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Die RADIO REVUE Programmzeitschrift Sept. 1957

Das Highlight oder der absolute Bickfang

Außer dem noch sehr bescheidenen und auch kritikwürdigen Fernsehprogramm im September 1957 gab es auch damals richtige Highlights.

Ein Highlight fällt einem Mann natürlich sofort ins Auge : Es gab damals lange hübsche Beine an einer vollendeten schlanken Figur. Gehe ich heute durch ein Kaufhaus oder ein Einkaufszentrum, dann bin ich vermeintlich in einer anderen Welt. Nichts ist mehr so wie früher, alles hat sich mindestens !! verdoppelt, also nicht nur die Preise in Euro. Klicken Sie mal auf das Bild, so sahen unsere Vorfahren damals aus.

Über die nutzlosen und Teils dummen Sprüche bzw. die marginale Wirksamkeit von "Vitolan" kann man natürlich auch nur lächeln, denn selbst mit Vitolan - zum Beispiel vor dem neuen Fernseher - wurden die Pfunde nicht von selbst weniger.
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Der Mann, der zuviel Wissen wollte . . . . .

geht heute in oder auf Facebook oder Twitter, um sich seine "Zukünftige" mal unbekleidet anzuschaun. Damals war das noch etwas komplizierter und vor allem gefährlich. Und darauf bauten sich hahnbüchne Liebes-Storys auf, die die Hausfrau mit Genuß verschlang. (Sonst hätten diese Blätter solchen Blödsinn nicht gedruckt.)

Dafür gab es Mode für Extrem-Figuren, nämlich schlank, schlanker, Dürre.

Und auch "Zeitgeschichtliches" durfte nicht fehlen

Und so gab es immer wieder einen Rückblick auf unsere böse "Drittes Reich" Geschichte. Das gab es also nicht nur im STERN oder der QUICK oder im Spiegel, auch in solchen Programmzeitschriften tauchte es periodisch immer wieder auf. Dabei kam die echte wirkliche Wahrheit (zum Beispiel über den Marinerichter Dr. Filzinger) doch erst 20 Jahre später ans Licht der Öffentlichkeit.
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Der 1957er Titel : "Schicksalsmonate des deutschen Volkes"

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  • Anmerkung : Alleine die Überschrift suggeriert, das war alles Schicksal, dagegen konnte "man" sowieso nichts machen. Doch seit den 1968er Bürgerprotesten in Westdeutschland wissen wir, man hätte dem Schicksal schon Einhalt gebieten können, wenn man gewollt hätte. Anderes beschreibt Sebastion Haffner in seinem Buch aus 1990 "Von Bismarck zu Hitler", indem er den jeweiligen sich verändernden Zeitgeist genauer analysiert und gewisse Schranken für solche Behauptungen setzt.

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Diese Buch empfehle ich jedem, um sich ein Bild von schleichenden Veränderungen zu machen.

Zu allen Zeiten gab es Politiker - ernst zu nehmende Staatsmänner und Scharlatane -, die ihre Entscheidungen weitgehend vom Lauf der Gestirne und vom Wechsel der Jahreszeiten abhängig machten. Es ging ihnen dabei häufig nicht so sehr um strategische Erwägungen; in vielen Fällen waren vielmehr Aberglaube und mystische Aspekte mit im Spiel.

Gewiß, besonders in Kriegszeiten standen schon immer recht reale Überlegungen bei der Wahl des richtigen Zeitpunktes im Vordergrund. Armeen müssen genügend Schlagkraft besitzen, die Industrie darf nicht hinter den erhöhten Anforderungen zurückbleiben, die Ernte soll, wenn irgend möglich, eingebracht und damit die Ernährungsbasis geschaffen sein.

Betrachten wir jedoch das Auf und Ab in der Geschichte der Völker rein vom Standpunkt des registrierenden Chronisten, so kommen wir zu der Feststellung, daß sich die Dinge in gewissen „Schwerpunkt-Monaten" geradezu überstürzten, während zu anderen Jahreszeiten eine ausgesprochene „Flaute" am großen Welttheater zu herrschen schien.

Schon ein kurzer Streifzug durch die deutsche Geschichte der letzten Jahrzehnte offenbart uns, daß viele Ereignisse, die den Keim zu späteren - leider meist negativen - Entwicklungen in sich trugen, zeitlich in den Spätsommer, also in die Monate August und September fielen. Es hat immer Psychologen gegeben, die in einer solchen „termingebundenen" Anhäufung der Geschehnisse eine „höhere Gesetzmäßigkeit" zu erkennen glaubten, und besonders in Krisenjahren warteten viele Menschen förmlich darauf, daß im August oder September „etwas passieren" sollte.

Neben Gründen der Strategie und abergläubischen Kombinationen mag wohl aber auch ein gerade im traditionsfreudigen Deutschland naheliegender Hang zum Althergebrachten schuld daran sein, daß diese beiden Schicksalsmonate schon immer derart „geschichtsträchtig" gewesen sind.

1914 Hoch schlagen die Wellen der patriotischen Begeisterung.

Blumengesdimückte Krieger nehmen Abschied und träumen davon, „spätestens Weihnachten" siegreich heimzukehren. Noch ahnt kaum jemand, daß in diesen Augusttagen eine Katastrophe von bisher nicht gekannten Ausmaßen ihren Anfang nimmt. Ganz Europa ist in Aufruhr. In blutigen Schlachten werden Millionen von Menschen beinahe aller Nationalitäten geopfert. Vier Jahre später, wieder im August, wird die deutsche Front im Westen von den Armeen der Entente-Mächte in 18km Tiefe durchbrochen - das Ende steht bevor.

1919 Der „Geist von Weimar" wird geboren.

Im Staatlichen Theater zu Weimar tritt die Nationalversammlung zusammen; Friedrich Ebert wird vorläufiger Präsident des Deutschen Reiches und der preußischen Republik. Am 11. August 1919 ist es dann soweit: der Reichspräsident unterzeichnet das Dokument, das als „Weimarer Verfassung" in die Geschichte eingehen soll. Sie wurde das Vorbild für das Grundgesetz, das heute in der Bundesrepublik gilt. Der deutsche Bürger, dem diese Verfassung bedeutende Freiheitsrechte einräumt, erblickt in den Vorgängen dieses Spätsommers nach dem turbulenten Ende deis Kaiserreiches ein gutes Omen für die Zukunft. Wieviel schwere und entsagungsvolle Jahre vor ihm liegen, ahnt niemand.

1928 Ein Heer von Arbeitslosen - die neue „Armee des Elends"!

Dicht gedrängt stehen die Menschen auf den Nachweisstellen in der vagen Hoffnung, eine der wenigen ausgeschriebenen Arbeitsstellen zu erwischen. Meistens ist dieser Gang sinnlos, keiner resigniert! Die Beamten auf den Arbeitsämtern sehen sich jeden Morgen Zehntausenden von Arbeitslosen aller Berufe gegenüber. Die Zahl der Stellen, die hin und wieder zu vergeben sind, bleibt nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die deutsche Wirtschaft ist trotz der hohen amerikanischen Anleihen nicht in der Lage, die Verpflichtungen des Dawesplans zu erfüllen. Wir schreiben wieder einmal den Monat August - und die Reichsregierung kann nichts weiter tun, als eine neue Konferenz zur Regelung der Reparationen anzuregen...

1934 - Hindenburg ist tot!

Mit militärischem Gepränge wird der dahingeschiedene Feldmarschall zur letzten Ruhe gebettet. Die Trauer vieler Menschen gilt jedoch nicht allein dem Sieger von Tannenberg; die meisten ahnen, daß der radikale Kurs der „braunen" Regierung jetzt noch wesentlich schärfer zu werden droht. Als wollte er allen Zweiflern von vornherein Gewißheit geben, läßt sich Hitler sofort zum Staatsoberhaupt erklären. Noch am Todestage Hindenburgs - am 2. August - wird die Reichswehr auf den „Führer" vereidigt!

1935 Mit einem bombastischen Aufwand

rollt in Nürnberg der nun alljährliche „Parteitag" ab. Diesmal hat sich Hitler etwas Besonderes vorgenommen: er verkündet die „Nürnberger Gesetze". Sie leiten den unbarmherzigen Kampf gegen alle jüdischen Bürger ein, eine Aktion, die zur planmäßigen Ausrottung von Millionen unschuldiger Menschen führt.
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1938 Von Kriegsfurcht gekennzeichnet.

Auf dem Höhepunkt der Sudetenkrise kommt es in den letzten Septembertagen zur Münchener Konferenz. Chamberlain, Daladier und der „Duce" sind bei dem „Eroberer" zu Gast. Das Ergebnis von München: Hitler fallen die Sudetengebiete durch eine geduldete „friedliche" Annexion in den Schoß.

1939 Diktatoren unter sich!

Nach geheimen Vorverhandlungen taucht Ribbentrop plötzlich in Moskau auf und unterzeichnet am 23. August mit den Sowjets einen Nichtangriffspakt. „Hitler und Stalin haben sich zur Freundschaft entschlossen" ist die Losung der Stunde. Das Tragikomische dieses Paktes liegt darin, daß jeder der beiden „Herrscher" überzeugt ist, den anderen listig überspielt zu haben. Ein rundes Jahr danach - wieder im Spätsommer - folgt der Freundschaftsvertrag! Daß diese „Freundschaft" von kurzer Dauer war, ist uns bis auf den - heutigen Tag in guter Erinnerung.

1939 "Die Waffen sprechen!"

Mit diesen nüchternen Worten wird am 1. September die blutigste Katastrophe der Weltgeschichte eingeleitet. Die „Begeisterung" ist diesmal gedämpfter als im Jahre 1914. Und doch kann wohl noch niemand übersehen, daß dieses beispiellose Völkermorden die ganze Welt erschüttern und das deutsche Volk in seiner Existenz fast auslöschen wird. Vorerst schmettern jedoch die Siegesfanfaren, und „Sondermeldungen" künden von „ruhmreichen Taten der deutschen Waffen" - so wie hier von der „gelungenen" Beschießung und Vernichtung der polnischen Festung Westerplatte.

1940 "Ausradieren" will man die englischen Städte

und damit die „deutsche Luftherrschaft" über den britischen Inseln sicherstellen. Großsprecherisch gibt Göring, „des Führers treuester Paladin", den Beginn der deutschen Luftoffensive gegen England bekannt. Zahllose Bomben fallen in diesem August Tag für Tag auf offene englische Wohngebiete. Ganze Stadtviertel, so wie hier in London, gleichen riesigen Mondlandschaften. Wie schicksalhaft dieser Monat einst für das deutsche Volk werden sollte, zeigte sich, als die RAF darauf zum Gegenschlag ausholte.

1942 Stalingrad - Begriff für den Wahnsinn des Krieges schlechthin!

Im September - wieder einmal nimmt eine Tragödie im Spätsommer ihren Anfang - beginnt das Gemetzel um Stalingrad. Selten ist wohl ein Volk in Kriegszeiten so schamlos belogen worden wie das deutsche während der langen Monate des aussichtslosen Opferganges an der Wolga! Nicht nur der rücksichtsloseste Masseneinsatz von Menschen und Material, sondern auch die scharfe, klirrende Kälte des russischen Winters machten den Stalingrad-Einsatz zu einem niegekannten Leidensweg.

1945 Potsdam - die Quittung

für eine vom Wahnsinn diktierte Epoche deutscher Geschichte.
Körperlich und psychisch am Ende, blickten die Deutschen, die „noch einmal davongekommen" waren, auf den Verhandlungstisch der Sieger in der alten preußischen Garnisonstadt. Das Schicksal jener Spätsommertage wollte offenbar nicht, daß die Menschen nach diesem „Schlußstrich" zur Ruhe kommen sollten. Nach der Potsdamer Konferenz begann der „Kalte Krieg".
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Und mitten drin wieder Werbung - ganzseitig:
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Und auch eine Trivial-Story für die Tränendüse durfte nicht fehlen:

Ribot wird nicht verkauft !

Dies ist die Geschichte eines Hengstes, der zuviel Erfolg hatte. Das Rößlein, das die Stute Romanella am Gestade des Lago Maggiore das Lichl der Welt erblicken läßt, weist kein Anzeichen auf, daß es einmal das „Pferd des Jahrhunderts" genannt werden wird. Der rauflustige, bockbeinige Geselle „ist ganz der Vater", sagt dei alte, 83jährige Herr am Stock, als ei zum ersten Male sein Züchtungsprodukt schmunzelnd betrachtet, „gam der Vater!"

Signor Federico Tesio muß es wissen, denn er hat sein Leben lang mit Pferden verbracht, das Gestüt Dormello ist sein Besitz, und was Tesio sagt, hat Gewicht in der Pferdezucht. Tenerani, der Vater des Neugeborenen hat ihm 12,5 Millionen Lire erritten. In Teneranis Blut trafen sich die Erbteile vieler berühmter Hengste, derer Namen zur Aristokratie der Vollblutzucht gehören: Byerley Turk, Godolphin Arabian, St. Simon. Federico Tesios Pferdeverstand ist sicherer als ein Bankdepot. Seine erfolgreichen Züchtungen brachten ihm ein Vermögen ein. Sein jüngstes Pferd taufte der Signor Ribot.

Die anderen Großen des Pferdesports ahnen noch nicht, daß sie eines Tages das Datum dieses 27. Februar 1952 in die Stammbücher vieler anderer Zuchthengste schreiben werden. Der jugendliche Hengst Ribot stakst über die Weiden des Tesioschen Gestüts, und je erwachsener er wird, desto häßlicher und abstoßender finden ihn die Experten.

„Ein höchst durchschnittliches Pferd", lassen sie verlauten. Tesio schweigt, und man kann nicht erkennen, ob er es auch glaubt oder nicht. Ribot ist launenhaft. Ribot ist bissig; er schlägt um sich wie wild. Niemand scheint ihn bändigen zu können. Dieser Ribot hat eine unmögliche Figur: der Kopf zu groß, der Rücken zu kurz, die Ohren zu klein. Er läßt den Kopf bis zu den Hufen hängen, als interessierten ihn nur die saftigen Gräser am Lago Maggiore und nichts anderes auf der Welt, auch nicht die ehrgeizigen Pläne seines Herrn und Meisters.

Als man Ribot in die Nähe von Pisa verfrachtete, um ihn am menschenleeren Strand zu zähmen, widersteht der Zweijährige allen solchen Versuchen. „Camici auf Ribot", heißt es beim Aufgalopp zum „Premio Tramuschio" auf der Rennbahn von Mailand. Wer auf der Tribüne setzt schon auf solch ein klappriges Pferd?

Der Sieger: Ribot mit Camici vor Donna Venetiana. Federico Tesio hat den Siegeslauf seines Hengstes auf den europäischen Turfplätzen nicht miterleben können. Als Ribot 1954 zum erstenmal an den Start ging, war der Züchter schon 4 Wochen tot. Seine Frau, Donna Lidia, führt mit dem Marchese Incisa della Rochetta sein Gestüt fort.

Sechzehn große europäische Rennen werden eingeläutet, sechzehnmal lautet der Name des Siegers „Ribot". Er triumphiert in Ascot, in Longchamps, beim „Großen Preis des Are de Triomphe" siegt das Wunderpferd sogar zwei Jahre hintereinander.

„Er läuft wie ein Hund", sagen die Ästheten des Pferdesports. Ribot beendet sein Rennen mit fünfzehn Längen Vorsprung. Da schleppen sie das Überpferd zu den Tierärzten. Man entdeckt übernatürlich starke Hinterhände. Mit doppelter Kraft lassen sie das Pferd voranschnellen. Statt 38 Pulsschläge in der Minute bringt es Ribots Pferdeherz nur auf 32.

Durch seine Nüstern saugt er auf einmal so viel Atemluft in seine Riesenlunge, wie normale Pferde zum Ein-und Ausatmen brauchen. Ribot geht die Puste nicht aus, viel schneller aber den Buchmachern und ihren Kassen.

Ribot war eine so sichere Wette, daß die Quoten immer geringer wurden. Alles setzte auf das Wunderpferd und gewann. Ribot hatte sich geschäftlich selbst überrundet. Sein Gestüt beendete seine Karriere, indem es ihn zum Beschäler, zum Ahnherrn neuer Wunderpferde, bestimmte. Die Amerikaner boten sogleich 5 1/2 Millionen Mark für dieses Pferd, sollte man zum Verkauf bereit sein. Die Engländer legten noch 1/4 Million dazu bei ihrem Angebot. Aber nach langem Hin und Her ist es jetzt sicher: Ribot wird nicht verkauft. Er sonnt sich im Ruhm und in der Sonne am Lago Maggiore, und für jeden Liebesdienst an neuen Pferdegeschlechtern sichert sich das Gestüt Dormello eine Decktaxe von über 10.000 Mark.
Wie eine Diva benimmt sich Ribot, wenn fremde Menschen, wie etwa Fotograien, in seine Nähe kommen. Nur sein Trainer Ugo Penco (rechts) und sein Stalljunge Mario Marchesi (links) dürfen freundschaftlich mit ihm verkehren. Anderen gegenüber ist der Hengst unberechenbar und launenhaft. Fotos: David Seymour/MAGNUM/WEHR

Und natürlich gibt es noch mehr, das Hausfrauen interessiert :

Eine Wohltat für den fleißigen Papa mit Sodbrennen
Federbetten und Daunendecken
Spiele für den langweiligen Abend
und noch Teppiche und Gardinen

Es gab noch mehr, aber das ist wirklich nicht der Rede wert.

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