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Artikel, Zitate und Infos stammen aus der Funk-Technik, der Funkschau, den RTMs, Kameramann, der FKT, den Schriften von Philips und Zeiss Ikon und Anderen. Mehr über die verfälschten historischen Informationen ab 1933 über 1945 bis weit in die 80er Jahre.

aus der FUNK-TECHNIK Nr. 01/1950 (1. Jan. Heft)
Das Editorial - (Teil I)

Nr. 1 /1950 - 5. JAHRGANG - CHEFREDAKTEUR CURT RINT

Ein Editorial von Graf von Westarp / Deutsche Philips Hamburg

Januar 1950 - Zur Jahreswende - ein Rückblick mit Stolz

Graf von Westarp Deutsche Philips

Wenn wir auf das Jahr 1949, das jetzt zu Ende ging, zurückblicken, so können wir dies, was die Entwicklung der Rundfunk-Industrie anlangt, mit einem gewissen Stolz und einer großen Befriedigung tun. Nicht allein, weil die technische Qualität der Geräte sich in den abgelaufenen zwölf Monaten wieder der Friedensausführung genähert hat, auch die Preise entsprechen annähernd für Geräte gleicher Qualität dem vor dem Kriege gültigen Durchschnitt. Die Umsatzziffern, die etwa bei 900.000 Geräten liegen, dürften ebenfalls den vor dem Kriege üblichen entsprechen.

Aber es ist nicht die materielle Seite allein, die uns mit Stolz und Freude erfüllen kann, sondern die wirklich erfreuliche Tatsache, daß dies Ergebnis in erster Linie der Zusammen­arbeit der drei den Markt ausmachenden Faktoren: Industrie, Groß- und Einzelhandel zu danken ist.

Ehemals dunkle Wolken

Dunkle Wolken standen über der Rundfunkwirtschaft bei Beginn des Jahres 1949. Verschiedene Ereignisse, die unglück­licherweise zusammentrafen, schienen der gesamten Industrie einen tödlichen Schlag versetzen zu wollen:
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  • 1. der Kopenhagener Wellenplan, der von berufener und un­berufener Seite in den Zeitungen erörtert wurde,
  • 2. die von Seiten der Sendegesellschaften geplante und ein wenig frühzeitig dem Publikum mitgeteilte Einführung des Ultra-Kurzwellen-Rundfunks und
  • 3. die übersetzten Preise, bedingt durch die kleinen Stück­zahlen der Anlaufzeit und die Schwierigkeiten der Material­beschaffung.

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So sah es schlimm und düster aus für die Rundfunkwirtschaft, und tatsächlich fielen die Monate der Nachsaison von Januar bis März umsatzmäßig nahezu aus, bis die sofort seitens der Industrie und des Handels gemeinschaftlich einsetzende vernünftige Aufklärung die Ordnung wieder herstellte:

Brauchen wir UKW ?

Wir gründeten gemeinsam eine Presseabteilung unter Leitung eines Herrn der Industrie und brachten unsere Anschauungen über den Kopenhagener Wellenplan und die Ultra-Kurzwellen-Frage in einer der tatsächlichen Lage entsprechenden Weise nachdrücklich zum Ausdruck. Dadurch wurde dem Publikum klargemacht, daß die Einführung des Ultra-Kurzwellen-Rundfunks wegen der notwendigen Beschaffung von Sendeaniagen noch ein wenig auf sich warten lassen würde, daß ihr bisher verwandtes Gerät skalenmäßig an den Kopenhagener Wellenplan angepaßt werden könne und für alle neuen Geräte Einbau- oder Zusatzmöglichkeit für UKW gegeben wären.

Da gleichzeitig die Preise ent­sprechend der Auflockerung des Materialbezuges energisch heruntergingen, erwachte - ganz abweichend von dem saison­mäßigen Einfluß der Monate Mai, Juni und Juli - das Interesse des Publikums am Kauf der Rundfunkgeräte be­trächtlich, und diese Monate ersetzten den Ausfall, den die Industrie vom Januar bis April erlitten hatte. Aber wichtiger noch als dieser materielle Erfolg war die Tatsache, daß die Presse Vertrauen zu der Rundfunkwirtschaft gewann und wußte, daß sie von sachverständiger Seite über alle diesen Wirtschaftszweig betreffenden Fragen auf dem Laufenden gehalten würde.

Der positive Blick nach vorne . . .

Die Saison 1949/1950 setzte zunächst sehr lebhaft ein; später verlagerte sich das Geschäft ein wenig und es wurden nicht mehr wahllos alle Geräte, sondern hauptsächlich bestimmte Typen und bestimmte Marken gefragt. Die Geldnot sowie das Vorliegen notwendigerer Anschaffungen, vor allen Dingen in Textilien, taten das ihre, um das Geschäft abzuschwächen, trotzdem sich beim Publikum die Überzeugung durchgesetzt hat, daß sowohl technisch wie im Äußeren die Geräte wieder die Vorkriegsqualität erreicht haben und sich auch voraus­sichtlich die Preise nicht mehr viel nach unten entwickeln werden.

Ein Rückblick in die Vergangenheit allein ist nur in einem Testament am Platze. - Wir wollen, müssen und können guten Mutes in die Zukunft sehen. Da stehen zwei Fragen vor uns, die uns das Jahr 1950 bringen wird: die Einführung des Kopenhagener Wellenplanes und der Ultra-Kurzwellen-Rundfunk, der jetzt zwar schon mit einigen Versuchssendern läuft, aber im Jahre 1950 - voraussichtlich am 15. März - mit einigen Sendern größerer Leistung richtig einsetzen wird.

So hat sich das Dunkel, das über der Einführung des Ultra-Kurzwellen-Rundfunks lagerte, gelichtet. Die Frage des Kopenhagener Wellenplanes dagegen ist durch die neuesten Ereignisse wieder völlig ungewiß geworden. Elf Westnationen haben die Ratifizierung der seinerzeit gefaßten Vorschläge verweigert. Es besteht somit durchaus die Möglichkeit, daß sich der bereits in den Fragen der Politik und der Wirtschaft bestehende Trennungsstrich zwischen Ost und West nunmehr auch auf die Rundfunk-Wellen-Verteilung erstrecken wird.

Wer folgt dem Kopenhagener Wellenplan ?

Was nun folgen wird, ob ein Teil der Nationen sich trotzdem an die in Kopenhagen gefaßten Beschlüsse halten und um­stellen wird, oder ob alles beim alten bleibt, vermag kein Mensch vorher zu sagen. Aus diesem Grunde ist es auch heute für die Industrie unmöglich, neue Skalen für ihre bisher gelieferten Apparate herstellen zu lassen; sie ist sich aber der Pflicht, ihre bisherigen Abnehmer nicht zu enttäuschen, durchaus bewußt und es sind alle Vorbereitungen getroffen, um nach Klärung der Lage sofort an die Herstellung der dem neuen Wellenplan angepaßten Skalen zu gehen. Einige Zeit freilich wird es dauern, bis diese Aufgabe gelöst ist, denn die Skalen und die Skalenglasbeschaffung waren schon bisher ein Engpaß und die Neuanfertigung von Millionen verschieden­artiger Skalen kann natürlich erst in einer Reihe von Monaten durchgeführt werden.

Am Ultra-Kurzwellen-Rundfunk wird sender- und empfänger-seitig eifrig gearbeitet. Bei den einschlägigen Firmen ist eine größere Anzahl von 10-Kilowatt-Sendern in Auftrag ge­geben, die zumeist in der Nähe der großen Städte aufgestellt werden sollen. Die Rundfunkgesellschaften versprechen sich viel davon, durch den Ultra-Kurzwellen-Funk einmal ein zweites Programm zu schaffen, das dem Hörer jeweils er­möglicht, den Ortssender im Mittelwellenbereich mit Musik und zur gleichen Zeit den Ultra-Kurzwellen-Sender mit Sprache oder umgekehrt zu hören. Auch glaubt man an eine beträchtliche Verbesserung des Empfanges. Später wollen die Rundfunkgesellschaften sogar zwei Ultra-Kurzwellen-Programme gleichzeitig geben.

UKW scheint doch die Zukunft.

Auch die Industrie arbeitet eifrig an einer Reihe von Empfängern für Ultra-Kurzwellen. Soweit man durch den Schleier des Geheimnisses sehen kann, werden, neben einem kleinen Einbauzusatzgerät zu mäßigen Preisen unter Ver­wendung einer einzigen Röhre ein mittleres Einbaugerät von zwei bis drei Röhren und ein den höchsten Ansprüchen ge­nügender kombinierter Empfänger für Lang-, Mittel- und Kurzwelle sowie Ultra-Kurzwelle von verschiedenen Firmen geplant. Auch das Antennenproblem, das ja gerade bei der Ultra-Kurzwelle sehr wichtig ist, wird eifrig gefördert.

Naturgemäß darf man, wenn man diese Ausführungen liest, eines nicht vergessen: Sender wie Industrie sind entsprechend dem allgemeinen Zustand in Deutschland knapp an Geld. Allzu stürmische Einführung des Ultra-Kurzwellen-Rund­funks, die ja wegen sich etwa ergebender Rückschläge ohne­hin nicht im Interesse des Publikums liegt, dürfen wir nicht erwarten, der Ausbau über die ganze Trizone wird sich vielmehr über einige Zeit hinziehen; es ist aber erfreulich, festzustellen, wie viele und wie gute Kräfte mitarbeiten, um auch auf diesem Gebiete energisch weiterzukommen. Auch hier hat sich zwischen Sendegesellschaften und Industrie eine Arbeitsgemeinschaft gebildet, die im abgelaufenen Jahre außerordentlich befruchtend sowohl für die Sache wie für das gegenseitige Verständnis gewirkt hat.

Und das Fernsehen nicht vergessen . . .

Wollen Sie noch einen Ausblick „vom großen Heute zum größeren Morgen"? - Nun, als nächster Schritt kommt auch wohl bei uns das Fern­sehen, freilich noch nicht im kommenden Jahre, nicht einmal im Jahre 1951, aber auch hier sind schon die besten Köpfe am Werke, diesem nächsten Kinde Leben einzuhauchen.

Ein Editorial von Graf von Westarp, Geschäftsführer der Philips Valvo Werke G. m. b. H. und Vorsitzender der Fachabteilung 14 FUNK im Zentralverband der elektrotechnischen Industrie e. V.

Januar 1950 - Das Editorial - (Teil II)
Marktchaos oder Rundfunk-Marktordnung?

Neuheitentermin als Ausgangspunkt - Überproduktion und ihre Folgen - Dekartellisierung und Marktordnung - Rabatt-Treuhandstelle in Süddeutschland - Importproblem und Großhandel - Autosuper und Einzelhandel - Regelung für Berlin - Einkaufsdisposition im neuen Jahr.

In der Rundfunk-Wirtschaft gibt es eine Reihe von Fragen, die, je nachdem wie sie gehandhabt werden, Schlüssel zur Beurtei­lung der gesamten Marktlage sind. Zu allen Zeiten, in denen über Fragen der Marktordnung debattiert worden ist, spielte der Neuheitentermin eine Rolle. Ja, der Neu­heitentermin kann geradezu unter heutigen Umständen als ein Angelpunkt aller anderen Probleme angesehen werden.

Es ist nicht gleichgültig, ob die Industrie zwei Neu­heitentermine, wie gerade jetzt, nämlich den Anfang der Saison 1949 und den 1. März 1950, für sich beansprucht oder sogar der Auf­fassung ist, daß sie nicht nur zwei Neuheitentermine, sondern geradezu einen Neu­heitenzeitraum benötigt, innerhalb dessen Neuheiten beliebig herausgebracht werden können. Man muß bedauern, wie kurzsich­tig ein solcher Standpunkt ist. Denn hatte man in der Vorkriegszeit schon mit Recht Klage darüber geführt, daß die mehreren hundert Typen Rundfunkgeräte für eine Saison, besser gesagt für ein Rundfunkjahr, zu zahlreich seien, so ist es heute noch viel wichtiger, angesichts der durch die Wäh­rungsreform reduzierten Kaufkraft der Ver­braucherschaft dieser nur soviel an Produk­tion gegenüberzustellen, wie es volkswirt­schaftlich geboten ist.

Gefahr einer Überproduktion ?

Das Problem ist nämlich, richtig gesehen, für das nächste Jahr - und nicht nur für dieses, sondern für die nächste Zukunft: die Produktion auf die Kaufkraft einzustellen und jede Über­produktion zu vermeiden. Jeder Industrie­zweig sollte seine erste Aufgabe darin sehen, die Kaufkraft auf seinem Fachgebiet zu erforschen, statistisch zu erfassen und darauf die Erzeugungsziffern einzustellen. Es genügt ein gewisses Maß an neuen Typen und Geräten, es schadet aber unendlich ein Übermaß daran.

Ein Neuheitenzeitraum statt eines Neuheitentermins ist also gerade das, was in heutiger Zeit des starken Geld- und Kreditbedarfs um so eher zu einer Typen­vielzahl und damit zu einem volkswirtschaft­lich unerwünschten Überangebot führt. Eine Rationalisierung der Neuheitenregelung ist die Folge der geforderten Rationalisierung der Betriebe und der Produktion. Damit kommen wir zu der ersten verhängnisvollen Folge eines unbefriedigenden Zustandes auf diesem Gebiet.

Das Jahr 1950 wird hart oder ?

Die Typenviel­zahl und eine Aufgliederung des Radio­bedarfs nach jeder Nuance, die sich doch wieder bei fast jeder Fabrik wiederholt und damit jede Typenzahl vervielfacht auf dem Markt erscheinen läßt, führt unweigerlich zur volkswirtschaftlichen Überproduktion. Diese drängt zum Absatz, den jede Fabrik in einer kreditbedürftigen Zeit, koste es was es wolle, braucht. Der Kampf um den Ab­satz nimmt mehr oder weniger harte Folgen an, wenn die Zahl der Abnehmer begrenzt ist. Zunächst läßt sich noch ein bestimmtes Volumen an Ware auf dem Wege der Teil­zahlung in die Abnehmerschaft hinein­pumpen.

Wenn aber auch dieser Weg gegangen ist, beginnt der Kampf aller gegen alle, der sich so langsam in einer Anzahl von Industriezweigen bereits abzeichnet. Das eine Werk gibt darauf einen „Sondernachlaß", das zweite, dritte und nächste Werk folgen mit einem etwas größeren Bonus, und damit ist der verhängnisvolle Weg der Rabatte und Extras beschritten. "Man sollte meinen", daß die Wirtschaft, die von vernünftigen Kaufleuten betrieben wird, sich diese Erkenntnis an den Schuh­sohlen abgelaufen hat. Dem ist aber nicht so!

Am Anfang des neuen Jahres haben wir uns ernstlich damit zu befassen und Wege zu suchen, die in dieser Beziehung nicht zum Chaos, sondern zur Ordnung füh­ren.

Nicht erlaubt und doch gefordert . . .

Es ist heute besonders schwer, nicht nur von einer Marktordnung zu sprechen, sondern sie auch praktisch anzustreben. Denn die Dekartellisierungsvorschriften lassen solche Marktordnungs-Vereinbarungen nicht zu. Sie gehen von einer viel zu allgemeinen Auffassung in diesen Dingen aus und machen nicht den Unterschied zwischen Monopol einerseits und einem vernunftgemäßen Marktordnungsstreben aus einer schwachen Wirtschaft heraus. Man sollte eigentlich meinen, daß die volkswirtschaftliche Theorie klar und deutlich herausgearbeitet hat, was Monopole sind, nämlich Instrumente, durch künstliche Warenverknappung Preise zu manipulieren und damit entsprechende Ge­winne zu erzielen.

Wer will das aber in der Rundfunk-Wirtschaft? Wer will hier Macht­stellungen einseitig ausüben, Waren künst­lich verknappen und damit Preis- „Manipulationen" vornehmen? Wir glauben, niemand. Was dagegengestellt wird ist, alle an Indu­strie und Handel Beteiligten zu einem ver­nünftigen Verhalten auf dem Rundfunk­markt zu veranlassen, nur einmal im Jahr oder sogar alle zwei Jahre neue Geräte herauszubringen, Garantiereparaturen in einer bestimmten Art vorzunehmen, Rabatte in dieser oder jener Form für die beteiligten Firmen in Industrie, Groß- und Einzelhandel festzulegen, Waren in bestimmter Weise an Betriebsangehörige abzugeben und anderes mehr. Das sollte nicht verboten sein.

Ein gesunder Marktzustand - was ist das ?

Man kann daher nur wünschen, daß das in Ausarbeitung befindliche Kartellgesetz neben dem berechtigten Verbot jeder Benachteili­gung des Verbrauchers Ausnahmen für solche Fälle zuläßt, in denen fern von jedem Monopol ein gesunder Marktzustand ange­strebt werden soll. Auf solcher allgemeinen Grundlage ist dann kein Platz mehr für die Behauptung, jeweils der andere Partner auf dem Rundfunkmarkt habe Schuld daran, daß der Versuch einer Rabattordnung gescheitert ist. Verheißungsvolle Anfänge einer Rabatt­ordnung bestehen in Süddeutschland, wo die Treuhandstelle für den Radio-Einzelhandel die Verwirklichung neuer Gedanken bedeu­tet. Aber auch diese vielversprechende Treu­handstelle ist zunächst nur ein technisches Mittel der Ordnung. Es muß versagen, wenn durch Überproduktion ein Überangebot auf den Markt drückt und durch mangelhafte Anpassung der Produktion an die gegeben Kaufkraft Sonderangebote und Schleudereien - wenn wir diese Dinge beim rich­tigen Namen nennen - mit Gewalt Absatz suchen.

Was dann in einer gewissen Zeit immer noch keinen Absatz gefunden hat, wird im Preis gesenkt. Diese Aussicht muß den Markt schon vorzeitig beunruhigen, denn welcher Händler wollte Aufträge er­teilen, ohne eine Erklärung darüber, ob bei späteren Preissenkungen dieser Art Lager­gutschriften gegeben werden?

Sind Importbeschränkungen sinnvoll ?

Betrachtungen über eine gesunde Markt­ordnung können nicht angestellt werden, ohne noch einige weitere Probleme zu be­rühren. Rundfunkgeräte-Import durch den Großhandel wird zunächst die Industrie be­unruhigen. Die Ursachen mögen aber tief­gründiger sein als man zunächst annimmt, denn auch der westdeutsche Radiogroß­handel hat die eindeutige Erklärung abge­geben, daß er z. Z. grundsätzlich gegen Import ist.

Welcher Grund mag also vor­liegen, daß doch Geräte aus der Schweiz hereingebracht wurden? Die Erklärung ist einfach und im Verhältnis der Industrie zum Großhandel zu suchen. Der Großhandel braucht eine bestimmte Belieferungsquote, ohne die er nicht rentabel wirtschaften kann. Wird ihm diese nicht gewährt, so schafft die Industrie damit beim Großhandel einen Anreiz, sich neue Lieferanten gegebenenfalls durch Import zu suchen. Man muß Ver­ständnis dafür haben, daß die freie Wirtschaft Auswege sucht. Auf der anderen Seite wird eine ausreichende quotenmäßige Versorgung des Großhandels dazu beitragen, daß solche Auswege in Zukunft gar nicht mehr erforderlich werden.

1950 - Regulierung bei "Autoradios" ???

Eine andere Frage grundsätzlicher Bedeu­tung liegt in der Regelung des Autosuper-Geschäftes, die in erster Linie den Fach­einzelhandel angeht. Wenn zwischen Pro­duktion und Handel eine gesunde Absatz­ordnung bestehen soll, wird man dem Fachhandel als Grundsatz die Anerkennung nicht versagen können, die Versorgung der Verbraucherschaft zu übernehmen. Auch der Autosuper, der mit dem Wiederaufleben der Automobilindustrie an Bedeutung gewinnen wird, dürfte hier keine Ausnahme machen. Natürlich wird man den Automobilfabriken die Erstausstattung nicht vorenthalten kön­nen. Aber das normale Ergänzungsgeschäft sollte zweifellos über den Fachhandel gehen. Es ist dies nur ein Baustein am Gesamt­werk der kommenden Rundfunk-Marktord­nung.

Ebenso ein Baustein ist die Frage, wie weit die Industrie gehen soll, Auslieferungslager zu errichten. Nimmt diese Tendenz allzu sehr zu, kann man sie nur als ein verzweifeltes Mittel bezeichnen, die Umsätze zu stabili­sieren. In Wirklichkeit aber werden die Funktionen des Handels, insbesondere des Großhandels, damit unterhöhlt. Wenn die Industrie einen gesunden und zahlungskräfti­gen Handel wünscht, dann tut sie hier das Gegenteil dessen, was getan werden müßte. Denn eine verstärkt zu beobachtende Politik von Fabrik- und Vertreterlägern muß auf die Dauer die Handelsfunktionen unter­graben. Die eigene Lagerhaltung wird nur noch für unwesentlich gehalten und mit der Zeit geringer. Nur ein selbständiger auf Lager disponierender Handel erleichtert der Industrie die Produktion.

Berlin ist eine wichtige Frage.

Wir wollen diese Zusammenstellung nicht ohne einen Hinweis auf die Lage Berlins abschließen. Alle derartigen Versuche, zu einer Ordnung zu kommen, sollten stets - wenigstens solange es erforderlich ist - eine Extraregelung für Berlin berücksich­tigen. Denn alles, was in Westdeutschland an Umsatzstaffeln und Umsatzmengen rich­tig sein mag, ist nicht ohne weiteres auf Berlin anwendbar. Die Voraussetzungen beider Wirtschaftsgebiete sind zu verschie­den. Die Spannungen, in die Berlin durch seine plötzliche Wirtschaftsenge und die bis­her unbefriedigende Kreditregelung gelangt ist, suchen nach einem Ausgleich, zu dem aber die einzelnen westdeutschen Industrie­zweige beitragen können und beitragen werden, wenn sie an die Zukunft denken.

Die Unternehmeridee vom idealen "Markt".

Das neue Jahr wird die hier aufgezeigten Entwicklungstendenzen noch schärfer her­vortreten lassen als bisher. Viel ist erreicht, wenn die Industrie sich weise Produktionsbeschränkungen auferlegt. Denn wenn Pro­duktion und Kaufkraft sich einander an­anpassen, wenn keine Überangebote ver­hängnisvolle Absatzwege zu suchen brau­chen, ist viel gewonnen, einem sonst un­weigerlich drohenden Marktchaos zu ent­gehen. Die Einkaufsdisposition wird unter diesem Zeichen stehen. Genaue Marktkennt­nis, Kenntnis der Struktur der Verbraucher­schaft und überblick über das Geräte­angebot sind ihre Kennzeichen.

Einen wilden Markt können wir uns in Deutschland heute weniger denn je leisten. Wir müssen wieder zu einer Ordnung kommen, die im übrigen nicht als Geste, sondern als zwingende Not­wendigkeit eine wohlwollende Extraregelung für Berlin einschließt. Wenn dann noch die Industrie eng an die tatsächlichen Markt­unkosten heranrückt, wird um so weniger Raum für Rabatt-Extras und Sondervergü­tungen sein und auch von der Seite der Kalkulation her dem entgegengewirkt, was alle ablehnen, nämlich einem Kampf aller gegen alle als Zeichen eines mißverstande­nen Liberalismus. - rdo

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