm wird koordiniert

Alle diese Rundfunkanstalten machen gemeinsam in den monatlichen Sitzungen der Programmkonferenz Vorschläge, die untereinander diskutiert und durch den Vorsitzenden dieser Konferenz auf einander abgestimmt werden. Das ist notwendig, damit nicht der eine oder der andere Programmteil ein zu großes Übergewicht erhält, also z. B. in einer Woche drei Fernsehspiele und ein Bunter Abend gesendet werden. Alle Darbietungen sollen in einem Wochenprogramm sinnvoll berücksichtigt und ebenso sinnvoll nebeneinander gestellt sein, um den Zuschauern ein wohlabgewogenes Gesamtprogramm bieten zu können. Natürlich bleibt ausreichend Raum für aktuelle Sendungen, die bisweilen von einem Tag zum anderen, wenn nicht sogar von einer Stunde zur anderen in das Programm eingefügt werden müssen.

Wo kommen die Sendungen wirklich her ?

Wo werden nun diese Programme in die Wirklichkeit umgesetzt? In München und Hamburg, in Köln und Berlin, in Frankfurt, Baden-Baden und Stuttgart sind Fernsehhäuser oder Fernsehstudios gebaut worden, in denen die einzelnen Programme geprobt und gestaltet werden.

Außerdem stehen an den genannten Orten noch Übertragungswagen zur Verfügung, die Sendungen aus Theatern und von Sportplätzen, aus Versammlungshallen und Konzertsälen usw. übertragen können. Denn nicht jedes Programm kann in den Senderaum eines Fernsehhauses verlegt werden.

Und noch eins ist für einen geordneten Programmdienst notwendig: Immer wieder kann es einmal vorkommen, daß eine technische Panne eintritt, daß eine Änderung des Programmablaufes notwendig ist oder daß eine Darbietung die vorgesehene Zeitspanne überzieht. Dann muß für „Ersatzprogramme" gesorgt werden, die von allen Sendern bereitgehalten werden müssen.

Flexibilität ist ein Muß

Nun hat nicht etwa jede Rundfunkanstalt einen ein für alle Male festgelegten Tag (wie den Mittwoch oder Samstag), an dem sie das Programm bestreitet. Sie wechseln sich in einem bestimmten Rhythmus ab, so daß z.B. die großen Feier- und Festtage einmal aus München, dann aus Frankfurt oder aus Stuttgart usw. für das Fernsehen gestaltet werden. Genau so wenig wird natürlich eine Rundfunkanstalt nur Fernsehspiele und die andere nur Bunte Abende oder aktuelle Interviews senden.

Wie wird geplant ? Europäisch

Wie sieht nun eine große Planung aus, sagen wir einmal für den Weihnachtsmonat? Einige Termine liegen auf Grund von internationalen Absprachen fest, an die sich jedes beteiligte Land halten muß. Sie betreffen den europäischen Programmaustausch (Eurovision-Programme) und sind im Dezember besonders zahlreich.

Gleich am 1. Dezember (1954) wird das Fußballspiel Deutschland-England aus London übertragen, am 5. Dezember das Fußballspiel Italien-Argentinien. Dazwischen liegt eine Sendung aus der Schweiz mit dem Titel „Tal unter Wasser" und so sind weitere zehn Abende, beziehungsweise Nachmittage besetzt.

Ein Blick auf das deutsche Programm

Blicken wir in das deutsche Programm: Der SWF wird unter der Regie von Harald Braun (München) „Unsere kleine Stadt" von Thornton Wilder aufführen (am 3. Dezember) und etwas später (am 21. Dezember) mit einem Spiel von Saroyan aufwarten; aus Köln kommt eine Übertragung aus dem Millowitsch-Theater, außerdem werden wir auch Fernsehspiele sehen, die in Berlin, in Hamburg und in München („Das verräterische Herz" von Edgar Allen Poe) gestaltet werden.

Aus Stuttgart kommt ein Weihnachtsspiel am Heiligen Abend. Das sind die großen Höhepunkte, um die sich die anderen Sendungen gruppieren: unterhaltende Sendungen von allen genannten Rundfunkanstalten und belehrende Darbietungen zum Beispiel über Kinderspielzeug und Kinderbücher, eine Antwort auf die Frage „Was ist eigentlich Geld?" (München) oder ein Querschnitt durch das Filmschaffen von Harry Piel (Frankfurt).

Hierher gehört auch ein Filmbericht von einer Reise durch den nahen Orient unter dem Titel „Persisches öl" (SWF) oder eine Bücherstunde, die einen Überblick über die Neuerscheinungen zu Weihnachten geben soll. Marionettenspiele werden uns ebenso begegnen wie Plaudereien über die Mode oder die Ratesendung (jeder Zuschauer kann mitmachen!) „Ich seh etwas was Du nicht siehst" (NWDR).

Das alles soll und muß sich zu einem bunten und doch wohlgeordneten Bild fügen, mit einem einzigen Ziel: dem Zuschauer Freude zu bereiten! K. R.

Aus der Sendung „Charivari"
Aus der Sendung „Hanako, Leben einer Japanerin"

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