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Einige Artikel aus 1950 - Über die Entwicklung der Fernsehtechnik bei der Fernseh GmbH 1939-1945

FTZ (Zeitschrift heißt jetzt FKT) - 1950 ab Seite 308 - Zusammengestellt von H. Bähring, W. Dillenburger, R. v. Felgel-Farnholz, Th. Mulert, F. Rudert, H. Strübig
Im Jahre 1939 wurde aus zeitbedingten Gründen die laufende Veröffentlichung interessanter Neuentwicklungen auf dem Fernsehgebiet in Deutschland eingestellt. Es erscheint daher angebracht, nunmehr rückschauend eine zusammenfassende Übersicht über die wichtigsten seither von der Fernseh GmbH erzielten technischen Fortschritte zu geben und auf diese Weise Rechenschaft abzulegen über die von deutschen Fernsehtechnikern geleistete Entwicklungsarbeit.

Einleitung

Die Entwickung der Fernsehtechnik in Deutschland, die in der Hauptsache von den Firmen Fernseh GmbH, Radio AG D.S.Loewe, C. Lorenz AG und Telefunken GmbH durchgeführt wurde, hatte im Jahre 1939 eine solche Höhe erreicht, daß der Zeitpunkt gekommen schien, das Fernsehen auf breiter Basis dem Dienst der Allgemeinheit nutzbar zu machen. Die Anlagen für den Gegenseh-Sprechverkehr über Kabelverbindungen zwischen den Städten München, Nürn-berg, Leipzig, Berlin und Hamburg waren fertiggestellt und in Betrieb, der Anschluß weiterer Städte an dieses Netz war geplant.

Der Fernsehsender in Berlin war mit zahlreichen betriebsicheren Anlagen zur Fernsehübertragung von Filmen, Diapositiven, Bühnenszenen und Freilichtaufnahmen ausgestattet, auch der Fernsehsender Brocken war fertig. Der erste große Projektionsempfänger zur Projektion von Fernsehbildern im Format 3X4 m war aufgestellt, der Bau weiterer derartiger Anlagen in Vorbereitung und die Serienfertigung eines von der deutschen Fernsehindustrie in Gemeinschaftsarbeit hergestellten Heimfernsehempfängers angelaufen.

In den Jahren 1939 bis 1945 hat die Fernsehentwicklung keineswegs geruht. Die nachstehend eingehender geschilderte Entwicklungsarbeit der Fernseh GmbH ist durch das Bestreben gekennzeichnet, die Fernsehgeräte kleiner und leichter als bisher zu bauen und den Leistungsverbrauch weitgehend herabzusetzen. Die Betriebssicherheit mußte wesentlich erhöht und ein einwandfreier Betrieb auch unter ungünstigen Umständen ermöglicht werden. Rauhe Behandlung der Geräte sowie starke Erschütterungen sollten die Betriebsfähigkeit nicht beeinträchtigen.

Ferner bestand die Forderung nach weitgehender Vereinfachung der Bedienung; sie wurde durch Stabilisierung der Spannungen und Einbau selbsttätiger Regelorgane erfüllt. Schließlich mußten durch Festlegung geeigneter Normen für drahtlose Übertragung eine unbedingt sichere Synchronisierung gewährleistet und eine einwandfreie Ausregelung von Feldstärkeschwankungen sowie ein großer nutzbarer Modulationsbereich für den Bildinhalt erreicht werden.

Trotz der zahlreichen Hemmnisse und Erschwerungen der Kriegszeit wurden beachtenswerte Fortschritte erzielt.

Es gelang, ortsbewegliche kleine Fernsehanlagen, sogenannte Reportageanlagen, zu bauen, die vollautomatisch, ohne Senderbedienung arbeiten. Bei nur 10 Watt Senderleistung konnten Fernsehübertragungen zwischen Kraftfahrzeugen in hügeligem Gelände bis zu 7 km, zwischen Flugzeugen sogar bis zu 300 km durchgeführt werden. Die luftdicht gekapselten, höhen- und tropenfesten Empfänger liefern helle, für Betrachtung bei Tageslicht geeignete Bilder. Die vollständige Anlage zur Fernsehübertragung, also Kamera, Sender mit allen Hilfseinrichtungen und Empfänger ist in 3 Kästchen untergebracht, die praktisch keinerlei Bedienung erfordern, wodurch sich zahlreiche neue Anwendungsmöglichkeiten ergeben.

Diese serienweise hergestellten Reportageanlagen haben sich im Betrieb bewährt. Die technische Vervollkommnung der Fernsehgeräte erlaubte es, auch Probleme der Fernmeldetechnik mit den Mitteln der Fernsehtechnik zu lösen. Bei der „Schnellbildübertragung" wurde es ermöglicht, Schriftstücke und Bilder in nur 1/25 Sekunde durch Druck auf eine Auslösetaste fern zu übertragen, am Empfangsort photographisch zu registrieren und das Empfangsbild sodann in einer Sekunde zu entwickeln.

Interessant ist ferner, daß es bereits im Sommer 1940 erstmalig gelungen ist, Fernsehsendungen mit mehr als 1000 Zeilen zu übertragen und dabei scharfe, brillante Empfangsbilder zu erzielen.

Diese erfolgreichen Entwicklungsarbeiten, auf die im nachstehenden näher eingegangen wird, sind insbesondere im Hinblick auf die unmittelbar bevorstehende Wiedereinführung des Fernsehens in Deutschland von Bedeutung.

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