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Über die Eröffnungsveranstaltung vom 10. Dez. 1954
Die Kammerspiele (in Bad Kreuznach) hatten Premiere

In der gleichen Zeitung erscheint am 10.12. einen Tag nach der Eröffnungsveranstaltung dieser bilderlose Artikel. Das ist sicher (oder eher vermutlich) der großen Menge der Handwerkeranzeigen in der Ausgabe Tags zuvor geschuldet. Dabei wird mit keinem Wort erwähnt, daß es in dem kleinen Bad Kreuznach insgesamt 4 Kinos gab, teils mit 600 Sitzen !

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„Blendet auf, das Spiel kann beginnen!"

Ab Freitag täglich 4 Vostellungen !!!

10. Dez. 1954 - Rückblick auf Gestern :
Offizielle Führung der Filmproduzenten und der geladenen Gäste - Dank an die Baufirmen


Nach dreimonatiger Unterbrechung eröffneten die Kammerspiele ihr neues, modernes und intimes Theater gestern Abend (9. Dez. 1954) mit dem großen deutschen Film „Sauerbruch - Das war mein Leben". Wie die zahlreichen Kreuznacher Filmfreunde, die diese erste Veranstaltung besuchten, waren auch die geladenen Gäste — die am Donnerstag vormittag zu einer Besichtigung des Hauses und einer Tonprobe zusammengekommen waren — von der geschmackvollen architektonischen Gestaltung des Theaters überrascht.

Unter ihnen befanden sich neben den Vertretern der Behörden und Baufirmen auch die Repräsentanten der Schorcht-, Herzog-, Europa-und Prisma-Verleihfirmen sowie die Vertreter von „Warner Brothers", „Metro-Goldwyn-Mayer", „Rank", „NDF", „Fox" und „UFA".

Nach einem Rundgang durch das neue Filmtheater
begrüßte Karl-Heinz Sawatzki die Gäste, dankte dem Architekten und den am Bau beteiligten Firmen für ihre Arbeit und gab seiner Freude über das jetzige Aussehen der Kammerspiele Ausdruck. Der gleiche intime Charakter und die Gemütlichkeit, die schon das erste Kreuznacher Kino im Jahre 1907, den Saalbau Heym ausgezeichnet hatten, seien auch in den neuen Räumen erhalten geblieben.
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Cinemascope war brandneu und es war der Renner
John Wayne startete zu seiner Karriere

Nicht nur die Größe eines Theaters und gute Filme seien in der heutigen Zeit ausschlaggebend für einen Erfolg, sondern auch der Charakter eines Theaters, das der Zeit entsprechend modern und trotzdem in einer persönlichen Note gehalten sein müsse.

„Liebe zum Fels"

Im Anschluß daran verdunkelte sich zum ersten Male der neue Zuschauerraum, der Vorhang zur Leinwand öffnete sich, und als erster Kurzfilm war eine Gipfelersteigung unter dem Titel „Liebe zum Fels" zu sehen. Bildprojektion und Ton wurden den von den Gästen gestellten Anforderungen mehr als gerecht. Wenn bei der vorhergehenden Besichtigung des Theaters nur die Gestaltung des gesamten Hauses ins Auge fiel, so verdient die Beleuchtung im Zuschauerraum noch einmal besondere "Würdigung. Das indirekte Licht verleiht dem Raum eine besondere Wirkung, und auch durch das langsame Verlöschen vor Beginn einer Vorstellung werden wirkungsvolle Effekte erzielt.

Um den Gästen auch einen Eindruck von der Gewaltigkeit des Cinemascope-Films zu geben, wurde dann ein Querschnitt durch die neueste Produktion der „Warner Brothers" gezeigt. Die Anwesenden sahen u. a. Ausschnitte aus den CinemaScope-Filmen „Es wird immer wieder Tag" und „Ein neuer Stern am Himmel". Mit der Eröffnung der Kammerspiele werden zukünftig zwei Kreuznacher Filmtheater CinemaScope-Filme aufführen können.

„Nicht nur des Geldes wegen . . ."

Bei einem kleinen Umtrunk dankte auch Architekt Ludwig Aman aus Nürnberg den Arbeitern und Unternehmern, die am Gelingen des Baues mitgewirkt haben, „Viele taten es nicht nur des Geldes wegen, sondern aus einem gewissen Idealismus heraus, an dem Erstehen des neuen Theaters beteiligt gewesen zu sein", sagte der Architekt.

Er sprach seine Anerkennug über die reibungslose Zusammenarbeit aus, und er fand Worte der Anerkennung für die menschliche Atmosphäre zwischen den Bauherren - der Hausgemeinschaft Sawatzki-Rubröder - und ihm als Architekten. „Ich war kaum an einem Bau beteiligt", sagte Ludwig Amann, „der mit so wenig Aufregung beendet werden konnte!"

Der Vertreter der Rank-Filmgesellschaft, Mathern, sprach als Freund des Hauses Sawatzki. Schon vor vielen Jahren hatte er in einem freundschaftlichen Verhältnis mit dem Gründer des ersten Kreuznacher Kinos, Gottfried Heym, gestanden, als er Vorsitzender des Theaterverbandes Rheinland-Pfalz war. Als Verleiher freue er sich über das prachtvolle neue Theater; auch er wünschte der Direktion der Kammerspiele alles Gute und - Glück auf!

Als Gast und nicht als Vertreter des Bauamtes, der auch die Aufgabe habe, hin und wieder baupolizeilich tätig zu sein, machte Baurat Möller vom Geist beflügelte launige Ausführungen, in denen die angenehme Gestaltung der Theater-Räume besondere Würdigung fand. Die Wirkung der Räume beeindrucke nicht nur, sondern fasziniere. Als dann nach Monaten harter Arbeit am Donnerstag abend die ersten Besucher die Stuhlreihen füllten, verblieb für den Chronisten zu Beginn der neuen Aera in der Geschichte der Kammerspiele nur noch die Feststellung: „Blendet auf, das Spiel kann beginnen!"
-wdh-.

Und unten drunter das Programm der Kreuznacher Kinos
"DAS NEUE FILMPROGRAMM" (für Dezember 1954)

"Fort ti"
Neben einer Romanze, die auch, im Getümmel blitzender Skalpmesser, im Dröhnen dahingaloppierender Mustangs und im geräuschvoll untermalten Duell erbitterter Gegner nichts von ihrem Reiz einbüßt, bringt Columbias neuester Farbfilm mit George Montgomery und Joan Vohs eine Fülle interessanter Episoden aus der Entwicklungsgeschichte Amerikas vom unterdrückten Kolonialland zum selbstbewußten Freiheitsstaat.
Eine der schmerzlichsten Etappen auf diesem Weg ist der siebenjährige Krieg zwischen den französischen und englischen Kolonisatoren, der mit der Vernichtung der Franzosen endete und Englands Vormachtstellung jenseits des Atlantiks begründete. Eines der zahlreichen, heißumkämpften Hindernisse auf dem Wege zum Siege, das von den Franzosen besetzte Fort Ticonderoga, gewinnt in diesem Film atemberaubende Gegenwartsnahe. (Germania)
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„Mogambo"
Ein Film der MGM mit Clark Gable und Ava Gardner. In der tropischen Glut des afrikanischen Himmels bemühen sich zwei Rivalinnen um den Tierjäger Victor Marswell. Der Marsch durch die wasserlosen Steppen Kenyas ist entscheidend für ihr Leben und ihre Liebe. Zwei Stunden voll von dem magischen Zauber einer geheimnisvollen Welt in prächtigen Farben. Aber die Expedition der Tierfänger, die tief im Innern Afrikas für große zoologische Gärten in Europa und Amerika die Tiere der Wildnis einzufangen versuchen, wird glücklich zu Ende geführt, und zum Schluß bleibt auch das Happy-End nicht aus. Ein Film voller menschlicher Leidenschaften, drohender Naturgewalten und gefährlicher Raubtierkämpfe. (Schauburg)
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„Familie Hesselbach"
Die beliebteste und erfolgreichste deutsche Rundfunksendung, die „Familie Hesselbach" des Hessischen Rundfunks (die beim Süddeutschen Rundfunk unter dem Titel „Familie Staudenmeier" und beim NWDR-Köln unter dem Titel „Familie Schmitz" gesendet wurde) ist von ihrem Schöpfer Wolf Schmidt nun auch als Film herausgebracht worden. Diese überaus fröhlichen und humorvollen Schilderungen aus dem Alltag einer Familie, über die Millionen Rundfunkhörer Tränen gelacht haben, werden auch als Film ein begeistertes Publikum finden. In den Hauptrollen sind neben Wolf Schmidt persönlich, noch Else Knott, Irene Marhold, Joost Jürgen Siedhoff, Sofie Engelke, Maria Mucke, Günther Ziessler und Lia Wöhr zu sehen. (Universum)
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„Sauerbruch - Das ist mein Leben"
Rolf Hansen hat die Erwartungen, die auf die Verfilmung der Lebensgeschichte Sauerbruchs gesetzt wurden, bei weitem übertroffen. Wohl noch nie ist der Kampf um den Menschen so bezwingend dargestellt Worden. Ewald Baiser, in erstaunlicher Maske, verschmilzt schier mit seinem Vorbild.

Seine Kraft, die Wärme dieser singulären Stimme, die Väterlichkeit seiner Art, lassen vergessen, daß es sich um eine außerordentliche schauspielerische Leistung handelt. Neben ihm steht ein derartiges Aufgebot ausgezeichneter Schauspieler bis in die kleinsten Rollen hinein, wie es lange nicht mehr erlebt wurde. Szenen voll prägnanter Spannung wechseln mit idyllischen ab. Da sind Momente, in denen Pflicht und Verantwortung, Glaube und Hoffnungen des Arztes unaufdringlich sichtbar werden, mit vielen, Augenblicken voll Witz und Lachen, so daß sich aus all dem ein höchst lebensvolles Charakterbild zusammenfügt. (Kammerspiele)
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Noch die "Nachtvorstellungen und Matinee" der Konkurrenz :

„Der Richter bin ich", ein Film von nervenzerreißender Spannung im Gangstermilieu, mit Frauen, die ein gefährliches Spiel treiben, läuft am Freitag und Samstag in der Schauburg.

Am Sonntag um 11 Uhr zeigt die Schauburg „Amba Ras"; die erstmals geglückte Expedition Paul Hartlmaiers durch Abessinien und die Mau-Mau-Gebiete Kenyas.

„Der große Unbekannte" heißt der Titel eines sensationellen und atemberaubenden Kriminalreißers, der am Samstag und Sonntag im Germania zu sehen ist.
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