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Ein Artikel aus der hauseigenen Postille,
der TELEFUNKEN-ZEITUNG von 1951

TELEFUNKEN-ZEITUNG • 24. Jg., Heft 90 • März 1951

Telefunken und die Entwicklung des Fernsehens ab 1928

Von E. Roeßler (1951)

Erkenntnis vor 1950: Die Übertragung von Bildern geht nur über UKW

Während, wie in diesem Artikel geschildert (der Artikel über UKW Sendeantennen steht im Hifi-Museum), der neue Wellenbereich "UKW" schrittweise erobert wurde, versuchte man gleichzeitig die Wege zur Übertragung von Bildern zu klären. Daß das Bild eine wesentliche Bereicherung des durch den Rundfunk verbreiteten Programms bedeuten würde, war einleuchtend. Aber über das zu wählende Verfahren bestanden anfangs große Meinungsverschiedenheiten.

Von der Verbreitung illustrierter Funkzeitungen
über die bildtelegrafische Übertragung einfacher Strichzeichnungen bis zur synchronen Vorführung von Filmen, zu denen der Rundfunk den Ton liefern sollte - Tonfilm gab es damals noch nicht -, bestanden zahllose Varianten. Das Endziel, die Fernübertragung bewegter Bilder, schien noch in weiter Ferne zu liegen.
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Fernsehen mit 30-Zeilen Bildern nicht sinnvoll

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  • „Die apparativen Grundlagen für das Fernkino sind vollzählig beisammen. Die konstruktive Gestaltung der Geräte ist jedoch im Hinblick auf Einzelprobleme, die durch das Ziel wirtschaftlicher Ausnutzbarkeit gegeben sind, zeitraubend. Überdies setzt das Fernkino einen sehr hohen Stand der Kurzwellen-Technik voraus. Die jüngsten Erfolge der Faksimile-Schnelltelegrafie auf kurzer Welle berechtigen aber zu der Erwartung, daß die Schwierigkeiten der Übertragung von 200 000 und mehr Bildelementen in der Sekunde bewältigt werden können." [1].

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Während von anderer Seite schon zu dieser Zeit auf die Einführung des Fernsehens, in Gestalt eines 30-Zeilen Bildes(!) unter Benutzung der vorhandenen Mittelwellen - Rundfunksender gedrängt wurde, betonte Telefunken, daß das bisher Erreichte - unter nüchterner Berücksichtigung von Güte und Preis - keine nennenswerte Bereicherung des übertragenen Wortes bieten könne [2].

Keine übereilte Einführung eines qualitativ ungenügenden Fernsehens

Dieser Auffassung schloß sich auch die Deutsche Reichspost an, und so wurde der deutsche Rundfunkhörer vor der übereilten Einführung eines qualitativ ungenügenden Fernsehens bewahrt, dafür aber die Entwicklung um so tatkräftiger und planmäßiger für höhere Zeilenzahlen und für Übertragung im Ultrakurzwellengebiet vorangetrieben.

Große Erfahrung bei Telefunken

Telefunken hatte auf dem Gebiete der Bildtelegrafie reiche Erfahrungen gesammelt und nicht gezögert, die dafür entwickelten optisch-elektrischen Umwandler, Fotozelle und Kerrzelle, für das Fernsehen einzusetzen.

Noch reichte es nicht für das Fernsehen

In Verbindung mit Telefunken arbeitete Professor A. Karolus in Leipzig unter Benutzung jener Mittel an den Grundlagen des Fernsehens. Seine erste Apparatur (Bild 1) diente vor allem der Überprüfung dieser Elemente auf ihre Trägheitslosigkeit. Denn die für das Fernsehen benötigten hohen Modulationsfrequenzen waren selbst bei der extrem schnellen Bildtelegrafie, die sich in der Forschungsabteilung von Telefunken in Entwicklung befand, bisher nicht erreicht worden.

Die Bildschärfe alleine reiche nicht aus

Diese Versuche zeitigten nun ein höchst wichtiges und unerwartetes Ergebnis: Das bewegte Bild erforderte bei weitem weder die Schärfe noch die hohe Zeilenzahl, wie das aus der Bildtelegrafie bekannte unbewegte Bild. Schrittweise drang man auf Grund solcher Erkenntnisse nicht nur in die Technik, sondern auch in die Physiologie und Psychologie des Fernsehens ein.

Die bisher unsicheren Annahmen über die erforderliche Anzahl der zu übertragenden Zeilen und Bilder je Sekunde konnten durch genauere ersetzt werden. Mit 48 Zeilen konnte man das Brustbild einer Person einigermaßen erkennbar wiedergeben. Für zusammengesetzte Szenen schienen damals 96 Zeilen unbedingt erforderlich [3].

Telefunken Geräte auf der Funkausstellung (Berlin, 1928)

Um die Wirkung auf das Publikum zu erproben, zeigte man die Geräte auf der 5. Großen Deutschen Funkausstellung (Berlin, 1928). Der Telefunken-Stand in der neuen Autohalle wurde eine „Hauptattraktion" (Bild 2). Der Ausstellungsstand war so angelegt, daß das Publikum an dem durch eine Glaswand abgeschlossenen Sender vorbeigeführt wurde und danach in einem verdunkelten Gange einen Einblick in den Empfangsraum mit dem Spiegelrad-Projektor erhielt. Bei diesen Vorführungen wurde allerdings der Weg vom Sender zum Empfänger durch Leitungen überbrückt. Der für die Fernübertragung nötige drahtlose Teil war noch nicht zwischengeschaltet.

1930 - Fernsehversuche über 30 km

Die ersten drahtlosen Fernsehversuche fanden im Jahre 1930 auf der 70m-Welle zwischen Nauen und Teltow (Entfernung 30km) statt. Sie bestätigten die theoretisch bereits erkannte Notwendigkeit, zu Ultrakurzwellen überzugehen. Demzufolge wurde von Telefunken in Berlin-Witzleben ein Ultrakurzwellen-Sender (X ~ 7 m) mit Einrichtungen für Fernsehmodulation (zunächst für 90 Bildzeilen bei 25 Bildern/s) aufgestellt. Er hatte 15kW Telegrafiestrichleistung. Diese Leistung war durch Messungen als zur Versorgung des Gebietes von Groß-Berlin notwendig befunden worden.

Der genannte Sender wurde später zur Übertragung des akustischen Teiles der Fernsehsendung eingesetzt, der optische Teil durch einen vervollkommneten UKW-Bildsender für höhere Zeilenzahl und 20 kW Leistung übernommen (Bild 3) [4].

Noch viel Vorarbeit für die UKW-Technik

Man kann sich heute nur noch schwer vorstellen, welche Anstrengungen nötig waren, um in so kurzer Zeit nicht nur die Ultrakurzwellentechnik als solche zu entwickeln, sondern auch die für den Betrieb von Fernsehsendern erforderlichen Bedingungen bezüglich der Breite des zu übertragenden Frequenzbandes und der Einschwingvorgänge zu erfüllen.

Auch bei Ultrakurzwellen hinreichend verlustarme Isolationsmaterialien mußten erst geschaffen werden, und Hochohmwiderstände und Kondensatoren waren den gesteigerten Anforderungen anzupassen.

Ab 1932 war das mechanische Fernsehen so gut wie tot

Auf der Empfängerseite hatte sich inzwischen eine bemerkenswerte Umstellung vollzogen. Die Nipkow-Scheibe [5], die bei höheren Zeilenzahlen weder bezüglich der Lichtstärke noch bezüglich der Bildgröße, noch in jeder anderen technisch-konstruktiven Hinsicht befriedigen konnte, wurde durch die Braunsche Röhre abgelöst [6]. Auf der Funk-Ausstellung 1932 hat Telefunken die von seinem Mitbegründer Ferdinand Braun im Jahre 1897 erfundene Kathodenstrahlröhre als Fernsehempfänger erstmalig öffentlich vorgeführt (Bild 4).

Mechaus Abtaster mit neuer Zeilensprungtechnik

Die Braunsche Röhre gestattete die elegante Durchführung des flimmerbeseitigenden Zeilensprungverfahrens [7], das heute in allen Fernsehländern benutzt wird, F. Schröter ließ es 1934- auf der Großen Deutschen Funkausstellung zum ersten Mal zeigen; der leider zu früh verstorbene geniale E. Mechau hatte zu diesem Zwecke seinen Linsenkranzgeber auf Zeilensprungabtastung umgebaut. Es war ein überzeugender Erfolg.

Übergang zum vollelektronischen Fernsehen

Später aber mußte man auch auf der Senderseite die mechanische Bildfeldzerleger verlassen. Das  Iconoscope gestattete die unmittelbare Übertragung jeder Szene bei Tageslicht oder künstlicher Beleuchtung. Für die Deutsche Reichspost wurden schon 1935 fahrbare Fernsehaufnahmegeräte geliefert. Der Umweg über den Film war nicht mehr nötig. Auf der Deutschen Olympiade 1936 war es bereits möglich, wochenschauartige Aufnahmen zu übertragen (Bild 5) [8]. Das deutsche Fernsehen war führend auf der ganzen Welt. Die Zeilenzahl war auf 441 gestiegen. (1937).

Telefunken-Fernsehsender überall in Deutschland

In den folgenden Jahren bis Kriegsausbruch wurden Fernsehsender größerer Leistung auf bevorzugten Höhen aufgestellt, z. B. der Telefunken-Fernsehsender auf dem Brocken. Durch die Einführung eines Fernseh-Volksempfängers sollte breiteren Schichten der Bevölkerung der Fernsehempfang ermöglicht werden. Seitdem ist die Entwicklung nicht stehengeblieben. Wenn auch durch den Krieg zurückgedrängt, ist dasFernsehen bei Telefunken doch weiter gepflegt worden. In naher Zukunft wird es sich den Hörern, die dann nicht nur Hörer, sondern auch Zuschauer sein werden, erneut vorstellen.

Bild 1: Erster Versuchsaufbau für Fernsehen, Leipzig 1924.
Bild 2: Fernsehempfänger mit Vierfach-Nipkow-Scheibe und Schlitztrommel zur Grobzerlegung auf der 5. Großen Deutschen Funkausstellung. Berlin 1928.
Bild 3: Telefunken-UKW-Fernsehsender Witzleben für 20 kW (1935).
Bild 4: Telefunken-Fernsehempfänger FEV, Modell Funkausstellung 1936. Die Braunsche Röhre steht senkrecht, ihr Schirm wird im hochgeklappten Spiegel betrachtet. 375 Bildzeilen, Zeilensprung.
Bild 5: DerFernseh-Bildfänger mitTeleoptikfürAufnahmen aus mehr als 100 m Entfernung auf der Deutschen Olympiade, Berlin 1936.

Literatur:
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[1] F. Schröter, Versuche zur optischen Ergänzung des Rundfunks: Telefunken-Zeitung, Jg. 8, Nr. 45/46 (1927), S. 39.
[2] F. Schröter, Rundfunk und Bild: Telefunken-Zeitung Jg. 9, Nr. 50 (Oktober 1928), S. 7.
[3] W. Jlberg, Ein Jahrzehnt Bildtelegrafie und
Fernsehen: Telefunken-Zeitung,Jg.14 Nr. 65, (Nov. 1933), S. 5.
[4] F. Schröter, Entwicklung, Stand und Grenze der Fernsehübertragung: Telefunken-Ztg., Jg. 18, Nr. 75, (März 1937), S. 5.
[5] DRP 30 105 vom 6.1.1884, P. Nipkow, Berlin.
[6] F. Schröter, Der Stand des Fernsehens bei Telefunken: Telefunken-Zeitung, Jg. 14, Nr. 64 (Aug. 1933) S. 7.
[7] DRP 484 765 (1927), DRP 514 896 (1927), DRP 574 085 (1930) Erf. F. Schröter.
[8] W. Federmann: Fernsehen während der Olympischen Spiele: Telefunken-Zeitung, Jg. 18, Nr. 75, (März 1937), S. 18.
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