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Eines der ganz neuen großen Kinos im Ballungsgebiet Mannheim / Ludwigshafen eröffnet im März 1951 seine Pforten

Ab dem Herbst 1944 wurden Mannheim und Ludwigshafen nahzu vollständig platt gebombt. Dort waren ausser den Werken der IG Farben auch viele andere kriegswichtige Firmen des dritten Reiches ansässig. Es gibt Bilder von Ludwigshafen, da stand so gut wie nichts mehr. Dieser Knörzerbau des Hausherrrn Willy Knörzer, in dem das neue Kino gebaut wurde, enstand auf einer dieser freigeräumten Freiflächen. Der Hausherr hat zur Eröffnung eine 22 Seiten Broschüre bzw. Festschrift erstellen lassen, die sogar teilweise schon bunt gedruckt war. Das war neu, da bis 1950 das farbige Drucken von Drucksachen aller Art bei den Militärbehörden genehmigungspflichtig war.

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Grusswort des Oberbürgermeisters der Stadt Mannheim

Gesamtansicht Knörzerbau 1951

Die Stadtverwaltung begrüßt die großzügige bauliche Lösung, die sich durch den Knörzerbau in den Planken, im Quadrat P 4 ergeben hat. Eine störende Baulücke ist nun geschlossen. Möge es den Bauherren bald gelingen, die völlige Umbauung des Quadrates zu vollenden und die Randbauten so hochzuführen, daß eine rationelle Ausnutzung des Grundstückes gewährleistet ist.
Dr. Dr. h. c, Hermann Heimerich Oberbürgermeister der Stadt Mannheim

Einleitung und Grusswort des Hausherrn

Die Eröffnungsbroschüre 1951
Anzeigen sogar in Farbe

Wenn ich heute in der Stadt Mannheim die Planken-Lichtspiele eröffne, tue ich es in dem Bewußtsein, der schwerarbeitenden Industriebevölkerung dieser Stadt eine weitere Stätte der Freude, Unterhaltung und Bildung zur Verfügung zu stellen.

Es gibt wohl kaum eine schönere Aufgabe, als in dieser schwierigen Zeit Menschen Freude zu bringen und sie, für einige Stunden wenigstens, aus dem sorgenvollen Alltag herauszuführen.

In steigendem Maße fällt heute der Filmindustrie diese Aufgabe zu. Sie hat sich zu einem Freudenspender für alle Publikumsschichten entwickelt und bietet mit ihren vielfältigen Erzeugnissen allen Geschmacksrichtungen das Entsprechende.

Es ist mein Bestreben, die gesamte Filmwirtschaft, besonders aber die sich erst langsam wiederfindende deutsche Produktion durch dieses Theater zu unterstützen. Ich werde bemüht sein, dem Mannheimer Publikum die Spitzenfilme Deutschlands und der internationalen Produktion zu zeigen.

Mögen vor allem die Filme ausländischer Produktion
unser Verhältnis zu den Völkern klären und Verständnis bringen zwischen die Völker. Ich glaube, daß der Film neben seiner eigentlichen Unterhaltungs- und Bildungsaufgabe dieses uns alle bewegende Ziel anstreben muß.

Die Planken-Lichtspiele sind das größte und modernste Filmtheater Badens
und der Pfalz und ich freue mich, daß gerade Mannheim dieses Theater in seinen Mauern beherbergt.

Ich spreche an dieser Stelle die Hoffnung aus,
daß dieses Haus in Mannheim zu einem nicht mehr wegzudenkenden Begriff werde und wünsche allen Mannheimern in meinem Theater viele angenehme Stunden der Freude und Entspannung.

Willy Knörzer

Wie es dazu kam ...

Radio-Knörzer in Cannstadt

Im Sommer 1949 begann die bekannte Fa. „Radio-Knörzer", die auch in Stuttgart, Bad Cannstatt, Zuffenhausen, Degerloch und Wangen Radio-Fachgeschäfte betreibt, mit dem Bau eines Geschäftshauses an den Planken in Mannheim. Schon damals trug sich der Inhaber der Firma, Willy Knörzer, mit dem Gedanken, ein modernes, großzügiges Filmtheater zu errichten. Dieser Gedanke konnte jedoch erst in dem Augenblick verwirklicht werden, als es Herrn Knörzer gelungen war, den weitaus größten Teil des P 4-Quadrates in Mannheim käuflich zu erwerben.

Ein Plan entstand ...

Der Architekt W. Gruber
Der Stahlbauer fürs Dach
Der Ford Taunus von 1951

Herr Knörzer beauftragte mit der Planung dieses außergewöhnlichen Projekts den bekannten Architekten Grüber, der diese Aufgabe wirklich meisterhaft löste. Wenn heute neben dem bekannten Radio-Fachgeschäft Knörzer ein imposanter Bau mit viel Zweckmäßigkeit und lebendiger Harmonie in den Planken steht, dann ist dies nicht zuletzt sein Verdienst.

In steter Verbindung mit Filmexperten in Frankfurt
und anderen Städten und in eifrigem Studium dieses schwierigen Problems, das den in Zukunft zu erwartenden plastischen Film zu berücksichtigen gebot, ist dem Architekten ein Werk gelungen, dessen Lob und Anerkennung bald durch die Besucher des neuen Lichtspieltheaters von Mund zu Mund getragen werden wird.

Herr Architekt Grüber hat dieses Lichtspieltheater in einer Art geschaffen, die bei weiteren deutschen Theater- und Kino-Neubauten nicht unbeachtet bleiben wird.

... und nahm Formen an

Es entstand ein ca. 40m langer Bau bei einer Breite von 27m, mit Möglichkeiten, die wie wohl selten zweckmäßig, modern und künstlerisch erschöpft wurden. Großzügig angelegte Ausgänge ermöglichen den Besuchern des 1400 Sitzplätze umfassenden Hauses ein Verlassen des Lichtspieltheaters innerhalb von 2 Minuten.

Die Bühne, gleichzeitig für Variete und Kabarett geeignet, hat eine Fläche von etwa 70qm. Die freitragende, d. h. stützenfreie Konstruktion des Balkons gewährleistet eine gute Sicht von jedem Platz. Die Decke des Theaters fällt zur Bühne ab und bildet so den für die Tonwiedergabe wichtigen Trichterraum.

Als am 20. September 1950 den Firmen Gebr. Knauer, Mannheim, für den Stahlbau und Wohnhaus und Industrie G.m.b.H. die Bauarbeiten übertragen wurden, wußte noch niemand von den vielfältigen Schwierigkeiten, die sich diesem Bau entgegenstellten.

Zunächst mußten die Fundamente der früher vorhandenen Gebäude abgebrochen und die neuen Stützfundamente für den Stahlskelettbau gelegt werden. Der Baugrund aber wurde sehr bald als „rascher Sand" festgestellt, sodaß Grundbohrungen vorgenommen werden mußten. Schlammschichten in einer Tiefe zwischen 9 und 11m erschwerten so die Fundierung der Balkonstützen.

Herr Oberbaurat Scheier, dem die statistische Berechnung der sehr schwierigen Verhältnisse oblag, löste seine Aufgabe sehr gut und schuf zusammen mit dem bauleitenden Architekten ein festes und tragfähiges Fundament.

Eine Lösung, die alle Erwartungen übertraf ...

Es war die Zeit lange vor Cinemascope
ein imposanter Prachtbau
der Zeit entsprechend
fast wie im UFA im Park in Wiesbaden
von der UFA ausgerüstet

So wurde in vorbildlicher Zusammenarbeit aller an dem Bau der Planken-Lichtspiele beteiligten Firmen und Personen eine Lösung gefunden, die alle Erwartungen übertraf. In 5 1/2 Monaten ist es gelungen, das Bauwerk zu vollenden. Mehr als in anderen Städten ist in Mannheim der Oberbürgermeister an der Gestaltung und Planung der Stadt interessiert. Herr Dr. Heimerich hat sich wöchentlich von dem Fortschreiten der Bauarbeiten überzeugt.

Ihm ist es auch zu verdanken, daß die aufgetretenen Grundstücks- und Bebauungsschwierigkeiten ohne Zeitverlust behoben wurden. Sein Wunsch, für Mannheim eine Variete- und Kabarettbühne zu gewinnen, ist in Erfüllung gegangen. Die technische Durchführung wurde mit den Herren der Stadtplanung, Herrn Stadtdirektor Platen, Herrn Oberbaurat Dörr und Bauamtmann Rösinger besprochen. Die baupolizeiliche Überwachung oblag Herrn Baurat Merz, dem es gelang, zusammen mit Herrn Bauinspektor Streib, alle bautechnischen und baurechtlichen Fragen zu lösen. Herr Branddirektor Magnus klärte in Zusammenarbeit mit der Bauleitung die feuerpolizeilichen Belange.

Ausgerüstet mit dem "Modernsten, Bequemsten und Besten ...
bietet das neue Mannheimer Lichtspielhaus eine wirkliche Stätte der Erholung und der Entspannung. Die Bestuhlung vom billigsten bis zum besten Platz ist in Hochpolster ausgeführt. Die Lichtringe der indirekten Beleuchtung sind den Schallwellen angepaßt und gehen so auf die optischen und akustischen Erwartungen des Besuchers in einer vortrefflichen Weise ein.

Die akustischen Belange des Raumes/Saales wurden weitgehend berücksichtigt und nach den modernsten Erkenntnissen gelöst. Innerhalb der massiv gearbeiteten Wände und Decken wurde eine Akustikwand tonschwingend gestellt. Die Tonwiedergabe wurde durch den hierfür geeigneten Baustoff Holz bis in die letzten Möglichkeiten erschöpft. Die gegen Feuer imprägnierten Holzwände sind mit Asbestplatten feuersicher verschalt. Als Schallschluckmittel wurde Steinwolle verwendet und so ermöglicht, die Wände vollkommen auszupolstern. So erwartet Sie das neue Lichtspielhaus an den Planken!

Ein Haus, in dem die baulichen, technischen und akustischen Belange bis an die Grenze des Vollkommenen gelöst sind, wird Sie schon beim Betreten in der weiten Vorhalle, in deren Mitte eine gläserne Vitrine mit Kassenschaltern erstellt ist, überraschen und begeistern. Besuchen Sie das neue Lichtspielhaus an den Planken und Sie werden bald und gerne wieder den Weg dorthin finden. Ein ausgesuchtes Programm deutscher und ausländischer Filme wird Ihrem Geschmack immer entgegenkommen und Sie zu erfreuen, zu unterhalten und zu belehren wissen.
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Die Bild-Wiedergabe erfolgt durch Bauer B 12-Projektoren der Firma Eugen Bauer G.m.b.H., Stuttgart-Untertürkheim und die Tonwiedergabe durch eine Klangfilm-Euronor II Tonanlage der Firma Klangfilm GmbH., Emmendingen-Berlin.

Anmerkung : Es ist erst 1951 und alles ist Mono und Lichtton. Auch die Plattenspieler zur Pausenmusik laufen natürlich auch noch Mono. - Cinemascope kam erst 1954.

PLANKEN.LICHTSPIELE
MANNHEIM - KNÖRZERBAU P 4

Zur Planung Ihres Besuches : Die Sitzplätze im Parkett

Die Bühne zur Eröffnung

Es ist ein weitgend durchdachtes Konzept, sicher von den Frankfurter Profis der UFA mit gestaltet, bei dem so gut wie alle Besucher einen sehr guten, guten und noch akzeptablen Blick auf das Bild hatten. (Die Bildwand ist in der Zeichnung unten gelegen.)
Das mit einem guten Konzept war nicht immer so. Bei den umgebauten Theatern wie bei dem "Capitol" in Heidelberg waren die außen liegenden Plätze - vor allem auf den Rängen - eine Katastrophe (oder zu den Glanzzeiten nur Geldmache).
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Die Sitzplätze auf dem Rang

Die Bildwand ist in dieser Zeichnung auch unten gelegen und die Plätze ganz links und ganz rechts (hier Balkon-Loge genannt) sind extrem ungünstig. Die Sitzplätze weiter hinten im Bereich Balkon und Rang sind durchaus akzeptabel bis sehr gut.
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Programm für die Spielzeit vom 16. März bis 22. März 1951
"Meine Herren Söhne"

REGIE: R. A. STEMMLE MUSIK: ADOLF STEIMEL
DARSTELLER: Monika Burg (Claude Farell), Werner Hinz, Lutz Moik, Hans Neie, Elisabeth Flickenschildt, Günther Lüders, Aribert Wäscher

INHALT: (ein typische Nachkriegs - Trivial-Story)

„Mit Papa haben wir es gut getroffen" - stellen Lutz und Lütte Redwitz aufatmend fest, als selbst der Anschlag auf das Heiligtum der Frau Suhrmöller, die wohlgefüllte Speisekammer des Gutshauses, ohne schlimme Folgen für sie ausgegangen ist. Frau Suhrmöller, die gallige Haushälterin, ist allerdings völlig anderer Meinung.

Sie steht aber keineswegs allein mit ihrer Ansicht da. Besonders auch Tante Ursula ist der Meinung, daß etwas geschehen muß. Bettina, ihre Nichte, wäre die Richtige, um die mutterlosen Jungen mehr als bisher an den Zügel zu nehmen.

Lutz und Lütte sind auf das Schlimmste gefaßt. Sie erwarten ein ältliches, säuerliches Wesen mit Brille und vielleicht einem Buckel und es erscheint — ein strahlendes junges Mädchen, dem ihre Herzen sofort zufliegen. Es ändert sich manches im Hause Redwitz. Der Vater erkennt seine Jungen zeitweise garnicht mehr wieder, so folgsam und wohlerzogen geben sie sich, seitdem Bettina sie in ihre Obhut genommen hat. Tante Ursula sieht ihre geheimen Pläne bereits in Erfüllung gehen und selbst Lutz und Lütte können nicht darauf verzichten, ein bißchen Schicksal zu spielen, als der Gutsvolontär Liebekind versucht, sich Bettina zu nähern. Sie möchten Bettina gerne als ihre neue Mutti sehen. Alles scheint seinen guten Weg zu gehen, als Bettina selbst eines Tages aus dem Munde der erbitterten Frau Suhrmöller erfährt, wie man im allgemeinen über ihre Stellung im Hause denkt. Nach einer Aussprache mit Tante Ursula, kurz aber deutlich, verläßt Bettina sofort das Gut.

Bettina ist fort und über dem Hause Redwitz liegt eine schwarze Wolke aus Enttäuschung und Mißmut. Bis eines Tages Lutz und Lütte einen Kartengruß von Bettina erhalten, aus dem hervorgeht, daß sie die Leitung eines Erholungsheimes übernommen hat. Es dauert garnicht lange, bis dort ein Herr mit seinen zwei Söhnen zum Erholungsaufenthalt eintrifft — Herr Redwitz mit Lutz und Lütte. Und endlich hat sich auch das Glück eingestellt, Lutz und Lütte werden eine neue Mutti haben.

Umbau auf Cinemascope im Dezember 1955 (UFA)

Die alte Bildwand für das konventionelle 4:3 Filmformat der alten Spielfilme wurde ja etwas aufgelockert durch den 1:1,8 Breitfilm. In den alten Kinos wurde aber nur oben und unten eine schwarze (Stoff-) Blende angebracht - und schon war das Bild breit.

Nur für das neue Cinemascope Format mit dem extremen 1:2,33 Breitformat reichte das nicht mehr. Die Bühne musste dann doch komplett umgebaut werden. Aus dieser alten Zeit liegt ein genau detallierter Arbeitsplan vor, den die UFA Ingenieure in Düsseldorf ausgearbeitet hatten, auf die Stunde genau terminiert. Ob das dan auch so geklappt hatte, ist nicht mehr bekannt.

Damit enden die Unterlagen über das Planken in Mannheim.

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