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Hier schreibt ein absoluter Film und Kino Profi den Begrüßungsartikel zu seiner Festschrift

Und aus dieser Introduktion entnehmen wir eine Menge an Zeitgeist- und Zeitzeugen-Informationen aus Konstanz und Baden Würtemberg im Oktober 1954.
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Oktober 1954 - 30 Jahre Filmtheater
"MEIN TEIL UND ANTEIL"

Seit dreißig Jahren zeige ich Filmdarbietungen in eigenen Theatern. Also über die Zeitspanne einer ganzen Generation hinweg. Die UFA, eine von Ludendorff befohlene Kriegsgründung, die später zum Kristallationskern der deutschen Filmwirtschaft wurde, war als Unternehmen kaum 5 Jahre älter. Und 10 Jahre früher war der Film noch eine Schaubudenattraktion der Messen und Juxplätze — Kintopp.

Der Film wurde in eine turbulente Zeit hineingeboren. Zu einem Abschnitt in die Welt gesetzt, da das Theater die klassische Geruhsamkeit verlor, der beflissene „Autor" mehr den echten Dramatiker ersetzte und die Bühne zur Tribüne wurde. Es war die Zeit, die den Menschen in die ersten starken Schauer sozialen Wechselfiebers brachte und einer ganzen Generation das Massensignum nervöser Hast und Hetze aufprägte.

In diese Epoche fiel die Anfangsentwicklung der Kinematographie. Man bemächtigte sich dieser Erfindung und glaubte, die Hand an eine Goldader zu legen. Aber der Griff traf ein tückisches Reptil, kalt, buntschillernd und unberechenbar. Ein merkwürdiges Gebilde, aus Mitteln der Mechanik, Optik und Elektrotechnik gemacht. Eine künstliche Konstruktion, die künstlerisch nachschaffen sollte.

Dieser Errungenschaft des 20. Jahrhunderts wandte sich ungestüm alles zu, was nach leichtem Gelderwerb und billigen Chancen Umschau hielt. Der Film wurde zum Spekulationsobjekt und er entglitt allen ernsthaften Versuchen, ihn in die industrielle Form einer stabilen Sparte zu bringen. Er wurde der Nährherd schlimmsten Parasitentums.

Anstelle des wagemutigen Unternehmers war der waghalsige Spekulant am Werk. Riesige Kapitalverluste, unverantwortliche Fehlinvestitionen, wilde Usancen unberufener Makler brachten den Film zum Bankerott. Er verlor die letzte Kreditwürdigkeit.

So war die Situation in der Produktion und im Verleih. Die Filmtheater blieben allein der grüne Ast am morschen Stamm. Aber nicht, weil sich hier etwa eine Elite versammelt hätte, sondern weil im Theaterbesitz zum größten Teil wohlerworbenes Eigenkapital angelegt war. Hier obsiegte die Selbstverantwortlichkeit. Und mit dem Film, dem anvertrauten Pfund, wucherte er ehrlich.

Vor 15 Jahren fand dann endlich der deutsche Film seine feste wirtschaftliche Konsolidierung. Angesammelte Gewinne schufen unabhängiges Kapital, die Sparten kamen zu eigener Kreditfähigkeit und wurden vor den Banken wieder kreditwürdig.

Es wurde gebaut, verbessert, verschönt. Die Filme kamen in ausreichender Zahl, zu sicheren Terminen, in guter Qualität und zu ordentlichen Bedingungen auf den Markt. Der deutsche Theaterpark hatte sich fast verdoppelt. Und es schien, als ginge alles gut.

Im festen Glauben an rechtes Tun und im stillen Vertrauen auf einen gerechten Erfolg, habe ich in dieser Zeit durch Bau und Kauf meine Theater von 6 auf die Zahl 12 erhöht. Ich konnte der Produktion zu Gunsten der finanziellen Filmauswertung 6.000 Sessel zur Verfügung stellen.

Sogenannte gute Theater, Häuser, die ihre sichere Rendite brachten, waren kaum zu kaufen. Sie blieben in fester Hand und Besitzwechsel kam äußerst selten vor. Nur die notleidenden Theater und es gab deren sehr viele, wechselten ihre Inhaber, manchmal so oft, wie der Spielplan die Filme.

Aus dieser Kategorie von Kinos hatte ich einige Theater zu meinen seitherigen hinzubezogen. Sie gewannen bald Ebenbürtigkeit, wurden rentabel und blieben bis heute in meiner Hand.

Für das Filmgeschäft gibt es keine "Regeldetri" und keinen goldenen Schnitt. Die ewig Unbekannte X ist das Publikum. Mit ihm müssen wir rechnen und immer wieder rechnen. Nicht nach mathematischen Formeln des Gelderfolgs, sondern in der Form leidenschaftlicher Liebe zum Film.

Dann kam der Krieg. Über 2.000 Theater gingen durch ihn verloren. Die Produktion war ausgelöscht. Was nach dem Krieg an deutschen Filmen zur Welt kam, trug die rachitischen Merkmale der Notgeburt. Sie waren keine Zierde des Spielplans. Und es taten sich wieder dieselben Zeichen der Verwirrung und Ratlosigkeit auf, wie ehedem.

Kapitalmangel, Kreditsperre, wilde Gründerei usw. Statt wohlüberlegter Organisation leichtfertige Improvisation. Wir haben Produktionsfirmen in einer Vielzahl, die einen Europabedarf decken könnten, wenn ...

Wir haben Verleiher in einer Überzahl, die zusammen eine Vertriebsorganisation über die ganze Welt spannen könnten, wenn ...

Negative Energie mit der Nutzkraft eines Sterbehauchs!

1950 scheint jedoch das Jahr der Wende zu werden. Der Markt bietet Filme an, die nach guter Fertigung und sorgfältiger Auswahl aussehen. Ein erweitertes Kreditvolumen, durch Regierungshilfe herbeigeführt, gibt dem guten Produzenten größere Mittel an die Hand, sodaß wir in sicherer Erwartung dem besseren deutschen Film entgegensehen können.

Was ist meine Aufgabe?

Was ist nun die Aufgabe des deutschen Theaterbesitzers?
BAUEN!
AUFBAUEN !
WIEDERAUFBAUEN!

Ich führe in meinem Inventar 3 Filmtheater als aufgeräumte Trümmerhaufen. Diese müssen beseitigt und darauf wieder neue Theater erstellt werden. Die anderen müssen renoviert und neu ausgestattet werden. So wie das GLORIA, das Ihnen zuliebe als erstes an die Reihe kam.

Ja und das Geld? Wo nehmen Sie das her? So wird man fragen. Geld oder Kapital? Beides ist nicht das gleiche. Das Geld nehme ich immer vom Eigenen. Es ist der Rest, den mir die Steuer übrig läßt und den ich nicht verbrauche.

Das andere ist Kapital. Kapital, das man angeboten bekommt, wenn man Vertrauen besitzt. Ich baue, weil Bauen nottut. Aber ich verbaue keine Wohnbaugelder. Ich rechne nach 5 Fingern an meiner Hand und multipliziere nicht mit 7-stelligen Nullen. Mein Erfolgsverfahren ist ein einfach additives. Aus Eins mach Zwei!

Verehrter Gast!

Das sind keine Indiskretionen. Ich wollte Ihnen nur sagen, bei wem Sie zu Gaste sind. Sie sollen sich wohlfühlen in einem Hause, von dem Sie wissen, daß es gut gefügt ist!

Ich wünsche Ihnen viel Freude am neuen GLORIA -
Auf Wiedersehen!

Robert König
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FILM am Scheideweg
I.

Nicht mehr die Armut, nicht mehr die materielle Dürftigkeit des Lebensstandards der Mehrzahl ist in unserem Zeitalter, das nach "Ortega Y Gasset" unter der Herrschaft der Massen steht, der tiefste und letzte Grund aller sozialen Krisen der Gegenwart und die furchtbarste Geißel, der unerbittlichste Feind der zivilisierten Menschheit, — sondern die Banalität der Wirklichkeit unseres Alltagslebens!

Zwei Grundhaltungen gibt es einem Feinde gegenüber: Man kann vor ihm fliehen oder man kann sich ihm stellen, um ihn zu überwinden. Die Flucht ist der leichtere, verlockendere Weg, aber er ist gefährlicher, da man dem Feind dabei den Rücken kehrt.

II.

Aller Zeitvertreib, alle „Passionen" und Spiele, die sich die Menschheit in den überschaubaren 5.000 Jahren ihrer Kulturgeschichte geschaffen hat, sind Flucht vor der Wirklichkeit: Die Hunderte von verschiedenen Arten des Kartenspiels, der Skat-, der Bridge-, der Kegelabend der Anspruchslosen, das Schach-, das Domino-, das Dame- und Würfelspiel, das Rätselraten, die moderne Kreuzworträtsel-Manie, das Golf, das Tennis, das Krocket, das Boccia, die Briefmarken-, Münzen- und alle anderen Amateur-Sammelleidenschaften, sie sind nichts anderes als Flucht vor der Wirklichkeit nach dem erstmals von Freud entdeckten „Gesetz der Regression", dem Hang des Unbewußten, sich von den Belastungen und Sorgen des Alltags hinüber zuretten in eine frühere, unbeschwerte Lebensphase, in der man den Kopf noch frei hatte von Sorgen und da man im Paradies kindlicher Spiele lebte.

III.

Der zweite Weg, den wir bei der Konfrontierung mit diesem Feinde einschlagen können — seine Überwindung — hat zum größten Siege geführt, den die Menschheit je über die Mächte der Finsternis dieses Erdendaseins errungen hat: zur Kunst!

Dichtung, Tanz, Musik, Theater, Malerei, Skulptur, alle freien Künste sind nichts anders als Überwindung der Wirklichkeit durch ihre Sublimierung!

Dieser zweite Weg ist der schwierigere, weniger verlockende. Als schöpferischer Akt steht er nur besonders Begnadeten offen und vom Genießenden verlangt er Sammlung.

IV.

Der Siegeszug des Films in den ersten fünfzig Jahren seiner Geschichte hat seinen Grund darin, daß er die grandioseste Erfindung darstellt, welche die Menschheit jemals zur Flucht aus der Wirklichkeit erdenken konnte. Der Film übernahm mit der fortschreitenden Vermassung unseres Zeitalters immer mehr die Funktion des geistigen Opiums, des Massenelixiers und wurde so zur Traumfabrik. Es spricht Bände, wenn der amerikanische Präsident Hoover offen gestand: „Ich mache mir nichts aus dem Tonfilm, weil er mich zwingt aufzupassen!

V.

Noch immer sucht der Durchschnitts-Besucher im Kino nichts anderes als „Unterhaltung" und „Zerstreuung", die ihn aus dem Alltag fort in das Wunderland einer paradiesischen Idealwelt führen soll. Noch immer hat der moderne Massenmensch Angst vor der Sammlung, deren Folgen das Nachdenken, die Besinnung ist.

Daher ist der Film noch immer euphoristisch und illusionistisch bis zum Kitsch — mit wenigen Ausnahmen. Daher hat der Film noch immer so wenig Sinn für die Wirklichkeit.

VI.

Wir Deutschen stehen heute vor der erregend reizvollen Aufgabe, aus der Beschränkung unserer Mittel eine Tugend zu machen, die uns schon einmal nach dem ersten verlorenen Weltkrieg zu Avantgardisten werden ließ und dem deutschen Theater und Film Weltgeltung schuf. Wir haben die Verpflichtung, unseren Problemen nicht aus dem Wege zu gehen, denn es sind Probleme der Humanisierung der ganzen Menschheit. Es geht um das Individuum, um den Menschen schlechthin, zu dessen Anwalt sich endlich der Film machen sollte. Er kann es nicht, wenn er immer wieder aus der Gegenwart flieht ins Traumland oder in die Vergangenheit.

Wo bleiben die nach Gestaltung drängenden Stoffe, die der Flucht aus der Wirklichkeit den zweiten Weg vorziehen, den der Überwindung des Feindes, der großen nihilistischen Krise der Wirklichkeit unserer zerrütteten Zeit?

Wo bleibt der Film, der das psychologische, soziale und menschliche Problem der Kriegsverstümmelten und Kriegsopfer nicht nur anschneidet, sondern diskutiert?

Wo ist der Autor, der den Mut hat, das Problem der modernen Ehezerrüttung, das Flüchtlingsproblem zu filmischer Aussage zu gestalten?

Wo ist der Filmdichter, der es wagt, dem Niedergang des Eros und seiner Verdrängung und Verlagerung zum Sexus Gestalt zu verleihen, letzte Konsequenzen aufzuzeigen der bürokratischen Mechanisierung der Politik und des Alltagslebens?

Und uns so durch Sichtbarmachung der inneren Zusammenhänge aller Krisenerscheinungen unserer Zeit herauszuführen aus der Verkrustung, die uns umspannt und die eis aufzubrechen (gilt, um wieder zum Kern des Menschlichen vorzustoßen?

VII.

Zur gleichen Zeit, da Lumiere in Paris der Öffentlichkeit seinen ersten Filmstreifen vorführte, erschien das grundlegende Werk Le Bons „Psychologie des foules", in dem der Forscher den Satz prägte und bewies: „Die Massen können nur in Bildern denken und lassen sich nur durch Bilder beeinflussen."

Wohlan, Filmautoren, beeinflußt sie durch Bilder, erzieht und lehrt sie, die Flucht vor der Wirklichkeit zu verachten, sich ihr vielmehr zu stellen, um sie zu überwinden!

Demontiert, Filmdichter, die Traumfabriken, reißt nieder die Hegemonie des verderblich, überschätzten Regisseurs, dessen Werk nicht Schöpfung, sondern nur Getaltung, Instrumentierung ist, und stellt endlich klar, daß der filmische Schöpfungsakt nicht im Filmatelier vollzogen wird, sondern auf eurem Schreibtisch!

Dann habt ihr dem am Scheideweg stehenden deutschen Film die Richtung gewiesen, die er nehmen muß, wenn er in der Welt ernst genommen werden will. -gl.

Wenn eine Frau liebt .....

Nach der Komödie „Versprich mir nichts" von Charlotte Rißmann
Eine Dr. Jonen-Produktion der Meteor-Film G.m.b.H. im Verleih der Herzog-Film
Kamera: Georg Bruckbauer - Bauten: Fritz Maurischat, Paul Markwitz Musik: Hans-Martin Majewski - Schnitt: Rudolf Schaad - Ton: Gustav Bellers
Regitz /lVolfgajig Qiebeneiner
Darsteller:
Monika Pratt ...... Hilde Krahl
Martin Pratt....... Johannes Heesters
Felder, Kunsthändler .... Mathias Wieman
Konsul Brenkow..... Wilfried Seyferth
Vera Brenkow ....... Gusti Wolf
Dr. Elk......... Fritz Remond
Frl. Klette........ Ursula Herking
Gustav......... Peter Zlonitzky
Präsident........ Clemens Wilmenrod
Kunstbeirat....... Arno Hassenpflug
Herr Lemke....... Hans Mahnke
Frau Lemke....... Käthe Lindberg
u. a. m.

„Ausverkauft"

Es gibt für eine Kinodirektion kein schöneres Wort als jenes auf dem kleinen Täfeichen „Ausverkauft". In diesem Wort liegt gewissermaßen das Endziel aller Bemühungen, und darum ist jede Direktion eifrig bemüht, daß dieses kleine Schildchen möglichst allabendlich den Kassenschalter schmückt.

Leider geht das aber nicht immer und das hat seine guten Gründe: Sehen wir uns einmal den Ablauf des Jahres an:

Wer geht schon im Sommer in's Kino? Im Sommer geht man in den See baden und wer dazu am Tag durch berufliche Abhaltungen keine Zeit hat, der stürzt sich am Abend wenigstens in die Badewanne, oder laßt sich von der holden Gattin auf dem Balkon mit der Gießkanne abspritzen.

Im Herbst geht auch keiner in's Kino, denn die Abende sind für Vereins-Sitzungen reserviert, außerdem hat man kein Geld, weil die Ferienreise zu viel gekostet hat. Im Oktober fängt man langsam an, für Weihnachtsgeschenke zu sparen. Nach Weihnachten ist man vollkommen „blank", weil man viel teuerer geschenkt hat, als man eigentlich wollte.

Dann kommt Silvester und der letzte Rest eines einst fürstlichen Vermögens geht dann noch für die Fastnacht drauf mit dem Erfolg, daß die finanziellen Venhältnisse total zerrüttet sind. Es bleibt also kein Geld für einen Kinobesuch.

Nach monatelanger, äußerster Sparsamkeit hat man schließlich das Gleichgewicht einigermaßen wieder hergestellt, dann kommen aber die ersten schönen Tage.

Wer geht im Frühling schon in's Kino? Im Frühling geht man mit der Braut spazieren, oder man gräbt den Garten um, oder man streicht sein Paddelboot. Dann kommt der Sommer. Wer geht im Sommer schon in's Kino? usw.

Eine gute Idee - der Kinozwang

Ich bin nun auf eine gute Idee gekommen, wie man es bewerkstelligen könnte, daß jedes Kino allabendlich ausverkauft wäre. Durch den Staat — nur durch den Staat — und zwar müßte einfach der Kinozwang eingeführt werden!

Wenn jeder in's Kino gehen muß, dann schaut die Geschichte gleich ganz anders aus. Man hat ja schließlich auch den Schulzwang eingeführt. Kein Kind würde in die Schule gehen, wenn es nicht müßte. Beim Kino müßte sich das doch auch einführen lassen. Mit gutem Willen und Zwang geht alles besser. Und außerdem ist Kino nicht auch Schule?

Man müßte schon bei den Klein-Kindern mit dem Kinozwang beginnen! Der Spielplan für diese Vorstellungen würde sich hauptsächlich aus Märchen zusammensetzen. Ich denke da an Dorn-käppchen, Rotröschen, Schneebrödeil, Aschenwiittchen und die sieben Däumlinge usw.

Nehmen wir an, daß wir in Konstanz 10 Schulhäuser haben, jedes Schulhaus hat 600 Kinder, so sind das 6.000 Kinder pro Tag. Am Vormittag gehen die Kinder in die Schule, am Nachmittag in's Kino. — Eintrittspreis 50 Dpfg. pro Kindperson — natürlich auf Staatskosten. Wenn nun jedes Kino 300 Sitzplätze hat, so benötigen wir für Konstanz 20 Kinos!

Ungeahnte Arbeitsmöglichkeiten für alle Filmschaffenden würden sich auftun, von den Verdienstmöglichkeiten der Theaterbesitzer gar nicht zu reden. Das gesamte Wirtschaftsleben würde eine entscheidende Belebung erfahren.

Es ist zweierlei ob ich mich frage: Soll ich heute in's Kino gehen, oder ob es heißt: Ich muß heute in's Kino gehen. Durch diesen allgemeinen Kinozwang verichtet jeder freie Bürger freiwillig auf alle liebgewordenen Feierabendunterhaltungen wie Kegeln, Jazz und Skat, Billard und Schach, Chorgesang und Schwachstrombasteln, auf Feuerwehr und andere Ausmärsche. Man geht in's Kino, weil man muß!

Der Bürger ist gezwungen, 365 mal im Jahr in's Kino zu gehen, ob es ihm nun Spaß macht, oder nicht. Dem Schüler macht es auch keinen Spaß in die Schule zu gehen, aber er geht gern, weil er muß! — Auf diese Weise wären die Kinos jeden Abend ausverkauft und es braucht keine Reklame mehr, diese sieben mal siebte Plage des 20. Jahrhunderts (an dieser Stelle empfehlen wir unsere äußerst wirksame Dia-Reklame).

Auf eine Stadt wie Konstanz kämen also — täglich rund 40.000 Kinobesuchspflichtige - eine Zahl, welche die jetzige Kinobesucherzahl weit überschreitet.

Sollte nun die vorgeschlagene „Allgemeine Kinobesuchspflicht", abgekürzt „Allkibepfli" eingeführt werden, und wie bereits erwähnt, täglich 40.000 Personen in's Kino gehen, so müßten in einer Stadt wie Konstanz, 4 Kinos mit je 10.000 Plätzen zur Verfügung stehen, oder 8 Kinos mit je 5.000 Plätzen, oder 16 Kinos mit je 2.500 Plätzen, oder 32 Kinos mit je 1.250 Plätzen, oder 100 Kinos mit je 400 Plätzen, oder 40.000 Kinos mit je 1 Platz.

Eine chinesische Mauer von Kinos rings um den Stadtkreis Konstanz. Eine richtige Kinostadtrandsiedlung. In diesem Projekt stecken Möglichkeiten, ...... wer das nicht einsieht?

Möglichkeiten für ein ganzes Statistisches Reichsamt. Und alles nur wegen dem Schildchen „AUSVERKAUFT"!

An der Neugestaltung des Theaters waren beteiligt:

Architektur und Bauleitung:

Richard Herwegh, Architekt BDA., Wiesbaden, Platter Straße 73 örtliche Gesamtleitung: Adolf Rössel
Maurerarbeiten: Bauunternehmer Dittus, Konstanz, Wallstraße 21
Zimmermannsarbeiten: Richard Gönner, Konstanz, Reichenaustraße 31
Josef Marx, Konstanz, Wallgutstraße 25
Tischlerarbeiten: Gustav Krause, Konstanz, Reichenaustraße
Raimund H. Müller, Konstanz, Blarerstraße 6
Friedrich Häberlein jun., Konstanz, Neugasse 26
Gips- und Stuckarbeiten: Anton Widmer, Konstanz, Blarerstraße 25
Waldemar Greiner, Konstanz, Muntpraistraße 10
Dachdeckerarbeiten: Gebr. Engelmann, Konstanz
Fliesenarbeiten: B. Sauter, Konstanz, v.-Emmich-Straße 1
Steinholzböden: Hans Schütz, Dachdeckermeister, Konstanz, Tägermoosstraße 18
Parkettarbeiten: Franz Teufel, Konstanz, Tägermoosstraße 13
Schlosserarbeiten: Fritz Bechinger & Söhne, Konstanz, Marienhausgasse 5
Robert Hendel, Konstanz, Gerichtsgasse 7a
Blechnerarbeiten: Max Müller, Konstanz, Brückengasse 2
Wilhelm Engert, Konstanz, Hussenstraße 27
Sanitäre Anlagen: Max Müller, Konstanz, Brückengasse 2
Johann Senger, Konstanz, Reichenaustraße 14a
Heizung: Rogg & Co., Konstanz, Schottenstraße 16
Klima-Anlage: Etna-Werk, Frankfurt a. Main
Malerarbeiten: Ullrich Ottinger, Konstanz, Zollernstraße 4 - Alfred Riedle, Konstanz, Tulengasse 4
Kunstschmiedearbeiten: Riegerhaus, Mühlhofen über Uhldingen
Stahltüren: Karl Tübinger, Konstanz, Ebertplatz 2
Neonbeleuchtung: Dr. Kurt Hansen, Konstanz, Wollmatinger Mittelweg 9
Flutbeleuchtung: A. Reiß, Stuttgart-Weil i. Dorf; Vertr. Röder, Konstanz, Hussenstr. 8
Bühnenbeleuchtung: Emil Niethammer, Stuttgart
Glaserarbeiten: Max Vollmer, Konstanz
Spiegelarbeiten: Artur Möbius, Konstanz, Gottliebenstraße 34
Reklame-Vitrine-Beleuchtung: Unilux, Bolsdorf & Wiegand A.-G., Konstanz-Staad
Bestuhlung: Schroeder & Henselmann, Bad Oynhausen
Elektroarbeitern Karl Nägele, Konstanz, Kreuzlingerstraße 29
Telefonbau: Telefonbau Konstanz, Inselgasse 15
Bühnenbau und Raumgestaltung: Richard Herwegh G.m.b.H., Wiesbaden, Platter Straße 73
Ton- und Bildapparaturen: Ufa-Handel, Frankfurt am Main
Planung und Gesamtüberwachung der Kinotechnischen und Toneinrichtungen:
Heinz Härder, Konstanz, Feldstraße 5
Die künstlerische Decken- und Wandbemalung schuf nach eigenen Entwürfen Franz Danksin unter Mitarbeit von August Schwarz, Überlingen

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