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Historisches Wissen aus Heften, Zeitschriften, Magazinen

Artikel, Zitate und Infos stammen aus der Funk-Technik, der Funkschau, den RTMs, Kameramann, der FKT, den Schriften von Philips und Zeiss Ikon und Anderen. Mehr über die verfälschten historischen Informationen ab 1933 über 1945 bis weit in die 80er Jahre.

aus der FUNK-TECHNIK Nr. 14/1950 (2. Juli Heft)
Das Editorial

Nr. 14/1950 - 5. JAHRGANG - CHEFREDAKTEUR CURT RINT

Deutsche Funkausstellung 1950 - Großzügige Werbung - Sonderschauen von Post und Sendegesellschaften

Es war ein vernünftiger Beschluß, die Publikumswerbung für die erste deutsche Funkaussteilung nach dem Kriege in Düssel­dorf bis Anfang Juli zurückzustellen. Man hat damit allerlei Quellen der Marktbe"un"ruhigung verstopft. Trotzdem reicht die Zeit bis Mitte August völlig aus, das große Ereignis gebührend bekanntzumachen.

Am 4. Juli hatte die Nordwestdeutsche Ausstellungs-Gesell­schaft als Organisator der Funkausstellung zu einem Presse­empfang in den Räumen der „Rheinterrassen" am Rheinufer in Düsseldorf gebeten. Bei dieser Gelegenheit wurde den weit über einhundert Vertretern von Fach- und Tagespresse in aus­führlichen Referaten alles Wissenswerte mitgeteilt. Nach einer Begrüßung durch Dr. Weiss, Direktor der NOWEA, und einem Rückblick auf die bisherigen Funkausstellungen in Deutsch­land von Organisationsleiter Fredy Porath sprach Dr. Werner Hensel im Auftrag der Pressestelle der Arbeitsgemeinschaft Rundfunkwirtschaft.

Dr. Werner Hensel trägt vor . . .

Er beleuchtete die Lage der deutschen Rundfunkwirtschaft und insbesondere deren Standortwechsel nach dem Krieg. Während sich vor dem Krieg 50% der Rundfunkgerätefertigung in Berlin und je 25% in der heuti­gen Ostzone und dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland befanden, werden gegenwärtig nur noch 15 bis 20% aller Empfänger in Westberlin und 80 ... 85% im Westen gebaut. Dabei lag die Zahl der hergestellten Apparate in Westberlin und im Westen im vergangenen Jahr mit 1,4 Million Stück noch über der durchschnittlichen Vor­kriegsproduktion, wenn man von den sogenannten politischen Geräten (VE, DKE) absieht.

Dr. Hensel betonte, daß etwa 20% der 14 Millionen west­deutschen Haushaltungen ihre Rundfunkgeräte durch den Krieg verloren haben und weitere Millionen Empfänger überaltert sind. Außerdem rechnet man mit einem jährlichen Neu­zugang von 400.000 Haushaltungen, so daß, im Ganzen gesehen, die Aussichten der Radiowirtschaft zumindest für die nächsten Jahre nicht ungünstig zu beurteilen sind. Die Bedarfsdeckung wurde bisher durch die laufenden Preissenkungen erleichtert, wobei heute ein Preisniveau für Rundfunkgeräte erreicht wurde bzw. in der kommenden Saison erreicht werden wird, das dem Vorkriegsstand entspricht. Neben der Verbilligung von Röhren und vielen Einzelteilen ist dieses erfreuliche Ergebnis in erster Linie auf schärfste Rationalisierung inner­halb der Fabriken und auf Senkung der Handelsspannen zurückzuführen.

Radiogeräte gehören damit zu den ganz wenigen Gebrauchsgütern, die heute genau soviel kosten wie 1938! Leider drohen, so sagte Dr. Hensel, gewisse Gefahren durch die Unmöglichkeit, eine vernünftige Marktregelung zu schaffen. Jeder Staffelrabatt wächst sich unversehens zum Höchstrabatt aus, so daß zusätzliche Forderungen besonders der großen Einzelhändler laut werden, die schließlich, werden sie erfüllt, in irgendeiner Form im Endpreis ihren Nieder­schlag finden.

Dr. Hensel ging ferner auf die aktuellen Fragen des Ultra­kurzwellen-Rundfunks ein und erklärte, daß die Mittelwellen auch nach der Einführung des Kopenhagener Planes Hauptträger der Rundfunkversorgung geblieben sind, während UKW eine lange ersehnte Ergänzung in der Programmgestal­tung bringen soll. Er kam zu dem Schluß, daß der UKW-Rundfunk mit der Programmgestaltung steht und fällt. „UKW ohne Zweitprogramm geht am Hörer vorbei und ist sinnlos." Man darf erwarten, daß die Funkausstellung manche inter­essante Neuheit auf dem Gebiet der UKW bringen wird.

Zum Thema Fernsehen

Zum Thema „Fernsehen" wurde bemerkt, daß die Zeit noch nicht reif sei, Vorführungen und Fernsehempfänger auf der Aus­stellung zu zeigen, denn der Fernsehrundfunk befindet sich noch immer im Versuchsstadium. Möglicherweise wird uns das Jahr 1951 auf der nächsten Funkausstellung mehr be­scheren als in diesem Jahr.

Zum Schluß referierte der stellvertretende Intendant des NWDR Köln, Hans Herbert Fischer, über die Beteiligung der Sendegesellschaften an der Funkausstellung, während der Präsident der OPD Düsseldorf, Dipl.-Ing. Wosnik, die Be­teiligung der Bundespost umriß.

Beteiligung, Fläche usw.

Die Funkausstellung 1950 wird in drei Hallenkomplexen am Rheinufer auf einer Gesamtfläche von nahezu 50.000qm ab­gehalten werden. Davon sind etwa 7.000qm netto von der Industrie und den Verlagen allein belegt. Die deutsche Radio- und Einzelteileindustrie ist ohne Ausnahme vertreten, dazu gesellen sich die Sendegesellschaften mit einer Gemeinschafts­schau und Einzelständen, die Deutsche Bundespost, der DARC, die Fachpresse (darunter der Verlag für RADIO-FOTO-KINO­TECHNIK in Halle 15, Stand 87), die Schallplattenindustrie und viele Firmen, die Nebengebiete repräsentieren.

Über die Neuheiten der Radioindustrie kann im Rahmen dieses Berichtes aus naheliegenden Gründen nichts gesagt werden; wir verweisen auf unsere Ausstellungs-Sonderhefte Nr. 15 und 16, die kurz vor bzw. während der Ausstellung er­scheinen werden.

Sendegesellschaften zeigen „Rundfunk in der Bundesrepublik Deutschland"

Alle westdeutschen Sendegesellschaften einschließlich RIAS-Berlin sind in Halle 6 vertreten. Jede von ihnen wird einen eigenen Stand aufbauen, der mit interessanten grafischen Darstellungen und Modellen die Entwicklung der Sende­gebiete umreißt. Daneben beteiligen sich die Gesellschaften gemeinsam am Aufbau eines großen Studios im Mittelpunkt der Halle, in dem der Besucher am Entstehen und Senden eines Programmes teilnehmen kann. Eine große Karte wird die Standorte und Verbindungslinien der westdeutschen und der Westberliner Rundfunksender einschließlich aller UKW-Stationen (Stand Ende 1950) zeigen.

Die große Historische Schau

Die große „Historische Schau", entstanden auf Anregung von Staatssekretär a. D. Dr. h. c. Hans Bredow, wird die geschicht­liche Entwicklung des Funkverkehrs und des Rundfunks von den Tagen eines Heinrich Hertz, Marconi und Graf Arco bis heute darstellen; Wertvolle technische Stücke aus privaten Sammlungen, aus dem Besitz der Sendegesellschaften und vom Deutschen Museum in München sollen die Schau zieren. Von ganz besonderer Werbewirkung für die Funkausstellung aber dürften die öffentlichen Veranstaltungen der Sender sein, die jeden Abend und zusätzlich an zwei Nachmittagen aus dem „Robert-Schumann-Saal" auf fast alle deutschen Rund­funkstationen übertragen werden.

Man wird ein Sinfoniekonzert unter der Stabführung von Generalmusikdirektor Joseph Keilberth bringen, ferner einen Volkstumabend, ein öffentlich gesendetes Hörspiel und am 27. August einen großen Schlußabend. Natürlich läuft auch die feierliche Er­öffnung der Funkausstellung, deren Schirmherrschaft der Bundeswirtschaftsminister Prof. Dr. Erhard übernommen hat, am 18. August um 10.50 Uhr über alle westdeutschen und Westberliner Sender.

Während der Ausstellung soll der Langenberger UKW-Sender täglich durchgehend von 9 bis 23 Uhr betrieben werden, so daß pausenlose Vorführung der UKW-Geräte sichergestellt ist. Ein Ausfall der Langenberger Station ist ungefährlich, da ein Reservesender innerhalb Düsseldorfs bereitsteht.

Große Sonderschau der Deutschen Bundespost

Im Rahmen der großen Postausstellung wird u. a. ein betriebs­fertiges Rundfunkverstärkeramt besonderes Interesse er­regen, das mit Kontrollempfänger, Leitungsmesser usw. aus­gerüstet ist. Eine Karte zeigt den Verlauf der 53.000km Rundfunkleitungen innerhalb des Bundesgebietes, die mit 95 Rundfunkverstärkerämtern versehen sind. Drei Sender und umfassende grafische Darstellungen geben dem Besucher einen Begriff vom hochfrequenten Drahtfunk. Weitere Sonder­ausstellungen beschäftigen sich mit dem Funk-Entstördienst der Bundespost. Lehrreich ist die Vorführung des Dezifunks (u. a. eine Linie innerhalb des Geländes). Zur Zeit arbeiten diese Geräte frequenzmoduliert zwischen 502 und 554 bzw. 600 und 652MHz mit Leistungen zwischen 1 und 8 Watt. Daneben arbeitet eine Impuls- Sende- und Empfangsanlage zur Messung der Reflexion an der Ionosphäre. Mit Hilfe der gewonnenen Ergebnisse läßt sich ein „Funkwetterdienst" aufziehen, der für die Festlegung der günstigsten Frequenzen im Überseefunkdienst unentbehrlich ist.

Der „Rheinfunk

Neu ist der „Rheinfunk", der nach Beschlüssen der Rheinfunk-Konferenz in Den Haag im Grenzwellengebiet (100 ... 180m) arbeitet und eine telefonische Verbindung mit allen Rhein­schiffen gestattet. Gegenwärtig ist der Strom zwischen der Mündung und Speyer für diesen Funksprechverkehr er­schlossen; deutsche Sende- und Empfangsstellen befinden sich in Wesel, Köln, Rüdesheim und Mannheim. Den Besuchern wird eine vollständige Anlage gezeigt, während sie sich an Hand einer Übersichtskarte von Lage und Aufbau dieses neuen postalischen Dienstes ein Bild machen können. Während der Rheinfunkverkehr im Gange ist, dürfte der Landstraßen-Funksprechverkehr zwischen Feststationen und Kraftwagen noch etwas auf sich warten lassen. Dessen ungeachtet wird eine vorläufige Anlage für diesen Dienst gezeigt.


Großes Interesse dürfte eine vollständige Küstenfunkstation finden, die einschließlich Peilanlage betriebsfertig aufgebaut werden soll. Daneben werden nahezu alle im Überseefunk­verkehr gezeigten Geräte (u. a. Schnellmorsegeräte, Funk­fernschreiber, Lochstreifengeber usw.) ihren Platz haben, des­gleichen eine Funktelefonieanlage mit Sprachverschleierungszusatz für den Übersee-Fernsprechverkehr. Zuletzt sei auf eine technische Delikatesse verwiesen: die Bundespost zeigt einen röhrenlosen Telefonieverstärker mit Transistor, der in einstufiger Ausführung eine Verstärkung von 13db aufweist und dabei nur eine Verlustleistung von 0,1 Watt hat.

Die Werbung

Die NOWEA läßt sich die Werbung etwas kosten. Man hat eine Werbeaktion aufgezogen, die sich gegenwärtig im vollen Schwung befindet und das gesamte Bundesgebiet erfaßt. 2 Millionen Poststempel, 3 Millionen Bundesbahnfahrkarten mit dem Magischen Auge auf der Rückseite, 30.000 Plakate im ganzen Land, Millionen von Flugblättern, eine großzügige Luftwerbung über Nordrhein-Westfalen, Einsatz aller Laut­sprecherwagen der Einzelhändler im Bundesgebiet, eine konzentrierte Werbung der Rundfunkindustrie und der Sende­gesellschaften ... alles dies wird zum Gelingen der Funk­ausstellung wesentlich beitragen. K. T.

Fernsehentwicklung beim NWDR

Durch unsachgemäße Berichte über die Versuchssendungen des NWDR erlangte das Fernsehen eine steigende Beachtung seitens der Öffentlichkeit. Dabei ist weiter nichts geschehen, als die Inbetriebnahme eines noch recht bescheidenen Senders, dessen Stärke kaum über die einer Amateurstation hinaus­geht. Man beschränkt sich zur Zeit auf täglich zwei Stunden Filmübertragungen, ver­mischt mit kleinen Kurzszenen als Direktsendungen, Übereifrige behaupten, dies sei der Beginn des neuen deutschen Fernseh­rundfunks und knüpfen allerlei weitschwei­fige Hoffnungen daran. Dabei sollte die jetzt allenthalben eingetretene Ernüchterung über den UKW-Rundfunk allerlei zu denken geben!

Am 17. Juni, vormittags 11 Uhr, eröffnete der Nordwestdeutsche Rundfunk im vierten Stock des Hochbunkers auf dem Heiligengeistfeld im Stadtteil St. Pauli in Hamburg mehr oder weniger offiziell seinen Versuchs-Fernsehrundfunk. Man benutzte eine Filmgeber-Anlage der Fernseh GmbH, die zuerst eine Filmschleife mit der Ansage brachte, und schließlich, nach einer kleinen Pause für den Filmwechsel, einen Akt aus dem Lustspiel­film „Käthchen für alles".

Mit 100 Watt auf Sendung gehen

Seither ist man in Hamburg eifrig an der Arbeit, den von Siemens gelieferten 100-Watt-Sender einzufahren. Anfangs steuerte man ihn nur mit 60 Watt aus. Die Antenne am Mast oben auf der Bunkerdecke hat eine deutliche Richtwirkung nach Norden, so daß bei den ersten Versuchen immerhin 12km Reichweite erzielt werden konnten, u. a. mit dem Empfänger vom Elektro-Institut GmbH., Bredeneek*).*) siehe FUNK-TECHNIK Bd. 5 (1950), H. 11. S. 326.

Diese Aktivität auf der Sendeseite ist er­staunlich, sie ist aber richtig und daher begrüßenswert. Dagegen scheint auf der Seite der empfängerbauenden Industrie manches nicht in Ordnung zu sein. Wie wäre es sonst möglich, daß sich die Gerüchte um einen „Fernsehempfänger mit 12 Röhren und 30cm Bildröhre für DM 500,— halten können und ihren Weg in die Tages- und Sensationspresse fanden? Unbeschadet aller Zweifel an der technisch- wirtschaftlichen Möglichkeit der Realisierung dieser Geräte erscheint es uns abwegig, am Anfang einer hoffentlich fruchtbaren Entwicklung derartige Erklärungen abzugeben. Wir wissen nur zu genau, wie gern sich jene Leute, die nichts von der Materie verstehen, auf solche Stories stürzen und sie kolportieren.

Ganz unabhängig von diesen Sensationen ist die westdeutsche Radioindustrie aktiv mit der Konstruktion brauchbarer Empfänger be­schäftigt. Neben der C. Lorenz A.G. und Blaupunkt (nach Plänen der Fernseh GmbH.) beschäftigen sich Firmen u. a, in West­falen und Bayern damit. Aber wieder und wieder muß man vor Übereilung warnen, und noch einmal ist auf das Beispiel „UKW-Rundfunk" zu verweisen.

Ausgezeichnete Bildqualität mit 625 Zeilen

Unser Berichterstatter hatte Gelegenheit, das in Hamburg produzierte Bild mit 625 Zeilen zu sehen und darf erklären, daß es weit besser ist als das französische Verfahren mit 441 und 819 Zeilen, immer einen tragbaren Aufwand vorausgesetzt. Unser deutsches Fernsehbild besitzt neben ausgezeichneter Schärfe eine verblüffend gute Halbtonwiedergabe und ist frei von geo­metrischen Verzerrungen, Plastik, Moire­bildung und ähnlichen unangenehmen Bei­gaben. Die Auflösung mit 625 Zeilen ist völlig ausreichend und befriedigend.

Wir fanden unsere Eindrücke aus Hilversum voll be­stätigt (siehe FUNK-TECHNIK. Bd. 5 [1950], Heft 10, „Holländische Impressionen"). Man spricht in Hamburg nicht gern von einem Versuchsbetrieb. Die Frage lautet sofort: „Was sollen wir denn noch versuchen? Die deutsche Fernsehtechnik hat aus den Erfah­rungen der zurückliegenden Berliner Ent­wicklung geschöpft und diese verbunden mit neuesten Erkenntnissen eigener und fremder Forschung, so daß die Technik bis auf Ein­zelheiten fertig ist."

Die tägliche Sendezeit wird vorerst noch recht bescheiden kurz sein, denn für einen umfangreichen Programmbetrieb fehlen zur Zeit noch alle Voraussetzungen. Weder Räume noch technische Einrichtungen sind vorhan­den, und ausländische Erfahrungen auf dem Gebiet des Fernsehens sprechen eine deut­liche Sprache, was Geld- und Raumbedarf angeht.

Filme im Fernsehen ??

Man hofft zwar in Hamburg, von den Filmgesellschaften auch neueste Spielfilme zu bekommen, aber es ist zu befürchten, daß diese Freude nur kurze Zeit anhält.

Zwei Gründe sprechen gegen eine übermäßige Be­nutzung von üblichen Spielfilmen im Fernsehsender. Einmal stört das zu kleine Bild­format der Heimempfänger. Aus wirtschaft­lichen Gründen wird man höchstens Bild­röhren mit 30cm Durchmesser verwenden, mit der eben noch Bilder im Format 18 x 24cm erzeugt werden — und diese Biidfläche ist auf die Dauer zu klein, will man Spielfilme üblicher Art lange Zeit (etwa 70 bis 90 Mi­nuten) hindurch betrachten. Massenszenen, ganze Figuren, Landschaftsaufnahmen usw. strengen das Auge so sehr an, daß der Be­schauer um ein Vielfaches eher ermüdet als im Lichtspieltheater, in dem er jene Szenen von 18 x 24cm auf mehreren Qua­dratmetern vorgeführt bekommt. Dem Fern­sehen wird also auch in Deutschland nichts anderes übrigbleiben, als entweder eigene Filme zu drehen oder mehr und mehr auf Direktübertragungen überzugehen.

Der zweite Einwand besteht darin, daß die Filmproduzenten in allen Fernsehländern nur eine kleine Strecke Weges mit dem Fernsehen gingen. Sobald es eine auch nur leise Bedrohung des Kinobesuches darzustellen be­gann, wenn also die Zahl der verkauften Fernsehempfänger eine bestimmte Höhe er­reichte, sperrte man dem Fernsehen alle neuen Streifen. England und Amerika haben sich bereits daran gewöhnt, während Frank­reich seit etwa einem halben Jahr mit diesem Problem zu ringen gezwungen ist. Es ist zu befürchten, daß in Deutschland die gleiche Entwicklung Platz greifen wird.

Fernsehen wird der teurere Rundfunk

Fassen wir es zusammen: Wir werden auch in Ham­burg die bittere Pille der hohen Programm­kosten zu schlucken haben, wenn eben diese Programme genügend Anreiz zum Kauf von Fernsehempfängern ausüben sollen. Und diese Erkenntnisse sind es, die zu einer gewissen Zurückhaltung mahnen.

Fernsehen wird sich durchsetzen, das steht außer allem Zweifel, aber es wäre gut, wenn es organisch wachsen könnte, ohne allzu große Übereilung, die die Gefahr von Rück­schlägen fast automatisch einschließt. — Vollends schlimm aber wird es, wenn sich die Sensationspresse dieses „Falles" annimmt. Dann geht es wieder einmal rund wie im Zirkus und niemand kann es rechtzeitig bremsen.

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