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Historisches Wissen aus Heften, Zeitschriften, Magazinen

Artikel, Zitate und Infos stammen aus der Funk-Technik, der Funkschau, den RTMs, Kameramann, der FKT, den Schriften von Philips und Zeiss Ikon und Anderen. Mehr über die verfälschten historischen Informationen ab 1933 über 1945 bis weit in die 80er Jahre.

aus der FUNK-TECHNIK Nr. 03/1950 (1. Feb. Heft)
Das Editorial

Nr. 3/1950 - 5. JAHRGANG - CHEFREDAKTEUR CURT RINT

UKW - das sind ultra kurze Kurz-Wellen

Wieder geistern diese drei Buchstaben durch die Presse. Vor einem Jahr taten sie es schon einmal. Aber zwischen jener unruhigen Periode voller Sorgen und ungewisser Zukunfts­aussichten und heute besteht - gottlob! - ein großer Unter­schied. UKW hing vor einem Jahr in der Luft. Der frequenz­modulierte Rundfunk bestand aus Plänen, viel Drucker­schwärze, guten Absichten und zwei kleinen Versuchssendern, die unter Anstrengungen im Februar 1949 in Hannover und München ihre Stimmchen erhoben.

In diesem Frühjahr sieht es solider aus, und man hat nicht mehr das fatale Gefühl der Hochstapelei wie seinerzeit, als die ehrlichsten Verfechter des UKW-Gedankens nichts als Zukunfts­musik zu bieten hatten. Dafür sind die Sorgen von Sendegesell­schaften, Industrie und Handel nicht etwa geringer geworden; sie sind nur wirklicher, bestimmter und daher zu beheben. Anzufangen wäre auf der Sendeseite.

Wir werden im nächsten Heft über die höchst klaren und vernünftigen Pläne des Nord­westdeutschen Rundfunks berichten, zwei UKW-Netze an­zulegen, die das Sendegebiet dieser größten westdeutschen Sendegesellschaft so dicht überziehen sollen, daß mehr als 90% aller Hörer schließlich am UKW-Rundfunk teilnehmen können - wenn sie wollen. Niemand muß es, denn parallel dazu läuft in der britischen Zone der Ausbau des Mittelwellen-Sendernetzes. Diese umrissene Entwicklung im Norden der Bundesrepublik wird planmäßig durchgeführt, ihr Tempo wird in erster Linie bestimmt von den vorhandenen Geldmitteln.

Solche Unterschiede zwischen Norden und Süden ?

Für die süddeutschen Sendegebiete, so möchten wir hinzu­fügen, liegen die Pläne noch nicht in allen Einzelheiten fest. Intendant Beckmann vom Hessischen Rundfunk gab zu Beginn dieses Jahres bekannt, daß im März auf dem Großen Feldberg im Taunus der erste von vier starken UKW-Sendern den Betrieb aufnehmen wird. Dieses Netz soll durch die Errichtung von etwa einem Dutzend kleiner, selbsttätig betriebener Sender ergänzt werden, die, so verlautet, eines Tages ein Mehrfach­programm verbreiten werden.

Ähnliche Pläne verfolgt der Südfunk in Stuttgart, während in Bayern neben dem schon mehrere Tage betriebenen UKW-Sender München seit einiger Zeit KW-Stationen auf dem Wendelstein und der Steinburg bei Würzburg die neue Entwicklung einleiten, ohne daß bereits die endgültigen Anlagen eingebaut wurden. Schließlich wird sich auch der Südwestfunk am UKW-Rundfunk beteiligen und mit einer ersten Anlage in Baden-Baden beginnen; weitere werden folgen, darunter eine größere Station mit Strahler auf der Spitze des Sendemastes vom neuen Großsender Wolfsheim (Anmerkung: zwischen Mainz und Bad Kreuznach).

Geld schüttelt man nicht aus dem Ärmel.

Überall jedoch diktiert der Mangel an Mitteln ein gemäch­licheres Tempo, als manche Heißsporne es sich wünschen - dies aber, so will uns dünken, ist ein großer Vorzug, denn nichts könnte dem jungen Pflänzehen mehr schaden als Über­eilung. Es ist bereits einmal dieserhalb beinahe eingegangen.

Auf Seiten der Industrie wird mit anerkennenswertem Eifer gearbeitet. Mußte doch förmlich aus dem Nichts eine neue Technik geschaffen werden, die trotz Erfahrungen aus der Kriegszeit Neuland war. Angefangen bei den Röhren und auf­gehört bei den Schaltungen - alles war zu erproben und neu zu erarbeiten. Jedermann weiß, daß die deutsche Radio­industrie keineswegs im Gelde schwimmt, sodaß wiederum von der finanziellen Seite her das Tempo der Entwicklung ge­bremst wird. Das wirkt sich vornehmlich zur Zeit aus, denn gerade jetzt müssen die Firmen die ersten Vor- und Einsatz­geräte herausbringen, wollen sie mit der Entwicklung auf der Sendeseite Schritt halten. Aber noch niemals war die Pla­nung der Typen und besonders der Auflagenhöhe schwieriger.

Die Sorgen der Kaufleute

Während vor Jahresfrist der Ingenieur grübelnd im Labor saß und sich tastend an die Grundlagen der neuen UKW-Technik heranwagte, so sieht sich heute der Kaufmann vor eine ähn­lich schwierige Lage gestellt. Vielleicht hat er es noch schwerer als sein Kollege von der technischen Fakultät: mißlingt diesem eine Schaltung ... nun, was tut's; sie wird auseinandergerissen und man probiert aufs neue. Eine Fehlplanung von der kauf­männischen Seite her aber kann schwerwiegende Folgen haben, denn die wirtschaftliche Grundlage der Radioindustrie ist noch nicht so breit, um Rückschläge mit einem Lächeln quittieren zu können. Vielleicht wird auf diese Weise das Zögern mancher Firmen erklärlich. Wieder gilt es Neuland zu erobern. Man muß auf das dünne Eis hinaus, man muß Typen bringen, von denen kein Mensch weiß, in welchem Umfange sie ab­zusetzen sind und von denen auch kaum einer sagen kann, was sie kosten dürfen.

Es ist daher richtig, daß sich die Entwicklung nicht über­stürzt, daß man den Markt systematisch abtastet und Er­fahrungen zusammenträgt. Bis zur Funkausstellung ist noch genügend Zeit, und niemand wird es der Industrie verübeln, wenn sie interessante und ausgereifte Neuheiten bis zu diesem Termin aufhebt.

Auch der Handel steht vor einer neuen Lage.

Der zum Ge­brauchsgegenstand gewordene Radioapparat üblicher Prägung konnte in den letzten Jahren über den Ladentisch hinweg ver­kauft werden - und er wurde es auch! Das Innere der Geräte, die Schaltung also und ihre Röhrenbestückung, begann uninteressant zu werden, soweit es sich ums Verkaufsgeschäft und nicht um die nachfolgenden Reparaturen handelte. Äußer­lichkeiten, wie Gehäuseform und -material, Magisches Auge oder keins, Kurzwellenbandspreizung usw. und schließlich der Klang bestimmten den Verkaufserfolg. Die technische Leistung dieses Möbelstückes, Radio genannt, verstand - und ver­steht - sich von selbst.

Jetzt aber müssen die Techniker wieder einmal nach vorn. Kein UKW-Empfänger ist über die Theke zu verkaufen. Die Beratung des völlig ahnungslosen Kunden, das Aufstellen des UKW-Gerätes und die Errichtung dieser vertrackten Antenne ist ein gutes Stück technischer Leistung und erfordert nicht geringe Kenntnisse. Man wird wieder einmal versuchen müssen, man wird Probeantennen aufstellen, ehe man den gefalteten Dipol (Schleifendipol) aufs Dach pflanzt, und wird noch vor manchen anderen schwierig zu lösenden Problemen stehen. Hier wird besonders derjenige Händler wendig und kenntnisreich sein müssen, dessen Kunden an der Reichweiten­grenze der UKW-Sender wohnen.

Lernen von den Erfahrungen der anderen

Der amerikanische und eng­lische Händler mit Fernsehgeräten (die auch UKW-Geräte sind) weiß ein Lied von den „fringe areas" zu singen, jenen Gebieten, in denen auf Grund theoretischer Überlegungen kein Empfang von UKW-Fernseh- und Rundfunksendern mehr zu erwarten ist, in denen man aber mit Hilfe raffinierter An­tennengebilde und geschickt geschalteter Verstärker doch noch brauchbare Bilder und einen sauberen Ton zaubern kann.

Ähn­liche Fragen treten nun auch bei uns auf - und es wird das vornehmste Bestreben dieser Zeitschrift sein, all diese Probleme und Problemchen aufzuzeigen, und die Wege zur Lösung dazu.

Zum guten Schluß aber soll die Binsenwahrheit wiederholt werden, daß UKW-Rundfunk ein nützliches und interessantes Gebiet ist, ein zusätzliches jedoch, und daß Sender im Mittel­wellenbereich auf Jahre hinaus Träger und Hauptstützen der Rundfunkversorgung Westdeutschlands bleiben werden. Der , UKW-Rundfunk wird sich langsam seinen Platz neben ihnen erobern. Dieses stets und mit aller Deutlichkeit zu wiederholen, sei eine wichtige Aufgabe.

Karl Tetzner


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